{"id":72145,"date":"2020-03-24T12:47:25","date_gmt":"2020-03-24T10:47:25","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=72145"},"modified":"2020-03-24T12:47:25","modified_gmt":"2020-03-24T10:47:25","slug":"ii-r-40-16-grunderwerbsteuerbefreiung-fuer-kirchlichen-schultraegerwechsel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-40-16-grunderwerbsteuerbefreiung-fuer-kirchlichen-schultraegerwechsel\/","title":{"rendered":"II&nbsp;R&nbsp;40\/16 &#8211; Grunderwerbsteuerbefreiung f&uuml;r kirchlichen Schultr&auml;gerwechsel"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 27.11.2019, II R 40\/16<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.271119.IIR40.16.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Grunderwerbsteuerbefreiung f&uuml;r kirchlichen Schultr&auml;gerwechsel<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Das Pr&uuml;fungs- und Zeugnisrecht einer staatlich anerkannten Ersatzschule ist &ouml;ffentlich-rechtlicher Natur.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Geht mit der Tr&auml;gerschaft an einer staatlich anerkannten Ersatzschule auch das Pr&uuml;fungs- und Zeugnisrecht &uuml;ber, handelt es sich um den &Uuml;bergang &ouml;ffentlich-rechtlicher Aufgaben i.S. des &sect; 4 Nr. 1 GrEStG.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Th&uuml;ringer Finanzgerichts vom 21.09.2016 &#8211; 4 K 434\/13 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) ist eine kirchliche Stiftung des &ouml;ffentlichen Rechts mit Sitz in C, die durch Bescheid des Th&uuml;ringer Kultusministeriums vom 18.12.2004 genehmigt worden ist. E war Tr&auml;ger der Schule F, der durch das Th&uuml;ringer Kultusministerium mit Urkunde vom 01.09.2002 die Eigenschaft einer staatlich anerkannten Ersatzschule verliehen worden war. Zur F geh&ouml;ren die in C belegenen drei bebauten Grundst&uuml;cke G1, G2 und G3. Die Grundst&uuml;cke G1 und G2 standen im Alleineigentum des E. Hinsichtlich des Grundst&uuml;cks G3 war er aufgrund Erbbaurechtsvertrages mit der Stadt C vom 04.05.2003 als Erbbauberechtigter im Grundbuch eingetragen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Anl&auml;sslich des Zusammenschlusses der Kirche A und der Kirche K zum 01.01.2005 zu Kirche L wurde entschieden, die bisherigen Schultr&auml;gerschaften statt auf die gemeinsame Kirche auf die neu zu gr&uuml;ndende Kl&auml;gerin &uuml;bergehen zu lassen. Nach einer entsprechenden Genehmigung des Ministeriums vom 13.12.2006 &uuml;bertrug E mit notariell beurkundetem Vertrag vom 16.12.2006 die Tr&auml;gerschaft der F mit Wirkung zum 01.01.2007 auf die Kl&auml;gerin. Gleichzeitig ver&auml;u&szlig;erte er an die Kl&auml;gerin die Grundst&uuml;cke G1 und G2 sowie das Erbbaurecht an G3 f&uuml;r jeweils 1&nbsp;EUR. Die Kl&auml;gerin &uuml;bernahm Rechte und Pflichten in Bezug auf die Liegenschaften. Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) setzte auf Grundlage von gesondert festgestellten Grundbesitzwerten am 21.09.2008 Grunderwerbsteuer fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Einspruch und Klage berief sich die Kl&auml;gerin im Wesentlichen auf die Steuerbefreiung nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;1 des Grunderwerbsteuergesetzes (GrEStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Klage hatte Erfolg. Das Finanzgericht (FG) hat die Steuerbefreiungsvorschrift des &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;1 GrEStG angewandt. Die F&uuml;hrung einer staatlich anerkannten Ersatzschule sei eine &ouml;ffentlich-rechtliche Aufgabe i.S. der Vorschrift. Sie verfolge eine verfassungsrechtlich anerkannte, dem Gemeinwohl zugewandte &ouml;ffentliche Aufgabe des Erziehungs-, Bildungs- und Ausbildungswesens und damit im Bereich der Daseinsvorsorge. Der Besuch einer solchen Schule erf&uuml;lle die Schulpflicht. Die Schule k&ouml;nne wie die entsprechenden staatlichen Schulen Pr&uuml;fungen abhalten und Zeugnisse erteilen, was sie als staatlich anerkannte Ersatzschule von einer nur genehmigten Ersatzschule unterscheide. Das FG-Urteil ist in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2017, 1107, ver&ouml;ffentlicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision macht das FA geltend, es sei keine &ouml;ffentlich-rechtliche Aufgabe &uuml;bergegangen. Der Staat habe einen Bildungs- und Erziehungsauftrag. &Ouml;ffentlich-rechtliche Aufgabe sei nur der Betrieb staatlicher Schulen, nicht die Errichtung und der Betrieb einer Schule in freier Tr&auml;gerschaft. Diese sei vielmehr ein verfassungsrechtlich verankertes subjektives Recht des Privaten gegen&uuml;ber dem Staat. Hieran &auml;ndere weder die Genehmigungspflicht noch die staatliche Anerkennung etwas. Dies entspreche auch der Auffassung des Ministeriums.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit die Anerkennung den Schulen das Pr&uuml;fungs- und Zeugnisrecht vermittle, geschehe dies in Form der auf diese Befugnisse beschr&auml;nkten Beleihung. Der Freistaat Th&uuml;ringen habe angesichts seiner Aufsichtsbefugnisse diese Aufgabe aber nie vollst&auml;ndig aufgegeben. Wenn die Aufgabe schon nicht vom Freistaat Th&uuml;ringen auf E &uuml;bergegangen sei, k&ouml;nne sie folglich auch nicht von E auf die Kl&auml;gerin &uuml;bergegangen sein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Schlie&szlig;lich stehe das Betreiben einer Ersatzschule nicht in Zusammenhang mit den kirchlichen Aufgaben, die den beteiligten Rechtstr&auml;gern erst den &ouml;ffentlich-rechtlichen Status vermitteln.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Vorentscheidung aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin h&auml;lt die Schultr&auml;gerschaft f&uuml;r eine &ouml;ffentlich-rechtliche Aufgabe i.S. des &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;1 GrEStG. Jedenfalls der &Uuml;bergang des Pr&uuml;fungs- und Zeugnisrechts als untrennbarer Bestandteil des Schulbetriebs begr&uuml;nde die Befreiung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das dem Verfahren beigetretene Bundesministerium der Finanzen hat keinen Antrag gestellt. Es vertritt die Auffassung, die Anwendung des &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;1 GrEStG verlange nach solchen &ouml;ffentlichen Aufgaben, die einer juristischen Person des &ouml;ffentlichen Rechts als Tr&auml;ger der &ouml;ffentlichen Gewalt eigent&uuml;mlich und vorbehalten seien und nicht gleicherma&szlig;en von Privaten erf&uuml;llt werden k&ouml;nnten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und nach &sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur&uuml;ckzuweisen. Das FG hat zu Recht erkannt, dass der nach &sect;&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 GrEStG steuerbare Vertrag vom 16.12.2006 hinsichtlich der Grundst&uuml;cke G1, G2 und i.V.m. &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 GrEStG des Erbbaurechts an G3 nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;1 GrEStG von der Grunderwerbsteuer befreit ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;1 GrEStG ist von der Besteuerung ausgenommen der Erwerb eines Grundst&uuml;cks durch eine juristische Person &ouml;ffentlichen Rechts, wenn das Grundst&uuml;ck aus Anlass des &Uuml;bergangs von &ouml;ffentlich-rechtlichen Aufgaben oder aus Anlass von Grenz&auml;nderungen von der einen auf die andere juristische Person &uuml;bergeht und nicht &uuml;berwiegend einem Betrieb gewerblicher Art dient. Es ist zwischen den Beteiligten zu Recht nicht streitig, dass E und die Kl&auml;gerin als Ver&auml;u&szlig;erer und Erwerber juristische Personen des &ouml;ffentlichen Rechts sind (zu dem Erfordernis der juristischen Person des &ouml;ffentlichen Rechts auf beiden Seiten des Erwerbsgesch&auml;fts vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 09.11.2016 &#8211; II&nbsp;R&nbsp;12\/15, BFHE 255, 540, BStBl&nbsp;II 2017, 211) und dass die Grundst&uuml;cke und das Erbbaurecht nicht &uuml;berwiegend einem Betrieb gewerblicher Art dienen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Erwerb erfolgte aber auch aus Anlass des &Uuml;bergangs von &ouml;ffentlich-rechtlichen Aufgaben. Ein solcher &Uuml;bergang liegt vor, wenn die &uuml;bernehmende juristische Person des &ouml;ffentlichen Rechts eben die Funktionen wahrnimmt, welche bisher die &uuml;bergebende juristische Person wahrgenommen hat (BFH-Urteil vom 01.09.2011&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;16\/10, BFHE 235, 182, BStBl&nbsp;II 2012, 148, Rz&nbsp;12).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Es bedarf im Streitfall keiner abschlie&szlig;enden Entscheidung, inwieweit das Merkmal &quot;&ouml;ffentlich-rechtliche Aufgabe&quot; in weitem Verst&auml;ndnis auch Aufgaben umfassen kann, die zwar zum &ouml;ffentlichen Aufgabenspektrum des Staates geh&ouml;ren, aber auch in privatrechtlichem Rechtskleid erf&uuml;llt werden k&ouml;nnen. Seit jeher geh&ouml;rt jedenfalls die hoheitliche T&auml;tigkeit zu den &ouml;ffentlich-rechtlichen Aufgaben i.S. des fr&uuml;heren &sect;&nbsp;4 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;5 GrEStG&nbsp;1940 (RGBl&nbsp;I 1940, 585) und des heutigen &sect;&nbsp;4 Nr.&nbsp;1 GrEStG (dazu im Einzelnen BFH-Urteil in BFHE&nbsp;255, 540,&nbsp;BStBl II&nbsp;2017, 211, Rz 19). Diese liegt vor, wenn die Beteiligten zueinander in einem hoheitlichen Verh&auml;ltnis der &Uuml;ber- und Unterordnung stehen und sich der Tr&auml;ger hoheitlicher Gewalt der besonderen Rechtss&auml;tze des &ouml;ffentlichen Rechts bedient (Beschluss des Gemeinsamen Senats der obersten Gerichtsh&ouml;fe des Bundes &#8211;GmS&#8211; vom 29.12.1987&nbsp;&#8211; GmS-OGB&nbsp;1\/86, BGHZ 102, 280, unter III.1.) oder wenn die das Rechtsverh&auml;ltnis beherrschenden Rechtsnormen &uuml;berwiegend den Interessen der Allgemeinheit dienen, wenn sie sich nur an Hoheitstr&auml;ger wenden oder wenn der Sachverhalt einem Sonderrecht der Tr&auml;ger &ouml;ffentlicher Aufgaben unterworfen ist und nicht Rechtss&auml;tzen, die f&uuml;r jedermann gelten (GmS-Beschluss vom 10.07.1989&nbsp;&#8211; GmS-OGB&nbsp;1\/88, BGHZ 108, 284, unter 3.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Tr&auml;gerschaft einer Privatschule, die als staatlich anerkannte Ersatzschule &uuml;ber das Recht verf&uuml;gt, staatlich anerkannte Pr&uuml;fungen abzunehmen und Zeugnisse auszustellen, besitzt einen partiell &ouml;ffentlich-rechtlichen Charakter in diesem Sinne.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Zwar ist dem FA insoweit zuzustimmen, als die Errichtung von privaten Schulen sich zun&auml;chst als Aus&uuml;bung eines verfassungsrechtlich verb&uuml;rgten Rechts aus Art.&nbsp;7 Abs.&nbsp;4 des Grundgesetzes (GG) und als Institutsgarantie f&uuml;r die privaten Schulen im Gegensatz zu einem staatlichen Schulmonopol darstellt (vgl. dazu Beschluss des Bundesverfassungsgerichts &#8211;BVerfG&#8211; vom 14.11.1969&nbsp;&#8211; 1&nbsp;BvL&nbsp;24\/64, BVerfGE&nbsp;27, 195, unter D.I.1.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es besteht jedoch keine Staatsfreiheit. Zum einen steht das gesamte Schulwesen nach Art.&nbsp;7 Abs.&nbsp;1 GG unter der Aufsicht des Staates. Zum anderen bed&uuml;rfen private Schulen als Ersatz f&uuml;r &ouml;ffentliche Schulen der Genehmigung des Staates und unterstehen den Landesgesetzen (Art.&nbsp;7 Abs.&nbsp;4 S&auml;tze&nbsp;2 bis 4 GG). Ersatzschulen sind Privatschulen, die nach dem mit ihrer Errichtung verfolgten Gesamtzweck als Ersatz f&uuml;r eine in dem Land vorhandene oder grunds&auml;tzlich vorgesehene &ouml;ffentliche Schule dienen sollen (BVerfG-Beschluss in BVerfGE&nbsp;27, 195, unter D.I.2.a). Auf Landesebene bestehen &auml;hnliche Regelungen (Art.&nbsp;23, 26 der Verfassung des Freistaats Th&uuml;ringen).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Die Befugnisse, mit &ouml;ffentlich-rechtlicher Au&szlig;enwirkung den Bildungsgrad der Sch&uuml;ler festzustellen, &ouml;ffentlich-rechtliche Zugangsberechtigungen zu vermitteln oder Berechtigungen zur F&uuml;hrung einer Berufsbezeichnung zu erteilen, sind hoheitliche Funktionen, die im Wege der Beleihung &uuml;bertragen werden m&uuml;ssen (vgl. grundlegend Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 18.10.1963&nbsp;&#8211; VII&nbsp;C&nbsp;45.62, BVerwGE 17, 41; BFH-Urteil vom 16.05.1975&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;54\/74, BFHE 116, 176, BStBl&nbsp;II 1975, 746, unter 5.a der Entscheidungsgr&uuml;nde). Eine verbliebene staatliche Aufsicht &auml;ndert hieran nichts. Diese Befugnisse ergeben sich allerdings nicht bereits aus dem Recht aus Art.&nbsp;7 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;2 GG, eine Ersatzschule zu betreiben, sondern sind gesondert zu verleihen. Einzelheiten hat der Landesgesetzgeber zu regeln (BVerfG-Beschluss in BVerfGE 27, 195, unter D.I.2.a, b, 3.). Dies ist f&uuml;r den Freistaat Th&uuml;ringen in Gestalt des Th&uuml;ringer Schulgesetzes (Th&uuml;rSchulG) i.d.F. der Bekanntmachung vom 30.04.2003 (GVBl 2003, 238) sowie des Th&uuml;ringer Gesetzes &uuml;ber Schulen in freier Tr&auml;gerschaft (Th&uuml;rSchfTG) i.d.F. der Bekanntmachung vom 05.03.2003, zuletzt ge&auml;ndert durch Gesetz vom 08.07.2009 (GVBl 2009, 592) geschehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Nach Th&uuml;ringer Landesrecht ist f&uuml;r die staatlich anerkannten Ersatzschulen das Pr&uuml;fungs- und Zeugnisrecht verliehen, das dem Schultr&auml;ger zuzurechnen ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach &sect;&nbsp;13 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Th&uuml;rSchulG sind die Schulen des Freistaats Th&uuml;ringen staatliche Schulen oder Schulen in freier Tr&auml;gerschaft. W&auml;hrend erstere gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;13 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 Th&uuml;rSchulG nicht rechtsf&auml;hige Anstalten des &ouml;ffentlichen Rechts sind, werden Schulen in freier Tr&auml;gerschaft gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;13 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 Th&uuml;rSchulG i.V.m. &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Th&uuml;rSchfTG von nat&uuml;rlichen Personen oder juristischen Personen des privaten oder des &ouml;ffentlichen Rechts (au&szlig;er Gebietsk&ouml;rperschaften des &ouml;ffentlichen Rechts) errichtet und betrieben. Das bedeutet, dass die Schule selbst nicht ihr eigener Rechtstr&auml;ger ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach &sect;&nbsp;4 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Th&uuml;rSchfTG sind Ersatzschulen solche Schulen in freier Tr&auml;gerschaft, die in ihren Bildungs- und Erziehungszielen den staatlichen Schulen entsprechen, die in Th&uuml;ringen bestehen oder grunds&auml;tzlich vorgesehen sind. Sie bed&uuml;rfen nach &sect;&nbsp;4 Abs.&nbsp;2 Th&uuml;rSchfTG der Genehmigung. Diese verleiht der Schule nicht nur gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;4 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Th&uuml;rSchfTG das Recht, Sch&uuml;ler zur Erf&uuml;llung ihrer Schulpflicht aufzunehmen. Bietet sie au&szlig;erdem die Gew&auml;hr daf&uuml;r, dauernd die Genehmigungsvoraussetzungen zu erf&uuml;llen, kann ihr nach &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Th&uuml;rSchfTG&nbsp;&nbsp;auf Antrag die Eigenschaft einer staatlich anerkannten Ersatzschule verliehen werden. Mit der Anerkennung erh&auml;lt nach &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;3 Th&uuml;rSchfTG die Ersatzschule das Recht, nach den f&uuml;r die entsprechenden staatlichen Schulen geltenden Vorschriften und unter einem durch das staatliche Schulamt bestellten Vorsitzenden der Pr&uuml;fungskommission Pr&uuml;fungen abzuhalten und Zeugnisse zu erteilen, die die gleichen Berechtigungen verleihen wie die der staatlichen Schulen. Dieses Recht ist jedenfalls im vorliegenden Kontext mangels Rechtstr&auml;gereigenschaft der Schule trotz der schulbezogenen Formulierung des &sect;&nbsp;10 Th&uuml;rSchfTG dem Schultr&auml;ger zuzurechnen. Folgerichtig erlischt nach &sect;&nbsp;6 Abs.&nbsp;3 Th&uuml;rSchfTG die Genehmigung der Ersatzschule im Falle des Tr&auml;gerwechsels, wenn nicht der Tr&auml;gerwechsel zuvor ausdr&uuml;cklich genehmigt wurde.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben sind die Grundst&uuml;cke G1 und G2 sowie das Erbbaurecht G3 aus Anlass des &Uuml;bergangs von &ouml;ffentlich-rechtlichen Aufgaben von der einen auf die andere juristische Person &uuml;bergegangen. Die Grundst&uuml;cksgesch&auml;fte beruhten auf dem von E auf die Kl&auml;gerin durchgef&uuml;hrten &Uuml;bergang der Schultr&auml;gerschaft und dem damit verbundenen &Uuml;bergang des mit hoheitlichem Charakter ausgestatteten Pr&uuml;fungs- und Zeugnisrechts.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Kostenentscheidung folgt aus &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 27.11.2019, II R 40\/16ECLI:DE:BFH:2019:U.271119.IIR40.16.0 Grunderwerbsteuerbefreiung f&uuml;r kirchlichen Schultr&auml;gerwechsel Leits&auml;tze 1. Das Pr&uuml;fungs- und Zeugnisrecht einer staatlich anerkannten Ersatzschule ist &ouml;ffentlich-rechtlicher Natur. 2. Geht mit der Tr&auml;gerschaft an einer staatlich anerkannten Ersatzschule auch das Pr&uuml;fungs- und Zeugnisrecht &uuml;ber, handelt es sich um den &Uuml;bergang &ouml;ffentlich-rechtlicher Aufgaben i.S. des &sect; 4 Nr. 1 GrEStG. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-40-16-grunderwerbsteuerbefreiung-fuer-kirchlichen-schultraegerwechsel\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">II&nbsp;R&nbsp;40\/16 &#8211; Grunderwerbsteuerbefreiung f&uuml;r kirchlichen Schultr&auml;gerwechsel<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-72145","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72145","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=72145"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72145\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=72145"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=72145"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=72145"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}