{"id":72148,"date":"2020-03-24T12:47:20","date_gmt":"2020-03-24T10:47:20","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=72148"},"modified":"2020-03-24T12:47:20","modified_gmt":"2020-03-24T10:47:20","slug":"ii-r-37-18-dem-verkaeufer-vorbehaltene-nutzungen-als-grunderwerbsteuerrechtliche-gegenleistung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-37-18-dem-verkaeufer-vorbehaltene-nutzungen-als-grunderwerbsteuerrechtliche-gegenleistung\/","title":{"rendered":"II&nbsp;R&nbsp;37\/18 &#8211; Dem Verk&auml;ufer vorbehaltene Nutzungen als grunderwerbsteuerrechtliche Gegenleistung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 5.12.2019, II R 37\/18<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.051219.IIR37.18.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Dem Verk&auml;ufer vorbehaltene Nutzungen als grunderwerbsteuerrechtliche Gegenleistung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>Verpflichtet sich der K&auml;ufer beim Kauf eines Grundst&uuml;cks, dieses dem Verk&auml;ufer ohne angemessenes Entgelt zur Nutzung zu &uuml;berlassen, liegt darin eine Gegenleistung f&uuml;r das Grundst&uuml;ck.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des S&auml;chsischen Finanzgerichts vom 22.06.2017 &#8211; 6 K 1514\/15 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das S&auml;chsische Finanzgericht zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Verfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin) erwarb mit notariell beurkundetem Vertrag vom 09.05.2012 (Kaufvertrag) ein Grundst&uuml;ck vom Verk&auml;ufer. Das als Kulturdenkmal erfasste, park&auml;hnliche Gel&auml;nde war mit acht Geb&auml;uden bebaut, von denen drei (Nr.&nbsp;1a, 2 und 5) genutzt wurden; die anderen befanden sich in schlechtem baulichen Zustand und standen leer. In &sect;&nbsp;2 des Kaufvertrags r&auml;umte die Kl&auml;gerin dem Verk&auml;ufer das Recht ein, seine bisherige Nutzung der Geb&auml;ude&nbsp;2 und 5 zun&auml;chst f&uuml;r 30&nbsp;Jahre unentgeltlich fortzusetzen. &sect;&nbsp;4 des Kaufvertrags lautet:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table class=\"Rsp\">\n<tr>\n<th colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\"><\/th>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">&quot;Kaufpreis, Verpflichtung des Verk&auml;ufers<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">Objektiv wird festgestellt, dass das Grundst&uuml;ck mit einer Vielzahl alter Bausubstanz sowie einer maroden Erschlie&szlig;ung belastet ist und sich im &Uuml;brigen zu gro&szlig;en Teilen in einem schlechten Gesamtzustand befindet. Das Grundst&uuml;ck ist daher insgesamt mit einem negativen Kaufpreis zu bewerten. Aus diesem Grunde bestimmen die Vertragsparteien keinen Kaufpreis.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td colspan=\"1\" rowspan=\"1\" valign=\"top\">\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:left\">Der Verk&auml;ufer verpflichtet sich f&uuml;r die Abl&ouml;sung aufgezeigter &#8218;Lasten&#8216; des Grundst&uuml;cks zur Zahlung eines einmaligen Geldbetrages in H&ouml;he von 100.000&nbsp;Euro &#8230; an den K&auml;ufer. &#8230;&quot;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionskl&auml;ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) setzte mit Bescheid vom 13.11.2013 Grunderwerbsteuer fest und zog dabei einen nach &sect;&nbsp;138 des Bewertungsgesetzes gesondert festgestellten Grundbesitzwert als Bemessungsgrundlage heran.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf den Einspruch hin legte das FA der Besteuerung stattdessen den Kapitalwert der dem Verk&auml;ufer vorbehaltenen Nutzungen als Gegenleistung zugrunde, den es mit 620.018&nbsp;EUR bezifferte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Klageverfahren nahm das FA eine geringere zur Nutzung &uuml;berlassene Grundst&uuml;cksfl&auml;che an. Der Nutzungswert als Bemessungsgrundlage der Grunderwerbsteuer sei daher auf 491.462,20&nbsp;EUR herabzusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf den &#8211;protokollierten und deshalb ma&szlig;gebenden&#8211; Antrag der Kl&auml;gerin, den Grunderwerbsteuerbescheid dahingehend zu &auml;ndern, dass die Steuer auf 0&nbsp;EUR festgesetzt wird, hob das Finanzgericht (FG) den Bescheid auf. Die Steuer sei nach dem Wert der Gegenleistung zu bemessen. Diese betrage 0&nbsp;EUR. Die Vertragsparteien h&auml;tten einen Kaufpreis von .\/.&nbsp;100.000&nbsp;EUR festgelegt, da sie mit Abbruchkosten gerechnet h&auml;tten, die &quot;den Wert des Grund und Bodens und der noch nutzbaren Geb&auml;udeteile sowie des 30-j&auml;hrigen Nutzungsrechts&quot; &uuml;berstiegen. Von erwarteten Kosten in H&ouml;he von ca. 500.000&nbsp;EUR sei lediglich ein Anteil von 80&nbsp;% durch F&ouml;rdermittel gedeckt gewesen. Deshalb habe sich der Verk&auml;ufer &quot;auf einen negativen Kaufpreis eingelassen &#8230;, obwohl er ein 30-j&auml;hriges Nutzungsrecht an den Geb&auml;uden&nbsp;2 und 5 erhalten hat&quot;. Das Urteil ist in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2019, 1327 ver&ouml;ffentlicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision macht das FA eine Verletzung von &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 des Grunderwerbsteuergesetzes (GrEStG) und der &sect;&sect;&nbsp;133, 157 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs (BGB) geltend. Bei der Bestimmung der Gegenleistung habe das FG das dem Verk&auml;ufer vorbehaltene Nutzungsrecht au&szlig;er Acht gelassen. Allerdings sei die Zuzahlung des Verk&auml;ufers in H&ouml;he von 100.000&nbsp;EUR in Abzug zu bringen, die Bemessungsgrundlage daher mit 391.462,20&nbsp;EUR anzusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Vorentscheidung aufzuheben und die Klage, soweit nicht eine Herabsetzung der Bemessungsgrundlage auf 391.462,20&nbsp;EUR zugesagt wurde, abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat &sect;&nbsp;8 Abs.&nbsp;1 i.V.m. &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 GrEStG verletzt, indem es die dem Verk&auml;ufer vorbehaltenen Nutzungen nicht in die Bemessungsgrundlage f&uuml;r die Grunderwerbsteuer einbezogen hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;8 Abs.&nbsp;1 GrEStG bemisst sich die Grunderwerbsteuer grunds&auml;tzlich nach dem Wert der Gegenleistung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Was zur Gegenleistung geh&ouml;rt, bestimmt &sect;&nbsp;9 GrEStG, der eine Legaldefinition des Begriffs enth&auml;lt und &#8211;zusammen mit &sect;&nbsp;8 Abs.&nbsp;1 GrEStG&#8211; darauf abzielt, die Gegenleistung so umfassend wie m&ouml;glich zu erfassen (Begr&uuml;ndung zum GrEStG 1940, RStBl&nbsp;1940, 387, 405; vgl. Beschl&uuml;sse des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 02.03.2011&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;23\/10, BFHE 232, 358, BStBl&nbsp;II 2011, 932, Rz&nbsp;17, und vom 02.03.2011&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;64\/08, BFH\/NV 2011, 1009, Rz&nbsp;21). Dem Grunderwerbsteuergesetz liegt ein eigenst&auml;ndiger, &uuml;ber das b&uuml;rgerlich-rechtliche Verst&auml;ndnis hinausgehender Gegenleistungsbegriff zugrunde (vgl. BFH-Urteile vom 16.02.1977&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;89\/74, BFHE 122, 338, BStBl&nbsp;II 1977, 671, unter 2., und vom 08.09.2010&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;28\/09, BFHE 231, 244, BStBl&nbsp;II 2011, 227, Rz&nbsp;14).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Nach &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 GrEStG gilt als Gegenleistung bei einem Kauf der Kaufpreis einschlie&szlig;lich der vom K&auml;ufer &uuml;bernommenen sonstigen Leistungen und der dem Verk&auml;ufer vorbehaltenen Nutzungen. Nutzungen sind gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;100 BGB u.a. die Vorteile, welche der Gebrauch der Sache oder des Rechts gew&auml;hrt. Sie geb&uuml;hren nach &sect;&nbsp;446 Satz&nbsp;2 BGB von der &Uuml;bergabe der Sache an dem K&auml;ufer. Wird die Norm vertraglich abbedungen, bel&auml;sst der Grundst&uuml;cksk&auml;ufer also die Nutzungen dem Verk&auml;ufer &uuml;ber diesen Zeitpunkt hinaus, liegt darin ein geldwerter Vorteil, den der K&auml;ufer f&uuml;r den Erwerb der Sache hingibt. Dies rechtfertigt die Einbeziehung der dem Verk&auml;ufer vorbehaltenen Nutzungen in die Gegenleistung (vgl. Begr&uuml;ndung zum GrEStG 1940, RStBl&nbsp;1940, 387, 406; FG Baden-W&uuml;rttemberg, Urteil vom 13.11.1981&nbsp;&#8211; IX&nbsp;153\/81, IX&nbsp;154\/81, EFG 1982, 428; Loose in Boruttau, Grunderwerbsteuergesetz, 19.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;9 Rz&nbsp;231; Pahlke, Grunderwerbsteuergesetz, Kommentar, 6.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;9 Rz&nbsp;104; Hofmann, Grunderwerbsteuergesetz, Kommentar, 11.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;9 Rz&nbsp;28; Konrad in Behrens\/Wachter, Grunderwerbsteuergesetz, &sect;&nbsp;9 Rz&nbsp;154; Jochum in Wilms\/Jochum, ErbStG\/BewG\/GrEStG, &sect;&nbsp;9 GrEStG Rz&nbsp;64; im Ergebnis auch BFH-Urteil vom 06.12.1989&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;95\/86, BFHE 159, 255, BStBl&nbsp;II 1990, 186, unter 1.c).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Wenn jedoch der Grundst&uuml;cksverk&auml;ufer die vorbehaltenen Nutzungen angemessen verg&uuml;tet, liegt in der Nutzungs&uuml;berlassung keine Gegenleistung f&uuml;r das Grundst&uuml;ck i.S. von &sect;&nbsp;8 Abs.&nbsp;1, &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 GrEStG (&auml;hnlich BFH-Urteil vom 06.12.2017&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;55\/15, BFHE 261, 58, BStBl&nbsp;II 2018, 406, Rz&nbsp;13).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) F&uuml;r die Bestimmung der Gegenleistung ist nicht ma&szlig;gebend, was die Vertragschlie&szlig;enden als Gegenleistung f&uuml;r das Grundst&uuml;ck&nbsp;&nbsp;bezeichnen, sondern zu welchen Leistungen sie sich tats&auml;chlich verpflichtet haben (BFH-Urteil in BFHE 231, 244, BStBl&nbsp;II 2011, 227, Rz&nbsp;14). Ob sich der Verk&auml;ufer Nutzungen ohne angemessenes Entgelt vorbehalten hat, ist durch Auslegung des Kaufvertrags zu ermitteln. Die Auslegung von Vertr&auml;gen und Willenserkl&auml;rungen geh&ouml;rt zum Bereich der tats&auml;chlichen Feststellungen und bindet den BFH gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO, wenn sie den Grunds&auml;tzen der &sect;&sect;&nbsp;133, 157 BGB entspricht und nicht gegen Denkgesetze und Erfahrungss&auml;tze verst&ouml;&szlig;t, d.h. jedenfalls m&ouml;glich ist. Das Revisionsgericht pr&uuml;ft, ob das FG die gesetzlichen Auslegungsregeln sowie die Denkgesetze und Erfahrungss&auml;tze beachtet und die f&uuml;r die Vertragsauslegung bedeutsamen Begleitumst&auml;nde erforscht und rechtlich zutreffend gew&uuml;rdigt hat. Dagegen ist die rechtliche Einordnung des von den Vertragspartnern Gewollten am Ma&szlig;stab der jeweils einschl&auml;gigen Normen f&uuml;r das Revisionsgericht nicht nach &sect;&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO bindend, sondern in vollem Umfang nachpr&uuml;fbare Rechtsanwendung (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. BFH-Urteil vom 30.01.2019&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;26\/17, BFHE 264, 47, Rz&nbsp;31).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Nach diesen Ma&szlig;st&auml;ben tragen die Feststellungen des FG nicht den Schluss, dass die dem Verk&auml;ufer vorbehaltenen Nutzungen nicht in die Bemessungsgrundlage nach &sect;&nbsp;8 Abs.&nbsp;1 GrEStG i.V.m. &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 GrEStG einzubeziehen seien.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;4 des Kaufvertrags hat die Kl&auml;gerin als K&auml;uferin des Grundst&uuml;cks keinen Kaufpreis zu entrichten; stattdessen hat der Verk&auml;ufer eine Zuzahlung in H&ouml;he von 100.000&nbsp;EUR zu leisten. Hieraus ergibt sich der von der Vorinstanz angenommene Kaufpreis von .\/.&nbsp;100.000&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Daneben hat die Kl&auml;gerin aber in &sect;&nbsp;2 des Kaufvertrags dem Verk&auml;ufer das Recht einger&auml;umt, seine bisherige Nutzung der Geb&auml;ude&nbsp;2 und 5 f&uuml;r 30&nbsp;Jahre unentgeltlich fortzusetzen. Sie hat Nutzungen des Grundst&uuml;cks, die mit dessen &Uuml;bergabe ihr als K&auml;uferin zust&uuml;nden, dem Verk&auml;ufer &uuml;berlassen, ohne von diesem eine Verg&uuml;tung zu erhalten. &quot;Unentgeltlich&quot; bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Kl&auml;gerin vom Verk&auml;ufer kein gesondertes Entgelt f&uuml;r die &Uuml;berlassung der Geb&auml;ude fordert. Der Wert der Nutzungen stellt vielmehr eine &#8211;grunderwerbsteuerrechtliche&#8211; Gegenleistung der Kl&auml;gerin f&uuml;r den Erhalt des Grundst&uuml;cks dar. Soweit die Kl&auml;gerin einwendet, das Nutzungsrecht des Verk&auml;ufers sei in den Leistungsaustausch einbezogen worden, best&auml;tigt sie in der Sache gerade diese Beurteilung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sollte das FG angenommen haben, das Nutzungsrecht sei wertlos, bestehen daf&uuml;r keine Anhaltspunkte. Nach den im Urteil getroffenen Feststellungen geh&ouml;ren die dem Verk&auml;ufer &uuml;berlassenen Geb&auml;ude gerade nicht zu denen, die sich zum Zeitpunkt des Erwerbs in schlechtem Zustand befanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Bemessungsgrundlage i.S. von &sect;&nbsp;8 Abs.&nbsp;1, &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 GrEStG ist demgem&auml;&szlig; der Wert der Nutzungen abz&uuml;glich der Zuzahlung des Verk&auml;ufers in H&ouml;he von 100.000&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Sache ist nicht spruchreif. Das FG wird im zweiten Rechtsgang Feststellungen zum Umfang der dem Verk&auml;ufer vorbehaltenen Nutzungen zu treffen und das Nutzungsrecht zu bewerten haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die &Uuml;bertragung der Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Verfahrens beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 5.12.2019, II R 37\/18ECLI:DE:BFH:2019:U.051219.IIR37.18.0 Dem Verk&auml;ufer vorbehaltene Nutzungen als grunderwerbsteuerrechtliche Gegenleistung Leits&auml;tze Verpflichtet sich der K&auml;ufer beim Kauf eines Grundst&uuml;cks, dieses dem Verk&auml;ufer ohne angemessenes Entgelt zur Nutzung zu &uuml;berlassen, liegt darin eine Gegenleistung f&uuml;r das Grundst&uuml;ck. 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