{"id":71593,"date":"2019-12-21T18:43:52","date_gmt":"2019-12-21T16:43:52","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=71593"},"modified":"2019-12-21T18:43:52","modified_gmt":"2019-12-21T16:43:52","slug":"viii-r-22-17-zinsen-aus-der-stundung-eines-ausgleichsanspruchs-fuer-den-pflichtteilsverzicht-sind-einkommensteuerbar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-r-22-17-zinsen-aus-der-stundung-eines-ausgleichsanspruchs-fuer-den-pflichtteilsverzicht-sind-einkommensteuerbar\/","title":{"rendered":"VIII&nbsp;R&nbsp;22\/17 &#8211; Zinsen aus der Stundung eines Ausgleichsanspruchs f&uuml;r den Pflichtteilsverzicht sind einkommensteuerbar"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 6.8.2019, VIII R 22\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.060819.VIIIR22.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Zinsen aus der Stundung eines Ausgleichsanspruchs f&uuml;r den Pflichtteilsverzicht sind einkommensteuerbar<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Verzichtet ein Kind gegen&uuml;ber seinen Eltern auf k&uuml;nftige Pflichtteilsanspr&uuml;che und erh&auml;lt es daf&uuml;r einen f&auml;lligen Zahlungsanspruch, so f&uuml;hrt die Verzinsung dieses Zahlungsanspruchs zu steuerpflichtigen Kapitalertr&auml;gen i.S. des &sect; 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 22.11.2017 &#8211; 3 K 3189\/17 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Klage wird abgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens haben die Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger und Revisionsbeklagten (Kl&auml;ger) sind Eheleute und werden zusammen zur Einkommensteuer veranlagt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin hat drei &auml;ltere Geschwister. Am XX.03.1994 schlossen die Eltern der Kl&auml;gerin und die vier Kinder einen notariell beurkundeten Pflichtteilsverzichtsvertrag ab. Die Eltern gaben an, sich wechselseitig zu Alleinerben eingesetzt zu haben. Die Kinder verzichteten gegen&uuml;ber dem &uuml;berlebenden Elternteil auf ihr gesetzliches Pflichtteilsrecht gegen Zahlung eines Betrages in H&ouml;he von je 150.000&nbsp;DM (umgerechnet 76.693,78&nbsp;EUR). Die Zahlung sollte bis zum 31.12.1994 erfolgen. Die Kl&auml;gerin verzichtete in derselben Urkunde auf die Auszahlung der 150.000&nbsp;DM (= 76.693,78&nbsp;EUR) zum 31.12.1994. An sie sollte der Betrag nebst 5&nbsp;% Zinsen erst nach dem Ableben des letztversterbenden Elternteils ausgezahlt werden. Zur Sicherung bewilligten und beantragten die Eltern die Eintragung einer Grundschuld in H&ouml;he von 150.000&nbsp;DM nebst 5&nbsp;% Zinsen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit gemeinschaftlichem Testament vom XX.01.2015 ordneten die Eltern unter Verweis auf den Pflichtteilsverzichtsvertrag vom XX.03.1994 an, dass an die Kl&auml;gerin die Auszahlung der 150.000&nbsp;DM (=&nbsp;76.693,78&nbsp;EUR) nebst 5&nbsp;% Zinsen Zug um Zug gegen L&ouml;schung der Grundschuld erfolgen sollte. Am XX.11.2015 wurden der Kl&auml;gerin 157.705,52&nbsp;EUR (150.000&nbsp;DM = 76.693,78&nbsp;EUR zzgl. 81.011,74&nbsp;EUR Zinsen f&uuml;r die Zeit vom XX.09.1994 bis XX.11.2015) ausbezahlt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger erkl&auml;rten in ihrer Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr (2015) aus dem Vorgang keine Eink&uuml;nfte aus Kapitalverm&ouml;gen. Sie stellten jedoch den Sachverhalt dar und vertraten die Auffassung, dass die Auszahlung f&uuml;r den geleisteten Pflichtteilsverzicht in H&ouml;he von 157.705,52&nbsp;EUR nicht der Besteuerung unterliege. Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) vertrat dagegen die Auffassung, dass die Zahlung in H&ouml;he von 81.011,74&nbsp;EUR als Zinsen i.S. des &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 des Einkommensteuergesetzes (EStG) der Besteuerung unterliege. Der hiergegen erhobene Einspruch hatte keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Klage machten die Kl&auml;ger geltend, dass der Kl&auml;gerin von den Eltern insgesamt ein Betrag in H&ouml;he von 157.705, 52&nbsp;EUR als Schenkung zu Lebzeiten zugewendet worden sei, der nicht der Einkommensteuer unterliege. Das Finanzgericht (FG) gab der Klage mit Urteil vom 22.11.2017&nbsp;&#8211; 3&nbsp;K&nbsp;3189\/17 (Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2018, 379) statt. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrt es aus, dass in der Zahlung der Eltern kein steuerpflichtiger Zinsanteil enthalten sei. Aus dem Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 09.02.2010&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;43\/06 (BFHE 229, 104, BStBl II 2010, 818) folge, dass die Kl&auml;gerin aufgrund des Pflichtteilsverzichts lediglich einen Anspruch erhalten habe, der auf die Zahlung eines noch unbestimmten Gesamtbetrags gerichtet gewesen sei. Zuvor habe die Kl&auml;gerin kein Kapital erhalten, das sie ihren Eltern h&auml;tte &uuml;berlassen k&ouml;nnen. Wenn nach dem Urteil des BFH vom 09.02.2010&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;35\/07 (BFH\/NV 2010, 1793) selbst bei wiederkehrenden Zahlungen infolge eines Pflichtteilsverzichts keine Kapital&uuml;berlassung vorliege, m&uuml;sse dies bei einer Einmalzahlung erst recht gelten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der vom FG zugelassenen Revision r&uuml;gt das FA eine Verletzung des &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG. Die im Pflichtteilsverzichtsvertrag vereinbarten Zahlungsmodalit&auml;ten stellten eine Kreditgew&auml;hrung der Kl&auml;gerin an die Eltern im abgek&uuml;rzten Zahlungsweg dar. Dementsprechend sei die vereinbarte Verzinsung eine Gegenleistung f&uuml;r die Kapital&uuml;berlassung, die nach &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG zu besteuern sei. Den vom FG angef&uuml;hrten Urteilen l&auml;gen keine vergleichbaren Sachverhalte zugrunde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>das angefochtene Urteil der Vorinstanz aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen,<br \/>die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur Begr&uuml;ndung nehmen sie Bezug auf die vorinstanzliche Entscheidung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Abweisung der Klage (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Die rechtliche W&uuml;rdigung des Pflichtteilsverzichtsvertrags vom XX.03.1994 durch das FG h&auml;lt einer revisionsrechtlichen Pr&uuml;fung nicht stand. Entgegen der Auffassung des FG handelt es sich bei dem an die Kl&auml;gerin im Streitjahr ausgezahlten Betrag in H&ouml;he von 81.011,74&nbsp;EUR um Zinsen i.S. des &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG. Der Einkommensteuerbescheid ist danach rechtm&auml;&szlig;ig und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Zahlung der im Vertrag &uuml;ber den Pflichtteilsverzicht vom XX.03.1994 vereinbarten Zinsen in H&ouml;he von 5&nbsp;% j&auml;hrlich ab dem 01.01.1995 f&uuml;r die Stundung der Ausgleichszahlung in H&ouml;he von 150.000&nbsp;DM (umgerechnet 76.693,78&nbsp;EUR) f&uuml;hrt im Streitjahr zum Zufluss von Kapitalertr&auml;gen i.S. des &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG in H&ouml;he von 81.011,74&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG geh&ouml;ren zu den Eink&uuml;nften aus Kapitalverm&ouml;gen Ertr&auml;ge aus sonstigen Kapitalforderungen jeder Art, wenn die R&uuml;ckzahlung des Kapitalverm&ouml;gens oder ein Entgelt f&uuml;r die &Uuml;berlassung des Kapitalverm&ouml;gens zur Nutzung zugesagt oder gew&auml;hrt worden ist, auch wenn die H&ouml;he des Entgelts von einem ungewissen Ereignis abh&auml;ngt. Dies gilt unabh&auml;ngig von der Bezeichnung und der zivilrechtlichen Ausgestaltung der Kapitalanlage.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Kapitalforderungen in diesem Sinne sind alle auf Geldleistung gerichtete Forderungen ohne R&uuml;cksicht auf die Dauer der Kapital&uuml;berlassung oder den Rechtsgrund des Anspruchs (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. BFH-Urteil vom 27.10.2015&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;70\/13, BFH\/NV 2016, 736, Rz&nbsp;28). Ebenso unerheblich ist, ob die zugrunde liegende Kapitalforderung selbst steuerbar und die Kapital&uuml;berlassung freiwillig erfolgt ist (vgl. BFH-Urteile vom 13.11.2007&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;36\/05, BFHE 220, 35, BStBl II 2008, 292, unter II.2.; vom 09.06.2015&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;18\/12, BFHE 250, 105, BStBl II 2016, 523, Rz&nbsp;12; vom 20.10.2015&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;40\/13, BFHE 252, 260, BStBl II 2016, 342, Rz&nbsp;26).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Erforderlich ist aber in jedem Fall die &Uuml;berlassung von privatem Geldverm&ouml;gen an Dritte. Dabei kann die Kapital&uuml;berlassung in unterschiedlicher Art und Weise erfolgen, etwa durch Hingabe als (endf&auml;lliges oder in Raten zu tilgendes) Darlehen, durch Novation eines bestehenden Zahlungsanspruchs in ein Darlehen oder durch zeitliche Streckung eines Zahlungsanspruchs mittels Verrentung (BFH-Urteil in BFHE 229, 104, BStBl II 2010, 818, unter II.2.a&nbsp;aa, m.w.N.). Zu den Eink&uuml;nften aus Kapitalverm&ouml;gen i.S. des &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG geh&ouml;ren sodann alle Verm&ouml;gensmehrungen, die bei wirtschaftlicher Betrachtung Entgelt f&uuml;r die &uuml;berlassene Kapitalnutzung sind (BFH-Urteil vom 20.11.2012&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;57\/10, BFHE 239, 422, BStBl II 2014, 56, unter II.2.a, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach diesen Grunds&auml;tzen handelt es sich bei dem an die Kl&auml;gerin im Streitjahr ausgezahlten Betrag in H&ouml;he von 81.011,74&nbsp;EUR um Kapitalertr&auml;ge i.S. des &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Das FG ist zu Unrecht davon ausgegangen, dass sich aus dem notariell beurkundeten Pflichtteilsverzichtsvertrag vom XX.03.1994 ergebe, dass in dem am XX.11.2015 ausgezahlten Betrag in H&ouml;he von 157.705,52&nbsp;EUR kein Entgelt f&uuml;r die &Uuml;berlassung von Kapital enthalten sei. Die rechtliche Einordnung des von den Vertragspartnern Gewollten am Ma&szlig;stab der jeweils einschl&auml;gigen Normen durch das FG ist f&uuml;r den BFH als Revisionsgericht nicht nach &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO bindend, sondern in vollem Umfang nachpr&uuml;fbare Rechtsanwendung (BFH-Urteil vom 17.05.2017&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;35\/15, BFHE 258, 95, BStBl II 2017, 966, Rz&nbsp;26&nbsp;f.). Der BFH ist danach an die unzutreffende rechtliche W&uuml;rdigung der eindeutigen und somit nicht auslegungsf&auml;higen Regelungen des Pflichtteilsverzichtsvertrags vom XX.03.1994 durch das FG nicht gebunden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Nach den Feststellungen des FG wurde in dem Pflichtteilsverzichtsvertrag vom XX.03.1994 vereinbart, dass die Kl&auml;gerin durch den Verzicht auf ihren Pflichtteil eine Forderung gegen ihre Eltern in H&ouml;he von 150.000&nbsp;DM (umgerechnet 76.693,78&nbsp;EUR) erwarb, die am 31.12.1994 f&auml;llig war. Diese Forderung hatte sie zun&auml;chst bis zum Tod des letztversterbenden Elternteils verzinslich gestundet. Aufgrund der Anordnung im gemeinschaftlichen Testament der Eltern vom XX.01.2015 wurde der gestundete Betrag ausgezahlt und es flossen der Kl&auml;gerin die bis dahin entstandenen Zinsen von 5&nbsp;% pro Jahr in H&ouml;he von insgesamt 81.011,74&nbsp;EUR zu. Zwar unterliegt das Entgelt f&uuml;r den Verzicht auf den Pflichtteil nicht der Besteuerung, da es sich bei der Regulierung der Verm&ouml;gensnachfolge um einen erbrechtlich, b&uuml;rgerlich-rechtlich und steuerrechtlich unentgeltlichen Vertrag handelt (BFH-Urteile in BFH\/NV 2010, 1793; in BFHE 229, 104, BStBl II 2010, 818; in BFHE 239, 422, BStBl II 2014, 56). Anders verh&auml;lt es sich bei den Zinsen, die die Eltern der Kl&auml;gerin als Entgelt f&uuml;r die Stundung der Ausgleichsforderung gezahlt haben. Die Kl&auml;gerin hatte den Eltern durch die Stundung einen Kredit in H&ouml;he von 150.000&nbsp;DM (umgerechnet 76.693,78&nbsp;EUR) gew&auml;hrt (vgl. BFH-Urteil in BFHE 252, 260, BStBl II 2016, 342). Die hierf&uuml;r gezahlten Zinsen unterliegen der Besteuerung nach &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Die BFH-Urteile jeweils in BFHE 229, 104, BStBl II 2010, 818 und in BFH\/NV 2010, 1793 f&uuml;hren zu keiner anderen Beurteilung. Entgegen der Auffassung des FG kann aus diesen BFH-Urteilen nicht der Schluss gezogen werden, dass wenn schon wiederkehrende Zahlungen keinen steuerbaren Zinsanteil enthalten, dies bei einer Einmalzahlung erst recht gelten m&uuml;sse. Entscheidend ist, dass die Kl&auml;gerin durch den Verzicht auf ihren Pflichtteil einen f&auml;lligen Anspruch auf eine Ausgleichszahlung erhalten hat, den sie erst in einem zweiten Schritt gestundet hat. Hierdurch wurden die Eltern von ihrer Verpflichtung zur Auszahlung befreit, so dass eine Kreditgew&auml;hrung vorliegt. Die hierf&uuml;r gezahlten Zinsen in H&ouml;he von 81.011,74&nbsp;EUR unterliegen der Besteuerung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG .<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 6.8.2019, VIII R 22\/17ECLI:DE:BFH:2019:U.060819.VIIIR22.17.0 Zinsen aus der Stundung eines Ausgleichsanspruchs f&uuml;r den Pflichtteilsverzicht sind einkommensteuerbar Leits&auml;tze Verzichtet ein Kind gegen&uuml;ber seinen Eltern auf k&uuml;nftige Pflichtteilsanspr&uuml;che und erh&auml;lt es daf&uuml;r einen f&auml;lligen Zahlungsanspruch, so f&uuml;hrt die Verzinsung dieses Zahlungsanspruchs zu steuerpflichtigen Kapitalertr&auml;gen i.S. des &sect; 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG. Tenor Auf &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-r-22-17-zinsen-aus-der-stundung-eines-ausgleichsanspruchs-fuer-den-pflichtteilsverzicht-sind-einkommensteuerbar\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VIII&nbsp;R&nbsp;22\/17 &#8211; Zinsen aus der Stundung eines Ausgleichsanspruchs f&uuml;r den Pflichtteilsverzicht sind einkommensteuerbar<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-71593","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71593","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71593"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71593\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71593"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71593"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71593"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}