{"id":71565,"date":"2019-12-14T16:19:18","date_gmt":"2019-12-14T14:19:18","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=71565"},"modified":"2019-12-14T16:20:52","modified_gmt":"2019-12-14T14:20:52","slug":"vi-r-39-17-zufluss-von-arbeitslohn-bei-wertguthabenkonten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-39-17-zufluss-von-arbeitslohn-bei-wertguthabenkonten\/","title":{"rendered":"VI&nbsp;R&nbsp;39\/17 &#8211; Zufluss von Arbeitslohn bei Wertguthabenkonten"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 4.9.2019, VI R 39\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.040919.VIR39.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Zufluss von Arbeitslohn bei Wertguthabenkonten<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>NV: Gutschriften auf einem Wertguthabenkonto zur Finanzierung eines vorzeitigen Ruhestands sind bei einem Fremd-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer einer GmbH kein gegenw&auml;rtig zuflie&szlig;ender Arbeitslohn (Best&auml;tigung des BFH-Urteils vom 22.02.2018 &#8211; VI R 17\/16, BFHE 260, 532, BStBl II 2019, 496).<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Finanzgerichts Baden-W&uuml;rttemberg vom 22.06.2017 &#8211; 12 K 1044\/15 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionsbeklagte (Kl&auml;ger) wurde mit Wirkung zum 01.07.2003 zum Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der &#8230; GmbH (GmbH) bestellt. Am Stammkapital der GmbH war er nicht beteiligt. Der Kl&auml;ger vertrat die GmbH gemeinsam mit einem weiteren Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer oder Prokuristen. Er war von den Beschr&auml;nkungen des &sect;&nbsp;181 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs befreit.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach &sect;&nbsp;2 Ziff.&nbsp;2.2 Buchst.&nbsp;g seines Anstellungsvertrags bedurfte der Kl&auml;ger f&uuml;r die &quot;Erteilung von Versorgungszusagen aller Art, durch welche zus&auml;tzliche Verpflichtungen der Gesellschaft &uuml;ber die Leistungen der gesetzlichen Sozialversicherung begr&uuml;ndet werden&quot;, der vorherigen Zustimmung der Gesellschafterversammlung. S&auml;mtliche &Auml;nderungen des Anstellungsvertrags bedurften au&szlig;erdem der Schriftform und der Zustimmung durch Beschluss der Gesellschafterversammlung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im November 2005 schloss die GmbH mit dem Kl&auml;ger eine Vereinbarung &uuml;ber die Einf&uuml;hrung von Zeitwertkonten (Wertguthabenvereinbarung). Der Kl&auml;ger erhielt hiernach einen &quot;Anspruch auf Ansammlung von Bruttoentgelten zum Zwecke einer Besch&auml;ftigung gegen Arbeitsentgelt in Zeiten der Freistellung von der Arbeitsleistung&quot; nach &sect;&nbsp;7 Abs.&nbsp;1a des Vierten Buches Sozialgesetzbuch. Er konnte zum Aufbau des Wertguthabens Teile aus dem monatlichen Grundgehalt, Sonderzahlungen sowie in Euro-Betr&auml;ge umzurechnende Urlaubstage, die den gesetzlichen Mindesturlaub &uuml;berstiegen, verwenden. Die angesammelten Wertguthaben waren von der GmbH zum Zwecke der R&uuml;ckdeckung und der Sicherung der Wertguthaben an Stelle der Auszahlung an den Kl&auml;ger in einen R&uuml;ckdeckungsvertrag einzuzahlen. Hierzu schloss die GmbH mit der L-AG einen Vertrag &uuml;ber die Zeitkontenr&uuml;ckdeckung mit Garantie. Die GmbH r&auml;umte dem Kl&auml;ger zum Zwecke der Insolvenzsicherung seiner Forderungen aus der Wertguthabenvereinbarung ein Pfandrecht an s&auml;mtlichen Rechten und Anspr&uuml;chen aus dem R&uuml;ckdeckungsvertrag ein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Entsprechend der Wertguthabenvereinbarung zahlte die GmbH Teile des vertraglich vereinbarten Arbeitslohns nicht an den Kl&auml;ger aus, sondern zahlte die entsprechenden Betr&auml;ge in die Zeitkontenr&uuml;ckdeckungsversicherung bei der L-AG ein. Die Zuf&uuml;hrungen zu dem Wertguthaben des Kl&auml;gers unterwarf die GmbH nicht dem Lohnsteuerabzug. In den Bilanzen der GmbH waren die Verpflichtungen aus dem Wertguthaben passiviert und die Anspr&uuml;che aus der R&uuml;ckdeckungsversicherung aktiviert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Februar 2014 berief die GmbH den Kl&auml;ger als Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer ab und k&uuml;ndigte den Anstellungsvertrag fristlos. Der Kl&auml;ger, sein neuer Arbeitgeber und die GmbH schlossen anschlie&szlig;end eine &quot;Vereinbarung &uuml;ber die &Uuml;bertragung eines Wertguthabens gem.&nbsp;&sect;&nbsp;7f&nbsp;I Nr.&nbsp;1 SGB&nbsp;IV&quot;. Der neue Arbeitgeber &uuml;bernahm darin die Verpflichtungen der GmbH gegen&uuml;ber dem Kl&auml;ger aus der Wertguthabenvereinbarung. Die GmbH kehrte das angesammelte Wertguthaben in H&ouml;he von &#8230;&nbsp;EUR an den neuen Arbeitgeber aus, indem sie die bei der L-AG abgeschlossene R&uuml;ckdeckungsversicherung auf diesen &uuml;bertrug.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im April 2015 zeigte die GmbH dem zust&auml;ndigen Betriebsst&auml;ttenfinanzamt den nicht durchgef&uuml;hrten Lohnsteuerabzug hinsichtlich der Zuf&uuml;hrungen zu dem Wertguthaben gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;38 Abs.&nbsp;4 des Einkommensteuergesetzes an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) erlie&szlig; daraufhin w&auml;hrend eines aus anderen Gr&uuml;nden vor dem Finanzgericht (FG) gef&uuml;hrten Klageverfahrens einen gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;173 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Abgabenordnung (AO) ge&auml;nderten Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2012 (Streitjahr), mit dem es die Eink&uuml;nfte des Kl&auml;gers aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit um die im Streitjahr erfolgten Zuf&uuml;hrungen zu dem Wertguthaben in H&ouml;he von &#8230;&nbsp;EUR erh&ouml;hte. Der &Auml;nderungsbescheid wurde gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;68 Satz&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) Gegenstand des Verfahrens.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger wandte sich im Klageverfahren vor dem FG nunmehr auch gegen die Erh&ouml;hung seiner Eink&uuml;nfte aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit. Die Klage hatte in diesem Streitpunkt aus den in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2017, 1585 ver&ouml;ffentlichten Gr&uuml;nden Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt das FA die Verletzung materiellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>das Urteil des FG aufzuheben, der Klage insoweit stattzugeben, als das FG die Eink&uuml;nfte des Kl&auml;gers aus nichtselbst&auml;ndiger Arbeit aufgrund der in der m&uuml;ndlichen Verhandlung vor dem FG erzielten tats&auml;chlichen Verst&auml;ndigung &uuml;ber den geldwerten Vorteil aus der privaten PKW-Nutzung um 6.030&nbsp;EUR und die Eink&uuml;nfte aus Kapitalverm&ouml;gen in H&ouml;he von 4.803,63&nbsp;EUR herabgesetzt hat, und die Klage im &Uuml;brigen abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision des FA ist unbegr&uuml;ndet und zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 FGO). Das FG hat zu Recht entschieden, dass die Zuf&uuml;hrungen der GmbH zu dem Zeitwertkonto und ihre Zahlungen an die L-AG auf den Vertrag &uuml;ber die Zeitkontenr&uuml;ckdeckung mit Garantie keinen im Streitjahr zuflie&szlig;enden Arbeitslohn des Kl&auml;gers darstellten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der Senat kann dahinstehen lassen, ob die vorliegende schriftliche &quot;Vereinbarung zur Einf&uuml;hrung von Zeitwertkonten&quot; tats&auml;chlich bereits im November 2005 getroffen wurde und ob der Kl&auml;ger mit der GmbH hierdurch eine zivilrechtlich wirksame Wertguthabenvereinbarung geschlossen hat. Steuerrechtlich kommt es darauf nach &sect;&nbsp;41 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO nicht an. Nach dieser Vorschrift ist es f&uuml;r die Besteuerung unerheblich, ob ein Rechtsgesch&auml;ft unwirksam ist oder unwirksam wird, soweit und solange die Beteiligten das wirtschaftliche Ergebnis dieses Rechtsgesch&auml;fts gleichwohl eintreten und bestehen lassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach den Sachverhaltsfeststellungen des FG, gegen die die Beteiligten keine Verfahrensr&uuml;gen vorgebracht haben und die den Senat daher gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO binden, ist davon auszugehen, dass die GmbH und der Kl&auml;ger das wirtschaftliche Ergebnis der vorliegenden Wertguthabenvereinbarung &#8211;unabh&auml;ngig von deren zivilrechtlicher Wirksamkeit&#8211; eintreten und bestehen lie&szlig;en, wie es &sect;&nbsp;41 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO verlangt. Hierf&uuml;r spricht zun&auml;chst, dass die GmbH &uuml;ber viele Jahre von Ende 2005 bis Anfang 2014 Teile des vertraglich vereinbarten Arbeitslohns des Kl&auml;gers nicht an diesen auszahlte, sondern die entsprechenden Betr&auml;ge in die von ihr mit der L-AG abgeschlossene Zeitkontenr&uuml;ckdeckungsversicherung mit Garantie einzahlte. GmbH und Kl&auml;ger haben die Wertguthabenvereinbarung dementsprechend jahrelang tats&auml;chlich vollzogen. Das so bei der GmbH aufgebaute Wertguthaben des Kl&auml;gers belief sich zuletzt auf einen Betrag von &#8230;&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Kl&auml;ger und GmbH haben das wirtschaftliche Ergebnis der Wertguthabenvereinbarung auch dauerhaft bestehen lassen. Sie haben die durch die Zahlungen der GmbH an die L-AG eingetretenen Verm&ouml;gensverschiebungen akzeptiert und zu keiner Zeit r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht. Auch nach Beendigung ihrer Gesch&auml;ftsbeziehung durch die von der GmbH ausgesprochene fristlose K&uuml;ndigung des Gesch&auml;ftsf&uuml;hrerdienstvertrags des Kl&auml;gers haben die Beteiligten an der Wertguthabenvereinbarung festgehalten. So hat die GmbH insbesondere an der &Uuml;bertragung des Wertguthabens des Kl&auml;gers auf dessen neuen Arbeitgeber durch den Abschluss der &quot;Vereinbarung &uuml;ber die &Uuml;bertragung eines Wertguthabens gem. &sect;&nbsp;7f I Nr.&nbsp;1 SGB&nbsp;IV&quot; mitgewirkt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bei dieser Sachlage ist eine etwaige zivilrechtliche Unwirksamkeit der Wertguthabenvereinbarung f&uuml;r die Besteuerung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;41 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO unerheblich.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der Senat hat mit Urteil vom 22.02.2018&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;17\/16 (BFHE 260, 532, BStBl II 2019, 496) bereits entschieden, dass Gutschriften auf einem Wertguthabenkonto zur Finanzierung eines vorzeitigen Ruhestands kein gegenw&auml;rtig zuflie&szlig;ender Arbeitslohn sind. Dies gilt auch f&uuml;r Gutschriften auf dem Wertguthabenkonto eines Fremd-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers einer GmbH. Die Finanzverwaltung hat sich dieser Rechtsprechung des Senats zwischenzeitlich ebenfalls angeschlossen (Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 08.08.2019&nbsp;&#8211; IV&nbsp;C&nbsp;5&nbsp;&#8211;&nbsp;S&nbsp;2332\/07\/0004:004, BStBl I 2019, 874).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach den im Senatsurteil in BFHE 260, 532, BStBl II 2019, 496 aufgestellten Ma&szlig;st&auml;ben, an denen der Senat uneingeschr&auml;nkt festh&auml;lt, ist die Entscheidung des FG im Streitfall von Rechts wegen nicht zu beanstanden. Das FA hat mit seiner Revision keine Gesichtspunkte aufgezeigt, die eine andere Sachentscheidung rechtfertigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Kl&auml;ger konnte &uuml;ber die Gutschriften auf dem Zeitwertkonto im Streitjahr nicht verf&uuml;gen. Die Voraussetzungen, unter denen er nach Ziff.&nbsp;6 der Wertguthabenvereinbarung das Wertguthaben verwenden konnte, lagen im Streitjahr nicht vor. Gegenteiliges hat das FG weder festgestellt noch das FA behauptet. Ein Zufluss durch Gutschrift kommt &#8211;wie der Senat in seinem Urteil in BFHE 260, 532, BStBl II 2019, 496, Rz&nbsp;30 und Rz&nbsp;36 dargelegt hat&#8211; aber grunds&auml;tzlich nur in Betracht, wenn und soweit eine Zahlungsverpflichtung besteht. Eine solche Zahlungsverpflichtung der GmbH bestand gegen&uuml;ber dem Kl&auml;ger hinsichtlich der Zuf&uuml;hrungen zu dem Wertguthaben im Streitjahr jedoch nicht. Die Zuf&uuml;hrungen zu dem Wertguthaben sind dem Kl&auml;ger aus diesem Grund auch nicht durch Novation zugeflossen (s. dazu Senatsurteil in BFHE 260, 532, BStBl II 2019, 496, Rz&nbsp;31 und Rz&nbsp;37).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Eine zum Lohnzufluss f&uuml;hrende Lohnverwendungsabrede ist im Streitfall ebenfalls nicht gegeben. Die GmbH erf&uuml;llte mit den Zuf&uuml;hrungen zu dem Wertguthabenkonto weder Verbindlichkeiten des Kl&auml;gers gegen&uuml;ber Dritten noch handelte es sich bei der Wertguthabenvereinbarung um ein Rechtsgesch&auml;ft, bei dem sich die GmbH als Arbeitgeberin und der Kl&auml;ger als Arbeitnehmer wie fremde Dritte gegen&uuml;berstanden und zu dessen Erf&uuml;llung der Kl&auml;ger seinen Barlohn verwendete (s. dazu Senatsurteil in BFHE 260, 532, BStBl II 2019, 496, Rz&nbsp;32 und Rz&nbsp;38).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Ebenso wenig handelte es sich bei den Einzahlungen auf dem Zeitwertkonto um Vorausverf&uuml;gungen des Kl&auml;gers &uuml;ber seinen Arbeitslohn (s. dazu Senatsurteil in BFHE 260, 532, BStBl II 2019, 496, Rz&nbsp;39). Dies gilt unbeschadet der Tatsache, dass der Kl&auml;ger &uuml;ber die H&ouml;he der Einzahlungen weitgehend selbst bestimmen konnte. Der Kl&auml;ger konnte hierdurch lediglich festlegen, in welchem Umfang die F&auml;lligkeit des (fortbestehenden) Anspruchs gegen die GmbH durch die Einzahlungen auf dem Zeitwertkonto hinausgeschoben wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Durch die Zuf&uuml;hrungen zu dem Wertguthaben hat die GmbH dem Kl&auml;ger auch keinen eigenen unentziehbaren Anspruch gegen einen Dritten verschafft (s. dazu Senatsurteil in BFHE 260, 532, BStBl II 2019, 496, Rz&nbsp;33 und Rz&nbsp;40). Dies gilt insbesondere in Bezug auf die Zeitkontenr&uuml;ckdeckungsversicherung mit Garantie bei der L-AG. Versicherungsnehmer war insoweit nicht der Kl&auml;ger, sondern die GmbH. Die Bestellung des Pfandrechts zugunsten des Kl&auml;gers an der Zeitkontenr&uuml;ckdeckungsversicherung diente der Sicherung der Anspr&uuml;che des Kl&auml;gers gegen die GmbH im Insolvenzfall. Der Kl&auml;ger durfte dieses Pfandrecht nicht eher verwerten, als die GmbH zahlungsunf&auml;hig oder &uuml;ber ihr Verm&ouml;gen das Insolvenzverfahren er&ouml;ffnet wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Der Senat kann im Einverst&auml;ndnis der Beteiligten ohne m&uuml;ndliche Verhandlung entscheiden (&sect;&sect;&nbsp;90 Abs.&nbsp;2, 121 Satz&nbsp;1 FGO). Soweit der Kl&auml;ger mit dem Schreiben seiner Prozessbevollm&auml;chtigten vom 27.10.2017, beim Bundesfinanzhof (BFH) per Telefax eingegangen am 10.04.2019, den Widerruf des Verzichts auf m&uuml;ndliche Verhandlung erkl&auml;rt hat, ist dieser Widerruf unwirksam.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ein Verzicht auf die m&uuml;ndliche Verhandlung ist als Prozesshandlung nicht wegen Irrtums (auch &uuml;ber die Tragweite des Verzichts) anfechtbar und auch nicht frei widerrufbar (s. BFH-Urteil vom 31.08.2010&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;36\/08, BFHE 231, 1, BStBl II 2011, 126, und Senatsbeschluss vom 10.03.2011&nbsp;&#8211; VI&nbsp;B&nbsp;147\/10, BFHE 232, 322, BStBl II 2011, 556). Der Verzicht auf die m&uuml;ndliche Verhandlung kann daher nur ausnahmsweise widerrufen werden, wenn sich die Prozesslage nach Abgabe der Einverst&auml;ndniserkl&auml;rung wesentlich ge&auml;ndert hat (z.B. BFH-Urteil vom 11.05.2010&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;28\/09, und BFH-Beschluss vom 19.04.2016&nbsp;&#8211; IX&nbsp;B&nbsp;110\/15, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben kommt ein Widerruf des Verzichts auf m&uuml;ndliche Verhandlung nicht in Betracht. Eine wesentliche &Auml;nderung der Prozesslage hat sich nach Abgabe der Erkl&auml;rung des Kl&auml;gers &uuml;ber den Verzicht auf m&uuml;ndliche Verhandlung nicht ergeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 4.9.2019, VI R 39\/17ECLI:DE:BFH:2019:U.040919.VIR39.17.0 Zufluss von Arbeitslohn bei Wertguthabenkonten Leits&auml;tze NV: Gutschriften auf einem Wertguthabenkonto zur Finanzierung eines vorzeitigen Ruhestands sind bei einem Fremd-Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer einer GmbH kein gegenw&auml;rtig zuflie&szlig;ender Arbeitslohn (Best&auml;tigung des BFH-Urteils vom 22.02.2018 &#8211; VI R 17\/16, BFHE 260, 532, BStBl II 2019, 496). Tenor Die Revision des Beklagten gegen &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/vi-r-39-17-zufluss-von-arbeitslohn-bei-wertguthabenkonten\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VI&nbsp;R&nbsp;39\/17 &#8211; Zufluss von Arbeitslohn bei Wertguthabenkonten<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-71565","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71565","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71565"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71565\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71565"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71565"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71565"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}