{"id":71714,"date":"2020-01-18T17:16:34","date_gmt":"2020-01-18T15:16:34","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=71714"},"modified":"2020-01-18T17:16:34","modified_gmt":"2020-01-18T15:16:34","slug":"iii-r-46-18-kindergeld-beibehalten-des-wohnsitzes-mehrjaehriger-schulaufenthalt-mit-der-mutter-des-kindes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-46-18-kindergeld-beibehalten-des-wohnsitzes-mehrjaehriger-schulaufenthalt-mit-der-mutter-des-kindes\/","title":{"rendered":"III&nbsp;R&nbsp;46\/18 &#8211; Kindergeld &#8211; Beibehalten des Wohnsitzes &#8211; mehrj&auml;hriger Schulaufenthalt mit der Mutter des Kindes"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 25.7.2019, III R 46\/18<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.250719.IIIR46.18.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Kindergeld &#8211; Beibehalten des Wohnsitzes &#8211; mehrj&auml;hriger Schulaufenthalt mit der Mutter des Kindes<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>NV: Die Beantwortung der Frage, ob ein Kind, das sich zeitweise im Ausland zu Ausbildungszwecken aufh&auml;lt, seinen inl&auml;ndischen Wohnsitz bei den Eltern beibeh&auml;lt, liegt weitgehend auf tats&auml;chlichem Gebiet, wobei die objektiven Umst&auml;nde des jeweiligen Falles zu ber&uuml;cksichtigen sind. Generelle Regeln lassen sich nicht aufstellen. Die Umst&auml;nde m&uuml;ssen aber nach der Lebenserfahrung den Schluss zulassen, dass das Kind die Wohnung innehat, um sie als solche zu nutzen.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision der Beklagten gegen das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 04.07.2018 &#8211; 3 K 3220\/17 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat die Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beteiligten streiten &uuml;ber den Anspruch auf Kindergeld bei l&auml;ngerem Schulbesuch der Kinder im Ausland.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) und ihr Ehemann sind pakistanische Staatsangeh&ouml;rige. Ihre vier in der Bundesrepublik Deutschland (Deutschland) geborenen und aufgewachsenen Kinder sind deutsche Staatsangeh&ouml;rige: D (Sohn, geboren 1995), K (Tochter, geboren 1997), A (Sohn, geboren 1999) und J (Sohn, geboren 2004).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kinder K, A und J sollten eine britische Schule besuchen. Da eine Aufnahme in die britische Schule in Deutschland nicht erreicht werden konnte, entschied die Familie, die Kinder ab Sommer 2010 f&uuml;r sechs oder sieben Jahre in die britische Schule in Pakistan zu senden, wo die Familie &uuml;ber ein Haus verf&uuml;gte und Verwandte hatte. Die Kl&auml;gerin lebte in dieser Zeit mit den drei Kindern in Pakistan in dem Haus (sechs Schlafzimmer, Wohnzimmer und Fernsehzimmer). Der in Deutschland selbst&auml;ndig t&auml;tige Ehemann der Kl&auml;gerin blieb zusammen mit dem &auml;ltesten Kind im Inland und kam unregelm&auml;&szlig;ig, jedoch mindestens einmal, gelegentlich zweimal j&auml;hrlich f&uuml;r ca. einen Monat nach Pakistan zu Besuch. In den Sommerferien flogen die Kl&auml;gerin und die drei j&uuml;ngeren Kinder regelm&auml;&szlig;ig Anfang Juni nach Deutschland und Anfang September zur&uuml;ck nach Pakistan. W&auml;hrend der (kurzen) Winterferien blieben sie in Pakistan.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Familie verf&uuml;gte in X &uuml;ber ein Einfamilienhaus (6&nbsp;Zimmer, ca. 200&nbsp;qm), in dem alle Kinder ihr eigenes Zimmer hatten. Da die Kl&auml;gerin und drei der vier Kinder sich in jedem Jahr f&uuml;r neun Monate in Pakistan aufhielten, zog die Familie im Dezember 2009 in eine Eigentumswohnung (3&nbsp;Zimmer, ca. 87&nbsp;qm), das Einfamilienhaus in Deutschland wurde vermietet. Im Jahr 2012 zog die Familie wegen des Verkaufs der Eigentumswohnung vor&uuml;bergehend in eine Mietwohnung (2&nbsp;&frac12; Zimmer, 68&nbsp;qm), bis das Einfamilienhaus im November 2014 wieder zur Verf&uuml;gung stand. A kam im Sommer 2016 endg&uuml;ltig zur&uuml;ck nach Deutschland, K, J und die Kl&auml;gerin im Sommer 2017.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin erhielt zun&auml;chst Kindergeld f&uuml;r die drei Kinder. Anl&auml;sslich einer Vorsprache am 19.02.2016 erhielt die Beklagte und Revisionskl&auml;gerin (Familienkasse) Kenntnis vom Schulbesuch der Kinder im Ausland. Mit Bescheid vom 20.06.2017 hob sie die Kindergeldfestsetzung f&uuml;r K ab August 2003 bis Oktober 2015, f&uuml;r A ab August 2005 bis April 2016 und f&uuml;r J ab Oktober 2010 bis Dezember 2016 auf. Durch &Auml;nderungsbescheide vom 10.08.2017 und vom 06.10.2017 wurde die Aufhebung teilweise zur&uuml;ckgenommen, so dass es letztlich bei der Aufhebung der Kindergeldfestsetzung f&uuml;r K ab August 2010 bis Oktober 2015, f&uuml;r A ab August 2010 bis April 2016 und f&uuml;r J ab Oktober 2010 bis Dezember 2016 blieb. Die Familienkasse forderte das ausgezahlte Kindergeld von insgesamt 39.810&nbsp;EUR zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Einspruch blieb erfolglos. Das Finanzgericht (FG) gab der Klage statt und hob den Aufhebungs- und R&uuml;ckforderungsbescheid auf. Hiergegen richtet sich die Revision der Familienkasse.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt die Familienkasse die Verletzung materiellen Rechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Familienkasse beantragt, das angegriffene Urteil aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin hat sich nicht ge&auml;u&szlig;ert und keinen Antrag gestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist unbegr&uuml;ndet (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Denn die Entscheidung des FG, der Klage gegen den Aufhebungs- und R&uuml;ckforderungsbescheid stattzugeben, weil sowohl die Kinder K, A und J als auch die Kl&auml;gerin in den streitigen Zeitr&auml;umen einen Wohnsitz im Inland beibehielten, ist revisionsrechtlich nicht zu beanstanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Grunds&auml;tze, nach denen sich bestimmt, ob jemand einen Wohnsitz (&sect;&nbsp;8 der Abgabenordnung &#8211;AO&#8211;) im Inland hat, sind durch langj&auml;hrige Rechtsprechung im Wesentlichen gekl&auml;rt (z.B. Senatsurteile vom 23.06.2015&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;38\/14, BFHE 250, 381, BStBl II 2016, 102; vom 25.09.2014&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;10\/14, BFHE 247, 239, BStBl II 2015, 655; vom 18.12.2013&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;44\/12, BFHE 244, 344, BStBl II 2015, 143; vom 08.05.2014&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;21\/12, BFHE 246, 389, BStBl II 2015, 135, und vom 20.11.2008&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;53\/05, BFH\/NV 2009, 564).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;8 AO, der auch im Rahmen der Pr&uuml;fung des &sect;&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 des Einkommensteuergesetzes (EStG) &uuml;ber &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 AO i.V.m. &sect;&nbsp;31 Satz&nbsp;3 EStG Anwendung findet, hat jemand einen Wohnsitz dort, wo er eine Wohnung unter Umst&auml;nden innehat, die darauf schlie&szlig;en lassen, dass er die Wohnung beibehalten und benutzen wird. Damit kn&uuml;pft der Wohnsitzbegriff des &sect;&nbsp;8 AO ausschlie&szlig;lich an die tats&auml;chliche Gestaltung und nicht an subjektive Vorstellungen an (Senatsurteil in BFHE 247, 239, BStBl II 2015, 655, Rz&nbsp;14, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ein Wohnsitz nach &sect;&nbsp;8 AO setzt neben zum dauerhaften Wohnen geeigneten R&auml;umen das Innehaben der Wohnung in dem Sinn voraus, dass der Steuerpflichtige tats&auml;chlich &uuml;ber sie verf&uuml;gen kann und sie als Bleibe entweder st&auml;ndig benutzt oder sie mit einer gewissen Regelm&auml;&szlig;igkeit &#8211;wenn auch in gr&ouml;&szlig;eren Zeitabst&auml;nden&#8211; aufsucht (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 23.11.2001&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;107\/99, BFHE 193, 558, BStBl II 2001, 294, unter II.2.a). Der Wohnsitzbegriff setzt zwar nicht voraus, dass die Wohnung dauernd durch ihren Inhaber genutzt wird oder der Steuerpflichtige sich dort w&auml;hrend einer Mindestzeit aufh&auml;lt. Die Wohnung im Inland muss auch nicht den Mittelpunkt der Lebensinteressen des Steuerpflichtigen bilden. Er kann deshalb mehrere Wohnsitze haben (BFH-Urteil vom 12.01.2001 &#8211; VI&nbsp;R&nbsp;64\/98, BFH\/NV 2001, 1231); erforderlich ist aber eine Nutzung, die &uuml;ber blo&szlig;e Besuche, kurzfristige Ferienaufenthalte und das Aufsuchen der Wohnung zu Verwaltungszwecken hinausgeht (BFH-Urteil vom 10.04.2013&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;50\/12, BFH\/NV 2013, 1909, Rz&nbsp;16, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Beurteilung, ob bei Auslandsaufenthalten objektiv erkennbare Umst&auml;nde auf eine Beibehaltung und Nutzung der Wohnung im Inland schlie&szlig;en lassen, obliegt im Wesentlichen dem FG. Dies gilt namentlich f&uuml;r die Abw&auml;gung der Faktoren, die f&uuml;r und gegen ein Innehaben der Wohnung und die Absicht der weiteren Benutzung sprechen. Das FG hat dabei die gesamten Umst&auml;nde des Einzelfalls zu ber&uuml;cksichtigen. An diese Tatsachenw&uuml;rdigung ist der BFH gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO gebunden, soweit keine zul&auml;ssigen und begr&uuml;ndeten Verfahrensr&uuml;gen erhoben werden. Im &Uuml;brigen kann das Revisionsgericht die W&uuml;rdigung des FG nur auf Rechtsfehler und auf Verst&ouml;&szlig;e gegen Denkgesetze oder allgemeine Erfahrungss&auml;tze hin &uuml;berpr&uuml;fen (Senatsurteile in BFHE 247, 239, BStBl II 2015, 655, Rz&nbsp;27; in BFHE 246, 389, BStBl II 2015, 135, Rz&nbsp;16, 17; in BFH\/NV 2009, 564, unter II.1.b.; BFH-Urteil vom 23.11.2000&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;165\/99, BFHE 193, 569, BStBl II 2001, 279, unter II.3.b).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Welche Faktoren f&uuml;r und gegen ein Innehaben der Wohnung und die Absicht der weiteren Benutzung sprechen und welche Umst&auml;nde des Einzelfalls durch das FG insbesondere zu ber&uuml;cksichtigen sind, hat der Senat im Urteil in BFHE 247, 239, BStBl II 2015, 655 im Einzelnen dargelegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Danach liegt die Beantwortung der Frage, ob ein Kind, das sich zeitweise au&szlig;erhalb des elterlichen Haushalts im Ausland zu Ausbildungszwecken aufh&auml;lt, seinen inl&auml;ndischen Wohnsitz bei den Eltern beibeh&auml;lt oder aber zun&auml;chst aufgibt und bei einer sp&auml;teren R&uuml;ckkehr wieder neu begr&uuml;ndet, weitgehend auf tats&auml;chlichem Gebiet unter Ber&uuml;cksichtigung der objektiven Umst&auml;nde des jeweiligen Falles. Generelle Regeln lassen sich nicht aufstellen. Die Umst&auml;nde m&uuml;ssen aber nach der Lebenserfahrung den Schluss zulassen, dass das Kind die Wohnung innehat, um sie als solche zu nutzen (Senatsurteil in BFHE 247, 239, BStBl II 2015, 655, Rz&nbsp;19).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Neben der voraussichtlichen Dauer der ausw&auml;rtigen Unterbringung, der Art der Unterbringung am Ausbildungsort auf der einen und im Elternhaus auf der anderen Seite, dem Zweck des Auslandsaufenthalts, den pers&ouml;nlichen Beziehungen des Kindes am Wohnort der Eltern einerseits und am Ausbildungsort andererseits, kommt auch der Dauer und H&auml;ufigkeit der Inlandsaufenthalte Bedeutung zu (Senatsurteil in BFHE 247, 239, BStBl II 2015, 655, Rz&nbsp;20).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Minderj&auml;hrige Kinder teilen zwar nicht stets &#8211;gleichsam automatisch&#8211; s&auml;mtliche Wohnsitze ihrer Eltern, wenn diese &uuml;ber mehrere Wohnsitze verf&uuml;gen (Senatsurteil vom 07.04.2011&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;77\/09, BFH\/NV 2011, 1351; Senatsbeschl&uuml;sse vom 15.05.2009&nbsp;&#8211; III&nbsp;B&nbsp;209\/08, BFH\/NV 2009, 1630, und vom 27.08.2010&nbsp;&#8211; III&nbsp;B&nbsp;30\/09, BFH\/NV 2010, 2272). Jedoch gibt es umgekehrt auch keinen Erfahrungssatz dahingehend, dass ein Kind, das bei den Eltern oder einem Elternteil im Ausland wohnt und zur Schule geht, immer nur diesen einen Wohnsitz hat und keinen weiteren Wohnsitz der Eltern teilt (vgl. Senatsurteil in BFHE 244, 344, BStBl II 2015, 143, Rz&nbsp;8).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Das FG ist bei seiner Entscheidung von diesen Grunds&auml;tzen ausgegangen. Es hat nach W&uuml;rdigung aller ma&szlig;geblichen Umst&auml;nde des Streitfalls festgestellt, dass sowohl die Kinder als auch die Kl&auml;gerin einen Wohnsitz im Inland beibehalten haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das FG hat in seiner Gesamtw&uuml;rdigung fehlerfrei ber&uuml;cksichtigt, dass f&uuml;r die Kinder im Haus\/in der Wohnung in Deutschland jederzeit ein eigenes Bett bereit stand und damit die M&ouml;glichkeit zu &uuml;bernachten. Weiterhin hat es ber&uuml;cksichtigt, dass der Aufenthalt in Pakistan von vornherein nur f&uuml;r die Zeit des Schulbesuchs gedacht, eine dauerhafte Auswanderung zu keiner Zeit beabsichtigt war und die Kinder ihre sozialen Beziehungen in Deutschland nie aufgegeben haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das FG hat dabei nicht verkannt, dass die Verh&auml;ltnisse in Deutschland teilweise beengt waren, da in Deutschland zeitweise lediglich eine kleine Wohnung zur Verf&uuml;gung stand und hat dies in seine Gesamtw&uuml;rdigung einflie&szlig;en lassen. Es hat ber&uuml;cksichtigt, dass die Kinder sich in Deutschland ein Zimmer teilen mussten, jedoch keine Mindestgr&ouml;&szlig;e der Wohnung vorgeschrieben ist, solange die Eignung zum Wohnen nicht beeintr&auml;chtigt ist (BFH-Urteil vom 13.10.2013&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;38\/13, BFH\/NV 2014, 1046). Beim zeitweisen Umzug in eine kleine 2&nbsp;&frac12;-Zimmer-Wohnung ber&uuml;cksichtigte es auch, dass das Einfamilienhaus f&uuml;r eine &Uuml;bergangszeit noch vermietet war. Ebenso hat es weiterhin in die Gesamtw&uuml;rdigung in ausreichendem Ma&szlig;e die Aufenthalte in Deutschland einbezogen und auch ber&uuml;cksichtigt, dass die minderj&auml;hrigen Kinder nicht bei Verwandten im Heimatland der Eltern zum Zwecke des dortigen Schulbesuchs untergebracht waren, sondern bei der Mutter der Kinder, der Kl&auml;gerin. Der mehrj&auml;hrige Schulbesuch im Ausland unter Anwesenheit eines Elternteils der Kinder f&uuml;hrte gerade nicht dazu, dass sich die Kinder l&auml;ngerfristig in die dortigen Lebensverh&auml;ltnisse einlebten und damit die famili&auml;re Wohn- und Lebensgemeinschaft zwischen Eltern und Kindern f&uuml;r die Dauer der Ausbildung aufgegeben wurde. Vielmehr blieb die famili&auml;re Wohn- und Lebensgemeinschaft zwischen Elternteil und Kindern erhalten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) In Ermangelung erhobener Verfahrensr&uuml;gen ist der Senat an die Beurteilung durch das FG gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO gebunden. Denn ist die tats&auml;chliche W&uuml;rdigung des FG verfahrensrechtlich einwandfrei zustande gekommen und verst&ouml;&szlig;t sie auch nicht gegen Denkgesetze oder allgemeine Erfahrungss&auml;tze, ist sie f&uuml;r den BFH als Revisionsgericht nach &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO auch dann bindend, wenn die Wertung des FG nicht zwingend, sondern lediglich m&ouml;glich ist (z.B. Senatsurteile vom 22.02.2017&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;20\/15, BFHE 257, 274, BStBl II 2017, 913, Rz&nbsp;22; vom 22.12.2011&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;41\/07, BFHE 236, 144, BStBl II 2012, 681, Rz&nbsp;18, und in BFH\/NV 2009, 564, unter II.1.b).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;1, &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 25.7.2019, III R 46\/18ECLI:DE:BFH:2019:U.250719.IIIR46.18.0 Kindergeld &#8211; Beibehalten des Wohnsitzes &#8211; mehrj&auml;hriger Schulaufenthalt mit der Mutter des Kindes Leits&auml;tze NV: Die Beantwortung der Frage, ob ein Kind, das sich zeitweise im Ausland zu Ausbildungszwecken aufh&auml;lt, seinen inl&auml;ndischen Wohnsitz bei den Eltern beibeh&auml;lt, liegt weitgehend auf tats&auml;chlichem Gebiet, wobei die objektiven Umst&auml;nde des jeweiligen &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/iii-r-46-18-kindergeld-beibehalten-des-wohnsitzes-mehrjaehriger-schulaufenthalt-mit-der-mutter-des-kindes\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">III&nbsp;R&nbsp;46\/18 &#8211; Kindergeld &#8211; Beibehalten des Wohnsitzes &#8211; mehrj&auml;hriger Schulaufenthalt mit der Mutter des Kindes<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-71714","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71714","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71714"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71714\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71714"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71714"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71714"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}