{"id":72354,"date":"2020-05-23T17:40:54","date_gmt":"2020-05-23T15:40:54","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=72354"},"modified":"2020-05-23T17:40:54","modified_gmt":"2020-05-23T15:40:54","slug":"ii-r-41-16-ansatz-der-ueblichen-miete-als-rohertrag-anstelle-des-vertraglich-vereinbarten-entgelts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-41-16-ansatz-der-ueblichen-miete-als-rohertrag-anstelle-des-vertraglich-vereinbarten-entgelts\/","title":{"rendered":"II&nbsp;R&nbsp;41\/16 &#8211; Ansatz der &uuml;blichen Miete als Rohertrag anstelle des vertraglich vereinbarten Entgelts"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 5.12.2019, II R 41\/16<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:U.051219.IIR41.16.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Ansatz der &uuml;blichen Miete als Rohertrag anstelle des vertraglich vereinbarten Entgelts<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. Der f&uuml;r die Bewertung im Ertragswertverfahren ma&szlig;gebliche Rohertrag eines bebauten Grundst&uuml;cks ist grunds&auml;tzlich das Entgelt, das f&uuml;r die Benutzung nach den vertraglichen Vereinbarungen als Miete zu zahlen ist.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. Eine vertraglich vereinbarte Miete kann nicht mehr als &uuml;blich angesehen werden, wenn sie mehr als 20 % niedriger ist als der unterste Wert der Spanne des verwendeten Mietspiegels oder wenn sie mehr als 20 % h&ouml;her ist als der oberste Wert der Spanne. Auf den Mittelwert kommt es insoweit nicht an.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Die Revision des Kl&auml;gers gegen das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 19.10.2016 &#8211; 3 K 3002\/15 wird als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckgewiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Kl&auml;ger zu tragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger und Revisionskl&auml;ger (Kl&auml;ger) und seine Mutter waren zu einem bzw. zwei Dritteln Miteigent&uuml;mer eines Grundst&uuml;cks in X, welches mit 14&nbsp;Wohnungen und einer Gewerbeeinheit bebaut war. Am 14.02.2012 verstarb die Mutter und wurde von dem Kl&auml;ger beerbt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Rahmen seiner Erkl&auml;rung zur Bedarfswertfeststellung setzte der Kl&auml;ger f&uuml;r die Ermittlung des Geb&auml;udeertragswerts nach &sect;&nbsp;185 des Bewertungsgesetzes (BewG) einen j&auml;hrlichen Rohertrag i.S. des &sect;&nbsp;186 BewG von 110.160&nbsp;EUR an. Dabei ging er f&uuml;r vier Einheiten von den vertraglich vereinbarten Nettokaltmieten aus, legte jedoch f&uuml;r elf Einheiten die in dem Mietspiegel ausgewiesenen Mittelwerte zugrunde. Die tats&auml;chliche Miete &uuml;berschritt diese Mittelwerte zu mehr als 20&nbsp;%.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Bescheid vom 20.06.2014 stellte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) den Grundbesitzwert der wirtschaftlichen Einheit auf den Todestag der Mutter f&uuml;r Zwecke der Erbschaftsteuer auf insgesamt 1.469.646&nbsp;EUR, den Anteil des Kl&auml;gers auf 979.764&nbsp;EUR fest. Das FA ging von einem Rohertrag in H&ouml;he von 130.272&nbsp;EUR aus. Es setzte im Rahmen der Frage, ob die tats&auml;chliche Miete um mehr als 20&nbsp;% von der &quot;&uuml;blichen Miete&quot; abweicht (&sect;&nbsp;186 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 BewG), als &quot;&uuml;bliche(n) Miete&quot; nicht den Mittelwert, sondern den obersten Wert der im Mietspiegel ausgewiesenen Spanne an. Das FA kam dadurch bei lediglich zwei vermieteten Einheiten zu Abweichungen der tats&auml;chlichen Miete von der &uuml;blichen Miete um mehr als 20&nbsp;%. Als Rohertrag f&uuml;r diese Einheiten (&quot;&uuml;bliche Miete&quot; i.S. des letzten Satzteils des &sect;&nbsp;186 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 BewG) setzte es den Mittelwert des Mietspiegels an. Im &Uuml;brigen blieb es bei dem Ansatz der (h&ouml;heren) vertraglich vereinbarten Miete.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit Einspruch und Klage verfolgte der Kl&auml;ger seine Auffassung weiter, mit dem in &sect;&nbsp;186 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 BewG zwei Mal verwendeten Begriff &quot;&uuml;bliche(n) Miete&quot; sei zwei Mal der Mittelwert des Mietspiegels gemeint. Er kam nach anderen rechnerischen Korrekturen zu einer &Uuml;berschreitung der 20&nbsp;%-Grenze f&uuml;r noch acht Einheiten und bezifferte den j&auml;hrlichen Rohertrag des Grundst&uuml;cks auf 110.210,76&nbsp;EUR. Das Finanzgericht (FG) wies mit dem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2017, 277 ver&ouml;ffentlichten Urteil die Klage ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Mit der Revision r&uuml;gt der Kl&auml;ger die Verletzung von &sect;&nbsp;186 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 BewG.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Kl&auml;ger beantragt,<br \/>die Vorentscheidung aufzuheben und den Bescheid vom 20.06.2014 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 08.12.2014 &uuml;ber die gesonderte Feststellung des Grundbesitzwerts f&uuml;r das Grundst&uuml;ck W-Stra&szlig;e&nbsp;2 in X f&uuml;r Zwecke der Erbschaftsteuer auf den 14.02.2012 dahin zu &auml;ndern, dass ein Jahresrohertrag von 110.210&nbsp;EUR zugrunde gelegt wird.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA beantragt, die Revision als unbegr&uuml;ndet zur&uuml;ckzuweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Revision ist unbegr&uuml;ndet und war daher zur&uuml;ckzuweisen (&sect;&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat zu Recht entschieden, dass f&uuml;r die Pr&uuml;fung der 20&nbsp;%-Grenze i.S. des &sect;&nbsp;186 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 BewG bei Zugrundelegung eines Mietspiegels auf den untersten oder obersten Wert der darin ausgewiesenen Mietpreisspanne abzustellen ist, nicht auf den Mittelwert.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Nach &sect;&nbsp;12 Abs.&nbsp;3 des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes i.V.m. &sect;&sect;&nbsp;151 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1, 157 Abs.&nbsp;1, Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 BewG sind f&uuml;r die Erbschaftsteuer ab 01.01.2009 die Grundbesitzwerte gesondert festzustellen und f&uuml;r die wirtschaftlichen Einheiten des Grundverm&ouml;gens unter Anwendung der &sect;&sect;&nbsp;159 und 176 bis 198 BewG zu ermitteln. Die Bewertung bebauter Grundst&uuml;cke (&sect;&nbsp;180 BewG) ist von der Grundst&uuml;cksart (&sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;1 BewG) abh&auml;ngig. Mietwohngrundst&uuml;cke i.S. von &sect;&nbsp;181 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2, Abs.&nbsp;3 BewG sind nach &sect;&nbsp;182 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;1 BewG im Ertragswertverfahren nach den &sect;&sect;&nbsp;184 bis 188 BewG zu bewerten. Bei Anwendung des Ertragswertverfahrens ist der Wert der Geb&auml;ude (Geb&auml;udeertragswert) getrennt von dem Bodenwert auf der Grundlage des Ertrags nach &sect;&nbsp;185 BewG zu ermitteln (&sect;&nbsp;184 Abs.&nbsp;1 BewG). Bei der Ermittlung des Geb&auml;udeertragswerts ist von dem Reinertrag des Grundst&uuml;cks auszugehen (&sect;&nbsp;185 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 BewG). Dieser ergibt sich aus dem Rohertrag des Grundst&uuml;cks abz&uuml;glich der Bewirtschaftungskosten (&sect;&nbsp;185 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 BewG). Rohertrag ist das Entgelt, das f&uuml;r die Benutzung des bebauten Grundst&uuml;cks nach den am Bewertungsstichtag geltenden vertraglichen Vereinbarungen f&uuml;r den Zeitraum von zw&ouml;lf Monaten zu zahlen ist (&sect;&nbsp;186 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 BewG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. F&uuml;r Grundst&uuml;cke oder Grundst&uuml;cksteile, die der Eigent&uuml;mer dem Mieter zu einer um mehr als 20&nbsp;% von der &uuml;blichen Miete abweichenden tats&auml;chlichen Miete &uuml;berlassen hat, ist die &uuml;bliche Miete anzusetzen (&sect;&nbsp;186 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 BewG).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die Finanzverwaltung geht zur Bestimmung der &quot;&uuml;blichen Miete&quot; wie folgt vor:<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die &uuml;bliche Miete kann aus Vergleichsmieten oder Mietspiegeln abgeleitet, mit Hilfe einer Mietdatenbank (&sect;&nbsp;558e des B&uuml;rgerlichen Gesetzbuchs &#8211;BGB&#8211;) gesch&auml;tzt oder durch ein Mietgutachten ermittelt werden (R&nbsp;B&nbsp;186.5 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 der Erbschaftsteuer-Richtlinien 2011 &#8211;ErbStR 2011&#8211;). Mietspiegel ist in erster Linie ein nach dem Gesetz zur Regelung der Mieth&ouml;he bzw. nach den &sect;&sect;&nbsp;558c, 558d BGB erstellter Mietspiegel f&uuml;r den Bewertungsstichtag, aber auch ein anderer Mietspiegel, der einen repr&auml;sentativen Querschnitt der orts&uuml;blichen Entgelte vergleichbarer Wohnungen oder R&auml;umlichkeiten aufweist (vgl. R&nbsp;B&nbsp;186.5 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1, 2 ErbStR 2011). Ein Mietspiegel ist nach &sect;&nbsp;558c Abs.&nbsp;1 BGB eine &Uuml;bersicht &uuml;ber die orts&uuml;bliche Vergleichsmiete, soweit die &Uuml;bersicht von der Gemeinde oder von Interessenvertretern der Vermieter und der Mieter gemeinsam erstellt oder anerkannt worden ist. &sect;&nbsp;558d Abs.&nbsp;1 BGB bezeichnet einen Mietspiegel, der nach anerkannten wissenschaftlichen Grunds&auml;tzen erstellt und von der Gemeinde oder von Interessenvertretern der Vermieter und der Mieter anerkannt worden ist, als qualifizierten Mietspiegel. Ist er nach Ma&szlig;gabe von &sect;&nbsp;558d Abs.&nbsp;2 BGB regelm&auml;&szlig;ig angepasst, wird nach &sect;&nbsp;558d Abs.&nbsp;3 BGB vermutet, dass die im qualifizierten Mietspiegel bezeichneten Entgelte die orts&uuml;bliche Vergleichsmiete wiedergeben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Wird f&uuml;r die Anwendung des &sect;&nbsp;186 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 BewG ein Mietspiegel herangezogen, werden die Daten differenziert verwendet. In Mietspiegeln wird h&auml;ufig der um Ausrei&szlig;er bereinigte Durchschnitt aller erhobenen Mietwerte in Form des Mittelwerts ver&ouml;ffentlicht. Zus&auml;tzlich werden Mietspannen angegeben, um den Besonderheiten des Einzelfalls besser Rechnung tragen zu k&ouml;nnen. Grunds&auml;tzlich ist der im Mietspiegel ausgewiesene gewichtete Mittelwert anzusetzen. Bei ausreichenden Anhaltspunkten f&uuml;r einen konkreten niedrigeren oder h&ouml;heren Wert ist dieser Wert anzusetzen. F&uuml;r die &Uuml;berpr&uuml;fung der Orts&uuml;blichkeit von tats&auml;chlich erzielten Mieten ist auf den jeweils unteren Wert oder den jeweils oberen Wert der Spanne abzustellen. D.h. eine Miete, die mehr als 20&nbsp;% niedriger ist als der untere Wert der Spanne bzw. die mehr als 20&nbsp;% h&ouml;her ist als der obere Wert der Spanne, ist nicht mehr orts&uuml;blich (vgl. H&nbsp;B&nbsp;186.5 der Erbschaftsteuer-Hinweise &quot;Mietspiegel&quot;).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das in &sect;&nbsp;186 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 BewG zwei Mal erscheinende Tatbestandsmerkmal &quot;&uuml;bliche(n) Miete&quot; ist jeweils ein unbestimmter Rechtsbegriff, welcher der Auslegung unterliegt. Die Auslegung unbestimmter Rechtsbegriffe ist gerichtlich voll &uuml;berpr&uuml;fbar (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 15.05.2018&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;14\/17, BFH\/NV 2018, 1137, Rz 18). Jedenfalls soweit es das Verst&auml;ndnis der zur Ermittlung der 20&nbsp;%-Grenze anzusetzenden &quot;&uuml;blichen Miete&quot; betrifft, folgt der BFH der Auffassung der Finanzverwaltung, die auch im Schrifttum vertreten wird (Halaczinsky in R&ouml;ssler\/Troll, BewG, &sect;&nbsp;184 bis 188 Rz&nbsp;15a; ebenso im Anschluss an die Verwaltungsauffassung Mannek in von&nbsp;Oertzen\/Loose, Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz, &sect;&nbsp;186 BewG Rz&nbsp;68; Schnitter in Wilms\/Jochum, ErbStG\/BewG\/GrEStG, &sect;&nbsp;186 BewG Rz&nbsp;29, Stand 01.01.2020; unklar aber G&uuml;rsching\/Stenger, Bewertungsrecht, &sect;&nbsp;186 BewG Rz&nbsp;149). Alle Mietwerte innerhalb der Spannbreite eines Mietspiegels sind als &uuml;blich anzusehen. Erst die &Uuml;berschreitung bzw. Unterschreitung der jeweiligen Grenzwerte f&uuml;hrt zur Un&uuml;blichkeit.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das entspricht bereits dem allgemeinen Sprachgebrauch, der als &quot;&uuml;blich&quot; dasjenige zu bezeichnen pflegt, das sich &quot;im Rahmen des &Uuml;blichen&quot;, also innerhalb einer gewissen Spanne, bewegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es entspricht auch dem Zweck der Vorschrift. Sie will unzutreffende Bewertungsergebnisse vermeiden, die sich bei einer ausschlie&szlig;lichen Abh&auml;ngigkeit des Grundbesitzwerts von einer zuf&auml;llig oder gezielt vereinbarten tats&auml;chlichen Miete erg&auml;ben (G&uuml;rsching\/ Stenger, a.a.O., &sect;&nbsp;186 BewG Rz&nbsp;134). Insbesondere soll bei einer Abweichung nach unten einem Missbrauch von Gestaltungsm&ouml;glichkeiten durch Vereinbarung einer zu geringen Miete vorgebeugt werden. Umgekehrt ist es zu vermeiden, dass im Einzelfall &uuml;berh&ouml;hte Mietzinsen zu einer nicht realit&auml;tsgerechten Bewertung f&uuml;hren. Die Vorschrift ist jedoch so auszulegen, dass sie auf Ausnahmef&auml;lle beschr&auml;nkt bleibt. Die Grundbesitzbewertung erfolgt in einem von Typisierung gepr&auml;gten Verfahren. Abweichungen von der Regelbewertung d&uuml;rfen nicht zum Regelfall werden. Nach alldem kann nicht auf den Mittelwert abgestellt werden. Denn das k&ouml;nnte zu dem dann denkbaren, aber sinnwidrigen Ergebnis f&uuml;hren, dass ein Mietpreis, der noch innerhalb der Spannbreite des Mietspiegels liegt, wegen einer die 20&nbsp;%-Grenze &uuml;berschreitenden Abweichung vom Mittelwert zu einer Verwerfung der vereinbarten Miete f&uuml;hrt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Diese Wertung wird dadurch best&auml;tigt, dass im Steuerrecht auch anderen Orts als &uuml;bliche Miete jede Miete verstanden wird, die sich innerhalb der in einem Mietspiegel ausgewiesenen Spanne zwischen mehreren Mietwerten bewegt (vgl. BFH-Urteil vom 17.08.2005&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;10\/05, BFHE 211, 151, BStBl II 2006, 71; BFH-Beschluss vom 27.12.2010&nbsp;&#8211; IX&nbsp;B&nbsp;107\/10, juris).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Anders als der Kl&auml;ger meint, verkompliziert es die Bewertung nicht, wenn als Vergleichsma&szlig;stab statt des Mittelwerts ein &auml;u&szlig;erer Wert dient. Denn ebenso wie der Mittelwert ist auch der &auml;u&szlig;ere Wert einfach aus dem Mietspiegel abzulesen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auch stellt der Mittelwert keine verl&auml;sslichere Gr&ouml;&szlig;e dar als die Mietpreisspanne. Als gewogenes Mittel ist er hieraus statistisch abgeleitet und deshalb von gleicher inhaltlicher Plausibilit&auml;t. Es kann dahinstehen, in welchem Umfang die inhaltliche Richtigkeit des Mietspiegels im Finanzprozess &uuml;berpr&uuml;ft werden k&ouml;nnte. Konkrete Einwendungen gegen das in den Mietspiegel eingegangene Datenmaterial hat der Kl&auml;ger nicht vorgebracht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Es ist schlie&szlig;lich nicht richtig, dass mit der Benutzung der &auml;u&szlig;eren Spannenwerte als Vergleichsma&szlig;stab die Fehlerhaftigkeit des tats&auml;chlich eine Durchschnittswohnung mit Standardausstattung widerspiegelnden Mittelwerts unterstellt werde. Der Kl&auml;ger unterstellt mit diesem Einwand vielmehr, dass es sich bei jeglicher zu bewertenden Einheit um eine Durchschnittswohnung mit Standardausstattung handele, was ersichtlich nicht zutrifft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>d) Wegen des im gerichtlichen Verfahren geltenden Verb&ouml;serungsverbots kann offenbleiben, ob es zutreffend ist, im Falle einer in dieser Weise ermittelten &Uuml;berschreitung der 20&nbsp;%-Grenze den Mittelwert als &uuml;bliche Miete dem Jahresrohertrag zugrunde zu legen, oder ob insoweit ebenfalls der &auml;u&szlig;ere Spannenwert in Betracht k&auml;me.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Das FA hat den Jahresrohertrag des Grundst&uuml;cks diesen Grunds&auml;tzen entsprechend ermittelt. Die weiteren Parameter der Bewertung stehen zwischen den Beteiligten nicht im Streit.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Die Kostenentscheidung beruht auf &sect;&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Urteil vom 5.12.2019, II R 41\/16ECLI:DE:BFH:2019:U.051219.IIR41.16.0 Ansatz der &uuml;blichen Miete als Rohertrag anstelle des vertraglich vereinbarten Entgelts Leits&auml;tze 1. Der f&uuml;r die Bewertung im Ertragswertverfahren ma&szlig;gebliche Rohertrag eines bebauten Grundst&uuml;cks ist grunds&auml;tzlich das Entgelt, das f&uuml;r die Benutzung nach den vertraglichen Vereinbarungen als Miete zu zahlen ist. 2. Eine vertraglich vereinbarte Miete kann nicht &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/ii-r-41-16-ansatz-der-ueblichen-miete-als-rohertrag-anstelle-des-vertraglich-vereinbarten-entgelts\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">II&nbsp;R&nbsp;41\/16 &#8211; Ansatz der &uuml;blichen Miete als Rohertrag anstelle des vertraglich vereinbarten Entgelts<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-72354","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72354","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=72354"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72354\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=72354"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=72354"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=72354"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}