{"id":72326,"date":"2020-05-16T18:27:14","date_gmt":"2020-05-16T16:27:14","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=72326"},"modified":"2020-05-16T18:27:14","modified_gmt":"2020-05-16T16:27:14","slug":"ii-r-41-17-pflegekosten-fuer-die-grabstaette-dritter-als-nachlassverbindlichkeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-41-17-pflegekosten-fuer-die-grabstaette-dritter-als-nachlassverbindlichkeiten\/","title":{"rendered":"II&nbsp;R&nbsp;41\/17 &#8211; Pflegekosten f&uuml;r die Grabst&auml;tte Dritter als Nachlassverbindlichkeiten"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 22.1.2020, II R 41\/17<br \/>ECLI:DE:BFH:2020:U.220120.IIR41.17.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Pflegekosten f&uuml;r die Grabst&auml;tte Dritter als Nachlassverbindlichkeiten<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Aufwendungen f&uuml;r die Pflege einer Wahlgrabst&auml;tte, in der nicht der Erblasser, sondern dritte Personen bestattet sind, sind als Nachlassverbindlichkeiten abzugsf&auml;hig, wenn sich bereits der Erblasser f&uuml;r die Dauer des Nutzungsrechts zur Pflege verpflichtet hatte und diese Pflicht auf den Erben &uuml;bergegangen ist.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Abzugsf&auml;hig sind die am Bestattungsort &uuml;blichen Grabpflegekosten f&uuml;r die Laufzeit des Grabnutzungsrechts. Ma&szlig;gebend sind die Verh&auml;ltnisse im Zeitpunkt des Todes des Erblassers.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Revision des Kl&auml;gers wird das Urteil des Finanzgerichts D&uuml;sseldorf vom 17.01.2017 &#8211; 4 K 1641\/15 Erb aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht D&uuml;sseldorf zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Verfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) ist testamentarischer Alleinerbe seines im November 2013 verstorbenen Cousins, des Erblassers (E).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>E hatte ein Nutzungsrecht an einer Wahlgrabst&auml;tte auf einem Friedhof in X f&uuml;r die Dauer vom 25.10.2012 bis zum 24.10.2032 erworben. Die im Herbst 2012 verstorbene Mutter des E wurde in der Wahlgrabst&auml;tte beigesetzt. Am 16.07.2013 stellte die Verwaltung der Stadt X dem E eine Urkunde &uuml;ber das Nutzungsrecht aus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 der Satzung vom 19.12.2008 (ge&auml;ndert am 26.03.2010) f&uuml;r die Friedh&ouml;fe in der Stadt X, die von den Technischen Betrieben X, Anstalt des &ouml;ffentlichen Rechts, verwaltet werden (Friedhofssatzung), bestimmt, dass das Nutzungsrecht mit Zahlung der f&auml;lligen Geb&uuml;hren und Aush&auml;ndigung der Verleihungsurkunde entsteht. Gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;4 der Friedhofssatzung ergibt sich aus dem Erwerb des Nutzungsrechts die Pflicht zur Anlage und Pflege der Grabst&auml;tte. Nach &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;5 der Friedhofssatzung soll schon bei der Verleihung des Nutzungsrechts der Erwerber f&uuml;r den Fall seines Ablebens aus dem im nachfolgenden Satz&nbsp;2 genannten Personenkreis seinen Nachfolger im Nutzungsrecht bestimmen und ihm das Nutzungsrecht durch schriftlichen Vertrag &uuml;bertragen. Wird bis zum Ableben keine derartige Regelung getroffen, geht das Nutzungsrecht in einer festgelegten Reihenfolge auf die im Einzelnen benannten Angeh&ouml;rigen des verstorbenen Nutzungsberechtigten mit deren Zustimmung &uuml;ber, zuletzt auf die nicht vorgehend bezeichneten Erben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 11.11.2016 stellte die Verwaltung der Stadt X dem Kl&auml;ger eine Urkunde &uuml;ber das Nutzungsrecht an der Wahlgrabst&auml;tte f&uuml;r den Zeitraum vom 29.11.2013 bis 11.12.2033 aus.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) setzte mit Bescheid vom 27.02.2015 Erbschaftsteuer in H&ouml;he von 26.550&nbsp;EUR gegen den Kl&auml;ger fest. Als Nachlassgegenst&auml;nde ber&uuml;cksichtigte er das durch den Kl&auml;ger erkl&auml;rte Grundverm&ouml;gen und Bankguthaben. Als Nachlassverbindlichkeiten in Abzug gebracht wurden der Pauschbetrag nach &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;5 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes (ErbStG) in H&ouml;he von 10.300&nbsp;EUR und Kosten f&uuml;r die Pflege der Wahlgrabst&auml;tte in H&ouml;he von 4.650&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seinem Einspruch begehrte der Kl&auml;ger den Abzug von Kosten f&uuml;r die Pflege der Wahlgrabst&auml;tte in H&ouml;he von 49.200&nbsp;EUR.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA setzte mit Einspruchsentscheidung vom 12.07.2016 die Erbschaftsteuer mit 26.160&nbsp;EUR neu fest. Kosten f&uuml;r die Pflege der Wahlgrabst&auml;tte ber&uuml;cksichtigte es nicht mehr.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die hiergegen gerichtete Klage hatte keinen Erfolg. Das Finanzgericht (FG) f&uuml;hrte in seiner Begr&uuml;ndung im Wesentlichen aus, die vom Kl&auml;ger f&uuml;r die Wahlgrabst&auml;tte geltend gemachten Kosten seien nicht als Nachlassverbindlichkeiten abzugsf&auml;hig. Ein Abzug nach &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;5 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 ErbStG sei ausgeschlossen, da hierunter nur die Kosten f&uuml;r die Bestattung von E selbst fallen w&uuml;rden. Auch ein Abzug nach &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;5 Nr.&nbsp;1 ErbStG scheide aus. Die neben dem Nutzungsrecht auf den Kl&auml;ger &uuml;bergegangene Pflicht zur Anlage und Pflege der Wahlgrabst&auml;tte sei als Nebenpflicht des Nutzungsberechtigten neben der Zahlung der Nutzungsgeb&uuml;hr Bestandteil eines im Zeitpunkt der Entstehung der Steuer noch nicht abgeschlossenen &ouml;ffentlich-rechtlichen Nutzungsverh&auml;ltnisses. Als schwebendes Gesch&auml;ft, dessen vereinbarte Leistungspflichten als ausgeglichen gelten w&uuml;rden, sei es nicht in die Bemessungsgrundlage f&uuml;r die Erbschaftsteuer miteinzubeziehen, da Leistung und Gegenleistung in etwa ausgewogen seien. Das FA habe das restliche Nutzungsrecht an der Wahlgrabst&auml;tte als Verm&ouml;gensgegenstand ber&uuml;cksichtigen und diesem die k&uuml;nftigen, ggf. abzuzinsenden Aufwendungen f&uuml;r die Pflege und Unterhaltung der Grabst&auml;tte gegen&uuml;berstellen k&ouml;nnen. Ein Abzugsbetrag zugunsten des Kl&auml;gers k&ouml;nne sich aber nicht ergeben, da davon auszugehen sei, dass die Geb&uuml;hr und Verpflichtung zur Anlage und Pflege der Grabst&auml;tte jedenfalls dem Wert des Nutzungsrechts entsprechen w&uuml;rden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit seiner Revision macht der Kl&auml;ger eine Verletzung von &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;5 Nr.&nbsp;1 ErbStG geltend.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<br \/>die Vorentscheidung und die Einspruchsentscheidung vom 12.07.2016 aufzuheben und den Erbschaftsteuerbescheid vom 27.02.2015 dahingehend zu &auml;ndern, dass Kosten f&uuml;r die Pflege der Wahlgrabst&auml;tte in H&ouml;he von 49.200&nbsp;EUR als Nachlassverbindlichkeiten in Abzug gebracht werden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt,<br \/>die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist begr&uuml;ndet. Sie f&uuml;hrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur&uuml;ckverweisung der Sache an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Zu Unrecht ist das FG davon ausgegangen, dass der Wert des Nutzungsrechts an der Wahlgrabst&auml;tte und die Aufwendungen f&uuml;r dessen Anlage und Pflege sich der H&ouml;he nach ausgleichen w&uuml;rden, sodass ein f&uuml;r den Kl&auml;ger g&uuml;nstiger Abzug der Grabpflegekosten als Nachlassverbindlichkeiten nicht erreicht werden k&ouml;nne.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 ErbStG gilt als Erwerb von Todes wegen u.a. der Erwerb durch Erbanfall (&sect;&nbsp;1922 des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs &#8211;BGB&#8211;). Mit dem Tod einer Person (Erbfall) geht deren Verm&ouml;gen (Erbschaft) als Ganzes auf eine oder mehrere andere Personen (Erben) &uuml;ber (&sect;&nbsp;1922 Abs.&nbsp;1 BGB). Die &ouml;ffentlich-rechtliche Nutzungsbefugnis an einer Wahlgrabst&auml;tte kann auf den Erben &uuml;bergehen und Teil des Nachlasses i.S. des &sect;&nbsp;1922 BGB sein, wenn der Friedhofstr&auml;ger in seiner Friedhofssatzung einen solchen &Uuml;bergang vorsieht und der Erbe dem &Uuml;bergang des Nutzungsrechts auf ihn zustimmt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Bei dem durch den Friedhofstr&auml;ger in der Handlungsform des Verwaltungsakts (vgl. &sect;&nbsp;35 Satz&nbsp;1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes) verliehenen Grabnutzungsrecht handelt es sich in der Regel um ein subjektiv-&ouml;ffentliches Sonderrecht, das in der Person des Rechtsinhabers besteht (vgl. z.B. Urteil des Verwaltungsgerichts &#8211;VG&#8211; Magdeburg vom 18.10.2013&nbsp;&#8211; 9&nbsp;A&nbsp;155\/12, unter I.2.a; Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs &#8211;BayVGH&#8211; vom 21.03.2018&nbsp;&#8211; 4&nbsp;ZB&nbsp;17.2082, Neue Juristische Wochenschrift &#8211;NJW&#8211; 2018, 1832, Rz&nbsp;11). Es endet aber nicht mit dessen Tod, sondern ist &uuml;bertragbar (VG M&uuml;nchen, Urteil vom 20.03.2008&nbsp;&#8211; M&nbsp;12&nbsp;K&nbsp;07.5955). F&uuml;r die Frage, ob das Nutzungsrecht bei Tod des Erblassers auf den Rechtsnachfolger &uuml;bergeht, ist nicht unmittelbar die Erbfolgeregelung des BGB ma&szlig;gebend, sondern sind die durch den jeweiligen Friedhofstr&auml;ger in der Friedhofssatzung getroffenen Regelungen einschl&auml;gig (z.B. Oberlandesgericht &#8211;OLG&#8211; Zweibr&uuml;cken, Urteil vom 15.05.1997&nbsp;&#8211; 6&nbsp;U&nbsp;57\/96, unter 1.3; Amtsgericht &#8211;AG&#8211; Pfaffenhofen, Urteil vom 21.12.2012&nbsp;&#8211; 1&nbsp;C&nbsp;344\/12, Rz&nbsp;48). Die Friedhofssatzung, die die Rechtsbeziehungen zwischen dem Tr&auml;ger des Friedhofs und dem Inhaber des Nutzungsrechts regelt, kann jedoch Rechtsnachfolgeregelungen f&uuml;r das Grabnutzungsrecht treffen, die an die b&uuml;rgerlich-rechtliche Erbfolge ankn&uuml;pfen und eine &Uuml;bertragung auf die Erben bestimmen (OLG Oldenburg, Urteil vom 22.08.1995&nbsp;&#8211; 5&nbsp;U&nbsp;32\/95, NJW-Rechtsprechungsreport Zivilrecht &#8211;NJW-RR&#8211; 1996, 136; VG M&uuml;nchen, Urteil vom 20.03.2008&nbsp;&#8211; M&nbsp;12&nbsp;K&nbsp;07.5955; vgl. auch Torsten F. Barthel, Gewerbearchiv Beilage Wirtschaft und Verwaltung Themenhefte Nr.&nbsp;01\/2016, 22&nbsp;ff., unter VII.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Sieht der Friedhofstr&auml;ger eine &Uuml;bertragung des Grabnutzungsrechts auf Erben vor, ist der &Uuml;bergang wegen der mit ihm verbundenen Pflichten nur m&ouml;glich, wenn der Erbe dem Erwerb zustimmt und sich damit den einschl&auml;gigen Bestimmungen der Friedhofssatzung unterwirft (z.B. BayVGH-Urteil in NJW 2018, 1832, Rz&nbsp;11). Denn eine Regelung, nach der das Nutzungsrecht mit den damit verbundenen Pflichten auf einen anderen ohne dessen Zustimmung &uuml;bergeht, stellt einen Eingriff in die durch Art.&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes verfassungsrechtlich gesch&uuml;tzte allgemeine Handlungsfreiheit dar. Eine Aufdr&auml;ngung des Nutzungsrechts ist daher nicht m&ouml;glich (VG W&uuml;rzburg, Urteil vom 23.01.2019&nbsp;&#8211; W&nbsp;2&nbsp;K&nbsp;18.1268, Rz&nbsp;34). Die Zustimmung zum &Uuml;bergang des Grabnutzungsrechts kann z.B. in der Entgegennahme der dar&uuml;ber ausgestellten Urkunde gesehen werden (Oberverwaltungsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 14.04.2016&nbsp;&#8211; 2&nbsp;LB&nbsp;25\/15, Zeitschrift f&uuml;r Erbrecht und Verm&ouml;gensnachfolge 2016, 409, Rz&nbsp;70).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Sieht die Friedhofssatzung eine &Uuml;bertragung des Grabnutzungsrechts auf den Erben vor und stimmt dieser dem &Uuml;bergang zu, erwirbt er das Nutzungsrecht nach den zivilrechtlichen Bestimmungen der Erbfolge i.S. der &sect;&sect;&nbsp;1922&nbsp;ff. BGB (vgl. z.B. Urteil des OLG Oldenburg in NJW-RR 1996, 136; AG Pfaffenhofen, Urteil vom 21.12.2012&nbsp;&#8211; 1&nbsp;C&nbsp;344\/12, Rz&nbsp;65&nbsp;ff.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Steuerrechtlich liegt bei einem Erwerb durch Erbanfall (&sect;&nbsp;1922 BGB) ein Erwerb von Todes wegen nach &sect;&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1&nbsp;&nbsp;1.&nbsp;Alternative ErbStG vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Nach &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;1 ErbStG richtet sich die Bewertung des Erbanfalls, soweit nicht in den Abs&auml;tzen&nbsp;2 bis 7 etwas anderes bestimmt ist, nach den Vorschriften des Ersten Teils des Bewertungsgesetzes (BewG) i.d.F. der Bekanntmachung vom 01.02.1991 (BGBl I 1991, 230), zuletzt ge&auml;ndert durch Artikel&nbsp;2 des Gesetzes zur Reform des Erbschaftsteuer- und Bewertungsrechts vom 24.12.2008 (BGBl I 2008, 3018), in der jeweils geltenden Fassung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Der Wert eines vererbten Grabnutzungsrechts, das auf eine bestimmte Zeit beschr&auml;nkt ist, ist nach &sect;&nbsp;13 BewG zu bestimmen. Der Kapitalwert von solchen Nutzungen ist mit dem aus Anlage&nbsp;9a zum BewG zu entnehmenden Vielfachen des Jahreswerts anzusetzen (&sect;&nbsp;13 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 BewG). Der Jahreswert ergibt sich aus &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;2 BewG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Als Bereicherung gilt in den F&auml;llen des &sect;&nbsp;3 ErbStG der Betrag, der sich ergibt, wenn von dem nach &sect;&nbsp;12 ErbStG zu ermittelnden Wert des gesamten Verm&ouml;gensanfalls, soweit er der Besteuerung nach dem ErbStG unterliegt, die nach &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;3 bis 9 ErbStG abzugsf&auml;higen Nachlassverbindlichkeiten abgezogen werden (&sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 ErbStG; Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 15.06.2016&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;51\/14, BFHE 255, 85, BStBl II 2018, 194, Rz&nbsp;17).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Abzug von Nachlassverbindlichkeiten nach &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;5 Nr.&nbsp;1 ErbStG setzt ebenso wie die Erbenhaftung nach &sect;&nbsp;1967 Abs.&nbsp;2 BGB voraus, dass Schulden vom Erblasser herr&uuml;hren. Aus dem Begriff &quot;herr&uuml;hren&quot; ergibt sich, dass die Verbindlichkeiten zum Zeitpunkt des Erbfalls noch nicht voll wirksam entstanden sein m&uuml;ssen. Erblasserschulden i.S. des &sect;&nbsp;1967 Abs.&nbsp;2 BGB sind auch die erst in der Person des Erben entstehenden Verbindlichkeiten, die als solche schon dem Erblasser entstanden w&auml;ren, wenn er nicht vor Eintritt der zu ihrer Entstehung n&ouml;tigen weiteren Voraussetzung verstorben w&auml;re (BFH-Urteil in BFHE 255, 85, BStBl II 2018, 194, Rz&nbsp;17).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Aufwendungen f&uuml;r die Pflege einer Wahlgrabst&auml;tte, f&uuml;r die der Erbe vom Erblasser durch Erbfall ein Recht zur Nutzung erworben und der &Uuml;bertragung des Nutzungsrechts auf ihn gegen&uuml;ber dem Friedhofstr&auml;ger zugestimmt hat, sind nach &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;5 Nr.&nbsp;1 ErbStG als Nachlassverbindlichkeiten abzugsf&auml;hig, wenn sich bereits der Erblasser &#8211;z.B. aufgrund von Bestimmungen in der Friedhofssatzung&#8211; f&uuml;r die gesamte Dauer der Laufzeit des Nutzungsrechts zur Pflege verpflichtet hatte und der Erbe diese Verpflichtung &#8211;z.B. dadurch, dass er der Beachtung der Friedhofssatzung zugestimmt hat&#8211; &uuml;bernommen hat. In einem solchen Fall h&auml;tte der Erblasser die Kosten f&uuml;r die gesamte Dauer der Nutzung und f&uuml;r die Verpflichtung zur Pflege der Wahlgrabst&auml;tte &#8211;also auch f&uuml;r die erst nach seinem Tod entstehenden Aufwendungen&#8211; tragen m&uuml;ssen, wenn er nicht verstorben w&auml;re.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;5 Nr.&nbsp;1 ErbStG sieht nur den Abzug von nachgewiesenen Kosten vor; der Abzug eines Pauschbetrags ist nicht m&ouml;glich. Abzugsf&auml;hig sind die am Bestattungsort &uuml;blichen Aufwendungen f&uuml;r die Grabpflege. Diese sind nach &sect;&nbsp;162 Abs.&nbsp;1 der Abgabenordnung (AO) zu sch&auml;tzen. Als Sch&auml;tzungsgrundlage k&ouml;nnen z.B. Kostenvoranschl&auml;ge ortsnaher Friedhofsg&auml;rtner herangezogen werden. Soweit der Abzug von Aufwendungen &uuml;ber den am Bestattungsort &uuml;blichen Rahmen hinausgeht, ist der Abzug zu versagen. Dies gilt auch dann, wenn der Erbe tats&auml;chlich h&ouml;here Aufwendungen hat, die z.B. durch die gesellschaftlichen, pers&ouml;nlichen oder beruflichen Umst&auml;nde oder die finanziellen Verh&auml;ltnisse des Erblassers oder des Erben bedingt sind (vgl. zu den Kosten der &uuml;blichen Grabpflege i.S. des &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;5 Nr.&nbsp;3 ErbStG HE&nbsp;10.7 der Hinweise zu den Erbschaftsteuer-Richtlinien 2019).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Sind in der Wahlgrabst&auml;tte sowohl dritte Personen als auch der Erblasser bestattet, sind die Grabpflegekosten nur nach &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;5 Nr.&nbsp;3 ErbStG abzugsf&auml;hig. Durch einen solchen Abzug sind auch Aufwendungen f&uuml;r die Grabpflegekosten dritter Personen mit abgegolten und k&ouml;nnen nicht dar&uuml;ber hinaus nach &sect;&nbsp;10 Abs.&nbsp;5 Nr.&nbsp;1 ErbStG in Abzug gebracht werden. Werden Aufwendungen nicht im Einzelnen nachgewiesen, gelten alle Pflegekosten im Zusammenhang mit dem Wahlgrab als durch den Pauschbetrag in H&ouml;he von 10.300&nbsp;EUR als abgegolten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Ist das Grabnutzungsrecht zeitlich beschr&auml;nkt, sind die Kosten f&uuml;r die Pflege der Grabst&auml;tte nach &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;1 ErbStG i.V.m. &sect;&nbsp;13 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 BewG zu ermitteln. Der sich aus den am Bestattungsort &uuml;blichen Kosten ergebende Jahreswert der Aufwendungen ist je nach Laufzeit des Nutzungsrechts an der Wahlgrabst&auml;tte mit dem sich aus der Anlage&nbsp;9a zu &sect;&nbsp;13 BewG ergebenden ma&szlig;geblichen Vervielf&auml;ltiger zu multiplizieren.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die Wertermittlung sowohl f&uuml;r den Ansatz des Grabnutzungsrechts im Rahmen des Erwerbs von Todes wegen als auch f&uuml;r die H&ouml;he der Grabpflegekosten als Nachlassverbindlichkeiten richtet sich nach den Verh&auml;ltnissen im Zeitpunkt des Todes des Erblassers. Der Zeitpunkt der Zustimmung des Erben zu dem &Uuml;bergang des Nutzungsrechts auf ihn ist nicht ma&szlig;gebend. Die nach dem Tod des Erblassers erteilte und daher nachtr&auml;gliche Zustimmung zu der &Uuml;bertragung wirkt auf den Zeitpunkt des Todes zur&uuml;ck (vgl. &sect;&nbsp;184 Abs.&nbsp;1 BGB).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Nach &sect;&nbsp;11 ErbStG ist f&uuml;r die Wertermittlung der Zeitpunkt der Entstehung der Steuer ma&szlig;gebend. Die Steuer entsteht bei Erwerben von Todes wegen mit dem Tod des Erblassers, jedoch f&uuml;r zu einem Erwerb geh&ouml;rende, aufschiebend bedingte Anspr&uuml;che mit dem Zeitpunkt des Eintritts der Bedingung (&sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a ErbStG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Die nachtr&auml;gliche Zustimmung des Erben zu dem Erwerb des Grabnutzungsrechts ist keine aufschiebende Bedingung i.S. des &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a ErbStG i.V.m. &sect;&nbsp;158 Abs.&nbsp;1 BGB. Eine aufschiebende Bedingung i.S. des &sect;&nbsp;158 Abs.&nbsp;1 BGB ist die durch den Parteiwillen in ein Rechtsgesch&auml;ft eingef&uuml;gte Bestimmung, die die Rechtswirkungen des Gesch&auml;fts von einem zuk&uuml;nftigen ungewissen Ereignis abh&auml;ngig macht (Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 12.12.2007&nbsp;&#8211; 10&nbsp;AZR&nbsp;97\/07, BAGE 125, 147, unter B.VI.1.a). Die nachtr&auml;gliche Zustimmung ist Wirksamkeitsvoraussetzung (Rechtsbedingung) f&uuml;r den erbrechtlichen &Uuml;bergang des Grabnutzungsrechts von dem Erblasser auf den Erben (zur nachtr&auml;glichen Zustimmung als Wirksamkeitsvoraussetzung &#8211;Rechtsbedingung&#8211; f&uuml;r die Wirksamkeit des Hauptgesch&auml;fts vgl. Palandt\/Ellenberger, B&uuml;rgerliches Gesetzbuch, 79.&nbsp;Aufl., Einf v &sect;&nbsp;182 Rz&nbsp;3). Mit seiner Zustimmung hat der Erbe das Nutzungsrecht r&uuml;ckwirkend auf den Todeszeitpunkt des Erblassers voll wirksam erworben (vgl. Palandt\/Ellenberger, a.a.O., &sect;&nbsp;184 Rz&nbsp;2). Eine aufschiebende Bedingung i.S. des &sect;&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a ErbStG liegt nicht vor. Zwar kann eine solche auch gegeben sein, wenn der Eintritt von der freien Entscheidung eines Beteiligten &#8211;z.B. von der Aus&uuml;bung eines vertraglich vereinbarten Optionsrechts&#8211; abh&auml;ngt (vgl. BFH-Urteil vom 05.03.1971&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;130\/68, BFHE 102, 102, BStBl II 1971, 481). Es muss sich dann aber um eine echte rechtsgesch&auml;ftliche Bedingung handeln (Geck in Kapp\/Ebeling, &sect;&nbsp;9 ErbStG, Rz&nbsp;24) und nicht &#8211;wie im Fall der nachtr&auml;glichen Zustimmung zum Erwerb des Grabnutzungsrechts&#8211; um eine Rechtsbedingung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Ein schwebendes Gesch&auml;ft, dessen Hauptpflichten im Todeszeitpunkt des Erblassers noch nicht erf&uuml;llt waren und das bei der Bemessungsgrundlage f&uuml;r die Erbschaftsteuer nicht zu ber&uuml;cksichtigen ist, liegt bei dem durch den Erben genehmigten &Uuml;bergang eines Grabnutzungsrechts und den aus dem &Uuml;bergang herr&uuml;hrenden Kosten f&uuml;r die Pflege der Wahlgrabst&auml;tte nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Durch die nachtr&auml;gliche Zustimmung des Erben zum &Uuml;bergang des Nutzungsrechts auf ihn wird das Nutzungsrecht an der Wahlgrabst&auml;tte r&uuml;ckwirkend auf den Todeszeitpunkt zu einem nach den zivilrechtlichen Regelungen des &sect;&nbsp;1922 BGB &uuml;bergegangenen Nachlassgegenstand. Die Hauptpflichten aus dem Grabnutzungsvertrag &#8211;die Pflicht zur Zahlung der Grabnutzungsgeb&uuml;hr und die Erlaubnis zur Nutzung der Wahlgrabst&auml;tte&#8211; sind in F&auml;llen, in denen der Erblasser die Geb&uuml;hr bereits vollst&auml;ndig entrichtet hat, im Todeszeitpunkt erf&uuml;llt. Noch nicht erf&uuml;llt ist lediglich die sich aus dem Erwerb des Grabnutzungsrechts ergebende Pflicht des Erben zur Pflege der Wahlgrabst&auml;tte. Dabei handelt es sich aber nicht um eine im Synallagma zu der &Uuml;berlassung des Grabs stehende Hauptleistungspflicht, sondern um eine vom Erwerb herr&uuml;hrende Nebenpflicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>31<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Da das FG von anderen Grunds&auml;tzen ausgegangen ist, war die Vorentscheidung aufzuheben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>32<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat zu Unrecht angenommen, dass es sich bei der Verpflichtung zur Pflege der Wahlgrabst&auml;tte um ein im Todeszeitpunkt als dem Zeitpunkt der Entstehung der Steuer noch nicht abgeschlossenes &ouml;ffentlich-rechtliches Nutzungsverh&auml;ltnis und daher schwebendes Gesch&auml;ft handle, das erbschaftsteuerrechtlich als ausgeglichen gelte und sich nicht auf die Bemessungsgrundlage auswirke. Seine Feststellungen tragen nicht die Annahme, dass die Geb&uuml;hr f&uuml;r das Grabnutzungsrecht und die Aufwendungen aus der Verpflichtung zu dessen Pflege jedenfalls dem Wert des Grabnutzungsrechts entsprechen w&uuml;rden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>33<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Sache ist nicht spruchreif. Das FG wird im zweiten Rechtsgang weitere Feststellungen zu treffen haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>34<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>6. Aus Gr&uuml;nden der Prozess&ouml;konomie wird f&uuml;r den zweiten Rechtsgang auf Folgendes hingewiesen:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>35<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Ob das in der Person des E entstandene Grabnutzungsrecht bei seinem Tod auf den Kl&auml;ger als seinen Alleinerben &uuml;bergegangen ist und der Kl&auml;ger im Zuge des &Uuml;bergangs auch die Pflicht zur Pflege der Grabst&auml;tte erworben hat, ist durch Auslegung der Friedhofssatzung, die dem FG als Tatsachengericht obliegt, festzustellen. Das FG hat im ersten Rechtsgang die Friedhofssatzung dahingehend ausgelegt, dass nach &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 der Friedhofssatzung das Grabnutzungsrecht mit der Zahlung der Geb&uuml;hr und der Aush&auml;ndigung der Verleihungsurkunde in der Person des E entstanden und nach &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Buchst.&nbsp;i der Friedhofssatzung auf den Kl&auml;ger als Erben des E &uuml;bergegangen sei. Die nach &sect;&nbsp;15 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;4 der Friedhofssatzung sich aus dem Erwerb des Nutzungsrechts ergebende Pflicht zur Anlage und Pflege der Grabst&auml;tte sei ebenfalls auf den Kl&auml;ger &uuml;bergegangen. Diese Auslegung ist revisionsrechtlich nicht zu beanstanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>36<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das FG wird festzustellen haben, ob der Kl&auml;ger der &Uuml;bertragung des Grabnutzungsrechts auf ihn zugestimmt hat. F&uuml;r eine Zustimmung k&ouml;nnte die Annahme der Urkunde &uuml;ber das Nutzungsrecht vom 11.11.2016 sprechen. In diesem Zusammenhang wird zu kl&auml;ren sein, warum der in der dem Kl&auml;ger ausgestellten Urkunde angegebene Nutzungszeitraum vom 29.11.2013 bis 11.12.2033 l&auml;uft, wohingegen nach den Feststellungen des FG in der dem E ausgestellten Urkunde vom 16.07.2013 eine Laufzeit vom 25.10.2012 bis 24.10.2032 angegeben war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>37<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Festzustellen ist au&szlig;erdem, wie hoch die von E gezahlte Geb&uuml;hr f&uuml;r den Erwerb des Nutzungsrechts an der Wahlgrabst&auml;tte war, ob auch E selbst in der Wahlgrabst&auml;tte bestattet ist (es sich m&ouml;glicherweise um ein sog. Doppelgrab handelt, wof&uuml;r die Bezeichnung &quot;Grabst&auml;tte 14\/15&quot; in der Urkunde vom 11.11.2016 sprechen k&ouml;nnte) und ggf. welche Kosten f&uuml;r die Pflege von Grabst&auml;tten auf dem Friedhof in X &uuml;blich sind.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>38<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Sollte das FG feststellen, dass in der Wahlgrabst&auml;tte nur dritte Personen, nicht aber E bestattet sind, ist f&uuml;r die Bewertung des Nutzungsrechts an der Wahlgrabst&auml;tte und der in X &uuml;blichen Grabpflegekosten als Nachlassverbindlichkeiten auf den Zeitpunkt des Todes des E im November 2013 abzustellen. Davon ausgehend ist eine Gesamtlaufzeit des Nutzungsrechts von 20&nbsp;Jahren (25.10.2012 bis zum 24.10.2032) und eine Restlaufzeit von 18&nbsp;Jahren und 11&nbsp;Monaten (November 2013 bis 24.10.2032) anzunehmen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>39<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>7. Die &Uuml;bertragung der Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Verfahrens auf das FG beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 22.1.2020, II R 41\/17ECLI:DE:BFH:2020:U.220120.IIR41.17.0 Pflegekosten f&uuml;r die Grabst&auml;tte Dritter als Nachlassverbindlichkeiten Leits&auml;tze 1. Aufwendungen f&uuml;r die Pflege einer Wahlgrabst&auml;tte, in der nicht der Erblasser, sondern dritte Personen bestattet sind, sind als Nachlassverbindlichkeiten abzugsf&auml;hig, wenn sich bereits der Erblasser f&uuml;r die Dauer des Nutzungsrechts zur Pflege verpflichtet hatte und diese Pflicht auf den &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-41-17-pflegekosten-fuer-die-grabstaette-dritter-als-nachlassverbindlichkeiten\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">II&nbsp;R&nbsp;41\/17 &#8211; Pflegekosten f&uuml;r die Grabst&auml;tte Dritter als Nachlassverbindlichkeiten<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-72326","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72326","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=72326"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72326\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=72326"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=72326"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=72326"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}