{"id":71597,"date":"2019-12-21T18:43:39","date_gmt":"2019-12-21T16:43:39","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=71597"},"modified":"2019-12-21T18:43:39","modified_gmt":"2019-12-21T16:43:39","slug":"v-r-36-17-billigkeitsregelung-zur-organschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-36-17-billigkeitsregelung-zur-organschaft\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;36\/17 &#8211; Billigkeitsregelung zur Organschaft"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 26.9.2019, V R 36\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.260919.VR36.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Billigkeitsregelung zur Organschaft<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>NV: Die Billigkeitsregelung zur Organschaft im BMF-Schreiben vom 05.07.2011 (BStBl I 2011, 703) kann von der Finanzverwaltung dahingehend verstanden werden, dass bei Schwester-Kapitalgesellschaften keine finanzielle Eingliederung vorliegt, wenn die eine GmbH an der anderen GmbH nur zu 50 % beteiligt ist.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Finanzgerichts Baden-W&uuml;rttemberg vom 24.05.2017 &#8211; 1 K 1543\/16 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Klage wird abgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Streitig ist die Anerkennung einer Organschaft bei Schwester-Kapitalgesellschaften f&uuml;r 2008 bis 2010 (Streitjahre) aufgrund der Billigkeitsregelung im Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) vom 05.07.2011 (BStBl I 2011, 703).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) ist eine juristische Person in der Rechtsform einer GmbH<strong>,<\/strong> die in 1991 von den Eheleuten K errichtet wurde. Gegenstand des Unternehmens ist die Belieferung von Alten- und Pflegeheimen mit Lebensmitteln, Hausverbrauchs- und Heimbedarfsg&uuml;tern sowie aller damit verbundenen Dienstleistungen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ihre Ums&auml;tze f&uuml;hrte die Kl&auml;gerin ausschlie&szlig;lich an ein Alten- und Pflegeheim in der Rechtsform einer GmbH (H-GmbH) aus, an der die Eheleute bis Ende 2010 jeweils h&auml;lftig beteiligt waren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In 2005 ver&auml;u&szlig;erten die Eheleute jeweils 25% ihrer Gesch&auml;ftsanteile an der Kl&auml;gerin an die H-GmbH, sodass die Anteile an der Kl&auml;gerin seitdem von den Eheleuten mit je 25&nbsp;% und von der H-GmbH zu 50&nbsp;% gehalten wurden. Am 09.12.2005 schlossen die Kl&auml;gerin und die H-GmbH einen &quot;Bewirtschaftungsvertrag&quot; ab. Seitdem erbringt die Kl&auml;gerin ihre Leistungen ausschlie&szlig;lich gegen&uuml;ber der H-GmbH. Alleiniger Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Kl&auml;gerin und der H-GmbH ist HK (Ehemann).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) behandelte die Kl&auml;gerin ab 2006 als Organgesellschaft der H-GmbH (Organtr&auml;gerin). Eine Au&szlig;enpr&uuml;fung bei der Kl&auml;gerin f&uuml;r die Jahre 2006 bis 2007 hatte zwar beanstandet, dass keine umsatzsteuerrechtliche Organschaft bestehe, weil die H-GmbH nur zu 50&nbsp;% an der Kl&auml;gerin beteiligt sei und es daher an einer finanziellen Eingliederung fehle (Bericht vom 20.12.2010), die Rechtsbehelfsstelle des FA half jedoch den Einspr&uuml;chen der Kl&auml;gerin gegen die ge&auml;nderten Umsatzsteuerbescheide 2006 und 2007 ab, weil es davon ausging, dass eine Organschaft aufgrund der &Uuml;bergangsregelung des BMF im Schreiben vom 05.07.2011 (BStBl I 2011, 703) noch bis einschlie&szlig;lich 31.12.2011 anzuerkennen sei. F&uuml;r die Folgejahre 2008 bis 2010 (Streitjahre) kam das FA hingegen auf der Grundlage desselben BMF-Schreibens zu dem Ergebnis, dass die &Uuml;bergangsregelung im Streitfall nicht anwendbar sei. Die Kl&auml;gerin habe daher als selbst&auml;ndiges Unternehmen ihre Ums&auml;tze gegen&uuml;ber der H-GmbH zu versteuern. Deren H&ouml;he sowie die Vorsteuern sch&auml;tzte das FA und &auml;nderte die Umsatzsteuerfestsetzungen der Streitjahre.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die hiergegen eingelegten Einspr&uuml;che wies das FA mit Einspruchsentscheidung vom 28.12.2012 zur&uuml;ck, weil es an der finanziellen Eingliederung der Kl&auml;gerin in die H-GmbH fehle. Ohne eigene Mehrheitsbeteiligung k&ouml;nne die H-GmbH ihren Willen bei der Kl&auml;gerin nicht durchsetzen. Die &Uuml;bergangsregelung im BMF-Schreiben sei nicht anwendbar. Im anschlie&szlig;enden Klageverfahren beantragte die Kl&auml;gerin in der m&uuml;ndlichen Verhandlung vom 25.02.2015, aus Billigkeitsgr&uuml;nden keine Umsatzsteuer festzusetzen und das Klageverfahren bis zur Entscheidung des FA &uuml;ber den Billigkeitsantrag ruhen zu lassen. Nach Zustimmung des FA beschloss das Finanzgericht (FG) das Ruhen dieses Verfahrens.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA lehnte mit Bescheid vom 29.10.2015 den Antrag auf abweichende Steuerfestsetzung aus Billigkeitsgr&uuml;nden ab und wies den dagegen eingelegten Einspruch als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck. Die Kl&auml;gerin besitze kein sch&uuml;tzenswertes Vertrauen f&uuml;r die Annahme, Organgesellschaft der H-GmbH gewesen zu sein, da diese nicht die Mehrheit der Stimmrechte an der Kl&auml;gerin gehalten habe. Auf eine mittelbare Beteiligung der Gesellschafter komme es ebenso wenig an wie auf einen Stimmbindungsvertrag.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Klage vor dem FG hatte hingegen Erfolg. Nach dem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2018, 132 ver&ouml;ffentlichten Urteil ist das FA auf der Grundlage der &Uuml;bergangsregelung im BMF-Schreiben in BStBl I 2011, 703 verpflichtet, aus Billigkeitsgr&uuml;nden keine Umsatzsteuer gegen die Kl&auml;gerin festzusetzen, da diese als Organgesellschaft der H-GmbH gelte. Die &Uuml;bergangsregelung setze nur voraus, dass die am vermeintlichen Organkreis beteiligten Unternehmer unter Berufung auf Abschn.&nbsp;2.8 Abs.&nbsp;5 des Umsatzsteuer-Anwendungserlasses (UStAE) in der am 04.07.2011 geltenden Fassung &uuml;bereinstimmend eine finanzielle Eingliederung annehmen. Diese Voraussetzung sei erf&uuml;llt, da die Verwaltungsregelung f&uuml;r eine finanzielle Eingliederung zwar den Besitz der entscheidenden Anteilsmehrheit (in der Regel mehr als 50&nbsp;%) an der Organgesellschaft fordere, aber nicht regele, wie sich diese Mehrheit errechne<em>.<\/em> Mit der Bezugnahme auf das bereits im BStBl ver&ouml;ffentlichte Urteil des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 18.12.1996&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;25\/94 (BFHE 182, 392, BStBl II 1997, 441) sei klar gewesen, dass schon eine nicht unwesentliche Beteiligung der Organ-Kapitalgesellschaft an der Organgesellschaft ein &Uuml;ber- und Unterordnungsverh&auml;ltnis begr&uuml;nde und zus&auml;tzliche Beteiligungen gemeinsamer Anteilseigner f&uuml;r die finanzielle Eingliederung zu ber&uuml;cksichtigen seien.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der vom FG zugelassenen Revision r&uuml;gt das FA die Verletzung materiellen Rechts (&sect;&nbsp;163 Abs.&nbsp;1 der Abgabenordnung &#8211;AO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Streitfall bestehe keine sachliche Unbilligkeit i.S. der &Uuml;bergangsregelung des BMF-Schreibens in BStBl I 2011, 703, da dieses andere Sachverhalte betreffe. Ein sachlicher Billigkeitsgrund bestehe nur f&uuml;r die durch die &Auml;nderung der Rechtsprechung unmittelbar betroffenen Steuerpflichtigen. Das BFH-Urteil vom 22.04.2010&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;9\/09 (BFHE 229, 433, BStBl II 2011, 597) betreffe die finanzielle Eingliederung einer GmbH in eine KG, im Streitfall gehe es aber weder um die Eingliederung in eine Personengesellschaft noch um die Zusammenrechnung mittelbarer Beteiligungen. Im Urteil vom 01.12. 2010&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;43\/08 (BFHE 232, 550, BStBl II 2011, 600) sei eine Organschaft zwischen zwei Kapitalgesellschaften abgelehnt worden, an denen eine nat&uuml;rliche Person alleiniger Anteilseigner des Organtr&auml;gers und der potentiellen Organschaft gewesen sei. Auch insoweit sei der Sachverhalt nicht vergleichbar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Entgegen der Ansicht des FG ergebe sich aus dem BFH-Urteil in BFHE 182, 392, BStBl II 1997, 441 nichts anderes. Nach den Urteilsgr&uuml;nden m&uuml;sse die Organgesellschaft in das Unternehmen des Organtr&auml;gers eingegliedert sein. Dies erfordere eine zur Durchsetzung des eigenen Willens erforderliche Stimmenmehrheit. Hierf&uuml;r sei unma&szlig;geblich, ob der Organtr&auml;ger &uuml;ber keine oder nur &uuml;ber eine unmittelbare Beteiligung verf&uuml;ge, die nicht zur Durchsetzung seines Willens ausreiche. Halte der Organtr&auml;ger nicht die Mehrheit der Stimmrechte, sei er rechtlich nicht in der Lage, seinen Willen in der Organgesellschaft durchzusetzen. Eine einschr&auml;nkende Anwendung dieses Urteils auf F&auml;lle mit ausschlie&szlig;lichem Anteilsbesitz von nat&uuml;rlichen Personen sei dem Urteil nicht zu entnehmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin habe nicht davon ausgehen k&ouml;nnen, dass die unmittelbare Beteiligung der H-GmbH von 50&nbsp;% zur Begr&uuml;ndung einer Organschaft ausreichen k&ouml;nne. Zur finanziellen Eingliederung f&uuml;hre nur eine Zusammenrechnung der unmittelbaren Beteiligung von 50&nbsp;% mit der mittelbaren Beteiligung des HK von 25&nbsp;%. Eine solche Zusammenrechnung mittelbarer Beteiligungen und unmittelbarer Beteiligungen sei jedoch bereits mit BFH-Urteil vom 22.11.2001&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;50\/00 (BFHE 197, 319, BStBl II 2002, 167) abgelehnt worden. Dies gelte insbesondere dann, wenn &#8211;wie hier&#8211; der Minderheitsgesellschafter auch beim potentiellen Organtr&auml;ger &uuml;ber keine eigene Mehrheitsbeteiligung verf&uuml;ge (Anteilsbesitz 50&nbsp;%). Damit h&auml;tten sich f&uuml;r einen gewissenhaften Steuerpflichtigen Zweifel an der Annahme einer Organschaft ergeben m&uuml;ssen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im &Uuml;brigen d&uuml;rfe das Gericht die Richtlinien nicht selbst auslegen, sondern nur pr&uuml;fen, ob die Auslegung durch die Beh&ouml;rde m&ouml;glich ist. Im Streitfall sei die Ablehnung der Billigkeitsma&szlig;nahme ermessensgerecht, da die Auslegung der &Uuml;bergangsregelung durch die Finanzverwaltung m&ouml;glich gewesen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>das Urteil des FG vom 18.07.2017 (gemeint wohl 24.&nbsp;05.2017) 1&nbsp;K&nbsp;1553\/16 aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin verteidigt die Vorentscheidung und tr&auml;gt erg&auml;nzend vor: Die &Uuml;bergangsregelung sei nach ihrem eindeutigen Wortlaut anwendbar. Die H-GmbH und die Kl&auml;gerin seien &uuml;bereinstimmend von einer Organschaft ausgegangen und h&auml;tten nach der historischen Entwicklung der Verwaltungsanweisungen auch von einer Organschaft ausgehen k&ouml;nnen. Im Schrifttum sei das BFH-Urteil in BFHE 232, 550, BStBl II 2011, 600 dahingehend verstanden worden, dass erst hierdurch das Institut der mittelbaren finanziellen Eingliederung vollumf&auml;nglich aufgegeben wurde, w&auml;hrend bislang eine finanzielle Eingliederung &uuml;ber die Gesellschafter einer Kapitalgesellschaft f&uuml;r m&ouml;glich erachtet worden sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beteiligten haben mit ihren Schrifts&auml;tzen vom 22.11.2017 (Kl&auml;gerin) und vom 30.01.2018 (FA) auf die Durchf&uuml;hrung einer m&uuml;ndlichen Verhandlung verzichtet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision des FA ist begr&uuml;ndet. Die Vorentscheidung ist aufzuheben und die Klage abzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das angefochtene Urteil verletzt &sect;&nbsp;102 FGO i.V.m. &sect;&sect;&nbsp;163, 227 AO, indem es das FA verpflichtet, auf der Grundlage der &Uuml;bergangsregelung des BMF f&uuml;r die Streitjahre keine Umsatzsteuer festzusetzen. Die Ablehnung der abweichenden Steuerfestsetzung durch das FA war nicht ermessensfehlerhaft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;163 AO k&ouml;nnen Steuern niedriger festgesetzt werden und einzelne Besteuerungsgrundlagen, die die Steuern erh&ouml;hen, bei der Festsetzung der Steuer unber&uuml;cksichtigt bleiben, wenn die Erhebung der Steuer nach Lage des einzelnen Falls unbillig w&auml;re. &sect;&nbsp;163 AO soll sachlichen und pers&ouml;nlichen Besonderheiten des Einzelfalls, die der Gesetzgeber in der Besteuerungsnorm nicht ber&uuml;cksichtigt hat, durch eine nicht den Steuerbescheid selbst &auml;ndernde Korrektur des Steuerbetrags insoweit Rechnung tragen, als sie die steuerliche Belastung als unbillig erscheinen lassen (vgl. BFH-Urteil vom 12.12.2013&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;39\/10, BFHE 244, 485, BStBl II 2014, 572, unter II.1., m.w.N.). Der Gesetzgeber hat die Voraussetzungen der abweichenden Festsetzung aus Billigkeitsgr&uuml;nden nach &sect;&nbsp;163 AO ebenso wie des Erlasses nach &sect;&nbsp;227 AO nicht n&auml;her konkretisiert, sondern die Entscheidung in das Ermessen der Finanzbeh&ouml;rden gestellt. Zur Vereinheitlichung der Anwendung von Billigkeitsregeln kann wiederum das BMF Verwaltungsvorschriften erlassen, die die entscheidenden Ermessenserw&auml;gungen der Finanzbeh&ouml;rden festschreiben und damit deren Ermessen auf Null reduzieren (vgl. BFH-Urteil vom 21.07.2016&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;11\/14, BFHE 254, 497, BStBl II 2017, 22, unter II.1.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Das zur umsatzsteuerrechtlichen Organschaft erlassene BMF-Schreiben in BStBl I 2011, 703 ist eine solche ermessenslenkende Verwaltungsvorschrift. Es behandelt die Konsequenzen aus den BFH-Urteilen in BFHE 229, 433, BStBl II 2011, 597 und in BFHE 232, 550, BStBl II 2011, 600, die zu einer &Auml;nderung der Rechtsprechung bei der finanziellen Eingliederung von Kapital- und Personengesellschaften f&uuml;hrten. Neben einer &Auml;nderung von Abschn.&nbsp;2.8 Abs.&nbsp;5 UStAE ordnet das BMF an, dass die Grunds&auml;tze dieses Schreibens in allen offenen F&auml;llen anzuwenden sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;r die Zurechnung von vor dem 01.01.2012 ausgef&uuml;hrten Ums&auml;tzen wird es jedoch nicht beanstandet, wenn die am vermeintlichen Organkreis beteiligten Unternehmer unter Berufung auf Abschn.&nbsp;2.8 Abs.&nbsp;5 UStAE in der am 04.07.2011 geltenden Fassung &uuml;bereinstimmend eine finanzielle Eingliederung annehmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Ermessenslenkende Verwaltungsvorschriften, die unter Beachtung des Gleichbehandlungsgrundsatzes (Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes) zur Selbstbindung der Verwaltung f&uuml;hren, sind bei der gerichtlichen Pr&uuml;fung, ob die Finanzverwaltung ihre Ermessensentscheidung fehlerfrei, insbesondere willk&uuml;rfrei getroffen hat, von den Finanzgerichten zu beachten (BFH-Urteile vom 13.01.2011&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;43\/09, BFHE 233, 58, BStBl II 2011, 610, sowie vom 19.03.2009&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;48\/07, BFHE 225, 215, BStBl II 2010, 92, sowie vom 10.06.1992&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;142\/90, BFHE 168, 226, BStBl II 1992, 784).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Allerdings haben die Finanzgerichte nur zu pr&uuml;fen, ob sich die Beh&ouml;rden an die Richtlinien gehalten haben und ob die Richtlinien selbst einer sachgerechten Ermessensaus&uuml;bung entsprechen (BFH-Urteil vom 21.10.1999&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;1\/98, BFH\/NV 2000, 691). Dabei ist f&uuml;r die Auslegung einer Verwaltungsvorschrift nicht ma&szlig;geblich, wie das FG eine solche Verwaltungsanweisung versteht, sondern wie die Verwaltung sie verstanden hat und verstanden wissen wollte. Das FG darf daher Verwaltungsanweisungen nicht nach den allgemeinen Auslegungsmethoden selbst auslegen, sondern nur darauf &uuml;berpr&uuml;fen, ob die Auslegung durch die Beh&ouml;rde m&ouml;glich ist (Senatsurteile vom 24.11.2005&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;37\/04, BFHE 211, 411, BStBl II 2006, 466, Leits&auml;tze&nbsp;1 und 2, sowie vom 13.01.2005&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;35\/03, BFHE 208, 398, BStBl II 2005, 460; BFH-Beschluss vom 04.06.2003&nbsp;&#8211; VII&nbsp;B&nbsp;138\/01, BFHE 202, 231, BStBl II 2003, 790, unter II.2.c, m.w.N.). Den Finanzbeh&ouml;rden ist es danach lediglich verwehrt, die Anwendung der Verwaltungsanweisung in offensichtlich von der Verwaltungsanweisung gedeckten Einzelf&auml;llen ohne zwingende Sachgr&uuml;nde abzulehnen (BFH-Urteile vom 07.12.2005&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;123\/04, BFH\/NV 2006, 1097, unter II.2.d), vom 20.10.1999&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;69\/96, BFHE 190, 185, BStBl II 2000, 259, unter II.3.c, sowie vom 23.04.1991&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;61\/87, BFHE 164, 422, BStBl II 1991, 752).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Nach Ma&szlig;gabe dieser Grunds&auml;tze ist die Ablehnung der Billigkeitsma&szlig;nahme durch das FA nicht zu beanstanden. Entgegen der Auffassung des FG ist der vorliegende Sachverhalt nicht offensichtlich von der Billigkeitsregelung der Finanzverwaltung erfasst. Denn die Finanzverwaltung geht bereits seit der Ver&ouml;ffentlichung des BFH-Urteils in BFHE 197, 319, BStBl II 2002, 167 (Leitsatz&nbsp;2) davon aus, dass die finanzielle Eingliederung einer juristischen Person in das Unternehmen eines Organtr&auml;gers nicht gegeben ist, wenn dieser die notwendige (qualifizierte) Stimmenmehrheit in der juristischen Person nur mit Hilfe eines Minderheitsgesellschafters erreichen kann. Die Finanzverwaltung durfte die &Uuml;bergangsregelung somit dahingehend verstehen, dass im Falle der Kl&auml;gerin mangels finanzieller Eingliederung in die H-GmbH keine Organschaft &uuml;ber mittelbare Beteiligung der Minderheitsgesellschafter vorlag.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die gewerbliche oder berufliche T&auml;tigkeit wird nach &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) nicht selbst&auml;ndig ausge&uuml;bt, wenn eine juristische Person nach dem Gesamtbild der Verh&auml;ltnisse finanziell, wirtschaftlich und organisatorisch in das Unternehmen des Organtr&auml;gers eingegliedert ist (Organschaft). Eine finanzielle Eingliederung liegt nach st&auml;ndiger Rechtsprechung des BFH vor, wenn der Organtr&auml;ger unmittelbar oder mittelbar an der Organgesellschaft beteiligt ist, sodass er seinen Willen bei ihr durch Mehrheitsbeschl&uuml;sse durchsetzen kann. Dies erfordert im Regelfall eine einfache Stimmenmehrheit und damit mehr als 50&nbsp;% der Stimmrechte in der Organgesellschaft, sofern keine h&ouml;here qualifizierte Mehrheit f&uuml;r die allgemeine Beschlussfassung in der Organgesellschaft erforderlich ist (BFH-Urteil in BFHE 197, 319, BStBl II 2002, 167). W&auml;hrend nach &uuml;berkommener Rechtsprechung eine mittelbare finanzielle Eingliederung auch &uuml;ber einen oder mehrere an beiden Gesellschaften beteiligte Gesellschafter begr&uuml;ndet werden konnte (BFH-Urteil vom 17.04.1969&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;123\/68, BFHE 95, 558, BStBl II 1969, 505), schr&auml;nkte der BFH diese Rechtsprechung im Urteil in BFHE 182, 392, BStBl II 1997, 441 dahingehend ein, dass eine finanzielle Eingliederung in das Unternehmen einer GmbH nicht gegeben ist, wenn eine nat&uuml;rliche Person als Nichtunternehmer die Mehrheitsbeteiligung an mehreren Kapitalgesellschaften h&auml;lt. War Organtr&auml;ger hingegen eine Personengesellschaft, konnte eine Kapitalgesellschaft, deren Anteile von den Gesellschaftern des Organtr&auml;gers gehalten wird, weiterhin mittelbar finanziell eingegliedert sein (BFH-Urteil vom 20.01.1999&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;69\/97, BFH\/NV 1999, 1136).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese zweifelhafte Differenzierung nach der Rechtsform des Organtr&auml;gers (vgl. hierzu W&auml;ger, Organschaft im Umsatzsteuerrecht in Spindler\/Tipke\/R&ouml;dder, Steuerzentrierte Rechtsberatung, Festschrift Schaumburg, 2009, 1189&nbsp;ff., 1198\/1199) wurde durch die BFH-Urteile in BFHE 229, 433, BStBl II 2011, 597 und in BFHE 232, 550, BStBl II 2011, 600 (Rechtsprechungs&auml;nderung) beendet. Danach erfordert die finanzielle Eingliederung sowohl bei einer Kapitalgesellschaft als auch bei einer Personengesellschaft als Organtr&auml;ger eine unmittelbare oder mittelbare Beteiligung der Kapitalgesellschaft oder Personengesellschaft an der Organgesellschaft; nicht mehr ausreichend ist seitdem eine mittelbare Beherrschung &uuml;ber den oder die Gesellschafter der Gesellschaft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Vor diesem Hintergrund geht das FG zwar zu Recht davon aus, dass Abschn.&nbsp;2.8 Abs.&nbsp;5 UStAE in der am 04.07.2011 geltenden Fassung nicht selbst regelte, ob f&uuml;r die &#8211;zur finanziellen Eingliederung erforderliche&#8211; Stimmrechtsmehrheit neben der unmittelbaren Beteiligung eines (vermeintlichen) Organtr&auml;gers auch die (mittelbaren) Beteiligungen der Gesellschafter zu ber&uuml;cksichtigen sind. Die Bezugnahme in Abschn.&nbsp;2.8 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;6 UStAE auf das im BStBl ver&ouml;ffentlichte BFH-Urteil in BFHE 182, 392, BStBl II 1997, 441 k&ouml;nnte durchaus daf&uuml;r sprechen, dass im Falle einer nicht unwesentlichen Beteiligung der Organtr&auml;ger-Kapitalgesellschaft an der Organgesellschaft die zus&auml;tzlichen Beteiligungen gemeinsamer Anteilseigner zu ber&uuml;cksichtigen waren und somit eine finanzielle Eingliederung begr&uuml;nden konnten. Im Streitfall l&auml;ge damit eine Stimmrechtsmehrheit bei der H-GmbH vor, sodass die Kl&auml;gerin als Organgesellschaft zu behandeln w&auml;re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Das FG hat bei seiner Entscheidung allerdings nicht ber&uuml;cksichtigt, dass die Finanzverwaltung ihre Auffassung zur finanziellen (mittelbaren) Eingliederung mit der Ver&ouml;ffentlichung des BFH-Urteils in BFHE 197, 319, BStBl II 2002, 167 weiter eingeschr&auml;nkt hat. Nach Leitsatz&nbsp;2 dieses Urteils ist die finanzielle Eingliederung einer juristischen Person in das Unternehmen eines Organtr&auml;gers nicht gegeben, wenn dieser die notwendige qualifizierte Stimmenmehrheit in der juristischen Person nur mit Hilfe eines Minderheitsgesellschafters erreichen kann.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Der Fall betraf die finanzielle Eingliederung zweier GmbHs (PTA und PS) in das Unternehmen einer KG (Kl&auml;gerin im dortigen Streitfall). An der KG waren der Gesellschafter E mit 80&nbsp;% und K mit 20&nbsp;% beteiligt. Die Kapitalanteile an den beiden GmbHs hielten die Kl&auml;gerin (60&nbsp;%), der Minderheitsgesellschafter der Kl&auml;gerin K (20&nbsp;%) und ein Dritter (20&nbsp;%). Beschl&uuml;sse der GmbH erforderten grunds&auml;tzlich 65&nbsp;% der Stimmen, in Ausnahmef&auml;llen 75&nbsp;% der Stimmen. Das FA bejahte eine finanzielle Eingliederung, da es hierf&uuml;r ausreiche, dass beim Organtr&auml;ger und den Organgesellschaften dieselben Gesellschafter zusammen &uuml;ber die f&uuml;r die Beschlussfassungen erforderliche Mehrheit verf&uuml;gten. FG und BFH lehnten hingegen eine Zusammenrechnung der Anteile ab und gaben der Klage statt. Die Beteiligung des Minderheitsgesellschafters K sichere der Kl&auml;gerin (KG) nicht die notwendige Mehrheit in beiden GmbHs, vielmehr h&auml;nge die Stimmenmehrheit der Kl&auml;gerin vom jeweiligen Stimmverhalten des K ab. Eine vom Willen der Kl&auml;gerin abweichende Willensbildung bei K sei deswegen nicht ausgeschlossen, weil er bei der Willensbildung in der Kl&auml;gerin &uuml;berstimmt worden sein k&ouml;nnte. Die Beteiligung des K k&ouml;nne erst dann zu den Stimmen des Mehrheitsgesellschafters hinzugez&auml;hlt werden, wenn dieser sich durch eine Stimmrechtsbindung zu einem gleich gerichteten Stimmverhalten verpflichtet habe. Solange nicht gew&auml;hrleistet sei, dass die Kl&auml;gerin ihren Willen aufgrund ihrer finanziellen Beteiligung an den jeweiligen GmbHs durchsetzen k&ouml;nne, seien diese nicht in ihr Unternehmen eingegliedert. Da es im vorliegenden Streitfall f&uuml;r eine Stimmrechtsbindung weder Feststellungen noch Anhaltspunkte gibt, ist eine finanzielle Eingliederung ausgeschlossen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) In der vorbehaltslosen Ver&ouml;ffentlichung des BFH-Urteils in BFHE 197, 319, BStBl II 2002, 167 liegt die Anweisung der obersten Finanzbeh&ouml;rden des Bundes und der L&auml;nder an die nachgeordneten Dienststellen der Finanzverwaltung, die in der jeweiligen Entscheidung enthaltenen Rechtsgrunds&auml;tze auf gleichgelagerte Sachverhalte allgemein &#8211;&uuml;ber den entschiedenen Einzelfall hinaus&#8211; anzuwenden (vgl. BFH-Urteil vom 31.08.2011&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;19\/10, BFHE 234, 420, BStBl II 2012, 190, unter II.2.c).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>31<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Die Sache ist entscheidungsreif. Die Ver&ouml;ffentlichung des BFH-Urteils in BFHE 197, 319, BStBl II 2002, 167 stellt f&uuml;r die Finanzverwaltung einen sachlichen Grund dar, die Anwendung der Billigkeitsregelung ermessensfehlerfrei abzulehnen. Das anderslautende Urteil des FG ist daher aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>32<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Mit seiner Entscheidung weicht der V.&nbsp;Senat des BFH nicht von dem Urteil des XI.&nbsp;Senats des BFH vom 26.06.2019&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;3\/17 (Deutsches Steuerrecht &#8211;DStR&#8211; 2019, 2135, Der Betrieb &#8211;DB&#8211; 2019, 2384) ab, das zu einem anderen Sachverhalt ergangen ist. Der vorliegende Fall betrifft die finanzielle Eingliederung bei unmittelbarer Beteiligung (50&nbsp;%) unter Hinzurechnung der Anteile eines Minderheitsgesellschafters, w&auml;hrend es in dem BFH-Urteil in DStR 2019, 2135, DB 2019, 2384 um die finanzielle Eingliederung einer Kapitalgesellschaft in eine Personengesellschaft bei ausschlie&szlig;lich mittelbaren Beteiligungen geht. Das hier streitentscheidende Senatsurteil in BFHE 197, 319, BStBl II 2002, 167 wird daher bei den Nachweisen zur bisherigen Rechtsprechung in der Entscheidung in DStR 2019, 2135, DB 2019, 2384 (unter II.1. der Gr&uuml;nde) nicht erw&auml;hnt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>33<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 26.9.2019, V R 36\/17ECLI:DE:BFH:2019:U.260919.VR36.17.0 Billigkeitsregelung zur Organschaft Leits&auml;tze NV: Die Billigkeitsregelung zur Organschaft im BMF-Schreiben vom 05.07.2011 (BStBl I 2011, 703) kann von der Finanzverwaltung dahingehend verstanden werden, dass bei Schwester-Kapitalgesellschaften keine finanzielle Eingliederung vorliegt, wenn die eine GmbH an der anderen GmbH nur zu 50 % beteiligt ist. Tenor Auf die &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-36-17-billigkeitsregelung-zur-organschaft\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">V&nbsp;R&nbsp;36\/17 &#8211; Billigkeitsregelung zur Organschaft<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-71597","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71597","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71597"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71597\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71597"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71597"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71597"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}