{"id":72650,"date":"2020-07-09T18:13:47","date_gmt":"2020-07-09T16:13:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=72650"},"modified":"2020-07-09T18:13:53","modified_gmt":"2020-07-09T16:13:53","slug":"prozesszinsen-bei-grundsteuererlass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/prozesszinsen-bei-grundsteuererlass\/","title":{"rendered":"Prozesszinsen bei Grundsteuererlass"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Beschluss vom 20. April 2020, II B 22\/19<\/h1>\n\n\n\n<p>ECLI:DE:BFH:2020:B.200420.IIB22.19.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH II. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>AO \u00a7 236 Abs 1 , GrStG \u00a7 33 Abs 1 S 1 , GrStG \u00a7 33 Abs 3 Nr 3 , AO \u00a7 227<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Finanzgericht Berlin-Brandenburg , 12. Dezember 2018, Az: 3 K 3005\/16<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Es ist gekl\u00e4rt, dass ein Anspruch auf Prozesszinsen nach \u00a7 236 Abs. 1 AO nicht besteht, wenn eine Steuer durch eine rechtskr\u00e4ftige gerichtliche Entscheidung im Erhebungsverfahren erlassen wird. Das gilt auch bei \u00a7 33 Abs. 1 GrStG.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Beschwerde der Kl\u00e4gerin wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 12.12.2018 &#8211; 3 K 3005\/16 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat die Kl\u00e4gerin zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Beschwerde der Kl\u00e4gerin und Beschwerdef\u00fchrerin (Kl\u00e4gerin) ist unbegr\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Revision ist nicht wegen grunds\u00e4tzlicher Bedeutung der Rechtssache (\u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;) oder wegen der Erforderlichkeit einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) zur Fortbildung des Rechts (\u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;1 FGO) zuzulassen.<\/p>\n\n\n\n<p>1. Grunds\u00e4tzliche Bedeutung kommt einer Rechtssache zu, wenn die f\u00fcr die Beurteilung des Streitfalls ma\u00dfgebliche Rechtsfrage das (abstrakte) Interesse der Allgemeinheit an der einheitlichen Entwicklung und Handhabung des Rechts ber\u00fchrt. Au\u00dferdem muss die Rechtsfrage kl\u00e4rungsbed\u00fcrftig und in einem k\u00fcnftigen Revisionsverfahren kl\u00e4rungsf\u00e4hig sein. Ist die Rechtslage eindeutig, bedarf es keiner Kl\u00e4rung in einem Revisionsverfahren. Das gilt auch dann, wenn sie bereits durch den BFH gekl\u00e4rt ist und keine neuen Gesichtspunkte erkennbar sind, die eine erneute Pr\u00fcfung und Entscheidung der Frage durch den BFH geboten erscheinen lassen (BFH-Beschl\u00fcsse vom 22.11.2018&nbsp;&#8211; II&nbsp;B&nbsp;51\/18, BFH\/NV 2019, 205, Rz&nbsp;11, m.w.N., und vom 29.08.2019&nbsp;&#8211; II&nbsp;B&nbsp;79\/18, BFH\/NV 2020, 22, Rz&nbsp;2). Da die Rechtsfortbildungsrevision nach \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Alternative&nbsp;1 FGO ein Spezialfall der Grundsatzrevision ist, gilt insoweit dasselbe (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2019, 205, Rz&nbsp;12).<\/p>\n\n\n\n<p>Macht ein Beschwerdef\u00fchrer die grunds\u00e4tzliche Bedeutung der Rechtssache geltend, muss die Beschwerdebegr\u00fcndung schl\u00fcssig und substantiiert darlegen, weshalb die f\u00fcr bedeutsam gehaltene Rechtsfrage im Allgemeininteresse kl\u00e4rungsbed\u00fcrftig und im Streitfall kl\u00e4rbar ist (vgl. \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO). Dazu muss ausgef\u00fchrt werden, in welchem Umfang, von welcher Seite und aus welchem Grunde die Beantwortung der Frage zweifelhaft und streitig ist (z.B. BFH-Beschluss vom 08.08.2019&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;117\/18, BFH\/NV 2019, 1219, Rz&nbsp;13).<\/p>\n\n\n\n<p>2. Im Streitfall liegt die grunds\u00e4tzliche Bedeutung &#8211;bei Zweifeln daran, dass die Darlegungsanforderungen des \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO erf\u00fcllt sind&#8211; jedenfalls nicht vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Die von der Kl\u00e4gerin aufgeworfene Frage der Verzinsung des Erstattungsbetrags nach \u00a7&nbsp;236 der Abgabenordnung (AO), wenn durch eine Gerichtsentscheidung Grundsteuer gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;33 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1, Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;3 des Grundsteuergesetzes i.d.F. vom 07.08.1973 (BGBl I 1973, 965) &#8211;GrStG&#8211; erlassen wird, ist nicht kl\u00e4rungsbed\u00fcrftig. Sie ist so zu beantworten, wie es das Finanzgericht in dem angegriffenen Urteil getan hat.<\/p>\n\n\n\n<p>a) Wird durch eine rechtskr\u00e4ftige gerichtliche Entscheidung oder auf Grund einer solchen Entscheidung eine festgesetzte Steuer herabgesetzt oder eine Steuerverg\u00fctung gew\u00e4hrt, ist der zu erstattende oder zu verg\u00fctende Betrag gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;236 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO vorbehaltlich des Abs.&nbsp;3 vom Tag der Rechtsh\u00e4ngigkeit an bis zum Auszahlungstag zu verzinsen. \u00a7&nbsp;236 AO sieht aber nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung keinen Anspruch auf Prozesszinsen vor, wenn die vorausgegangene gerichtliche Entscheidung nicht im Steuerfestsetzungsverfahren, sondern im Steuererhebungsverfahren ergangen ist (BFH-Urteil vom 26.04.1988&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;97\/87, BFHE 153, 490, BStBl II 1988, 865, unter II.4.; BFH-Beschluss vom 01.04.2008&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;178\/06, Zeitschrift f\u00fcr Steuern und Recht 2008, R698, unter II.2., m.w.N.).<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist z.B. der Fall, wenn Steuern nach \u00a7&nbsp;227 AO erlassen worden sind (vgl. BFH-Urteil vom 16.05.2013&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;20\/11, BFHE 241, 320, BStBl II 2013, 770, Rz&nbsp;17; BFH-Beschluss vom 20.01.1999&nbsp;&#8211; IV&nbsp;B&nbsp;40\/98, BFH\/NV 1999, 1055, m.w.N.).<\/p>\n\n\n\n<p>b) An eine analoge Anwendung des \u00a7&nbsp;236 AO sind wegen des ersichtlich abschlie\u00dfenden Charakters dieses Zinstatbestands strenge Anforderungen zu stellen (BFH-Urteil vom 29.08.2012&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;49\/11, BFHE 238, 499, BStBl II 2013, 104, Rz&nbsp;24). F\u00fcr die F\u00e4lle des Rechtsstreits \u00fcber einen Abrechnungsbescheid und des Erlasses von Steuern nach \u00a7&nbsp;227 AO hat die Rechtsprechung eine Analogie abgelehnt (BFH-Urteile vom 12.05.1987&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;203\/83, BFHE 150, 298, BStBl II 1987, 702; in BFHE 153, 490, BStBl II 1988, 865, unter II.4.).<\/p>\n\n\n\n<p>c) Das BFH-Urteil vom 05.04.2006&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;80\/04 (BFH\/NV 2006, 1435) f\u00fchrt zu keinem anderen Ergebnis. Der I.&nbsp;Senat hat darin Prozesszinsen wegen einer besonderen Verfahrenskonstellation zugesprochen. F\u00fcr &#8222;Streitigkeiten im Erhebungsverfahren ohne Bezug zu einer Steuerfestsetzung&#8220; (BFH-Urteil in BFH\/NV 2006, 1435, unter II.2.) hat er aber an der bisherigen Rechtsprechung festgehalten.<\/p>\n\n\n\n<p>d) Der BFH hat sich auch bereits mit dem Argument befasst, das Ergebnis sei aus der Sicht des Steuerpflichtigen unbefriedigend (so Loose in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, \u00a7&nbsp;236 AO Rz&nbsp;6). Die Beschr\u00e4nkung der Prozesszinsen muss dennoch, weil vom Gesetzgeber gewollt, beachtet werden; von einem allgemeinen Rechtsgrundsatz auf (angemessene) Verzinsung r\u00fcckst\u00e4ndiger Staatsleistungen kann nicht ausgegangen werden (vgl. BFH-Urteil vom 29.04.1997&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;91\/96, BFHE 182, 253, BStBl II 1997, 476, unter II.2.b; BFH-Beschluss in BFH\/NV 1999, 1055).<\/p>\n\n\n\n<p>e) F\u00fcr den Erlass von Grundsteuer nach \u00a7&nbsp;33 GrStG gelten keine anderen Ma\u00dfst\u00e4be. Es handelt sich dabei um eine dem Erlass nach \u00a7&nbsp;227 AO vergleichbare Entscheidung, die im Steuererhebungsverfahren getroffen wird (vgl. BFH-Urteil vom 30.07.2008&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;5\/07, BFH\/NV 2009, 7, unter II.1.). Dass bei Vorliegen der Voraussetzungen des \u00a7&nbsp;33 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1, Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;3 GrStG ein Rechtsanspruch auf Erlass der Grundsteuer besteht (BFH-Urteil in BFH\/NV 2009, 7, unter II.1., m.w.N.), ist f\u00fcr die Frage der Verzinsung des Erstattungsbetrags nach \u00a7&nbsp;236 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO ohne Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<p>3. Die Kostenentscheidung folgt aus \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/p>\n\n\n\n<p>4. Von einer weiteren Begr\u00fcndung, insbesondere der Darstellung des Tatbestands, sieht der Senat nach \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 FGO ab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beschluss vom 20. April 2020, II B 22\/19 ECLI:DE:BFH:2020:B.200420.IIB22.19.0 BFH II. Senat AO \u00a7 236 Abs 1 , GrStG \u00a7 33 Abs 1 S 1 , GrStG \u00a7 33 Abs 3 Nr 3 , AO \u00a7 227 vorgehend Finanzgericht Berlin-Brandenburg , 12. 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