{"id":71901,"date":"2020-02-08T17:41:45","date_gmt":"2020-02-08T15:41:45","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=71901"},"modified":"2020-02-08T17:41:45","modified_gmt":"2020-02-08T15:41:45","slug":"ix-r-23-18-berichtigung-der-fehlerhaften-festsetzung-eines-ordnungsgemaess-erklaerten-veraeusserungsgewinns-is-des-par-17-estg-im-einkommensteuerbescheid-trotz-6-augen-prinzip","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-23-18-berichtigung-der-fehlerhaften-festsetzung-eines-ordnungsgemaess-erklaerten-veraeusserungsgewinns-is-des-par-17-estg-im-einkommensteuerbescheid-trotz-6-augen-prinzip\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;23\/18 &#8211; Berichtigung der fehlerhaften Festsetzung eines ordnungsgem&auml;&szlig; erkl&auml;rten Ver&auml;u&szlig;erungsgewinns i.S. des &sect; 17 EStG im Einkommensteuerbescheid trotz &quot;6-Augen-Prinzip&quot;"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 10.12.2019, IX R 23\/18<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.101219.IXR23.18.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Berichtigung der fehlerhaften Festsetzung eines ordnungsgem&auml;&szlig; erkl&auml;rten Ver&auml;u&szlig;erungsgewinns i.S. des &sect; 17 EStG im Einkommensteuerbescheid trotz &quot;6-Augen-Prinzip&quot;<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. &sect; 129 AO ist nicht anwendbar, wenn auch nur die ernsthafte M&ouml;glichkeit besteht, dass die Nichtbeachtung einer feststehenden Tatsache in einer fehlerhaften Tatsachenw&uuml;rdigung oder einem sonstigen sachverhaltsbezogenen Denk- oder &Uuml;berlegungsfehler begr&uuml;ndet ist oder auf mangelnder Sachverhaltsaufkl&auml;rung beruht.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Ob ein mechanisches Versehen oder ein die Berichtigung nach &sect; 129 AO ausschlie&szlig;ender Tatsachen- oder Rechtsirrtum vorliegt, muss nach den Verh&auml;ltnissen des Einzelfalls und dabei insbesondere nach der Aktenlage beurteilt werden. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um eine Tatfrage; die revisionsrechtliche Pr&uuml;fung beschr&auml;nkt sich darauf, ob das FG im Rahmen der Gesamtw&uuml;rdigung von zutreffenden Kriterien ausgegangen ist, alle ma&szlig;geblichen Beweisanzeichen in seine Beurteilung einbezogen und dabei nicht gegen Denkgesetze oder Erfahrungss&auml;tze versto&szlig;en hat.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Kl&auml;gers werden das Urteil des Finanzgerichts K&ouml;ln vom 14.06.2018 &#8211; 15 K 271\/16 sowie der berichtigte Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2011 vom 05.12.2014 in Gestalt der Einspruchsentscheidung des Beklagten vom 04.01.2016 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Streitig ist, ob der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) berechtigt war, den an den Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) sowie seine Ehefrau gerichteten Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Streitjahr 2011 nach &sect;&nbsp;129 der Abgabenordnung (AO) zu berichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger war im Streitjahr alleiniger Gesellschafter der B-GmbH. Mit notariell beurkundeten Anteilskauf- und &Uuml;bertragungsvertrag vom 17.11.2011 ver&auml;u&szlig;erte der Kl&auml;ger einen Gesellschaftsanteil von 20&nbsp;% mit schuldrechtlicher Wirkung zum 31.12.2010 (24:00&nbsp;Uhr) zum Preis von 138.400&nbsp;EUR. Unter Ber&uuml;cksichtigung der auf den ver&auml;u&szlig;erten Anteil entfallenden Anschaffungs- und Ver&auml;u&szlig;erungskosten ergab sich ein &#8211;zwischen den Beteiligten der H&ouml;he nach unstreitiger&#8211; Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn i.S. des &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 und 2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) in H&ouml;he von 132.900&nbsp;EUR, welcher nach dem Teileink&uuml;nfteverfahren gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;3 Nr.&nbsp;40 EStG zu 60&nbsp;% &#8211;d.h. in H&ouml;he von 79.740&nbsp;EUR&#8211; der Besteuerung unterliegt. Unstreitig ist auch, dass der Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn im Veranlagungszeitraum 2011 zu erfassen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Rahmen der vom Kl&auml;ger und seiner Ehefrau im Februar 2013 beim FA elektronisch eingereichten Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr wurde bei den Eink&uuml;nften des Kl&auml;gers aus Gewerbebetrieb (Anlage G) unter Kennziffer&nbsp;45.28 zutreffend ein &quot;Steuerpflichtiger Teil des Ver&auml;u&szlig;erungsgewinns bei Ver&auml;u&szlig;erung von Anteilen an Kapitalgesellschaften\/Genossenschaften nach &sect;&nbsp;17 EStG [&#8230;]&quot; in H&ouml;he von 79.740&nbsp;EUR erkl&auml;rt. Der Veranlagungssachbearbeiter des FA pr&uuml;fte den erkl&auml;rten Gewinn, hakte den erkl&auml;rten Betrag auf dem vom Kl&auml;ger verwendeten Einkommensteuerformular ab und brachte den Vermerk &quot;siehe V-Akte&quot; an. Ferner f&uuml;gte er der Erkl&auml;rung eine &quot;Checkliste Anteilsver&auml;u&szlig;erung&quot; bei, in welcher der vom Kl&auml;ger ermittelte Gewinn nachvollzogen wurde. Auf dem Hauptvordruck der Einkommensteuererkl&auml;rung wurde der handschriftliche Hinweis &quot;H-Fall&quot;, &quot;RKS&nbsp;1&quot; und &quot;O-Fall\/Sgl.&quot; angebracht; &uuml;berdies unterlag die Erkl&auml;rung dem Pr&uuml;fungsfeld &quot;Ver&auml;u&szlig;erungsgewinne&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im weiteren maschinellen Veranlagungsverfahren kam es anschlie&szlig;end &#8211;dies ist zwischen den Beteiligten unstreitig&#8211; zun&auml;chst zu einem Abbruch-Hinweis &quot;3366:D&quot; mit der Arbeitsanweisung &quot;Eine maschinelle Berechnung ist nicht m&ouml;glich. Die personell ermittelten steuerfreien Ver&auml;u&szlig;erungsgewinne sind in der Kennziffer&nbsp;45.83 einzutragen&quot;. Im weiteren Veranlagungsverfahren wurde unter Kennziffer&nbsp;45.83 (Beschreibungstext: &quot;personell ermittelter steuerfreier Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn&quot;) der Wert &quot;79.740&nbsp;EUR&quot; eingetragen; zutreffenderweise w&auml;re hier der Freibetrag nach &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;3 EStG mit dem Wert &quot;0&nbsp;EUR&quot; einzutragen gewesen. Im finanzgerichtlichen Verfahren konnte nicht zweifelsfrei gekl&auml;rt werden, durch wen (Veranlagungssachbearbeiter, Bearbeiterin der Qualit&auml;tssicherungsstelle &#8211;QSST&#8211;; Sachgebietsleiterin) die Kennziffer&nbsp;45.83 angesprochen worden ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Durch den Eintrag des Werts &quot;79.740&nbsp;EUR&quot; unter Kennziffer&nbsp;45.83 wurde im Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Streitjahr vom 05.08.2013 von den zutreffend erkl&auml;rten und dort aufgef&uuml;hrten Eink&uuml;nften des Kl&auml;gers aus Ver&auml;u&szlig;erungsgewinnen in H&ouml;he von 79.740&nbsp;EUR ein &quot;steuerfrei bleibender Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn&quot; in gleicher H&ouml;he abgezogen, so dass die Eink&uuml;nfte des Kl&auml;gers aus Gewerbebetrieb in H&ouml;he von 0&nbsp;EUR bei der Summe der Eink&uuml;nfte ber&uuml;cksichtigt sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Eine f&uuml;r die Akten ausgedruckte Pr&uuml;fberechnung f&uuml;hrte hierzu u.a. aus: &quot;Fall der RK [=&nbsp;Risikoklasse]&nbsp;1: Bitte den Steuerfall unter Einbeziehung der ggf. ausgegebenen Risikohinweise vollumf&auml;nglich pr&uuml;fen.&quot;. Ein darunter aufgef&uuml;hrter Pr&uuml;fhinweis zu &sect;&nbsp;17 EStG (PHW&nbsp;4863) f&uuml;hrt aus, dass &quot;gewerbliche Eink&uuml;nfte (des Kl&auml;gers) aus der Ver&auml;u&szlig;erung &#8230; von Anteilen an Kapitalgesellschaften im Privatverm&ouml;gen (&sect;&nbsp;17 EStG)&quot; nach Ma&szlig;gabe bestimmter Pr&uuml;fpunkte (u.a.: &quot;Teileink&uuml;nfteverfahren&quot;) durch den Sachgebietsleiter zu pr&uuml;fen sind. Auch dieser Pr&uuml;fhinweis wurde &#8211;vom Veranlagungssachbearbeiter&#8211; abgehakt sowie mit dem handschriftlichen Vermerk &quot;siehe V-Akte&quot; versehen. Auf der &quot;Checkliste Anteilsver&auml;u&szlig;erung&quot; finden sich in der Rubrik &quot;2. &Uuml;berpr&uuml;fung des Ver&auml;u&szlig;erungsgewinnes\/-verlustes &#8211; Anschaffungskosten, Ver&auml;u&szlig;erungskosten&quot; &uuml;berdies handschriftliche Vermerke, die erkennbar nicht vom Veranlagungssachbearbeiter stammen. Auch die in den Steuerakten befindliche &quot;Checkliste Anschaffungskosten&quot; weist in der Rubrik &quot;1. Anteilserwerb durch Gr&uuml;ndung\/Kapitalerh&ouml;hung &#8211; Notwendige Unterlagen&quot; handschriftliche Vermerke auf, die nicht vom Veranlagungssachbearbeiter angebracht wurden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dem Veranlagungssachbearbeiter des FA lag im Veranlagungsverfahren f&uuml;r das Streitjahr der Anteilskauf- und &Uuml;bertragungsvertrag vom 17.11.2011 vor, welcher in der vom FA gef&uuml;hrten Vertragsakte (&quot;V-Akte&quot;) abgeheftet wurde; in der Vertragsakte findet sich &uuml;berdies ein Formblatt der Finanzverwaltung zur &quot;&Uuml;bertragung von Anteilen\/Bezugsrechten\/Entgeltliche &Uuml;bertragung\/steuerverstrickte Anteile nach &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;1 u. 6 EStG&quot;, auf dem handschriftliche Vermerke des Veranlagungssachbearbeiters sowie maschinelle Eintragungen vorgenommen worden sind. An diesem Blatt ist ein kleiner Zettel angeheftet, der nach den Feststellungen des Finanzgerichts (FG) eine Berechnung des Freibetrags nach &sect;&nbsp;17 EStG enth&auml;lt und auf dem abschlie&szlig;end vermerkt ist: &quot;=&gt; kein FB&nbsp;&sect;&nbsp;17 (3)&quot;.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Unter dem 09.07.2013 zeichnete der Veranlagungssachbearbeiter des FA den Steuerfall ab und leitete diesen sowohl elektronisch als auch mit der Papierakte an die Bearbeiterin der QSST weiter. Die Weiterleitung ist durch ein Formblatt &quot;Fall&uuml;bergabe an die QSST&quot; dokumentiert; auch auf diesem Formblatt finden sich handschriftliche Vermerke, die nicht vom Veranlagungssachbearbeiter stammen. Der Steuerfall war als &quot;Pr&uuml;ffeldfall 8&quot; &#8211;d.h. mit dem Pr&uuml;ffeld &quot;Anteilsver&auml;u&szlig;erung &sect;&nbsp;17 EStG&quot;&#8211; gekennzeichnet worden. Die Bearbeiterin der QSST zeichnete den Steuerfall am 10.07.2013 unter dem Vermerk &quot;Pr&uuml;ffeld 8&nbsp;QSST gepr&uuml;ft&quot; ohne inhaltliche &Auml;nderungen ab und leitete ihn an die zust&auml;ndige Sachgebietsleiterin des Veranlagungsbezirks weiter. Die Sachgebietsleiterin gab den Fall am 15.07.2013 abschlie&szlig;end frei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Aufgrund eines vom Veranlagungssachbearbeiter verf&uuml;gten &quot;personellen Bescheidversands&quot; wurde der vom Rechenzentrum an das FA &uuml;bersandte, vom 05.08.2013 datierende Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Streitjahr vom Veranlagungssachbearbeiter per Post an jenem Tag an den Bevollm&auml;chtigten des Kl&auml;gers weitergeleitet; der Postversand wurde durch Handzeichen des Veranlagungssachbearbeiters dokumentiert. Der Bescheid stand &#8211;wegen zu anderen Punkten nachzureichender Unterlagen&#8211; gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;164 Abs.&nbsp;1 AO unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nachdem die Kl&auml;ger weitere Unterlagen betreffend das Streitjahr nachgereicht und Angaben bez&uuml;glich ihrer Kinderbetreuungskosten sowie den Eink&uuml;nften aus Vermietung und Verpachtung erg&auml;nzt hatten, erlie&szlig; das FA unter dem 07.10.2013 einen nach &sect;&nbsp;164 Abs.&nbsp;2 AO ge&auml;nderten Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Streitjahr; der Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung wurde aufgehoben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Zuge einer im Jahr 2014 bei der GmbH durchgef&uuml;hrten Au&szlig;enpr&uuml;fung betreffend die Einkommensteuer 2009 bis 2012 wurde die fehlerhafte Festsetzung des Ver&auml;u&szlig;erungsgewinns bemerkt. Vor diesem Hintergrund erlie&szlig; das FA unter dem 05.12.2014 einen nach &sect;&nbsp;129 Satz&nbsp;1 AO ge&auml;nderten Einkommensteuerbescheid, in dem der vom Kl&auml;ger erkl&auml;rte Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn in H&ouml;he von 79.740&nbsp;EUR ohne Abzug eines Freibetrags oder eines &quot;steuerfrei bleibenden Ver&auml;u&szlig;erungsgewinns&quot; der Besteuerung zugrunde gelegt wurde. Den fristgerecht erhobenen Einspruch des Kl&auml;gers und seiner Ehefrau wies das FA mit Einspruchsentscheidung vom 04.01.2016 als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die hiergegen gerichtete Klage hatte keinen Erfolg. Das FG entschied in seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte 2018, 1771 ver&ouml;ffentlichten Urteil, das FA sei zur Berichtigung des fehlerhaften Einkommensteuerbescheides nach &sect;&nbsp;129 Satz&nbsp;1 AO berechtigt gewesen. Die Eintragung des Betrags von 79.740&nbsp;EUR anstatt von 0&nbsp;EUR unter Kennziffer&nbsp;45.83 durch den Veranlagungssachbearbeiter stelle sich im Zuge einer Gesamtw&uuml;rdigung als &#8211;ein der Berichtigung nach &sect;&nbsp;129 AO zug&auml;ngliches&#8211; mechanisches Versehen dar. Es best&uuml;nden keine &uuml;ber eine theoretische M&ouml;glichkeit hinausgehenden Anhaltspunkte f&uuml;r einen Fehler des Veranlagungssachbearbeiters im Bereich der Rechtsanwendung, der Sachverhaltsermittlung oder der Sachverhaltsw&uuml;rdigung. Der mechanische Fehler des Veranlagungssachbearbeiters sei von der Mitarbeiterin der QSST unentdeckt &uuml;bernommen worden, ohne dass dieser ein eigener Fehler in der Rechtsanwendung unterlaufen sei. Das Vorgehen der QSST m&ouml;ge eine grobe Unachtsamkeit sein, stelle aber gleichwohl keinen &uuml;ber die theoretische M&ouml;glichkeit hinausgehenden Fehler im Bereich der Rechtsanwendung, der Sachverhaltsw&uuml;rdigung oder der Sachverhaltserfassung dar. Der mechanische Fehler des Veranlagungssachbearbeiters sei schlie&szlig;lich auch von der Sachgebietsleiterin bei abschlie&szlig;ender Freizeichnung unbemerkt &uuml;bernommen worden; diese habe aus Gr&uuml;nden der Arbeitsbelastung weder den Ver&auml;u&szlig;erungsgewinn auf dem Papier, noch die hierzu erfolgten maschinellen Eintragungen &uuml;berpr&uuml;ft und damit selbst keinen Rechtsanwendungsfehler oder gleichgestellten Fehler begangen. Dieser (mechanische) Fehler sei auch im Zuge des Erlasses eines &Auml;nderungsbescheides am 07.10.2013 bestehen geblieben, da bez&uuml;glich des Ver&auml;u&szlig;erungsgewinns keine weiteren Pr&uuml;fungen vorgenommen worden seien. Die sich als mechanischer Fehler darstellende Unrichtigkeit sei trotz der Bearbeitung durch drei Personen offenbar. Alleine der Umstand, dass ein Steuerfall besonders intensiv gepr&uuml;ft werden solle, bedeute nicht zwangsl&auml;ufig, dass ein Fall auch tats&auml;chlich intensiv gepr&uuml;ft werde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich der Kl&auml;ger mit der Revision. Er vertritt die Auffassung, dass der &#8211;im Zeitpunkt des Bescheiderlasses noch in der Ausbildung befindliche&#8211; Veranlagungssachbearbeiter aufgrund des Abbruch-Hinweises &quot;3366:D&quot; und der damit verbundenen Arbeitsanweisung &#8211;&quot;Eine maschinelle Berechnung ist nicht m&ouml;glich. Die personell ermittelten steuerfreien Ver&auml;u&szlig;erungsgewinne sind in der Kennziffer&nbsp;45.83 einzutragen&quot;&#8211; rechtliche &Uuml;berlegungen zum Eintrag eines manuell ermittelten Freibetrages bzw. eines &quot;personell ermittelten steuerfreien Ver&auml;u&szlig;erungsgewinns&quot; habe anstellen m&uuml;ssen. Schon aus diesem Grund k&ouml;nne die vom FA vorgenommene Berichtigung des urspr&uuml;nglichen Einkommensteuerbescheides vom 05.08.2013 nicht auf die Rechtsgrundlage des &sect;&nbsp;129 Satz&nbsp;1 AO gest&uuml;tzt werden. Das FA habe in diesem Zusammenhang nicht nachweisen k&ouml;nnen, dass die Ermittlung des &#8211;im Streitfall nicht zu gew&auml;hrenden&#8211; Freibetrages auf einem in der Vertragsakte angehefteten Zettel durch den Veranlagungssachbearbeiter im zeitlichen Zusammenhang mit der Veranlagung stattgefunden habe. Auch im Rahmen der weiteren Pr&uuml;fung des Steuerfalles, welcher als &quot;Fall der Risikoklasse&nbsp;1&quot;, als Pr&uuml;ffeld-Fall mit dem Pr&uuml;ffeld&nbsp;8 &quot;Anteilsver&auml;u&szlig;erung &sect;&nbsp;17 EStG&quot; sowie als &quot;Intensiv-Pr&uuml;fungsfall&quot; eingestuft war, best&uuml;nde eine mehr als nur theoretische M&ouml;glichkeit eines Rechtsirrtums, der die Annahme eines mechanischen Versehens i.S. des &sect;&nbsp;129 AO ausschlie&szlig;e. Nach dem Ergebnis der in der m&uuml;ndlichen Verhandlung durchgef&uuml;hrten Zeugenbefragungen des Veranlagungssachbearbeiters, der Sachbearbeiterin der QSST und der Sachgebietsleiterin stehe fest, dass die ma&szlig;geblichen Unterlagen in der Steuerakte (Checkliste Anteilsver&auml;u&szlig;erung; Checkliste Anschaffungskosten; Formblatt &quot;Fall&uuml;bergabe an die QSST&quot;) neben den handschriftlichen Vermerken des Veranlagungssachbearbeiters auch die handschriftlichen Vermerke einer weiteren Person &#8211;vermutlich der Sachbearbeiterin der QSST&#8211; enthielten; hieraus ergebe sich zweifelsfrei, dass der Steuerfall einschlie&szlig;lich der maschinellen ausgeworfenen Pr&uuml;fberechnung von mindestens zwei Personen eingehend inhaltlich gepr&uuml;ft worden sei. Aber auch die Sachgebietsleiterin h&auml;tte im Rahmen ihrer Zeugenanh&ouml;rung angegeben, die Pr&uuml;fberechnung auf dem Bildschirm aufgerufen und freigegeben zu haben. Mithin h&auml;tten sich bei jedem der drei Beteiligten zumindest Zweifel aufdr&auml;ngen m&uuml;ssen. Auch im Rahmen der Aufhebung des Vorbehalts der Nachpr&uuml;fung sei der Veranlagungssachbearbeiter sich aufdr&auml;ngenden Zweifeln an der Steuerberechnung nicht nachgegangen. Vor diesem Hintergrund sei nach der h&ouml;chstrichterlichen Rechtsprechung eine Berichtigung nach &sect;&nbsp;129 AO aus geschlossen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<br \/>das angefochtene Urteil des FG vom 14.06.2018&nbsp;&#8211; 15&nbsp;K&nbsp;271\/16 sowie den berichtigten Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2011 vom 05.12.2014 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 04.01.2016 aufzuheben,<br \/>hilfsweise das angefochtene Urteil aufzuheben und die Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckzuverweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG sei zutreffend davon ausgegangen, dass der fehlerhafte Einkommensteuerbescheid vom 05.08.2013 nach &sect;&nbsp;129 AO berichtigt habe werden d&uuml;rfen. Im Streitfall liege ein mechanischer Fehler des Veranlagungssachbearbeiters vor, der bei der Pr&uuml;fung durch die QSST und die Sachgebietsleitung unentdeckt geblieben sei. Eine solche Berichtigung k&ouml;nne auch dann noch vorgenommen werden, wenn ein fehlerhafter Bescheid nochmals &#8211;hier durch die QSST und die Sachgebietsleitung&#8211; inhaltlich &uuml;berpr&uuml;ft werde, diese inhaltliche Pr&uuml;fung sich jedoch nicht auf den mechanischen Fehler bezogen habe. Im Streitfall sei eine Berichtigung zu dem auch nicht wegen geh&auml;ufter Unachtsamkeit oder sich aufdr&auml;ngender Zweifel, denen nicht nachgegangen worden sei, ausgeschlossen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Stattgabe der Klage (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG ist zu Unrecht davon ausgegangen, dass der bestandskr&auml;ftige Einkommensteuerbescheid f&uuml;r das Streitjahr nach &sect;&nbsp;129 AO berichtigt werden konnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;129 Satz&nbsp;1 AO kann die Finanzbeh&ouml;rde Schreibfehler, Rechenfehler und &auml;hnliche offenbare Unrichtigkeiten, die beim Erlass eines Verwaltungsakts unterlaufen sind, jederzeit berichtigen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Offenbare Unrichtigkeiten in diesem Sinne sind mechanische Versehen wie beispielsweise Schreibfehler, Rechenfehler sowie Eingabe- oder &Uuml;bertragungsfehler. Dagegen schlie&szlig;en Fehler im Bereich der Willensbildung, Fehler bei der Auslegung oder Nichtanwendung einer Rechtsnorm, unrichtige Tatsachenw&uuml;rdigung, unzutreffende Annahme eines in Wirklichkeit nicht vorliegenden Sachverhalts oder Fehler, die auf mangelnder Sachaufkl&auml;rung bzw. Nichtbeachtung feststehender Tatsachen beruhen, die Anwendung des &sect;&nbsp;129 Satz&nbsp;1 AO aus. &sect;&nbsp;129 AO ist mithin nicht anwendbar, wenn auch nur die ernsthafte M&ouml;glichkeit besteht, dass die Nichtbeachtung einer feststehenden Tatsache in einer fehlerhaften Tatsachenw&uuml;rdigung oder einem sonstigen sachverhaltsbezogenen Denk- oder &Uuml;berlegungsfehler begr&uuml;ndet ist oder auf mangelnder Sachverhaltsaufkl&auml;rung beruht (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 07.11.2013&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;13\/11, BFH\/NV 2014, 657; vom 10.05.2016&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;4\/15, BFH\/NV 2016, 1425, jeweils m.w.N.). Vor diesem Hintergrund ist eine Berichtigung nach &sect;&nbsp;129 AO nicht m&ouml;glich, wenn das FA aufgrund einer Hinweismitteilung den Fall &uuml;berpr&uuml;ft hat, es im Rahmen dieser &Uuml;berpr&uuml;fung zu einer neuen Willensbildung der zust&auml;ndigen Beamten gekommen ist und mithin die M&ouml;glichkeit eines Rechtsirrtums nicht auszuschlie&szlig;en ist; verbleibende Unklarheiten gehen insoweit zu Lasten des FA (so schon BFH-Urteil vom 04.06.1986&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;52\/82, BFHE 147, 393, BStBl&nbsp;II 1987, 3).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Da der Wortlaut des &sect;&nbsp;129 Satz&nbsp;1 AO auf &quot;offenbare Unrichtigkeiten, die beim Erlass eines Verwaltungsakts unterlaufen sind&quot; abstellt, kommt es entscheidend auf die Umst&auml;nde bei der Entscheidungsfindung und demzufolge vornehmlich auf den Akteninhalt an. Ma&szlig;gebend ist deshalb, ob der Fehler bei Offenlegung des aktenkundigen Sachverhalts f&uuml;r jeden unvoreingenommenen (objektiven) Dritten klar und deutlich als offenbare Unrichtigkeit erkennbar ist. Dabei gen&uuml;gt die Offenbarkeit der Unrichtigkeit als solche; nicht dagegen ist erforderlich, dass f&uuml;r den Bescheidadressaten auch der an Stelle des unrichtigen zu setzende richtige Inhalt des Bescheids offenbar ist. Unerheblich ist nach st&auml;ndiger h&ouml;chstrichterlicher Rechtsprechung, ob der Steuerpflichtige die Unrichtigkeit anhand des Bescheids und der ihm vorliegenden Unterlagen erkennen konnte (vgl. BFH-Urteil in BFH\/NV 2014, 657, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Ob ein mechanisches Versehen oder ein die Berichtigung nach &sect;&nbsp;129 AO ausschlie&szlig;ender Tatsachen- oder Rechtsirrtum vorliegt, muss nach den Verh&auml;ltnissen des Einzelfalls und dabei insbesondere nach der Aktenlage beurteilt werden. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um eine Tatfrage; die revisionsrechtliche Pr&uuml;fung beschr&auml;nkt sich darauf, ob das FG im Rahmen der Gesamtw&uuml;rdigung von zutreffenden Kriterien ausgegangen ist, alle ma&szlig;geblichen Beweisanzeichen in seine Beurteilung einbezogen und dabei nicht gegen Denkgesetze oder Erfahrungss&auml;tze versto&szlig;en hat (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach Ma&szlig;gabe dieser Grunds&auml;tze kann die Vorentscheidung keinen Bestand haben. Das FG hat im Rahmen seiner Gesamtw&uuml;rdigung nicht alle ma&szlig;geblichen objektiven Umst&auml;nde ber&uuml;cksichtigt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Im Ausgangspunkt ist das FG zun&auml;chst zutreffend davon ausgegangen, dass bei der Veranlagung des Kl&auml;gers im Bereich der Kennziffer&nbsp;45.83 ein unzutreffender Wert eingetragen worden ist; denn ein Freibetrag nach &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;3 EStG war im Streitfall nicht zu gew&auml;hren, sodass richtigerweise ein Wert in H&ouml;he von &quot;0&nbsp;EUR&quot; einzutragen gewesen w&auml;re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In revisionsrechtlich nicht zu beanstandender Weise hat das FG nach Auffassung des erkennenden Senats auch die recht pauschale Aussage der als Zeugin geh&ouml;rten Sachgebietsleiterin im Ergebnis dahin gew&uuml;rdigt, dass diese nur eine reine Plausibilit&auml;tskontrolle, nicht aber eine echte Inhaltspr&uuml;fung der Pr&uuml;fberechnung durchgef&uuml;hrt habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Soweit das FG allerdings aus den im erstinstanzlichen Verfahren getroffenen Feststellungen den Schluss gezogen hat, dass bereits dem Veranlagungssachbearbeiter ein mechanisches Versehen durch den Eintrag eines falschen Werts bei Kennziffer&nbsp;45.83 unterlaufen sei, hat es nicht hinreichend gew&uuml;rdigt, dass dieser im Rahmen seiner Zeugenaussage in der m&uuml;ndlichen Verhandlung vor dem FG noch nicht einmal best&auml;tigen wollte, dass er selbst diese Eintragung im Veranlagungsverfahren (maschinell) vorgenommen hat; vielmehr hat es der Zeuge f&uuml;r m&ouml;glich gehalten, dass die Kennziffer&nbsp;45.83 zu einem sp&auml;teren Zeitpunkt und\/oder von einem anderen Bearbeiter der Finanzverwaltung angesprochen worden ist. Dabei hat der Zeuge auch ausgef&uuml;hrt, dass es technisch m&ouml;glich sei, &quot;den Fall an eine andere Stelle auch mit Abbruchhinweis abzugeben&quot;. In diesem Zusammenhang hat die als Zeugin geh&ouml;rte Bearbeiterin der QSST erg&auml;nzend angegeben, sie k&ouml;nne sich nicht erkl&auml;ren, &quot;wie es zu der Eintragung von 79.740&nbsp;EUR gekommen ist&quot;. Vor diesem Hintergrund ist die Gesamtw&uuml;rdigung des FG, wonach bereits auf der Stufe des Veranlagungssachbearbeiters die Tatbestandsvoraussetzungen der Berichtigungsnorm des &sect;&nbsp;129 Satz&nbsp;1 AO erf&uuml;llt waren, weder von dessen Zeugenaussage noch von den anderweitigen, in diesem Zusammenhang vom FG getroffenen Feststellungen gedeckt. Es kann offenbleiben, ob es dem FA aufgrund der ihm vorliegenden datentechnischen Informationen m&ouml;glich gewesen w&auml;re, dem FG &#8211;mit Blick auf dessen Beweisbeschluss vom 27.04.2018&nbsp;&#8211; 15&nbsp;K&nbsp;271\/16&#8211; mitzuteilen, wann und auf welcher Ebene die fehlerhafte Eingabe bei Kennziffer&nbsp;45.83 tats&auml;chlich erfolgt ist; denn das FA hat im Rahmen der ihm obliegenden Feststellungslast (s. schon BFH-Urteil in BFHE 147, 393, BStBl&nbsp;II 1987, 3) keine dahingehenden Tatsachen offengelegt. Dies geht insoweit zu seinen Lasten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Weiter hat das FG nicht hinreichend ber&uuml;cksichtigt, dass der Steuerfall von zwei Bearbeitern &#8211;zweifellos dem Veranlagungssachbearbeiter sowie (mutma&szlig;lich) der Bearbeiterin der QSST&#8211; inhaltlich gepr&uuml;ft und bearbeitet worden ist. Dies geht eindeutig aus den Steuerakten und den darin befindlichen handschriftlichen Vermerken hervor, die sich vom Schriftbild her deutlich unterscheiden und zwei verschiedenen Personen zuzuordnen sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Unter Ber&uuml;cksichtigung dieser den BFH nach &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO bindenden Feststellungen steht allein fest, dass die als &quot;Fall der Risikoklasse&nbsp;1&quot;, als Pr&uuml;ffeld-Fall mit dem Pr&uuml;ffeld&nbsp;8 &quot;Anteilsver&auml;u&szlig;erung &sect;&nbsp;17 EStG&quot; sowie als &quot;Intensiv-Pr&uuml;fungsfall&quot; eingestufte Einkommensteuerveranlagung der Kl&auml;ger zumindest von zwei Bearbeitern der Finanzverwaltung inhaltlich gepr&uuml;ft worden ist. Demgegen&uuml;ber steht nicht zweifelsfrei fest, wer die Kennziffer&nbsp;45.83 zu welchem Zeitpunkt angesprochen und den fehlerhaften Eintrag mit 79.740&nbsp;EUR vorgenommen hat. Vor diesem Hintergrund ist aber auch die M&ouml;glichkeit (falscher) rechtlicher Erw&auml;gungen durch die ma&szlig;gebliche Person nicht mit Sicherheit auszuschlie&szlig;en. Kann indes auf dieser Tatsachengrundlage schon nicht die M&ouml;glichkeit ausgeschlossen werden, dass bereits die urspr&uuml;ngliche Eintragung des unzutreffenden Werts bei Kennziffer&nbsp;45.83 auf (unzutreffenden) rechtlichen Erw&auml;gungen beruhte und nicht lediglich mechanisch erfolgte, kommt es nicht mehr darauf an, ob eine weitere &Uuml;berpr&uuml;fung des Steuerfalles (durch die Bearbeiterin der QSST bzw. durch die Sachgebietsleiterin) sich &#8211;wovon das FA ausgeht&#8211; auf eine blo&szlig;e Plausibilit&auml;tskontrolle beschr&auml;nkte oder eine &quot;echte&quot; Inhaltspr&uuml;fung darstellte (vgl. BFH-Urteil in BFH\/NV 2014, 657).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Da das FG nach Auffassung des erkennenden Senats seiner Sachaufkl&auml;rungspflicht in vollem Umfang gen&uuml;gt und alle seinerzeit zust&auml;ndigen Bearbeiter des FA als Zeugen vernommen hat, werden diese Fragen wegen der nur l&uuml;ckenhaften Erinnerung der Befragten &#8211;welche mit Blick auf den Zeitablauf durchaus verst&auml;ndlich ist&#8211; auch nicht mehr zu kl&auml;ren sein. Verbleibende Unklarheiten hier&uuml;ber gehen indes zu Lasten des FA (BFH-Urteil in BFHE 147, 393, BStBl&nbsp;II 1987, 3).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Sache ist spruchreif. Da nicht festgestellt werden kann, dass der urspr&uuml;ngliche Einkommensteuerbescheid vom 05.08.2013 offenbar unrichtig i.S. des &sect;&nbsp;129 Satz&nbsp;1 AO ist und andere Korrekturvorschriften nicht ersichtlich sind, ist der berichtigte Einkommensteuerbescheid vom 05.12.2014 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 04.01.2016 ohne gesetzliche Grundlage ergangen und ersatzlos aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 10.12.2019, IX R 23\/18ECLI:DE:BFH:2019:U.101219.IXR23.18.0 Berichtigung der fehlerhaften Festsetzung eines ordnungsgem&auml;&szlig; erkl&auml;rten Ver&auml;u&szlig;erungsgewinns i.S. des &sect; 17 EStG im Einkommensteuerbescheid trotz &quot;6-Augen-Prinzip&quot; Leits&auml;tze 1. &sect; 129 AO ist nicht anwendbar, wenn auch nur die ernsthafte M&ouml;glichkeit besteht, dass die Nichtbeachtung einer feststehenden Tatsache in einer fehlerhaften Tatsachenw&uuml;rdigung oder einem sonstigen sachverhaltsbezogenen Denk- oder &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-23-18-berichtigung-der-fehlerhaften-festsetzung-eines-ordnungsgemaess-erklaerten-veraeusserungsgewinns-is-des-par-17-estg-im-einkommensteuerbescheid-trotz-6-augen-prinzip\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">IX&nbsp;R&nbsp;23\/18 &#8211; Berichtigung der fehlerhaften Festsetzung eines ordnungsgem&auml;&szlig; erkl&auml;rten Ver&auml;u&szlig;erungsgewinns i.S. des &sect; 17 EStG im Einkommensteuerbescheid trotz &quot;6-Augen-Prinzip&quot;<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-71901","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71901","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=71901"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/71901\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=71901"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=71901"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=71901"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}