{"id":71564,"date":"2019-12-14T16:19:21","date_gmt":"2019-12-14T14:19:21","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=71564"},"modified":"2019-12-14T16:20:54","modified_gmt":"2019-12-14T14:20:54","slug":"vi-r-52-17-kein-pflege-pauschbetrag-fuer-den-amtlich-bestellten-betreuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-52-17-kein-pflege-pauschbetrag-fuer-den-amtlich-bestellten-betreuer\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;52\/17 &#8211; Kein Pflege-Pauschbetrag f&uuml;r den amtlich bestellten Betreuer"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 4.9.2019, VI R 52\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.040919.VIR52.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Kein Pflege-Pauschbetrag f&uuml;r den amtlich bestellten Betreuer<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Die dem amtlich bestellten Betreuer gew&auml;hrte Aufwandsentsch&auml;digung ist keine Einnahme f&uuml;r die Pflege der betreuten Person i.S. des &sect; 33b Abs. 6 Satz 1 EStG.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Dem amtlich bestellten Betreuer ist der Pflege-Pauschbetrag nur aufgrund des Betreuungsverh&auml;ltnisses ohne eine dar&uuml;ber hinausgehende enge pers&ouml;nliche Beziehung zum Betreuten nicht zu gew&auml;hren, da dem Betreuer aus dem Betreuungsverh&auml;ltnis die Pflege des Betreuten nicht zwangsl&auml;ufig i.S. des &sect; 33 Abs. 2 EStG erw&auml;chst.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision der Kl&auml;ger gegen das Urteil des Finanzgerichts D&uuml;sseldorf vom 13.11.2017 &#8211; 15 K 3228\/16 E wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens haben die Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beteiligten streiten &uuml;ber die Anerkennung eines Pflege-Pauschbetrags nach &sect;&nbsp;33b Abs.&nbsp;6 des Einkommensteuergesetzes (EStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) wurden f&uuml;r das Streitjahr (2015) zur Einkommensteuer zusammen veranlagt. Der Kl&auml;ger ist seit 2013 zum Betreuer der A (Jahrgang 1925) und seit 2015 auch ihres Sohnes H (Jahrgang 1946) bestellt (u.a. betreffend &quot;Gesundheitsf&uuml;rsorge&quot;). Beide Betreuten wohnen seit 2012 in unterschiedlichen Pflegeheimen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der behinderte Sohn (Grad der Behinderung von 100; Merkmal &quot;H&quot;) noch im Haushalt seiner Mutter gelebt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Rahmen der Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr erkl&auml;rte der Kl&auml;ger &quot;steuerfreie Aufwandentsch&auml;digungen bzw. Einnahmen&quot; als ehrenamtlicher Betreuer in H&ouml;he von 798&nbsp;EUR und machte Pflege-Pauschbetr&auml;ge nach &sect;&nbsp;33b Abs.&nbsp;6 EStG in H&ouml;he von jeweils 924&nbsp;EUR f&uuml;r beide Betreuten geltend. Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) lehnte den Ansatz der Pauschbetr&auml;ge ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit dem Einspruch machte der Kl&auml;ger lediglich noch den Pauschbetrag f&uuml;r die Pflege von H geltend, der die Pflegestufe III habe, im Rollstuhl sitze und die K&ouml;rperpflege durch das Fachpersonal des Heims erhalte. Er selbst &#8211;der Kl&auml;ger&#8211; f&uuml;hre alle Fahrten au&szlig;erhalb des Heims durch, insbesondere zwecks Arztbesuchen, mache Bewegungs&uuml;bungen am Bett und im Rollstuhl, unterhalte sich mit H, &uuml;be Lesen, f&uuml;hre ihn mit A zusammen, kleide ihn nach Ausg&auml;ngen etc. Das FA wies den Einspruch als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck, weil die Pflegema&szlig;nahmen nicht mindestens 10&nbsp;% des gesamten pflegerischen Zeitaufwands ausmachten, also gegen&uuml;ber der Heimpflege von untergeordneter Bedeutung seien. Zudem erfolge die Pflege nicht &quot;in der Wohnung&quot; des H.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Finanzgericht (FG) wies die Klage als unbegr&uuml;ndet ab, da der Kl&auml;ger mit der Aufwandsentsch&auml;digung Einnahmen i.S. von &sect;&nbsp;33b Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;1 EStG erhalten habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gen die Kl&auml;ger die Verletzung materiellen und formellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sie beantragen sinngem&auml;&szlig;,<br \/>das Urteil des FG D&uuml;sseldorf vom 13.11.2017&nbsp;&#8211; 15&nbsp;K&nbsp;3228\/16&nbsp;E aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2015 i.d.F. der Einspruchsentscheidung vom 24.10.2016 dahingehend zu &auml;ndern, dass ein Pflege-Pauschbetrag in H&ouml;he von 924&nbsp;EUR angesetzt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat im Ergebnis zu Recht entschieden, dass der Pflege-Pauschbetrag nach &sect;&nbsp;33b Abs.&nbsp;6 EStG nicht zu gew&auml;hren ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Ein Steuerpflichtiger kann nach &sect;&nbsp;33b Abs.&nbsp;6 EStG wegen der au&szlig;ergew&ouml;hnlichen Belastungen, die ihm durch die Pflege einer nicht nur vor&uuml;bergehend hilflosen Person erwachsen, anstelle einer Steuererm&auml;&szlig;igung nach &sect;&nbsp;33 EStG einen Pflege-Pauschbetrag in H&ouml;he von 924&nbsp;EUR im Kalenderjahr geltend machen, wenn er daf&uuml;r keine Einnahmen erh&auml;lt. Hilflos im Sinne dieser Vorschrift ist eine Person, wenn sie f&uuml;r eine Reihe von h&auml;ufig wiederkehrenden Verrichtungen zur Sicherung ihrer pers&ouml;nlichen Existenz im Ablauf eines jeden Tages fremder Hilfe dauernd bedarf (&sect;&nbsp;33b Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;3 EStG). Weitere Voraussetzung f&uuml;r die Gew&auml;hrung des Pauschbetrags ist, dass der Steuerpflichtige die Pflege entweder in seiner Wohnung oder in der Wohnung des Pflegebed&uuml;rftigen pers&ouml;nlich durchf&uuml;hrt (&sect;&nbsp;33b Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;5 EStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) H ist eine nicht nur vor&uuml;bergehend hilflose Person, f&uuml;r deren Pflege ein Steuerpflichtiger grunds&auml;tzlich einen Pflege-Pauschbetrag geltend machen kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das FG hat zu Unrecht angenommen, dass der Kl&auml;ger f&uuml;r die Pflege des H Einnahmen erhalten hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Einnahmen i.S. des &sect;&nbsp;33b Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;1 EStG sind grunds&auml;tzlich s&auml;mtliche der Pflegeperson im Zusammenhang mit der Pflege zuflie&szlig;enden Einnahmen, sei es als Pflegeverg&uuml;tung, sei es als Ersatz f&uuml;r eigene Aufwendungen der Pflegeperson. Die dem Kl&auml;ger gew&auml;hrte Aufwandsentsch&auml;digung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;1835a des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuches (BGB) ist keine Einnahme i.S. der Norm, da sie nicht f&uuml;r die Pflege, sondern f&uuml;r die Betreuung i.S. der &sect;&sect;&nbsp;1896&nbsp;ff. BGB geleistet wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Der durch das Steuerreformgesetz 1990 (StRG) vom 25.07.1988 (BGBl I 1988, 1093) eingef&uuml;gte &sect;&nbsp;33b Abs.&nbsp;6 EStG verfolgt den Zweck, die h&auml;usliche Pflege zu st&auml;rken und die vielf&auml;ltigen Belastungen, welche die pers&ouml;nliche Pflege eines Schwerpflegebed&uuml;rftigen mit sich bringt, in angemessenem Rahmen steuerlich anzuerkennen. Durch die pauschale Anerkennung sollte im Hinblick auf die menschliche Belastung, welche die Pflegeperson auf sich nimmt, auf Aufzeichnungen und Belege verzichtet werden (vgl. Begr&uuml;ndung des StRG 1990, BTDrucks 11\/2157, S.&nbsp;151&nbsp;f.; Kanzler, Finanz-Rundschau &#8211;FR&#8211; 1992, 669, 671; Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211;&nbsp;&nbsp;vom 29.08.1996&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;4\/95, BFHE 181, 441, BStBl II 1997, 199; vom 21.03.2002 &#8211; III&nbsp;R&nbsp;42\/00, BFHE 198, 526, BStBl II 2002, 417; Hufeld in: Kirchhof\/S&ouml;hn\/Mellinghoff, EStG, &sect;&nbsp;33b Rz&nbsp;E&nbsp;2; Bl&uuml;mich\/Heger, &sect;&nbsp;33b EStG Rz&nbsp;4). Das Jahressteuergesetz 1996 vom 11.10.1995 (BGBl I 1995, 1250) &auml;nderte &sect;&nbsp;33b Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;1 EStG mit Einf&uuml;gung des letzten Halbsatzes dahingehend, dass der Steuerpflichtige &quot;daf&uuml;r keine Einnahmen erhalten&quot; darf. Nach der Gesetzesbegr&uuml;ndung (BTDrucks 13\/1558, S.&nbsp;157) soll der Pauschbetrag Aufwendungen abgelten, die bei Nachweis auch nach &sect;&nbsp;33 Abs.&nbsp;1 EStG geltend gemacht werden k&ouml;nnten. Soweit die Pflegeperson f&uuml;r die Pflegeleistung und die damit verbundenen Aufwendungen Einnahmen erhalte, verbleibe keine Belastung, weshalb sie in diesem Fall den Pauschbetrag nicht ansetzen k&ouml;nne. Allerdings k&ouml;nne sie dann die &uuml;ber die Einnahmen hinausgehenden Aufwendungen nach &sect;&nbsp;33 EStG geltend machen. Insoweit soll mithin eine Vorteilsanrechnung stattfinden (BFH-Urteil in BFHE 198, 526, BStBl II 2002, 417; Kanzler, FR 1996, 189, 191).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) &quot;Pflege&quot; besteht in der Hilfeleistung bei Verrichtungen des t&auml;glichen Lebens, bei denen der Pflegebed&uuml;rftige der Hilfe bedarf (vgl. die f&uuml;r das Streitjahr anzuwendende Fassung des &sect;&nbsp;14 Abs.&nbsp;1 und 3 des Elften Buches Sozialgesetzbuch &#8211;SGB&nbsp;XI&#8211; vom 26.05.1994, BGBl I 1994, 1014). Verrichtungen in diesem Sinne sind nach &sect;&nbsp;14 Abs.&nbsp;4 SGB&nbsp;XI solche im Bereich der K&ouml;rperpflege (Waschen, Duschen, Baden, Zahnpflege, K&auml;mmen, Rasieren, Darm- oder Blasenentleerung), im Bereich der Ern&auml;hrung (mundgerechtes Zubereiten, Aufnahme der Nahrung), der Mobilit&auml;t (selbst&auml;ndiges Aufstehen und Zu-Bett-Gehen, An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Treppensteigen, Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung) und der hauswirtschaftlichen Versorgung (Einkaufen, Kochen, Reinigen der Wohnung, Sp&uuml;len, Wechseln und Waschen der W&auml;sche und Kleidung, Beheizen).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) &quot;Betreuung&quot; i.S. der &sect;&sect;&nbsp;1896&nbsp;ff. BGB ist nicht tats&auml;chliche Hilfe, sondern Beistand in Form von Rechtsf&uuml;rsorge (vgl. &sect;&nbsp;1902 BGB). Ma&szlig;nahmen, die diese vom Gesetz zugewiesene rechtliche Interessenwahrnehmung &uuml;berschreiten, geh&ouml;ren nicht zum Aufgabenkreis eines Betreuers. Dieser hat im Rahmen der ihm &uuml;bertragenen Aufgabenkreise (vgl. &sect;&nbsp;1897 Abs.&nbsp;1 BGB) tats&auml;chliche Hilfen lediglich zu organisieren. Der Bereich der Gesundheitssorge umfasst danach beispielsweise die Einleitung &auml;rztlicher Ma&szlig;nahmen und die Erteilung von Zustimmungen, nicht jedoch die tats&auml;chliche Durchf&uuml;hrung von pflegerischen Ma&szlig;nahmen, sondern allenfalls deren Organisation (Palandt\/G&ouml;tz, B&uuml;rgerliches Gesetzbuch, 78.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;1896 Rz&nbsp;18, 20). Insoweit gilt der Grundsatz der Unentgeltlichkeit (Palandt\/G&ouml;tz, a.a.O., &sect;&nbsp;1835 Rz&nbsp;1). Der ehrenamtliche Betreuer kann jedoch entweder Aufwendungsersatz i.S. des &sect;&nbsp;1835 BGB oder alternativ &#8211;wie im Streitfall&#8211; eine pauschale Aufwandsentsch&auml;digung nach &sect;&nbsp;1835a BGB verlangen (&sect;&nbsp;1908i Abs.&nbsp;1 BGB).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>dd) Hieraus ergibt sich, dass der Kl&auml;ger die pauschale Aufwandsentsch&auml;digung nicht als Einnahme f&uuml;r die Pflege des H bezogen hat. Einnahmen i.S. des &sect;&nbsp;33b Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;1 EStG sind (nur) solche Einnahmen, die der Pflegeperson im Zusammenhang mit der Pflege zuflie&szlig;en, sei es als Pflegeverg&uuml;tung, sei es als Ersatz f&uuml;r eigene Aufwendungen der Pflegeperson (BFH-Urteil in BFHE 198, 526, BStBl II 2002, 417). Um solche Einnahmen handelte es sich bei der Aufwandsentsch&auml;digung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;1835a BGB in H&ouml;he von 399&nbsp;EUR, die der Kl&auml;ger f&uuml;r die Betreuung des H erhalten hat, entgegen der Ansicht des FG jedoch nicht. Vielmehr unterscheidet sich &#8211;wie oben dargelegt&#8211; die Betreuung gem&auml;&szlig; &sect;&sect;&nbsp;1896&nbsp;ff. BGB grundlegend von der Pflege i.S. des &sect;&nbsp;33b Abs.&nbsp;6 EStG. Der Kl&auml;ger hat daher keine Einnahmen f&uuml;r die Pflege erhalten, durch die die Geltendmachung des Pflege-Pauschbetrags ausgeschlossen w&auml;re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Die Entscheidung des FG stellt sich jedoch aus anderen Gr&uuml;nden als zutreffend dar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach der Rechtsprechung des BFH setzt auch die Gew&auml;hrung des Pflege-Pauschbetrags nach &sect;&nbsp;33b Abs.&nbsp;6 EStG eine Zwangsl&auml;ufigkeit voraus (BFH-Urteil in BFHE 181, 441, BStBl II 1997, 199). Eine Zwangsl&auml;ufigkeit aus rechtlichen, tats&auml;chlichen oder sittlichen Gr&uuml;nden ist gegeben, wenn diese Gr&uuml;nde von au&szlig;en so auf die Entscheidung des Steuerpflichtigen einwirken, dass er ihnen nicht ausweichen kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger war zun&auml;chst weder aus rechtlichen noch aus tats&auml;chlichen Gr&uuml;nden verpflichtet, die pflegerischen Ma&szlig;nahmen gegen&uuml;ber H zu erbringen. Insbesondere ergibt sich eine rechtliche Verpflichtung des Kl&auml;gers nicht aus seiner Stellung als Betreuer des H. Wie oben bereits ausgef&uuml;hrt, ist Betreuung nicht tats&auml;chliche Hilfe, sondern Beistand in Form von Rechtsf&uuml;rsorge. Zwar hat der Betreuer den Betreuten im Rahmen des ihm rechtlich &uuml;bertragenen Aufgabenkreises in dem hierf&uuml;r erforderlichen Umfang auch pers&ouml;nlich zu betreuen (&sect;&nbsp;1897 Abs.&nbsp;1 BGB). Betreuung und Pflege unterscheiden sich jedoch grundlegend. Eine Verpflichtung des Kl&auml;gers als Betreuer, mit H Bewegungs&uuml;bungen am Bett und im Rollstuhl zu unternehmen, Lesen zu &uuml;ben oder ihn mit A zusammenzuf&uuml;hren, bestand demnach nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger war auch aus sittlichen Gr&uuml;nden nicht zur Erbringung der Pflegeleistungen verpflichtet. Im Anwendungsbereich des &sect;&nbsp;33b Abs.&nbsp;6 EStG stellt der BFH zwar geringere Anforderungen an eine sittliche Verpflichtung als bei &sect;&nbsp;33 Abs.&nbsp;2 EStG. F&uuml;r die Gew&auml;hrung des Pflege-Pauschbetrags gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;33b Abs.&nbsp;6 EStG erkennt er eine sittliche Verpflichtung zur Pflege bereits unter der Voraussetzung an, dass eine enge pers&ouml;nliche Beziehung zwischen dem Steuerpflichtigen und der gepflegten Person besteht (BFH-Urteil in BFHE 181, 441, BStBl II 1997, 199). Dem vom FG bindend festgestellten Sachverhalt (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO) ist jedoch nicht zu entnehmen, dass im Streitjahr enge pers&ouml;nliche Beziehungen zwischen dem Kl&auml;ger und H bestanden. Der Kl&auml;ger hat f&uuml;r eine enge pers&ouml;nliche Beziehung zu H auch selbst nichts vorgetragen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Da der Pflege-Pauschbetrag danach bereits mangels Zwangsl&auml;ufigkeit nicht gew&auml;hrt werden kann, kann im Streitfall offenbleiben, ob grunds&auml;tzlich ein bestimmter Umfang an Pflegeleistungen erforderlich ist. Dahinstehen kann auch, ob im Falle einer Heimunterbringung &uuml;berhaupt ein Pflege-Pauschbetrag i.S. des &sect;&nbsp;33b Abs.&nbsp;6 EStG geltend gemacht werden kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die von den Kl&auml;gern erhobene Verfahrensr&uuml;ge hat der Senat gepr&uuml;ft. Sie ist jedenfalls unbegr&uuml;ndet. Der Senat sieht insoweit von einer Begr&uuml;ndung ab (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;1 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 4.9.2019, VI R 52\/17ECLI:DE:BFH:2019:U.040919.VIR52.17.0 Kein Pflege-Pauschbetrag f&uuml;r den amtlich bestellten Betreuer Leits&auml;tze 1. Die dem amtlich bestellten Betreuer gew&auml;hrte Aufwandsentsch&auml;digung ist keine Einnahme f&uuml;r die Pflege der betreuten Person i.S. des &sect; 33b Abs. 6 Satz 1 EStG. 2. Dem amtlich bestellten Betreuer ist der Pflege-Pauschbetrag nur aufgrund des Betreuungsverh&auml;ltnisses ohne eine &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-52-17-kein-pflege-pauschbetrag-fuer-den-amtlich-bestellten-betreuer\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VI&nbsp;R&nbsp;52\/17 &#8211; Kein Pflege-Pauschbetrag f&uuml;r den amtlich bestellten Betreuer<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-71564","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71564","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71564"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71564\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71564"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71564"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71564"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}