{"id":72663,"date":"2020-07-26T17:34:58","date_gmt":"2020-07-26T15:34:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=72663"},"modified":"2020-07-26T17:35:04","modified_gmt":"2020-07-26T15:35:04","slug":"begrenzung-des-schuldzinsenabzugs-nach-%c2%a7-4-abs-4a-estg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/begrenzung-des-schuldzinsenabzugs-nach-%c2%a7-4-abs-4a-estg\/","title":{"rendered":"Begrenzung des Schuldzinsenabzugs nach \u00a7 4 Abs. 4a EStG"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Urteil vom 05. November 2019, X R 42-43\/18<\/h1>\n\n\n\n<p>Im Wesentlichen inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 05.11.2019 X R 40-41\/18 <\/p>\n\n\n\n<p>ECLI:DE:BFH:2019:U.051119.XR42.18.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH X. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>GewStG \u00a7 7 S 1 , EStG \u00a7 4 Abs 4a S 1 , EStG \u00a7 4 Abs 4a S 5 , EStG \u00a7 52 Abs 11 S 2 , EStG VZ 2005 , EStG VZ 2006 , EStG VZ 2007<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Finanzgericht Rheinland-Pfalz , 09. August 2018, Az: 5 K 1373\/16<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Bei der Berechnung der nicht abzugsf\u00e4higen Schuldzinsen nach \u00a7 4 Abs. 4a EStG ist positives Eigenkapital, das aus vor dem 01.01.1999 endenden Wirtschaftsjahren herr\u00fchrt, unber\u00fccksichtigt zu lassen. Die durch das St\u00c4ndG 2001 eingef\u00fchrte Anwendungsregelung des \u00a7 52 Abs. 11 Satz 2 EStG (derzeit \u00a7 52 Abs. 6 Satz 6 EStG) gebietet es, in dem ersten nach dem 31.12.1998 endenden Wirtschaftsjahr von einem Kapitalkonto mit dem Anfangsbestand von &#8222;Null&#8220; auszugehen (Anschluss an Senatsurteil vom 09.05.2012 &#8211; X R 30\/06, BFHE 237, 484, BStBl II 2012, 667).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>1. Die Verfahren X R 42\/18 und X R 43\/18 werden zur gemeinsamen Entscheidung verbunden.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Auf die Revisionen des Beklagten werden die Urteile des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz vom 09.08.2018 &#8211; 5 K 1373\/16 sowie 5 K 1374\/16 aufgehoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sachen werden an das Finanzgericht Rheinland-Pfalz zur\u00fcckverwiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diesem wird die Entscheidung \u00fcber die Kosten der Verfahren \u00fcbertragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Kl\u00e4gerin und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4gerin) vermietet Anlageverm\u00f6gen an eine von ihr beherrschte Kapitalgesellschaft und erzielt hieraus gewerbliche Eink\u00fcnfte (Betriebsaufspaltung), die der Gewerbesteuer unterliegen. Ihren Gewinn ermittelt sie durch Betriebsverm\u00f6gensvergleich.<\/li><li>Die (&#8230;) Kinder der Kl\u00e4gerin sind als typisch stille Gesellschafter am Besitzunternehmen beteiligt. Deren Gewinnanteile und die Verzinsung f\u00fcr stehen gelassene Gewinnanteile (sog. Darlehen II) behandelte die Kl\u00e4gerin als betrieblichen Aufwand.<\/li><li>Nach Au\u00dfenpr\u00fcfungen f\u00fcr die Streitjahre 2002 bis 2007 erh\u00f6hte der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) mit Gewerbesteuermessbescheiden jeweils vom 13.09.2007 (2002 bis 2004) bzw. 30.04.2010 (2005 bis 2007) die zun\u00e4chst erkl\u00e4rungsgem\u00e4\u00df ber\u00fccksichtigten Gewinne um gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;7 Satz&nbsp;1 des Gewerbesteuergesetzes (GewStG) i.V.m. \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;4a des Einkommensteuergesetzes (EStG) nicht abzugsf\u00e4hige Schuldzinsen in H\u00f6he von 3.959&nbsp;\u20ac (2002), 6.044&nbsp;\u20ac (2003), 19.197&nbsp;\u20ac (2004), 24.212&nbsp;\u20ac (2005), 31.208&nbsp;\u20ac (2006) sowie 38.777&nbsp;\u20ac (2007).<\/li><li>Die Au\u00dfenpr\u00fcfungsberichte vom 13.07.2007 (2002 bis 2004) bzw. 09.02.2010 (2005 bis 2007), auf die das Finanzgericht (FG) -neben eigenen Berechnungen- jeweils Bezug nahm, weisen folgende Berechnungsgrundlagen aus, die hinsichtlich der Kapitalkontenentwicklung zwischen den Beteiligten nicht streitig sind:&nbsp;&nbsp;200220032004kumulierte Unter-\/\u00dcberentnahmen 31.12. Vorjahr&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;176.551&nbsp;\u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;.\/.&nbsp;65.986&nbsp;\u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;.\/.&nbsp;100.740&nbsp;\u20ac.\/. Entnahmen598.886&nbsp;\u20ac358.686&nbsp;\u20ac653.928&nbsp;\u20ac+ Einlagen0&nbsp;\u20ac0&nbsp;\u20ac4.467&nbsp;\u20ac+ Gewinn356.349&nbsp;\u20ac323.932&nbsp;\u20ac291.853&nbsp;\u20ac= \u00dcberentnahmen 31.12.65.986&nbsp;\u20ac100.740&nbsp;\u20ac458.348&nbsp;\u20ac6&nbsp;%&nbsp;&nbsp;3.959&nbsp;\u20ac6.044&nbsp;\u20ac27.501&nbsp;\u20acZinsaufwand gesamt38.226&nbsp;\u20ac32.804&nbsp;\u20ac21.247&nbsp;\u20acdavon beg\u00fcnstigte Zinsen f\u00fcr Investitionsdarlehen17.674&nbsp;\u20ac5.700&nbsp;\u20ac0&nbsp;\u20ac&nbsp;&nbsp;verbleiben20.552&nbsp;\u20ac27.104&nbsp;\u20ac21.247&nbsp;\u20ac.\/. K\u00fcrzungsbetrag2.050&nbsp;\u20ac2.050&nbsp;\u20ac2.050&nbsp;\u20acVergleichsgr\u00f6\u00dfe18.502&nbsp;\u20ac25.054&nbsp;\u20ac19.197&nbsp;\u20acHinzurechnungsbetrag3.959&nbsp;\u20ac6.044&nbsp;\u20ac19.197&nbsp;\u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;200520062007kumulierte Unter-\/\u00dcberentnahmen 31.12. Vorjahr.\/.&nbsp;458.348&nbsp;\u20ac.\/.&nbsp;460.055&nbsp;\u20ac.\/.&nbsp;636.682&nbsp;\u20ac.\/. Entnahmen394.161&nbsp;\u20ac600.890&nbsp;\u20ac332.865&nbsp;\u20ac+ Einlagen1.390&nbsp;\u20ac0&nbsp;\u20ac0&nbsp;\u20ac+ Gewinn391.064&nbsp;\u20ac424.263&nbsp;\u20ac281.058&nbsp;\u20ac= \u00dcberentnahmen 31.12.460.055&nbsp;\u20ac636.682&nbsp;\u20ac688.489&nbsp;\u20ac6&nbsp;%&nbsp;&nbsp;27.603&nbsp;\u20ac38.201&nbsp;\u20ac41.309&nbsp;\u20ac&nbsp;Zinsaufwand gesamt26.262&nbsp;\u20ac33.258&nbsp;\u20ac40.827&nbsp;\u20acdavon beg\u00fcnstigte Zinsen f\u00fcr Investitionsdarlehen0&nbsp;\u20ac0&nbsp;\u20ac0&nbsp;\u20acverbleiben26.262&nbsp;\u20ac33.258&nbsp;\u20ac40.827&nbsp;\u20ac.\/. K\u00fcrzungsbetrag2.050&nbsp;\u20ac2.050&nbsp;\u20ac2.050&nbsp;\u20acVergleichsgr\u00f6\u00dfe24.212&nbsp;\u20ac31.208&nbsp;\u20ac38.777&nbsp;\u20acHinzurechnungsbetrag24.212&nbsp;\u20ac31.208&nbsp;\u20ac38.777&nbsp;\u20ac<\/li><li>Den Umstand, dass der Gewerbebetrieb der Kl\u00e4gerin trotz j\u00e4hrlicher \u00dcberentnahmen ein durchg\u00e4ngig positives Eigenkapital aufwies, lie\u00df das FA unber\u00fccksichtigt.<\/li><li>Das FG gab den nach erfolglosen Vorverfahren erhobenen Klagen statt. Zur Begr\u00fcndung verwies es jeweils auf seine am selben Tag ergangenen Entscheidungen betreffend Einkommensteuer 2002 bis 2004 (5&nbsp;K&nbsp;1375\/16, Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2018, 1624) sowie Einkommensteuer 2005 bis 2007 (5&nbsp;K&nbsp;1376\/16). Dort hatte es ausgef\u00fchrt, dass eine Begrenzung des Abzugs f\u00fcr die betrieblich veranlassten Schuldzinsen nach \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;4a EStG nicht in Betracht komme. Der Bundesfinanzhof (BFH) habe mit Urteil vom 21.09.2005&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;47\/03 (BFHE 211, 227, BStBl II 2006, 504) entschieden, dass die Vorschrift nach ihrer gesetzlichen Konzeption nur f\u00fcr \u00fcberschuldete Betriebe, nicht aber f\u00fcr solche mit positivem Eigenkapital gelte. Zum Eigenkapital geh\u00f6re nicht nur im laufenden Wirtschaftsjahr &#8222;gebildetes&#8220;, sondern ebenso &#8222;angespartes&#8220; Eigenkapital.<\/li><li>Im Revisionsverfahren bringt das FA vor, das FG habe rechtsfehlerhaft in seine Entscheidung nicht einbezogen, dass nach \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;11 Satz&nbsp;2 EStG i.d.F. des Steuer\u00e4nderungsgesetzes (St\u00c4ndG) 2001 vom 20.12.2001 (BGBl I 2001, 3794) \u00dcber- und Unterentnahmen von vor dem 01.01.1999 endenden Wirtschaftsjahren bei der Ermittlung der Bemessungsgrundlage f\u00fcr eine Hinzurechnung nach \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;4a EStG unber\u00fccksichtigt blieben. Eine Bindungswirkung des bilanziellen Eigenkapitals f\u00fcr \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;4a EStG bestehe nicht.<\/li><li>Das FA beantragt (sinngem\u00e4\u00df),<br \/>die angefochtenen Urteile aufzuheben und die Klagen abzuweisen.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin beantragt,<br \/>die Revisionen zur\u00fcckzuweisen.<\/li><li>Sie h\u00e4lt an ihrer Ansicht fest, dass \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;4a EStG an das bilanzielle Eigenkapital ankn\u00fcpfe und daher eine Begrenzung des Schuldzinsenabzugs ausgeschlossen sei, wenn die Entnahmen aus positivem Eigenkapital gesch\u00f6pft werden k\u00f6nnten. Auch f\u00fcr nach dem 31.12.1998 beginnende Wirtschaftsjahre sei das gesamte Eigenkapital zu ber\u00fccksichtigen.<\/li><li>Sollte \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;4a EStG dagegen grunds\u00e4tzlich Anwendung finden, sei zu ber\u00fccksichtigen, dass s\u00e4mtliche Zinsen f\u00fcr nach Satz&nbsp;5 der Vorschrift beg\u00fcnstigte Investitionsdarlehen aufgewandt worden seien. Das Besitzunternehmen sei dahingehend konzipiert, Anlageverm\u00f6gen an die Betriebsgesellschaft zu vermieten, so dass auch die Darlehen der stillen Gesellschafter f\u00fcr Investitionen in Anlageverm\u00f6gen genutzt worden seien.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revisionen X&nbsp;R&nbsp;42\/18 und X&nbsp;R&nbsp;43\/18, die der Senat zur gemeinsamen Entscheidung nach \u00a7&nbsp;121 Satz&nbsp;1, \u00a7&nbsp;73 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) verbunden hat, sind begr\u00fcndet. Die angefochtenen FG-Urteile sind aufzuheben und die Sachen zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zur\u00fcckzuverweisen (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 FGO).<\/li><li>1. Die bisherigen Feststellungen des FG gen\u00fcgen nicht f\u00fcr eine rechtlich abschlie\u00dfende Entscheidung des Senats, ob bzw. in welcher H\u00f6he f\u00fcr die Streitjahre nicht abzugsf\u00e4hige Schuldzinsen beim Gewinn aus Gewerbebetrieb der Kl\u00e4gerin hinzuzurechnen sind.<\/li><li>a) Schuldzinsen sind nach Ma\u00dfgabe von \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;4a EStG nicht abzugsf\u00e4hig, wenn \u00dcberentnahmen get\u00e4tigt worden sind. Seit Einf\u00fchrung der Vorschrift ist der Schuldzinsenabzug zweistufig zu pr\u00fcfen (statt vieler Senatsurteil vom 21.09.2005&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;46\/04, BFHE 211, 238, BStBl II 2006, 125, unter II.3.). Auf der ersten Stufe ist zu kl\u00e4ren, ob die den Schuldzinsen zugrunde liegenden Verbindlichkeiten solche sind, die dem Betriebsverm\u00f6gen des Steuerpflichtigen zuzuordnen sind. Sodann ist in einem zweiten Schritt zu pr\u00fcfen, ob und in welchem Umfang die betrieblich veranlassten Schuldzinsen nach Ma\u00dfgabe von \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;4a EStG nicht abzugsf\u00e4hig sind (Senatsurteil vom 14.03.2018&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;17\/16, BFHE 261, 273, BStBl II 2018, 744, Rz&nbsp;17, m.w.N.).<\/li><li>Das FG hat &#8211;ohne dies zu begr\u00fcnden&#8211; ausgef\u00fchrt, die in den Streitjahren als Aufwand erfassten Schuldzinsen seien betrieblich veranlasst gewesen. Feststellungen insbesondere zu Grund und H\u00f6he des Zinsaufwands f\u00fcr nicht ausgezahlte Gewinnanteile der stillen Gesellschafter (&#8222;Darlehen II&#8220;) fehlen indes. Im Hinblick darauf, dass eine betriebliche Veranlassung der Zinsen zwischen den Beteiligten bislang au\u00dfer Streit stand, sieht auch der Senat von grunds\u00e4tzlichen Ausf\u00fchrungen hierzu ab. Allerdings sollte das FG im zweiten Rechtsgang, in dem es insoweit an seine bisherige rechtliche Beurteilung nicht gebunden ist, zumindest erw\u00e4gen, dass die von den Kindern der Kl\u00e4gerin gew\u00e4hrten Darlehen hinsichtlich der Vereinbarungen und deren Durchf\u00fchrung den besonderen Anforderungen an die steuerliche Anerkennung von Angeh\u00f6rigenvertr\u00e4gen gen\u00fcgen m\u00fcssen (vgl. hierzu u.a. Senatsurteile vom 10.10.2018&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;44-45\/17, BFHE 263, 11, BStBl II 2019, 203, Rz&nbsp;18&nbsp;ff., sowie vom 22.05.2019&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;19\/17, Deutsches Steuerrecht 2019, 2118, Rz&nbsp;26&nbsp;f.). Hierbei d\u00fcrfte auch der Umstand der f\u00fcr die Streitjahre &#8211;gemessen am Marktzinsniveau&#8211; recht hohen Verzinsung von 8&nbsp;% zu ber\u00fccksichtigen sein (vgl. hierzu ausf\u00fchrlich Senatsurteil vom 22.10.2013&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;26\/11, BFHE 242, 516, BStBl II 2014, 374, Rz&nbsp;77).<\/li><li>b) F\u00fcr den Fall, dass betrieblich veranlasster Zinsaufwand vorl\u00e4ge, entspr\u00e4che die hieran ankn\u00fcpfende Entscheidung der Vorinstanz, eine Abzugsbeschr\u00e4nkung nach \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;4a EStG aufgrund des durchg\u00e4ngig positiven bilanziellen Eigenkapitals der Kl\u00e4gerin als ausgeschlossen anzusehen, nicht der f\u00fcr die Streitjahre geltenden Rechtslage. F\u00fcr die Kl\u00e4gerin w\u00e4ren trotz positiven Eigenkapitals \u00dcberentnahmen anzusetzen, die grunds\u00e4tzlich eine Begrenzung des Schuldzinsenabzugs ausl\u00f6sten.<\/li><li>aa) \u00dcberentnahme i.S. von \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;4a Satz&nbsp;1 EStG ist nach Satz&nbsp;2 der Vorschrift der Betrag, um den die Entnahmen die Summe des Gewinns und der Einlagen des Wirtschaftsjahres \u00fcbersteigen. Die nicht abzugsf\u00e4higen Schuldzinsen werden typisiert mit 6&nbsp;% der \u00dcberentnahme des Wirtschaftsjahres zuz\u00fcglich der \u00dcberentnahmen vorangegangener Wirtschaftsjahre und abz\u00fcglich der Betr\u00e4ge, um die in den vorangegangenen Wirtschaftsjahren der Gewinn und die Einlagen die Entnahmen \u00fcberstiegen haben (Unterentnahmen), ermittelt (\u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;4a Satz&nbsp;3 Halbsatz&nbsp;1 EStG). Hieraus folgt, dass die Bemessungsgrundlage der nicht abzugsf\u00e4higen Schuldzinsen der Summe der jeweiligen \u00dcber- und Unterentnahmen aller in die Berechnung einzubeziehenden Wirtschaftsjahre &#8211;d.h. einer Totalperiode&#8211; entspricht (vgl. hierzu auch Senatsurteil in BFHE 261, 273, BStBl II 2018, 744, Rz&nbsp;19).<\/li><li>Durch das St\u00c4ndG 2001 hat der Gesetzgeber diese Totalperiode f\u00fcr die Vergangenheit zeitlich insoweit begrenzt, als \u00dcber- und Unterentnahmen aus vor dem 01.01.1999 endenden Wirtschaftsjahren unber\u00fccksichtigt bleiben (\u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;11 Satz&nbsp;2 EStG i.d.F. des St\u00c4ndG 2001, jetzt \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;6 EStG). Somit ist bei der Berechnung der nicht abzugsf\u00e4higen Schuldzinsen zum 01.01.1999, dem Beginn der Totalperiode, von einem &#8222;Startkapital&#8220; von 0&nbsp;DM\/\u20ac auszugehen (grundlegend Senatsurteil vom 09.05.2012&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;30\/06, BFHE 237, 484, BStBl II 2012, 667, Rz&nbsp;32, 64). Diese Regelung, die dazu f\u00fchrt, dass zum Startzeitpunkt bestehendes positives sowie negatives Eigenkapital unber\u00fccksichtigt bleibt, verst\u00f6\u00dft &#8211;wie inzwischen hinl\u00e4nglich gekl\u00e4rt&#8211; weder gegen das R\u00fcckwirkungsverbot noch gegen den allgemeinen Gleichheitssatz sowie den Grundsatz der Besteuerung nach der Leistungsf\u00e4higkeit (Senatsurteil in BFHE 237, 484, BStBl II 2012, 667, Rz&nbsp;38&nbsp;ff. [die hiergegen erhobene Verfassungsbeschwerde wurde nicht zur Entscheidung angenommen, Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 07.04.2015&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;1868\/12]; vgl. zuletzt auch BFH-Urteil vom 06.12.2018&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;15\/17, BFH\/NV 2019, 526, Rz&nbsp;25).<\/li><li>bb) Das FG ist &#8211;wie auch die Kl\u00e4gerin&#8211; von anderen, allerdings zeitlich \u00fcberholten Rechtsgrunds\u00e4tzen ausgegangen. Dessen Entscheidungen, das zum 01.01.1999 bestehende positive Eigenkapital des Unternehmens der Kl\u00e4gerin f\u00fcr Zwecke des \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;4a&nbsp;EStG zu ber\u00fccksichtigen, kann insbesondere nicht auf das Senatsurteil in BFHE 211, 227, BStBl II 2006, 504 gest\u00fctzt werden. Denn jenes Urteil betrifft den Veranlagungszeitraum 1999 und somit ein Jahr, f\u00fcr das die Regelung des \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;11 Satz&nbsp;2 EStG i.d.F. des St\u00c4ndG 2001 zur Bestimmung des &#8222;Startkapitals&#8220; noch nicht existierte. Dort hat der Senat ausdr\u00fccklich festgestellt, dass lediglich in den Veranlagungszeitr\u00e4umen 1999 und 2000 ein Unterentnahmevortrag (d.h. positives Eigenkapital) aus vor dem 01.01.1999 endenden Wirtschaftsjahren zu ber\u00fccksichtigen sei (BFHE 211, 227, BStBl II 2006, 504, unter II.4.c).<\/li><li>Dagegen besteht &#8211;beginnend ab dem Veranlagungszeitraum 2001 und somit f\u00fcr s\u00e4mtliche Streitjahre&#8211; f\u00fcr die vom FG vertretene sowie von der Kl\u00e4gerin geforderte Gesetzesauslegung, &#8222;angespartes&#8220; Eigenkapital aus Wirtschaftsjahren vor 1999 als vorzutragende Unterentnahmen zu ber\u00fccksichtigen, kein Raum. Zwar trifft es zu, dass nach der Gesetzeskonzeption des \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;4a EStG eine Beschr\u00e4nkung des betrieblich veranlassten Schuldzinsenabzugs erst dann in Betracht kommt, wenn der Steuerpflichtige mehr f\u00fcr private Zwecke entnimmt als an Eigenkapital vorhanden ist (vgl. Senatsurteil in BFHE 211, 227, BStBl II 2006, 504, unter II.4.a&nbsp;aa, m.w.N.). Hieraus folgt aber nicht, dass der Zweck der Regelung unbedingt verlangt, auch das zum Zeitpunkt der Einf\u00fchrung vorhandene Eigenkapital zu ber\u00fccksichtigen. Insoweit hat der Senat bereits entschieden, dass \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;11 Satz&nbsp;2 EStG i.d.F. des St\u00c4ndG 2001 den zeitlichen Rahmen festlegt, f\u00fcr den das sog. Eigenkapitalmodell gilt, n\u00e4mlich f\u00fcr nach dem 31.12.1998 endende Wirtschaftsjahre (Senatsurteil in BFHE 237, 484, BStBl II 2012, 667, Rz&nbsp;37). Hiervon Abweichendes wurde &#8211;anders als die Kl\u00e4gerin meint&#8211; weder in der BFH-Entscheidung vom 17.08.2010&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;42\/07 (BFHE 230, 424, BStBl II 2010, 1041) noch in der Senatsentscheidung in BFHE 261, 273, BStBl II 2018, 744 vertreten.<\/li><li>cc) Die ab dem 01.01.1999 f\u00fcr die Ermittlung der Bemessungsgrundlage nach \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;4a&nbsp;EStG anzusetzenden &#8211;oben dargestellten&#8211; bilanziellen Werte sind zwischen den Beteiligten unstreitig. F\u00fcr den zweiten Rechtsgang weist der Senat darauf hin, dass die vom FG im Tatbestand seiner Entscheidungen dargestellten Kapitalkontenentwicklungen nicht in Einklang mit den durch die Au\u00dfenpr\u00fcfungen ermittelten &#8211;nach Ansicht des Senats zutreffenden und unstreitigen&#8211; Zahlen zu bringen sind.<\/li><li>c) Dem Senat war eine eigene Entscheidung in der Sache verwehrt, da das FG &#8211;vor dem Hintergrund seiner Rechtsansicht folgerichtig&#8211; nicht \u00fcber die von den Beteiligten im ersten Rechtsgang ebenfalls streitig er\u00f6rterte Frage befunden hat, inwiefern die als betrieblich veranlasst angenommenen Schuldzinsen auf nach \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;4a Satz&nbsp;5 EStG beg\u00fcnstigte Zinsen f\u00fcr Investitionskredite entfielen.<\/li><li>aa) \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;4a Satz&nbsp;5 EStG bestimmt, dass der Abzug von Schuldzinsen f\u00fcr Darlehen zur Finanzierung von Anschaffungs- oder Herstellungskosten von Wirtschaftsg\u00fctern des Anlageverm\u00f6gens unber\u00fchrt bleibt. Mit dieser Privilegierung bezweckt der Gesetzgeber, derartige Investitionen nicht durch die Abzugsbeschr\u00e4nkung des \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;4a EStG zu behindern (BFH-Urteil vom 07.07.2016&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;26\/15, BFHE 254, 347, BStBl II 2016, 837, Rz&nbsp;19, m.w.N., sowie Senatsurteil vom 23.03.2011&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;28\/09, BFHE 233, 404, BStBl II 2011, 753, Rz&nbsp;21), wobei die Au\u00dferachtlassung von Zinsen f\u00fcr die Finanzierung von Wirtschaftsg\u00fctern des Umlaufverm\u00f6gens rechtlich unbedenklich ist (BFH-Urteil vom 30.08.2012&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;48\/09, BFH\/NV 2013, 187, Rz&nbsp;22&nbsp;ff.).<\/li><li>Ob beg\u00fcnstigte Schuldzinsen i.S. von \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;4a Satz&nbsp;5 EStG vorliegen, bestimmt sich nicht nach dem vereinbarten Darlehenszweck oder der Mittelverwendungsabsicht des Darlehensnehmers, sondern allein nach der tats\u00e4chlichen Verwendung der Darlehensmittel f\u00fcr eine entsprechend privilegierte Investition (BFH-Urteil in BFHE 254, 347, BStBl II 2016, 837, Rz&nbsp;21). Die objektive Beweislast (Feststellungslast) f\u00fcr eine solche Verwendung trifft den Steuerpflichtigen (BFH-Urteil vom 23.02.2012&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;19\/08, BFHE 237, 48, BStBl II 2013, 151, Rz&nbsp;14, m.w.N.).<\/li><li>bb) Der Senat kann nicht erkennen, inwiefern die in den Streitjahren angefallenen Schuldzinsen konkret im sachlichen Zusammenhang mit Investitionen in Anlageverm\u00f6gen des Besitzunternehmens der Kl\u00e4gerin standen. Die hierf\u00fcr erforderlichen Feststellungen obliegen dem FG als Tatsacheninstanz; die Feststellungslast trifft die Kl\u00e4gerin (BFH-Urteil in BFHE 237, 48, BStBl II 2013, 151, Rz&nbsp;14).<\/li><li>Der Senat weist allerdings darauf hin, dass die im ersten Rechtsgang von der Kl\u00e4gerin eingereichte chronologische Investitionsliste den von ihnen behaupteten Finanzierungszusammenhang nicht hinreichend belegen d\u00fcrfte. Jener Liste ist nicht zu entnehmen, ob die Darlehen &#8211;und hierbei insbesondere die aus stehen gelassenen Gewinnanteils- und Verzinsungsanspr\u00fcchen resultierenden Kapital\u00fcberlassungen der stillen Gesellschafter&#8211; tats\u00e4chlich f\u00fcr den Erwerb der dort bezeichneten Wirtschaftsg\u00fcter eingesetzt wurden. Zum einen k\u00f6nnten die Investitionen ebenso aus freien Finanzmitteln erbracht worden sein. Zum anderen wird zu ber\u00fccksichtigen sein, dass sich ausweislich der Anlage&nbsp;5 des Au\u00dfenpr\u00fcfungsberichts vom 13.07.2007 jedenfalls f\u00fcr die Streitjahre 2002 und 2003 Zinsen f\u00fcr Investitionskredite in H\u00f6he von 17.674&nbsp;\u20ac (2002) sowie 5.700&nbsp;\u20ac (2003) in Abzug gebracht wurden, die wom\u00f6glich in Zusammenhang mit dem Erwerb bestimmter Sachanlageg\u00fcter stehen.<\/li><li>Der Einwand der Kl\u00e4gerin, infolge der besonderen Betriebsstruktur ihres Unternehmens m\u00fcssten s\u00e4mtliche fremdfinanzierte Investitionen zwangsl\u00e4ufig als solche ins Anlageverm\u00f6gen anzusehen sein, d\u00fcrfte nicht verfangen. Insbesondere ist nicht ausgeschlossen, dass der vorliegend ma\u00dfgebliche Zinsaufwand ganz oder zumindest durch das Entnahmeverhalten der Kl\u00e4gerin veranlasst wurde. Wenn die Kl\u00e4gerin vorbringt, sie habe ihre Entnahmen durch &#8222;positive Bankguthaben&#8220; finanziert, verkennt sie, dass diese Guthaben zumindest auch durch die darlehensweise zur Verf\u00fcgung gestellten Gewinnanteils- und Verzinsungsanspr\u00fcche (&#8222;Darlehen II&#8220;) der stillen Gesellschafter gespeist worden sein d\u00fcrften.<\/li><li>d) Sollten die Feststellungen im zweiten Rechtsgang dazu f\u00fchren, dass weitergehend als bisher beg\u00fcnstigte Zinsen nach \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;4a Satz&nbsp;5 EStG zu ber\u00fccksichtigen w\u00e4ren, k\u00f6nnte das FG zudem erw\u00e4gen, ob kompensierend hierzu jeweils ein h\u00f6herer Schuldzinsenaufwand f\u00fcr Zwecke der H\u00f6chstbetragsberechnung gem\u00e4\u00df Satz&nbsp;4 der Vorschrift in Ansatz zu bringen w\u00e4re. Nicht als Schuldzinsen i.S. des Gesetzes erfasst wurden die zu Lasten des Gewinns der Kl\u00e4gerin gebuchten Gewinnanteile der stillen Gesellschafter von j\u00e4hrlich (&#8230;). Ob die Gewinnanteile eines typisch still beteiligten Gesellschafters \u00fcberhaupt in die Berechnung der nach \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;4a EStG nicht abziehbaren Schuldzinsen &#8211;\u00fcber den eindeutigen Gesetzeswortlaut hinaus&#8211; einzubeziehen sind, wurde durch die h\u00f6chstrichterliche Rechtsprechung allerdings noch nicht entschieden (bejahend allerdings FG K\u00f6ln, Urteil vom 21.08.2013&nbsp;&#8211; 14&nbsp;K&nbsp;3754\/11, EFG 2014, 173, rkr.).<\/li><li>2. Die \u00dcbertragung der Kostenentscheidung auf das FG beruht auf \u00a7&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Urteil vom 05. November 2019, X R 42-43\/18 Im Wesentlichen inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 05.11.2019 X R 40-41\/18 ECLI:DE:BFH:2019:U.051119.XR42.18.0 BFH X. 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