{"id":73706,"date":"2021-04-06T12:58:11","date_gmt":"2021-04-06T10:58:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=73706"},"modified":"2021-04-06T12:58:11","modified_gmt":"2021-04-06T10:58:11","slug":"zuwendungsgegenstand-bei-mehrmonatiger-reise-mit-zugebuchten-leistungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/zuwendungsgegenstand-bei-mehrmonatiger-reise-mit-zugebuchten-leistungen\/","title":{"rendered":"Zuwendungsgegenstand bei mehrmonatiger Reise mit zugebuchten Leistungen"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Urteil vom 16. September 2020, II R 24\/18<\/h1>\n\n\n\n<p>ECLI:DE:BFH:2020:U.160920.IIR24.18.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH II. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>ErbStG \u00a7 7 Abs 1 Nr 1 , AO \u00a7 119 Abs 1 , AO \u00a7 157 Abs 1 S 2 , ErbStG \u00a7 1 Abs 1 Nr 2<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG Hamburg, 12. Juni 2018, Az: 3 K 77\/17<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>Mehrere Steuerf\u00e4lle erfordern grunds\u00e4tzlich entweder eine Festsetzung in getrennten Steuerbescheiden oder &#8211;bei k\u00f6rperlicher Zusammenfassung in einem Schriftst\u00fcck&#8211; die genaue Angabe, welche Lebenssachverhalte (Besteuerungstatbest\u00e4nde) dem Steuerbescheid zugrunde liegen, sowie eine gesonderte Steuerfestsetzung f\u00fcr jeden einzelnen Lebenssachverhalt (Steuerfall).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Finanzgerichts Hamburg vom 12.06.2018 &#8211; 3 K 77\/17 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Der Kl\u00e4ger und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4ger) buchte im August 2014 bei einem Reiseveranstalter f\u00fcr sich und seine Lebensgef\u00e4hrtin eine f\u00fcnfmonatige Kreuzfahrt von A nach B.<\/li><li>Der Reiseveranstalter erteilte dem Kl\u00e4ger am 10.02.2015 und am 29.09.2015 zwei Rechnungen f\u00fcr die Kosten der Kreuzfahrt in der h\u00f6chsten Kategorie \u00fcber insgesamt 500.000&nbsp;\u20ac. In diesem Betrag sind die Kosten f\u00fcr die Anreise beider Personen enthalten. Der Preis der Luxuskabine, in der bis zu vier Personen Platz fanden, war nach der Angebotsgestaltung des Reiseveranstalters unabh\u00e4ngig von der tats\u00e4chlich angemeldeten Personenzahl.<\/li><li>W\u00e4hrend der Reise entstanden weitere Kosten in H\u00f6he von insgesamt 45.000&nbsp;\u20ac f\u00fcr beide Personen (Ausfl\u00fcge, Restaurantbesuche, Inanspruchnahme von Spa-, Fitness- und Fris\u00f6rdienstleistungen an Bord). Diese zus\u00e4tzlichen Leistungen wurden gesondert gebucht und \u00fcber das &#8222;Bordkonto&#8220; taggenau abgerechnet.<\/li><li>Die Aufwendungen f\u00fcr die Reise wurden vollumf\u00e4nglich vom Kl\u00e4ger getragen. Seine Lebensgef\u00e4hrtin w\u00e4re aus eigenen Mitteln zur Unternehmung einer solchen Reise finanziell nicht in der Lage gewesen.<\/li><li>Am 24.06.2016 gab der Kl\u00e4ger eine Schenkungsteuererkl\u00e4rung ab, in der er eine Zuwendung an seine Lebensgef\u00e4hrtin in H\u00f6he von rund 25.000&nbsp;\u20ac erkl\u00e4rte (anteilige Kosten f\u00fcr die Anreise, einen Flug nach E, Ausfl\u00fcge und Verpflegung). Der Kl\u00e4ger erkl\u00e4rte, er werde die Schenkungsteuer \u00fcbernehmen.<\/li><li>Mit Schenkungsteuerbescheid vom 05.07.2016 setzte der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) f\u00fcr eine freigebige Zuwendung &#8222;zum 10.02.2015&#8220; gegen\u00fcber dem Kl\u00e4ger eine Steuer in H\u00f6he von rund 100.000&nbsp;\u20ac fest. Dabei legte es einen steuerpflichtigen Erwerb der Lebensgef\u00e4hrtin in H\u00f6he von rund 300.000&nbsp;\u20ac zugrunde, in den u.a. die halben Gesamtreisekosten eingegangen waren. Den Erwerb bezeichnete das FA im Bescheid als &#8222;sonstige Forderung&#8220; mit der Erl\u00e4uterung: &#8222;Schenkung Weltreise &#8230;&#8220; und erl\u00e4uterte, der Gegenstand der Zuwendung sei die gemeinsame Weltreise.<\/li><li>Mit Einspruchsentscheidung vom 01.03.2017 setzte das FA die Schenkungsteuer herab und wies den Einspruch im \u00dcbrigen als unbegr\u00fcndet zur\u00fcck. Im Rahmen der Einspruchsentscheidung differenzierte das FA zwischen &#8222;Buchung der Reise&#8220; (500.000&nbsp;\u20ac), &#8222;Flug D-E&#8220; (900&nbsp;\u20ac) und &#8222;Ausfl\u00fcge und Verpflegung&#8220; (45.000&nbsp;\u20ac).<\/li><li>Das Finanzgericht (FG) gab der Klage statt. Die Mitnahme auf die Kreuzfahrt erf\u00fclle weder als Verschaffung eines eigenen Anspruchs gegen\u00fcber dem Reiseveranstalter noch im Hinblick auf die tats\u00e4chliche Durchf\u00fchrung den Tatbestand einer freigebigen Zuwendung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;7 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 des Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetzes (ErbStG). Der Kl\u00e4ger habe seiner Lebensgef\u00e4hrtin zwar ein eigenes, aber kein frei verf\u00fcgbares Forderungsrecht auf Durchf\u00fchrung der Reise verschafft. Sie habe auch keine eigenen Aufwendungen erspart. Die Kosten\u00fcbernahme f\u00fcr Anreise, Fl\u00fcge, Ausfl\u00fcge und Verpflegung teile dieses Schicksal. Das Urteil ist in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2018, 1559 ver\u00f6ffentlicht.<\/li><li>Mit der Revision macht das FA eine Verletzung materiellen Rechts (\u00a7&nbsp;7 ErbStG; \u00a7\u00a7&nbsp;814, 819 Abs.&nbsp;1 des B\u00fcrgerlichen Gesetzbuchs &#8211;BGB&#8211;) geltend.<\/li><li>Das FA beantragt,<br \/>die Vorentscheidung aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger beantragt,<br \/>die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision ist unbegr\u00fcndet und deshalb zur\u00fcckzuweisen (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;4 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Die Aufhebung der angefochtenen Bescheide erweist sich im Ergebnis bereits deshalb als zutreffend, weil das FA der Besteuerung zu Unrecht eine einheitliche Schenkung zugrunde gelegt hat.<\/li><li>1. Nach \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 i.V.m. \u00a7&nbsp;7 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 ErbStG unterliegt der Schenkungsteuer jede freigebige Zuwendung unter Lebenden, soweit der Bedachte durch sie auf Kosten des Zuwendenden bereichert wird. In objektiver Hinsicht bedarf es einer Verm\u00f6gensverschiebung, d.h. einer Verm\u00f6gensminderung auf der Seite des Zuwendenden und einer Verm\u00f6gensmehrung auf der Seite des Bedachten (vgl. Urteile des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 13.09.2017&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;54\/15, BFHE 260, 181, BStBl II 2018, 292, Rz&nbsp;12, und vom 03.07.2019&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;6\/16, BFHE 265, 421, BStBl II 2020, 61, Rz&nbsp;15, jeweils m.w.N.), und der (objektiven) Unentgeltlichkeit der Zuwendung (BFH-Urteile vom 06.05.2015&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;34\/13, BFHE 250, 197, BStBl II 2015, 821, Rz&nbsp;15, und vom 16.09.2020&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;33\/19, BFH\/NV 2021, 317, Rz&nbsp;16; BFH-Beschluss vom 05.07.2018&nbsp;&#8211; II&nbsp;B&nbsp;122\/17, BFHE 262, 163, BStBl II 2018, 660, Rz&nbsp;13, jeweils m.w.N.). In subjektiver Hinsicht bedarf es des Bewusstseins des Zuwendenden, die Leistung ohne Verpflichtung und ohne rechtlichen Zusammenhang mit einer Gegenleistung oder einem Gemeinschaftszweck zu erbringen (BFH-Urteile vom 27.11.2013&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;25\/12, BFH\/NV 2014, 537, Rz&nbsp;11, und in BFHE 265, 421, BStBl II 2020, 61, Rz&nbsp;15, jeweils m.w.N.).<\/li><li>2. Was Gegenstand der Schenkung ist, richtet sich nach b\u00fcrgerlichem Recht.<\/li><li>a) Auszugehen ist grunds\u00e4tzlich vom Parteiwillen, d.h. davon, was dem Bedachten nach dem Willen des Schenkers geschenkt sein soll (BFH-Urteil vom 18.09.2013&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;63\/11, BFH\/NV 2014, 349, Rz&nbsp;11, m.w.N.). Indes ist Gegenstand der Besteuerung im Falle der freigebigen Zuwendung erst die Ausf\u00fchrung der Zuwendung als solche. Die Schenkungsteuer kn\u00fcpft nicht bereits an die Abgabe des Versprechens einer unentgeltlichen Leistung an, weil es bis zur Erf\u00fcllung des Versprechens an einer objektiven Bereicherung des Versprechensempf\u00e4ngers fehlt (vgl. BFH-Urteile vom 28.11.1967&nbsp;&#8211; II&nbsp;72\/63, BFHE 91, 104, BStBl II 1968, 239, unter I.1., und vom 15.03.2007&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;5\/04, BFHE 215, 540, BStBl II 2007, 472, unter II.4.b).<\/li><li>b) Dementsprechend entsteht die Schenkungsteuer nach \u00a7&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 ErbStG bei Schenkungen unter Lebenden mit dem Zeitpunkt der Ausf\u00fchrung der Zuwendung. Eine Schenkung oder freigebige Zuwendung ist ausgef\u00fchrt, wenn der Bedachte das erhalten hat, was ihm nach der Schenkungsabrede, im Fall der freigebigen Zuwendung nach dem Willen des Zuwendenden, verschafft werden soll (BFH-Beschluss vom 18.02.2008&nbsp;&#8211; II&nbsp;B&nbsp;109\/06, BFH\/NV 2008, 1163, unter A.1.; BFH-Urteil vom 20.01.2010&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;54\/07, BFHE 228, 177, BStBl II 2010, 463, Rz&nbsp;14, jeweils m.w.N.). Es kommt dabei grunds\u00e4tzlich auf den Eintritt des Leistungserfolgs an (BFH-Urteil in BFHE 228, 177, BStBl II 2010, 463, Rz&nbsp;14).<\/li><li>c) Grunds\u00e4tzlich stellt materiell-rechtlich jede freigebige Zuwendung einen eigenst\u00e4ndigen steuerbegr\u00fcndenden Tatbestand dar (\u00a7&nbsp;38 der Abgabenordnung &#8211;AO&#8211; i.V.m. \u00a7&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 ErbStG und vgl. BFH-Urteil in BFHE 215, 540, BStBl II 2007, 472, unter II.1.b&nbsp;bb). Rechtlich selbst\u00e4ndig zu beurteilende Zuwendungen liegen insbesondere vor, wenn die Zuwendungen nicht auf einem einheitlichen Schenkungsversprechen beruhen, den Zuwendungen kein obligatorisches Forderungsrecht zugrunde liegt, das ein Stammrecht des Bedachten auf die einzelnen Zuwendungen begr\u00fcndet (BFH-Urteile vom 22.09.2004&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;50\/03, BFH\/NV 2005, 993, unter II.2.b, und vom 22.10.2014&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;26\/13, BFHE 247, 456, BStBl II 2015, 239, Rz&nbsp;22) und kein einheitlicher Steuerentstehungszeitpunkt vorliegt (BFH-Urteil in BFHE 228, 177, BStBl II 2010, 463, Rz&nbsp;13&nbsp;ff.; FG M\u00fcnster, Urteil vom 13.09.2018&nbsp;&#8211; 3&nbsp;K&nbsp;2766\/16&nbsp;Erb, EFG 2018, 1987, Rz&nbsp;27; vgl. auch Gebel in Troll\/Gebel\/J\u00fclicher\/Gottschalk, ErbStG, \u00a7&nbsp;7 Rz&nbsp;78; Halaczinsky in Daragan\/Halaczinsky\/Riedel, ErbStG, BewG, 3.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;9 ErbStG Rz&nbsp;45; G\u00f6tz in Fischer\/Pahlke\/Wachter, ErbStG, 7.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;14 Rz&nbsp;49, m.w.N.).<\/li><li>3. Schriftliche Steuerbescheide m\u00fcssen inhaltlich hinreichend bestimmt sein (\u00a7&nbsp;119 Abs.&nbsp;1 AO). Erforderlich ist u.a. die Bezeichnung der festgesetzten Steuer nach Art und Betrag (\u00a7&nbsp;157 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 AO).<\/li><li>a) Mehrere Steuerf\u00e4lle erfordern entweder eine Festsetzung in getrennten Steuerbescheiden oder &#8211;bei k\u00f6rperlicher Zusammenfassung in einem Schriftst\u00fcck&#8211; die genaue Angabe, welche Lebenssachverhalte (Besteuerungstatbest\u00e4nde) dem Steuerbescheid zugrunde liegen, sowie eine gesonderte Steuerfestsetzung f\u00fcr jeden einzelnen Lebenssachverhalt (Steuerfall) (BFH-Urteile vom 30.08.2017&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;46\/15, BFHE 259, 370, BStBl II 2019, 38, Rz&nbsp;17, und vom 06.11.2019&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;34\/16, BFHE&nbsp;267, 440, BStBl II 2020, 465, Rz&nbsp;18). Es ist deshalb grunds\u00e4tzlich unzul\u00e4ssig, bei mehreren Lebenssachverhalten die verschiedenen Steuerschulden desselben Steuerschuldners in einem Betrag unaufgegliedert zusammenzufassen (BFH-Urteile vom 07.12.2016&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;21\/14, BFHE 256, 381, BStBl II 2018, 196, Rz&nbsp;26, m.w.N., und in BFHE 259, 370, BStBl II 2019, 38, Rz&nbsp;17).<\/li><li>b) Den zur Bestimmtheit eines Steuerbescheids notwendigen Angaben gen\u00fcgt auch eine Bezugnahme auf Anlagen oder Unterlagen (etwa einen Betriebspr\u00fcfungsbericht), die sich bereits in H\u00e4nden des Steuerpflichtigen befinden (BFH-Urteil vom 17.12.2014&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;18\/12, BFHE 248, 92, BStBl II 2015, 619, Rz&nbsp;17, m.w.N.). Nicht ausreichend ist es jedoch, wenn aus derartigen Anlagen zwar erkennbar ist, welche Zuwendungen im Einzelnen erfasst werden sollten, das Finanzamt aber im Schenkungsteuerbescheid und in der Einspruchsentscheidung nicht angegeben hat, welche Schenkungsteuer f\u00fcr die aufgef\u00fchrten Zuwendungen jeweils festgesetzt wurde (BFH-Urteil vom 20.11.2013&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;64\/11, BFH\/NV 2014, 716, Rz&nbsp;32; BFH-Beschluss vom 17.07.2019&nbsp;&#8211; II&nbsp;B&nbsp;30,&nbsp;32-34,&nbsp;38\/18, BFHE 265, 5, BStBl II 2019, 620, Rz&nbsp;38; vgl. auch FG K\u00f6ln, Urteil vom 10.11.2005&nbsp;&#8211; 9&nbsp;K&nbsp;5652\/01, EFG 2006, 165, unter 2.).<\/li><li>c) Ausnahmsweise ist eine differenzierte Festsetzung der Schenkungsteuer f\u00fcr jeden einzelnen Schenkungsvorgang verzichtbar, wenn der Zweck des Bestimmtheitserfordernisses gleichwohl gewahrt ist. F\u00fcr den Betroffenen muss erkennbar sein, welcher Sachverhalt besteuert wird, damit Entstehen der Steuerschuld, ggf. Eingreifen von Steuerbefreiungen und Verg\u00fcnstigungen und Verj\u00e4hrung ohne Weiteres festzustellen sind (BFH-Urteile vom 17.09.1986&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;62\/84, BFH\/NV 1987, 738, und vom 22.11.1995&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;26\/92, BFHE 179, 177, BStBl II 1996, 162, unter II.2.a&nbsp;bb).<\/li><li>aa) Eine Differenzierung ist entbehrlich, wenn trotz unaufgegliederter Zusammenfassung mehrerer Steuerf\u00e4lle eindeutig feststeht, welche Steuerf\u00e4lle von dem Bescheid erfasst werden und auch aus anderweitigen rechtlichen Gr\u00fcnden keine Notwendigkeit zu einer Differenzierung besteht (BFH-Urteile in BFH\/NV 2005, 993, unter II.2.a, und in BFH\/NV 2014, 716, Rz&nbsp;30, jeweils m.w.N.). Das gilt insbesondere, wenn dem Finanzamt wegen mangelnder Mitwirkung des Steuerpflichtigen Zeitpunkt und H\u00f6he der jeweiligen Einzelzuwendungen unbekannt geblieben sind (vgl. BFH-Urteil in BFHE 215, 540, BStBl II 2007, 472, unter II.1.b cc). In diesem Falle gen\u00fcgt die Angabe des mutma\u00dflichen Zeitraums, in dem diese Zuwendungen vorgenommen wurden, und eines einheitlichen (Sch\u00e4tz-)Betrags nach \u00a7&nbsp;162 AO (vgl. BFH-Urteile vom 06.06.2007&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;17\/06, BFHE 217, 398, BStBl II 2008, 46, unter II.1.a, und in BFHE 259, 370, BStBl II 2019, 38, Rz&nbsp;18).<\/li><li>bb) Hingegen ist eine Differenzierung insbesondere dann erforderlich, wenn das rechtliche Schicksal der verschiedenen Steueranspr\u00fcche nach Anspruchsgrund bzw. dessen Wegfall, hinsichtlich m\u00f6glicher Befreiungstatbest\u00e4nde und des Eintritts der Verj\u00e4hrung einen unterschiedlichen Verlauf nehmen, sowie der f\u00fcr den Einzelfall festgesetzten Steuer eine weitere rechtliche Bedeutung f\u00fcr weitere Steuerf\u00e4lle (z.B. im Rahmen des \u00a7&nbsp;14 ErbStG) zukommen kann (BFH-Urteile in BFH\/NV 2005, 993, unter II.2.a, und in BFH\/NV 2014, 716, Rz&nbsp;28) oder die jeweiligen Erwerbe unterschiedlichen Steuers\u00e4tzen unterliegen (BFH-Urteil in BFH\/NV 2014, 716, Rz&nbsp;33).<\/li><li>d) Ob ein Schenkungsteuerbescheid inhaltlich hinreichend bestimmt ist, ist im Wege der Auslegung unter Ber\u00fccksichtigung der Auslegungsregeln der \u00a7\u00a7&nbsp;133, 157 BGB festzustellen. Entscheidend sind der erkl\u00e4rte Wille der Beh\u00f6rde und der sich daraus ergebende objektive Erkl\u00e4rungsinhalt der Regelung, wie ihn der Betroffene nach den ihm bekannten Umst\u00e4nden unter Ber\u00fccksichtigung von Treu und Glauben verstehen konnte. Bei der Auslegung des Bescheids ist nicht allein auf dessen Tenor abzustellen, sondern auch auf den materiellen Regelungsgehalt einschlie\u00dflich der f\u00fcr den Bescheid gegebenen Begr\u00fcndung. Zweifel gehen zu Lasten der Beh\u00f6rde (BFH-Urteil in BFHE&nbsp;267, 440, BStBl II 2020, 465, Rz&nbsp;19, m.w.N.).<\/li><li>e) Die fehlende Angabe der besteuerten einzelnen Lebenssachverhalte oder die unzul\u00e4ssige unaufgegliederte Zusammenfassung mehrerer Steuerf\u00e4lle in einem Bescheid f\u00fchrt grunds\u00e4tzlich zur Nichtigkeit eines solchen Bescheids nach \u00a7&nbsp;125 Abs.&nbsp;1 AO (BFH-Urteile in BFHE 228, 177, BStBl II 2010, 463, Rz&nbsp;18, m.w.N.; in BFH\/NV 2014, 716, Rz&nbsp;30; in BFHE 259, 370, BStBl II 2019, 38, Rz&nbsp;17, und in BFHE&nbsp;267, 440, BStBl II 2020, 465, Rz&nbsp;18, m.w.N.). Ein Bescheid ist dagegen lediglich rechtswidrig, wenn sich dem Steuerbescheid entnehmen l\u00e4sst, dass das Finanzamt &#8211;wenn auch rechtsirrt\u00fcmlich&#8211; bei der Steuerfestsetzung vom Vorliegen eines einheitlichen Erwerbsvorgangs ausgegangen ist und f\u00fcr diesen vermeintlich einheitlichen Erwerbsvorgang die Pflichtangaben des \u00a7&nbsp;157 Abs.&nbsp;1 Satz 2 AO vorliegen (vgl. BFH-Urteil in BFHE 228, 177, BStBl II 2010, 463, Rz&nbsp;17&nbsp;f.). Ob ein Verwaltungsakt rechtswidrig oder nichtig ist, bedarf indes keiner Entscheidung, wenn eine im \u00dcbrigen zul\u00e4ssige Anfechtungsklage erhoben wurde, die nach \u00a7&nbsp;40 Abs.&nbsp;1 FGO auch gegen einen unwirksamen Verwaltungsakt statthaft ist. Hat sie Erfolg, wird der Verwaltungsakt zur Beseitigung des Rechtsscheins aufgehoben (vgl. BFH-Urteile vom 26.06.1985&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;62\/83, BFH\/NV 1987, 19; vom 05.10.1994&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;31\/93, BFH\/NV 1995, 576, unter II.B.1., und vom 25.02.1999&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;36\/98, BFH\/NV 1999, 1117, unter 2.).<\/li><li>4. Nach diesen Grunds\u00e4tzen hat das FG die angefochtenen Bescheide im Ergebnis zu Recht aufgehoben. Dabei kann dahinstehen, ob es sich &#8211;wie vom FG verneint&#8211; bei den vom Kl\u00e4ger erbrachten Leistungen um steuerbare Zuwendungen an seine Lebensgef\u00e4hrtin handelt. Die Bescheide entsprechen den Bestimmtheitsanforderungen des \u00a7&nbsp;119 Abs.&nbsp;1 AO nicht. Der Senat kann offenlassen, inwieweit eine Einspruchsentscheidung diesbez\u00fcgliche M\u00e4ngel heilen kann, denn auch diese gen\u00fcgt im Streitfall nicht.<\/li><li>a) Es liegt keine einheitliche Zuwendung vor. Vielmehr handelt es sich bei der \u00dcbernahme der Kosten f\u00fcr die Kabine und die auf dem Bordkonto gebuchten Ausfl\u00fcge, Restaurant-, Fris\u00f6r-, Spa- und Fitnessleistungen jeweils um einzelne und voneinander zu unterscheidende selbst\u00e4ndige Leistungen. Selbst wenn alle Aufwendungen auf einem &#8211;bisher nicht festgestellten&#8211; einheitlichen Schenkungsversprechen beruhen sollten, fehlte es jedenfalls an einem einheitlichen Steuerentstehungszeitpunkt. Diese Versprechen w\u00e4ren zu unterschiedlichen Zeitpunkten erf\u00fcllt worden.<\/li><li>b) Eine Zusammenfassung aller \u00fcber das Bordkonto abgerechneten Leistungen, wie sie auch noch die Einspruchsentscheidung vorgenommen hat, war nicht zul\u00e4ssig. Eine Bezugnahme etwa auf das Bordkonto fehlt. Die Differenzierung war nicht ausnahmsweise entbehrlich. Jede einzelne Leistung w\u00e4re darauf zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob es sich um einen schenkungsteuerpflichtigen Vorgang handelt. An Bord get\u00e4tigte Ausgaben k\u00f6nnen zwar freigebige Zuwendungen sein, aber auch Aufwendungen oder Anschaffungen f\u00fcr den Kl\u00e4ger selbst oder schlie\u00dflich Aufwendungen der Lebensf\u00fchrung. Es w\u00e4re zu pr\u00fcfen gewesen, ob eine Steuerbefreiung z.B. wegen Unterhaltsleistungen (vgl. \u00a7&nbsp;13 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;12 ErbStG) oder Gelegenheitsgeschenken (vgl. \u00a7&nbsp;13 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;14 ErbStG) vorliegt. Im Hinblick auf die Frist des \u00a7&nbsp;14 ErbStG h\u00e4tten die Zeitpunkte benannt werden m\u00fcssen. Eine Sch\u00e4tzung war nicht gerechtfertigt. Die Ermittlung der einzelnen Zuwendungsbetr\u00e4ge, -sachverhalte und -zeitpunkte war aufgrund der vom Kl\u00e4ger dem FA zur Verf\u00fcgung gestellten Einzelabrechnung des Bordkontos nicht mit besonderen Schwierigkeiten verbunden. Es ist unerheblich, ob die Summe mehrerer zeitlich nacheinander vorgenommener Einzelzuwendungen &#8211;und damit der Bemessungsgrundlagen&#8211; zwischen den Beteiligten unstreitig war. Die Anwendung des \u00a7&nbsp;14 Abs.&nbsp;1 ErbStG ist nur bei taggenauer Ermittlung des Zehn-Jahres-Zeitraums m\u00f6glich (BFH-Urteil in BFHE 215, 540, BStBl II 2007, 472, unter II.1.b&nbsp;cc).<\/li><li>c) Zudem fehlt es an gesonderten Steuerfestsetzungen f\u00fcr jede einzelne in Betracht kommende Zuwendung. Das gilt insbesondere f\u00fcr die Position &#8222;Buchung der Reise&#8220; mit dem Entgelt f\u00fcr die Kabine. Ein rechtfertigender Grund, davon Abstand zu nehmen, ist nicht ersichtlich.<\/li><li>5. Die Kostenentscheidung folgt aus \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Urteil vom 16. September 2020, II R 24\/18 ECLI:DE:BFH:2020:U.160920.IIR24.18.0 BFH II. Senat ErbStG \u00a7 7 Abs 1 Nr 1 , AO \u00a7 119 Abs 1 , AO \u00a7 157 Abs 1 S 2 , ErbStG \u00a7 1 Abs 1 Nr 2 vorgehend FG Hamburg, 12. Juni 2018, Az: 3 K 77\/17 Leits\u00e4tze Mehrere Steuerf\u00e4lle erfordern &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/zuwendungsgegenstand-bei-mehrmonatiger-reise-mit-zugebuchten-leistungen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Zuwendungsgegenstand bei mehrmonatiger Reise mit zugebuchten Leistungen<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-73706","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73706","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=73706"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/73706\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=73706"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=73706"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=73706"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}