{"id":72322,"date":"2020-05-16T18:27:34","date_gmt":"2020-05-16T16:27:34","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=72322"},"modified":"2020-05-16T18:27:34","modified_gmt":"2020-05-16T16:27:34","slug":"i-r-67-17-keine-umdeutung-des-anmeldungszeitraums-einer-anmeldung-zur-bauabzugsteuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/i-r-67-17-keine-umdeutung-des-anmeldungszeitraums-einer-anmeldung-zur-bauabzugsteuer\/","title":{"rendered":"I&nbsp;R&nbsp;67\/17 &#8211; Keine Umdeutung des Anmeldungszeitraums einer Anmeldung zur Bauabzugsteuer"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 9.10.2019, I R 67\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.091019.IR67.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Keine Umdeutung des Anmeldungszeitraums einer Anmeldung zur Bauabzugsteuer<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>NV: Der durch Auslegung ermittelte Anmeldungszeitraum einer Anmeldung zur Bauabzugsteuer kann nicht durch Umdeutung i.S. des &sect; 128 AO ge&auml;ndert werden.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision der Kl&auml;gerin werden das Urteil des Finanzgerichts D&uuml;sseldorf vom 10.10.2017 &#8211; 10 K 1513\/14 E sowie der Ablehnungsbescheid vom 31.03.2014 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 10.04.2014 aufgehoben und der Bescheid &uuml;ber den Steuerabzug bei Bauleistungen vom 02.08.2013 dahin ge&auml;ndert, dass der Steuerabzug auf 0 EUR festgesetzt wird.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin und Revisionskl&auml;gerin (Kl&auml;gerin) ist im Bereich der Energie- und Haustechnik t&auml;tig. Hierzu geh&ouml;rt die Lieferung und Montage von Photovoltaikanlagen in Form sog. Aufdach-Anlagen. Im Oktober und November 2011 beauftragte sie die A&nbsp;Ltd. zur Durchf&uuml;hrung entsprechender Montagearbeiten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin reichte am 02.08.2013 beim Beklagten und Revisionsbeklagten (Finanzamt &#8211;FA&#8211;) eine Anmeldung &uuml;ber den Steuerabzug bei Bauleistungen ein (&sect;&nbsp;48a Abs.&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes in der f&uuml;r den Streitzeitraum geltenden Fassung &#8211;EStG&#8211; i.V.m. &sect;&nbsp;48 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG) und f&uuml;hrte insgesamt &#8230;&nbsp;EUR Bauabzugsteuer an das FA ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 21.02.2014 teilte die Kl&auml;gerin dem FA mit, mangels Bauleistung sei der Steuerabzug nicht gerechtfertigt. Das FA lehnte mit Bescheid vom 31.03.2014 eine &Auml;nderung der Anmeldung &uuml;ber den Steuerabzug bei Bauleistungen ab. Der Einspruch der Kl&auml;gerin blieb erfolglos.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die hiergegen gerichtete Klage hat das Finanzgericht (FG) D&uuml;sseldorf mit Urteil vom 10.10.2017&nbsp;&#8211; 10&nbsp;K&nbsp;1513\/14&nbsp;E (Entscheidungen der Finanzgerichte 2018, 959) als unbegr&uuml;ndet abgewiesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Kl&auml;gerin macht mit ihrer Revision die Verletzung materiellen Rechts geltend und beantragt sinngem&auml;&szlig;, die Vorentscheidung sowie den Ablehnungsbescheid vom 31.03.2014 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 10.04.2014 aufzuheben und den Bescheid &uuml;ber den Steuerabzug bei Bauleistungen vom 02.08.2013 dahin zu &auml;ndern, dass der Steuerabzug auf 0&nbsp;EUR festgesetzt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Revision zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist begr&uuml;ndet und f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Stattgabe der Klage (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat es zu Unrecht abgelehnt, den Bescheid vom 02.08.2013 &uuml;ber den Steuerabzug bei Bauleistungen gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;164 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) i.V.m. &sect;&nbsp;168 Satz&nbsp;1 AO zu &auml;ndern und die Bauabzugsteuer auf 0&nbsp;EUR festzusetzen. Ob die Montage einer sog. Aufdach-Photovoltaikanlage die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;48 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG erf&uuml;llt, kann dahingestellt bleiben. Eine etwaige Bauabzugsteuer auf die Montageleistungen der A&nbsp;Ltd. ist jedenfalls nicht im streitigen Anmeldungszeitraum Dezember 2011 entstanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Die Anmeldung der Kl&auml;gerin vom 02.08.2013 &uuml;ber den Steuerabzug bei Bauleistungen bezieht sich ausschlie&szlig;lich auf den Anmeldungszeitraum Dezember 2011.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der Anmeldung, die gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;168 Satz&nbsp;1 AO einer Steuerfestsetzung unter dem Vorbehalt der Nachpr&uuml;fung gleichsteht, ist (nur) der Anmeldungszeitraum Dezember 2011 angekreuzt. Auch unter Ber&uuml;cksichtigung der im Anhang zur Anmeldung aufgef&uuml;hrten &quot;Zahlungstage&quot; kann dies nicht als Anmeldung f&uuml;r die Anmeldungszeitr&auml;ume Oktober und November 2011 ausgelegt werden. Denn nach &sect;&nbsp;48a Abs.&nbsp;1 EStG stellt jeder einzelne Monat einen gesonderten Anmeldungszeitraum dar. Dieser Anmeldungszeitraum wird nicht durch die Nennung bestimmter Zahlungstage, sondern durch ausdr&uuml;ckliche Auswahl des Anmeldungszeitraums zu Beginn des Formularbogens bestimmt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auch eine Umdeutung gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;128 AO kommt nicht in Betracht. Diese Vorschrift bietet keine Grundlage, das Ergebnis der Auslegung der Steueranmeldung vom 02.08.2013 inhaltlich weiter anzupassen. Zum einen gilt &sect;&nbsp;128 AO nach seinem Wortlaut (nur) f&uuml;r fehlerhafte Verwaltungsakte, die durch die Finanzbeh&ouml;rden erlassen worden sind. Zum anderen w&auml;re die Steueranmeldung nach einer &Auml;nderung des Anmeldungszeitraums nicht mehr auf das gleiche Ziel gerichtet, auch wenn es weiterhin um die Zahlungen an die A&nbsp;Ltd. im Oktober und November 2011 ginge. Vielmehr w&uuml;rde mit dem &Auml;nderungszeitraum auch der von der Anmeldung erfasste Lebenssachverhalt wechseln (vgl. hierzu auch Rozek in H&uuml;bschmann\/Hepp\/Spitaler, &sect;&nbsp;128 AO Rz&nbsp;20; von Wedelst&auml;dt in Gosch, AO &sect;&nbsp;128 Rz&nbsp;6; einschr&auml;nkend wohl Seer in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, &sect;&nbsp;128 AO Rz&nbsp;4).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Im streitigen Anmeldungszeitraum Dezember 2011 ist keine Bauabzugsteuer angefallen. Eine etwaige Bauabzugsteuer entsteht mit dem Abfluss (&sect;&nbsp;11 EStG) der Gegenleistung (Gosch in Kirchhof, EStG, 18.&nbsp;Aufl., &sect;&nbsp;48 Rz&nbsp;13; Fuhrmann in Korn, &sect;&nbsp;48 EStG Rz&nbsp;36), d.h. nicht erst im Dezember, sondern bereits im Oktober und November 2011, dem Zeitpunkt der an die A&nbsp;Ltd. geleisteten Zahlungen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 9.10.2019, I R 67\/17ECLI:DE:BFH:2019:U.091019.IR67.17.0 Keine Umdeutung des Anmeldungszeitraums einer Anmeldung zur Bauabzugsteuer Leits&auml;tze NV: Der durch Auslegung ermittelte Anmeldungszeitraum einer Anmeldung zur Bauabzugsteuer kann nicht durch Umdeutung i.S. des &sect; 128 AO ge&auml;ndert werden. 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