{"id":73061,"date":"2020-09-14T17:47:44","date_gmt":"2020-09-14T15:47:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=73061"},"modified":"2020-09-14T17:47:49","modified_gmt":"2020-09-14T15:47:49","slug":"prozesszinsen-und-erstattungsanspruch-auf-grund-einer-gerichtlichen-entscheidung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/prozesszinsen-und-erstattungsanspruch-auf-grund-einer-gerichtlichen-entscheidung\/","title":{"rendered":"Prozesszinsen und Erstattungsanspruch &#8222;auf Grund&#8220; einer gerichtlichen Entscheidung"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Urteil vom 29. April 2020, XI R 14\/18<\/h1>\n\n\n\n<p>ECLI:DE:BFH:2020:U.290420.XIR14.18.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH XI. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>AO \u00a7 236 Abs 1 S 1 , EStG \u00a7 43 Abs 1 , EStG \u00a7 44 Abs 1 , EStG \u00a7 44 Abs 5<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG K\u00f6ln, 22. November 2017, Az: 9 K 2661\/15<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Nach \u00a7 236 Abs. 1 Satz 1 AO sind Erstattungs- und Verg\u00fctungsanspr\u00fcche zu verzinsen, wenn durch eine rechtskr\u00e4ftige gerichtliche Entscheidung oder auf Grund einer solchen Entscheidung eine festgesetzte Steuer herabgesetzt oder eine Steuerverg\u00fctung gew\u00e4hrt wird. Auch wenn auf dieser Grundlage Steuererstattungsanspr\u00fcche dann nicht verzinst werden, wenn um sie selbst in der Hauptsache gestritten wird, kann f\u00fcr das Tatbestandsmerkmal &#8222;auf Grund&#8220; einer gerichtlichen Entscheidung ein mittelbarer Zusammenhang mit einer Steuerherabsetzung jedenfalls dann ausreichend sein, wenn das klageweise verfolgte Ziel des Kl\u00e4gers (Rechtsposition als Gl\u00e4ubiger eines Erstattungsanspruchs) nur durch die Anfechtung eines Abrechnungsbescheids erreicht werden konnte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Urteil des FG K\u00f6ln vom 22.11.2017 &#8211; 9 K 2661\/15, der Ablehnungsbescheid vom 10.08.2015 und die Einspruchsentscheidung vom 02.09.2015 werden aufgehoben und der Beklagte wird verpflichtet, den Erstattungsbetrag von &#8230; \u20ac f\u00fcr den Zeitraum vom 03.08.2008 bis zum 08.06.2015 zu verzinsen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Beklagte tr\u00e4gt die Kosten des gesamten Verfahrens.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beteiligten streiten \u00fcber die Festsetzung von Prozesszinsen gem\u00e4\u00df \u00a7 236 der Abgabenordnung (AO).<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin) ist eine in Gro\u00dfbritannien ans\u00e4ssige Kapitalgesellschaft in der Rechtsform einer Private Limited Company. Sie war in der Vergangenheit alleinige Gesellschafterin der &#8211;zwischenzeitlich vom Amtsgericht X (Az.&nbsp;&#8230;) durch Ablehnung des Insolvenzverfahrens mangels Masse aufgel\u00f6sten&#8211; &#8230; GmbH (B&nbsp;GmbH).<\/li><li>Am 27.12.1999 beantragte die Kl\u00e4gerin beim damaligen Bundesamt f\u00fcr Finanzen (BfF) eine Freistellungsbescheinigung nach \u00a7&nbsp;50d Abs.&nbsp;3 des Einkommensteuergesetzes (EStG) a.F. f\u00fcr ihr von der B&nbsp;GmbH zuflie\u00dfende Kapitalertr\u00e4ge, was das BfF ablehnte. W\u00e4hrend des hiergegen gerichteten Einspruchsverfahrens sch\u00fcttete die B&nbsp;GmbH eine Brutto-Dividende in H\u00f6he von &#8230;&nbsp;DM an die Kl\u00e4gerin aus, ohne Kapitalertragsteuer einzubehalten und abzuf\u00fchren, woraufhin der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) mit Bescheid vom 12.03.2001 Kapitalertragsteuer in H\u00f6he von &#8230;&nbsp;DM und Solidarit\u00e4tszuschlag in H\u00f6he von &#8230;&nbsp;DM gegen\u00fcber der B&nbsp;GmbH als &#8222;Schuldner\/auszahlende Stelle&#8220; unter dem Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung festsetzte. In der Folgezeit zahlten die Kl\u00e4gerin (&#8230;&nbsp;DM) und die B&nbsp;GmbH (&#8230;&nbsp;DM) die nachgeforderten Betr\u00e4ge.<\/li><li>Nachdem das BfF den Einspruch der Kl\u00e4gerin gegen die Ablehnung der Erteilung einer Freistellungsbescheinigung zur\u00fcckgewiesen hatte, verpflichtete das Finanzgericht (FG) K\u00f6ln das BfF mit Urteil vom 16.03.2006&nbsp;&#8211; 2&nbsp;K&nbsp;2916\/02 (Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2006, 980) zur Erteilung der Freistellungsbescheinigung. Das (nunmehr zust\u00e4ndige) Bundeszentralamt f\u00fcr Steuern erteilte daraufhin am 20.09.2006 eine Freistellungsbescheinigung f\u00fcr Kapitalertr\u00e4ge, die der Kl\u00e4gerin im Zeitraum vom 01.12.1999 bis zum 30.11.2002 von der B&nbsp;GmbH zugeflossen waren.<\/li><li>Im Hinblick auf diese Freistellungsbescheinigung forderte die Kl\u00e4gerin das FA auf, die gezahlte Kapitalertragsteuer nebst Solidarit\u00e4tszuschlag an sie zu erstatten. Das FA hob daraufhin den Nachforderungsbescheid vom 12.03.2001 gegen\u00fcber der B&nbsp;GmbH am 14.02.2007 auf, verweigerte aber die Erstattung der gezahlten Betr\u00e4ge an die Kl\u00e4gerin. Vielmehr erkl\u00e4rte es mit weiterem Bescheid vom 14.02.2007 gegen\u00fcber der B&nbsp;GmbH die Aufrechnung eines seiner Meinung nach aus der Aufhebung des Bescheids vom 12.03.2001 resultierenden Erstattungsguthabens der B&nbsp;GmbH in H\u00f6he von &#8230;&nbsp;\u20ac mit diversen Steuerschulden der B&nbsp;GmbH in gleicher H\u00f6he. Hierzu erlie\u00df das FA am 04.06.2007 einen Abrechnungsbescheid gegen\u00fcber der B GmbH und am 18.03.2008 gegen\u00fcber der Kl\u00e4gerin. In diesen Bescheiden f\u00fchrte das FA aus, Berechtigte des aus der Aufhebung des Nachforderungsbescheids vom 12.03.2001 resultierenden Erstattungsanspruchs sei die B&nbsp;GmbH, nicht die Kl\u00e4gerin; dieser Erstattungsanspruch sei durch Aufrechnung mit Steuerschulden der B GmbH erloschen.<\/li><li>Die nach erfolglosem Einspruch (Einspruchsentscheidung vom 27.06.2008) am 03.08.2008 erhobene Klage der Kl\u00e4gerin gegen den Abrechnungsbescheid vom 18.03.2008 hatte Erfolg (Urteil des FG K\u00f6ln vom 28.11.2012&nbsp;&#8211; 7&nbsp;K&nbsp;2640\/08, EFG 2013, 705). Die vom FA hiergegen eingelegte Revision wies der Bundesfinanzhof (BFH) mit Urteil vom 29.01.2015&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;11\/13 (BFH\/NV 2015, 950) als unbegr\u00fcndet zur\u00fcck. Erstattungsberechtigt sei die Kl\u00e4gerin.<\/li><li>Anschlie\u00dfend beantragte die Kl\u00e4gerin am 08.05.2015 die Auszahlung der anstehenden Betr\u00e4ge auf das Konto ihres Prozessbevollm\u00e4chtigten. Mit Abrechnungsbescheid vom 28.05.2015 \u00e4nderte das FA daraufhin den Abrechnungsbescheid vom 18.03.2008 dahingehend, dass der Erstattungsanspruch aus der Aufhebung des Bescheids \u00fcber Kapitalertragsteuer und Solidarit\u00e4tszuschlag zur Kapitalertragsteuer vom 13.02.2007 der Kl\u00e4gerin zustehe. Der Betrag von &#8230;&nbsp;\u20ac sei an die Kl\u00e4gerin zu erstatten. Am 08.06.2015 verf\u00fcgte das FA die beantragte Erstattung.<\/li><li>Mit Schriftsatz vom 31.05.2015 bat der Prozessbevollm\u00e4chtigte &#8222;noch um Festsetzung der angefallenen Zinsen&#8220;. Das FA lehnte die Festsetzung von Prozesszinsen (\u00a7&nbsp;236 AO) ab. Den Einspruch der Kl\u00e4gerin wies das FA mit Einspruchsentscheidung vom 02.09.2015 zur\u00fcck. Hiergegen erhob die Kl\u00e4gerin am 04.10.2015 Klage, mit der sie ihr Begehren auf Festsetzung von Prozesszinsen auf den Erstattungsbetrag von &#8230;&nbsp;\u20ac f\u00fcr das finanzgerichtliche Verfahren vor dem FG K\u00f6ln (Az. 7&nbsp;K&nbsp;2640\/08) und das Revisionsverfahren vor dem BFH (Az. I&nbsp;R&nbsp;11\/13) weiterverfolgte. Mit Urteil vom 22.11.2017&nbsp;&#8211; 9&nbsp;K&nbsp;2661\/15 (EFG 2018, 429) wies das FG K\u00f6ln diese Klage ab.<\/li><li>Mit der Revision macht die Kl\u00e4gerin geltend, dass durch den Bescheid des FA vom 18.03.2008, in dem der Anspruch der Kl\u00e4gerin auf Erstattung der Kapitalertragsteuerbetr\u00e4ge abgelehnt worden sei, das Steuerschuldverh\u00e4ltnis zwischen den Beteiligten des vorliegenden Verfahrens erstmalig betroffen gewesen sei. Somit sei kein Unterschied zu den F\u00e4llen, in denen ein Steuerpflichtiger im Klagewege gegen seinen Einkommensteuerbescheid vorgehe, zu erkennen.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin beantragt, das Urteil des FG K\u00f6ln vom 22.11.2017&nbsp;&#8211; 9&nbsp;K&nbsp;2661\/15 aufzuheben und den Erstattungsbetrag von &#8230;&nbsp;\u20ac f\u00fcr den Zeitraum vom 03.08.2008 bis zum 08.06.2015 zu verzinsen.<\/li><li>Das FA beantragt, die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision ist begr\u00fcndet. Sie f\u00fchrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Entscheidung in der Sache selbst (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat zu Unrecht dahin erkannt, dass eine Verzinsung des Erstattungsbetrages nicht in Betracht kommt. Die Kl\u00e4gerin hat einen Anspruch auf Verzinsung des vom FA erstatteten Betrages nach \u00a7&nbsp;236 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO.<\/li><li>1. Wird durch eine rechtskr\u00e4ftige gerichtliche Entscheidung oder auf Grund einer solchen Entscheidung eine festgesetzte Steuer herabgesetzt oder eine Steuerverg\u00fctung gew\u00e4hrt, so ist der zu erstattende oder zu verg\u00fctende Betrag nach \u00a7&nbsp;236 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO vom Tag der Rechtsh\u00e4ngigkeit bis zum Tag der Auszahlung zu verzinsen.<\/li><li>a) &#8222;Durch&#8220; eine rechtskr\u00e4ftige gerichtliche Entscheidung (\u00a7&nbsp;236 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Variante&nbsp;1 AO) wird die Steuer herabgesetzt, wenn das Gericht sie unmittelbar selbst nach \u00a7&nbsp;100 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 i.V.m. Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 FGO niedriger festsetzt (BFH-Urteil vom 29.08.2012&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;49\/11, BFHE 238, 499, BStBl II 2013, 104, Rz&nbsp;13; Heuermann in H\u00fcbschmann\/ Hepp\/Spitaler &#8211;HHSp&#8211;, \u00a7&nbsp;236 AO Rz&nbsp;20).<\/li><li>Daran fehlt es im Streitfall. Weder wurde mit der gerichtlichen Entscheidung des FG K\u00f6ln vom 28.11.2012&nbsp;&#8211; 7&nbsp;K&nbsp;2640\/08 (EFG 2013, 705) noch mit dem Urteil des FG K\u00f6ln vom 16.03.2006&nbsp;&#8211; 2&nbsp;K&nbsp;2916\/02 (EFG 2006, 980) bzw. vom 22.11.2017&nbsp;&#8211; 9&nbsp;K&nbsp;2661\/15 (EFG 2018, 429) \u00fcber eine Herabsetzung der Steuer entschieden. In der erstgenannten Entscheidung des FG war Gegenstand des Klageverfahrens ein Abrechnungsbescheid, der im Erhebungsverfahren, und damit au\u00dferhalb des Festsetzungsverfahrens ergeht. Der Erstattungsanspruch beruht also nicht darauf, dass eine festgesetzte Steuer herabgesetzt worden ist (vgl. BFH-Urteile vom 12.05.1987&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;203\/83, BFHE 150, 298, BStBl II 1987, 702; vom 05.04.1990&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;2\/89, BFHE 160, 400, BStBl II 1990, 719; BFH-Beschl\u00fcsse vom 20.01.1999&nbsp;&#8211; IV&nbsp;B&nbsp;40\/98, BFH\/NV 1999, 1055; vom 01.04.2008&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;178\/06, Zeitschrift f\u00fcr Steuern und Recht 2008, R698; Loose in Tipke\/Kruse, Abgabenordnung, Finanzgerichtsordnung, \u00a7&nbsp;236 AO Rz&nbsp;6, m.w.N.). Die zweitgenannte Entscheidung des FG hatte die Erteilung der Freistellungsbescheinigung und die drittgenannte Entscheidung hatte die hier streitigen Prozesszinsen zum Gegenstand. Auch durch diese gerichtlichen Verfahren wurden keine Steuern herabgesetzt.<\/li><li>b) Im Streitfall sind allerdings die tatbestandlichen Anforderungen der zweiten Variante des \u00a7&nbsp;236 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO erf\u00fcllt.<\/li><li>aa) Hiernach reicht es aus, wenn die festgesetzte Steuer &#8222;auf Grund&#8220; einer gerichtlichen Entscheidung herabgesetzt wird. Diese Voraussetzung wird insbesondere dann als erf\u00fcllt angesehen, wenn das Gericht den Verwaltungsakt nach \u00a7&nbsp;100 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 FGO zwar nicht selbst \u00e4ndert, allerdings die Finanzbeh\u00f6rde die Steuer nach Aufhebung des angefochtenen Bescheids durch das Gericht gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;100 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 und Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 FGO weisungsgem\u00e4\u00df festsetzt (vgl. BFH-Urteile in BFHE 238, 499, BStBl II 2013, 104, Rz&nbsp;14; vom 16.12.1987&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;350\/83, BFHE 152, 401, BStBl II 1988, 600; Heuermann in HHSp, \u00a7&nbsp;236 AO Rz&nbsp;21; Loose in Tipke\/Kruse, a.a.O., \u00a7&nbsp;236 AO Rz&nbsp;12). In der Rechtsprechung wird aber auch die Ansicht vertreten, dass die Steuerherabsetzung nicht zwingend durch \u00c4nderung des angefochtenen Bescheids selbst geschehen m\u00fcsse, auch wenn dies dem Regelfall entspreche. Eine formal-rechtliche Verkn\u00fcpfung zwischen der Steuerfestsetzung und dem Herabsetzen sei nach dem Regelungstext des \u00a7&nbsp;236 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO nicht zwangsl\u00e4ufig (vgl. BFH-Urteile in BFHE 152, 401, BStBl II 1988, 600, 601; vom 05.04.2006&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;80\/04, BFH\/NV 2006, 1435; BFH-Beschluss vom 27.04.2005&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;80\/04, BFH\/NV 2005, 1481).<\/li><li>bb) Der Streitfall ist durch die besondere Konstellation gepr\u00e4gt, dass sich das von der Kl\u00e4gerin mit ihrer Anfechtungsklage gegen den Abrechnungsbescheid verfolgte Ziel &#8211;die Steuererstattung anstelle der B&nbsp;GmbH zu erhalten&#8211; &#8222;auf Grund&#8220; einer Entscheidung des FG K\u00f6ln vom 28.11.2012 und des BFH vom 29.01.2015 erreicht wurde.<\/li><li>Insoweit hatte die erfolgreiche Anfechtungsklage gegen den Abrechnungsbescheid vom 18.03.2008 eine Wirkung wie eine Anfechtungsklage gegen einen Nachforderungsbescheid \u00fcber die Kapitalertragsteuer gegen die Kl\u00e4gerin. Als Gl\u00e4ubigerin der Kapitalertr\u00e4ge ist sie Schuldnerin der Kapitalertragsteuer (\u00a7&nbsp;43 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 i.V.m. \u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG) und die B&nbsp;GmbH Entrichtungsverpflichtete (\u00a7&nbsp;43 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 i.V.m. \u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 EStG). In dieser Funktion der Verfahrensbeteiligten konnte das FA neben einem Haftungsbescheid gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 EStG oder Nachforderungsbescheid gem\u00e4\u00df \u00a7 167 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO gegen die B&nbsp;GmbH (vgl. hierzu z.B. BFH-Urteile vom 19.12.2012&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;81\/11, BFH\/NV 2013, 698, Rz&nbsp;18&nbsp;ff.; vom 21.09.2017&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;59\/14, BFHE 259, 411, BStBl II 2018, 163, Rz&nbsp;36) auch einen Kapitalertragsteuer-Nachforderungsbescheid &#8211;als Teil des Steuerabzugsverfahrens&#8211; gegen die Kl\u00e4gerin als Schuldnerin der Kapitalertragsteuer gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 EStG i.V.m. \u00a7&nbsp;155 AO erlassen (vgl. BFH-Beschluss vom 07.01.2004&nbsp;&#8211; I&nbsp;B&nbsp;197\/03, BFH\/NV 2004, 635, unter II.1.b; Bl\u00fcmich\/Lindberg, \u00a7&nbsp;44 EStG Rz&nbsp;30; Knaupp in Kirchhof, EStG, 19.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;44 Rz&nbsp;9; Anem\u00fcller in Kanzler\/Kraft\/B\u00e4uml\/Marx\/Hechtner, EStG, 5.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;44 Rz&nbsp;81&nbsp;f.). W\u00e4re gegen die Kl\u00e4gerin ein solcher Nachforderungsbescheid wegen der Kapitalertragsteuer erlassen worden und h\u00e4tte sie diesen Bescheid gerichtlich angefochten, w\u00e4ren auf Grund der gerichtlichen Entscheidung die Nachforderung wegen der vorliegenden Freistellungsbescheinigung aufgehoben und die Zinsen nach \u00a7&nbsp;236 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO festgesetzt worden. Nichts anderes kann jedoch dann gelten, wenn &#8211;wie hier&#8211; gegen die B&nbsp;GmbH als Entrichtungsverpflichtete statt gegen die Kl\u00e4gerin der Nachforderungsbescheid erlassen wurde und nach Aufhebung des Nachforderungsbescheids ein fehlerhafter Abrechnungsbescheid gegen die B&nbsp;GmbH erlassen wurde. Diese besondere verfahrensrechtliche Situation rechtfertigt es, die Erstattung als eine Herabsetzung der Steuer &#8222;auf Grund&#8220; einer gerichtlichen Entscheidung anzusehen; sie ist nicht mit der Situation vergleichbar, in der der Steuerpflichtige von vornherein und ausschlie\u00dflich Klage gegen einen Verwaltungsakt im steuerlichen Erhebungsverfahren erhebt.<\/li><li>Eine davon abweichende, an einem eng verstandenen Wortlaut haftende Regelungsauslegung w\u00fcrde demgegen\u00fcber zu sinnwidrigen und wirtschaftlich ungerechtfertigten Ergebnissen f\u00fchren und dem Zweck des \u00a7&nbsp;236 AO, dem Gl\u00e4ubiger eines Erstattungsanspruchs f\u00fcr die Vorenthaltung des Kapitals und der damit verbundenen Nutzungsm\u00f6glichkeiten ab Rechtsh\u00e4ngigkeit eine Entsch\u00e4digung zu gew\u00e4hren (vgl. BFH-Urteile vom 16.11.2000&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;31\/00, BFHE 196, 1, BStBl II 2002, 119, unter II.1.; vom 15.10.2003&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;48\/01, BFHE 204, 1, BStBl II 2004, 169, unter II.1., m.w.N.; vom 25.01.2007&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;85\/06, BFHE 216, 405, BStBl II 2007, 598, unter II.1.; in BFHE 238, 499, BStBl II 2013, 104, Rz&nbsp;10), widersprechen.<\/li><li>2. Da die Vorinstanz eine abweichende Rechtsauffassung vertreten hat, war ihr Urteil aufzuheben. Die Sache ist spruchreif. Die Zinsen sind f\u00fcr den Zeitraum vom 03.08.2008 bis zum 08.06.2015 festzusetzen. Der Beginn des Zinszeitraums (03.08.2008) entspricht dem Tag der Klageerhebung gegen den Abrechnungsbescheid vom 18.03.2008 und damit dem Tag der Rechtsh\u00e4ngigkeit i.S. des \u00a7&nbsp;236 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO. Der Tag der Auszahlung i.S. des \u00a7&nbsp;236 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO war der 08.06.2015. An diesem Tag erstattete das FA die nachgeforderte Kapitalertragsteuer an die Kl\u00e4gerin. Die Ermittlung und Berechnung des Zinsbetrages wird dem FA nach Ma\u00dfgabe der Gr\u00fcnde dieser Entscheidung \u00fcberlassen (\u00a7&nbsp;121 Satz&nbsp;1 i.V.m. &#8211;rechtsanalog&#8211; \u00a7&nbsp;100 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 FGO).<\/li><li>3. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Urteil vom 29. April 2020, XI R 14\/18 ECLI:DE:BFH:2020:U.290420.XIR14.18.0 BFH XI. Senat AO \u00a7 236 Abs 1 S 1 , EStG \u00a7 43 Abs 1 , EStG \u00a7 44 Abs 1 , EStG \u00a7 44 Abs 5 vorgehend FG K\u00f6ln, 22. November 2017, Az: 9 K 2661\/15 Leits\u00e4tze NV: Nach \u00a7 236 Abs. 1 Satz &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/prozesszinsen-und-erstattungsanspruch-auf-grund-einer-gerichtlichen-entscheidung\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Prozesszinsen und Erstattungsanspruch &#8222;auf Grund&#8220; einer gerichtlichen Entscheidung<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-73061","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73061","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=73061"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73061\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=73061"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=73061"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=73061"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}