{"id":72221,"date":"2020-04-05T08:20:22","date_gmt":"2020-04-05T06:20:22","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=72221"},"modified":"2020-04-05T08:20:22","modified_gmt":"2020-04-05T06:20:22","slug":"ix-r-32-17-abzugsverbot-fuer-wahlkampfkosten-eines-erfolglosen-bewerbers-fuer-ein-mandat-im-europaeischen-parlament","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ix-r-32-17-abzugsverbot-fuer-wahlkampfkosten-eines-erfolglosen-bewerbers-fuer-ein-mandat-im-europaeischen-parlament\/","title":{"rendered":"IX&nbsp;R&nbsp;32\/17 &#8211; Abzugsverbot f&uuml;r Wahlkampfkosten eines erfolglosen Bewerbers f&uuml;r ein Mandat im Europ&auml;ischen Parlament"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 10.12.2019, IX R 32\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.101219.IXR32.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Abzugsverbot f&uuml;r Wahlkampfkosten eines erfolglosen Bewerbers f&uuml;r ein Mandat im Europ&auml;ischen Parlament<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Auch erfolglose Bewerber um ein Mandat im Europ&auml;ischen Parlament k&ouml;nnen ihre Wahlkampfkosten nicht als Werbungskosten bei den sonstigen Eink&uuml;nften abziehen.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Wahlkampfkosten zur Erlangung eines Mandats im Europ&auml;ischen Parlament sind auch Aufwendungen f&uuml;r die Erlangung des Kandidatenstatus, die organisatorische Vorbereitung als Kandidat sowie die Aufwendungen zum Erhalt des Nachr&uuml;ckerstatus.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision der Kl&auml;gerin gegen das Urteil des Finanzgerichts M&uuml;nchen, Au&szlig;ensenate Augsburg, vom 26.10.2017 &#8211; 10 K 614\/17 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat die Kl&auml;gerin zu tragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) nahm als Kandidatin an der Wahl zum Europ&auml;ischen Parlament 2014 auf dem Listenplatz&nbsp;&#8230; des Wahlvorschlags ihrer Partei teil. Da dieser Listenplatz nach dem Wahlergebnis nicht f&uuml;r ein Mandat im Europ&auml;ischen Parlament ausreichte, erhielt sie die Position eines Nachr&uuml;ckers f&uuml;r den Fall des Ausscheidens eines der gew&auml;hlten Abgeordneten ihrer Partei. Im Rahmen ihrer Einkommensteuererkl&auml;rung f&uuml;r das Streitjahr 2014 machte die Kl&auml;gerin im Zusammenhang mit ihrer Kandidatur entstandene Aufwendungen f&uuml;r Fahrten mit dem eigenen PKW, &Uuml;bernachtungen, Verpflegungsmehraufwand, Arbeitsmittel, Umzugskosten sowie Kosten f&uuml;r doppelte Haushaltsf&uuml;hrung, Telefon und Internet in H&ouml;he von 7.197,88&nbsp;EUR als Werbungskosten bei den sonstigen Eink&uuml;nften geltend.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Bescheid vom 23.10.2015 setzte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) die Einkommensteuer f&uuml;r 2014 auf &#8230;&nbsp;EUR fest. Dabei lehnte es den Abzug der geltend gemachten Aufwendungen als Werbungskosten unter Verweis auf &sect;&nbsp;22 Nr.&nbsp;4 Satz&nbsp;3 des Einkommensteuergesetzes in der f&uuml;r das Streitjahr geltenden Fassung (EStG) ab. Im Laufe des hiergegen gef&uuml;hrten Einspruchsverfahrens wurde der Einkommensteuerbescheid aus nicht streitgegenst&auml;ndlichen Gr&uuml;nden mit Bescheid vom 19.02.2016 ge&auml;ndert und die Einkommensteuer auf &#8230;&nbsp;EUR herabgesetzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Einspruch und die Klage blieben ohne Erfolg. Das Finanzgericht (FG) f&uuml;hrte in seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2018, 213 ver&ouml;ffentlichten Urteil aus, dem Abzug der Wahlkampfkosten als Werbungskosten bei den sonstigen Eink&uuml;nften stehe &sect;&nbsp;22 Nr.&nbsp;4&nbsp;Satz&nbsp;3 EStG entgegen. Zu den nicht abziehbaren Wahlkampfkosten z&auml;hlten nicht nur die f&uuml;r den Wahlkampf im engeren Sinne aufgewendeten Kosten, sondern auch solche Aufwendungen, die der Kl&auml;gerin in unmittelbarem Zusammenhang mit ihrer Aufstellung zur Kandidatin und dem Erhalt des Nachr&uuml;ckerstatus sowie den jeweils damit verbundenen organisatorischen Vorbereitungsma&szlig;nahmen entstanden seien. Denn diese Aufwendungen seien untrennbar mit dem Wahlkampf im engeren Sinne verbunden. Beginn und Ende eines Wahlkampfes seien gesetzlich nicht geregelt und daher zeitlich nicht eindeutig eingrenzbar. Zum Wahlkampf geh&ouml;re nicht nur die Schlussphase der letzten Wochen vor dem Wahltag, sondern auch die Vorbereitungsphase und die Vorwahlkampfzeit.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit ihrer Revision r&uuml;gt die Kl&auml;gerin die Verletzung materiellen Rechts (&sect;&nbsp;22 Nr.&nbsp;4 EStG). Sie tr&auml;gt vor, die Aufwendungen seien in Aufwendungen zur Erlangung des Kandidatenstatus, in Kosten f&uuml;r die organisatorische Vorbereitung als Kandidatin, in Kosten f&uuml;r Ausbildung und zum Erhalt des Nachr&uuml;ckerstatus sowie in Wahlkampfkosten als Kandidatin zu unterteilen. In Bezug auf die drei erstgenannten Aufwendungsarten handele es sich bereits nicht um Wahlkampfkosten i.S. des &sect;&nbsp;22 Nr.&nbsp;4 Satz&nbsp;3 EStG, sondern um vorab entstandene Werbungskosten f&uuml;r die Erzielung sonstiger Eink&uuml;nfte als Abgeordnete. Der Gesetzgeber habe die Abgeordnetenbez&uuml;ge als steuerpflichtige sonstige Eink&uuml;nfte qualifiziert. Daher seien auch vorab entstandene Werbungskosten zum Abzug zugelassen. Aufwendungen f&uuml;r die Erlangung oder Wiedererlangung eines Mandats k&ouml;nnten demnach abzugsf&auml;hige Werbungskosten darstellen, soweit es sich nicht um Wahlkampfkosten handele oder Ersatz geleistet werde. Dabei sei zu ber&uuml;cksichtigen, dass es der Entscheidung des Gesetzgebers widerspreche, wenn Wahlkampfkosten insoweit als Synonym f&uuml;r vorab entstandene Werbungskosten f&uuml;r die Erlangung oder Wiedererlangung eines Mandats verstanden w&uuml;rden. Nicht alle Aufwendungen f&uuml;r die Erlangung oder Wiedererlangung eines Mandats seien Wahlkampfkosten. Insoweit sei eine zeitliche Grenze zu ziehen, wonach Wahlkampfkosten erst ab dem Zeitpunkt vorliegen, ab dem im &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk Wahlwerbesendungen ausgestrahlt werden. Aber auch soweit es sich bei den Aufwendungen um Wahlkampfkosten handele, bei denen der Kampf um die W&auml;hlerstimmen im Vordergrund stehe, k&ouml;nne das Abzugsverbot keine Wirkung entfalten. Bei einer erfolglosen Kandidatur best&uuml;nden keine Abzugsbeschr&auml;nkungen. Die von ihr getragenen Aufwendungen st&uuml;nden nicht im Zusammenhang mit steuerfreien Einnahmen, die einen Abzug der Kosten ausschlie&szlig;en k&ouml;nnten, da ihr kein gesetzlicher Anspruch auf steuerfreie Wahlkostenerstattung zustehe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt,<br \/>das Urteil des FG M&uuml;nchen vom 26.10.2017&nbsp;&#8211; 10&nbsp;K&nbsp;614\/17 und die Einspruchsentscheidung vom 02.02.2017 aufzuheben und unter Ab&auml;nderung des Einkommensteuerbescheids f&uuml;r 2014 vom 19.02.2016 Werbungskosten bei den sonstigen Eink&uuml;nften in H&ouml;he von 7.197,88&nbsp;EUR zu ber&uuml;cksichtigen und die Einkommensteuer 2014 entsprechend herabzusetzen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und nach &sect;&nbsp;126&nbsp;Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat zu Recht die im Zusammenhang mit der Wahl zum Europ&auml;ischen Parlament und zur Erlangung des Nachr&uuml;ckerstatus geltend gemachten Aufwendungen als Wahlkampfkosten angesehen und deren Abzug als Werbungskosten bei den sonstigen Eink&uuml;nften abgelehnt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;22 Nr.&nbsp;4 Satz&nbsp;3 EStG d&uuml;rfen Wahlkampfkosten zur Erlangung eines Mandats im Bundestag, im Europ&auml;ischen Parlament oder im Parlament eines Landes nicht als Werbungskosten abgezogen werden. Nach dem Wortsinn der Vorschrift gilt dies unabh&auml;ngig davon, ob die Kandidatur erfolgreich oder erfolglos war. Das Abzugsverbot f&uuml;r Wahlkampfkosten ist zwar im Anschluss an die Vorschriften &uuml;ber steuerpflichtige und steuerfreie Einnahmen der Abgeordneten geregelt. Das bedeutet jedoch nicht, dass es nur f&uuml;r diesen Personenkreis gilt. F&uuml;r die Anwendung des Abzugsverbots des &sect;&nbsp;22&nbsp;Nr.&nbsp;4 Satz&nbsp;3 EStG auch bei erfolgloser Kandidatur sprechen vielmehr die Regelungsabsicht und die Normvorstellungen des Gesetzgebers (s. schon Urteil des Bundesfinanzhofs vom 08.12.1987&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;255\/87, BFHE 152, 245, BStBl II 1988, 435); denn der Gesetzgeber hat von der steuerlichen Ber&uuml;cksichtigung der Wahlkampfkosten u.a. deshalb abgesehen, weil sie wegen der je nach Einkommensh&ouml;he unterschiedlichen steuerlichen Auswirkungen die Gefahr in sich birgt, den Grundsatz der Chancengleichheit aller Wahlbewerber zu beeinflussen (vgl. BTDrucks 7\/5531,&nbsp;26,&nbsp;27 und 7\/5903,&nbsp;7; s. dazu auch Kammerbeschluss des Bundesverfassungsgerichts &#8211;BVerfG&#8211; vom 26.07.1988&nbsp;&#8211; 1&nbsp;BvR&nbsp;614\/88, H&ouml;chstrichterliche Finanzrechtsprechung &#8211;HFR&#8211; 1988, 532). Bei erfolgloser Kandidatur ist demgegen&uuml;ber der Anwendungsbereich des in &sect;&nbsp;22&nbsp;Nr.&nbsp;4 Satz&nbsp;2&nbsp;EStG geregelten Abzugsverbots, wonach die durch das Mandat veranlassten Aufwendungen nicht als Werbungskosten abgezogen werden d&uuml;rfen, wenn zu deren Abgeltung Aufwandsentsch&auml;digungen gezahlt werden, nicht er&ouml;ffnet, weil es an der Erlangung des insoweit erforderlichen Mandats mangelt (gl.A. Killat in Herrmann\/Heuer\/Raupach, &sect;&nbsp;22 EStG Rz&nbsp;475).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Unter Wahlkampfkosten sind s&auml;mtliche Aufwendungen zu verstehen, die zur Erlangung oder Wiedererlangung eines der genannten Mandate gemacht werden (ebenso Bl&uuml;mich\/ Nacke, &sect;&nbsp;22 EStG Rz&nbsp;177; Hessisches FG, Urteil vom 16.02.1983&nbsp;&#8211; I&nbsp;164\/80, EFG 1983, 494, rechtskr&auml;ftig). Anders als die Kl&auml;gerin meint, umfasst der Begriff der Wahlkampfkosten bereits nach seinem Wortsinn auch die Aufwendungen f&uuml;r die Erlangung ihres Kandidatenstatus, die Aufwendungen f&uuml;r die organisatorische Vorbereitung als Kandidatin sowie die Aufwendungen zur Erlangung und zum Erhalt des Nachr&uuml;ckerstatus. Der Wahlkampf dient den Parteien dazu, durch Pr&auml;sentation ihrer Ziele und Kandidatinnen und Kandidaten Wahlberechtigte zu motivieren und zu veranlassen, sich f&uuml;r die beworbene Partei zu entscheiden, um am Wahltag einen m&ouml;glichst hohen Stimmenanteil zu erreichen. Die Aufstellung der einzelnen Kandidatinnen und Kandidaten und die Erstellung der Wahlvorschlagsliste sind unabdingbare Voraussetzungen f&uuml;r die Pr&auml;sentation der Kandidaten und deren Schlusswahlkampf f&uuml;r die Partei. Dass sich die T&auml;tigkeiten im Zusammenhang mit der Bewerbung um einen Listenplatz nicht in erster Linie an die W&auml;hler richten, schlie&szlig;t die Zuordnung der daf&uuml;r get&auml;tigten Aufwendungen zu den Wahlkampfkosten i.S. des &sect;&nbsp;22 Nr.&nbsp;4 Satz&nbsp;3 EStG nicht aus. Sowohl der Schlusswahlkampf der Kandidatinnen und Kandidaten f&uuml;r ihre Partei als auch deren Bewerbung im Vorfeld innerhalb der Partei f&uuml;r die Aufnahme in die Wahlvorschlagsliste und den Erhalt eines aussichtsreichen Listenplatzes erfolgen mit dem Ziel, ein Mandat f&uuml;r die Partei zu erlangen oder wiederzuerlangen. Eine zeitliche Grenze, bis zu der vorab entstandene Werbungskosten bei den sonstigen Eink&uuml;nften aus &sect;&nbsp;22 Nr.&nbsp;4 EStG anzuerkennen w&auml;ren bzw. ab der nicht abziehbare Wahlkampfkosten i.S. des &sect;&nbsp;22 Nr.&nbsp;4 Satz&nbsp;3 EStG vorliegen, l&auml;sst sich daher nicht ziehen. Da die geltend gemachten Aufwandsarten im untrennbaren sachlichen Zusammenhang mit dem Wahlkampf stehen, gebietet es zudem der dargelegte Normzweck, diese als nicht abziehbare Wahlkampfkosten anzusehen, weil deren steuerliche Ber&uuml;cksichtigung den Grundsatz der Chancengleichheit aller Wahlbewerber beeintr&auml;chtigen k&ouml;nnte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Das FG ist daher zu Recht davon ausgegangen, dass die Wahlkampfkosten auch die Aufwendungen f&uuml;r die Erlangung des Nachr&uuml;ckerstatus umfassen. Nach &sect;&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 des Europawahlgesetzes (EuWG) erfolgt die Wahl nach den Grunds&auml;tzen der Verh&auml;ltniswahl mit Listenwahlvorschl&auml;gen. Der Wahlvorschlag einer Partei beinhaltet die Namen der Bewerber in erkennbarer Reihenfolge (vgl. &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;2 EuWG). Die auf die Wahlvorschl&auml;ge je nach Stimmenanteil entfallenden Sitze werden in der festgelegten Reihenfolge besetzt. Ein Kandidat steht bereits bei Aufstellung und Einreichung des Wahlvorschlags als m&ouml;glicher Listennachfolger fest. Stirbt ein gew&auml;hlter Bewerber oder erkl&auml;rt er dem Bundeswahlleiter die Ablehnung der Wahl oder stirbt ein Abgeordneter oder scheidet sonst nachtr&auml;glich aus dem Europ&auml;ischen Parlament aus, wird der Sitz nach &sect;&nbsp;24 Abs.&nbsp;1 EuWG durch seinen Ersatzbewerber oder, sofern ein solcher nicht existiert, durch den n&auml;chsten noch nicht f&uuml;r gew&auml;hlt erkl&auml;rten Bewerber aus dem Wahlvorschlag besetzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ohne Erfolg beruft sich die Kl&auml;gerin schlie&szlig;lich darauf, dass ihr kein gesetzlicher Anspruch auf steuerfreie Wahlkostenerstattung zustehe. Das Abzugsverbot in &sect;&nbsp;22&nbsp;Nr.&nbsp;4 Satz&nbsp;3 EStG beruht auch auf dem Regelungsgedanken, dass nach &sect;&nbsp;18 des Parteiengesetzes den politischen Parteien die notwendigen Kosten eines angemessenen Wahlkampfes bei Erreichen bestimmter Stimmenanteile pauschal ersetzt werden. Diese Erstattung der notwendigen Wahlkampfaufwendungen kommt auch den Wahlbewerbern der Parteien im Wettbewerb um die W&auml;hlerstimmen zugute (BVerfG-Beschluss vom 09.03.1976&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;89\/74, BVerfGE 41, 399, unter B.II.4.a, Rz&nbsp;51). F&uuml;r den parteigebundenen Wahlbewerber wie die Kl&auml;gerin kommt der Ersatz der Aufwendungen f&uuml;r den Wahlkampf durch ihre Partei in Betracht (BVerfG-Kammerbeschluss in HFR 1988, 532).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 10.12.2019, IX R 32\/17ECLI:DE:BFH:2019:U.101219.IXR32.17.0 Abzugsverbot f&uuml;r Wahlkampfkosten eines erfolglosen Bewerbers f&uuml;r ein Mandat im Europ&auml;ischen Parlament Leits&auml;tze 1. Auch erfolglose Bewerber um ein Mandat im Europ&auml;ischen Parlament k&ouml;nnen ihre Wahlkampfkosten nicht als Werbungskosten bei den sonstigen Eink&uuml;nften abziehen. 2. 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