{"id":73649,"date":"2021-03-19T17:57:19","date_gmt":"2021-03-19T15:57:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=73649"},"modified":"2021-03-19T17:57:19","modified_gmt":"2021-03-19T15:57:19","slug":"zulaessigkeit-eines-antrags-nach-%c2%a7-86-abs-3-satz-1-fgo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/zulaessigkeit-eines-antrags-nach-%c2%a7-86-abs-3-satz-1-fgo\/","title":{"rendered":"Zul\u00e4ssigkeit eines Antrags nach \u00a7 86 Abs. 3 Satz 1 FGO"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Beschluss vom 09. Dezember 2020, II S 11\/20<\/h1>\n\n\n\n<p>ECLI:DE:BFH:2020:B.091220.IIS11.20.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH II. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>FGO \u00a7 71 Abs 2 , FGO \u00a7 86 Abs 3 S 1<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG M\u00fcnchen, 11. Mai 2020, Az: 15 K 2067\/18<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Eine Entscheidung des BFH dar\u00fcber, ob die Verweigerung der Vorlage von Akten rechtm\u00e4\u00dfig ist, setzt voraus, dass das FG die Entscheidungserheblichkeit der fraglichen Akten gepr\u00fcft und bejaht hat.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Antrag des Kl\u00e4gers nach \u00a7 86 Abs. 3 Satz 1 der Finanzgerichtsordnung wird als unzul\u00e4ssig verworfen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Der Kl\u00e4ger und Antragsteller (Kl\u00e4ger) forderte den Beklagten und Antragsgegner (Beklagter) durch Schreiben vom 23.05.2018 unter Hinweis auf die Datenschutzgrundverordnung und das Bundesdatenschutzgesetz zur Erteilung einer Auskunft \u00fcber alle zu ihm gespeicherten Informationen auf.<\/li><li>Der Beklagte lehnte am 25.06.2018 den Antrag unter Berufung auf \u00a7&nbsp;32c Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 i.V.m. \u00a7&nbsp;32b Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 oder Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) ohne Begr\u00fcndung ab.<\/li><li>Die dagegen gerichtete Klage stellte das Finanzgericht (FG) dem Beklagten am 10.08.2018 mit folgendem Zusatz zu: &#8222;Bitte \u00fcbersenden Sie alle den Streitfall betreffenden Akten m\u00f6glichst umgehend &#8230;&#8220;. Am 25.09.2018 wandte sich das FG erneut an den Beklagten, teilte mit, dass Antrag auf Akteneinsicht gestellt worden sei und f\u00fchrte aus: &#8222;Bitte \u00fcbersenden Sie alle den Streitfall betreffenden Akten m\u00f6glichst umgehend &#8230; An das gerichtliche Schreiben vom 10.08.2018 wird erinnert.&#8220;<\/li><li>Mit Schreiben vom 14.11.2018 beantragte der Beklagte, die Klage abzuweisen, und verweigerte die \u00dcbersendung der &#8222;den Streitfall betreffenden Akten&#8220;, da sonst die Hauptsache vorweggenommen w\u00fcrde.<\/li><li>Mit Schreiben vom 28.04.2020 stellte der Kl\u00e4ger einen Antrag nach \u00a7&nbsp;86 Abs.&nbsp;3 der Finanzgerichtsordnung (FGO), worauf das FG mit Beschluss vom 11.05.2020 dem Bundesfinanzhof (BFH) den Antrag zur Entscheidung vorgelegt hat.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Der Antrag nach \u00a7&nbsp;86 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 FGO ist unzul\u00e4ssig.<\/li><li>1. Nach \u00a7&nbsp;86 Abs.&nbsp;1 FGO sind Beh\u00f6rden zur Vorlage von Urkunden und Akten, zur \u00dcbermittlung elektronischer Dokumente und zu Ausk\u00fcnften verpflichtet, soweit nicht durch das Steuergeheimnis (\u00a7&nbsp;30 AO) gesch\u00fctzte Verh\u00e4ltnisse Dritter unbefugt offenbart werden. Nach Abs.&nbsp;2 der Vorschrift kann die Vorlage von Urkunden oder Akten, die \u00dcbermittlung elektronischer Dokumente und die Erteilung von Ausk\u00fcnften verweigert werden, wenn die Vorg\u00e4nge aus bestimmten Gr\u00fcnden geheim gehalten werden m\u00fcssen. Nach \u00a7&nbsp;86 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 FGO stellt der BFH auf Antrag eines Beteiligten in den F\u00e4llen der Abs.&nbsp;1 und 2 ohne m\u00fcndliche Verhandlung durch Beschluss fest, ob die Verweigerung der Vorlage der Urkunden oder Akten, die \u00dcbermittlung elektronischer Dokumente oder die Verweigerung der Erteilung von Ausk\u00fcnften rechtm\u00e4\u00dfig ist. Der Antrag ist bei dem f\u00fcr die Hauptsache zust\u00e4ndigen Gericht zu stellen (\u00a7&nbsp;86 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 FGO).<\/li><li>2. Ein Antrag nach \u00a7&nbsp;86 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 FGO setzt voraus, dass das FG im finanzgerichtlichen Verfahren die Vorlage der betreffenden Unterlagen oder die Erteilung von Ausk\u00fcnften konkret angeordnet hatte und die ersuchte Beh\u00f6rde sich daraufhin geweigert hat, dieser Aufforderung nachzukommen (BFH-Beschl\u00fcsse vom 18.07.2006&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;65\/06, BFH\/NV 2006, 1699, unter II.2.b; vom 25.02.2014&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;60\/12, BFHE 244, 234, BStBl II 2014, 478, Rz&nbsp;6, m.w.N., und vom 12.03.2019&nbsp;&#8211; XI&nbsp;B&nbsp;9\/19, BFH\/NV 2019, 837, Rz&nbsp;12, m.w.N.).<\/li><li>a) Nach \u00a7&nbsp;71 Abs.&nbsp;2 FGO hat der Beklagte dem FG &#8222;die den Streitfall betreffenden Akten&#8220; zu \u00fcbermitteln. Dazu geh\u00f6rt jedes Aktenst\u00fcck, das f\u00fcr die Beurteilung der Sach- und Rechtslage erheblich und f\u00fcr die Entscheidung des Rechtsstreits von Bedeutung sein kann (vgl. BFH-Beschl\u00fcsse vom 16.01.2013&nbsp;&#8211; III&nbsp;S&nbsp;38\/11, BFH\/NV 2013, 701, Rz&nbsp;13, und in BFH\/NV 2019, 837, Rz&nbsp;15, jeweils m.w.N.). Es ist Sache des FG zu entscheiden, welche Akten es tats\u00e4chlich f\u00fcr entscheidungserheblich h\u00e4lt. In Zweifelsf\u00e4llen hat das FG den konkreten Zusammenhang mit dem Streitfall darzulegen (BFH-Beschluss vom 16.04.2020&nbsp;&#8211; VII&nbsp;S&nbsp;35\/19, BFH\/NV 2020, 1076, Rz&nbsp;20, m.w.N.).<\/li><li>Eine Entscheidung des BFH dar\u00fcber, ob die Verweigerung der Vorlage von Akten rechtm\u00e4\u00dfig ist, setzt damit voraus, dass das FG die Entscheidungserheblichkeit der fraglichen Akten gepr\u00fcft und bejaht hat (vgl. zu \u00a7&nbsp;99 Abs.&nbsp;2 der Verwaltungsgerichtsordnung: Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts vom 31.08.2009&nbsp;&#8211; 20&nbsp;F&nbsp;10\/08, Neue Zeitschrift f\u00fcr Verwaltungsrecht 2010, 194, Rz&nbsp;3, 4).<\/li><li>b) F\u00fcr die Zul\u00e4ssigkeit des Antrags nach \u00a7&nbsp;86 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 FGO fehlt es im Streitfall an einer konkreten Aufforderung des FG an den Beklagten, entscheidungserhebliche Akten vorzulegen. Das FG hat durch die Wiederholung des Wortlauts des \u00a7&nbsp;71 Abs.&nbsp;2 FGO im Rahmen der \u00dcbermittlung der Klageschrift weder konkret die als entscheidungserheblich erachteten Aktenteile benannt noch begr\u00fcndet, warum es diese mit Blick auf die Zul\u00e4ssigkeit der Klage, die materiell-rechtlichen Voraussetzungen des geltend gemachten Anspruchs oder zu pr\u00fcfende Ablehnungsgr\u00fcnde im konkreten Fall f\u00fcr entscheidungserheblich erachtet. Es ist daher nicht klar erkennbar, hinsichtlich welcher Akten der Beklagte die Vorlage verweigert hat.<\/li><li>3. Einer Beiladung der obersten Aufsichtsbeh\u00f6rde nach \u00a7&nbsp;86 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;4 FGO bedarf es nicht, wenn &#8211;wie hier&#8211; der Antrag nach \u00a7&nbsp;86 Abs.&nbsp;3 FGO unzul\u00e4ssig ist und die Interessen der obersten Aufsichtsbeh\u00f6rde daher nicht betroffen sein k\u00f6nnen (BFH-Beschluss in BFHE 244, 234, BStBl II 2014, 478, Rz&nbsp;8).<\/li><li>4. Das Verfahren nach \u00a7&nbsp;86 Abs.&nbsp;3 FGO ist jedenfalls dann, wenn &#8211;wie hier&#8211; der Antrag erfolglos geblieben ist, ein unselbst\u00e4ndiges Zwischenverfahren, so dass es keiner eigenst\u00e4ndigen Kostenentscheidung bedarf (BFH-Beschl\u00fcsse in BFH\/NV 2020, 1076, Rz&nbsp;22, und in BFHE 244, 234, BStBl II 2014, 478, Rz&nbsp;9, jeweils m.w.N.).<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beschluss vom 09. Dezember 2020, II S 11\/20 ECLI:DE:BFH:2020:B.091220.IIS11.20.0 BFH II. Senat FGO \u00a7 71 Abs 2 , FGO \u00a7 86 Abs 3 S 1 vorgehend FG M\u00fcnchen, 11. Mai 2020, Az: 15 K 2067\/18 Leits\u00e4tze NV: Eine Entscheidung des BFH dar\u00fcber, ob die Verweigerung der Vorlage von Akten rechtm\u00e4\u00dfig ist, setzt voraus, dass das &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/zulaessigkeit-eines-antrags-nach-%c2%a7-86-abs-3-satz-1-fgo\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Zul\u00e4ssigkeit eines Antrags nach \u00a7 86 Abs. 3 Satz 1 FGO<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-73649","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73649","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=73649"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73649\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=73649"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=73649"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=73649"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}