{"id":72440,"date":"2020-06-11T16:27:52","date_gmt":"2020-06-11T14:27:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=72440"},"modified":"2020-06-11T16:27:58","modified_gmt":"2020-06-11T14:27:58","slug":"kein-rechtsmittel-gegen-fristsetzung-gemaess-%c2%a7-364b-ao","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/kein-rechtsmittel-gegen-fristsetzung-gemaess-%c2%a7-364b-ao\/","title":{"rendered":"Kein Rechtsmittel gegen Fristsetzung gem\u00e4\u00df \u00a7 364b AO"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\"><strong>Beschluss&nbsp;<\/strong>vom 10. Februar 2020, XI B 93\/19<\/h1>\n\n\n\n<p>BFH XI. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>AO \u00a7 364b , FGO \u00a7 76 Abs 3 , FGO \u00a7 79b Abs 3 , FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 2 Alt 1 , FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 3 , GG Art 19 Abs 4<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Finanzgericht Berlin-Brandenburg , 30. Juli 2019, Az: 6 K 6238\/17<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Es ist durch die Rechtsprechung des BFH gekl\u00e4rt, dass ein Rechtsschutzbed\u00fcrfnis f\u00fcr einen Einspruch oder eine Klage gegen eine Fristsetzung nach \u00a7 364b AO nicht besteht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Beschwerde der Kl\u00e4gerin wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 30.07.2019 &#8211; 6 K 6238\/17 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat die Kl\u00e4gerin zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beteiligten streiten dar\u00fcber, ob gegen eine Fristsetzung i.S. des \u00a7&nbsp;364b der Abgabenordnung (AO) ein zul\u00e4ssiges Rechtsmittel gegeben ist.<\/li><li>Im Einspruchsverfahren der Kl\u00e4gerin und Beschwerdef\u00fchrerin (Kl\u00e4gerin), einer GmbH, wegen Umsatzsteuer, Gewebesteuermessbetrag, Gewerbesteuer, vortragsf\u00e4higer Gewerbeverlust, K\u00f6rperschaftsteuer, gesonderter Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags und gesonderter Feststellung von Besteuerungsgrundlagen gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;2 und \u00a7&nbsp;28 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes setzte der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt) der Kl\u00e4gerin mit Schreiben vom 19.04.2017 und 12.06.2017 u.a. Ausschlussfristen nach \u00a7&nbsp;364b AO zur Vorlage weiterer Unterlagen. Der Einspruch blieb erfolglos (Einspruchsentscheidung vom 10.07.2017).<\/li><li>Das Finanzgericht (FG) Berlin-Brandenburg wies die Klage mit Urteil vom 30.07.2019&nbsp;&#8211; 6&nbsp;K&nbsp;6238\/17 ab. Es nahm an, f\u00fcr einen Einspruch und eine Klage gegen die Fristsetzung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;364b AO bestehe kein Rechtsschutzbed\u00fcrfnis.<\/li><li>Mit der Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision macht die Kl\u00e4gerin geltend, die Revision sei zur Fortbildung des Rechts sowie wegen eines Verfahrensfehlers zuzulassen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beschwerde ist unbegr\u00fcndet. Die geltend gemachten Zulassungsgr\u00fcnde liegen jedenfalls nicht vor.<\/li><li>1. Die Revision ist nicht zur Fortbildung des Rechts (\u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) zuzulassen.<\/li><li>a) Die Revision ist zur Fortbildung des Rechts zuzulassen, wenn davon auszugehen ist, dass im Einzelfall Veranlassung besteht, Grunds\u00e4tze und Leitlinien f\u00fcr die Auslegung von Gesetzesbestimmungen des materiellen Rechts oder des Verfahrensrechts aufzustellen oder Gesetzesl\u00fccken rechtssch\u00f6pferisch auszuf\u00fcllen (z.B. Beschl\u00fcsse des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 24.06.2014&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;45\/13, BFH\/NV 2014, 1584, Rz&nbsp;35; vom 15.11.2018&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;49\/18, BFH\/NV 2019, 208, Rz&nbsp;9). Auch dieser Zulassungsgrund setzt eine kl\u00e4rungsbed\u00fcrftige und kl\u00e4rbare Rechtsfrage voraus (BFH-Beschl\u00fcsse vom 24.07.2017&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;25\/17, BFH\/NV 2017, 1591, Rz&nbsp;25; vom 23.07.2019&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;29\/19, BFH\/NV 2019, 1363, Rz&nbsp;12).<\/li><li>b) Die Kl\u00e4gerin h\u00e4lt die Rechtsfrage f\u00fcr kl\u00e4rungsbed\u00fcrftig, ob und bestehendenfalls welches Rechtsmittel gegen das (wiederholte) Fristsetzen nach \u00a7&nbsp;364b AO besteht. Soweit das FG ein Rechtsschutzbed\u00fcrfnis verneint habe, gen\u00fcgten alle daf\u00fcr angegebenen Gr\u00fcnde nicht. Die Frage bed\u00fcrfe einer Beantwortung. Sie solle m\u00f6gliche Rechtsmittel herausarbeiten. Der Rechtsbehelf gegen die Pr\u00e4klusionsfrist und der Rechtsbehelf gegen die inhaltliche Beurteilung des vorgelegten Belegs m\u00fcssten getrennt werden. Es bestehe die M\u00f6glichkeit der Entlastung der Gerichte und der Beschleunigung der Verfahren. Das Rechtsschutzbed\u00fcrfnis bestehe in der Notwendigkeit, sich gegen Fristsetzungen mit Pr\u00e4klusionscharakter wehren zu k\u00f6nnen.<\/li><li>c) Diese Rechtsfrage ist jedoch nach der Rechtsprechung des BFH bereits dahin gehend gekl\u00e4rt, dass sie zu verneinen ist, weil ein Rechtsschutzinteresse f\u00fcr einen Einspruch gegen eine Fristsetzung nach \u00a7&nbsp;364b AO nicht besteht (vgl. BFH-Urteil vom 10.06.1999&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;23\/98, BFHE 189, 3, BStBl&nbsp;II 1999, 664, Rz&nbsp;28; BFH-Beschluss vom 24.06.2003&nbsp;&#8211; IX&nbsp;B&nbsp;139\/02, BFH\/NV 2003, 1436, Rz&nbsp;3; s.a. Anwendungserlass zur Abgabenordnung Nr.&nbsp;4 zu \u00a7&nbsp;364b AO; Bartone in Gosch, AO \u00a7&nbsp;364b Rz&nbsp;99&nbsp;f.; Birkenfeld in H\u00fcbschmann\/Hepp\/Spitaler &#8211;HHSp&#8211;, \u00a7&nbsp;364b AO Rz&nbsp;96&nbsp;ff.; Braun in HHSp, \u00a7&nbsp;33 FGO Rz&nbsp;121; Klein\/R\u00e4tke, AO, 14.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;364b Rz&nbsp;27; Nacke, Neue Juristische Wochenschrift 1996, 3402; Sangmeister, Betriebs-Berater &#8211;BB&#8211; 1994, 1679, 1682; Seer in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, \u00a7&nbsp;364b AO Rz&nbsp;38; ders. in Tipke\/Lang, Steuerrecht, 23.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;22 Rz&nbsp;41; Stalbold in Gosch, FGO \u00a7&nbsp;76 Rz&nbsp;83, Fu\u00dfnote&nbsp;163; Tiedchen, BB 1996, 1033, 1041). F\u00fcr eine nachfolgende Klage gilt nichts anderes (vgl. zu \u00a7&nbsp;364a AO BFH-Urteil vom 11.04.2012&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;63\/11, BFHE 237, 29, BStBl&nbsp;II 2012, 539, Rz&nbsp;14). Soweit sich die Kl\u00e4gerin damit rechtsschutzlos gestellt sieht, wird ihr effektiver Rechtsschutz im anschlie\u00dfenden Verfahren gegen die (auf den Einspruch zu erlassende) Einspruchsentscheidung gew\u00e4hrt (vgl. BFH-Urteil in BFHE 237, 29, BStBl&nbsp;II 2012, 539, zu \u00a7&nbsp;364a AO), sofern ihr Vorbringen nicht &#8211;trotz Vers\u00e4umung der Frist&#8211; wegen \u00a7&nbsp;76 Abs.&nbsp;3 i.V.m. \u00a7&nbsp;79b Abs.&nbsp;3 FGO ohnehin zu ber\u00fccksichtigen ist. Warum trotz dieser feststehenden Rechtsprechung gleichwohl dazu eine erneute Entscheidung des BFH zu dieser Frage erforderlich sein soll, ist nicht hinreichend dargetan, zumal die Literatur und die Finanzverwaltung der Rechtsprechung des BFH zwischenzeitlich folgen.<\/li><li>2. Nachdem ein Rechtsschutzbed\u00fcrfnis &#8211;entgegen der Auffassung der Kl\u00e4gerin&#8211; nicht besteht, greift auch die Verfahrensr\u00fcge, die auf einer gegenteiligen Rechtsauffassung beruht, nicht durch.<\/li><li>a) Wird die Verletzung der Sachaufkl\u00e4rungspflicht nach \u00a7&nbsp;76 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO ger\u00fcgt, muss u.a. dargelegt werden, weshalb sich auf der Grundlage des materiell-rechtlichen Standpunkts des FG eine weitere Aufkl\u00e4rung des Sachverhalts h\u00e4tte aufdr\u00e4ngen m\u00fcssen (vgl. BFH-Beschluss vom 19.12.2018&nbsp;&#8211; IX&nbsp;B&nbsp;142\/17, BFH\/NV 2019, 284, Rz&nbsp;11). Und es ist f\u00fcr die Frage, ob z.B. ein Beweisantrag entscheidungserheblich ist, von dem materiell-rechtlichen Standpunkt des FG auszugehen (vgl. BFH-Beschluss vom 16.03.2016&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;98\/15, BFH\/NV 2016, 1049, Rz&nbsp;9).<\/li><li>b) Ausgehend davon hat das FG weder seine Pflicht zur Sachverhaltsaufkl\u00e4rung verletzt noch verfahrensfehlerhaft einen Beweisantrag \u00fcbergangen, weil die Sache nach seiner Rechtsauffassung auch ohne weitere Sachverhaltsaufkl\u00e4rung spruchreif i.S. der Abweisung der Klage war.<\/li><li>3. Der Senat sieht von einer weiteren Begr\u00fcndung ab (\u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;2 FGO).<\/li><li>4. Die Kostenentscheidung folgt aus \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beschluss&nbsp;vom 10. Februar 2020, XI B 93\/19 BFH XI. Senat AO \u00a7 364b , FGO \u00a7 76 Abs 3 , FGO \u00a7 79b Abs 3 , FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 2 Alt 1 , FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 3 , GG Art 19 Abs 4 vorgehend Finanzgericht Berlin-Brandenburg , 30. 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