{"id":73509,"date":"2021-01-22T18:13:25","date_gmt":"2021-01-22T16:13:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=73509"},"modified":"2021-01-22T18:13:29","modified_gmt":"2021-01-22T16:13:29","slug":"keine-anwendung-von-%c2%a7-129-ao-auf-die-maschinelle-gewaehrung-und-rueckforderung-von-altersvorsorgezulagen-nach-%c2%a7-90-abs-1-bis-3-estg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/keine-anwendung-von-%c2%a7-129-ao-auf-die-maschinelle-gewaehrung-und-rueckforderung-von-altersvorsorgezulagen-nach-%c2%a7-90-abs-1-bis-3-estg\/","title":{"rendered":"Keine Anwendung von \u00a7 129 AO auf die maschinelle Gew\u00e4hrung und R\u00fcckforderung von Altersvorsorgezulagen nach \u00a7 90 Abs. 1 bis 3 EStG"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Beschluss vom 05. November 2020, X B 50\/20<\/h1>\n\n\n\n<p>ECLI:DE:BFH:2020:B.051120.XB50.20.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH X. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>EStG \u00a7 90 , AO \u00a7 129 , AO \u00a7 164 , AltvDV \u00a7 12 Abs 1 , EStG VZ 2009 , EStG VZ 2010 , EStG VZ 2012 , EStG VZ 2013<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Finanzgericht Berlin-Brandenburg , 28. Mai 2020, Az: 15 K 10256\/17<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: \u00a7 129 AO ist auf das in \u00a7 90 Abs. 1 bis 3 EStG beschriebene Verfahren der maschinellen Gew\u00e4hrung und R\u00fcckforderung von Altersvorsorgezulagen nicht anwendbar, weil es in diesen Verfahrensabschnitten noch am Erlass eines Verwaltungsakts fehlt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Beschwerde der Kl\u00e4ger wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 28.05.2020 &#8211; 15 K 10256\/17 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens haben die Kl\u00e4ger zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Kl\u00e4ger und Beschwerdef\u00fchrer (Kl\u00e4ger) hatten jeweils einen zertifizierten Altersvorsorgevertrag abgeschlossen und erhielten hierauf zun\u00e4chst Altersvorsorgezulagen. Der Anbieter informierte den Kl\u00e4ger mit einer Bescheinigung nach \u00a7&nbsp;92 des Einkommensteuergesetzes in der in den Streitjahren geltenden Fassung (EStG) vom 27.01.2014 dar\u00fcber, dass der Beklagte und Beschwerdegegner (Deutsche Rentenversicherung Bund, Zentrale Zulagenstelle f\u00fcr Altersverm\u00f6gen &#8211;ZfA&#8211;) die f\u00fcr die Jahre 2009 und 2010 gew\u00e4hrten Zulagen teilweise zur\u00fcckgefordert hatte. Ebenso informierte der Anbieter beide Kl\u00e4ger durch getrennte Bescheinigungen vom 17.02.2015 \u00fcber die teilweise R\u00fcckforderung der f\u00fcr die Jahre 2012 und 2013 gew\u00e4hrten Zulagen. In allen Bescheinigungen war auf die in \u00a7&nbsp;90 Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;2 EStG genannte Jahresfrist hingewiesen.<\/li><li>Am 11.03.2016 beantragte der Kl\u00e4ger und am 23.03.2016 die Kl\u00e4gerin die f\u00f6rmliche Festsetzung der Zulagen gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;90 Abs.&nbsp;4 EStG. Diese Antr\u00e4ge lehnte die ZfA wegen Vers\u00e4umung der gesetzlichen Jahresfrist ab. Hiergegen machten die Kl\u00e4ger sinngem\u00e4\u00df geltend, die maschinelle Gew\u00e4hrung der Zulage stelle einen Verwaltungsakt dar und sei nach \u00a7&nbsp;129 der Abgabenordnung (AO) zu berichtigen, ohne dass es auf die in \u00a7&nbsp;90 Abs.&nbsp;4 EStG genannte Jahresfrist ankomme. Einspruch und Klage blieben ohne Erfolg.<\/li><li>Mit ihrer Beschwerde begehren die Kl\u00e4ger die Zulassung der Revision.<\/li><li>Die ZfA h\u00e4lt die gesetzlichen Darlegungsanforderungen nicht f\u00fcr erf\u00fcllt.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beschwerde ist unbegr\u00fcndet.<\/li><li>1. Ausdr\u00fccklich benennt die Beschwerdebegr\u00fcndung keinen der in \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) abschlie\u00dfend aufgef\u00fchrten Zulassungsgr\u00fcnde. Der Sache nach wird aber hinreichend deutlich, dass die Kl\u00e4ger eine grunds\u00e4tzliche Bedeutung der Rechtssache (\u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO) geltend machen wollen.<\/li><li>a) Grunds\u00e4tzliche Bedeutung kommt einer Rechtssache nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) zu, wenn die f\u00fcr die Beurteilung des Streitfalls ma\u00dfgebliche Rechtsfrage das (abstrakte) Interesse der Allgemeinheit an der einheitlichen Entwicklung und Handhabung des Rechts ber\u00fchrt. Au\u00dferdem muss die Rechtsfrage kl\u00e4rungsbed\u00fcrftig und in einem k\u00fcnftigen Revisionsverfahren kl\u00e4rungsf\u00e4hig sein (Senatsbeschluss vom 12.02.2019&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;90\/18, BFH\/NV 2019, 513, Rz&nbsp;10, m.w.N.).<\/li><li>Eine Rechtsfrage ist kl\u00e4rungsbed\u00fcrftig, wenn ihre Beantwortung zu Zweifeln Anlass gibt (BFH-Beschluss vom 06.11.2002&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;30\/02, BFH\/NV 2003, 169). An der Kl\u00e4rungsbed\u00fcrftigkeit fehlt es insbesondere dann, wenn die Rechtsfrage offensichtlich so zu beantworten ist, wie es das Finanzgericht (FG) getan hat, die Rechtslage also eindeutig ist (BFH-Beschl\u00fcsse vom 21.09.2009&nbsp;&#8211; VI&nbsp;B&nbsp;31\/09, BFHE 226, 329, BStBl II 2011, 382, und vom 05.02.2018&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;161\/17, BFH\/NV 2018, 527, Rz&nbsp;13).<\/li><li>b) Die von den Kl\u00e4gern aufgeworfene Rechtsfrage, ob \u00a7&nbsp;129 AO auch auf das maschinelle Verfahren der Zulagefestsetzung anwendbar ist, ist mit der vom FG gegebenen Begr\u00fcndung &#8211;offensichtlich&#8211; zu verneinen.<\/li><li>aa) Der Anwendungsbereich des \u00a7&nbsp;129 AO beschr\u00e4nkt sich nach seinem klaren Wortlaut auf offenbare Unrichtigkeiten, die beim Erlass eines &#8222;Verwaltungsakts&#8220; unterlaufen sind. Auf andere \u00f6ffentlich-rechtliche Handlungsformen als Verwaltungsakte ist \u00a7&nbsp;129 AO auch nicht analog anwendbar (Wernsmann in H\u00fcbschmann\/Hepp\/Spitaler, \u00a7&nbsp;129 AO Rz&nbsp;37).<\/li><li>Der Senat hat bereits entschieden, dass es erstmals im Verfahren nach \u00a7&nbsp;90 Abs.&nbsp;4 EStG zum Erlass f\u00f6rmlicher Verwaltungsakte kommt (Urteil vom 22.10.2014&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;18\/14, BFHE 247, 312, BStBl II 2015, 371, Rz&nbsp;42). Demzufolge stellen die im Zulageverfahren vorgelagerten, in \u00a7&nbsp;90 Abs.&nbsp;1 bis&nbsp;3 EStG vorgesehenen maschinellen Mitteilungen der ZfA an den Anbieter keine Verwaltungsakte dar.<\/li><li>bb) Nichts anderes folgt daraus, dass gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;12 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 der Altersvorsorge-Durchf\u00fchrungsverordnung (AltvDV) das Ermittlungsergebnis des \u00a7&nbsp;90 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG stets unter dem Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung steht. Zwar sieht \u00a7&nbsp;164 Abs.&nbsp;1 AO einen Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung unmittelbar nur f\u00fcr Steuerfestsetzungen vor; Steuern werden gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;155 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO durch Steuerbescheid &#8211;einen Verwaltungsakt (\u00a7&nbsp;155 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 AO)&#8211; festgesetzt, soweit nichts anderes vorgeschrieben ist. Im Altersvorsorgezulageverfahren ist jedoch durch \u00a7&nbsp;90 Abs.&nbsp;1 bis&nbsp;3 EStG etwas anderes vorgeschrieben, so dass man weder aus \u00a7&nbsp;155 Abs.&nbsp;1 AO noch aus \u00a7&nbsp;164 Abs.&nbsp;1 AO oder \u00a7&nbsp;12 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 AltvDV die Verwaltungsaktsqualit\u00e4t von maschinellen Ermittlungen oder R\u00fcckforderungen der Zulage ableiten kann.<\/li><li>cc) Die von den Kl\u00e4gern w\u00e4hrend des Verfahrens angef\u00fchrten Entscheidungen (BFH-Urteile vom 31.07.1975&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;121\/73, BFHE 116, 462, BStBl II 1975, 868; vom 13.11.1997&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;138\/92, BFH\/NV 1998, 419; vom 27.03.1996&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;83\/94, BFHE 180, 227, BStBl II 1996, 509, und vom 11.07.2007&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;17\/05, BFH\/NV 2007, 1810; Urteil des FG K\u00f6ln vom 18.03.2010&nbsp;&#8211; 10&nbsp;K&nbsp;3607\/08, Entscheidungen der Finanzgerichte 2010, 1182) sind f\u00fcr die vorliegende Problematik nicht einschl\u00e4gig. Dort ging es jeweils um den Erlass von Steuerbescheiden (Verwaltungsakten); die von den Kl\u00e4gern zitierte Rechtsprechung hat lediglich bejaht, dass \u00a7&nbsp;129 AO auch dann anwendbar ist, wenn ein Verwaltungsakt mit Hilfe automatisierter Einrichtungen bzw. mit Softwareunterst\u00fctzung erlassen wird. Vorliegend fehlt es aber bereits an dem f\u00fcr \u00a7&nbsp;129 AO grundlegenden Tatbestandsmerkmal des Erlasses eines Verwaltungsakts.<\/li><li>2. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><li>3. Von einer weiteren Darstellung des Sachverhalts sowie einer weiteren Begr\u00fcndung sieht der Senat gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;2 FGO ab.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beschluss vom 05. November 2020, X B 50\/20 ECLI:DE:BFH:2020:B.051120.XB50.20.0 BFH X. 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