{"id":73202,"date":"2020-10-26T13:37:33","date_gmt":"2020-10-26T11:37:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=73202"},"modified":"2020-10-26T13:37:39","modified_gmt":"2020-10-26T11:37:39","slug":"keine-uebertragung-des-dem-anderen-elternteil-zustehenden-bea-freibetrages-nach-volljaehrigkeit-des-kindes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/keine-uebertragung-des-dem-anderen-elternteil-zustehenden-bea-freibetrages-nach-volljaehrigkeit-des-kindes\/","title":{"rendered":"Keine \u00dcbertragung des dem anderen Elternteil zustehenden BEA-Freibetrages nach Vollj\u00e4hrigkeit des Kindes"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Urteil vom 22. April 2020, III R 61\/18<\/h1>\n\n\n\n<p>Im Wesentlichen inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 22.04.2020 III R 25\/19 &#8211; <\/p>\n\n\n\n<p>ECLI:DE:BFH:2020:U.220420.IIIR61.18.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH III. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>EStG \u00a7 32 Abs 6 S 6 , EStG \u00a7 32 Abs 6 S 8 , GG Art 6 Abs 1 , EStG \u00a7 32 Abs 6 S 1 , EStG VZ 2014<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Schleswig-Holsteinisches Finanzgericht , 08. Juni 2018, Az: 2 K 46\/17<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>F\u00fcr ein \u00fcber 18 Jahre altes Kind ist eine \u00dcbertragung des dem anderen Elternteil zustehenden einfachen BEA-Freibetrages nach dem eindeutigen Wortlaut des Gesetzes nicht vorgesehen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Schleswig-Holsteinischen Finanzgerichts vom 08.06.2018 &#8211; 2 K 46\/17 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dfergerichtliche Kosten der Beigeladenen werden nicht erstattet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Streitig ist die \u00dcbertragung des Freibetrages f\u00fcr den Betreuungs-, Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf (BEA-Freibetrag) f\u00fcr die vollj\u00e4hrige Tochter (T) des Kl\u00e4gers und Revisionsbeklagten (Kl\u00e4ger) f\u00fcr die Monate Januar 2014 bis Juli 2014 und f\u00fcr den vollj\u00e4hrigen Sohn (S) f\u00fcr die Monate M\u00e4rz 2014 bis Dezember 2014 auf die Kindesmutter (Beigeladene).<\/li><li>Die Beigeladene beantragte in der Einkommensteuererkl\u00e4rung f\u00fcr das Jahr 2014 (Streitjahr) die \u00dcbertragung der dem Kl\u00e4ger zustehenden Kinderfreibetr\u00e4ge f\u00fcr T und S, ebenso der BEA-Freibetr\u00e4ge. Sie trug vor, der andere Elternteil, der Kl\u00e4ger, komme seiner Unterhaltsverpflichtung nicht zu mindestens 75&nbsp;% nach oder sei mangels Leistungsf\u00e4higkeit nicht unterhaltspflichtig. Der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) lehnte eine \u00dcbertragung der Freibetr\u00e4ge auf die Beigeladene ab. Hiergegen legte diese Einspruch ein. Das FA zog darauf den Kl\u00e4ger gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;360 der Abgabenordnung zum Verfahren hinzu. Mit Einspruchsentscheidung vom 14.02.2017 gab es dem Einspruch der Beigeladenen statt und setzte die Einkommensteuer 2014 entsprechend herab. Die Beigeladene erhielt den doppelten Kinderfreibetrag und den doppelten BEA-Freibetrag f\u00fcr S zeitanteilig (M\u00e4rz 2014 bis Dezember 2014) und f\u00fcr T f\u00fcr das gesamte Streitjahr.<\/li><li>Hiergegen erhob der Kl\u00e4ger Klage. Mit Beschluss vom 18.04.2017 lud das Finanzgericht (FG) die Kindesmutter nach \u00a7&nbsp;60 Abs.&nbsp;3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zum Klageverfahren bei.<\/li><li>Das FG gab der Klage teilweise statt. Es entschied, dass bei der Beigeladenen lediglich die einfachen BEA-Freibetr\u00e4ge zu ber\u00fccksichtigen seien. Die Entscheidungsgr\u00fcnde sind in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2019, 103 abgedruckt.<\/li><li>Mit der Revision r\u00fcgt das FA die Verletzung materiellen Rechts. Es wendet sich gegen die Rechtsauffassung des FG, wonach bei vollj\u00e4hrigen Kindern eine \u00dcbertragung des BEA-Freibetrages nicht m\u00f6glich sei.<\/li><li>Das FA beantragt,<br \/>das Urteil des Schleswig-Holsteinischen FG vom 08.06.2018 sowie den Einkommensteuerbescheid 2014 der Beigeladenen vom 14.02.2017 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 14.02.2017 dahingehend abzu\u00e4ndern, dass f\u00fcr die Tochter zeitanteilig ein (doppelter) BEA-Freibetrag f\u00fcr die Monate Januar 2014 bis Juli 2014 und f\u00fcr den Sohn zeitanteilig ein (doppelter) BEA-Freibetrag f\u00fcr die Monate M\u00e4rz 2014 bis Dezember 2014 gew\u00e4hrt wird und die Klage insoweit ebenfalls abzuweisen.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger beantragt,<br \/>die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/li><li>Die Beigeladene schlie\u00dft sich den Antr\u00e4gen des FA an.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision ist unbegr\u00fcndet und war daher gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 FGO zur\u00fcckzuweisen. Das FG hat zu Recht eine \u00dcbertragung des dem Kl\u00e4ger zustehenden BEA-Freibetrages auf die Beigeladene abgelehnt.<\/li><li>1. Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;6 des Einkommensteuergesetzes in der f\u00fcr das Streitjahr geltenden Fassung (EStG) wird bei einem unbeschr\u00e4nkt einkommensteuerpflichtigen Elternpaar, bei dem die Voraussetzungen des \u00a7&nbsp;26 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG nicht vorliegen, auf Antrag eines Elternteils der dem anderen Elternteil zustehende Kinderfreibetrag auf ihn \u00fcbertragen, wenn er, nicht jedoch der andere Elternteil seiner Unterhaltspflicht gegen\u00fcber dem Kind f\u00fcr das Kalenderjahr im Wesentlichen nachkommt. Eine \u00dcbertragung des BEA-Freibetrages kommt nach dem Wortlaut des \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;8 EStG nur bei minderj\u00e4hrigen Kindern auf Antrag desjenigen Elternteils in Betracht, bei dem das Kind gemeldet ist. F\u00fcr ein \u00fcber 18 Jahre altes Kind ist eine \u00dcbertragung des dem anderen Elternteil zustehenden einfachen BEA-Freibetrages nach dem eindeutigen Wortlaut des Gesetzes nicht vorgesehen (Wendl in Herrmann\/Heuer\/Raupach &#8211;HHR&#8211;, \u00a7&nbsp;32 EStG Rz&nbsp;191; Pust in Littmann\/Bitz\/Pust, Das Einkommensteuerrecht, Kommentar, \u00a7&nbsp;32 EStG Rz&nbsp;850; Helmke in Helmke\/Bauer, Familienleistungsausgleich, Kommentar, Fach&nbsp;A, I.&nbsp;Kommentierung, \u00a7&nbsp;32 EStG Rz&nbsp;133).<\/li><li>2. Eine Auslegung dahin, dass &#8211;entgegen dem Wortlaut des \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;6 EStG&#8211; der BEA-Freibetrag auch bei vollj\u00e4hrigen Kindern \u00fcbertragen werden kann, ist nicht m\u00f6glich.<\/li><li>a) Die vom FA angestrebte erg\u00e4nzende Rechtsfortbildung oder teleologische Extension (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 11.02.2010&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;38\/08, BFHE 229, 385, BStBl II 2010, 873) setzt eine Gesetzesl\u00fccke i.S. einer planwidrigen Unvollst\u00e4ndigkeit voraus (Senatsurteil vom 24.05.1991&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;82\/89, BFH\/NV 1992, 270). Eine Gesetzesl\u00fccke liegt vor, wenn eine Regelung gemessen an ihrem Zweck unvollst\u00e4ndig, d.h. erg\u00e4nzungsbed\u00fcrftig ist und wenn ihre Erg\u00e4nzung nicht einer vom Gesetzgeber beabsichtigten Beschr\u00e4nkung auf bestimmte Tatbest\u00e4nde widerspricht (BFH-Urteil vom 22.06.2017&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;97\/13, BFHE 258, 372, BStBl II 2017, 1181, Rz&nbsp;36, m.w.N.). Davon zu unterscheiden ist ein sog. rechtspolitischer Fehler, der vorliegt, wenn sich eine gesetzliche Regelung zwar als rechtspolitisch verbesserungsbed\u00fcrftig, aber &#8211;gemessen an dem mit ihr verfolgten Zweck&#8211; nicht als planwidrig unvollst\u00e4ndig und erg\u00e4nzungsbed\u00fcrftig erweist (vgl. BFH-Urteil vom 12.10.1999&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;21\/97, BFHE 190, 343, BStBl II 2000, 220, m.w.N.; Senatsurteil vom 12.12.2002&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;33\/01, BFHE 201, 379, BStBl II 2003, 322).<\/li><li>Hat der Gesetzgeber eine eindeutige Entscheidung getroffen, d\u00fcrfen die Gerichte diese nicht aufgrund eigener Vorstellungen ver\u00e4ndern oder durch eine judikative L\u00f6sung ersetzen (BFH-Urteil in BFHE 229, 385, BStBl II 2010, 873, m.w.N.). Eine Auslegung &#8222;gegen den Wortlaut&#8220; kommt daher nur unter sehr engen Voraussetzungen in Betracht, wenn n\u00e4mlich die am Wortlaut haftende Auslegung zu einem sinnwidrigen Ergebnis f\u00fchren w\u00fcrde (vgl. Senatsurteile vom 03.07.1987&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;7\/86, BFHE 150, 259, BStBl II 1987, 728, unter 4.d der Gr\u00fcnde; vom 03.02.2000&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;30\/98, BFHE 190, 569, BStBl II 2000, 438, unter II.2. der Gr\u00fcnde) oder wenn sonst anerkannte Auslegungsmethoden dies verlangen (BFH-Urteil vom 20.11.2019&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;46\/17, BFHE 266, 241, BStBl II 2020, 195, Rz&nbsp;25 zu den einzelnen Auslegungsmethoden).<\/li><li>b) F\u00fcr eine \u00fcber den Wortlaut hinausgehende Auslegung des \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;6 EStG ergeben sich im Streitfall keine Anhaltspunkte. Insbesondere deuten weder die Gesetzesmaterialien oder die Entstehungsgeschichte noch die Gesetzessystematik darauf hin, dass der Gesetzgeber mit der Regelung des \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;6 EStG auch die \u00dcbertragung des einfachen BEA-Freibetrages bei vollj\u00e4hrigen Kindern regeln wollte, soweit ein Elternteil seinen Unterhaltspflichten im Wesentlichen nicht nachkommt.<\/li><li>aa) Den Gesetzesmaterialien l\u00e4sst sich vielmehr entnehmen, dass der einfache BEA-Freibetrag jedem Elternteil &#8222;unabh\u00e4ngig von den tats\u00e4chlichen Aufwendungen&#8220; (BTDrucks 14\/6160, S.&nbsp;12; BTDrucks 14\/1513, S.&nbsp;14) bzw. &#8222;ohne dass es auf eine Verletzung von Unterhaltspflichten des anderen Elternteils ankommt&#8220; (BTDrucks 17\/6146, S.&nbsp;15), gew\u00e4hrt werden soll. Mit dem zun\u00e4chst mit dem Gesetz zur Familienf\u00f6rderung vom 22.12.1999 (BGBl I 1999, 2552) eingef\u00fchrten BEA-Freibetrag wollte der Gesetzgeber die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) umsetzen, wonach die Leistungsf\u00e4higkeit der Eltern \u00fcber den &#8222;existentiellen Sachbedarf&#8220; (Kinderfreibetrag) und den &#8222;erwerbsbedingten Betreuungsbedarf&#8220; hinaus auch durch den (nicht monet\u00e4ren) &#8222;Betreuungsbedarf&#8220; gemindert wird (BVerfG-Beschluss vom 10.11.1998&nbsp;&#8211; 2&nbsp;BvR&nbsp;1057\/91, 2&nbsp;BvR&nbsp;1226\/91, 2&nbsp;BvR&nbsp;980\/91, BVerfGE 99, 216, BStBl II 1999, 182). Damit umfasst der Leistungsf\u00e4higkeitsbegriff im Schutzbereich des Art.&nbsp;6 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes auch die mit der Eigenbetreuung einhergehende Nichtaussch\u00f6pfung des Erwerbspotentials (HHR\/Wendl, \u00a7&nbsp;32 EStG Rz&nbsp;173). Im Gegensatz zum Kinderfreibetrag, der das s\u00e4chliche Existenzminimum des Kindes freistellen soll und damit die geminderte Leistungsf\u00e4higkeit der Eltern durch den Unterhalt f\u00fcr das Kind ber\u00fccksichtigt, wird der BEA-Freibetrag des Kindes unabh\u00e4ngig von der Art der Betreuung (Eigen- oder Fremdbetreuung), aber auch grunds\u00e4tzlich unabh\u00e4ngig von tats\u00e4chlich entstandenen konkreten Aufwendungen gew\u00e4hrt.<\/li><li>bb) Entgegen der Auffassung des FA l\u00e4sst sich der \u00c4u\u00dferung des Gesetzgebers in der Gesetzesbegr\u00fcndung zum Zweiten Gesetz zur Familienf\u00f6rderung vom 16.08.2001 (BGBl I 2001, 2074), die bisher f\u00fcr den Betreuungsfreibetrag geltende \u00dcbertragungsm\u00f6glichkeit f\u00fcr den neuen BEA-Freibetrag &#8222;fortzuf\u00fchren<em>&#8220; <\/em>(BTDrucks 14\/6160, S.&nbsp;12), nicht entnehmen, dass der Gesetzgeber auch die \u00dcbertragung des BEA-Freibetrages f\u00fcr Vollj\u00e4hrige regeln wollte. Denn den in der Gesetzesbegr\u00fcndung angesprochenen Betreuungsfreibetrag (bis zum Jahr 2000) erhielten nur Eltern f\u00fcr Kinder bis zur Vollendung des 16. Lebensjahres. Insoweit war es folgerichtig, wenn der Gesetzgeber die bisherige \u00dcbertragungsm\u00f6glichkeit des alten Betreuungsfreibetrages f\u00fcr den neuen BEA-Freibetrag, der keine altersm\u00e4\u00dfige Beschr\u00e4nkung enthielt, f\u00fcr minderj\u00e4hrige Kinder entsprechend der Vorg\u00e4ngerregelung (\u00dcbertragung des bisherigen Betreuungsfreibetrages gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;7&nbsp; 2.&nbsp;Halbsatz EStG i.d.F. vom 22.12.1999) fortf\u00fchrte.<\/li><li>cc) Ebenso wenig l\u00e4sst sich aus dem Wort &#8222;auch&#8220; in der Gesetzesbegr\u00fcndung (BTDrucks 14\/6160, S.&nbsp;12) die Schlussfolgerung ziehen, dass die \u00dcbertragung des BEA-Freibetrages bei vollj\u00e4hrigen Kindern zwingend der \u00dcbertragung des Kinderfreibetrages folgen m\u00fcsse und nur f\u00fcr Minderj\u00e4hrige eine zus\u00e4tzliche Regelung getroffen werden sollte. Das Wort &#8222;auch&#8220; steht in der Gesetzesbegr\u00fcndung ausdr\u00fccklich mit dem &#8222;BEA-Freibetrag bei minderj\u00e4hrigen Kindern&#8220; in Zusammenhang, der &#8222;auch abweichend vom Freibetrag f\u00fcr das s\u00e4chliche Existenzminimum des Kindes von einem Elternteil auf den anderen \u00fcbertragen werden&#8220; kann. Der Gesetzgeber hat damit nur zum Ausdruck gebracht, dass der BEA-Freibetrag f\u00fcr minderj\u00e4hrige Kinder abweichend von den Voraussetzungen f\u00fcr die \u00dcbertragung des Kinderfreibetrages und unabh\u00e4ngig von Unterhaltszahlungen \u00fcbertragen werden kann.<\/li><li>dd) Nichts anderes ergibt sich aus der Neuregelung der \u00dcbertragung des einfachen BEA-Freibetrages f\u00fcr minderj\u00e4hrige Kinder nach \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;9 EStG durch das Steuervereinfachungsgesetz 2011 vom 01.11.2011 (BGBl I 2011, 2131). Hieraus wird vielmehr deutlich, dass von der grunds\u00e4tzlich vom Gesetzgeber getroffenen Entscheidung, den BEA-Freibetrag unabh\u00e4ngig von tats\u00e4chlichen Aufwendungen jedem Elternteil zu gew\u00e4hren (BTDrucks 17\/6146, S.&nbsp;15), nur unter ganz bestimmten geregelten Voraussetzungen abgewichen werden sollte.<\/li><li>ee) Diese den Wortlaut der Norm, die Gesetzesmaterialien und den historischen Kontext ber\u00fccksichtigende Auslegung des \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;6 EStG ist auch vor dem Hintergrund eines gesetzessystematischen Auslegungsansatzes folgerichtig. So wird in \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;1 EStG zwischen dem Kinderfreibetrag und dem BEA-Freibetrag unterschieden, in den S\u00e4tzen&nbsp;2 bis 5 werden gemeinsame, identische Regelungen f\u00fcr die Freibetr\u00e4ge getroffen. Dagegen werden in den sich dann anschlie\u00dfenden Regelungen (S\u00e4tze&nbsp;6 bis 11) die \u00dcbertragungsvoraussetzungen f\u00fcr die einzelnen in \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;1 EStG genannten Freibetr\u00e4ge unterschiedlich und voneinander unabh\u00e4ngig geregelt.<\/li><li>ff) Dar\u00fcber hinaus erscheint es nicht sinnwidrig, den Freibetrag f\u00fcr die Erziehung und Betreuung zusammen mit dem Ausbildungsbedarf zu regeln und eigenst\u00e4ndige \u00dcbertragungsregelungen f\u00fcr den Kinderfreibetrag und den BEA-Freibetrag vorzusehen. Der Einbeziehung des Ausbildungsbedarfs in den BEA-Freibetrag liegt die \u00dcberzeugung des Gesetzgebers zugrunde, &#8222;dass die einzelnen Bedarfe im Laufe des Ber\u00fccksichtigungszeitraums des Kindes (bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres) jeweils unterschiedlichen Raum einnehmen&#8220; (BTDrucks 14\/6160, S.&nbsp;11). Die Betreuungs- und Erziehungsbedarfe eines Kindes sind auf praktikable Weise kaum zu trennen, weil der zun\u00e4chst \u00fcberwiegende Betreuungsbedarf im Laufe der Zeit durch den Erziehungsbedarf und f\u00fcr \u00e4ltere Kinder durch den Ausbildungsbedarf \u00fcberlagert bzw. abgel\u00f6st wird (BTDrucks 14\/6160, S.&nbsp;11; Senatsurteil vom 27.10.2011&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;42\/07, BFHE 236, 10, BStBl II 2013, 194, Rz&nbsp;13). Dem Gesetz kann daher nicht der Plan entnommen werden, den BEA-Freibetrag &#8211;soweit er vollj\u00e4hrige Kinder betrifft&#8211; auf den Elternteil unter den Voraussetzungen des \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;6 Satz&nbsp;6 EStG \u00fcbergehen zu lassen, da auch bei vollj\u00e4hrigen Kindern der BEA-Freibetrag (einschlie\u00dflich des Ausbildungsbedarfs) grunds\u00e4tzlich weiterhin unabh\u00e4ngig von den tats\u00e4chlichen Aufwendungen gew\u00e4hrt werden sollte.<\/li><li>H\u00e4tte der Gesetzgeber die Regelung der \u00dcbertragung des BEA-Freibetrages mit der zur \u00dcbertragung des Kinderfreibetrages bei vollj\u00e4hrigen Kindern koppeln wollen, h\u00e4tte es hierf\u00fcr einer klaren gesetzlichen Regelung bedurft. Auch wenn es rechtspolitisch w\u00fcnschenswert erscheinen k\u00f6nnte, die \u00dcbertragung des BEA-Freibetrages bei vollj\u00e4hrigen Kindern, bei denen der Ausbildungsbedarf und damit regelm\u00e4\u00dfig tats\u00e4chliche Aufwendungen im Vordergrund stehen, nach denselben Grunds\u00e4tzen wie die \u00dcbertragung des Kinderfreibetrages zu regeln, darf der Anwendungsbereich einer Vorschrift von der Verwaltung und den Gerichten nicht \u00fcber die bewusst vom Gesetzgeber gesetzten Grenzen ausgedehnt werden (vgl. BFH-Urteile vom 08.11.1989&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;187\/84, BFHE 159, 44, BStBl II 1990, 210; vom 26.11.2014&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;37\/13, BFHE 248, 158, BStBl II 2015, 813; vom 18.04.2012&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;7\/10, BFHE 237, 119, BStBl II 2013, 791, Rz&nbsp;64; BFH-Beschluss vom 26.02.1975&nbsp;&#8211; I&nbsp;B&nbsp;96\/74, BFHE 115, 17, BStBl II 1975, 449). Die Entscheidung, auch bei vollj\u00e4hrigen Kindern eine \u00dcbertragung des BEA-Freibetrages von einem Elternteil auf den anderen zu erm\u00f6glichen, obliegt daher allein dem Gesetzgeber.<\/li><li>3. Die Kostenentscheidung folgt aus \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO. Au\u00dfergerichtliche Kosten der Beigeladenen waren nicht zu erstatten. Eine Billigkeitsentscheidung nach \u00a7&nbsp;139 Abs.&nbsp;4 FGO kommt nicht in Betracht, da die Beigeladene die unterlegene Partei unterst\u00fctzt hat (BFH-Urteile vom 24.02.2005&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;23\/03, BFHE 209, 269, BStBl II 2005, 578; vom 23.01.1985&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;2\/83, BFHE 143, 119, BStBl II 1985, 368).<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Urteil vom 22. April 2020, III R 61\/18 Im Wesentlichen inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 22.04.2020 III R 25\/19 &#8211; ECLI:DE:BFH:2020:U.220420.IIIR61.18.0 BFH III. Senat EStG \u00a7 32 Abs 6 S 6 , EStG \u00a7 32 Abs 6 S 8 , GG Art 6 Abs 1 , EStG \u00a7 32 Abs 6 S 1 , EStG VZ &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/keine-uebertragung-des-dem-anderen-elternteil-zustehenden-bea-freibetrages-nach-volljaehrigkeit-des-kindes\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Keine \u00dcbertragung des dem anderen Elternteil zustehenden BEA-Freibetrages nach Vollj\u00e4hrigkeit des Kindes<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-73202","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73202","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=73202"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73202\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=73202"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=73202"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=73202"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}