{"id":71663,"date":"2020-01-10T20:07:59","date_gmt":"2020-01-10T18:07:59","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=71663"},"modified":"2020-01-10T20:07:59","modified_gmt":"2020-01-10T18:07:59","slug":"x-b-70-19-anforderungen-an-einen-krankheitsbedingten-terminverlegungsantrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-70-19-anforderungen-an-einen-krankheitsbedingten-terminverlegungsantrag\/","title":{"rendered":"X&nbsp;B&nbsp;70\/19 &#8211; Anforderungen an einen krankheitsbedingten Terminverlegungsantrag"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 4.11.2019, X B 70\/19<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:B.041119.XB70.19.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Anforderungen an einen krankheitsbedingten Terminverlegungsantrag<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. NV: Bei einem am Vortag des Terminstages hinreichend vor Dienstschluss beim FG eingegangenen Terminverlegungsantrag handelt es sich &#8211;ohne Vorliegen besonderer Umst&auml;nde&#8211; grunds&auml;tzlich nicht um einen &quot;in letzter Minute&quot; gestellten Antrag, so dass keine erh&ouml;hten Anforderungen an die sofortige Glaubhaftmachung des erheblichen Grundes gelten.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. NV: Wenn ein Arzt ausdr&uuml;cklich die krankheitsbedingte Verhandlungsunf&auml;higkeit eines Verfahrensbeteiligten oder Prozessbevollm&auml;chtigten bescheinigt, ist damit in aller Regel ein erheblicher Grund f&uuml;r eine Terminverlegung glaubhaft gemacht.<\/p>\n<\/p>\n<p>3. NV: Ein FG darf nicht ohne weitere tats&auml;chliche Anhaltspunkte und ohne Sachaufkl&auml;rung allein aus dem Umstand, dass ein Prozessbevollm&auml;chtigter in zwei unterschiedlichen Verfahren jeweils um eine krankheitsbedingte Terminverlegung ersucht hat, auf eine chronische Erkrankung des Prozessbevollm&auml;chtigten schlie&szlig;en, die erh&ouml;hte Vorsorgepflichten ausl&ouml;st und damit keinen erheblichen Grund f&uuml;r eine Terminverlegung darstellt.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Beschwerde des Kl&auml;gers wegen Nichtzulassung der Revision wird das Urteil des Finanzgerichts D&uuml;sseldorf vom 26.02.2019 &#8211; 13 K 3082\/17 E,F aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht D&uuml;sseldorf zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Beschwerdeverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In materiell-rechtlicher Hinsicht streiten die Beteiligten, ob der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) aus der Vermietung eines &#8211;schon im Zeitpunkt des Erwerbs funktionsunf&auml;higen&#8211; gro&szlig;en Blockheizkraftwerks negative Eink&uuml;nfte aus Gewerbebetrieb erzielt hat. Verfahrensrechtlich geht es darum, ob das Finanzgericht (FG) aufgrund einer Erkrankung des Prozessbevollm&auml;chtigten (P) des Kl&auml;gers den Termin zur m&uuml;ndlichen Verhandlung h&auml;tte aufheben m&uuml;ssen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hatte f&uuml;r Dienstag, den 26.02.2019, 9:30&nbsp;Uhr, zur m&uuml;ndlichen Verhandlung geladen. Die Ladung wurde P am 07.02.2019 zugestellt. Am 25.02.2019 (Montag) ging um 15:07&nbsp;Uhr per Telefax ein Terminaufhebungsantrag des &#8211;seinerzeit 71-j&auml;hrigen&#8211; P beim FG ein. Beigef&uuml;gt war eine &quot;&auml;rztliche Bescheinigung&quot; eines Arztes (Dr.&nbsp;A) f&uuml;r Allgemeinmedizin, Akupunktur, Chirotherapie, Hom&ouml;opathie und Naturheilverfahren vom 22.02.2019, die den folgenden Wortlaut hat: &quot;Aufgrund der schlechten psycho\/physischen Situation des o.g. Patienten und der schweren Erkrankung seiner Ehefrau ist der o.g. Pat. zurzeit nicht in der Lage seine Interessen in oder au&szlig;erhalb einer Verhandlung vern&uuml;nftig wahrzunehmen, die Verteidigung in verst&auml;ndiger und verst&auml;ndlicher Weise zu f&uuml;hren und Prozesserkl&auml;rungen abzugeben, sowie entgegenzunehmen. Ich halte den o.g. Pat. daher f&uuml;r den 26.02.2019 verhandlungsunf&auml;hig.&quot; Das FG nahm vor der m&uuml;ndlichen Verhandlung keinen Kontakt mit der Kanzlei des P mehr auf.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der m&uuml;ndlichen Verhandlung erschien f&uuml;r den Kl&auml;ger niemand. Das FG lehnte den Terminaufhebungsantrag im angefochtenen Urteil ab. Es f&uuml;hrte aus, wenn ein Terminaufhebungsantrag &#8211;wie hier&#8211; in letzter Minute gestellt werde und das Gericht keine Zeit mehr f&uuml;r Ma&szlig;nahmen nach &sect;&nbsp;227 Abs.&nbsp;4 der Zivilprozessordnung (ZPO) habe, m&uuml;sse ein eingereichtes &auml;rztliches Attest die Verhandlungsunf&auml;higkeit eindeutig und nachvollziehbar beschreiben und sich zur Art und Schwere der Erkrankung &auml;u&szlig;ern. Diese Voraussetzungen seien hier nicht erf&uuml;llt, weil Dr.&nbsp;A lediglich vage formuliert habe, er halte P f&uuml;r verhandlungsunf&auml;hig. Die erw&auml;hnte &quot;schlechte psycho\/physische Situation&quot; stelle keine eindeutige und nachvollziehbare Beschreibung der behaupteten Verhandlungsunf&auml;higkeit dar. Im &Uuml;brigen habe P bereits in dem auf den 25.01.2019 terminierten Verfahren 13&nbsp;K&nbsp;334\/18 ein gleichlautendes Attest desselben Arztes eingereicht. Es handele sich daher um eine chronische Erkrankung, die wiederholt in gleicher Weise auftrete. In solchen F&auml;llen m&uuml;sse ein Prozessbevollm&auml;chtigter Vorsorge f&uuml;r die Wahrnehmung von Gerichtsterminen treffen. Unterlasse er diese Vorsorge, sei eine sp&auml;tere krankheitsbedingte Verhinderung nicht unverschuldet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der Sache selbst wies das FG die Klage ab. Die blo&szlig;e Nutzungs&uuml;berlassung des Blockheizkraftwerks sei keine gewerbliche T&auml;tigkeit, sondern als Vermietung eines Sachinbegriffs anzusehen und falle daher unter &sect;&nbsp;21 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 des Einkommensteuergesetzes. Dem Kl&auml;ger fehle aber die erforderliche Einkunftserzielungsabsicht, da weder die M&ouml;glichkeit eines Total&uuml;berschusses noch ein Konzept f&uuml;r die Erzielung eines &Uuml;berschusses erkennbar sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Beschwerde begehrt der Kl&auml;ger die Zulassung der Revision wegen eines Verfahrensmangels.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt) h&auml;lt die Beschwerde f&uuml;r unbegr&uuml;ndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde ist begr&uuml;ndet. Es liegt ein vom Kl&auml;ger geltend gemachter Verfahrensmangel vor, auf dem die Entscheidung des FG beruhen kann (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Das FG hat den Anspruch des Kl&auml;gers auf Gew&auml;hrung rechtlichen Geh&ouml;rs (&sect;&nbsp;119 Nr.&nbsp;3 FGO, Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes) verletzt, indem es die m&uuml;ndliche Verhandlung durchgef&uuml;hrt und eine verfahrensabschlie&szlig;ende Entscheidung getroffen hat, obwohl P unter Vorlage eines &auml;rztlichen Attests eine krankheitsbedingte Terminverlegung beantragt hatte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Einem Verfahrensbeteiligten wird das rechtliche Geh&ouml;r versagt, wenn das Gericht m&uuml;ndlich verhandelt und in der Sache entscheidet, obwohl der Beteiligte einen Antrag auf Terminverlegung gestellt und daf&uuml;r erhebliche Gr&uuml;nde geltend gemacht hat (&sect;&nbsp;155 Satz&nbsp;1 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;227 Abs.&nbsp;1 ZPO). Nach st&auml;ndiger h&ouml;chstrichterlicher Rechtsprechung geh&ouml;rt zu diesen erheblichen Gr&uuml;nden auch die krankheitsbedingte Verhinderung eines Prozessbevollm&auml;chtigten (vgl. aus j&uuml;ngerer Zeit nur Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 14.12.2017&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;57\/17, BFH\/NV 2018, 345, Rz&nbsp;3, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Grunds&auml;tzlich sind die erheblichen Gr&uuml;nde f&uuml;r eine Terminverlegung nur &quot;auf Verlangen&quot; des Vorsitzenden glaubhaft zu machen (&sect;&nbsp;227 Abs.&nbsp;2 ZPO). Strengere Anforderungen gelten allerdings, wenn der Terminverlegungsantrag &quot;in letzter Minute&quot; gestellt wird und dem Gericht keine Zeit bleibt, den Antragsteller zur Glaubhaftmachung aufzufordern. In diesem Fall m&uuml;ssen die Beteiligten von sich aus alles unternehmen, damit ihrem Vortrag auch in tats&auml;chlicher Hinsicht gefolgt werden kann. In derartigen eiligen F&auml;llen ist daher entweder die Vorlage eines &auml;rztlichen Attests erforderlich, aus dem sich eindeutig die Verhandlungsunf&auml;higkeit der erkrankten Person ergeben muss; ersatzweise muss der Beteiligte die Erkrankung so genau schildern und glaubhaft machen, dass das Gericht selbst beurteilen kann, ob sie so schwer ist, dass ein Erscheinen zum Termin nicht erwartet werden kann (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 10.03.2005&nbsp;&#8211; IX&nbsp;B&nbsp;171\/03, BFH\/NV 2005, 1578, unter 1.a, und in BFH\/NV 2018, 345, Rz&nbsp;4).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dabei reicht die &auml;rztliche Bescheinigung der &quot;Verhandlungsunf&auml;higkeit&quot; grunds&auml;tzlich aus, weil ein Arzt f&uuml;r diese Beurteilung sachkompetenter ist als ein entsprechend informierter Richter (BFH-Beschluss vom 07.11.2017&nbsp;&#8211; III&nbsp;B&nbsp;31\/17, BFH\/NV 2018, 214, Rz&nbsp;8, m.w.N.). Gleiches gilt, wenn der Arzt unter Nennung eines bestimmten Tages ausdr&uuml;cklich erkl&auml;rt, der Patient sei nicht in der Lage, einen Gerichtstermin wahrzunehmen (BFH-Beschluss vom 10.08.2011&nbsp;&#8211; IX&nbsp;B&nbsp;175\/10, BFH\/NV 2011, 1912, Rz&nbsp;2). Demgegen&uuml;ber gen&uuml;gt die Vorlage einer blo&szlig;en Arbeitsunf&auml;higkeitsbescheinigung grunds&auml;tzlich nicht (BFH-Beschl&uuml;sse vom 05.07.2004&nbsp;&#8211; VII&nbsp;B&nbsp;7\/04, BFH\/NV 2005, 64, unter II.2.; vom 19.11.2009&nbsp;&#8211; IX&nbsp;B&nbsp;160\/09, BFH\/NV 2010, 454, und vom 08.09.2015&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;33\/15, BFH\/NV 2015, 1690, Rz&nbsp;13).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Bei Zugrundelegung dieser Ma&szlig;st&auml;be erweist sich das Vorgehen des FG, die m&uuml;ndliche Verhandlung in Abwesenheit des erkrankten P durchzuf&uuml;hren, als verfahrensfehlerhaft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Der Senat hat bereits erhebliche Zweifel daran, ob vorliegend &#8211;so das FG&#8211; &uuml;berhaupt ein &quot;in letzter Minute&quot; gestellter Terminverlegungsantrag anzunehmen ist, bei dem auch ohne Hinweis des Gerichts erh&ouml;hte Anforderungen an die sofortige Glaubhaftmachung der erheblichen Gr&uuml;nde gelten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Solche Antr&auml;ge sind in der bisherigen Rechtsprechung vor allem dann angenommen worden, wenn sie erst am Sitzungstag selbst gestellt wurden und dem Gericht keine Zeit blieb, den Antragsteller zur Glaubhaftmachung aufzufordern (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 14.05.1996&nbsp;&#8211; VII&nbsp;B&nbsp;237\/95, BFH\/NV 1996, 902; in BFH\/NV 2005, 1578, unter 1.a, und in BFH\/NV 2018, 345, Rz&nbsp;4).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Wurde der Terminverlegungsantrag hingegen bereits am Vortag des Terminstages gestellt, stellt der BFH grunds&auml;tzlich keine erh&ouml;hten Anforderungen an die Glaubhaftmachung (vgl. BFH-Beschluss vom 15.02.2013&nbsp;&#8211; IX&nbsp;B&nbsp;178\/12, BFH\/NV 2013, 762, Rz&nbsp;4). Bei am Vortag gestellten Antr&auml;gen hat der BFH vielmehr nur beim Vorliegen zus&auml;tzlicher Umst&auml;nde einen &quot;Antrag in letzter Minute&quot; angenommen. Dies war z.B. der Fall bei Antr&auml;gen, die erst nach Dienstschluss des Vortags gestellt wurden (BFH-Beschluss vom 08.11.2016&nbsp;&#8211; I&nbsp;B&nbsp;137\/15, BFH\/NV 2017, 433, Rz&nbsp;14: Eingang des Antrags um 19:26&nbsp;Uhr; BFH-Beschluss vom 26.11.2013&nbsp;&#8211; I&nbsp;B&nbsp;2\/13, BFH\/NV 2014, 542: Eingang des Antrags um 16:08&nbsp;Uhr), oder wenn der Antragsteller f&uuml;r das Gericht nicht erreichbar war (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2005, 64, unter II.2.: der Kl&auml;ger gibt weder eine Telefon- noch eine Telefaxnummer an, so dass dem Gericht keine R&uuml;ckfrage m&ouml;glich ist; BFH-Beschluss in BFH\/NV 2010, 454: das FG hat erfolglos versucht, den Kl&auml;ger telefonisch zu erreichen).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Solche besonderen Umst&auml;nde lagen im Streitfall nicht vor. Der Antrag war an einem Montag um 15:08&nbsp;Uhr &#8211;also vor Dienstschluss&#8211; gestellt worden. Auch lagen dem FG alle Kontaktdaten der Kanzlei des P vor. Das FG war daher nicht daran gehindert, P bzw. dessen Kanzlei noch kurzfristig zur Glaubhaftmachung aufzufordern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Letztlich kann dies aber offenbleiben, da P auch die &#8211;strengeren&#8211; Ma&szlig;st&auml;be an die Glaubhaftmachung des erheblichen Grundes erf&uuml;llt hat, die bei Antr&auml;gen &quot;in letzter Minute&quot; gelten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat die von der h&ouml;chstrichterlichen Rechtsprechung vorgenommene Grunddifferenzierung zwischen Arbeitsunf&auml;higkeitsbescheinigungen einerseits und Attesten &uuml;ber die Verhandlungsunf&auml;higkeit andererseits verkannt. Vorliegend hatte P ein &auml;rztliches Attest vorgelegt, in dem ihm ausdr&uuml;cklich die Verhandlungsunf&auml;higkeit bescheinigt wurde. Zus&auml;tzlich enthielt das Attest noch die Aussage, P sei zur Zeit nicht in der Lage, seine Interessen in einer Verhandlung vern&uuml;nftig wahrzunehmen sowie Prozesserkl&auml;rungen abzugeben und entgegenzunehmen. Schon eine dieser Aussagen h&auml;tte zur Glaubhaftmachung ausgereicht (vgl. zur fehlenden Verhandlungsf&auml;higkeit BFH-Beschluss in BFH\/NV 2018, 214; zur fehlenden F&auml;higkeit, einen Gerichtstermin wahrzunehmen, vgl. BFH-Beschluss in BFH\/NV 2011, 1912). Demgegen&uuml;ber hat das FG in seinem Urteil ausschlie&szlig;lich Entscheidungen angef&uuml;hrt, denen Sachverhalte zugrunde lagen, in denen dem Gericht lediglich eine Arbeitsunf&auml;higkeitsbescheinigung vorgelegt worden war (vgl. die vom FG zitierten BFH-Beschl&uuml;sse in BFH\/NV 2010, 454, und in BFH\/NV 2015, 1690).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Anders als das FG meint, ist die Formulierung des von Dr.&nbsp;A ausgestellten Attests, er &quot;halte&quot; P f&uuml;r verhandlungsunf&auml;hig, nicht zu &quot;vage&quot;. Da der Arzt in Bezug auf die Verhandlungsf&auml;higkeit sachkompetenter ist als ein Richter, ist die auf eine bestimmte Person und einen bestimmten Tag bezogene Aussage eines Arztes, er halte den Patienten f&uuml;r verhandlungsunf&auml;hig, regelm&auml;&szlig;ig gleichbedeutend mit der Aussage, der Patient sei verhandlungsunf&auml;hig. Denn auch die letztgenannte Formulierung g&auml;be erkennbar lediglich die subjektive &#8211;allerdings sachverst&auml;ndige&#8211; Sicht des Arztes wieder. Sollte das FG Zweifel an dem Wahrheitsgehalt eines &auml;rztlichen Attests haben, kann es eine amts&auml;rztliche Untersuchung des P fordern, darf aber in aller Regel nicht aus eigener &#8211;im angefochtenen Urteil zudem nicht dargelegter&#8211; Fachkompetenz vom genauen Gegenteil des im Attest bescheinigten Sachverhalts ausgehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Das FG durfte aus dem ihm bekannten Sachverhalt auch nicht &#8211;unter Bezugnahme auf die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts vom 22.05.2001&nbsp;&#8211; 8&nbsp;B&nbsp;69\/01 (Neue Juristische Wochenschrift 2001, 2735)&#8211; ohne vorherigen Hinweis darauf schlie&szlig;en, P sei chronisch erkrankt, so dass ihn entsprechende Vorsorgepflichten tr&auml;fen und die Erkrankung keinen &quot;erheblichen Grund&quot; i.S. des &sect;&nbsp;227 Abs.&nbsp;1 ZPO mehr darstelle.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bei wiederholter Vorlage privat&auml;rztlicher Atteste, die dem Gericht nicht als ausreichend erscheinen, bleibt es dem Gericht unbenommen, die Vorlage eines amts&auml;rztlichen Attests zu verlangen (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2018, 214, Rz&nbsp;8, m.w.N.). Es geht aber nicht an, ohne jeden weiteren tats&auml;chlichen Anhaltspunkt allein aus dem Umstand, dass einem Prozessbevollm&auml;chtigten innerhalb von vier Wochen in zwei unterschiedlichen Verfahren &auml;rztlicherseits jeweils die Verhandlungsunf&auml;higkeit attestiert wurde, auf eine chronische Erkrankung zu schlie&szlig;en. P hat im Beschwerdeverfahren hinreichend dargelegt, auf welchen Umst&auml;nden die beiden &#8211;jeweils kurzfristigen&#8211; Erkrankungen beruhten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der Senat h&auml;lt es f&uuml;r angezeigt, nach &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO zu verfahren, das angefochtene Urteil aufzuheben und den Rechtsstreit zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckzuverweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die &Uuml;bertragung der Kostenentscheidung auf das FG beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Von einer weiteren Darstellung des Sachverhalts sowie einer weiteren Begr&uuml;ndung sieht der Senat gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;2 FGO ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 4.11.2019, X B 70\/19ECLI:DE:BFH:2019:B.041119.XB70.19.0 Anforderungen an einen krankheitsbedingten Terminverlegungsantrag Leits&auml;tze 1. NV: Bei einem am Vortag des Terminstages hinreichend vor Dienstschluss beim FG eingegangenen Terminverlegungsantrag handelt es sich &#8211;ohne Vorliegen besonderer Umst&auml;nde&#8211; grunds&auml;tzlich nicht um einen &quot;in letzter Minute&quot; gestellten Antrag, so dass keine erh&ouml;hten Anforderungen an die sofortige Glaubhaftmachung des erheblichen &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-70-19-anforderungen-an-einen-krankheitsbedingten-terminverlegungsantrag\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">X&nbsp;B&nbsp;70\/19 &#8211; Anforderungen an einen krankheitsbedingten Terminverlegungsantrag<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-71663","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71663","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71663"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71663\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71663"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71663"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71663"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}