{"id":72034,"date":"2020-03-01T14:20:25","date_gmt":"2020-03-01T12:20:25","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=72034"},"modified":"2020-03-01T14:20:25","modified_gmt":"2020-03-01T12:20:25","slug":"v-r-20-18-kein-reverse-charge-ohne-inlandsumsatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/v-r-20-18-kein-reverse-charge-ohne-inlandsumsatz\/","title":{"rendered":"V&nbsp;R&nbsp;20\/18 &#8211; Kein Reverse Charge ohne Inlandsumsatz"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 12.12.2019, V R 20\/18<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.121219.VR20.18.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Kein Reverse Charge ohne Inlandsumsatz<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. NV: Zweifel i.S. von &sect; 13b Abs. 7 Satz 5 UStG, ob der leistende Unternehmer im Ausland ans&auml;ssig ist, m&uuml;ssen sich auf im Inland erbrachte Ums&auml;tze beziehen. Ohne Inlandsumsatz besteht kein sachliches Interesse an der Erteilung der in &sect; 13b Abs. 7 Satz 5 UStG genannten Bescheinigung.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. NV: Liefert der im &uuml;brigen Gemeinschaftsgebiet ans&auml;ssige Unternehmer Elektrizit&auml;t, die er mit seiner Windkraftanlage im Inland hergestellt hat, unter den Bedingungen des &sect; 3g Abs. 1 Satz 1 UStG an einen gleichfalls im &uuml;brigen Gemeinschaftsgebiet ans&auml;ssigen Unternehmer, befindet sich der Ort der Lieferung am Empf&auml;ngerort im &uuml;brigen Gemeinschaftsgebiet.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Schleswig-Holsteinischen Finanzgerichts vom 17.05.2018 &#8211; 4 K 47\/17 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Klage wird abgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) ist eine Kommanditgesellschaft d&auml;nischen Rechts, die in einem Windpark im Inland eine Windkraftanlage betreibt. Die Kl&auml;gerin hat ihren Sitz in D&auml;nemark und lieferte in 2017 Strom an die in D&auml;nemark ans&auml;ssige Gesellschaft O, mit der die Kl&auml;gerin einen Direktmarketingvertrag abgeschlossen hatte. Nach diesem Vertrag erwarb die Firma O den von der Windkraftanlage produzierten Strom von der Kl&auml;gerin und ver&auml;u&szlig;erte diesen auf Rechnung der Kl&auml;gerin auf dem freien Markt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 10.02.2016 beantragte die Kl&auml;gerin die Erteilung einer Bescheinigung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;13b Abs.&nbsp;7 Satz&nbsp;5 des Umsatzsteuergesetzes (UStG), nach der sie inl&auml;ndische Unternehmerin sei. Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) lehnte den Antrag ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Demgegen&uuml;ber gab das Finanzgericht (FG) der Klage, mit der die Kl&auml;gerin weiter geltend machte, dass ihr eine Bescheinigung nach &sect;&nbsp;13b Abs.&nbsp;7 Satz&nbsp;5 UStG zu erteilen sei, nach der sie im Jahr 2017 kein Unternehmer i.S. des &sect;&nbsp;13b Abs.&nbsp;7 Satz&nbsp;1 und 2 UStG gewesen sei, mit seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2018, 1500 ver&ouml;ffentlichten Urteil statt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Hiergegen wendet sich das FA mit der Revision.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>das Urteil des FG aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision des FA ist aus anderen als den geltend gemachten Gr&uuml;nden begr&uuml;ndet. Das Urteil des FG ist aufzuheben und die Klage abzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Die beantragte Bescheinigung zur Steuerschuldnerschaft ist nicht zu erteilen, da keine im Inland ausgef&uuml;hrten Ums&auml;tze vorliegen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Ist es zweifelhaft, ob der Unternehmer die Voraussetzungen nach &sect;&nbsp;13b Abs.&nbsp;7 UStG erf&uuml;llt, schuldet der Leistungsempf&auml;nger die Steuer gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;13b Abs.&nbsp;7 Satz&nbsp;5 UStG nur dann nicht, wenn ihm der Unternehmer durch eine Bescheinigung des nach den abgabenrechtlichen Vorschriften f&uuml;r die Besteuerung seiner Ums&auml;tze zust&auml;ndigen Finanzamts nachweist, dass er kein im Ausland ans&auml;ssiger Unternehmer ist. Hierf&uuml;r kommt es gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;13b Abs.&nbsp;7 Satz&nbsp;1 UStG insbesondere darauf an, ob der Unternehmer im Inland, auf der Insel Helgoland und in einem der in &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 UStG bezeichneten Gebiete einen Wohnsitz, seinen gew&ouml;hnlichen Aufenthalt, seinen Sitz, seine Gesch&auml;ftsleitung oder eine Betriebsst&auml;tte hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Zweifel i.S. von &sect;&nbsp;13b Abs.&nbsp;7 Satz 5 UStG, ob der leistende Unternehmer im Ausland ans&auml;ssig ist, m&uuml;ssen sich auf im Inland erbrachte Ums&auml;tze beziehen. Ohne Inlandsumsatz besteht kein sachliches Interesse an der Erteilung der in &sect;&nbsp;13b Abs.&nbsp;7 Satz&nbsp;5 UStG genannten Bescheinigung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Im Streitfall hat die Kl&auml;gerin keine im Inland steuerbaren Leistungen erbracht. Liefert der im &uuml;brigen Gemeinschaftsgebiet ans&auml;ssige Unternehmer Elektrizit&auml;t, die er mit seiner Windkraftanlage im Inland hergestellt hat, unter den Bedingungen des &sect;&nbsp;3g Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 UStG an einen gleichfalls im &uuml;brigen Gemeinschaftsgebiet ans&auml;ssigen Unternehmer, befindet sich der Ort der Lieferung am Empf&auml;ngerort im &uuml;brigen Gemeinschaftsgebiet. Daher bestehen auch keine Zweifel i. S. von &sect;&nbsp;13b Abs.&nbsp;7 Satz&nbsp;5 UStG, so dass sich die Frage, &uuml;ber die das FG entschieden hat, nicht stellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG ist bei seinem Urteil davon ausgegangen, dass die Lieferungen der Kl&auml;gerin &sect;&nbsp;13b Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;5 Buchst.&nbsp;a i.V.m. Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 UStG unterliegen. Danach ist der Abnehmer der Lieferung Steuerschuldner, wenn er Unternehmer oder eine juristische Person ist und es sich um die Lieferung der in &sect;&nbsp;3g Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 UStG genannten Gegenst&auml;nde eines im Ausland ans&auml;ssigen Unternehmers unter den Bedingungen des &sect;&nbsp;3g UStG handelt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Bei einer Lieferung von Gas &uuml;ber das Erdgasnetz, von Elektrizit&auml;t oder von W&auml;rme oder K&auml;lte &uuml;ber W&auml;rme- oder K&auml;ltenetze an einen Unternehmer, dessen Hauptt&auml;tigkeit in Bezug auf den Erwerb dieser Gegenst&auml;nde in deren Lieferung besteht und dessen eigener Verbrauch dieser Gegenst&auml;nde von untergeordneter Bedeutung ist, gilt nach &sect;&nbsp;3g Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 UStG als Ort dieser Lieferung der Ort, an dem der Abnehmer sein Unternehmen betreibt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach den f&uuml;r den erkennenden Senat bindenden Feststellungen des FG (&sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO), die die Beteiligten im Revisionsverfahren best&auml;tigt haben, lieferte die Kl&auml;gerin den Strom an die Firma O und damit an ein in D&auml;nemark ans&auml;ssiges Unternehmen. Dieser Abnehmer handelte beim Weiterverkauf des Stroms auf Rechnung der Kl&auml;gerin. Damit liegen gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;3 Abs.&nbsp;3 UStG sowohl im Verh&auml;ltnis zwischen der Kl&auml;gerin und der Firma O als auch zwischen dieser und den weiteren Abnehmern Lieferungen vor. Nach &sect;&nbsp;3g Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 UStG war dabei Ort der Lieferung durch die Kl&auml;gerin der Unternehmensort der Firma O in D&auml;nemark. Denn in Bezug auf die von der Kl&auml;gerin erworbenen Gegenst&auml;nde bestand die Hauptt&auml;tigkeit der Firma O in der Lieferung des erworbenen Stroms.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 12.12.2019, V R 20\/18ECLI:DE:BFH:2019:U.121219.VR20.18.0 Kein Reverse Charge ohne Inlandsumsatz Leits&auml;tze 1. NV: Zweifel i.S. von &sect; 13b Abs. 7 Satz 5 UStG, ob der leistende Unternehmer im Ausland ans&auml;ssig ist, m&uuml;ssen sich auf im Inland erbrachte Ums&auml;tze beziehen. 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