{"id":72183,"date":"2020-03-29T17:45:30","date_gmt":"2020-03-29T15:45:30","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=72183"},"modified":"2020-03-29T17:45:30","modified_gmt":"2020-03-29T15:45:30","slug":"viii-b-180-19-zur-beiladung-im-restitutionsverfahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-b-180-19-zur-beiladung-im-restitutionsverfahren\/","title":{"rendered":"VIII&nbsp;B&nbsp;180\/19 &#8211; Zur Beiladung im Restitutionsverfahren"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 29.1.2020, VIII B 180\/19<br \/>ECLI:DE:BFH:2020:B.290120.VIIIB180.19.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Zur Beiladung im Restitutionsverfahren<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>NV: Wird mit der Restitutionsklage die Wiederaufnahme eines Verfahrens angestrebt, in dem eine Beiladung erfolgt war, so ist der Beigeladene im Restitutionsverfahren nicht (nochmals) gem&auml;&szlig; &sect; 60 Abs. 3 FGO notwendig beizuladen. Mit der Beantragung der Wiederaufnahme des urspr&uuml;nglichen Verfahrens lebt die Beteiligtenstellung des Beigeladenen wieder auf, da die Entscheidung auch ihm gegen&uuml;ber rechtliche Wirkung entfaltet hat. Der Beigeladene ist daher ohne Weiteres Beteiligter des Wiederaufnahmeverfahrens.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Beschwerde des Kl&auml;gers wird der Beschluss des Finanzgerichts M&uuml;nster vom 03.12.2019 &#8211; 10 K 595\/19 F aufgehoben.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das beim Finanzgericht (FG) unter dem Aktenzeichen 10&nbsp;K&nbsp;595\/19&nbsp;F gef&uuml;hrte Verfahren betrifft eine vom Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) erhobene Restitutionsklage (&sect;&nbsp;134 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;, &sect;&sect;&nbsp;578, 580 der Zivilprozessordnung &#8211;ZPO&#8211;). Ziel dieser Klage ist die Wiederaufnahme des unter dem Aktenzeichen 10&nbsp;K&nbsp;4073\/14&nbsp;F gef&uuml;hrten Verfahrens betreffend die gesonderte und einheitliche Feststellung von Besteuerungsgrundlagen 2007 bis 2011, in dem das FG Herrn A beigeladen hatte. Das FG hat die unter dem Aktenzeichen 10&nbsp;K&nbsp;4073\/14&nbsp;F gef&uuml;hrte Klage mit Urteil vom 28.04.2017 abgewiesen. Die hiergegen gerichtete Nichtzulassungsbeschwerde des Kl&auml;gers blieb ohne Erfolg (Senatsbeschluss vom 15.02.2018&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;135\/17).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger hat gegen das Urteil des FG vom 28.04.2017&nbsp;&#8211; 10&nbsp;K&nbsp;4073\/14&nbsp;F Nichtigkeitsklage erhoben. Das FG hat auch in diesem Verfahren, das unter dem Aktenzeichen 10&nbsp;K&nbsp;2628\/18&nbsp;F gef&uuml;hrt wurde, Herrn A beigeladen. Die hiergegen gerichtete Beschwerde des Kl&auml;gers hat der Bundesfinanzhof (BFH) wegen Verfristung als unzul&auml;ssig verworfen (Senatsbeschluss vom 06.05.2019&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;9\/19). Auch die gegen das die Nichtigkeitsklage (10&nbsp;K&nbsp;2628\/18&nbsp;F) abweisende Urteil des FG vom 24.01.2019 gerichtete Nichtzulassungsbeschwerde des Kl&auml;gers war erfolglos (Senatsbeschluss vom 06.05.2019&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;36\/19).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In dem unter dem Aktenzeichen 10&nbsp;K&nbsp;595\/19&nbsp;F gef&uuml;hrten Verfahren (Restitutionsklage) hat der Berichterstatter mit Beschluss vom 03.12.2019 Herrn A gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;60 Abs.&nbsp;3 FGO notwendig beigeladen. Zur Begr&uuml;ndung wird ausgef&uuml;hrt, dass im Streitfall die dem durch das rechtskr&auml;ftige Urteil des FG vom 28.04.2017 beendeten Verfahren 10&nbsp;K&nbsp;4073\/14&nbsp;F &#8211;dessen Wiederaufnahme der Kl&auml;ger begehre&#8211; zugrundeliegenden Feststellungsbescheide 2007 bis 2011 nur einheitlich gegen&uuml;ber dem Kl&auml;ger und dem Beigeladenen ge&auml;ndert bzw. f&uuml;r nichtig erkl&auml;rt werden k&ouml;nnten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Schriftsatz vom 09.12.2019 hat der Kl&auml;ger Beschwerde gegen den Beiladungsbeschluss vom 03.12.2019 erhoben. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrt er an, Herr A sei in keiner Weise von dem Rechtsstreit betroffen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat der Beschwerde nicht abgeholfen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde des Kl&auml;gers ist begr&uuml;ndet und f&uuml;hrt zur Aufhebung des Beiladungsbeschlusses des FG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat Herrn A zu Unrecht gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;60 Abs.&nbsp;3 FGO beigeladen. Die Beiladung, die dazu f&uuml;hrt, dass der Beigeladene Verfahrensbeteiligter wird ( &sect;&nbsp;57 Nr.&nbsp;3 FGO), war nicht geboten. Denn Herr A ist auch ohne Beiladung Beteiligter des unter dem Aktenzeichen 10&nbsp;K&nbsp;595\/19&nbsp;F gef&uuml;hrten Verfahrens.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;134 FGO kann ein rechtskr&auml;ftig beendetes Verfahren (hier: 10&nbsp;K&nbsp;4073\/14&nbsp;F) nach den Vorschriften des Vierten Buches der ZPO wieder aufgenommen werden. Die Wiederaufnahme setzt voraus, dass ein Beteiligter Nichtigkeitsklage nach &sect;&nbsp;579 ZPO oder Restitutionsklage nach &sect;&nbsp;580 ZPO erhebt. Ist die Klage zul&auml;ssig und begr&uuml;ndet, wird das Verfahren, soweit es vom Anfechtungsgrund betroffen ist, nach &sect;&nbsp;590 ZPO fortgesetzt, d.h. es wird in die Lage vor dem Erlass des Urteils zur&uuml;ckversetzt. Da das Wiederaufnahmeverfahren prozessual als Fortsetzung des urspr&uuml;nglichen Verfahrens gilt, sind die Beteiligten des Wiederaufnahmeverfahrens grunds&auml;tzlich mit denen des urspr&uuml;nglichen Verfahrens identisch (vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 29.05.2002&nbsp;&#8211; IX&nbsp;B&nbsp;210\/01, BFH\/NV 2002, 1324; BFH-Urteil vom 30.10.1967&nbsp;&#8211; VI&nbsp;K&nbsp;1\/67, BFHE 90, 454, BStBl II 1968, 119). Dies gilt auch in Bezug auf eine im urspr&uuml;nglichen Verfahren beigeladene Person. Diese wird ohne Weiteres Beteiligter des Wiederaufnahmeverfahrens (vgl. z.B. Gr&auml;ber\/Levedag, Finanzgerichtsordnung, 9.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;60 Rz&nbsp;140, m.w.N.). Die Stellung als Verfahrensbeteiligter lebt wieder auf, wenn die Wiederaufnahme des urspr&uuml;nglichen Verfahrens beantragt wird, an dem der Beigeladene beteiligt war, da die Entscheidung auch ihm gegen&uuml;ber rechtliche Wirkung entfaltet hat (vgl. BFH-Beschluss vom 17.10.1990&nbsp;&#8211; I&nbsp;K&nbsp;2\/89, BFH\/NV 1991, 751). Dies gilt auch im Streitfall.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Eine Kostenentscheidung war nicht zu treffen, da die Entscheidung &uuml;ber die Beiladung in einem unselbst&auml;ndigen Zwischenverfahren ergeht (&sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;1 FGO) und die Kosten dieses Nebenverfahrens eine Einheit mit den Kosten des Klageverfahrens bilden (vgl. BFH-Beschluss vom 26.08.2013&nbsp;&#8211; IV&nbsp;B&nbsp;62\/13, BFH\/NV 2013, 1940, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 29.1.2020, VIII B 180\/19ECLI:DE:BFH:2020:B.290120.VIIIB180.19.0 Zur Beiladung im Restitutionsverfahren Leits&auml;tze NV: Wird mit der Restitutionsklage die Wiederaufnahme eines Verfahrens angestrebt, in dem eine Beiladung erfolgt war, so ist der Beigeladene im Restitutionsverfahren nicht (nochmals) gem&auml;&szlig; &sect; 60 Abs. 3 FGO notwendig beizuladen. 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