{"id":72800,"date":"2020-08-31T17:37:53","date_gmt":"2020-08-31T15:37:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=72800"},"modified":"2020-08-31T17:37:59","modified_gmt":"2020-08-31T15:37:59","slug":"%c2%a7-8b-abs-4-kstg-und-%c2%a7-9-nr-2a-gewstg-sind-verfassungsgemaess","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/%c2%a7-8b-abs-4-kstg-und-%c2%a7-9-nr-2a-gewstg-sind-verfassungsgemaess\/","title":{"rendered":"\u00a7 8b Abs. 4 KStG und \u00a7 9 Nr. 2a GewStG sind verfassungsgem\u00e4\u00df"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Urteil vom 18. Dezember 2019, I R 29\/17<\/h1>\n\n\n\n<p>ECLI:DE:BFH:2019:U.181219.IR29.17.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH I. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>GG Art 3 Abs 1 , KStG \u00a7 8b Abs 4 , GewStG \u00a7 9 Nr 2a , KStG VZ 2013 , GewStG VZ 2013 , EG Art 56 Abs 1 , AEUV Art 63 , EWGRL 435\/90 Art 3 Abs 1 Buchst a<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG Hamburg, 06. April 2017, Az: 1 K 87\/15<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>\u00a7 8b Abs. 4 KStG i.d.F. des Gesetzes zur Umsetzung des EuGH-Urteils vom 20.10.2011 in der Rechtssache C-284\/09 vom 21.03.2013 (BGBl I 2013, 561, BStBl I 2013, 344) sowie \u00a7 9 Nr. 2a GewStG i.d.F. des UntStRefG 2008 vom 14.08.2007 (BGBl I 2007, 1912, BStBl I 2007, 630) sind mit Art. 3 Abs. 1 GG vereinbar.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision der Kl\u00e4gerin gegen das Urteil des Finanzgerichts Hamburg vom 06.04.2017 &#8211; 1 K 87\/15 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat die Kl\u00e4gerin zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin) war seit 2006 an der &#8230; AG (AG) mit zun\u00e4chst &#8230; von &#8230; Aktien des Grundkapitals (9,6&nbsp;%) und seit einer Kapitalerh\u00f6hung gem\u00e4\u00df Beschluss vom 05.04.2013 mit &#8230; von &#8230;&nbsp;Aktien (8,4&nbsp;%) beteiligt. Am 02.10.2013 erzielte die Kl\u00e4gerin aus dieser Beteiligung Dividenden in H\u00f6he von &#8230;&nbsp;\u20ac.<\/li><li>Mit Bescheiden vom 30.03.2015 \u00fcber K\u00f6rperschaftssteuer f\u00fcr 2013 und \u00fcber den Gewerbesteuermessbetrag f\u00fcr 2013 (Streitjahr) setzte der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) die K\u00f6rperschaftsteuer und den Gewerbesteuermessbetrag erkl\u00e4rungsgem\u00e4\u00df auf der Grundlage eines zu versteuernden Einkommens bzw. eines Gewinns aus Gewerbebetrieb in H\u00f6he von &#8230;&nbsp;\u20ac unter voller Einbeziehung der Dividenden fest.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin erhob dagegen &#8211;mit fristgerechter Zustimmung des FA&#8211; Sprungklage, mit der sie geltend machte, die von ihr erzielten Dividendeneinnahmen seien gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;8b Abs.&nbsp;1, Abs.&nbsp;5 des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes in der im Streitjahr geltenden Fassung (KStG) zu 95&nbsp;% und damit in H\u00f6he von &#8230;&nbsp;\u20ac bei der Ermittlung des Einkommens f\u00fcr die Festsetzung der K\u00f6rperschaftsteuer wie f\u00fcr die Festsetzung des Gewerbesteuermessbetrags au\u00dfer Ansatz zu lassen. Die gegenteilige Ansicht des FA sei rechtswidrig, weil \u00a7&nbsp;8b Abs.&nbsp;4 KStG, \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;2a des Gewerbesteuergesetzes in der im Streitjahr geltenden Fassung (GewStG) gegen Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes (GG) verstie\u00dfen.<\/li><li>Das Finanzgericht (FG) Hamburg hat die Klage mit Gerichtsbescheid vom 06.04.2017&nbsp;&#8211; 1&nbsp;K&nbsp;87\/15 (Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2017, 1117) als unbegr\u00fcndet abgewiesen.<\/li><li>Dagegen richtet sich die Revision der Kl\u00e4gerin, welche diese weiterhin auf die Verletzung von Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 GG st\u00fctzt. Sie beantragt, unter Aufhebung des Gerichtsbescheids des FG Hamburg vom 06.04.2017&nbsp;&#8211; 1&nbsp;K&nbsp;87\/15 die Bescheide vom 30.03.2015 \u00fcber K\u00f6rperschaftsteuer f\u00fcr 2013 und \u00fcber den Gewerbesteuermessbetrag f\u00fcr 2013 dahingehend zu \u00e4ndern, dass der f\u00fcr die Besteuerung ma\u00dfgebliche Gesamtbetrag um &#8230;&nbsp;\u20ac niedriger angesetzt wird.<\/li><li>Das FA beantragt, die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision ist unbegr\u00fcndet und daher zur\u00fcckzuweisen (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG ist im Ergebnis zutreffend davon ausgegangen, dass weder \u00a7&nbsp;8b Abs.&nbsp;4 KStG noch \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;2a GewStG gegen Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 GG versto\u00dfen.<\/li><li>1. Die Kl\u00e4gerin hat ihre Steuererkl\u00e4rungen &#8211;trotz der von ihr vorgebrachten verfassungsrechtlichen Bedenken&#8211; in \u00dcbereinstimmung mit \u00a7\u00a7&nbsp;8b Abs.&nbsp;4 KStG und 9 Nr.&nbsp;2a GewStG eingereicht und das FA hat sie mit den angefochtenen Bescheiden vom 30.03.2015 entsprechend den einfachgesetzlichen Vorgaben veranlagt.<\/li><li>a) Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;8b Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;1 KStG i.d.F. des Gesetzes zur Umsetzung des EuGH-Urteils vom 20.10.2011 in der Rechtssache C-284\/09 vom 21.03.2013 (BGBl&nbsp;I 2013, 561, BStBl&nbsp;I 2013, 344) sind Bez\u00fcge i.S. des Abs.&nbsp;1 der Vorschrift abweichend von Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 bei der Ermittlung des Einkommens zu ber\u00fccksichtigen, wenn die Beteiligung zu Beginn des Kalenderjahres unmittelbar weniger als 10&nbsp;% des Grund- oder Stammkapitals betragen hat. Nach \u00a7&nbsp;34 Abs.&nbsp;7a Satz&nbsp;2 KStG in der vorgenannten Fassung ist \u00a7&nbsp;8b Abs.&nbsp;4 KStG erstmals f\u00fcr Bez\u00fcge i.S. des \u00a7&nbsp;8b Abs.&nbsp;1 KStG anzuwenden, die nach dem 28.02.2013 zuflie\u00dfen. Zwischen den Beteiligten besteht kein Streit, dass die der Kl\u00e4gerin seitens der AG am 02.10.2013 zugeflossenen Dividenden in H\u00f6he von &#8230;&nbsp;\u20ac, welche unzweifelhaft Bez\u00fcge i.S. des \u00a7&nbsp;8b Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 KStG darstellen, gem\u00e4\u00df Abs.&nbsp;4 der Vorschrift i.d.F. des vorgenannten Gesetzes bei der Ermittlung ihres Einkommens in voller H\u00f6he zu ber\u00fccksichtigen waren, da die Kl\u00e4gerin zu Beginn des Streitjahres zu weniger als 10&nbsp;% an der AG beteiligt war.<\/li><li>b) Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;7 GewStG ist der Gewerbeertrag der nach den Vorschriften des Einkommensteuergesetzes (EStG) oder des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes zu ermittelnde Gewinn aus dem Gewerbebetrieb, vermehrt und vermindert um die in den \u00a7\u00a7&nbsp;8 und 9 GewStG bezeichneten Betr\u00e4ge. Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;2a GewStG i.d.F. des Unternehmensteuerreformgesetzes 2008 (UntStRefG 2008) vom 14.08.2007 (BGBl&nbsp;I 2007, 1912, BStBl&nbsp;I 2007, 630) ist eine K\u00fcrzung um die Gewinne aus Anteilen an einer nicht steuerbefreiten inl\u00e4ndischen Kapitalgesellschaft vorzunehmen, wenn die Beteiligung zu Beginn des Erhebungszeitraums mindestens 15&nbsp;% des Grund- oder Stammkapitals betr\u00e4gt. Bei der vorliegenden Beteiligung der Kl\u00e4gerin an der AG in H\u00f6he von weniger als 10&nbsp;% ist mithin eine K\u00fcrzung ausgeschlossen. Der Senat sieht dazu von weiteren Ausf\u00fchrungen ab.<\/li><li>2. Das FG ist davon ausgegangen, dass \u00a7&nbsp;8b Abs.&nbsp;4 KStG nicht gegen Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 GG verst\u00f6\u00dft. Der Senat teilt diese Ansicht; er kann dabei offen lassen, ob sich \u00a7&nbsp;8b KStG als finanz- und wirtschaftspolitische Lenkungsnorm (in diese Richtung Beschluss des Bundesverfassungsgerichts &#8211;BVerfG&#8211; vom 12.10.2010&nbsp;&#8211; 1&nbsp;BvL&nbsp;12\/07, BVerfGE 127, 224, Rz&nbsp;61) oder aber als Fiskalzwecknorm darstellt, denn jedenfalls sind die an Letztere zu stellenden strengeren verfassungsrechtlichen Anforderungen erf\u00fcllt.<\/li><li>a) Nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung des BVerfG hat der Gesetzgeber im Bereich des Steuerrechts bei der Auswahl des Steuergegenstandes und bei der Bestimmung des Steuersatzes einen weitreichenden Entscheidungsspielraum (vgl. BVerfG-Beschl\u00fcsse vom 21.06.2006&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvL&nbsp;2\/99, BVerfGE 116, 164; vom 09.12.2008&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvL&nbsp;1\/07, BVerfGE 122, 210; vom 04.02.2009&nbsp;&#8211; 1&nbsp;BvL&nbsp;8\/05, BVerfGE 123, 1; in BVerfGE 127, 224). Die grunds\u00e4tzliche Freiheit des Gesetzgebers, diejenigen Sachverhalte zu bestimmen, an die das Gesetz dieselben Rechtsfolgen kn\u00fcpft und die es so als rechtlich gleich qualifiziert, wird vor allem durch zwei eng miteinander verbundene Leitlinien begrenzt: durch das Gebot der Ausrichtung der Steuerlast am Prinzip der finanziellen Leistungsf\u00e4higkeit und durch das Gebot der Folgerichtigkeit. Danach muss im Interesse verfassungsrechtlich gebotener steuerlicher Lastengleichheit darauf abgezielt werden, Steuerpflichtige bei gleicher Leistungsf\u00e4higkeit auch gleich hoch zu besteuern (BVerfG-Beschl\u00fcsse in BVerfGE 116, 164; in BVerfGE 122, 210). Die f\u00fcr die Lastengleichheit im Einkommensteuerrecht ma\u00dfgebliche finanzielle Leistungsf\u00e4higkeit bemisst der einfache Gesetzgeber nach dem objektiven und dem subjektiven Nettoprinzip (BVerfG-Beschluss in BVerfGE 122, 210). Die Grunds\u00e4tze der Besteuerung nach der Leistungsf\u00e4higkeit und damit das objektive Nettoprinzip gelten gleicherma\u00dfen im Bereich der K\u00f6rperschaftsteuer (BVerfG-Beschluss in BVerfGE 127, 224). Bei der Ausgestaltung des steuerrechtlichen Ausgangstatbestands muss die einmal getroffene Belastungsentscheidung folgerichtig im Sinne der Belastungsgleichheit umgesetzt werden. Ausnahmen von einer solchen folgerichtigen Umsetzung bed\u00fcrfen eines besonderen sachlichen Grundes (BVerfG-Beschl\u00fcsse in BVerfGE 116, 164; in BVerfGE 123, 1). Als besondere sachliche Gr\u00fcnde f\u00fcr Ausnahmen von einer folgerichtigen Umsetzung und Konkretisierung steuergesetzlicher Belastungsentscheidungen erkennt das BVerfG in st\u00e4ndiger Rechtsprechung neben au\u00dferfiskalischen F\u00f6rderungs- und Lenkungszwecken auch Typisierungs- und Vereinfachungserfordernisse an (vgl. BVerfG-Beschl\u00fcsse in BVerfGE 123, 1; in BVerfGE 122, 210). Au\u00dferdem steht dem Gesetzgeber die M\u00f6glichkeit offen, neue Regelungen im Rahmen eines Prinzipien- oder Systemwechsels einzuf\u00fchren (BVerfG-Beschluss in BVerfGE 122, 210). Der rein fiskalische Zweck staatlicher Einnahmenerh\u00f6hung ist zwar nicht als besonderer sachlicher Grund in diesem Sinne anzuerkennen (vgl. BVerfG-Beschl\u00fcsse in BVerfGE 116, 164; in BVerfGE 122, 210; vom 29.03.2017&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvL&nbsp;6\/11, BVerfGE 145, 106), allerdings ist ein qualifizierter Fiskalzweck, bei dem neben die Einnahmeerzielung etwa das Ziel der Verstetigung der Staatseinnahmen durch D\u00e4mpfung der Steuerauswirkungen konjunktureller Schwankungen tritt, als besonderer sachlicher Rechtfertigungsgrund anzuerkennen (vgl. Senatsbeschluss vom 14.10.2015&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;20\/15, BFHE 252, 44, BStBl&nbsp;II 2017, 1240, m.w.N.).<\/li><li>b) Nach der \u00dcberzeugung des erkennenden Senats gen\u00fcgt \u00a7&nbsp;8b Abs.&nbsp;4 KStG den vorgenannten Ma\u00dfst\u00e4ben.<\/li><li>aa) Der Gerichtshof der Europ\u00e4ischen Union (EuGH) hatte durch Urteil Kommission\/ Deutschland vom 20.10.2011&nbsp;&#8211; C-284\/09 (EU:C:2011:670, Slg.&nbsp;2011, I-9879) entschieden, dass die Bundesrepublik Deutschland (Deutschland) gegen ihre Verpflichtungen aus Art.&nbsp;56 Abs.&nbsp;1 des Vertrags zur Gr\u00fcndung der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft i.d.F. des Vertrags von Nizza zur \u00c4nderung des Vertrags \u00fcber die Europ\u00e4ische Union, der Vertr\u00e4ge zur Gr\u00fcndung der Europ\u00e4ischen Gemeinschaften sowie einiger damit zusammenh\u00e4ngender Rechtsakte &#8211;EG&#8211; (Amtsblatt der Europ\u00e4ischen Gemeinschaften &#8211;ABlEG&#8211; 2002, Nr.&nbsp;C 325, 1), jetzt Art.&nbsp;63 des Vertrags \u00fcber die Arbeitsweise der Europ\u00e4ischen Union i.d.F. des Vertrags von Lissabon zur \u00c4nderung des Vertrags \u00fcber die Europ\u00e4ische Union und des Vertrags zur Gr\u00fcndung der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft (Amtsblatt der Europ\u00e4ischen Union &#8211;ABlEU&#8211; 2008, Nr.&nbsp;C 115, 47) versto\u00dfen hat, indem sie f\u00fcr den Fall, dass die in Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a der Mutter-Tochter-Richtlinie (Richtlinie 90\/435\/EWG des Rates vom 23.07.1990 \u00fcber das gemeinsame Steuersystem der Mutter- und Tochtergesellschaften verschiedener Mitgliedstaaten, ABlEG 1990, Nr.&nbsp;L 225, 6, Nr.&nbsp;L 266, 20, 1997 Nr.&nbsp;L 16, 98, zuletzt ge\u00e4ndert durch die Richtlinie 2011\/96\/EU des Rates vom 30.11.2011, ABlEU 2011, Nr.&nbsp;L 345, 8) vorgesehene Mindestbeteiligung der Muttergesellschaft am Kapital der Tochtergesellschaft nicht erreicht ist, Dividenden, die an Gesellschaften mit Sitz in anderen Mitgliedstaaten ausgesch\u00fcttet werden, wirtschaftlich einer h\u00f6heren Besteuerung unterwarf als Dividenden, die an Gesellschaften mit Sitz in Deutschland ausgesch\u00fcttet wurden. Zugleich hatte der EuGH auf einen Versto\u00df gegen Art.&nbsp;40 des Abkommens \u00fcber den Europ\u00e4ischen Wirtschaftsraum (EWR-Abkommen vom 02.05.1992, ABlEG 1994, Nr.&nbsp;L 1, 3) erkannt, soweit Dividenden, die an Gesellschaften mit Sitz in Island oder in Norwegen ausgesch\u00fcttet werden, wirtschaftlich einer h\u00f6heren Besteuerung unterworfen werden als Dividenden, die an Gesellschaften mit Sitz in Deutschland ausgesch\u00fcttet werden.<\/li><li>bb) Der deutsche Gesetzgeber hat auf dieses Urteil wie folgt reagiert:<\/li><li>aaa) W\u00e4hrend der urspr\u00fcngliche Gesetzesentwurf der Bundesregierung (BTDrucks 17\/11314, S.&nbsp;3) lediglich eine \u00c4nderung des \u00a7&nbsp;32 KStG durch Anf\u00fcgung eines Abs.&nbsp;5 vorsah, wonach die vom angesprochenen EuGH-Urteil betroffenen gebietsfremden EU-\/EWR-K\u00f6rperschaften bei Vorliegen der \u00fcbrigen Voraussetzungen vollst\u00e4ndig von der Kapitalertragsteuer entlastet werden sollten, nahm der Bundesrat (BRDrucks 736\/1\/12, S.&nbsp;2) dazu in der Weise Stellung, dass die vom EuGH ger\u00fcgte Ungleichbehandlung zwar dadurch beseitigt werden k\u00f6nne, dass nunmehr auch Auslandsdividenden von der K\u00f6rperschaftsteuer freigestellt w\u00fcrden. EU-rechtlich zul\u00e4ssig sei aber ebenso die &#8211;vom Bundesrat bereits in seiner Stellungnahme zum Jahressteuergesetz 2013 &#8211;JStG 2013&#8211; (BRDrucks 302\/1\/12, S.&nbsp;76&nbsp;f.) angeregte&#8211; steueraufkommensschonende Aufhebung der Steuerbefreiung f\u00fcr Streubesitzdividenden (Beteiligungen von weniger als 10&nbsp;%), die von inl\u00e4ndischen K\u00f6rperschaften und ausl\u00e4ndischen K\u00f6rperschaften mit einer inl\u00e4ndischen Betriebsst\u00e4tte bezogen w\u00fcrden, sowie f\u00fcr entsprechende Ver\u00e4u\u00dferungsgewinne.<\/li><li>bbb) In seiner Stellungnahme zum JStG 2013 hat der Bundesrat hierzu erl\u00e4utert, dass angesichts der Notwendigkeit der Haushaltskonsolidierung f\u00fcr die \u00f6ffentlichen Haushalte nur die 2.&nbsp;Alternative sinnvoll sei. Dadurch entst\u00fcnden keine Nachteile f\u00fcr die Wettbewerbsf\u00e4higkeit gegen\u00fcber ausl\u00e4ndischen Investoren. Denn durch die Gew\u00e4hrung der Steuerfreiheit auch f\u00fcr ausl\u00e4ndische Gesellschaften w\u00fcrden nicht die Unternehmen bzw. die ausl\u00e4ndischen Investoren beg\u00fcnstigt, sondern in erster Linie die ausl\u00e4ndischen Fisci, die zuk\u00fcnftig die in Deutschland einbehaltene Kapitalertragsteuer nicht mehr als Quellensteuer anrechnen m\u00fcssten. Weiterhin hat der Bundesrat ausgef\u00fchrt, dass mit der Einf\u00fchrung einer Steuerpflicht f\u00fcr die Streubesitzdividenden und Ver\u00e4u\u00dferungsgewinne sich Deutschland im \u00dcbrigen den internationalen Gepflogenheiten ann\u00e4here. Nahezu alle Staaten in Europa gew\u00e4hrten die Steuerfreiheit f\u00fcr Dividenden und Ver\u00e4u\u00dferungsgewinne nur bei \u00dcberschreiten einer Mindestbeteiligungsquote. Viele Staaten w\u00fcrden zus\u00e4tzlich Mindesthaltefristen f\u00fcr die Beteiligungen kennen. Mit der beabsichtigten \u00c4nderung f\u00fchre Deutschland somit seine \u00fcberaus gro\u00dfz\u00fcgige Befreiungsregel auf das international \u00fcbliche Ma\u00df zur\u00fcck (BRDrucks 302\/1\/12, S.&nbsp;76&nbsp;f.).<\/li><li>ccc) Auch der Finanzausschuss empfahl dem Bundesrat die Anrufung des Vermittlungsausschusses und f\u00fchrte aus (BRDrucks 632\/1\/12, S.&nbsp;32&nbsp;f.), die beanstandeten Sachverhalte betr\u00e4fen Beteiligungen im Streubesitz ausl\u00e4ndischer K\u00f6rperschaften. Bei Schachteldividenden an EU-K\u00f6rperschaften werde bereits nach der Mutter-Tochter-Richtlinie in vollem Umfang vom Kapitalertragsteuerabzug Abstand genommen. Auch soweit ein Doppelbesteuerungsabkommen eine Quellensteuerfreistellung oder \u2013erm\u00e4\u00dfigung f\u00fcr Schachteldividenden vorsehe, werde die Kapitalertragsteuer auf Antrag (voll oder teilweise) durch das Bundeszentralamt f\u00fcr Steuern erstattet. Mit der Aufhebung der Steuerbefreiung nach \u00a7&nbsp;8b Abs.&nbsp;1 KStG f\u00fcr Streubesitzdividenden (Beteiligungen von weniger als 10&nbsp;%), die von inl\u00e4ndischen K\u00f6rperschaften und ausl\u00e4ndischen K\u00f6rperschaften mit einer inl\u00e4ndischen Betriebsst\u00e4tte bezogen w\u00fcrden, werde die Dividendenbesteuerung f\u00fcr inl\u00e4ndische und ausl\u00e4ndische Kapitalgesellschaften angeglichen. Die Besteuerung erfolge f\u00fcr inl\u00e4ndische Kapitalgesellschaften und f\u00fcr ausl\u00e4ndische Kapitalgesellschaften mit inl\u00e4ndischer Betriebsst\u00e4tte im Rahmen der Veranlagung und f\u00fcr ausl\u00e4ndische Kapitalgesellschaften ohne inl\u00e4ndische Betriebsst\u00e4tte durch den abgeltenden Steuerabzug. Die unterschiedliche Behandlung der Ertr\u00e4ge von Beteiligungen, an denen der Anteilseigner zu mindestens 10&nbsp;% und denen, an denen er zu weniger als 10&nbsp;% beteiligt sei, sei dadurch gerechtfertigt, dass bei einer Streubesitzbeteiligung die Beteiligung als Kapitalanlage angesehen werde und h\u00e4ufig auch keine dauerhafte Beteiligung an der Unternehmung angestrebt sei. Der Anteilseigner k\u00f6nne aufgrund der H\u00f6he seiner Beteiligung keinen unternehmerischen Einfluss auf die Entscheidungen bei der Kapitalgesellschaft aus\u00fcben. Bei einer Beteiligung von mindestens 10&nbsp;% k\u00f6nne hingegen regelm\u00e4\u00dfig ein betriebliches Engagement des Anteilseigners unterstellt werden.<\/li><li>ddd) Entsprechend den vorstehenden Erw\u00e4gungen zum JStG 2013 lehnte der Bundesrat den Gesetzesentwurf der Bundesregierung in BTDrucks 17\/11314, S.&nbsp;3 ab (BRDrucks 736\/12). Bei den Beratungen des Vermittlungsausschusses (BTDrucks 17\/12465) ist sodann eine &#8222;Kompromissl\u00f6sung\u201d (vgl. Herlinghaus, Finanz-Rundschau &#8211;FR&#8211; 2013, 529, 531; Linn, Internationales Steuerrecht 2013, 235, 236; Wiese\/Lay, GmbH-Rundschau &#8211;GmbHR&#8211; 2013, 404, 406) gefunden worden, nach der &#8211;so die jetzige Fassung des \u00a7&nbsp;8b Abs.&nbsp;4 KStG n.F.&#8211; Streubesitzdividenden aus der Steuerbefreiung des \u00a7&nbsp;8b Abs.&nbsp;1 KStG ausgenommen werden, w\u00e4hrend Ver\u00e4u\u00dferungsgewinne weiter steuerfrei bleiben. Die zun\u00e4chst im Rahmen der Protokollerkl\u00e4rung zum Vermittlungsverfahren (BTPlPr 17\/225, 28160C) erwogene Ausdehnung des \u00a7&nbsp;8b Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 KStG auf Ver\u00e4u\u00dferungsgewinne, die sp\u00e4ter dann in einen Entwurf des Bundesministeriums der Finanzen zu einem Investmentsteuerreformgesetz m\u00fcndete (dazu Ritzer\/Stangl, Deutsches Steuer-recht &#8211;DStR&#8211; 2015, 2203&nbsp;ff.), wurde nicht umgesetzt.<\/li><li>cc) \u00a7&nbsp;8b Abs.&nbsp;4 KStG durchbricht im Sinne einer nicht folgerichtigen Ausgestaltung die in \u00a7&nbsp;8b Abs.&nbsp;1 KStG zum Ausdruck kommende Grundentscheidung des Gesetzgebers, im System des Halb- bzw. Teileink\u00fcnfteverfahrens erwirtschaftete Gewinne nur einmal bei der erwirtschaftenden K\u00f6rperschaft mit K\u00f6rperschaftsteuer und erst bei der Aussch\u00fcttung an nat\u00fcrliche Personen als Anteilseigner mit Einkommensteuer zu besteuern und deswegen zur Vermeidung von Kumulations- oder Kaskadeneffekten in Beteiligungsketten Bez\u00fcge innerhalb gesellschaftlicher Beteiligungsstrukturen bei der Ermittlung des Einkommens au\u00dfer Ansatz zu lassen. Demgem\u00e4\u00df wird seit der Einf\u00fchrung des Halbeink\u00fcnfteverfahrens durch das Gesetz zur Senkung der Steuers\u00e4tze und zur Reform der Unternehmensbesteuerung (Steuersenkungsgesetz) vom 23.10.2000 (BGBl&nbsp;I 2000, 1433, BStBl&nbsp;I 2000, 1428) die Steuerbelastung der k\u00f6rperschaftlichen Gewinne durch die in \u00a7&nbsp;8b Abs.&nbsp;1 KStG gew\u00e4hrte Steuerfreistellung typisierend gemindert. Dadurch soll &#8211;dem Sinn und Zweck des Halbeink\u00fcnfteverfahrens entsprechend&#8211; sichergestellt werden, dass die K\u00f6rperschaftsteuerbelastung auf die Ebene der operativen K\u00f6rperschaften beschr\u00e4nkt wird und Aussch\u00fcttungen nur bei nicht korporierten Gesellschaften nach Ma\u00dfgabe der Milderungen in \u00a7&nbsp;3 Nr.&nbsp;40 EStG &#8211;und damit entsprechend einer am Leistungsf\u00e4higkeitsprinzip orientierten Gesamtbelastung&#8211; besteuert werden (vgl. Herlinghaus in R\u00f6dder\/Herlinghaus\/Neumann, KStG, \u00a7&nbsp;8b Rz&nbsp;4, m.w.N.). Die in \u00a7&nbsp;8b Abs.&nbsp;1 KStG verankerte Steuerfreistellung wird allerdings durch die Ausnahme des \u00a7&nbsp;8b Abs.&nbsp;4 KStG f\u00fcr sog. Streubesitzdividenden (Desens, DStR 2013, Beihefter zu Heft&nbsp;4, S.&nbsp;13; Wiese\/Lay, GmbHR 2013, 404; Grefe, Deutsche Steuer-Zeitung &#8211;DStZ&#8211; 2013, 573, 581; F\u00f6rster\/Lang, Steuerberater-Jahrbuch 2013\/2014, 103, 110; Kotten\/Heinemann, DStR 2015, 1889, 1892; Bl\u00fcmich\/Rengers, \u00a7&nbsp;8b KStG Rz&nbsp;116: &#8222;systemfremd&#8220;) eingeschr\u00e4nkt und damit das der Herstellung einer leistungsf\u00e4higkeitskonformen Gesamtbelastung dienende System der Steuerfreistellung von Dividenden durchbrochen (Ku\u00dfmaul\/Licht, Der Steuerberater &#8211;StB&#8211; 2016, 286, 287; Gosch, KStG, 3.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;8b Rz&nbsp;287b; Herlinghaus in R\u00f6dder\/Herlinghaus\/Neumann, a.a.O., \u00a7&nbsp;8b Rz&nbsp;5).<\/li><li>dd) Indessen ist diese Durchbrechung nach der \u00dcberzeugung des Senats verfassungsrechtlich gerechtfertigt (ebenso Pung in D\u00f6tsch\/Pung\/M\u00f6hlenbrock, Die K\u00f6rperschaftsteuer, \u00a7&nbsp;8b KStG Rz&nbsp;245; Neblung, EFG 2017, 1123; Melkonyan\/Kudert, Die Unternehmensbesteuerung &#8211;Ubg&#8211; 2015, 132, 135; a.A. Hey, K\u00f6lner Schrift zum Wirtschaftsrecht &#8211;KSzW&#8211; 2013, 353, 358; Anissimov\/St\u00f6ber, DStZ 2013, 379, 381&nbsp;f.; Watermeyer in Hermann\/Heuer\/Raupach, \u00a7&nbsp;8b KStG Rz&nbsp;7; Schnitger in Schnitger\/Fehrenbacher, KStG, 2.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;8b Rz&nbsp;528b; offen gelassen bei Herlinghaus, FR 2013, 529, 533; Ku\u00dfmaul\/Licht, StB 2016, 286, 288; Weiss, Ubg 2017, 671, 677).<\/li><li>aaa) Der Gesetzgeber hat durch die Einf\u00fchrung des \u00a7&nbsp;8b Abs.&nbsp;4 KStG erkennbar keinen Prinzipien- bzw. Systemwechsel vorgenommen, der als solcher eine Ausnahme vom Folgerichtigkeitsgebot rechtfertigen w\u00fcrde. Zwar kann ein solcher Prinzipien- und Systemwechsel auch schrittweise implementiert werden, wenn sich dies an einem umzusetzenden Grundkonzept orientiert (vgl. BVerfG-Beschluss in BVerfGE 122, 210). Eine derartige Absicht hat der Gesetzgeber aber nicht zum Ausdruck gebracht (Hey, KSzW 2013, 353, 357; Ku\u00dfmaul\/Licht, StB 2016, 286, 288; Karrenbrock\/Engelhardt, Neue Wirtschaftsbriefe 2017, 3327). Die Ank\u00fcndigung des Gesetzgebers, im Rahmen der anstehenden Investmentsteuerreform die Ausweitung der Steuerpflicht auf Ver\u00e4u\u00dferungsgewinne aus Streubesitz nochmals &#8222;ergebnisoffen aufgreifen\u201d zu wollen (BTPlPr 17\/225, 28160C), l\u00e4sst schon ihrer Formulierung nach nicht auf das Vorhandensein eines planvollen Grundkonzepts schlie\u00dfen, zumal die Ank\u00fcndigung sp\u00e4ter nicht weiterverfolgt wurde (Hey, KSzW 2013, 353, 357&nbsp;f.; Ku\u00dfmaul\/Licht, StB 2016, 286, 288).<\/li><li>bbb) Auch die Erw\u00e4gung des Gesetzgebers, die Belastungsentscheidung sei zur Haushaltskonsolidierung erforderlich, f\u00fchrt nach der Rechtsprechung des BVerfG f\u00fcr sich genommen nicht zur verfassungsrechtlichen Zul\u00e4ssigkeit des \u00a7&nbsp;8b Abs.&nbsp;4 KStG (vgl. Herlinghaus, FR 2013, 529, 533; Hey, KSzW 2013, 353, 357; Ku\u00dfmaul\/Licht, StB 2016, 286, 288).<\/li><li>ccc) Indessen ist die Herstellung einer europarechtskonformen Rechtslage zur Abgrenzung der Besteuerungshoheiten der betroffenen Fisci als hinreichender Rechtfertigungsgrund im Sinne eines qualifizierten Fiskalzwecks anzusehen, auch wenn im Gesetzgebungsverfahren die Frage der Haushaltskonsolidierung im Vordergrund gestanden haben mag (vgl. auch Gosch in R\u00f6dder\/Sch\u00f6nfeld, Aktuelle Steuerpolitik und Gesetzgebung 2012, S.&nbsp;40). Der Gesetzgeber hat sich insoweit auf die Stellungnahme des Bundesrates zum JStG 2013 gest\u00fctzt, die Steuerbefreiung f\u00fcr Streubesitzdividenden auf das EU-rechtliche Minimum zu begrenzen. Eine vollst\u00e4ndige Steuerfreistellung auch f\u00fcr Gesellschaften mit Sitz in anderen EU-\/EWR-Staaten w\u00e4re \u00fcber die Vorgaben der Mutter-Tochter-Richtlinie hinausgegangen. Die Mutter-Tochter-Richtlinie verlangt lediglich bei einer Mindestbeteiligung von 10&nbsp;% eine Befreiung vom Steuerabzug an der Quelle f\u00fcr von einer Tochtergesellschaft an ihre Muttergesellschaft ausgesch\u00fcttete Gewinne, auch wenn damit lediglich Mindestanforderungen formuliert sind, die die M\u00f6glichkeit offen lassen, auch bei einer niedrigeren Beteiligungsquote vom Steuerabzug an der Quelle abzusehen (vgl. Frotscher in Frotscher\/Dr\u00fcen, KStG\/GewStG\/UmwStG, \u00a7&nbsp;8b KStG Rz&nbsp;465). Das FG hat insoweit zutreffend darauf abgestellt, dass eine innerstaatliche Regelung mit einer vollst\u00e4ndigen Befreiung vom Steuerabzug unabh\u00e4ngig von der Beteiligungsquote bei ausl\u00e4ndischen Beteiligten h\u00e4ufig nicht deren Steuerlast mindern, sondern lediglich dem Ans\u00e4ssigkeitsstaat dieser Beteiligten die Anrechnung der in Deutschland einbehaltenen Kapitalertragsteuer auf die dortige Steuer ersparen und damit auch die M\u00f6glichkeit eines Quellensteuerabzugs entsprechend Art.&nbsp;10 Abs.&nbsp;2 des Musterabkommens der Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD-Musterabkommen &#8211;OECD-MustAbk&#8211;) und entsprechender Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) obsolet machen w\u00fcrde. Der Gesetzgeber h\u00e4tte zwar mit einer vollst\u00e4ndigen Steuerfreistellung auch f\u00fcr Anteilseignerk\u00f6rperschaften mit Sitz in anderen EU-\/EWR-Staaten die zuvor in \u00a7&nbsp;8b Abs.&nbsp;1, Abs.&nbsp;2 KStG zum Ausdruck gekommene Grundentscheidung weiterf\u00fchren und damit den Anforderungen des EuGH entsprechen k\u00f6nnen. Dies w\u00fcrde jedoch der Abgrenzung der Besteuerungsrechte sowohl nach Ma\u00dfgabe der Mutter-Tochter-Richtlinie als auch der Art.&nbsp;10 Abs.&nbsp;2 OECD-MustAbk entsprechenden Regelungen in den jeweils einschl\u00e4gigen DBA widerstreiten. Aus Sicht des Senats steht es dem Gesetzgeber in einer solchen Situation frei, den beschriebenen Zielkonflikt unter Einbeziehung von Streubesitzdividenden in die Steuerpflicht aufzul\u00f6sen.<\/li><li>ddd) Dem kann nicht entgegengehalten werden, dass eine systemkongruente L\u00f6sung auch die Einbeziehung von Ver\u00e4u\u00dferungsgewinnen aus Streubesitzbeteiligungen in die Steuerpflicht erfordert h\u00e4tte. Dass der Gesetzgeber darauf verzichtet hat, auch Ver\u00e4u\u00dferungsgewinne i.S. von \u00a7&nbsp;8b Abs.&nbsp;2 KStG einem vergleichbaren &#8222;Streubesitzvorbehalt&#8220; zu unterwerfen, mag als inkonsequent angesehen werden, doch muss es auch insoweit gen\u00fcgen, wenn der Gesetzgeber nur nach Ma\u00dfgabe der unionsrechtlichen Anforderungen in das Regelungsgef\u00fcge des \u00a7&nbsp;8b KStG eingreift (Gosch, a.a.O., \u00a7&nbsp;8b Rz&nbsp;287b).<\/li><li>3. Die vorstehenden Erw\u00e4gungen gelten entsprechend f\u00fcr \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;2a GewStG, der ebenfalls mit den Vorgaben der Verfassung vereinbar ist.<\/li><li>a) Der Senat hat bereits durch Beschluss vom 30.05.2014&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;12\/13 (BFH\/NV 2014, 1402) dahin erkannt, dass die durch das UntStRefG 2008 von zuvor 10&nbsp;% auf 15&nbsp;% angehobene Mindestbeteiligungsquote mit den Vorgaben des Verfassungsrechts vereinbar ist. Zwar haben offenbar auch dieser Gesetzes\u00e4nderung vor allem fiskalische und haushalterische Erw\u00e4gungen zugrunde gelegen (BTDrucks 16\/5491, S.&nbsp;23&nbsp;f.), gleichwohl vermag der Senat nicht zu erkennen, dass derartige Erw\u00e4gungen den Gesetzgeber daran hindern k\u00f6nnten, wie geschehen zu verfahren.<\/li><li>b) Dem steht &#8211;wie der Senat in seinem Beschluss in BFH\/NV 2014, 1402 durch Verweis auf das Urteil des Schleswig-Holsteinischen FG vom 31.01.2013&nbsp;&#8211; 1&nbsp;K&nbsp;82\/11 (EFG 2013, 538) klargestellt hat&#8211; der Sinn und Zweck des \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;2a GewStG nicht entgegen. Zwar besteht dieser grunds\u00e4tzlich darin, eine doppelte Besteuerung ausgesch\u00fctteter Gewinne mit Gewerbesteuer sowohl beim Anteilseigner als auch bei der Kapitalgesellschaft zu verhindern, er besteht hingegen nicht darin, die einmalige Erhebung von Gewerbesteuer auf Beteiligungseink\u00fcnfte zu vermeiden (Senatsbeschluss vom 24.01.2012&nbsp;&#8211; I&nbsp;B&nbsp;34\/11, BFH\/NV 2012, 1175). Zwar h\u00e4tte es bei letzterer Zielsetzung m\u00f6glicherweise nahe gelegen, die K\u00fcrzung um Gewinne aus Anteilen an Kapitalgesellschaften ohne R\u00fccksicht auf die H\u00f6he der Beteiligung zuzulassen (so etwa Roser in Lenski\/Steinberg, Gewerbesteuergesetz, \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;2a Rz&nbsp;11). Der Gesetzgeber hat sich aber anders entschieden und sich insoweit im Rahmen des weiten Gestaltungsspielraums bewegt, der ihm bei der Normierung eines Steuerbeg\u00fcnstigungstatbestandes, wie ihn das Schachtelprivileg darstellt, zusteht. Die Bedenken gegen die Konsequenz und Folgerichtigkeit erreichen jedenfalls nicht die H\u00f6he der verfassungsrechtlichen Unzul\u00e4ssigkeit (ebenso Bl\u00fcmich\/Gosch, \u00a7&nbsp;9 GewStG Rz&nbsp;168; Roser in Lenski\/Steinberg, a.a.O., \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;2a Rz&nbsp;13a; G\u00fcroff in Glanegger\/G\u00fcroff, GewStG, 9.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;2a Rz&nbsp;4; kritisch Bergmann in Wendt\/Suchanek\/M\u00f6llmann\/Heinemann, GewStG, \u00a7&nbsp;9 Nr.&nbsp;2a Rz&nbsp;12&nbsp;f.).<\/li><li>4. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Urteil vom 18. Dezember 2019, I R 29\/17 ECLI:DE:BFH:2019:U.181219.IR29.17.0 BFH I. 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