{"id":72428,"date":"2020-06-11T16:23:27","date_gmt":"2020-06-11T14:23:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=72428"},"modified":"2020-06-11T16:23:35","modified_gmt":"2020-06-11T14:23:35","slug":"berufsausbildung-bei-nichtantritt-zur-letztmaligen-pruefung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/berufsausbildung-bei-nichtantritt-zur-letztmaligen-pruefung\/","title":{"rendered":"Berufsausbildung bei Nichtantritt zur letztmaligen Pr\u00fcfung"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\"><strong>Urteil&nbsp;<\/strong>vom 27. November 2019, III R 65\/18<\/h1>\n\n\n\n<p>BFH III. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>FGO \u00a7 118 Abs 2 , EStG \u00a7 62 Abs 1 S 1 Nr 1 , EStG \u00a7 32 Abs 1 Nr 1 , EStG \u00a7 32 Abs 4 S 1 Nr 2 Buchst a , EStG VZ 2015<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Finanzgericht Mecklenburg-Vorpommern , 18. Oktober 2018, Az: 3 K 65\/17<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Zu einer ernsthaften und nachhaltigen Hochschulausbildung geh\u00f6rt auch die Teilnahme an den f\u00fcr die Erlangung der angestrebten beruflichen Qualifikation erforderlichen Pr\u00fcfungen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision der Kl\u00e4gerin gegen das Urteil des Finanzgerichts Mecklenburg-Vorpommern vom 18.10.2018 &#8211; 3 K 65\/17 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat die Kl\u00e4gerin zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beteiligten streiten um die Aufhebung der Kindergeldfestsetzung f\u00fcr M\u00e4rz 2015.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin) erhielt zun\u00e4chst Kindergeld f\u00fcr ihren am 27.07.1993 geborenen Sohn F. F war an der Universit\u00e4t X im Wintersemester 2014\/2015 im Studiengang Wirtschaftsinformatik eingeschrieben. Wegen des Nichterscheinens zur Pr\u00fcfung &#8222;Einf\u00fchrung in die Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre&#8220; verlor F seinen Pr\u00fcfungsanspruch in dem genannten Studiengang. Der zust\u00e4ndige Pr\u00fcfungsausschuss stellte mit Bescheid vom 24.02.2015 den endg\u00fcltigen Verlust des Pr\u00fcfungsanspruchs fest. Nach vorheriger Anh\u00f6rung wurde F mit Bescheid vom 05.05.2015 exmatrikuliert.<\/li><li>Die Beklagte und Revisionsbeklagte (Familienkasse) hob mit Bescheid vom 21.09.2016 u.a. f\u00fcr den Monat M\u00e4rz 2015 die Kindergeldfestsetzung auf, weil F bereits exmatrikuliert gewesen sei.<\/li><li>Einspruch und Klage blieben erfolglos. Mit der hiergegen gerichteten Revision r\u00fcgt die Kl\u00e4gerin die Verletzung materiellen Rechts. Sie ist der Meinung, es komme f\u00fcr das Ende der Berufsausbildung auf den Zeitpunkt an, zu welchem die Exmatrikulation wirksam geworden sei.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin beantragt,<br \/>den angefochtenen Gerichtsbescheid sowie den Aufhebungsbescheid vom 21.09.2016 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 09.01.2017 f\u00fcr den Monat M\u00e4rz 2015 aufzuheben.<\/li><li>Die Familienkasse beantragt,<br \/>die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision ist unbegr\u00fcndet und wird daher zur\u00fcckgewiesen (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das Finanzgericht (FG) hat zutreffend entschieden, dass im Streitmonat M\u00e4rz 2015 kein Anspruch auf Kindergeld mehr bestand, da F nicht mehr f\u00fcr einen Beruf ausgebildet wurde.<\/li><li>1. Nach \u00a7&nbsp;66 Abs.&nbsp;2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) wird das Kindergeld vom Beginn des Monats an gezahlt, in dem die Anspruchsvoraussetzungen erf\u00fcllt sind, bis zum Ende des Monats, in dem die Anspruchsvoraussetzungen wegfallen. F\u00fcr ein Kind, das das 18., aber noch nicht das 25.&nbsp;Lebensjahr vollendet hat, besteht nach \u00a7&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1, \u00a7&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 i.V.m. \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1, Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a EStG &#8211;unter weiteren hier nicht streitigen Voraussetzungen&#8211; Anspruch auf Kindergeld, wenn es f\u00fcr einen Beruf ausgebildet wird.<\/li><li>a) In Berufsausbildung befindet sich, wer &#8222;sein Berufsziel&#8220; noch nicht erreicht hat, sich aber ernsthaft und nachhaltig darauf vorbereitet. Dieser Vorbereitung dienen alle Ma\u00dfnahmen, bei denen Kenntnisse, F\u00e4higkeiten und Erfahrungen erworben werden, die als Grundlagen f\u00fcr die Aus\u00fcbung des &#8222;angestrebten&#8220; Berufs geeignet sind (st\u00e4ndige Rechtsprechung, z.B. Senatsurteile vom 13.12.2018&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;25\/18, BFHE 263, 53, BStBl&nbsp;II 2019, 256, Rz&nbsp;14; vom 14.09.2017&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;19\/16, BFHE 259, 443 , BStBl&nbsp;II 2018, 131, Rz&nbsp;9; vom 22.02.2017&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;20\/15, BFHE 257, 274, BStBl&nbsp;II 2017, 913, Rz&nbsp;12; vom 08.09.2016&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;27\/15, BFHE 255, 202, BStBl&nbsp;II 2017, 278, Rz&nbsp;15, jeweils m.w.N.).<\/li><li>b) Die Hochschulausbildung ist grunds\u00e4tzlich Ausbildungsma\u00dfnahme, wenn und solange das Kind im In- oder Ausland als ordentlicher Studierender an einer \u00f6ffentlichen oder privaten Hochschule immatrikuliert ist (Dienstanweisung zum Kindergeld nach dem Einkommensteuergesetz &#8211;DA-KG&#8211; 2019, Tz. A&nbsp;15.2 Satz&nbsp;1, A&nbsp;15.7 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1; Wendl in Herrmann\/Heuer\/Raupach, \u00a7&nbsp;32 EStG Rz 94; Bl\u00fcmich\/Selder, \u00a7&nbsp;32 EStG Rz&nbsp;36, 39). Allerdings kommt es allein auf eine formelle Immatrikulation beim Fehlen der ernsthaften und nachhaltigen Ausbildungsbem\u00fchungen nicht an (vgl. Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 23.11.2001&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;77\/99, BFHE 197, 383, BStBl&nbsp;II 2002, 484, unter 2.a, und vom 24.05.2000&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;143\/99, BFHE 191, 557, BStBl&nbsp;II 2000, 473, unter 3.). Soweit Anhaltspunkte daf\u00fcr bestehen, dass das Kind seinem gew\u00e4hlten Ausbildungsgang nicht ernsthaft und hinreichend nachgeht, indem etwa nur eine &#8222;Pro-forma-Immatrikulation&#8220; besteht, liegt keine Berufsausbildung vor (Senatsurteile vom 03.07.2014&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;52\/13, BFHE 246, 427, BStBl&nbsp;II 2015, 152, Rz&nbsp;32, und in BFHE 255, 202, BStBl&nbsp;II 2017, 278, Rz&nbsp;22).<\/li><li>c) Zu einer ernsthaften und nachhaltigen Hochschulausbildung geh\u00f6rt auch die Teilnahme an den f\u00fcr die Erlangung der angestrebten beruflichen Qualifikation erforderlichen Pr\u00fcfungen (BFH-Urteile vom 14.12.2004&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;44\/04, BFH\/NV 2005, 1039, unter II.1.a; vgl. auch BFH-Urteil vom 16.04.2002&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;89\/01, BFH\/NV 2002, 1150, unter II.1.).<\/li><li>2. Das FG hat die vorgenannten Rechtsgrunds\u00e4tze rechtsfehlerfrei angewandt. Die von ihm gezogene Schlussfolgerung, dass sich F im Monat M\u00e4rz 2015 nicht (mehr) in Berufsausbildung befand und somit kein Anspruch auf Kindergeld mehr bestand, ist revisionsrechtlich nicht zu beanstanden.<\/li><li>a) Die Frage, ob eine Berufsausbildung vorliegt und noch besteht, ist eine Frage der tatrichterlichen W\u00fcrdigung des FG, die revisionsrechtlich bindend ist (\u00a7&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO), soweit sie verfahrensrechtlich einwandfrei zustande gekommen ist und nicht durch Denkfehler oder durch die Verletzung von Erfahrungss\u00e4tzen beeinflusst ist (vgl. BFH-Urteil vom 26.01.2005&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;71\/03, BFHE 208, 572, BStBl&nbsp;II 2005, 349, und in BFHE 263, 53, BStBl&nbsp;II 2019, 256). Davon ist hier auszugehen.<\/li><li>b) Das FG hat den Sachverhalt umfassend ermittelt und ging ohne Versto\u00df gegen Denkgesetze oder Erfahrungss\u00e4tze davon aus, dass F seine Hochschulausbildung &#8211;trotz der f\u00f6rmlichen Immatrikulation&#8211; im M\u00e4rz 2015 nicht mehr so ernsthaft und nachhaltig betrieb, dass (noch) von einer Berufsausbildung i.S. des \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a EStG gesprochen werden konnte. Vielmehr war das FG zu Recht der Ansicht, dass F seine Berufsausbildung abgebrochen hat. Denn durch die Nichtteilnahme an der Pr\u00fcfung &#8222;Einf\u00fchrung in die Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre&#8220; verlor F seinen Pr\u00fcfungsanspruch im gesamten Studiengang endg\u00fcltig. Dadurch war F auch die M\u00f6glichkeit einer Wiederholungspr\u00fcfung versagt, die ggf. zu einem Fortgang der Berufsausbildung h\u00e4tte f\u00fchren k\u00f6nnen, wenn F sich weiterhin ernsthaft und hinreichend auf eine solche Wiederholungspr\u00fcfung vorbereitet h\u00e4tte (vgl. Senatsurteil vom 24.09.2009&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;70\/07, BFH\/NV 2010, 617). Letztlich kam es bereits vor der formellen Exmatrikulation zum Studienabbruch (vgl. auch DA-KG 2019, A&nbsp;15.10 Abs.&nbsp;11), so dass im M\u00e4rz 2015 kein Anspruch auf Kindergeld mehr bestand.<\/li><li>3. Die Kostenentscheidung folgt aus \u00a7&nbsp;143 Abs.&nbsp;1, \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Urteil&nbsp;vom 27. November 2019, III R 65\/18 BFH III. Senat FGO \u00a7 118 Abs 2 , EStG \u00a7 62 Abs 1 S 1 Nr 1 , EStG \u00a7 32 Abs 1 Nr 1 , EStG \u00a7 32 Abs 4 S 1 Nr 2 Buchst a , EStG VZ 2015 vorgehend Finanzgericht Mecklenburg-Vorpommern , 18. 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