{"id":73524,"date":"2021-01-30T13:53:05","date_gmt":"2021-01-30T11:53:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=73524"},"modified":"2021-01-30T13:54:07","modified_gmt":"2021-01-30T11:54:07","slug":"anforderungen-an-einen-antrag-i-s-des-%c2%a7-171-abs-3-ao-bei-pflicht-zur-abgabe-einer-steuererklaerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/anforderungen-an-einen-antrag-i-s-des-%c2%a7-171-abs-3-ao-bei-pflicht-zur-abgabe-einer-steuererklaerung\/","title":{"rendered":"Anforderungen an einen Antrag i.S. des \u00a7 171 Abs. 3 AO bei Pflicht zur Abgabe einer Steuererkl\u00e4rung"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Urteil vom 23. September 2020, XI R 1\/19<\/h1>\n\n\n\n<p>ECLI:DE:BFH:2020:U.230920.XIR1.19.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH XI. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>AO \u00a7 162 , AO \u00a7 171 Abs 3 , AO \u00a7 171 Abs 13 , AO \u00a7 172 Abs 1 S 1 Nr 2 Buchst a , InsO \u00a7 203 , ZPO \u00a7 240 , FGO \u00a7 65 , EStG \u00a7 10d Abs 1 S 4 , EStG VZ 2007 , EStG VZ 2008<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG N\u00fcrnberg, 27. November 2018, Az: 1 K 488\/17<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. Ordnet das Insolvenzgericht nach Aufhebung des Insolvenzverfahrens Nachtragsverteilung durch den fr\u00fcheren Insolvenzverwalter an, tritt f\u00fcr den im Beschluss genannten Gegenstand der Nachtragsverteilung wieder Insolvenzbeschlag ein mit der Folge, dass insoweit die Verwaltungs- und Verf\u00fcgungsbefugnis beim fr\u00fcheren Insolvenzverwalter liegt.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Die durch die Aufhebung des Insolvenzverfahrens eingetretene Unterbrechung eines finanzgerichtlichen Verfahrens wird sp\u00e4testens durch das Fortsetzungsbegehren des fr\u00fcheren Insolvenzverwalters beendet.<\/p>\n\n\n\n<p>3. Stellt ein Steuerpflichtiger, der zur Einreichung einer Steuererkl\u00e4rung gesetzlich verpflichtet ist, vor Ablauf der Festsetzungsfrist bei dem f\u00fcr ihn zust\u00e4ndigen FA einen Antrag, kommt diesem die Rechtswirkung des \u00a7 171 Abs. 3 AO nur dann zu, wenn sich das von ihm verfolgte Begehren seinem sachlichen Gehalt nach zumindest in groben Z\u00fcgen bereits aus dem Antrag selbst ergibt; Angaben zur betragsm\u00e4\u00dfigen Auswirkung sind f\u00fcr die Bestimmtheit des Antrags f\u00fcr sich genommen nicht ausreichend.<\/p>\n\n\n\n<p>4. Soweit dem Steuerpflichtigen wegen fehlender Unterlagen genaue Angaben (noch) nicht m\u00f6glich sind, muss er zur Konkretisierung seines Antrags auf Sch\u00e4tzung eines Gesamtbetrags der Eink\u00fcnfte in einer bestimmten H\u00f6he gegen\u00fcber dem FA eine substantiierte eigene Sch\u00e4tzung anhand der ihm zug\u00e4nglichen Erkenntnisquellen vornehmen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Finanzgerichts N\u00fcrnberg vom 27.11.2018 &#8211; 1 K 488\/17 aufgehoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Klage wird abgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat der Kl\u00e4ger zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beteiligten streiten dar\u00fcber, ob ein vor Ablauf der Festsetzungsfrist gestellter Antrag, die K\u00f6rperschaftsteuer f\u00fcr das Jahr 2008 auf 0&nbsp;\u20ac festzusetzen und von einem Verlust in H\u00f6he von 1&nbsp;Mio.&nbsp;\u20ac auszugehen, gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 der Abgabenordnung (AO) zu einer Ablaufhemmung f\u00fchrt.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4ger) ist Insolvenzverwalter \u00fcber das Verm\u00f6gen der &#8230;&nbsp; GmbH (GmbH).<\/li><li>F\u00fcr das Jahr 2007 reichte die GmbH am 13.11.2008 eine K\u00f6rperschaftsteuererkl\u00e4rung ein. Mit bestandskr\u00e4ftigem K\u00f6rperschaftsteuerbescheid vom 12.03.2009 setzte der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) die K\u00f6rperschaftsteuer f\u00fcr das Jahr 2007, ausgehend von einem Gesamtbetrag der Eink\u00fcnfte und einem zu versteuernden Einkommen von 9.xxx&nbsp;\u20ac, auf 2.xxx&nbsp;\u20ac fest.<\/li><li>F\u00fcr das Jahr 2008 reichte die GmbH keine Steuererkl\u00e4rung ein.<\/li><li>Am 01.04.2010 wurde \u00fcber das Verm\u00f6gen der GmbH das Insolvenzverfahren er\u00f6ffnet. Das FA erlie\u00df weder einen K\u00f6rperschaftsteuerbescheid f\u00fcr das Jahr 2008 noch meldete es im Insolvenzverfahren K\u00f6rperschaftsteuer 2008 zur Insolvenztabelle an.<\/li><li>Unter dem 18.12.2015 richtete die Prozessbevollm\u00e4chtigte des Kl\u00e4gers ein Schreiben an das FA, das auszugsweise wie folgt lautet:&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&#8222;Antrag auf Berichtigung der Steuerfestsetzungen f\u00fcr 2008 \u2026&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der Insolvenzverwalter hat uns beauftragt, die Steuererkl\u00e4rungen einschl. Jahresabschl\u00fcsse f\u00fcr die zur\u00fcckliegenden Jahre zu erstellen, soweit diese noch nicht beim Finanzamt eingereicht wurden.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Da ggf. zum 31.12.2015 der Ablauf der Festsetzungsfrist droht und uns nicht alle Gesch\u00e4ftsunterlagen des Insolvenzschuldners vorliegen, werden fristwahrend folgende Antr\u00e4ge gestellt:&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die festzusetzende Umsatzsteuer f\u00fcr das Jahr 2008 betr\u00e4gt 0,00&nbsp;EUR.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der verbleibende Verlustvortrag zur K\u00f6rperschaftsteuer sowie des vortragsf\u00e4higen Gewerbeverlustes soll jeweils betragen:<br \/>zum 31.12.2008&nbsp;&nbsp;-1.000.000,00&nbsp;EUR&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der Gesamtbetrag der Eink\u00fcnfte soll betragen:<br \/>zum 31.12.2008&nbsp;&nbsp;-1.000.000,00&nbsp;EUR&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die festzusetzende K\u00f6rperschaftsteuer f\u00fcr das Jahr 2008 betr\u00e4gt 0,00&nbsp;EUR.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Bearbeitung dieser Antr\u00e4ge k\u00f6nnen Sie bis auf weiteres zur\u00fcckstellen, da unsere Pr\u00fcfungen noch andauern. Wir kommen in dieser Angelegenheit unaufgefordert auf Sie zu.&#8220;<\/li><li>Am 07.11.2016 reichte der Kl\u00e4ger u.a. den unterschriebenen Jahresabschluss zum 31.12.2008 sowie die nicht unterschriebene K\u00f6rperschaftsteuererkl\u00e4rung f\u00fcr das Jahr 2008 ein. Darin wurde ein Gesamtbetrag der Eink\u00fcnfte sowie ein zu versteuerndes Einkommen in H\u00f6he von -3xx.xxx&nbsp;\u20ac erkl\u00e4rt. Im Anschreiben hei\u00dft es au\u00dferdem:&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&#8222;Zum 31.12.2008 ergibt sich ein verbleibender Verlustvortrag zur K\u00f6rperschaftsteuer. Dieser soll i.H.v. 9.xxx,- EUR in das Jahr 2007 zur\u00fcckgetragen werden.&#8220;<\/li><li>Mit Bescheiden vom 24.11.2016 lehnte das FA sowohl den Antrag auf Festsetzung von K\u00f6rperschaftsteuer f\u00fcr das Jahr 2008 als auch den beantragten Verlustr\u00fccktrag in das Jahr 2007 ab, da f\u00fcr die K\u00f6rperschaftsteuer 2008 zum 31.12.2015 Festsetzungsverj\u00e4hrung eingetreten sei. Der Antrag vom 18.12.2015 habe keine Ablaufhemmung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO bewirkt. Allerdings erlie\u00df das FA am 13.12.2016 unter Ansatz eines Gewinns aus Gewerbebetrieb in H\u00f6he von -3xx.xxx&nbsp;\u20ac einen Bescheid \u00fcber den Gewerbesteuermessbetrag f\u00fcr 2008 gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;172 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO, den es an den Kl\u00e4ger als Insolvenzverwalter bekanntgab. Der Gewerbesteuermessbescheid \u00e4nderte den Bescheid vom 30.04.2010.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger erhob nach erfolglosem Einspruchsverfahren gegen beide Ablehnungsbescheide vom 24.11.2016 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 13.03.2017 Klage. Er beantragte, die Ablehnungsbescheide in Gestalt der Einspruchsentscheidung aufzuheben. Die &#8222;festgesetzte&#8220; K\u00f6rperschaftsteuer 2007 und 2008 betrage jeweils 0&nbsp;\u20ac.<\/li><li>Im Laufe des Klageverfahrens stellte der Kl\u00e4ger auf Anfrage des Finanzgerichts (FG) klar, dass sich die Klage &#8222;lediglich gegen den K\u00f6rperschaftsteuerbescheid 2008 sowie die gesonderte Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags zur K\u00f6rperschaftsteuer zum 31.12.2008&#8220; richte. Die Klage gegen den K\u00f6rperschaftsteuerbescheid 2007 sei &#8222;nicht erforderlich&#8220;, da f\u00fcr den begehrten Verlustr\u00fccktrag in das Jahr 2007 die Festsetzungsfrist des Jahres 2008 relevant sei (\u00a7&nbsp;10d Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 des Einkommensteuergesetzes &#8211;EStG&#8211;).<\/li><li>In der m\u00fcndlichen Verhandlung vor dem FG beantragte der Kl\u00e4ger,-&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;die Ablehnungsbescheide vom 24.11.2016 aufzuheben und-&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;das FA zu verpflichten, die K\u00f6rperschaftsteuerveranlagung entsprechend der eingereichten Steuererkl\u00e4rung vom 07.11.2016 durchzuf\u00fchren,-&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;die K\u00f6rperschaftsteuer 2008 auf 0&nbsp;\u20ac festzusetzen und-&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;einen Bescheid \u00fcber die Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags zum 31.12.2008 unter Ber\u00fccksichtigung eines Verlustr\u00fccktrags in H\u00f6he von 12.xxx&nbsp;\u20ac in das Jahr 2007 zu erlassen sowie-&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;die K\u00f6rperschaftsteuerveranlagung f\u00fcr das Jahr 2007 dahin gehend zu \u00e4ndern, dass ein Verlustr\u00fccktrag aus 2008 in H\u00f6he von 12.xxx&nbsp;\u20ac ber\u00fccksichtigt wird.<\/li><li>Das FG gab der Klage mit Urteil vom 27.11.2018&nbsp;&#8211; 1&nbsp;K&nbsp;488\/17 (Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2019, 664) statt. Die angegriffenen Verwaltungsakte und die Einspruchsentscheidung seien aufzuheben und das FA zu verpflichten, eine K\u00f6rperschaftsteuerveranlagung 2008 entsprechend der eingereichten Steuererkl\u00e4rung durchzuf\u00fchren, einen \u00c4nderungsbescheid zur K\u00f6rperschaftsteuer 2007 unter Ber\u00fccksichtigung eines Verlustr\u00fccktrags aus 2008 in H\u00f6he von 9.xxx&nbsp;\u20ac zu erlassen und den verbleibenden Verlustvortrag zur K\u00f6rperschaftsteuer zum 31.12.2008 festzustellen. Die Festsetzungsfrist f\u00fcr die K\u00f6rperschaftsteuer des Jahres 2008 sei nicht abgelaufen, weil der Antrag vom 18.12.2015 deren Ablauf gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO gehemmt habe.<\/li><li>Mit der Revision r\u00fcgt das FA die Verletzung materiellen Rechts. Es macht geltend, der Ablauf der Festsetzungsfrist sei nicht durch einen Antrag i.S. von \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO gehemmt worden; denn in Anlehnung an die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) zu \u00a7&nbsp;172 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a AO sei zu fordern, dass in dem Antrag i.S. des \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO das verfolgte \u00c4nderungsbegehren seinem sachlichen Gehalt nach zumindest in groben Z\u00fcgen genannt werden m\u00fcsse. Davon gehe auch das FG Baden-W\u00fcrttemberg in seinem Urteil vom 14.12.2007&nbsp;&#8211; 7&nbsp;K&nbsp;256\/04 (EFG 2008, 756) aus. Im Antrag m\u00fcsse der zu ber\u00fccksichtigende Lebenssachverhalt so konkret dargelegt werden, dass f\u00fcr die Beh\u00f6rde erkennbar werde, worauf der Steuerpflichtige seinen Antrag st\u00fctze. Blo\u00dfe Angaben zu betragsm\u00e4\u00dfigen Auswirkungen seien nicht ausreichend. Ein Antrag auf Sch\u00e4tzung eines bestimmten Verlusts ohne weitere sachverhaltsbezogene Darlegungen (z.B. Einreichung eines Jahresabschlusses) sei kein wirksamer Antrag i.S. des \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO. Das FA m\u00fcsse durch den Antrag in die Lage versetzt werden, \u00fcber ihn dem Grunde nach entscheiden zu k\u00f6nnen, woran es vorliegend fehle. Sollte man einen isolierten Antrag, einen Verlust in einer bestimmten H\u00f6he zu ber\u00fccksichtigen, f\u00fcr eine Ablaufhemmung nach \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO ausreichen lassen, w\u00fcrde eine vollst\u00e4ndige Steuererkl\u00e4rung schlechter gestellt als der Antrag des Kl\u00e4gers.<\/li><li>Das FA beantragt, die Vorentscheidung aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger beantragt, die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/li><li>Er bringt vor, der Senat sei gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) an die Auslegung des Antrags durch das FG gebunden. Die Rechtsprechung zu \u00a7&nbsp;172 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a AO sei auf \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO nicht \u00fcbertragbar. Der Zweck der Vorschriften sei nicht identisch. Die Auffassung des FA, es sei ein Jahresabschluss erforderlich gewesen, gehe fehl, weil dann auch die Steuererkl\u00e4rung eingereicht werden k\u00f6nne. Das vom FA angef\u00fchrte Urteil des FG Baden-W\u00fcrttemberg betreffe einen anderen Sachverhalt. Soweit der BFH mit seiner Rechtsprechung pflichtwidrig handelnde B\u00fcrger nicht besser stellen wolle, sei der Kl\u00e4ger kein pflichtwidrig handelnder B\u00fcrger.<\/li><li>Im Revisionsverfahren wurde das Insolvenzverfahren zun\u00e4chst durch Beschluss des Insolvenzgerichts vom 28.05.2019 (ohne Vorbehalt der Nachtragsverteilung) aufgehoben, dann aber durch Beschluss vom 13.06.2019 die Nachtragsverteilung angeordnet. Die Durchf\u00fchrung der Nachtragsverteilung wurde dem Kl\u00e4ger \u00fcbertragen. Der Kl\u00e4ger hat mit Schreiben vom 23.07.2019 mitgeteilt, dass das Verfahren fortzusetzen ist. Nach dem Schluss der m\u00fcndlichen Verhandlung hat der Kl\u00e4ger am 24.09.2020 noch einen Schriftsatz eingereicht.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Das Verfahren ist antragsgem\u00e4\u00df mit dem Kl\u00e4ger als Revisionsbeklagten fortzusetzen; er ist f\u00fcr den Streitgegenstand weiterhin prozessf\u00fchrungsbefugt.<\/li><li>1. Zwar entf\u00e4llt mit Beendigung des Insolvenzverfahrens neben der Verwaltungs- und Verf\u00fcgungsbefugnis des Insolvenzverwalters zugleich seine Prozessf\u00fchrungsbefugnis, und zwar auch dann, wenn er Adressat der angefochtenen Bescheide war, die Gegenstand des Verfahrens sind; wird jedoch eine Nachtragsverteilung (\u00a7&nbsp;203 der Insolvenzordnung &#8211;InsO&#8211;) angeordnet, bleibt der Insolvenzverwalter u.a. ausnahmsweise befugt, anh\u00e4ngige Prozesse fortzusetzen, mit denen die der Nachtragsverteilung vorbehaltenen Masseaktiva realisiert werden sollen (vgl. BFH-Urteile vom 06.07.2011&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;34\/10, BFH\/NV 2012, 10, Rz&nbsp;10&nbsp;f.; vom 26.02.2014&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;12\/14, BFH\/NV 2014, 1544, Rz&nbsp;14; vom 20.09.2016&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;10\/15, BFH\/NV 2017, 442, Rz 15&nbsp;f.; BFH-Beschluss vom 26.02.2014&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;59\/12, BFHE 246, 27, BStBl&nbsp;II 2014, 1016, Rz&nbsp;9).<\/li><li>2. So liegt es hier.<\/li><li>a) Zwar war durch den Beschluss des Insolvenzgerichts vom 28.05.2019, der keinen Vorbehalt der Nachtragsverteilung enthielt, die Prozessf\u00fchrungsbefugnis des Kl\u00e4gers zun\u00e4chst entfallen. Mit der Aufhebung des Insolvenzverfahrens ging au\u00dferdem zun\u00e4chst die Unterbrechung des Revisionsverfahrens einher (vgl. BFH-Urteil in BFH\/NV 2012, 10, Rz&nbsp;16).<\/li><li>b) Mit der Anordnung der Nachtragsverteilung durch Beschluss des Insolvenzgerichts vom 13.06.2019 trat allerdings eine erneute Insolvenzbeschlagnahme f\u00fcr den darin genannten Gegenstand der Nachtragsverteilung ein mit der Folge, dass insoweit nunmehr die Verwaltungs- und Verf\u00fcgungsbefugnis (wieder) beim Kl\u00e4ger als (fr\u00fcherem) Insolvenzverwalter liegt (vgl. allgemein BFH-Urteil vom 28.02.2012&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;36\/11, BFHE 236, 202, BStBl&nbsp;II 2012, 451, Rz&nbsp;12; BFH-Beschluss vom 04.09.2008&nbsp;&#8211; VII&nbsp;B&nbsp;239\/07, BFH\/NV 2009, 6, unter II.1., Rz&nbsp;8).<\/li><li>c) Der Beschluss des Insolvenzgerichts vom 13.06.2019, der als Gegenstand der Nachtragsverteilung &#8222;m\u00f6gliche Anspr\u00fcche bzgl. der Ablehnung der Veranlagung 2008 (Verlustr\u00fccktrag 2007), FG N\u00fcrnberg, Az.:&nbsp;1&nbsp;K&nbsp;488\/17&#8220; nennt, ist dahin auszulegen, dass er auch das &#8211;damals bereits anh\u00e4ngige&#8211; Revisionsverfahren XI&nbsp;R&nbsp;1\/19 umfasst. Ausgehend von dieser Auslegung ist der Beschluss hinreichend bestimmt (vgl. zu den Anforderungen an die Bestimmtheit des Beschlusses BFH-Urteil in BFH\/NV 2017, 442, Rz&nbsp;22&nbsp;ff.). Insbesondere bestehen aufgrund der Angabe des Aktenzeichens des FG keine Unsicherheiten bei der Identifizierung der von der Nachtragsverteilung erfassten (m\u00f6glichen) Anspr\u00fcche.<\/li><li>d) Die Unterbrechung des Revisionsverfahrens ist sp\u00e4testens durch das Fortsetzungsbegehren des Kl\u00e4gers im Schreiben vom 23.07.2019 beendet worden. Ob die Beendigung bereits durch den Beschluss des Insolvenzgerichts vom 13.06.2019 eingetreten ist, bedarf keiner Entscheidung.<\/li><li>Die Revision ist begr\u00fcndet; sie f\u00fchrt zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Abweisung der Klage (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz 1 Nr.&nbsp;1 FGO). Das FG hat zu Unrecht angenommen, dass die Rechtsprechung des BFH zu \u00a7&nbsp;172 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a AO auf \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO nicht \u00fcbertragbar sei. Die Vorentscheidung ist deshalb aufzuheben. Da eine Ablaufhemmung aufgrund anderer Vorschriften nicht ersichtlich ist, ist die Sache spruchreif.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>1. Zu Recht besteht zwischen den Beteiligten kein Streit dar\u00fcber, dass die Festsetzungsfrist f\u00fcr die K\u00f6rperschaftsteuer 2008 regul\u00e4r am 31.12.2015 abgelaufen ist (\u00a7&nbsp;169 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1, Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2, \u00a7&nbsp;170 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO).<\/p>\n\n\n\n<p>2. Entgegen der Auffassung des FG ist der Ablauf dieser Frist durch das Schreiben des Kl\u00e4gers vom 18.12.2015 allerdings nicht gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO gehemmt worden.<\/p>\n\n\n\n<p>a) Wird vor Ablauf der Festsetzungsfrist au\u00dferhalb eines Einspruchs- oder Klageverfahrens ein Antrag auf Steuerfestsetzung oder auf Aufhebung oder \u00c4nderung einer Steuerfestsetzung oder ihrer Berichtigung nach \u00a7&nbsp;129 AO gestellt, so l\u00e4uft gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO i.d.F. des Steuerbereinigungsgesetzes 1999 vom 22.12.1999 (BGBl I 1999, 2601) die Festsetzungsfrist insoweit nicht ab, bevor \u00fcber den Antrag unanfechtbar entschieden worden ist. Seit dieser Gesetzes\u00e4nderung regelt Abs.&nbsp;3 nur noch &#8211;inhaltlich unver\u00e4ndert (BRDrucks 475\/99, S. 92&nbsp;f.)&#8211; die Ablaufhemmung f\u00fcr Antr\u00e4ge des Steuerpflichtigen au\u00dferhalb des Einspruchs- oder Klageverfahrens.<\/p>\n\n\n\n<p>aa) Die Regelung dient dem Schutz des Steuerpflichtigen: Sie stellt sicher, dass der Erfolg eines einmal gestellten Antrags nicht von der Arbeitsweise und -geschwindigkeit der Beh\u00f6rde abh\u00e4ngt; eine antragsgem\u00e4\u00dfe Entscheidung soll nicht allein daran scheitern, dass die Beh\u00f6rde die Pr\u00fcfung des Antrags nicht innerhalb der nach anderen Vorschriften zu bestimmenden Festsetzungsfrist abschlie\u00dft (vgl. BFH-Urteile vom 24.05.2006&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;9\/05, BFH\/NV 2006, 2019, und I&nbsp;R&nbsp;93\/05, BFHE 214, 7, BStBl&nbsp;II 2007, 76; vom 27.11.2013&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;57\/11, BFHE 243, 313, BStBl&nbsp;II 2016, 506, Rz&nbsp;17).<\/p>\n\n\n\n<p>bb) Zugleich soll die Vorschrift sicherstellen, dass u.a. Antr\u00e4ge auf Steuerfestsetzung nicht durch Ablauf der regul\u00e4ren Festsetzungsfrist gegenstandslos werden, sondern unabh\u00e4ngig von der Dauer der Bearbeitungszeit einer Sachentscheidung durch die Verwaltung zug\u00e4nglich bleiben (BFH-Urteil vom 23.03.1993&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;38\/92, BFHE 171, 10, BStBl II 1993, 581, unter II.a, Rz&nbsp;33; Banniza in H\u00fcbschmann\/Hepp\/Spitaler &#8211;HHSp&#8211;, \u00a7&nbsp;171 AO Rz 24).<\/p>\n\n\n\n<p>b) Bei der Auslegung des \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO ist die Gesetzessystematik der \u00a7\u00a7&nbsp;169&nbsp;ff. AO zu beachten. Muss der Steuerpflichtige eine Steuererkl\u00e4rung abgeben, sieht das Gesetz keine Ablaufhemmung, wohl aber eine Anlaufhemmung (\u00a7&nbsp;170 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO) vor. Der Steuerpflichtige handelt, indem er eine Steuer- oder Feststellungserkl\u00e4rung abgibt; wer dies innerhalb der Frist unterl\u00e4sst, muss an sich den damit verbundenen Nachteil, dass ggf. kein Bescheid mehr ergeht, tragen (vgl. BFH-Urteil vom 22.01.2013&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;1\/12, BFHE 239, 385, BStBl&nbsp;II 2013, 663, Rz&nbsp;12). Dann bietet die Ablaufhemmung des \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3a AO dem Steuerpflichtigen Schutz gegen den Ablauf der Festsetzungsfrist: Dazu muss er (ggf. mit gesch\u00e4tzten Besteuerungsgrundlagen) innerhalb der Frist eine Steuererkl\u00e4rung einreichen und danach, wenn seiner Steuererkl\u00e4rung vom FA nicht gefolgt wird, ggf. einen (Unt\u00e4tigkeits-)Einspruch einlegen (vgl. BFH-Urteile vom 29.06.2011&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;38\/10, BFHE 233, 326, BStBl&nbsp;II 2011, 963, Rz&nbsp;24; in BFHE 239, 385, BStBl II 2013, 663, Rz&nbsp;14).<\/p>\n\n\n\n<p>c) Aufgrund dieser Erw\u00e4gungen verlangt die Rechtsprechung des BFH f\u00fcr eine Ablaufhemmung nach \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO zun\u00e4chst, dass der Steuerpflichtige vor Ablauf der Festsetzungsfrist bei der f\u00fcr ihn zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde (vgl. BFH-Urteil vom 13.02.2020&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;37\/17, zur amtlichen Ver\u00f6ffentlichung bestimmt, Deutsches Steuerrecht 2020, 1434, Rz&nbsp;23) einen Antrag gestellt hat (vgl. BFH-Urteil in BFHE 243, 313, BStBl&nbsp;II 2016, 506, Rz&nbsp;18), aus dem sich zweifelsfrei ergibt, inwieweit eine Steuerfestsetzung begehrt wird (vgl. BFH-Beschluss vom 18.08.2015&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;5\/14, BFH\/NV 2016, 74, Rz&nbsp;18). Eine ggf. vorgeschriebene Form ist einzuhalten (vgl. BFH-Urteil vom 01.07.2008&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;37\/07, BFH\/NV 2008, 2062, unter II.2., Rz&nbsp;11, 14).<\/p>\n\n\n\n<p>aa) Zur weiteren Konkretisierung des Antragserfordernisses ist der BFH zun\u00e4chst einhellig davon ausgegangen, dass als &#8222;Antrag&#8220; i.S. des \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO&nbsp;a.F. nur solche Willensbekundungen zu verstehen sind, die ein T\u00e4tigwerden der Finanzbeh\u00f6rden au\u00dferhalb des infolge der Amtsmaxime ohnehin gebotenen Verwaltungshandelns ausl\u00f6sen sollen (vgl. BFH-Urteile vom 18.06.1991&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;54\/89, BFHE 165, 445, BStBl&nbsp;II 1992, 124, unter 1., Rz&nbsp;14; vom 11.05.1995&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;136\/93, BFH\/NV 1996, 1, unter II.1.b, Rz&nbsp;14). Auch wenn sich in dieser Hinsicht &#8211;nun zu \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO&nbsp;n.F.&#8211; die Rechtsprechung fortentwickelt haben k\u00f6nnte (s. einerseits BFH-Urteile in BFHE 214, 7, BStBl&nbsp;II 2007, 76, unter II.4.c&nbsp;bb&nbsp;aaa, Rz&nbsp;33; vom 24.06.2008&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;64\/06, BFH\/NV 2008, 1676, unter II.2.c&nbsp;bb, Rz&nbsp;30; andererseits BFH-Urteile vom 28.08.2014&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;8\/14, BFHE 247, 21, BStBl&nbsp;II 2015, 3, Rz&nbsp;10; vom 12.08.2015&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;63\/14, BFH\/NV 2016, 161, Rz&nbsp;24; vom 20.01.2016&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;14\/15, BFHE 252, 396, BStBl&nbsp;II 2016, 380, Rz&nbsp;15; vom 30.03.2017&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;43\/15, BFHE 257, 333, BStBl&nbsp;II 2017, 1046, Rz&nbsp;27), hat der BFH aber daran festgehalten, dass eine Steuererkl\u00e4rung (vgl. BFH-Urteile in BFHE 165, 445, BStBl&nbsp;II 1992, 124; in BFH\/NV 2006, 2019, unter II.2.e&nbsp;c&nbsp;bbb&nbsp;cccc, Rz&nbsp;38; in BFHE 214, 7, BStBl&nbsp;II 2007, 76, unter II.4.c&nbsp;bb&nbsp;ccc, Rz&nbsp;35; ebenso der Anwendungserlass zur Abgabenordnung zu \u00a7&nbsp;171 AO Tz.&nbsp;2) oder eine Feststellungserkl\u00e4rung (vgl. BFH-Urteil vom 10.07.2008&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;90\/07, BFHE 222, 32, BStBl&nbsp;II 2009, 816, unter II.2.b, Rz&nbsp;14) grunds\u00e4tzlich keine Antr\u00e4ge i.S. des \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO sind, und zwar auch dann nicht, wenn sie zur Auszahlung eines \u00dcberschusses (Steuerverg\u00fctung, &#8222;Erstattung&#8220;) f\u00fchren sollen (vgl. BFH-Urteile in BFH\/NV 1996, 1, unter II.1.b&nbsp;aa, Rz&nbsp;14; vom 18.02.2009&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;82\/07, BFHE 225, 198, BStBl&nbsp;II 2009, 876, unter II.4.b&nbsp;bb, Rz&nbsp;43; in BFHE 247, 21, BStBl&nbsp;II 2015, 3, Rz&nbsp;10). Anders ist es nur dort, wo &#8211;abweichend vom Streitfall&#8211; eine Pflicht zur Abgabe einer Steuererkl\u00e4rung nicht besteht und ihr daher ein doppelter Zweck zukommt (vgl. BFH-Urteile in BFHE 252, 396, BStBl&nbsp;II 2016, 380, Rz&nbsp;15, 17, bei Antragsveranlagung; in BFHE 257, 333, BStBl&nbsp;II 2017, 1046, Rz&nbsp;31; s. zur Abgrenzung auch Teller, H\u00f6chstrichterliche Finanzrechtsprechung 2017, 611, 615).<\/p>\n\n\n\n<p>bb) Ziel dieser einschr\u00e4nkenden Auslegung des Begriffs &#8222;Antrag&#8220; i.S. des \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO ist die Gleichbehandlung der Steuerpflichtigen, die eine Steuer- oder Feststellungserkl\u00e4rung innerhalb der Festsetzungs- oder Feststellungsfrist abgeben, mit den Steuerpflichtigen, die dies unterlassen haben (vgl. BFH-Urteile in BFHE 165, 445, BStBl&nbsp;II 1992, 124, unter 1., Rz&nbsp;15; in BFHE 239, 385, BStBl&nbsp;II 2013, 663, Rz&nbsp;16).<\/p>\n\n\n\n<p>cc) Ist innerhalb der Festsetzungsfrist kein Antrag eingegangen, ist der Anspruch aus dem Steuerschuldverh\u00e4ltnis erloschen; Wiedereinsetzung in den vorigen Stand ist nicht m\u00f6glich (vgl. BFH-Urteil vom 24.01.2008&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;3\/07, BFHE 220, 214, BStBl&nbsp;II 2008, 462, unter II.2.b, Rz&nbsp;15). Dasselbe gilt, wenn sich das Ziel des Steuerpflichtigen nicht durch Auslegung des eingereichten Schreibens ermitteln l\u00e4sst (vgl. BFH-Urteil in BFH\/NV 2016, 74, Rz&nbsp;18, unter Verweis auf das &#8211;zu \u00a7&nbsp;172 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 AO ergangene&#8211; Senatsurteil vom 27.10.1993&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;17\/93, BFHE 172, 493, BStBl&nbsp;II 1994, 439).<\/p>\n\n\n\n<p>dd) Ob und mit welcher Reichweite ein Antrag i.S. von \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO vorliegt, hat das FG im Wege der Auslegung (\u00a7&nbsp;133 des B\u00fcrgerlichen Gesetzbuchs) als Tatsacheninstanz zu ermitteln (z.B. BFH-Urteil vom 15.05.2013&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;5\/11, BFHE 241, 310, BStBl&nbsp;II 2014, 143, Rz&nbsp;22, m.w.N.).<\/p>\n\n\n\n<p>d) Diese Rechtsprechung entwickelt der erkennende Senat dahin gehend fort, dass sich auch in F\u00e4llen des \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO, in denen der Steuerpflichtige zur Einreichung einer Steuererkl\u00e4rung gesetzlich verpflichtet ist, das von ihm verfolgte Begehren seinem sachlichen Gehalt nach zumindest in groben Z\u00fcgen bereits aus dem fristgerecht gestellten Antrag selbst ergeben muss, so dass Angaben zur rein betragsm\u00e4\u00dfigen Auswirkung auf die Steuerfestsetzung f\u00fcr die Bestimmtheit des Antrags f\u00fcr sich genommen nicht ausreichend sind.<\/p>\n\n\n\n<p>aa) Im Bereich der &#8222;schlichten \u00c4nderung&#8220; (\u00a7&nbsp;172 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a AO) versteht der BFH das dort geltende Antragserfordernis dahin gehend, dass sich auch das vom Steuerpflichtigen verfolgte \u00c4nderungsbegehren seinem sachlichen Gehalt nach zumindest in groben Z\u00fcgen bereits aus dem fristgerecht gestellten Antrag auf &#8222;schlichte&#8220; \u00c4nderung selbst ergeben muss, so dass Angaben zur rein betragsm\u00e4\u00dfigen Auswirkung der \u00c4nderung auf die Steuerfestsetzung f\u00fcr die Bestimmtheit des Antrags f\u00fcr sich genommen nicht ausreichend sind (grundlegend BFH-Urteil vom 20.12.2006&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;30\/05, BFHE 216, 31, BStBl&nbsp;II 2007, 503, unter II.3., Rz&nbsp;13, 14&nbsp;ff., 23&nbsp;ff.; s.a. BFH-Urteile vom 25.09.2013&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;46\/11, juris, Rz&nbsp;26; vom 18.09.2014&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;80\/13, BFHE 247, 111, BStBl&nbsp;II 2015, 115, Rz&nbsp;22; BFH-Beschluss vom 22.05.2019&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;17\/18, BFHE 264, 399, BStBl&nbsp;II 2019, 647, Rz&nbsp;26&nbsp;f.).<\/p>\n\n\n\n<p>(1) Der BFH hat diese Auffassung damit begr\u00fcndet, dass eine dem \u00a7&nbsp;367 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 AO vergleichbare Vorschrift f\u00fcr das Verfahren bei einem Antrag auf &#8222;schlichte&#8220; \u00c4nderung fehle und dieser nur eine punktuelle Korrektur erm\u00f6gliche (vgl. BFH-Urteile vom 07.07.2004&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;10\/03, BFHE 206, 303, BStBl&nbsp;II 2004, 911, unter II.3.c, Rz&nbsp;20; vom 04.05.2011&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;67\/10, BFH\/NV 2012, 6, Rz&nbsp;27). Die Finanzbeh\u00f6rde habe zu pr\u00fcfen, ob sie dem Begehren des Antragstellers &#8222;der Sache nach&#8220; entsprechen kann. Um diese Aufgabe erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen, m\u00fcsse f\u00fcr die Beh\u00f6rde erkennbar sein, auf welche sachverhaltsbezogenen Korrekturpunkte der Antrag ziele. Die blo\u00df betragsm\u00e4\u00dfige Benennung eines \u00c4nderungsrahmens ohne Angabe eines gegen\u00fcber den bisherigen Besteuerungsgrundlagen abweichenden Lebenssachverhalts erm\u00f6gliche der Beh\u00f6rde dies gerade nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>(2) An die Konkretisierung des Antrags auf &#8222;schlichte&#8220; \u00c4nderung sind allerdings keine strengeren Anforderungen zu stellen als an die Bezeichnung des Gegenstands des Klagebegehrens in Sch\u00e4tzungsf\u00e4llen (vgl. BFH-Beschluss in BFHE 264, 399, BStBl&nbsp;II 2019, 647, Rz&nbsp;37).<\/p>\n\n\n\n<p>(3) Die Pr\u00fcfung, ob der Antrag in diesem Sinne hinreichend konkretisiert ist, obliegt dem FG; der BFH ist an dessen tats\u00e4chliche W\u00fcrdigung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO gebunden, wenn sie verfahrensrechtlich einwandfrei zustande gekommen und aufgrund der festgestellten Tatsachen m\u00f6glich ist, die Grunds\u00e4tze der Auslegung von Willenserkl\u00e4rungen beachtet sowie weder gegen Denkgesetze noch gegen Erfahrungss\u00e4tze verst\u00f6\u00dft (vgl. BFH-Beschluss in BFHE 264, 399, BStBl&nbsp;II 2019, 647, Rz&nbsp;28, m.w.N.).<\/p>\n\n\n\n<p>bb) Die Frage, ob diese Rechtsprechung auf den Antrag i.S. des \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO \u00fcbertragbar ist, ist bisher umstritten.<\/p>\n\n\n\n<p>(1) W\u00e4hrend die Vorentscheidung in Rz&nbsp;63&nbsp;f. (juris) diese Frage verneint hat, haben das FG Baden-W\u00fcrttemberg (Urteil in EFG 2008, 756, Rz&nbsp;27, rkr.), das FG Berlin-Brandenburg (Urteil vom 03.05.2007&nbsp;&#8211; 13&nbsp;K&nbsp;1095\/02, EFG 2009, 964, Rz&nbsp;34) und das FG Hamburg (Urteil vom 12.02.2010&nbsp;&#8211; 4&nbsp;K&nbsp;243\/08, juris, Rz&nbsp;52, rkr.) abweichend entschieden. Das Nieders\u00e4chsische FG (Urteil vom 13.09.2012&nbsp;&#8211; 15&nbsp;K&nbsp;249\/11, EFG 2012, 2290, Rz&nbsp;18, rkr.) und das FG N\u00fcrnberg (Urteil vom 08.07.2015&nbsp;&#8211; 3&nbsp;K&nbsp;1339\/14, juris, Rz&nbsp;36, rkr.) haben es f\u00fcr einen Antrag auf Gew\u00e4hrung von Kindergeld f\u00fcr erforderlich gehalten, dass im Antrag das\/die Kind(er) anzugeben ist\/sind, f\u00fcr das\/die Kindergeld beantragt wird. Auch ihnen gen\u00fcgt damit eine betragsm\u00e4\u00dfige Angabe nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>(2) In der Literatur wird teilweise eine \u00dcbertragbarkeit der Rechtsprechung angenommen (so ausdr\u00fccklich Paetsch in Gosch, AO \u00a7&nbsp;171 Rz&nbsp;24; Dr\u00fcen in Tipke\/Kruse, \u00a7&nbsp;171 AO Rz&nbsp;13; Witt\/Kersten, AO-eKommentar, \u00a7&nbsp;171 Rz&nbsp;6; wohl auch Banniza in HHSp, \u00a7&nbsp;171 AO Rz&nbsp;28, 32; Klein\/R\u00fcsken, AO, 15.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;171 Rz&nbsp;12; offen G\u00fcnther, Der AO-Steuerberater 2020, 61, 62) und der Vorentscheidung widersprochen (vgl. Dr\u00fcen in Tipke\/Kruse, \u00a7&nbsp;171 AO Rz&nbsp;13; Wackerbeck in EFG 2019, 664, 668; BeckOK AO\/Fink, 13.&nbsp;Ed. [01.07.2020] AO \u00a7&nbsp;171 Rz&nbsp;79a). Geltend gemacht wird, dass ansonsten ein Steuerpflichtiger, der trotz bestehender Verpflichtung zur Abgabe einer Steuererkl\u00e4rung innerhalb der Festsetzungsfrist zun\u00e4chst lediglich einen Antrag auf Steuerfestsetzung nach \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO stelle, besser gestellt werde.<\/p>\n\n\n\n<p>cc) Der Senat folgt der zuletzt angef\u00fchrten Auffassung. Will ein zur Einreichung einer Steuererkl\u00e4rung verpflichteter Steuerpflichtiger einen Antrag i.S. des \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO stellen, muss er daher Angaben machen, deren Erkl\u00e4rungswert \u00fcber die Ank\u00fcndigung einer Steuererkl\u00e4rung mit einem bestimmten Gesamtbetrag der Eink\u00fcnfte hinausgeht.<\/p>\n\n\n\n<p>(1) Eine \u00dcbertragung der Grunds\u00e4tze des \u00a7&nbsp;172 Abs.&nbsp;1 Satz 1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a AO auf \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO ist grunds\u00e4tzlich m\u00f6glich; dies folgt schon daraus, dass bereits der VII. Senat des BFH im Zusammenhang mit der Auslegung eines solchen Antrags in Rz&nbsp;18 des BFH-Urteils in BFH\/NV 2016, 74 auf die Rechtsprechung zu \u00a7&nbsp;172 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a AO (d.h. das Senatsurteil in BFHE 172, 493, BStBl&nbsp;II 1994, 439) zur\u00fcckgegriffen hat, um das Ziel des Antrags des Steuerpflichtigen zu ermitteln.<\/p>\n\n\n\n<p>(2) F\u00fcr eine \u00dcbertragung der Rechtsprechung in der hier zu beurteilenden Frage spricht zun\u00e4chst, dass auch einem vor Abgabe der Steuererkl\u00e4rung eingereichten Schreiben &#8211;ebenso wie einem Begleitschreiben zu einer Steuererkl\u00e4rung (vgl. dazu BFH-Urteil in BFHE 241, 310, BStBl&nbsp;II 2014, 143)&#8211; grunds\u00e4tzlich kein \u00fcber die (noch abzugebende) Erkl\u00e4rung hinausgehender Erkl\u00e4rungswert zukommt, wenn der Steuerpflichtige mit dem Schreiben im Ergebnis lediglich ank\u00fcndigt, dass er beabsichtigt, zuk\u00fcnftig eine Steuererkl\u00e4rung mit einem bestimmten Gesamtbetrag der Eink\u00fcnfte abgeben zu wollen. Es besteht kein Grund, ein solches Schreiben, das eine Steuerfestsetzung oder Verlustfeststellung zwar formal beantragt, aber lediglich mitteilt, wie hoch die festzusetzende Steuer und der Gesamtbetrag der Eink\u00fcnfte seien, gegen\u00fcber einem Begleitschreiben zu einer eingereichten Steuererkl\u00e4rung mit denselben Angaben zu privilegieren.<\/p>\n\n\n\n<p>(3) Diese Beurteilung f\u00fchrt zu einer (nach Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 des Grundgesetzes verfassungsrechtlich gebotenen) Gleichbehandlung der zur Abgabe von Steuererkl\u00e4rungen verpflichteten Steuerpflichtigen: Ein Steuerpflichtiger, der innerhalb der Festsetzungsfrist zun\u00e4chst lediglich einen Antrag auf Steuerfestsetzung nach \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO stellt, dessen Erkl\u00e4rungswert nicht \u00fcber den der noch einzureichenden Steuererkl\u00e4rung hinausgeht, wird dadurch nicht besser gestellt als ein Steuerpflichtiger, der zusammen mit seinem Antrag nach \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO seine Steuererkl\u00e4rung abgibt.<\/p>\n\n\n\n<p>(4) Andererseits ist der Senat nicht der Auffassung, dass bei zur Abgabe einer Steuererkl\u00e4rung verpflichteten Steuerpflichtigen ein Antrag nach \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO von vornherein ausgeschlossen ist (vgl. ebenso f\u00fcr Antr\u00e4ge nach Einreichung der Steuererkl\u00e4rung BFH-Urteil in BFHE 239, 385, BStBl&nbsp;II 2013, 663, Rz&nbsp;19; a.A. insoweit Banniza in HHSp, \u00a7&nbsp;171 AO Rz&nbsp;28; Paetsch in Gosch, AO \u00a7&nbsp;171 Rz&nbsp;26). Auch bei ihnen darf &#8211;entsprechend dem Gesetzeszweck des \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO&#8211; der Erfolg eines einmal gestellten Antrags nicht von der Arbeitsweise und -geschwindigkeit der Beh\u00f6rde abh\u00e4ngen und eine antragsgem\u00e4\u00dfe Entscheidung nicht allein daran scheitern, dass die Beh\u00f6rde die Pr\u00fcfung des Antrags nicht innerhalb der nach anderen Vorschriften zu bestimmenden Festsetzungsfrist abschlie\u00dft. Der Wortlaut des \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO bietet f\u00fcr eine derart einschr\u00e4nkende Auslegung einer zum Schutz der Steuerpflichtigen geschaffenen Vorschrift keine hinreichende St\u00fctze.<\/p>\n\n\n\n<p>(5) Allerdings greift der unter III.2.a&nbsp;aa und soeben unter III.2.d&nbsp;cc (4) genannte Grundsatz, dass der Erfolg oder Misserfolg des Antrags des Steuerpflichtigen nicht von der Arbeitsweise und -geschwindigkeit der Beh\u00f6rde abh\u00e4ngen darf, nur dann ein, wenn der Steuerpflichtige vor Ablauf der Festsetzungsfrist tats\u00e4chliche Angaben macht, die die Beh\u00f6rde \u00fcberhaupt in die Lage versetzen, das Begehren der Sache nach zu bearbeiten. Unterl\u00e4sst er dies, h\u00e4ngt der Erfolg oder Misserfolg seines Antrags nicht von der Arbeitsweise und -geschwindigkeit der Beh\u00f6rde ab, sondern ist durch seine fehlenden Angaben veranlasst.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Gedanke kommt in der zu \u00a7&nbsp;172 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a AO ergangenen Rechtsprechung ebenfalls zum Ausdruck (s. unter III.2.d&nbsp;aa (1)): Ein bezifferter Antrag des Steuerpflichtigen &#8211;im Streitfall ausgehend von einem Gesamtbetrag der Eink\u00fcnfte von -1&nbsp;Mio.&nbsp;\u20ac die K\u00f6rperschaftsteuer auf 0&nbsp;\u20ac festzusetzen und einen vortragsf\u00e4higen Gewerbeverlust in H\u00f6he von 1&nbsp;Mio.&nbsp;\u20ac festzustellen&#8211; kann vom FA nur dann in der Sache bearbeitet werden, wenn der Steuerpflichtige tats\u00e4chliche Angaben zu den Besteuerungsgrundlagen macht. Dies gilt bei \u00a7&nbsp;172 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a AO (der beim Gewerbesteuermessbetrag 2008 vom FA herangezogen wurde) und bei \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO in gleicher Weise.<\/p>\n\n\n\n<p>(6) Zugleich entspricht der bei \u00a7&nbsp;172 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a AO vom BFH gew\u00e4hlte Ansatz, vom Steuerpflichtigen zur Substantiierung seines Antrags vor Abgabe der Steuererkl\u00e4rung Angaben zu verlangen, die in Sch\u00e4tzungsf\u00e4llen zur Bezeichnung des Gegenstands des Klagebegehrens notwendig sind (s. unter III.2.d&nbsp;aa&nbsp;(2)), dem wirtschaftlichen Gehalt des Antrags i.S. des \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO, mit dem ein zur Abgabe von Steuererkl\u00e4rungen verpflichteter Steuerpflichtiger eine bestimmte Steuerfestsetzung beantragt, ohne die Steuererkl\u00e4rung gleichzeitig beim FA einzureichen oder zuvor beim FA eingereicht zu haben: Im Ergebnis beantragt er damit beim FA, es m\u00f6ge aufgrund der Nichtabgabe der Steuererkl\u00e4rung die Steuer gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;162 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1, Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 und 2 AO mit den vom Steuerpflichtigen gesch\u00e4tzten Besteuerungsgrundlagen festsetzen. Soweit dem Steuerpflichtigen &#8211;wie im Streitfall&#8211; wegen fehlender Unterlagen genaue Angaben (noch) nicht m\u00f6glich sind, muss er nach Auffassung des Senats zur Konkretisierung seines Antrags gegen\u00fcber dem FA eine substantiierte eigene Sch\u00e4tzung anhand der ihm zug\u00e4nglichen Erkenntnisquellen vornehmen (vgl. zu diesem Erfordernis in Sch\u00e4tzungsf\u00e4llen gegen\u00fcber dem Gericht die BFH-Beschl\u00fcsse vom 31.07.2007&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;41\/05, BFH\/NV 2007, 2304, unter a, Rz&nbsp;6; vom 14.08.2013&nbsp;&#8211; III&nbsp;B&nbsp;13\/13, BFH\/NV 2013, 1795, Rz&nbsp;11; vom 22.09.2015&nbsp;&#8211; I&nbsp;B&nbsp;61\/15, BFH\/NV 2016, 414, Rz&nbsp;8; vom 23.06.2017&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;11\/17, BFH\/NV 2017, 1440, Rz&nbsp;14), und zwar gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO vor Ablauf der Festsetzungsfrist. Der Rechtsschutz des Steuerpflichtigen wird dadurch &#8211;wie bei \u00a7&nbsp;65 FGO&#8211; nicht unzumutbar eingeschr\u00e4nkt, da sich der Umfang seiner Substantiierungspflicht nach den ihm zug\u00e4nglichen Erkenntnisquellen richtet. Dies gilt auch im Streitfall, in dem sich der Kl\u00e4ger als Insolvenzverwalter die zur Erstellung der Steuererkl\u00e4rung erforderlichen Unterlagen nach seinen Angaben erst bei Dritten beschaffen musste; Ma\u00dfstab f\u00fcr das an seinen Antrag zu richtende Erfordernis zur Substantiierung sind die ihm am Tag des Antrags zug\u00e4nglichen Erkenntnisquellen.<\/p>\n\n\n\n<p>(7) Diese Beurteilung stellt au\u00dferdem F\u00e4lle, in denen ein zur Abgabe von Steuererkl\u00e4rungen verpflichteter Steuerpflichtiger eine bestimmte Steuerfestsetzung beantragt, ohne die Steuererkl\u00e4rung beim FA einzureichen bzw. eingereicht zu haben, im Ergebnis weitgehend mit den F\u00e4llen gleich, in denen ein Steuerpflichtiger vor Ablauf der Festsetzungsfrist eine Steuererkl\u00e4rung mit ganz oder teilweise gesch\u00e4tzten Besteuerungsgrundlagen beim FA einreicht und anschlie\u00dfend einen (ggf. Unt\u00e4tigkeits-)Einspruch einlegt, falls das FA seiner Erkl\u00e4rung (ggf. i.S. des \u00a7&nbsp;367 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 AO ohne Mitteilung eines zureichenden Grundes binnen angemessener Frist) nicht folgt (s. dazu auch oben unter III.2.b). Dies tr\u00e4gt daher ebenfalls zur weitgehenden Gleichbehandlung aller zur Abgabe von Steuererkl\u00e4rungen verpflichteten Steuerpflichtigen bei, auch wenn der Umfang der Ablaufhemmung nach den \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 und Abs.&nbsp;3a AO nicht identisch ist.<\/p>\n\n\n\n<p>e) Unter Anlegung dieser Ma\u00dfst\u00e4be hat das FG zu Unrecht angenommen, dass der Antrag des Kl\u00e4gers vom 18.12.2015 nach \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO zu einer Ablaufhemmung gef\u00fchrt hat; die Vorentscheidung ist deshalb aufzuheben.<\/p>\n\n\n\n<p>aa) Da das FG im Rahmen der &#8211;nach den Ausf\u00fchrungen unter III.2.c&nbsp;dd ihm obliegenden&#8211; Pr\u00fcfung und Auslegung des Schreibens vom 18.12.2015 von unzutreffenden Rechtsgrunds\u00e4tzen ausgegangen ist, ist der Senat an die W\u00fcrdigung des FG, das Schreiben enthalte einen Antrag i.S. des \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO, nicht gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO gebunden.<\/p>\n\n\n\n<p>bb) Die tats\u00e4chlichen Feststellungen des FG reichen jedoch aus, um die erforderliche Pr\u00fcfung durch den erkennenden Senat selbst vorzunehmen. Eine Ablaufhemmung nach \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO ist nicht eingetreten. Das Schreiben vom 18.12.2015 enth\u00e4lt keinen Antrag i.S. des \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO; denn der Kl\u00e4ger hat dem FA in seinem Schreiben lediglich mehrere Steuer-, Verlust- und Eink\u00fcnftebetr\u00e4ge mitgeteilt, aber nicht den sachlichen Gehalt seines Begehrens in groben Z\u00fcgen. Insbesondere ist nicht ersichtlich, dass der Kl\u00e4ger zu den von ihm genannten Zahlen durch eine substantiierte eigene Sch\u00e4tzung anhand der ihm damals zug\u00e4nglichen Erkenntnisquellen gelangt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>3. Zutreffend gehen beide Beteiligte und das FG \u00fcbereinstimmend davon aus, dass der Ablauf der Festsetzungsfrist nicht nach \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;13 AO gehemmt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>a) Danach l\u00e4uft zwar die Festsetzungsfrist nicht vor Ablauf von drei Monaten nach Beendigung des Insolvenzverfahrens ab, soweit vor Ablauf der Festsetzungsfrist eine noch nicht festgesetzte Steuer im Insolvenzverfahren angemeldet wird. Das Insolvenzverfahren \u00fcber das Verm\u00f6gen der GmbH wurde auch erst am 28.05.2019 beendet. Au\u00dferdem wurde die K\u00f6rperschaftsteuer 2008 vom FA nicht festgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>b) Allerdings hat das FG festgestellt, dass das FA eine K\u00f6rperschaftsteuer 2008 nicht zur Tabelle angemeldet hat. Fehlt es insoweit an einer Forderungsanmeldung des FA, greift \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;13 AO nicht ein.<\/p>\n\n\n\n<p>4. Die Sache ist zum Streitjahr 2008 spruchreif im Sinne der Abweisung der Klage. Da der Ablauf der Festsetzungsfrist nicht nach den \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 oder 13 AO gehemmt war und eine sonstige Ablaufhemmung nicht ersichtlich ist, war die Festsetzungsfrist am 07.11.2016 bereits abgelaufen. Der Ablehnungsbescheid und die Einspruchsentscheidung f\u00fcr das Jahr 2008 sind daher rechtm\u00e4\u00dfig.<\/p>\n\n\n\n<p>5. Die Revision wegen des Streitjahres 2007 ist folglich ebenfalls begr\u00fcndet; die Vorentscheidung ist auch insoweit aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>a) Dabei pflichtet der Senat dem FG zun\u00e4chst darin bei, dass die Klageschrift vom 13.04.2007 dahin gehend auszulegen ist, dass auch die K\u00f6rperschaftsteuer 2007 Streitgegenstand ist.<\/p>\n\n\n\n<p>aa) Dies ergibt sich nach Auffassung des Senats schon daraus, dass der Kl\u00e4ger &#8211;wie sich aus S.&nbsp;2 der Klageschrift (&#8222;wegen \u2026 2. \u2026&#8220;) ergibt&#8211; gegen den Bescheid vom 24.11.2016, mit dem das FA den R\u00fccktrag des Verlusts nach 2007 abgelehnt hat, Klage erhoben und dabei &#8211;gem\u00e4\u00df der Sollvorschrift des \u00a7&nbsp;65 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 FGO&#8211; eine Abschrift (auch) dieses Bescheids (zusammen mit der Einspruchsentscheidung vom 13.03.2017, mit der das FA den Einspruch des Kl\u00e4gers auch insoweit als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen hat), \u00fcbersandt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>bb) Auch hat der Kl\u00e4ger die Klage wegen K\u00f6rperschaftsteuer 2007 nicht zur\u00fcckgenommen. Ein solcher Erkl\u00e4rungswille kann dem Schreiben vom 04.07.2017 nicht beigemessen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>b) Allerdings ist die Revision des FA auch insoweit begr\u00fcndet. Die Klage ist jedenfalls unbegr\u00fcndet. Zwar ist auch der Antrag auf Durchf\u00fchrung eines Verlustr\u00fccktrags ein Antrag i.S. des \u00a7&nbsp;171 Abs.&nbsp;3 AO (vgl. BFH-Urteil in BFH\/NV 2008, 1676, unter II.2.c bb, Rz&nbsp;30). Jedoch ist nach den Ausf\u00fchrungen unter III.1. bis 4. die Festsetzungsfrist f\u00fcr das Jahr 2008 am 31.12.2015 abgelaufen. Daher war auch der Ablauf der Festsetzungsfrist f\u00fcr die K\u00f6rperschaftsteuer 2007 nicht, wie das FG angenommen hat, nach \u00a7&nbsp;10d Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;4 EStG i.V.m. \u00a7&nbsp;8 Abs.&nbsp;1 des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes \u00fcber den 31.12.2015 hinaus gehemmt. Die Festsetzungsfrist f\u00fcr das Jahr 2007 war am 07.11.2016 ebenfalls abgelaufen. Der Ablehnungsbescheid und die Einspruchsentscheidung sind daher auch f\u00fcr das Jahr 2007 rechtm\u00e4\u00dfig; die Klage wegen K\u00f6rperschaftsteuer 2007 ist &#8211;unter Aufhebung der Vorentscheidung&#8211; abzuweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>6. Die Darlegungen und Rechtsausf\u00fchrungen des Kl\u00e4gers im Schriftsatz vom 24.09.2020 bieten keinen Anlass, die m\u00fcndliche Verhandlung nach \u00a7&nbsp;93 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 FGO wiederzuer\u00f6ffnen.<\/p>\n\n\n\n<p>7. Die Kostenentscheidung folgt aus \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Urteil vom 23. September 2020, XI R 1\/19 ECLI:DE:BFH:2020:U.230920.XIR1.19.0 BFH XI. 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