{"id":72357,"date":"2020-05-23T17:40:47","date_gmt":"2020-05-23T15:40:47","guid":{"rendered":"http:\/\/steuer.org\/?p=72357"},"modified":"2020-05-23T17:40:47","modified_gmt":"2020-05-23T15:40:47","slug":"x-b-6-18-keine-entscheidungsreife-eines-rechtsstreits-bei-fehlendem-zugang-des-klaegers-zu-beschlagnahmten-verfahrenswesentlichen-unterlagen-fehlerhafte-behandlung-eines-ablehnungsantrags","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-6-18-keine-entscheidungsreife-eines-rechtsstreits-bei-fehlendem-zugang-des-klaegers-zu-beschlagnahmten-verfahrenswesentlichen-unterlagen-fehlerhafte-behandlung-eines-ablehnungsantrags\/","title":{"rendered":"X&nbsp;B&nbsp;6\/18 &#8211; Keine Entscheidungsreife eines Rechtsstreits bei fehlendem Zugang des Kl&auml;gers zu beschlagnahmten verfahrenswesentlichen Unterlagen: fehlerhafte Behandlung eines Ablehnungsantrags"},"content":{"rendered":"<p class='ueberschrift'>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 27.12.2019, X B 6\/18<br \/>ECLI:DE:BFH:2019:B.271219.XB6.18.0<\/p>\n<p class=\"titel\">Keine Entscheidungsreife eines Rechtsstreits bei fehlendem Zugang des Kl&auml;gers zu beschlagnahmten verfahrenswesentlichen Unterlagen: fehlerhafte Behandlung eines Ablehnungsantrags<\/p>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Leits&auml;tze<\/p>\n<div>\n<p>1. NV: Ein Rechtsstreit ist im Regelfall nicht entscheidungsreif, solange dem Kl&auml;ger kein Zugang zu verfahrenswesentlichen beschlagnahmten Unterlagen einger&auml;umt wird, die dieser zur Anfertigung seiner Klagebegr&uuml;ndung ben&ouml;tigt. Vor der Zug&auml;nglichmachung dieser Unterlagen darf ein FG eine solche Klage daher nicht mangels Geltendmachung einer konkreten Beschwer als unzul&auml;ssig verwerfen.<\/p>\n<\/p>\n<p>2. NV: Eine Frist nach &sect; 79b Abs. 1 FGO darf im Regelfall nicht gesetzt werden, solange es dem Kl&auml;ger objektiv unm&ouml;glich ist, verfahrenswesentliche beschlagnahmte Unterlagen einzusehen bzw. Kopien dieser Unterlagen zu erhalten.<\/p>\n<\/p>\n<p>3. NV: Weist ein FG Unterlagen, die ihm erst nach Ablauf einer gesetzten Ausschlussfrist vorgelegt werden, unter Berufung auf &sect; 79b Abs. 3 FGO zur&uuml;ck, muss es sich in seiner Entscheidung ausdr&uuml;cklich mit erkennbaren Gesichtspunkten befassen, aus denen die Schuldlosigkeit des Beteiligten an der versp&auml;teten Vorlage folgen k&ouml;nnte.<\/p>\n<\/p>\n<p>4. NV: Jede Sch&auml;tzung muss in sich schl&uuml;ssig, wirtschaftlich vern&uuml;nftig und m&ouml;glich sein; ein entsprechendes tatrichterliches Urteil muss Ausf&uuml;hrungen zum Vorliegen dieser Voraussetzungen enthalten.<\/p>\n<\/p>\n<p>5. NV: Entscheidet der abgelehnte Richter unter Versto&szlig; gegen &sect; 45 Abs. 1 ZPO selbst anstelle seines Vertreters &uuml;ber einen zul&auml;ssigen Ablehnungsantrag, schl&auml;gt diese Verletzung des Anspruchs auf den gesetzlichen Richter auf die Endentscheidung durch (Anschluss an Senatsbeschluss vom 16.10.2019 &#8211; X B 99\/19).<\/p>\n<\/p>\n<p>6. NV: Auch wenn s&auml;mtliche Mitglieder eines Spruchk&ouml;rpers abgelehnt werden, ist ein solches Ablehnungsgesuch nur dann rechtsmissbr&auml;uchlich und daher unzul&auml;ssig, wenn es gar nicht oder ausschlie&szlig;lich mit Umst&auml;nden begr&uuml;ndet wird, die unter keinem denkbaren Gesichtspunkt eine Besorgnis der Befangenheit rechtfertigen k&ouml;nnen. Dies ist nur dann der Fall, wenn der Ablehnungsantrag sich bereits ohne jedes Eingehen auf den Verfahrensgegenstand als unzul&auml;ssig darstellt.<\/p>\n<\/div>\n<p class=\"tenor\">Tenor<\/p>\n<div>\n<p>Auf die Beschwerde des Beschwerdef&uuml;hrers wegen Nichtzulassung der Revision wird das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 15.11.2017 &#8211; 11 K 11164\/17 aufgehoben.<\/p>\n<\/p>\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht Berlin-Brandenburg zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zur&uuml;ckverwiesen.<\/p>\n<\/p>\n<p>Diesem wird die Entscheidung &uuml;ber die Kosten des Beschwerdeverfahrens &uuml;bertragen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Tatbestand<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">I. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>1<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Der Beschwerdef&uuml;hrer ist der Insolvenzverwalter &uuml;ber das Verm&ouml;gen des Insolvenzschuldners (S) und vormaligen Kl&auml;gers. S erzielte in den Streitjahren 2011 bis 2013 Eink&uuml;nfte aus Gewerbebetrieb aus insgesamt f&uuml;nf Einzelunternehmen, u.a. einem Obst- und Gem&uuml;sehandel, einem Umzugsunternehmen und einem Spielautomatenbetrieb, f&uuml;r die der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) zust&auml;ndig ist. Ferner betrieb S ein Bistro im Bezirk eines anderen FA; diese Eink&uuml;nfte werden vom dortigen Betriebs-FA gesondert festgestellt. Seinen Gewinn ermittelte er in allen Betrieben durch Einnahmen-&Uuml;berschuss-Rechnung.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>2<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Jahr 2016 begann bei S eine Au&szlig;enpr&uuml;fung. S &uuml;bergab dem Pr&uuml;fer die zu seinen Gewinnermittlungen geh&ouml;renden Unterlagen (im Wesentlichen Bankkontoausz&uuml;ge, Aufzeichnungen &uuml;ber Bareinnahmen und die dazugeh&ouml;rigen Belege; von den Beteiligten als &quot;Buchhaltungsunterlagen&quot; bezeichnet). W&auml;hrend der Au&szlig;enpr&uuml;fung wurde ein Steuerstrafverfahren gegen S eingeleitet. Nach &Uuml;bersendung der Bp-Berichte bat S das FA mehrfach um Herausgabe der Gewinnermittlungsunterlagen, damit er diese &uuml;berarbeiten und darin enthaltene Fehler korrigieren k&ouml;nne. Das FA lehnte dies ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>3<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Auf Antrag der Steuerfahndung ordnete das Amtsgericht (AG) am 05.12.2016 die Beschlagnahme der &#8211;noch beim FA befindlichen&#8211; Gewinnermittlungsunterlagen an.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>4<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ebenfalls im Dezember 2016 ergingen die im vorliegenden Verfahren angefochtenen ge&auml;nderten Bescheide &uuml;ber Einkommensteuer sowie die Gewerbesteuermessbetr&auml;ge f&uuml;r die jeweiligen Betriebe f&uuml;r die Streitjahre, in denen das FA erhebliche Erh&ouml;hungen der bisherigen Festsetzungen vornahm. Insgesamt hat das FA f&uuml;r die drei Streitjahre aus den angefochtenen Bescheiden Steuernachforderungen von gut 461.000&nbsp;EUR zur Insolvenztabelle angemeldet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>5<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im anschlie&szlig;enden Einspruchsverfahren bat S um treuh&auml;nderische Herausgabe der beschlagnahmten Gewinnermittlungsunterlagen an seinen Prozessbevollm&auml;chtigten (P). Die Steuerfahndung lehnte dies ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>6<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>W&auml;hrend des Einspruchsverfahrens erlie&szlig; das Betriebs-FA am 03.02.2017 ge&auml;nderte Bescheide &uuml;ber die gesonderte Feststellung der Eink&uuml;nfte aus dem Bistro. Diese Feststellungen setzte das FA in ge&auml;nderten Einkommensteuerbescheiden vom 24.02.2017 um. Gegen die Feststellungsbescheide legte S keinen Einspruch ein. Er bestritt, diese erhalten zu haben.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>7<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zwischen dem Ergehen der Einspruchsentscheidung und der Erhebung der Klage bat S das AG am 15.05.2017 um &Uuml;bermittlung der Strafakte und der Gewinnermittlungsunterlagen entweder im Original oder in Kopie. In seiner am 22.05.2017 beim Finanzgericht (FG) eingereichten Klageschrift f&uuml;hrte er aus, die vom FA vorgenommenen hohen Hinzusch&auml;tzungen seien mit derart kleinen Betrieben nicht zu erwirtschaften. Er wolle seine Gewinnermittlungen &uuml;berarbeiten, ben&ouml;tige daf&uuml;r aber die beschlagnahmten Unterlagen. Am 07.07.2017 nahm S beim FG Einsicht in die dort vorhandenen Gerichts- und Steuerakten, bei denen sich die beschlagnahmten Gewinnermittlungsunterlagen allerdings nicht befanden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>8<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Steuerfahndung teilte S am 29.06.2017 mit, er k&ouml;nne an Amtsstelle in die beschlagnahmten Unterlagen Einsicht nehmen und kostenpflichtig Kopien anfertigen lassen. Am 18.08.2017 erkl&auml;rte S gegen&uuml;ber dem FG, ihm sei von der Steuerfahndung trotz entsprechender Kontaktaufnahme bisher kein konkreter Termin zur Akteneinsicht gew&auml;hrt worden.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>9<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG setzte S mit einem am 01.09.2017 zugestellten Schreiben gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;79b Abs.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) eine bis zum 29.09.2017 laufende Frist zur Angabe der Tatsachen, durch deren Ber&uuml;cksichtigung oder Nichtber&uuml;cksichtigung er sich beschwert f&uuml;hle.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>10<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 19.09.2017 begr&uuml;ndete S Teile seines Klagebegehrens n&auml;her und teilte dem FG mit, die Steuerfahndung habe ihm gegen&uuml;ber am 11.09.2017 telefonisch erkl&auml;rt, die Gewinnermittlungsunterlagen seien &uuml;berhaupt erst an diesem Tag vom FA an die Steuerfahndung &uuml;bermittelt worden und st&uuml;nden dort nun zur Akteneinsicht bereit. Grund f&uuml;r diese Verz&ouml;gerung seien allgemeine Engp&auml;sse in der Finanzverwaltung. Am 18.09.2017 nahm S bei der Steuerfahndung Einsicht in die umfangreichen Unterlagen; am 19.09.2017 bat er dort &#8211;unter ausdr&uuml;cklicher Zusage der Kosten&uuml;bernahme&#8211; um Zusendung von Kopien dieser Unterlagen. In einem weiteren Schreiben an das FG vom 21.09.2017 beantragte S die Beiziehung der Gewinnermittlungsunterlagen durch das FG. Ferner erkl&auml;rte er, die &#8211;von ihm namentlich bezeichnete&#8211; zust&auml;ndige Mitarbeiterin der Steuerfahndung habe ihm zugesagt, die Kopien w&uuml;rden sp&auml;testens bis zum 12.10.2017 &uuml;bermittelt. Er bat daher um Verl&auml;ngerung der gesetzten Ausschlussfrist bis zum 31.10.2017. Das FG verl&auml;ngerte die Frist nicht.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>11<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 11.10.2017 teilte S dem FG mit, die Steuerfahndung habe am 09.10.2017 zun&auml;chst lediglich Kopien der Gewinnermittlungsunterlagen f&uuml;r einen der f&uuml;nf Betriebe &uuml;bersandt; die Anfertigung und &Uuml;bermittlung der Kopien der weiteren erforderlichen Unterlagen verz&ouml;gere sich weiter. Er bat daher um weitere Fristverl&auml;ngerung bis zum &quot;31.11.2017&quot;. Auch diesem Antrag entsprach das FG nicht, sondern lud f&uuml;r den 15.11.2017 zur m&uuml;ndlichen Verhandlung. Die Ladung wurde P am 27.10.2017 zugestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>12<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Noch am 27.10.2017 beantragte S, den Termin zu verlegen. Zum einen werde sich P vom 08.11.2017 bis zum 22.11.2017 im Urlaub befinden; zum anderen sei das Klageverfahren noch nicht entscheidungsreif, weil die entscheidungserheblichen Unterlagen bisher nicht vorl&auml;gen. Die Steuerfahndung habe heute mitgeteilt, die restlichen Unterlagen, deren &Uuml;bermittlung sie S zugesagt habe, h&auml;tten wegen des dort herrschenden Personalmangels noch nicht kopiert werden k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>13<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG lehnte den Terminverlegungsantrag am 06.11.2017 ab. Zur Begr&uuml;ndung f&uuml;hrte es aus, P habe den Urlaub im Zeitpunkt des Zugangs der Ladung noch nicht verbindlich gebucht. Im &Uuml;brigen sei nicht dargetan und glaubhaft gemacht worden, warum es unm&ouml;glich und unzumutbar sein solle, w&auml;hrend eines Urlaubs an der Ostsee einen Termin in Cottbus wahrzunehmen. Auf den dar&uuml;ber hinaus von S vorgetragenen Gesichtspunkt der fehlenden Entscheidungsreife des Verfahrens ging das FG nicht ein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>14<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Am 07.11.2017 beantragte S erneut die Verlegung des Termins und reichte zur Begr&uuml;ndung eine f&uuml;r P ausgestellte Arbeitsunf&auml;higkeitsbescheinigung f&uuml;r die Zeit bis zum 17.11.2017 ein. Diesen Antrag lehnte das FG am 08.11.2017 wegen Prozessverschleppungsabsicht und fehlender Glaubhaftmachung einer Verhandlungsunf&auml;higkeit ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>15<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In einem weiteren Terminverlegungsantrag vom 14.11.2017 berief sich S nochmals auf die fehlende Entscheidungsreife der Sache. Zur Begr&uuml;ndung legte er u.a. ein Schreiben der Steuerfahndung vom 08.11.2017 vor, mit dem mitgeteilt wurde, die noch ausstehenden Kopien seien nun angefertigt worden. Diese w&uuml;rden aber erst nach Eingang der Kopiergeb&uuml;hren abgesandt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>16<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Ebenfalls am 14.11.2017 lehnte S die drei Berufsrichter des beim FG zust&auml;ndigen Senats wegen Besorgnis der Befangenheit ab. Das Gericht versuche bewusst verfahrenswidrig, eine Entscheidung herbeizuf&uuml;hren, obwohl es an der Entscheidungsreife fehle und P urlaubs- und krankheitsbedingt nicht bei der m&uuml;ndlichen Verhandlung anwesend sein k&ouml;nne. Die Berichterstatterin habe die beantragte Akteneinsicht nicht bei einer Dienststelle in der N&auml;he des &#8211;weit vom FG entfernt liegenden&#8211; Kanzleisitzes des P gew&auml;hrt, sondern nur beim FG selbst. P habe daher anreisen m&uuml;ssen und einen ganzen Arbeitstag verloren. Schon im vorangehenden Eilverfahren habe das FG trotz fehlender Entscheidungsreife entschieden und ohne jede Begr&uuml;ndung ausgef&uuml;hrt, die Sch&auml;tzung h&auml;tte noch h&ouml;her ausfallen k&ouml;nnen. Angesichts der bisherigen und gegen&uuml;ber dem FG dokumentierten Unm&ouml;glichkeit, Kopien der beschlagnahmten Unterlagen von der Steuerfahndung zu erhalten, sei das Setzen der Ausschlussfrist nicht sachgerecht gewesen. Auf die Fristverl&auml;ngerungsantr&auml;ge des S habe das FG nicht reagiert. All dies zeige, dass der Senat beabsichtige, die Klage im Wege einer unsachgem&auml;&szlig;en Verfahrensbeschleunigung ohne die notwendige &Uuml;berpr&uuml;fung der Sch&auml;tzung abzuweisen. Auch wenn der Ablehnungsantrag sich gegen alle Berufsrichter richte, sei er zul&auml;ssig, da er an die Mitwirkung individuell benannter Richter an bestimmten gerichtlichen Handlungen (z.B. Ablehnung von Terminverlegungsantr&auml;gen) ankn&uuml;pfe. Die unsachgem&auml;&szlig;e Verfahrensbeschleunigung sei jedem Richter zuzuordnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>17<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der m&uuml;ndlichen Verhandlung am 15.11.2017 verwarf das FG &#8211;ohne damit die gesch&auml;ftsplanm&auml;&szlig;igen Vertreter der abgelehnten Richter zu befassen&#8211; diesen Ablehnungsantrag sowie einen weiteren vor oder in der m&uuml;ndlichen Verhandlung gestellten Ablehnungsantrag als unzul&auml;ssig, weil die Antr&auml;ge sich gegen den Senat in seiner Gesamtheit richteten.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>18<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im angefochtenen Urteil lehnte das FG zun&auml;chst die Terminverlegungsantr&auml;ge ab, weil diese &quot;alleine&quot; der Prozessverschleppung gedient h&auml;tten. Die Ablehnungsantr&auml;ge seien nicht nur wegen der Ablehnung des gesamten Senats unzul&auml;ssig, sondern auch wegen ihrer Zielrichtung, die m&uuml;ndliche Verhandlung zu verhindern. Zudem habe S sein Ablehnungsrecht verloren, weil er sich in der m&uuml;ndlichen Verhandlung zur Sache eingelassen habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>19<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>In der Sache selbst verwarf das FG die Klage als unzul&auml;ssig. S habe nicht substantiiert geltend gemacht, inwieweit er durch die angefochtenen Bescheide in seinen Rechten verletzt sei. Insbesondere habe er keine konkreten Fehler der Bescheide vorgetragen. Auch innerhalb der ihm nach &sect;&nbsp;79b Abs.&nbsp;1 FGO gesetzten Ausschlussfrist habe S keine Tatsachen angegeben, durch die er sich beschwert f&uuml;hle. Die von ihm vorgelegten Gewinnermittlungsunterlagen seien gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;79b Abs.&nbsp;3 FGO zur&uuml;ckzuweisen, da die Zulassung dieser Unterlagen die Erledigung des Rechtsstreits verz&ouml;gern w&uuml;rde. Auch hier sei der Umstand zu ber&uuml;cksichtigen, dass S das Verfahren bewusst verschleppt habe. Die Vers&auml;umung der Ausschlussfrist berechtige zur Verwerfung der Klage als unzul&auml;ssig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>20<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im &Uuml;brigen sei die Klage auch unbegr&uuml;ndet. Wegen der M&auml;ngel der &quot;Buchf&uuml;hrung&quot; bestehe dem Grunde nach eine Sch&auml;tzungsbefugnis. Dies habe S selbst einger&auml;umt, indem er angegeben habe, die Gewinnermittlungen &uuml;berarbeiten zu m&uuml;ssen. Zur H&ouml;he der Sch&auml;tzung habe S keine substantiierten Einwendungen erhoben. Die Sch&auml;tzung des FA bewege sich sogar am unteren Rand des m&ouml;glichen Sch&auml;tzungsrahmens.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>21<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Noch w&auml;hrend des Laufs der Beschwerdebegr&uuml;ndungsfrist ist das Insolvenzverfahren &uuml;ber das Verm&ouml;gen des S er&ouml;ffnet und damit das Beschwerdeverfahren unterbrochen worden. Der Beschwerdef&uuml;hrer hat das Beschwerdeverfahren am 08.08.2019 aufgenommen und begehrt die Zulassung der Revision wegen Verfahrensm&auml;ngeln.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>22<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FA h&auml;lt die Beschwerde f&uuml;r unbegr&uuml;ndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p style=\"font-weight:bold;\">Entscheidungsgr&uuml;nde<\/p>\n<div>\n<table>\n<tr>\n<td>&nbsp;<\/td>\n<td>\n<table width=100%>\n<tr>\n<td style=\"text-align:center\">II. <\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>23<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Die Beschwerde ist begr&uuml;ndet. Es liegen vom Beschwerdef&uuml;hrer geltend gemachte Verfahrensm&auml;ngel vor, auf denen die Entscheidung des FG beruhen kann (&sect;&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>24<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Sowohl die Hauptbegr&uuml;ndung des FG (Verwerfung der Klage als unzul&auml;ssig; dazu unten&nbsp;1.) als auch die Hilfsbegr&uuml;ndung (Abweisung der Klage als unbegr&uuml;ndet; dazu unten&nbsp;2.) beruht auf Verfahrensm&auml;ngeln. Dar&uuml;ber hinaus ist das angefochtene Urteil unter Versto&szlig; gegen den Anspruch auf den gesetzlichen Richter ergangen, weil das FG den Ablehnungsantrag gesetzwidrig behandelt hat (unten 3.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>25<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>1. Der Beschwerdef&uuml;hrer r&uuml;gt zu Recht, das FG habe die Klage rechtsfehlerhaft als unzul&auml;ssig verworfen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>26<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Unabh&auml;ngig vom Vorliegen einer &#8211;vom Kl&auml;ger ausdr&uuml;cklich ger&uuml;gten&#8211; &Uuml;berraschungsentscheidung ist ein Verfahrensmangel stets dann gegeben, wenn &uuml;ber eine zul&auml;ssige Klage durch Prozessurteil entschieden wird (Senatsbeschluss vom 23.05.2016&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;174\/15, BFH\/NV 2016, 1297, Rz&nbsp;12). Dieser Mangel ist vom Beschwerdef&uuml;hrer sinngem&auml;&szlig; ger&uuml;gt worden; sein Vorliegen ergibt sich aus den nachstehenden Ausf&uuml;hrungen. Der Senat kann es deshalb dahinstehen lassen, ob eine &Uuml;berraschungsentscheidung vorliegt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>27<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Das FG hat seine Auffassung, die Klage sei unzul&auml;ssig, zun&auml;chst darauf gest&uuml;tzt, S habe entgegen &sect;&nbsp;40 Abs.&nbsp;2 FGO nicht substantiiert geltend gemacht, durch die angefochtenen Verwaltungsakte in seinen Rechten verletzt zu sein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>28<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die hierf&uuml;r zur Begr&uuml;ndung vom FG allein angef&uuml;hrte Entscheidung (Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 22.02.2005&nbsp;&#8211; III&nbsp;S&nbsp;17\/04&nbsp;(PKH), BFH\/NV 2005, 1124) ist im Streitfall nicht einschl&auml;gig. Zum einen bezieht sie sich auf eine Ausschlussfrist nach &sect;&nbsp;65 Abs.&nbsp;2 FGO, die hier aber nicht gesetzt wurde. Au&szlig;erdem ging es dort um eine Sch&auml;tzung wegen Nichtabgabe der Steuererkl&auml;rung, so dass s&auml;mtliche Besteuerungsgrundlagen unbekannt waren. Der vorliegende Rechtsstreit betrifft hingegen &#8211;f&uuml;r das FG klar erkennbar&#8211; die Rechtm&auml;&szlig;igkeit einer vom FA vorgenommenen <em>punktuellen<\/em> &Auml;nderung der Besteuerungsgrundlagen (Hinzusch&auml;tzung zu den Erl&ouml;sen und zum Gewinn). S hatte in dem Umfang eine Beschwer dargelegt und eine teilweise Klagebegr&uuml;ndung abgegeben, wie dies ihm bzw. P angesichts des ihm zun&auml;chst noch nicht einger&auml;umten Zugriffs auf die beschlagnahmten Unterlagen m&ouml;glich war.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>29<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Im &Uuml;brigen war der Rechtsstreit f&uuml;r die vom FG getroffene Unzul&auml;ssigkeitsentscheidung noch nicht entscheidungsreif.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>30<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>P hatte dem FG substantiiert dargelegt, dass er die Kopien der umfangreichen beschlagnahmten Unterlagen aufgrund der &Uuml;berlastung des FA und der Steuerfahndung &#8211;also ohne eigenes Verschulden&#8211; erst unmittelbar vor dem Termin (bzw. teilweise sogar erst am Terminstag selbst) erhalten hatte. Ferner hatte er nachvollziehbar dargelegt, dass er erst Mitte 2016 die Betreuung des Mandats &uuml;bernommen hatte und daher die Gewinnermittlungsunterlagen und Belege des S nicht kannte, zur Erstellung einer sachgerechten Klagebegr&uuml;ndung aber zwingend auf die Kenntnis dieser Unterlagen angewiesen war. Angesichts der Bedeutung dieser Unterlagen f&uuml;r die H&ouml;he der Sch&auml;tzung war die fehlende Entscheidungsreife des Rechtsstreits f&uuml;r das FG offensichtlich erkennbar.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>31<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Wenn das FG Zweifel an der Darstellung des P zu dessen steten Bem&uuml;hungen um Erhalt der Kopien gehabt h&auml;tte, h&auml;tte es sich bei der von P namentlich bezeichneten Mitarbeiterin der Steuerfahndung erkundigen k&ouml;nnen und m&uuml;ssen, ob das Vorbringen des P zu den der Finanzverwaltung zuzurechnenden Verz&ouml;gerungen bei der Anfertigung der zur Erstellung der weiteren Klagebegr&uuml;ndung erforderlichen Kopien zutrifft.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>32<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Dar&uuml;ber hinaus hat das FG die Auffassung vertreten, die Klage sei auch deshalb unzul&auml;ssig, weil S die ihm nach &sect;&nbsp;79b Abs.&nbsp;1 FGO gesetzte Frist nicht eingehalten habe. Auch dies erweist sich als unzutreffend. Zum einen war die Fristsetzung rechtswidrig (dazu unten aa), zum anderen lagen die Voraussetzungen f&uuml;r eine Zur&uuml;ckweisung der Unterlagen gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;79b Abs.&nbsp;3 FGO nicht vor (unten bb).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>33<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Die Fristsetzung war formell und materiell rechtswidrig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>34<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) In formeller Hinsicht erfordert eine wirksame Fristsetzung u.a. die vollst&auml;ndige Unterschrift unter die entsprechende Verf&uuml;gung; ein blo&szlig;es Namensk&uuml;rzel (Paraphe) reicht nicht aus (st&auml;ndige h&ouml;chstrichterliche Rechtsprechung; vgl. aus j&uuml;ngerer Zeit nur BFH-Beschluss vom 09.07.2018&nbsp;&#8211; VI&nbsp;B&nbsp;113\/17, BFH\/NV 2018, 1153, Rz&nbsp;6, m.w.N.). Vorliegend hat die Berichterstatterin unter die Verf&uuml;gung jedoch nur ein Namensk&uuml;rzel gesetzt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>35<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) In materiell-rechtlicher Hinsicht h&auml;tte das FG im damaligen Verfahrensstadium noch keine Ausschlussfrist setzen d&uuml;rfen, weil es P seinerzeit objektiv unm&ouml;glich war, die Gewinnermittlungsunterlagen einzusehen bzw. sp&auml;ter &#8211;nach Erm&ouml;glichung der Einsichtnahme&#8211; Kopien der Unterlagen zu erhalten. Das FG h&auml;tte unter diesen Umst&auml;nden abwarten m&uuml;ssen, bis die Steuerfahndung die Kopien der Unterlagen &uuml;bersendet. Zur F&ouml;rderung des Verfahrens h&auml;tte es allenfalls selbst bei der Steuerfahndung auf eine Beschleunigung der Anfertigung und &Uuml;bermittlung der Kopien hinwirken k&ouml;nnen. Die Setzung einer Ausschlussfrist gegen einen Beteiligten, der ohne eigenes Verschulden noch nicht &uuml;ber die zur weiteren Klagebegr&uuml;ndung erforderlichen Unterlagen verf&uuml;gt, ist angesichts des Verlusts grundlegender prozessualer Rechte, der mit einem ergebnislosen Fristablauf verbunden sein kann (vgl. Senatsurteil vom 19.10.2011&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;65\/09, BFHE 235, 304, BStBl II 2012, 345, Rz&nbsp;111) weder ermessensgerecht noch &uuml;berhaupt geeignet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>36<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Dar&uuml;ber hinaus lagen &#8211;entgegen der Auffassung des FG&#8211; im Zeitpunkt der m&uuml;ndlichen Verhandlung auch die Voraussetzungen des &sect;&nbsp;79b Abs.&nbsp;3 FGO f&uuml;r eine Zur&uuml;ckweisung von Vorbringen oder Unterlagen nicht vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>37<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach dieser Vorschrift kann das Gericht Erkl&auml;rungen und Beweismittel, die erst nach Ablauf einer nach &sect;&nbsp;79b Abs.&nbsp;1 oder 2 FGO gesetzten Frist vorgebracht werden, zur&uuml;ckweisen und ohne weitere Ermittlungen entscheiden, wenn ihre Zulassung nach der freien &Uuml;berzeugung des Gerichts die Erledigung des Rechtsstreits verz&ouml;gern w&uuml;rde, der Beteiligte die Versp&auml;tung nicht gen&uuml;gend entschuldigt und er &uuml;ber die Folgen einer Fristvers&auml;umnis belehrt worden ist.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>38<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Das FG hat zwar ausgef&uuml;hrt, die Erledigung des Rechtsstreits w&uuml;rde sich bei Zulassung der Unterlagen verz&ouml;gern. Es hat sich aber nicht mit der weiteren &#8211;kumulativ zu erf&uuml;llenden&#8211; Voraussetzung des &sect;&nbsp;79b Abs.&nbsp;3 FGO auseinandergesetzt, wonach eine Pr&auml;klusion bei einer gen&uuml;genden Entschuldigung der Versp&auml;tung nicht in Betracht kommt. Hier h&auml;tte das FG angesichts der von S kontinuierlich w&auml;hrend des gesamten Klageverfahrens &uuml;bermittelten Informationen &uuml;ber die Schwierigkeiten, von der Steuerfahndung zun&auml;chst Einsicht in die Unterlagen und anschlie&szlig;end entsprechende Kopien zu erhalten, pr&uuml;fen m&uuml;ssen, inwieweit S schuldlos an der Einhaltung der gesetzten Frist verhindert war, weil die Steuerfahndung die notwendigen Kopien im Zeitpunkt des Ablaufs der Ausschlussfrist noch gar nicht herausgegeben hatte.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>39<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zwar trifft es zu, dass es Aufgabe des S &#8211;und nicht des FG&#8211; ist, seine eigenen Gewinnermittlungsunterlagen (erneut) aufzubereiten. Hierf&uuml;r h&auml;tte das FG ihm aber einen angemessenen Zeitraum nach dem Erhalt der Kopien einr&auml;umen m&uuml;ssen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>40<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>2. Auch hinsichtlich der Hilfsbegr&uuml;ndung des FG-Urteils liegen die in der Beschwerdebegr&uuml;ndung ger&uuml;gten Verfahrensm&auml;ngel vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>41<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Der Beschwerdef&uuml;hrer r&uuml;gt zu Recht, das FG habe den Anspruch des S auf Gew&auml;hrung rechtlichen Geh&ouml;rs verletzt. Wie sich aus den obigen Darlegungen (zu 1.b und c) ergibt, war der Rechtsstreit im Zeitpunkt der Urteilsf&auml;llung erkennbar nicht entscheidungsreif. Das FG hat S aufgrund seiner Verfahrensgestaltung keine Gelegenheit gegeben, seine Gewinnermittlungsunterlagen erneut aufzubereiten und auf dieser Grundlage zur H&ouml;he der Sch&auml;tzung vorzutragen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>42<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Soweit das FA in seiner Beschwerdeerwiderung behauptet, S sei im Einspruchsverfahren mehrfach Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben worden, l&auml;sst sich dies aus den dem Senat vorliegenden Akten nicht ersehen. Das FA hat im Beschwerdeverfahren &#8211;was aber erforderlich gewesen w&auml;re, um dem Vorbringen des Beschwerdef&uuml;hrers entgegenzutreten&#8211; nicht konkret ausgef&uuml;hrt, an welchen Tagen bzw. mit welchen Schrifts&auml;tzen S in dem &#8211;seitens des FA sehr z&uuml;gig abgeschlossenen&#8211; Einspruchsverfahren solche Gelegenheiten einger&auml;umt worden sein sollen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>43<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Auch die vom Beschwerdef&uuml;hrer erhobene R&uuml;ge einer Verletzung der Sachaufkl&auml;rungspflicht greift durch. Zu Recht tr&auml;gt die Beschwerde vor, das FG habe keinerlei Sachaufkl&auml;rungsma&szlig;nahmen vorgenommen, obwohl sich ihm angesichts der erheblichen H&ouml;he der Sch&auml;tzung h&auml;tte aufdr&auml;ngen m&uuml;ssen, diese auf ihre Plausibilit&auml;t zu &uuml;berpr&uuml;fen. Jede Sch&auml;tzung muss in sich schl&uuml;ssig, wirtschaftlich vern&uuml;nftig und m&ouml;glich sein; ein entsprechendes tatrichterliches Urteil muss Ausf&uuml;hrungen zum Vorliegen dieser Voraussetzungen enthalten und die hierf&uuml;r geltenden Begr&uuml;ndungsanforderungen erf&uuml;llen (BFH-Urteil vom 24.06.1997&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;9\/96, BFHE 183, 358, BStBl II 1998, 51, unter 3.). Aufgrund der unterbliebenen Sachaufkl&auml;rung zu diesen Fragen fehlt es hieran im angefochtenen Urteil v&ouml;llig.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>44<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>3. Die weitere R&uuml;ge, das FG habe den Anspruch auf den gesetzlichen Richter (Art.&nbsp;101 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 des Grundgesetzes &#8211;GG&#8211;) verletzt, indem die mit Schriftsatz vom 14.11.2017 abgelehnten Richter entgegen &sect;&nbsp;45 Abs.&nbsp;1 der Zivilprozessordnung (ZPO) i.V.m. &sect;&nbsp;51 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO selbst &uuml;ber den Ablehnungsantrag entschieden haben, ist ebenfalls begr&uuml;ndet.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>45<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>a) Die abgelehnten Richter h&auml;tten &uuml;ber den Ablehnungsantrag nicht selbst entscheiden d&uuml;rfen. Zwar hat das FG f&uuml;r die von ihm angenommene Unzul&auml;ssigkeit dieses Ablehnungsantrags gleich drei selbst&auml;ndige Gr&uuml;nde angef&uuml;hrt. Keiner dieser Gr&uuml;nde lag jedoch tats&auml;chlich vor.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>46<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>aa) Kern der vom FG gegebenen Begr&uuml;ndung ist, dass der Ablehnungsantrag unzul&auml;ssig sei, weil er sich gegen den Senat in seiner Gesamtheit richte. Dies trifft nicht zu.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>47<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(1) Zwar ist es im Allgemeinen unzul&auml;ssig, pauschal einen ganzen Spruchk&ouml;rper abzulehnen, weil ein Ablehnungsgesuch sich grunds&auml;tzlich auf bestimmte Richter beziehen muss. Dies gilt jedoch nicht, wenn die Mitglieder eines Spruchk&ouml;rpers im Hinblick auf konkrete Anhaltspunkte in einer Kollegialentscheidung abgelehnt werden, weil der Betroffene wegen des Beratungsgeheimnisses nicht wissen kann, welcher Richter die Entscheidung mitgetragen hat. In solchen F&auml;llen liegt ein Missbrauch des Ablehnungsrechts nur dann vor, wenn das Gesuch gar nicht oder ausschlie&szlig;lich mit Umst&auml;nden begr&uuml;ndet wird, die unter keinem denkbaren Gesichtspunkt eine Besorgnis der Befangenheit rechtfertigen k&ouml;nnen (ausf&uuml;hrlich zum Ganzen Senatsbeschluss vom 16.10.2019&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;99\/19, unter II.1.a, m.w.N.).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>48<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Dies ist nur dann der Fall, wenn der Ablehnungsantrag sich bereits ohne jedes Eingehen auf den Verfahrensgegenstand als unzul&auml;ssig dargestellt h&auml;tte. Ist hingegen ein &#8211;wenn auch nur geringf&uuml;giges&#8211; Eingehen auf den Verfahrensgegenstand erforderlich, scheidet eine Verwerfung des Ablehnungsantrags als unzul&auml;ssig aus. Denn der abgelehnte Richter darf sich &uuml;ber eine blo&szlig;e formale Pr&uuml;fung des Ablehnungsantrags hinaus nicht durch Mitwirkung an einer n&auml;heren inhaltlichen Pr&uuml;fung der Ablehnungsgr&uuml;nde entgegen &sect;&nbsp;45 Abs.&nbsp;1 ZPO, Art.&nbsp;101 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 GG zum Richter in eigener Sache machen (ausf&uuml;hrlich zum Ganzen Beschluss des Bundesverfassungsgerichts &#8211;BVerfG&#8211; vom 20.07.2007&nbsp;&#8211; 1&nbsp;BvR&nbsp;2228\/06, Neue Juristische Wochenschrift &#8211;NJW&#8211; 2007, 3771, unter II.2.a, ebenfalls zu einem Fall, in dem ein gesamter Senat abgelehnt worden war).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>49<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>(2) Vorliegend waren die Voraussetzungen, unter denen die abgelehnten Richter ausnahmsweise entgegen der Anordnung in &sect;&nbsp;45 Abs.&nbsp;1 ZPO selbst &uuml;ber das Ablehnungsgesuch entscheiden d&uuml;rfen, nicht erf&uuml;llt. S hatte sein Ablehnungsgesuch nicht ausschlie&szlig;lich mit Umst&auml;nden begr&uuml;ndet, die unter keinem denkbaren Gesichtspunkt &#8211;d.h. ohne jede Befassung mit der Sache als solcher&#8211; eine Besorgnis der Befangenheit rechtfertigen k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>50<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Im Gegenteil lagen die Tatsachen, auf die S in seinem Antrag vom 14.11.2017 die Besorgnis der Befangenheit gest&uuml;tzt hat, objektiv vor und waren zudem grunds&auml;tzlich nicht ungeeignet, auf eine Besorgnis der Befangenheit hinzudeuten. Daher h&auml;tte sich das FG &#8211;in Gestalt des Vertretersenats&#8211; inhaltlich mit dem folgenden Vorbringen des S auseinandersetzen m&uuml;ssen: Das FG habe in verfahrenswidriger Weise versucht, eine Entscheidung herbeizuf&uuml;hren, obwohl der Rechtsstreit nicht entscheidungsreif war. Das Setzen der Frist nach &sect;&nbsp;79b Abs.&nbsp;1 FGO sei nicht sachgerecht gewesen; auf die mehrfachen von S &#8211;rechtzeitig und begr&uuml;ndet&#8211; gestellten Antr&auml;ge auf Verl&auml;ngerung der Ausschlussfrist habe das FG nicht reagiert. Im vorangegangenen Beschluss der Aussetzung der Vollziehung habe das &#8211;mit denselben Berufsrichtern besetzte&#8211; FG ohne jede Begr&uuml;ndung ausgef&uuml;hrt, die Sch&auml;tzung h&auml;tte noch h&ouml;her ausfallen k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>51<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>bb) Zus&auml;tzlich hat das FG ausgef&uuml;hrt, der Ablehnungsantrag sei wegen Rechtsmissbrauchs unzul&auml;ssig, weil er ersichtlich nur dazu gedient habe, die Durchf&uuml;hrung der m&uuml;ndlichen Verhandlung zu verhindern.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>52<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Insoweit ist darauf hinzuweisen, dass Ablehnungsantr&auml;ge stets dem Ziel dienen, die Durchf&uuml;hrung einer m&uuml;ndlichen Verhandlung mit Richtern, bei denen eine Besorgnis der Befangenheit besteht, zu verhindern. Allein der Umstand, dass dieser Zweck mit einem Ablehnungsantrag verfolgt wird, kann daher nicht zu seiner Unzul&auml;ssigkeit f&uuml;hren. Hinzu kommt im Streitfall, dass der Rechtsstreit seinerzeit eindeutig &#8211;und f&uuml;r das FG erkennbar&#8211; nicht entscheidungsreif war, so dass es f&uuml;r das FG objektiv keinen Grund f&uuml;r die Anberaumung einer m&uuml;ndlichen Verhandlung gab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>53<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>cc) Schlie&szlig;lich hat das FG die Auffassung vertreten, S habe gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;43 ZPO sein Ablehnungsrecht verloren, weil er sich in die Verhandlung zur Sache eingelassen und Antr&auml;ge gestellt habe.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>54<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>&sect;&nbsp;43 ZPO pr&auml;kludiert nach seinem klaren Wortlaut indes nur solche Ablehnungsantr&auml;ge, die gestellt werden, <em>nachdem<\/em> sich ein Beteiligter in eine Verhandlung eingelassen oder Antr&auml;ge gestellt hat, ohne zuvor den ihm bereits bekannten Ablehnungsgrund geltend zu machen. Hier hatte S den Ablehnungsantrag aber bereits einen Tag <em>vor<\/em> der m&uuml;ndlichen Verhandlung gestellt.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>55<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Zudem ist aus dem Protokoll der m&uuml;ndlichen Verhandlung klar ersichtlich, dass zun&auml;chst das FG die Ablehnungsantr&auml;ge verworfen hat und S sich erst danach zur Sache eingelassen hat.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>56<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>b) Der Besetzungsmangel der Entscheidung &uuml;ber den Ablehnungsantrag schl&auml;gt auf die Endentscheidung durch.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>57<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>Nach der neueren Rechtsprechung des BVerfG ist in F&auml;llen unzul&auml;ssiger Selbstentscheidung &uuml;ber ein Ablehnungsgesuch stets davon auszugehen, dass auch die dem Ablehnungsgesuch folgenden Sachentscheidungen mit dem Makel des Versto&szlig;es gegen den gesetzlichen Richter behaftet sind. Denn auch wenn die Zur&uuml;ckweisung eines Ablehnungsgesuchs nach der ma&szlig;geblichen Prozessordnung (hier &sect;&nbsp;128 Abs.&nbsp;2 FGO) unanfechtbar ist und bisher nicht feststeht, dass bei einem der abgelehnten Richter tats&auml;chlich die Besorgnis der Befangenheit gegeben war, folgt aus Art.&nbsp;101 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 GG zugleich, dass niemand vor einem Richter stehen muss, &uuml;ber dessen Ablehnung unter Versto&szlig; gegen die Gew&auml;hrleistung des gesetzlichen Richters entschieden worden ist (ausf&uuml;hrlich BVerfG-Beschluss vom 11.03.2013&nbsp;&#8211; 1&nbsp;BvR&nbsp;2853\/11, NJW 2013, 1665, Rz&nbsp;38&nbsp;ff., sowie Senatsbeschluss vom 16.10.2019&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;99\/19, unter II.1.b).<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>58<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>c) Da der Ablehnungsantrag vom FG bisher nicht ordnungsgem&auml;&szlig; behandelt worden ist, wird &uuml;ber ihn noch in dem gesetzlich hierf&uuml;r vorgesehenen Verfahren zu entscheiden sein.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>59<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>4. Der Senat h&auml;lt es f&uuml;r angezeigt, nach &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO zu verfahren, das angefochtene Urteil aufzuheben und den Rechtsstreit zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das FG zur&uuml;ckzuverweisen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>60<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>F&uuml;r das weitere Verfahren weist der Senat &#8211;ohne Bindungswirkung f&uuml;r das FG&#8211; darauf hin, dass S den Zugang der Gewinnfeststellungsbescheide f&uuml;r das Bistro bestritten und damit deren Wirksamkeit in Abrede gestellt hatte. Vor diesem Hintergrund wird das FG sich im zweiten Rechtsgang &#8211;anders als bisher&#8211; jedenfalls nicht ohne inhaltliche Befassung mit dem Bestreiten des Zugangs auf die vermeintliche Bestandskraft der Grundlagenbescheide berufen k&ouml;nnen.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>61<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>5. Die &Uuml;bertragung der Kostenentscheidung auf das FG beruht auf &sect;&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td valign='top'>\n<table>\n<tr>\n<td><em>62<\/em>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<td>\n<table>\n<tr>\n<td>6. Von einer weiteren Darstellung des Sachverhalts sowie einer weiteren Begr&uuml;ndung sieht der Senat gem&auml;&szlig; &sect;&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;2 FGO ab.<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<table>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<\/div>\n<p> <!-- Ende des eingebetteten Dokumentes --><\/p>\n<p><small>Quelle: bundesfinanzhof.de<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BUNDESFINANZHOF Beschluss vom 27.12.2019, X B 6\/18ECLI:DE:BFH:2019:B.271219.XB6.18.0 Keine Entscheidungsreife eines Rechtsstreits bei fehlendem Zugang des Kl&auml;gers zu beschlagnahmten verfahrenswesentlichen Unterlagen: fehlerhafte Behandlung eines Ablehnungsantrags Leits&auml;tze 1. NV: Ein Rechtsstreit ist im Regelfall nicht entscheidungsreif, solange dem Kl&auml;ger kein Zugang zu verfahrenswesentlichen beschlagnahmten Unterlagen einger&auml;umt wird, die dieser zur Anfertigung seiner Klagebegr&uuml;ndung ben&ouml;tigt. Vor der Zug&auml;nglichmachung &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/x-b-6-18-keine-entscheidungsreife-eines-rechtsstreits-bei-fehlendem-zugang-des-klaegers-zu-beschlagnahmten-verfahrenswesentlichen-unterlagen-fehlerhafte-behandlung-eines-ablehnungsantrags\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">X&nbsp;B&nbsp;6\/18 &#8211; Keine Entscheidungsreife eines Rechtsstreits bei fehlendem Zugang des Kl&auml;gers zu beschlagnahmten verfahrenswesentlichen Unterlagen: fehlerhafte Behandlung eines Ablehnungsantrags<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-72357","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72357","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=72357"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/72357\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=72357"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=72357"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=72357"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}