{"id":72150,"date":"2020-03-24T12:47:17","date_gmt":"2020-03-24T10:47:17","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=72150"},"modified":"2020-03-24T12:47:17","modified_gmt":"2020-03-24T10:47:17","slug":"ix-r-1-19-vertrauensschutz-bei-der-anwendung-der-bisherigen-rechtsprechungsgrundsaetze-zur-beruecksichtigung-von-nachtraeglichen-anschaffungskosten-aus-eigenkapitalersetzenden-finanzierungshilfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-1-19-vertrauensschutz-bei-der-anwendung-der-bisherigen-rechtsprechungsgrundsaetze-zur-beruecksichtigung-von-nachtraeglichen-anschaffungskosten-aus-eigenkapitalersetzenden-finanzierungshilfen\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;1\/19 &#8211; Vertrauensschutz bei der Anwendung der bisherigen Rechtsprechungsgrunds&auml;tze zur Ber&uuml;cksichtigung von nachtr&auml;glichen Anschaffungskosten aus eigenkapitalersetzenden Finanzierungshilfen"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 10.12.2019, IX R 1\/19<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.101219.IXR1.19.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Vertrauensschutz bei der Anwendung der bisherigen Rechtsprechungsgrunds&auml;tze zur Ber&uuml;cksichtigung von nachtr&auml;glichen Anschaffungskosten aus eigenkapitalersetzenden Finanzierungshilfen<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>NV: Die bis zum Senatsurteil vom 11.07.2017 &#8211; IX R 36\/15 (BFHE 258, 427, BStBl II 2019, 208) anerkannten Grunds&auml;tze zur Ber&uuml;cksichtigung von nachtr&auml;glichen Anschaffungskosten aus eigenkapitalersetzenden Finanzierungshilfen sind weiter anzuwenden, wenn der Gesellschafter eine eigenkapitalersetzende Finanzierungshilfe bis zum 27.09.2017 geleistet hatte oder wenn eine Finanzierungshilfe des Gesellschafters bis zu diesem Tag eigenkapitalersetzend geworden war (Best&auml;tigung der Rechtsprechung).<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision der Kl&auml;ger wird der Gerichtsbescheid des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 13.12.2018 &#8211; 3 K 3207\/17 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht Berlin-Brandenburg zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Verfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Streitig ist die Ber&uuml;cksichtigung ausgefallener Gesellschafterdarlehen als nachtr&auml;gliche Anschaffungskosten auf eine Beteiligung i.S. des &sect;&nbsp;17 des Einkommensteuergesetzes (EStG) sowie die Gew&auml;hrung von Vertrauensschutz nach Ma&szlig;gabe des Urteils des Bundesfinanzhofs (BFH) vom 11.07.2017&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;36\/15 (BFHE 258, 427, BStBl II 2019, 208).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) werden zusammen zur Einkommensteuer veranlagt. Die Kl&auml;gerin war Alleingesellschafterin der &#8230; GmbH (GmbH), der sie bereits im Jahr 2008 ein Darlehen gew&auml;hrt hatte. Mit notariellem Vertrag vom 15.08.2014 ver&auml;u&szlig;erte die Kl&auml;gerin ihre Beteiligung; ein Kaufpreis wurde nicht vereinbart. Den am 06.11.2014 von einer Gesellschaftsgl&auml;ubigerin gestellten Antrag auf Er&ouml;ffnung des Insolvenzverfahrens &uuml;ber das Verm&ouml;gen der GmbH lehnte das zust&auml;ndige Insolvenzgericht am 17.04.2015 mangels Masse ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2014 vom 09.06.2017 ber&uuml;cksichtigte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) allein die von der Kl&auml;gerin geleistete Stammeinlage unter Ber&uuml;cksichtigung des Teileink&uuml;nfteverfahrens mit 30.000&nbsp;EUR als Verlust i.S. des &sect;&nbsp;17 EStG. Hingegen lie&szlig; es einen Abzug der ausgefallenen Gesellschafterdarlehen nicht zu. Mit Einspruchsentscheidung vom 14.11.2017 wies das FA den Einspruch der Kl&auml;ger als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck und machte geltend, dass es sich bei den Gesellschafterdarlehen um in der Krise (im Jahr 2013) stehen gelassene Darlehen handele, deren Teilwert bei Eintritt der Krise im Hinblick auf die faktische &Uuml;berschuldung der Gesellschaft mit 0&nbsp;EUR anzusetzen sei.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die dagegen gerichtete Klage, mit der sich die Kl&auml;ger auf die Krisenbestimmtheit der Gesellschafterdarlehen bzw. die Werthaltigkeit der Darlehensforderungen bei Eintritt der Krise beriefen und einen Verlust in H&ouml;he von 319.689&nbsp;EUR geltend machten, wies das Finanzgericht (FG) mit seinem Gerichtsbescheid vom 13.12.2018 als unbegr&uuml;ndet ab. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrte das FG aus, verlorene Gesellschafterdarlehen k&ouml;nnten im Streitjahr nicht mehr als nachtr&auml;gliche Anschaffungskosten auf die Beteiligung angesehen werden, weil die tradierten Rechtsgrunds&auml;tze zum Ausfall von Gesellschafterdarlehen nicht mehr anzuwenden seien, und zwar &#8211;entgegen dem Senatsurteil in BFHE 258, 427, BStBl II 2019, 208&#8211; auch nicht &uuml;bergangsweise. Es bed&uuml;rfe daher keiner Aufkl&auml;rung, ob die Darlehen von vornherein krisenbestimmt gewesen seien, wann die Krise eingetreten sei und welchen Teilwert die Darlehensforderung bei Eintritt der Krise gehabt habe. Zur Begr&uuml;ndung verwies das FG auf sein Urteil vom 18.04.2018&nbsp;&#8211; 3&nbsp;K&nbsp;3138\/15 (Entscheidungen der Finanzgerichte 2018, 1366).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gen die Kl&auml;ger (sinngem&auml;&szlig;) eine Verletzung von &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 EStG bzw. &sect;&nbsp;255 Abs.&nbsp;1 des Handelsgesetzbuchs (HGB). Sie teilten die Auffassung der Vorinstanz, wonach der BFH nicht zur Gew&auml;hrung von Vertrauensschutz befugt sei, nicht. Es gehe nicht um Rechtssetzung, sondern um eine &Auml;nderung der Rechtsprechung. Das Eigenkapitalersatzrecht habe erst durch die Rechtsprechung des BFH seine Wirkung im Steuerrecht entfaltet; dann sei es aber auch Sache des BFH, die ge&auml;nderten Zivilrechtsnormen, mit denen der Gesetzgeber keine &Auml;nderung des Steuerrechts habe herbeif&uuml;hren wollen, einer neuen steuerlichen Beurteilung zuzuf&uuml;hren. Dabei stehe es ihm frei festzulegen, dass die Rechtsprechungs&auml;nderung ihre Wirkung erst nach der Ver&ouml;ffentlichung des Urteils entfalten solle.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im &Uuml;brigen seien Finanzmittel, die der Gesellschafter seiner GmbH zuf&uuml;hre, grunds&auml;tzlich &#8211;ungeachtet ihrer Qualifikation als eigenkapitalersetzend&#8211; als nachtr&auml;gliche Anschaffungskosten auf die Beteiligung i.S. des &sect;&nbsp;255 Abs.&nbsp;1 HGB anzusehen. Ein Gesellschafter, der seiner (personenbezogenen) Kapitalgesellschaft Finanzmittel zuf&uuml;hre, mache dies in erster Linie mit R&uuml;cksicht auf das Gesellschaftsverh&auml;ltnis. Dies gelte auch im Hinblick auf B&uuml;rgschaften, die &uuml;bernommen w&uuml;rden, damit die nicht &uuml;ber ausreichende Sicherheiten verf&uuml;gende GmbH Darlehen bei einer Bank aufnehmen k&ouml;nne. Dies zeige auch ein Blick auf die &#8211;gesellschaftsrechtlich veranlasste&#8211; verdeckte Gewinnaussch&uuml;ttung i.S. des &sect;&nbsp;8 Abs.&nbsp;3 des K&ouml;rperschaftsteuergesetzes (KStG) bzw. die verdeckte Einlage. Letztere sei auf dem steuerlichen Einlagekonto i.S. des &sect;&nbsp;27 KStG auszuweisen und gesondert festzustellen; auf Seiten des Gesellschafters handele es sich um nachtr&auml;gliche Anschaffungskosten auf seine Beteiligung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;ger beantragen,<br \/>den angefochtenen Gerichtsbescheid aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid f&uuml;r 2014 vom 09.06.2017 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 14.11.2017 dahingehend abzu&auml;ndern, dass der Ver&auml;u&szlig;erungsverlust der Kl&auml;gerin i.S. von &sect;&nbsp;17 EStG mit 319.689&nbsp;EUR ber&uuml;cksichtigt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrt das FA aus, es teile die Ansicht des FG, dass die tradierten Rechtsprechungsgrunds&auml;tze nicht &uuml;bergangsweise anzuwenden seien. Wenn der BFH im ersten Leitsatz seines Urteils in BFHE 258, 427, BStBl II 2019, 208 ausf&uuml;hre, dass mit der Aufhebung des Eigenkapitalersatzrechts die gesetzliche Grundlage f&uuml;r die bisherige Rechtsprechung entfallen sei, gehe daraus hervor, dass der BFH nicht seine Rechtsprechung zu einer fortbestehenden Gesetzeslage ge&auml;ndert, sondern eine neue Rechtslage erstmals einer richterlichen Auslegung unterzogen habe. Durch die Vertrauensschutzregelung habe er die &uuml;berholte Gesetzeslage &uuml;ber einen l&auml;ngeren &Uuml;bergangszeitraum hinaus ausgedehnt. Zwischen dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bek&auml;mpfung von Missbr&auml;uchen vom 23.10.2008 (BGBl I 2008, 2026) am 01.08.2008 [sic] und der Ver&ouml;ffentlichung des BFH-Urteils am 27.09.2017 l&auml;gen &uuml;ber neun Jahre. Je weiter der BFH die Anwendung einer &uuml;berholten Rechtslage ausdehne, desto mehr &auml;hnele sein Handeln einer rechtsetzenden T&auml;tigkeit.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Anforderungen, die der Gro&szlig;e Senat des BFH in seinem Beschluss vom 17.12.2007&nbsp;&#8211; GrS&nbsp;2\/04 (BFHE 220, 129, BStBl II 2008, 608) an die Gew&auml;hrung h&ouml;chstrichterlichen Vertrauensschutzes gestellt habe, seien vorliegend nicht erf&uuml;llt. Es fehle an einer Abkehr von einer st&auml;ndigen h&ouml;chstrichterlichen Rechtsprechung bei gleichbleibender Gesetzeslage.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ungeachtet dessen w&auml;re die Klage auch nach alter Rechtslage abzuweisen, da keine eigenkapitalersetzenden Darlehen gegeben seien. Die Darlehen seien zu Beginn der Gesellschaft bzw. laufend seit 2008 gew&auml;hrt und in der Krise stehen gelassen worden. Die Krise d&uuml;rfte im Jahr 2013 (Inhaftierung des Gesch&auml;ftsf&uuml;hrers, Umsatzr&uuml;ckgang, Einbruch in Lager und B&uuml;ror&auml;ume mit Vandalismus) eingetreten sein. Der gemeine Wert der Darlehensforderung bei Eintritt der Krise habe mit Blick auf die faktische &Uuml;berschuldung der Gesellschaft 0&nbsp;EUR betragen. Die Realisierung des R&uuml;ckforderungsanspruchs sei nicht mehr m&ouml;glich gewesen. Daher habe die Kl&auml;gerin keine Finanzierungsentscheidung zugunsten der Gesellschaft getroffen. Davon sei auch das FG in seiner vorl&auml;ufigen Einsch&auml;tzung vom 30.11.2017 ausgegangen. Dar&uuml;ber hinaus habe es bis zuletzt an konkreten Nachweisen f&uuml;r die Darlehen gefehlt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung des angefochtenen Gerichtsbescheids und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zu Unrecht hat das FG angenommen, dass die bis zum Senatsurteil in BFHE 258, 427, BStBl II 2019, 208 anerkannten Grunds&auml;tze zur Ber&uuml;cksichtigung von nachtr&auml;glichen Anschaffungskosten aus eigenkapitalersetzenden Finanzierungshilfen auch dann nicht weiter anzuwenden sind, wenn der Gesellschafter eine eigenkapitalersetzende Finanzierungshilfe bis zum 27.09.2017 geleistet hatte oder wenn eine Finanzierungshilfe des Gesellschafters bis zu diesem Tage eigenkapitalersetzend geworden war (dazu unter 1.). Allerdings reichen die Feststellungen des FG nicht aus, um beurteilen zu k&ouml;nnen, ob im Streitfall nach Ma&szlig;gabe der zuvor genannten Grunds&auml;tze von nachtr&auml;glichen Anschaffungskosten der Kl&auml;gerin auszugehen ist (dazu unter 2.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach Ansicht der Vorinstanz k&ouml;nnen verlorene Gesellschafterdarlehen im Streitjahr 2014 nicht mehr als nachtr&auml;gliche Anschaffungskosten auf die Beteiligung angesehen werden, weil die tradierten Rechtsgrunds&auml;tze zum Ausfall von Gesellschafterdarlehen nicht mehr anzuwenden sind, und zwar &#8211;entgegen dem Senatsurteil in BFHE 258, 427, BStBl II 2019, 208&#8211; auch nicht &uuml;bergangsweise. Dies h&auml;lt revisionsrechtlicher &Uuml;berpr&uuml;fung nicht stand. Vielmehr h&auml;lt der Senat daran fest, dass die Grunds&auml;tze zur Ber&uuml;cksichtigung von nachtr&auml;glichen Anschaffungskosten aus eigenkapitalersetzenden Finanzierungshilfen vor&uuml;bergehend weiter anzuwenden sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) F&uuml;r die H&ouml;he der (nachtr&auml;glichen) Anschaffungskosten kommt es im Streitfall auf den unter Geltung des Eigenkapitalersatzrechts zu &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG entwickelten normspezifischen Anschaffungskostenbegriff an. Denn die streitgegenst&auml;ndlichen Darlehen sind bis zum Tag der Ver&ouml;ffentlichung des Senatsurteils in BFHE 258, 427, BStBl II 2019, 208 am 27.09.2017 geleistet worden bzw. (ggf.) eigenkapitalersetzend geworden. Die Kl&auml;ger k&ouml;nnen daher Vertrauensschutz f&uuml;r sich beanspruchen (vgl. Senatsurteil in BFHE 258, 427, BStBl II 2019, 208, Rz&nbsp;40&nbsp;ff.). An dieser Rechtsprechung h&auml;lt der Senat &#8211;wie zuletzt mit Urteil vom 02.07.2019&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;13\/18 (BFHE 265, 333) entschieden&#8211; fest.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die von der Vorinstanz angef&uuml;hrten (erg&auml;nzenden) Argumente rechtfertigen keine andere Beurteilung. Wie im Urteil in BFHE 265, 333 dargelegt, hat der Senat seine langj&auml;hrige Rechtsprechung bei unver&auml;ndertem Wortlaut der steuerrechtlichen Norm des &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG ge&auml;ndert und versch&auml;rft. In einer solchen Situation kann die Rechtsprechung ausnahmsweise typisierenden Vertrauensschutz gew&auml;hren, ohne dass deshalb ein Versto&szlig; gegen den Grundsatz der Gewaltenteilung anzunehmen ist (vgl. Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH in BFHE 220, 129, BStBl II 2008, 608, dort beginnend unter D.IV.2.b). Die zivilrechtliche Aufhebung des Eigenkapitalersatzrechts ist insofern nur mittelbar von Bedeutung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Vor diesem Hintergrund kann im Streitfall &#8211;entgegen der Ansicht der Kl&auml;ger&#8211; nicht offenbleiben, ob die gew&auml;hrten Gesellschafterdarlehen eigenkapitalersetzenden Charakter hatten. Wie der Senat in seinem Urteil in BFHE 258, 427, BStBl II 2019, 208 (Rz&nbsp;35&nbsp;ff.) entschieden hat, kommt eine umfassende Ber&uuml;cksichtigung s&auml;mtlicher Beteiligungsaufwendungen im Hinblick auf die R&uuml;ckkehr zu einem handelsrechtlich gepr&auml;gten Begriffsverst&auml;ndnis der Anschaffungskosten (&sect;&nbsp;255 Abs.&nbsp;1 HGB) nicht in Betracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Die Sache ist nicht spruchreif. Die Feststellungen des FG versetzen den Senat nicht in die Lage zu beurteilen, ob die in Streit stehenden Gesellschafterdarlehen der Kl&auml;gerin nach Ma&szlig;gabe des unter der Geltung des Eigenkapitalersatzrechts zu &sect;&nbsp;17 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG entwickelten normspezifischen Anschaffungskostenbegriffs als nachtr&auml;gliche Anschaffungskosten auf die GmbH-Beteiligung anzusehen sind. Die Vorinstanz hat auf die betreffenden Feststellungen &#8211;im Hinblick auf ihren Rechtsstandpunkt zu Recht&#8211; verzichtet. Daher wird das FG die notwendigen Feststellungen nachzuholen haben. Die Sache ist zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zur&uuml;ckzuverweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Nur erg&auml;nzend weist der Senat &#8211;ohne Bindung&#8211; darauf hin, dass bei der Beurteilung der H&ouml;he der ausgefallenen Gesellschafterdarlehen die Senatsrechtsprechung zur Indizwirkung eines festgestellten Jahresabschlusses zu beachten sein wird. Danach ist es f&uuml;r die Besteuerung von Bedeutung, wenn die Gesellschafter einer GmbH durch Feststellung des Jahresabschlusses untereinander und im Verh&auml;ltnis zur Gesellschaft rechtsverbindlich best&auml;tigt haben, dass eine im Jahresabschluss ausgewiesene Verbindlichkeit der Gesellschaft gegen&uuml;ber einem Gesellschafter in der ausgewiesenen H&ouml;he besteht; die Feststellung des Jahresabschlusses spricht dann zumindest indiziell f&uuml;r das Bestehen der Forderung des Gesellschafters gegen die Gesellschaft dem Grunde und der H&ouml;he nach (BFH-Urteil in BFHE 265, 333, Rz&nbsp;18&nbsp;ff.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 10.12.2019, IX R 1\/19ECLI:DE:BFH:2019:U.101219.IXR1.19.0 Vertrauensschutz bei der Anwendung der bisherigen Rechtsprechungsgrunds&auml;tze zur Ber&uuml;cksichtigung von nachtr&auml;glichen Anschaffungskosten aus eigenkapitalersetzenden Finanzierungshilfen Leits&auml;tze NV: Die bis zum Senatsurteil vom 11.07.2017 &#8211; IX R 36\/15 (BFHE 258, 427, BStBl II 2019, 208) anerkannten Grunds&auml;tze zur Ber&uuml;cksichtigung von nachtr&auml;glichen Anschaffungskosten aus eigenkapitalersetzenden Finanzierungshilfen sind weiter anzuwenden, wenn &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-1-19-vertrauensschutz-bei-der-anwendung-der-bisherigen-rechtsprechungsgrundsaetze-zur-beruecksichtigung-von-nachtraeglichen-anschaffungskosten-aus-eigenkapitalersetzenden-finanzierungshilfen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">IX&nbsp;R&nbsp;1\/19 &#8211; Vertrauensschutz bei der Anwendung der bisherigen Rechtsprechungsgrunds&auml;tze zur Ber&uuml;cksichtigung von nachtr&auml;glichen Anschaffungskosten aus eigenkapitalersetzenden Finanzierungshilfen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-72150","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72150","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=72150"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72150\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=72150"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=72150"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=72150"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}