{"id":72296,"date":"2020-05-02T18:33:20","date_gmt":"2020-05-02T16:33:20","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=72296"},"modified":"2020-05-02T18:33:20","modified_gmt":"2020-05-02T16:33:20","slug":"viii-r-23-17-verfahrensgegenstand-bei-ergehen-mehrerer-aenderungsbescheide-waehrend-des-revisionsverfahrens-beruecksichtigung-einer-umsatzsteuervorauszahlung-im-jahr-der-wirtschaftlichen-zugehoerigkei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-r-23-17-verfahrensgegenstand-bei-ergehen-mehrerer-aenderungsbescheide-waehrend-des-revisionsverfahrens-beruecksichtigung-einer-umsatzsteuervorauszahlung-im-jahr-der-wirtschaftlichen-zugehoerigkei\/","title":{"rendered":"VIII&nbsp;R&nbsp;23\/17 &#8211; Verfahrensgegenstand bei Ergehen mehrerer &Auml;nderungsbescheide w&auml;hrend des Revisionsverfahrens; Ber&uuml;cksichtigung einer Umsatzsteuervorauszahlung im Jahr der wirtschaftlichen Zugeh&ouml;rigkeit bei Leistung bis zum 10.01. des Folgejahres"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 3.12.2019, VIII R 23\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.031219.VIIIR23.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Verfahrensgegenstand bei Ergehen mehrerer &Auml;nderungsbescheide w&auml;hrend des Revisionsverfahrens; Ber&uuml;cksichtigung einer Umsatzsteuervorauszahlung im Jahr der wirtschaftlichen Zugeh&ouml;rigkeit bei Leistung bis zum 10.01. des Folgejahres<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. NV: Ergehen innerhalb des Revisionsverfahrens mehrere &Auml;nderungsbescheide, wird der jeweils letzte zum Gegenstand des Verfahrens. Eine durch den Erlass eines ersten &Auml;nderungsbescheides (Abhilfebescheides) zun&auml;chst eingetretene Erledigung der Hauptsache kann durch den Erlass eines weiteren &Auml;nderungsbescheides wieder entfallen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<\/p>\n<p>2. NV: Wird eine Umsatzsteuervorauszahlung innerhalb von zehn Tagen nach Ablauf des Kalenderjahres gezahlt, kann sie auch dann im Jahr ihrer wirtschaftlichen Zugeh&ouml;rigkeit als Betriebsausgabe abgezogen werden, wenn der 10.01. des Folgejahres auf einen Sonnabend, Sonntag oder gesetzlichen Feiertag f&auml;llt (Anschluss an BFH-Urteile vom 27.06.2018 &#8211; X R 44\/16, BFHE 262, 97, BStBl II 2018, 781, und X R 2\/17, BFH\/NV 2018, 1286).<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Das Urteil des S&auml;chsischen Finanzgerichts vom 30.11.2016 &#8211; 2 K 1277\/16 und der Bescheid vom 13.03.2017 &uuml;ber die gesonderte und einheitliche Feststellung von Besteuerungsgrundlagen 2014 werden aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionsbeklagte (Kl&auml;gerin), eine Partnerschaftsgesellschaft mit beschr&auml;nkter Berufshaftung, erzielt Eink&uuml;nfte aus selbst&auml;ndiger Arbeit. Sie ermittelte ihren Gewinn im Streitjahr 2014 durch Einnahmen-&Uuml;berschussrechnung (&sect;&nbsp;4 Abs.&nbsp;3 des Einkommensteuergesetzes &#8211;EStG&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;r die &Uuml;bermittlung der Umsatzsteuervoranmeldungen sowie f&uuml;r die Entrichtung der Vorauszahlungen war ihr vom Beklagten und Revisionskl&auml;ger (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) eine Fristverl&auml;ngerung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;46 der Umsatzsteuer-Durchf&uuml;hrungsverordnung (UStDV) um einen Monat einger&auml;umt worden. Die Umsatzsteuervoranmeldung f&uuml;r November 2014 reichte die Kl&auml;gerin am 06.01.2015 ein. Den sich daraus ergebenden Betrag von 12.804,08&nbsp;EUR wies die Kl&auml;gerin am 09.01.2015 zur Zahlung an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin erkl&auml;rte f&uuml;r das Streitjahr einen Gewinn, bei dessen Ermittlung sie die f&uuml;r den Monat November 2014 gezahlte Umsatzsteuervorauszahlung als Betriebsausgabe in Abzug gebracht hatte. Mit unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung stehendem Bescheid vom 18.01.2016 stellte das FA die Eink&uuml;nfte der Kl&auml;gerin aus selbst&auml;ndiger Arbeit in H&ouml;he von &#8230;,51&nbsp;EUR fest. Dabei k&uuml;rzte es die Betriebsausgaben um die Umsatzsteuervorauszahlung f&uuml;r November 2014.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die nach erfolglosem Einspruch erhobene Klage hatte Erfolg. Das Finanzgericht (FG) war in seinem in Entscheidungen der Finanzgerichte 2017, 227 ver&ouml;ffentlichten Urteil der Meinung, die am 09.01.2015 geleistete Umsatzsteuervorauszahlung f&uuml;r November 2014 sei als Betriebsausgabe des Jahres 2014 zu ber&uuml;cksichtigen. Hiergegen richtet sich die Revision des FA vom 04.01.2017, die es mit der Verletzung materiellen Rechts begr&uuml;ndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA hat am 18.01.2017 unter Hinweis auf &sect;&nbsp;164 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) einen ge&auml;nderten, weiterhin unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung stehenden Bescheid f&uuml;r 2014 &uuml;ber die gesonderte und einheitliche Feststellung von Besteuerungsgrundlagen erlassen, in dem es Eink&uuml;nfte der Kl&auml;gerin aus selbst&auml;ndiger Arbeit in H&ouml;he von &#8230;,43&nbsp;EUR festgestellt hat. Hierauf hat die Kl&auml;gerin den Rechtsstreit in der Hauptsache f&uuml;r erledigt erkl&auml;rt und einen Kostenantrag gestellt. Das FA teilte im weiteren Verlauf des Verfahrens mit, der &Auml;nderungsbescheid vom 18.01.2017 sei versehentlich ergangen. Er werde r&uuml;ckg&auml;ngig gemacht. Am 13.03.2017 erlie&szlig; das FA einen weiteren &Auml;nderungsbescheid, in dem es unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung (erneut) Eink&uuml;nfte der Kl&auml;gerin aus selbst&auml;ndiger Arbeit in H&ouml;he von &#8230;,51&nbsp;EUR feststellte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>das angefochtene Urteil des S&auml;chsischen FG vom 30.11.2016 aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin beantragt sinngem&auml;&szlig;,<br \/>die Revision des FA unter Aufhebung des &Auml;nderungsbescheides vom 13.03.2017 zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision des FA, die aus verfahrensrechtlichen Gr&uuml;nden zur Aufhebung des FG-Urteils f&uuml;hrt, ist in der Sache ohne Erfolg. Der Bescheid &uuml;ber die gesonderte und einheitliche Feststellung von Besteuerungsgrundlagen 2014 vom 13.03.2017, der Gegenstand des Revisionsverfahrens geworden ist, verletzt die Kl&auml;gerin in ihren Rechten. Die am 09.01.2015 entrichtete Umsatzsteuervorauszahlung f&uuml;r November 2014 gilt gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 i.V.m. Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG als im Jahr 2014 abgeflossen. Der Bescheid vom 13.03.2017 war daher aufzuheben mit der Folge, dass der &Auml;nderungsbescheid vom 18.01.2017 erneut Wirkung entfaltet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Revision des FA f&uuml;hrt aus verfahrensrechtlichen Gr&uuml;nden zur Aufhebung des FG-Urteils.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Das FG hat &uuml;ber den Bescheid &uuml;ber die gesonderte und einheitliche Feststellung von Besteuerungsgrundlagen 2014 vom 18.01.2016 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 06.09.2016 entschieden. An die Stelle dieses Bescheides ist w&auml;hrend des Revisionsverfahrens zun&auml;chst der Abhilfebescheid vom 18.01.2017 und dann der weitere &Auml;nderungsbescheid vom 13.03.2017 getreten. Damit liegt dem FG-Urteil ein nicht mehr existierender Bescheid zugrunde mit der Folge, dass auch das FG-Urteil keinen Bestand haben kann (vgl. z.B. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 10.10.2012&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;44\/10, BFH\/NV 2013, 359, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Zun&auml;chst ist der Abhilfebescheid vom 18.01.2017 an die Stelle des urspr&uuml;nglich mit der Klage angefochtenen Bescheides vom 18.01.2016 getreten und Gegenstand des Revisionsverfahrens geworden (&sect;&sect;&nbsp;68, 121 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;; Anwendbarkeit des &sect;&nbsp;68 FGO bei Abhilfebescheiden bejahend: Seer in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;68 FGO Rz&nbsp;9, m.w.N.; Schallmoser in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect;&nbsp;68 FGO Rz&nbsp;50; Bilsdorfer\/Morsch, Betriebs-Berater 2008, 2610&nbsp;f.; anderer Ansicht Gr&auml;ber\/Herbert, Finanzgerichtsordnung, 9.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;68 Rz&nbsp;65; BFH-Urteil vom 31.10.1990&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;45\/88, BFHE 162, 215, BStBl II 1991, 102, noch zu &sect;&nbsp;68 FGO a.F.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA hat sich im Anschluss an das FG-Urteil, das ihm die Berechnung der Besteuerungsgrundlagen aufgegeben hat, nicht darauf beschr&auml;nkt, der Kl&auml;gerin das Ergebnis der Neuberechnung formlos mitzuteilen, wie es &sect;&nbsp;100 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;3 FGO vorsieht (vgl. zur formlosen Mitteilung des Ergebnisses der Neuberechnung z.B. BFH-Urteil vom 18.11.2004&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;37\/03, BFHE 208, 98, BStBl II 2005, 217). Vielmehr hat es am 18.01.2017 einen f&ouml;rmlichen &Auml;nderungsbescheid erlassen, mit dem es dem vom FG als rechtm&auml;&szlig;ig beurteilten Klagebegehren der Kl&auml;gerin vorbehaltlos entsprochen hat. Ob das FA in dem Bescheid vom 18.01.2017 lediglich eine Mitteilung des Ergebnisses der Neuberechnung der Besteuerungsgrundlagen gesehen bzw. es versehentlich unterlassen hat, dem Bescheid einen Zusatz beizuf&uuml;gen, aus dem sich ergibt, dass durch diesen keine Abhilfe im anh&auml;ngigen Revisionsverfahren erfolgen sollte, ist ohne Belang, da beides in dem Bescheid keinen Ausdruck gefunden hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Der Abhilfebescheid vom 18.01.2017 ist durch den weiteren &Auml;nderungsbescheid vom 13.03.2017, der gem&auml;&szlig; &sect;&sect;&nbsp;68, 121 FGO Gegenstand des Verfahrens geworden ist, ersetzt worden. Ergehen innerhalb ein und desselben Verfahrens mehrere &Auml;nderungsbescheide, wird der jeweils letzte zum Verfahrensgegenstand (z.B. BFH-Urteil vom 15.04.2010&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;5\/08, BFHE 229, 524, BStBl II 2010, 912, m.w.N.). Dies hat zur Folge, dass der &Auml;nderungsbescheid vom 13.03.2017 den Bescheid vom 18.01.2017 in seiner Wirkung suspendiert (vgl. z.B. Beschluss des Gro&szlig;en Senats des BFH vom 25.10.1972&nbsp;&#8211; GrS&nbsp;1\/72, BFHE 108, 1, BStBl II 1973, 231).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Entgegen der Auffassung der Kl&auml;gerin konnte das FA am 13.03.2017 gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;164 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 AO einen weiteren &Auml;nderungsbescheid erlassen, denn der Bescheid vom 18.01.2017 war unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung ergangen. Der Vorbehalt war auch noch wirksam. Er ist von der zwischenzeitlich durchgef&uuml;hrten Au&szlig;enpr&uuml;fung unber&uuml;hrt geblieben (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 18.08.2009&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;8\/09, BFH\/NV 2010, 161, m.w.N.) und auch nicht infolge des Ablaufs der vierj&auml;hrigen Feststellungsfrist (&sect;&nbsp;180 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a, &sect;&nbsp;169 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2, &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;1, &sect;&nbsp;164 Abs.&nbsp;4 AO) weggefallen. Der &Auml;nderung des Bescheides vom 18.01.2017 stand auch der Grundsatz des Vertrauensschutzes nicht entgegen, da der beigef&uuml;gte Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung das Entstehen eines f&uuml;r die Bindung nach Treu und Glauben notwendigen Vertrauenstatbestandes grunds&auml;tzlich hindert (z.B. BFH-Urteil vom 29.04.2008&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;75\/05, BFHE 221, 136, BStBl II 2008, 817, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Einer Zur&uuml;ckverweisung der Sache an das FG nach &sect;&nbsp;127 FGO bedurfte es nicht. Durch den &Auml;nderungsbescheid vom 13.03.2017, in dem die Eink&uuml;nfte der Kl&auml;gerin aus selbst&auml;ndiger Arbeit erneut &#8211;wie im Feststellungsbescheid vom 06.09.2016&#8211; in H&ouml;he von &#8230;,51&nbsp;EUR festgestellt werden, hat sich bezogen auf den Streitpunkt keine &Auml;nderung ergeben. Das Urteil des FG leidet zudem nicht an einem Verfahrensmangel. Die vom FG festgestellten tats&auml;chlichen Grundlagen des Streitstoffs sind durch die &Auml;nderung unber&uuml;hrt geblieben und bilden weiterhin die Grundlage f&uuml;r die Entscheidung des Senats (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 26.11.2008&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;31\/07, BFHE 223, 471, BStBl II 2009, 651).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Der Senat entscheidet in der Sache selbst (&sect;&sect;&nbsp;121, 100 FGO). Gegenstand der Entscheidung ist die Rechtm&auml;&szlig;igkeit des &Auml;nderungsbescheides vom 13.03.2017, der &#8211;wie dargelegt&#8211; nicht nur Gegenstand des Verfahrens geworden ist, sondern auch dazu gef&uuml;hrt hat, dass die (zun&auml;chst) mit dem Abhilfebescheid vom 18.01.2017 eingetretene Erledigung der Hauptsache wieder entfallen ist (vgl. z.B. BFH-Urteile vom 31.03.1992&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;2\/86, BFH\/NV 1992, 759; vom 24.10.1984&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;30\/81, BFHE 142, 357, BStBl II 1985, 218, m.w.N.). Der Bescheid &uuml;ber die gesonderte und einheitliche Feststellung von Besteuerungsgrundlagen vom 13.03.2017 verletzt die Kl&auml;gerin in ihren Rechten und war daher aufzuheben. Die Umsatzsteuervorauszahlung f&uuml;r November 2014 in H&ouml;he von 12.804,08&nbsp;EUR ist als Betriebsausgabe im Rahmen der gesonderten und einheitlichen Feststellung von Besteuerungsgrundlagen f&uuml;r 2014 zu ber&uuml;cksichtigen. Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 i.V.m. Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG gilt die am 09.01.2015 entrichtete Zahlung als im Jahr 2014 abgeflossen. Die Revision des FA bleibt damit ohne Erfolg.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Ausgaben sind gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG f&uuml;r das Kalenderjahr abzusetzen, in dem sie geleistet worden sind. Nach &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 i.V.m. Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG gelten regelm&auml;&szlig;ig wiederkehrende Ausgaben, die bei dem Steuerpflichtigen kurze Zeit vor Beginn oder kurze Zeit nach Beendigung des Kalenderjahres angefallen sind, zu dem sie wirtschaftlich geh&ouml;ren, als in diesem Kalenderjahr abgeflossen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Umsatzsteuervorauszahlungen sind regelm&auml;&szlig;ig wiederkehrende Ausgaben (vgl. z.B. BFH-Urteile vom 11.11.2014&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;34\/12, BFHE 247, 432, BStBl II 2015, 285; vom 27.06.2018&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;44\/16, BFHE 262, 97, BStBl II 2018, 781, und X&nbsp;R&nbsp;2\/17, BFH\/NV 2018, 1286, m.w.N.). Als &quot;kurze Zeit&quot; im Sinne der Regelung gilt ein Zeitraum von bis zu zehn Tagen (so z.B. BFH-Urteile in BFHE 247, 432, BStBl II 2015, 285; in BFHE 262, 97, BStBl II 2018, 781; in BFH\/NV 2018, 1286, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die Kl&auml;gerin hat die Umsatzsteuervorauszahlung f&uuml;r November 2014 am 09.01.2015 zur Zahlung angewiesen und damit innerhalb kurzer Zeit nach Beendigung des Kalenderjahres i.S. des &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 i.V.m. Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG gezahlt. Unbare Zahlungen, die im Wege der &Uuml;berweisung von einem Bankkonto bewirkt werden, sind grunds&auml;tzlich im Zeitpunkt des &Uuml;berweisungsauftrages abgeflossen (z.B. BFH-Urteil vom 11.08.1987&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;163\/83, BFHE 152, 440, BStBl II 1989, 702; vgl. auch BFH-Beschluss vom 08.03.2016&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;58\/15, BFH\/NV 2016, 1008).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Entgegen der Auffassung des FA gilt diese Zahlung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 i.V.m. Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG als im Streitjahr abgeflossen, auch wenn der gesetzliche F&auml;lligkeitstermin der Umsatzsteuervorauszahlung f&uuml;r November 2014 gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;18 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 des Umsatzsteuergesetzes, &sect;&nbsp;46 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 UStDV auf den 10.01.2015 und damit auf einen Samstag fiel. Der Senat schlie&szlig;t sich im Ergebnis der Rechtsprechung des X.&nbsp;Senats des BFH an, nach der eine Umsatzsteuervorauszahlung, die innerhalb von zehn Tagen nach Ablauf des Kalenderjahres gezahlt wird, auch dann im Jahr ihrer wirtschaftlichen Zugeh&ouml;rigkeit als Betriebsausgabe abgezogen werden kann, wenn der 10.01. auf einen Sonnabend, Sonntag oder gesetzlichen Feiertag f&auml;llt. Der Senat verweist zur Vermeidung von Wiederholungen auf die BFH-Urteile in BFHE 262, 97, BStBl II 2018, 781 und in BFH\/NV 2018, 1286.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 3.12.2019, VIII R 23\/17ECLI:DE:BFH:2019:U.031219.VIIIR23.17.0 Verfahrensgegenstand bei Ergehen mehrerer &Auml;nderungsbescheide w&auml;hrend des Revisionsverfahrens; Ber&uuml;cksichtigung einer Umsatzsteuervorauszahlung im Jahr der wirtschaftlichen Zugeh&ouml;rigkeit bei Leistung bis zum 10.01. des Folgejahres Leits&auml;tze 1. NV: Ergehen innerhalb des Revisionsverfahrens mehrere &Auml;nderungsbescheide, wird der jeweils letzte zum Gegenstand des Verfahrens. Eine durch den Erlass eines ersten &Auml;nderungsbescheides (Abhilfebescheides) &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/viii-r-23-17-verfahrensgegenstand-bei-ergehen-mehrerer-aenderungsbescheide-waehrend-des-revisionsverfahrens-beruecksichtigung-einer-umsatzsteuervorauszahlung-im-jahr-der-wirtschaftlichen-zugehoerigkei\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">VIII&nbsp;R&nbsp;23\/17 &#8211; Verfahrensgegenstand bei Ergehen mehrerer &Auml;nderungsbescheide w&auml;hrend des Revisionsverfahrens; Ber&uuml;cksichtigung einer Umsatzsteuervorauszahlung im Jahr der wirtschaftlichen Zugeh&ouml;rigkeit bei Leistung bis zum 10.01. des Folgejahres<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-72296","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72296","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=72296"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72296\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=72296"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=72296"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=72296"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}