{"id":72214,"date":"2020-04-05T08:20:16","date_gmt":"2020-04-05T06:20:16","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=72214"},"modified":"2020-04-05T08:20:16","modified_gmt":"2020-04-05T06:20:16","slug":"xi-b-30-19-zur-vorgreiflichkeit-der-entscheidung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/xi-b-30-19-zur-vorgreiflichkeit-der-entscheidung\/","title":{"rendered":"XI&nbsp;B&nbsp;30\/19 &#8211; Zur Vorgreiflichkeit der Entscheidung"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 4.3.2020, XI B 30\/19<br \/>ECLI:DE:BFH:2020:B.040320.XIB30.19.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Zur Vorgreiflichkeit der Entscheidung<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>NV: Wirtschaftliche Interessen (z.B. M&ouml;glichkeit der Aufrechnung mit Erstattungsanspr&uuml;chen) reichen f&uuml;r einen Anspruch auf Aussetzung des Verfahrens nach &sect; 74 FGO nicht aus (Best&auml;tigung der Rechtsprechung).<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Beschwerde des Kl&auml;gers wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Hessischen Finanzgerichts vom 13.03.2019 &#8211; 6 K 1030\/18 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Beschwerdef&uuml;hrer (Kl&auml;ger) ist Eigent&uuml;mer eines mit einem Vorder- und einem Hinterhaus bebauten Grundst&uuml;cks. Das Hinterhaus besteht aus drei Wohnungen, von denen zwei zu Wohnzwecken vermietet sind. Im Vorderhaus hat der Kl&auml;ger R&auml;umlichkeiten unter Ausweis der Umsatzsteuer an einen Imbissbetrieb vermietet. Ferner befindet sich in diesem Objekt noch eine kleine Dachgeschosswohnung, die ebenfalls zu Wohnzwecken vermietet ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Umsatzsteuererkl&auml;rung des Streitjahres 2015 ging beim Beklagten und Beschwerdegegner (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) am 05.05.2017 ein. Danach ergab sich ein Vorsteuer&uuml;berhang von &#8230;&nbsp;EUR. Das FA folgte den Angaben des Kl&auml;gers nicht und setzte die Umsatzsteuer 2015 durch Bescheid vom 17.10.2017 abweichend auf &#8230;&nbsp;EUR fest. Den dagegen eingelegten Einspruch wies das FA mit Einspruchsentscheidung vom 28.05.2018 als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ck. Es war der Ansicht, dass die steuerpflichtig vermietete Fl&auml;che mit 11,81&nbsp;% der Gesamtfl&auml;che zu ber&uuml;cksichtigen sei und nicht &#8211;wie der Kl&auml;ger meint&#8211; mit 14,39&nbsp;%. Die vom Kl&auml;ger ansonsten geltend gemachten vorsteuerbelasteten Kosten seien als Kosten der privaten Lebensf&uuml;hrung nicht abzugsf&auml;hig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das Hessische Finanzgericht (FG) wies mit Urteil vom 13.03.2019&nbsp;&#8211; 6&nbsp;K&nbsp;1030\/18 die Klage ab und lie&szlig; die Revision nicht zu. Es folgte dem Verteilungsschl&uuml;ssel des FA in H&ouml;he von 11,81&nbsp;%. Die Fl&auml;chenanteile des Kl&auml;gers k&ouml;nnten wegen Widerspr&uuml;chen zu anderen Erkl&auml;rungen nicht ber&uuml;cksichtigt werden. Die zur Aufkl&auml;rung angeforderten Nachweise seien nicht vorgelegt worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision macht der Kl&auml;ger geltend, die Revision sei wegen Verfahrensfehlern (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) des FG zuzulassen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde ist unbegr&uuml;ndet. Die geltend gemachten Verfahrensfehler sind teilweise nicht hinreichend i.S. des &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO dargelegt und liegen im &Uuml;brigen nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Es liegt keine Verletzung des rechtlichen Geh&ouml;rs (Art.&nbsp;103 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes &#8211;GG&#8211;, &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;2 FGO, &sect;&nbsp;76 Abs.&nbsp;2 FGO) vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Anspruch auf rechtliches Geh&ouml;r umfasst das Recht der Verfahrensbeteiligten, sich vor Erlass einer Entscheidung zu den entscheidungserheblichen Tatsachen und &#8211;gegebenenfalls&#8211; Beweisergebnissen zu &auml;u&szlig;ern, sowie in rechtlicher Hinsicht alles vorzutragen, was sie f&uuml;r wesentlich halten (vgl. u.a. Beschl&uuml;sse des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 10.12.2012&nbsp;&#8211; VI&nbsp;B&nbsp;135\/12, BFH\/NV 2013, 569, Rz&nbsp;6; vom 15.05.2019&nbsp;&#8211; IX&nbsp;B&nbsp;105\/18, BFH\/NV 2019, 922, Rz&nbsp;7, m.w.N.). Dar&uuml;ber hinaus gebietet es der Anspruch auf rechtliches Geh&ouml;r, f&uuml;r die Prozessbeteiligten &uuml;berraschende Entscheidungen zu unterlassen. Eine &Uuml;berraschungsentscheidung liegt vor, wenn das FG sein Urteil auf einen bis dahin nicht er&ouml;rterten Gesichtspunkt st&uuml;tzt und dem Rechtsstreit eine Wendung gibt, mit der auch ein gewissenhafter und kundiger Prozessbeteiligter selbst unter Ber&uuml;cksichtigung der Vielzahl vertretener Rechtsauffassungen nach dem bisherigen Verlauf der Verhandlungen nicht rechnen musste. Dies kann u.a. der Fall sein, wenn ein entscheidungserheblicher Umstand vom FG erst mit dem Endurteil in das Verfahren eingebracht wird (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 23.10.2015&nbsp;&#8211; IX&nbsp;B&nbsp;92\/15, BFH\/NV 2016, 217, Rz&nbsp;2; in BFH\/NV 2019, 922, Rz&nbsp;7).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Danach liegt im Streitfall keine &Uuml;berraschungsentscheidung vor; denn nach dem berichtigten Protokoll (s. Beschluss des FG vom 29.04.2019) hat das FG die Prozessbevollm&auml;chtigte darauf hingewiesen, dass wegen einer Vorlage von Belegen eine Vertagung der m&uuml;ndlichen Verhandlung nicht in Betracht komme. Es war somit der Prozessbevollm&auml;chtigten bekannt, dass das FG nicht beabsichtigt hatte, weitere Ermittlungen in dieser Hinsicht vorzunehmen, so dass von einer verbotenen &Uuml;berraschungsentscheidung des FG nicht ausgegangen werden kann. &Uuml;berdies wurde der Prozessbevollm&auml;chtigten vom FG mit Verf&uuml;gung vom 11.01.2019 aufgegeben, die streitigen Vorsteuerbetr&auml;ge nachzuweisen und zu den vom FA vorgelegten kl&auml;gerischen Materialien, die zur Sch&auml;tzung des streitbefangenen Vorsteueransatzes gef&uuml;hrt haben, Stellung zu nehmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der rechtskundig vertretene Kl&auml;ger hatte daher in der m&uuml;ndlichen Verhandlung und vorher hinreichend Gelegenheit, sich hierzu zu &auml;u&szlig;ern und im Rahmen der ihm obliegenden Feststellungslast darzulegen, dass sich aus den noch vorzulegenden Belegen ein anderer Vorsteueransatz ergibt. Da die Prozessbevollm&auml;chtigte insoweit beim FG &quot;r&uuml;gelos&quot; zur Sache verhandelt hat, hat der Kl&auml;ger dar&uuml;ber hinaus sein verfahrensfehlerbezogenes R&uuml;gerecht verloren (&sect;&nbsp;155 Satz&nbsp;1 FGO i.V.m. &sect;&nbsp;295 der Zivilprozessordnung; vgl. allgemein BFH-Beschl&uuml;sse vom 07.10.2010&nbsp;&#8211; IX&nbsp;B&nbsp;83\/10, BFH\/NV 2011, 61, Rz&nbsp;4; in BFH\/NV 2016, 217, Rz&nbsp;4).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Soweit der Kl&auml;ger eine Verletzung der dem FG obliegenden Sachaufkl&auml;rungspflicht nach &sect;&nbsp;76 Abs.&nbsp;1 FGO r&uuml;gt, weil sich das FG ohne Sachaufkl&auml;rung der Behauptung des FA zum Aufteilungsschl&uuml;ssel angeschlossen habe, hat seine Beschwerde ebenfalls keinen Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Sachaufkl&auml;rungspflicht dient dazu, die Spruchreife der Klage herbeizuf&uuml;hren. Somit hat das FG nur das aufzukl&auml;ren, was aus seiner materiell-rechtlichen Sicht entscheidungserheblich ist (vgl. z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 05.08.2011&nbsp;&#8211; III&nbsp;B&nbsp;144\/10, BFH\/NV 2011, 1915, Rz&nbsp;8; vom 18.07.2012&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;99\/11, BFH\/NV 2012, 1818, Rz&nbsp;6; vom 12.10.2012&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;51\/12, BFH\/NV 2013, 220, Rz&nbsp;10). Um einen Sachaufkl&auml;rungsmangel hinreichend darzulegen, h&auml;tte der fachkundig vertretene Kl&auml;ger vortragen m&uuml;ssen, welche konkreten Tatsachen das FG habe aufkl&auml;ren und welche genau bezeichneten Beweise es von Amts wegen habe erheben m&uuml;ssen, weshalb er nicht von sich aus entsprechende Beweisantr&auml;ge gestellt hat und weshalb sich die Beweiserhebung dem FG auch ohne besonderen Antrag als erforderlich habe aufdr&auml;ngen m&uuml;ssen und inwieweit die als unterlassen ger&uuml;gte Beweisaufnahme &#8211;auf der Grundlage der materiell-rechtlichen Auffassung des FG&#8211; zu einer anderen Entscheidung h&auml;tte f&uuml;hren k&ouml;nnen (st&auml;ndige Rechtsprechung, z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 29.01.2010&nbsp;&#8211; III&nbsp;B&nbsp;50\/09, BFH\/NV 2010, 919, Rz&nbsp;6; in BFH\/NV 2012, 1818, Rz&nbsp;6; in BFH\/NV 2013, 220, Rz&nbsp;10). Diese Anforderungen erf&uuml;llt die Beschwerdebegr&uuml;ndung nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Sachaufkl&auml;rungsr&uuml;ge ist auch nicht geeignet, Beweisantr&auml;ge oder Fragen zu ersetzen, die ein fachkundig vertretener Beteiligter selbst in zumutbarer Weise in der m&uuml;ndlichen Verhandlung beim FG h&auml;tte stellen k&ouml;nnen (vgl. z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 18.04.2012&nbsp;&#8211; I&nbsp;B&nbsp;123\/11, BFH\/NV 2012, 1299, Rz&nbsp;18; in BFH\/NV 2012, 1818, Rz&nbsp;7). Ein umsichtiger Prozessvertreter muss vielmehr stets gew&auml;rtigen, dass das Gericht die Beweismittel abweichend w&uuml;rdigt, und er ist deshalb gehalten, vorsorglich alle von ihm f&uuml;r zweckm&auml;&szlig;ig erachteten Beweisantr&auml;ge zu stellen und ihre Ablehnung gegebenenfalls rechtzeitig zu r&uuml;gen (vgl. z.B. BFH-Beschl&uuml;sse in BFH\/NV 2012, 1299, Rz&nbsp;19; in BFH\/NV 2012, 1818, Rz&nbsp;7). Auch dies ist nicht geschehen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Der vom Kl&auml;ger ger&uuml;gte Versto&szlig; gegen &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO liegt ebenfalls nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ein Versto&szlig; gegen &sect;&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO liegt nicht bereits deshalb vor, weil das FG &#8211;wie im Streitfall&#8211; den ihm vorliegenden Akteninhalt nicht entsprechend den kl&auml;gerischen Vorstellungen gew&uuml;rdigt hat oder die W&uuml;rdigung fehlerhaft erscheint; insoweit k&ouml;nnte es sich um einen materiell-rechtlichen Fehler handeln, nicht indes um einen Verfahrensversto&szlig; (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 19.01.2006&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;113\/05, BFH\/NV 2006, 803, unter 1., Rz&nbsp;7; vom 05.05.2014&nbsp;&#8211; III&nbsp;B&nbsp;156\/13, BFH\/NV 2014, 1208, Rz&nbsp;25; vom 24.06.2014&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;45\/13, BFH\/NV 2014, 1584, Rz&nbsp;47; vom 03.02.2016&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;53\/15, BFH\/NV 2016, 954, Rz&nbsp;36). Selbst Verst&ouml;&szlig;e gegen Denkgesetze und Erfahrungss&auml;tze sind in der Regel materiell-rechtliche Fehler und k&ouml;nnen nicht als Verfahrensmangel ger&uuml;gt werden (vgl. BFH-Beschl&uuml;sse vom 20.06.2012&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;1\/12, BFH\/NV 2012, 1616, Rz&nbsp;9; vom 19.09.2013&nbsp;&#8211; III&nbsp;B&nbsp;47\/13, BFH\/NV 2014, 72, Rz&nbsp;13; vom 09.04.2014&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;89\/13, BFH\/NV 2014, 1228, Rz&nbsp;22; in BFH\/NV 2016, 954, Rz&nbsp;36).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Mit seinem Beschwerdevorbringen r&uuml;gt der Kl&auml;ger im Kern, dass das FG aufgrund der von ihm vorgelegten Dokumente h&auml;tte entscheiden m&uuml;ssen, dass die Voraussetzungen f&uuml;r den begehrten Vorsteuerabzug objektiv vorliegen. Damit legt der Kl&auml;ger aber keinen Revisionsgrund dar, sondern stellt die materielle Rechtm&auml;&szlig;igkeit der angefochtenen Entscheidung in Frage. Dies vermag die Zulassung der Revision grunds&auml;tzlich nicht zu rechtfertigen (st&auml;ndige Rechtsprechung, vgl. z.B. BFH-Beschl&uuml;sse vom 09.04.2014&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;128\/13, BFH\/NV 2014, 1224, Rz&nbsp;20; vom 21.01.2015&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;88\/14, BFH\/NV 2015, 864, Rz&nbsp;29; jeweils m.w.N.; in BFH\/NV 2016, 954, Rz&nbsp;37).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Des Weiteren hat der Kl&auml;ger auch einen Versto&szlig; des FG gegen &sect;&nbsp;74 FGO nicht schl&uuml;ssig dargelegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;74 FGO kann das FG, wenn die Entscheidung des Rechtsstreits von dem Bestehen oder Nichtbestehen eines Rechtsverh&auml;ltnisses abh&auml;ngt, das den Gegenstand eines anderen anh&auml;ngigen Rechtsstreits bildet oder von einer Verwaltungsbeh&ouml;rde festzustellen ist, anordnen, dass die Verhandlung bis zur Erledigung des anderen Rechtsstreits oder bis zur Entscheidung der Verwaltungsbeh&ouml;rde ausgesetzt wird. Mit R&uuml;cksicht auf den Zweck der Vorschrift, einander widersprechende Entscheidungen zu vermeiden und eine m&ouml;glichst &ouml;konomische Prozessf&uuml;hrung zu gew&auml;hrleisten, ist das Merkmal des sog. vorgreiflichen Rechtsverh&auml;ltnisses i.S. von &sect;&nbsp;74 FGO weit auszulegen. Es erfordert keine rechtliche Bindung der vorgreiflichen Entscheidung; ausreichend ist vielmehr, dass die Entscheidung in dem anderen Verfahren in rechtlicher Hinsicht f&uuml;r das auszusetzende Verfahren von Bedeutung ist (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 07.05.2014&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;59\/13, BFH\/NV 2014, 1752, Rz&nbsp;11, m.w.N.; BFH-Beschluss vom 02.10.2017&nbsp;&#8211; VI&nbsp;B&nbsp;9\/17, BFH\/NV 2018, 200, Rz&nbsp;4; Brandis in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;74 FGO Rz&nbsp;7, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall fehlt es daran, dass ein anderes Verfahren in rechtlicher Hinsicht f&uuml;r das vorliegende Verfahren von Bedeutung ist. Die Auswirkungen der beim FG anh&auml;ngigen Verfahren des Kl&auml;gers zur Einkommensteuer 2004 bis 2014 und zu den gesonderten Verlustfeststellungsbescheiden zum 31.12.2004 bis 31.12.2014 (Az. 4&nbsp;K&nbsp;343\/17) auf das hier streitige Verfahren stellen sich &#8211;wenn &uuml;berhaupt&#8211; als rein wirtschaftlich dar (durch gegebenenfalls m&ouml;gliche Aufrechnungen). Wirtschaftliche Interessen sind indes nicht geeignet, eine Aussetzung des Verfahrens zu erreichen (z.B. BFH-Beschluss vom 02.09.1987&nbsp;&#8211; VII&nbsp;B&nbsp;52\/86, BFH\/NV 1987, 172; Gr&auml;ber\/Herbert, Finanzgerichtsordnung, 9.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;74 Rz&nbsp;3; Th&uuml;rmer in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler &#8211;HHSp&#8211;, &sect;&nbsp;74 FGO Rz&nbsp;51).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>6. Ebenso wenig liegt wegen der k&ouml;rperlichen Behinderung des Kl&auml;gers eine Verletzung des Anspruchs auf ein faires Verfahren (Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 GG) vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) leitet in st&auml;ndiger Rechtsprechung aus Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 GG i.V.m. dem Rechtsstaatsprinzip und dem Gebot effektiven Rechtsschutzes den Anspruch auf ein faires Verfahren als &quot;allgemeines Prozessgrundrecht&quot; ab. Danach muss der Richter das Verfahren so gestalten, wie die Parteien bzw. Beteiligten es von ihm erwarten d&uuml;rfen. Er darf sich nicht widerspr&uuml;chlich verhalten, insbesondere aber darf er aus eigenen oder ihm zuzurechnenden Fehlern oder Vers&auml;umnissen keine Verfahrensnachteile f&uuml;r die Beteiligten ableiten und ist allgemein zur R&uuml;cksichtnahme gegen&uuml;ber den Verfahrensbeteiligten in ihrer konkreten Situation verpflichtet (vgl. BVerfG-Beschl&uuml;sse vom 06.04.1998&nbsp;&#8211; 1&nbsp;BvR&nbsp;2194\/97, Neue Juristische Wochenschrift &#8211;NJW&#8211; 1998, 2044, Rz&nbsp;8, m.w.N.; vom 18.07.2013&nbsp;&#8211; 1&nbsp;BvR&nbsp;1623\/11, NJW 2014, 205, Rz&nbsp;20, m.w.N.; BFH-Beschluss vom 05.02.2014&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;138\/13, BFH\/NV 2014, 720, Rz&nbsp;25; Lange in HHSp, &sect;&nbsp;115 FGO Rz&nbsp;243).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Im Streitfall liegt eine solche Rechtsverletzung nicht vor. Der Kl&auml;ger mag aufgrund seiner pers&ouml;nlichen Umst&auml;nde nicht in der Lage gewesen sein, die vom FG festgestellten Widerspr&uuml;che selbst aufzudecken; jedoch war er durch eine Prozessbevollm&auml;chtigte vertreten, deren Aufgabe es im Streitverfahren war, diese Widerspr&uuml;che gegebenenfalls aufzukl&auml;ren. Eine Verletzung der Grunds&auml;tze des fairen Verfahrens ergibt sich daraus nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>7. Der Senat sieht von einer weitergehenden Begr&uuml;ndung ab (&sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>8. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 4.3.2020, XI B 30\/19ECLI:DE:BFH:2020:B.040320.XIB30.19.0 Zur Vorgreiflichkeit der Entscheidung Leits&auml;tze NV: Wirtschaftliche Interessen (z.B. M&ouml;glichkeit der Aufrechnung mit Erstattungsanspr&uuml;chen) reichen f&uuml;r einen Anspruch auf Aussetzung des Verfahrens nach &sect; 74 FGO nicht aus (Best&auml;tigung der Rechtsprechung). Tenor Die Beschwerde des Kl&auml;gers wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Hessischen Finanzgerichts vom 13.03.2019 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/xi-b-30-19-zur-vorgreiflichkeit-der-entscheidung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">XI&nbsp;B&nbsp;30\/19 &#8211; Zur Vorgreiflichkeit der Entscheidung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-72214","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72214","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=72214"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72214\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=72214"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=72214"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=72214"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}