{"id":73812,"date":"2021-05-22T15:51:43","date_gmt":"2021-05-22T13:51:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=73812"},"modified":"2021-05-22T15:51:43","modified_gmt":"2021-05-22T13:51:43","slug":"im-wesentlichen-inhaltsgleich-mit-bfh-urteil-vom-29-09-2020-viii-r-17-17-abgeltungswirkung-einbehaltener-kapitalertragsteuer-bei-der-besteuerung-von-scheinrenditen-aus-schneeballsystemen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/im-wesentlichen-inhaltsgleich-mit-bfh-urteil-vom-29-09-2020-viii-r-17-17-abgeltungswirkung-einbehaltener-kapitalertragsteuer-bei-der-besteuerung-von-scheinrenditen-aus-schneeballsystemen\/","title":{"rendered":"Im Wesentlichen inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 29.09.2020 VIII R 17\/17 &#8211; Abgeltungswirkung einbehaltener Kapitalertragsteuer bei der Besteuerung von Scheinrenditen aus Schneeballsystemen"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Urteil vom 27. Oktober 2020, VIII R 3\/20<\/h1>\n\n\n\n<p>ECLI:DE:BFH:2020:U.271020.VIIIR3.20.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH VIII. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>EStG \u00a7 43 Abs 5 S 1 , EStG \u00a7 11 Abs 1 S 1 , EStG \u00a7 20 Abs 2 S 1 Nr 1 S 1 , EStG \u00a7 32d Abs 3 , EStG \u00a7 2 Abs 5b , EStG VZ 2010 , EStG VZ 2011 , EStG VZ 2012 , EStG VZ 2013<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG N\u00fcrnberg, 11. Dezember 2019, Az: 5 K 1283\/18<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. Die Abgeltungswirkung nach \u00a7 43 Abs. 5 Satz 1 Halbsatz 1 EStG tritt auch dann ein, wenn die bei der Auszahlung der Kapitalertr\u00e4ge einbehaltene Kapitalertragsteuer nicht beim Finanzamt angemeldet und abgef\u00fchrt wird und kein die Abgeltungswirkung des Steuerabzugs ausschlie\u00dfender Fall nach \u00a7 43 Abs. 5 Satz 1 Halbsatz 2, Satz 2 oder Satz 3 EStG vorliegt.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Dies gilt auch dann, wenn der Steuerpflichtige Kapitaleink\u00fcnfte in Form von Scheinrenditen aus einem betr\u00fcgerischen Schneeballsystem erzielt hat, f\u00fcr die aus seiner Sicht Kapitalertragsteuer nach \u00a7 43 Abs. 5 Satz 1 EStG einbehalten worden ist (Anschluss an Senatsurteil vom 29.09.2020 &#8211; VIII R 17\/17).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Finanzgerichts N\u00fcrnberg vom 11.12.2019 &#8211; 5 K 1283\/18 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Der Kl\u00e4ger und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4ger) erzielte in den Streitjahren 2010 bis 2013 bei der von B gef\u00fchrten Firma C Scheinrenditen aus Aktienverk\u00e4ufen, die er nicht in den Einkommensteuererkl\u00e4rungen der Streitjahre angegeben hatte und die bei der Steuerfestsetzung zun\u00e4chst unber\u00fccksichtigt blieben.<\/li><li>B hatte unter der Firma der C ein Schneeballsystem mit fingierten Aktiengesch\u00e4ften betrieben, das am &#8230; 2013 aufflog. C bescheinigte dem Kl\u00e4ger in den Streitjahren erhebliche Gewinne aus dem Verkauf von Aktien. Auf den dem Kl\u00e4ger erteilten Abrechnungen wies C den rechnerisch zutreffenden Einbehalt von Kapitalertragsteuer und des hierauf entfallenden Solidarit\u00e4tszuschlags auf die als Kapitaleink\u00fcnfte angegebenen Ertr\u00e4ge aus. Der Restbetrag wurde dem Kl\u00e4ger ausgezahlt. Jedoch wurde die Kapitalertragsteuer von C weder beim Finanzamt angemeldet noch an dieses abgef\u00fchrt, was dem Kl\u00e4ger nicht bekannt war. Bei Aufdeckung des Schneeballsystems am &#8230;&nbsp;2013 hatte der Kl\u00e4ger noch einen Betrag in H\u00f6he von &#8230;&nbsp;\u20ac bei B angelegt. Diesen Betrag meldete er bei der Insolvenzer\u00f6ffnung \u00fcber das Verm\u00f6gen des B zur Tabelle an.<\/li><li>Der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) erlie\u00df nach einer Au\u00dfenpr\u00fcfung am 28.02.2017 nach \u00a7&nbsp;164 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung ge\u00e4nderte Einkommensteuerbescheide f\u00fcr die Streitjahre, mit denen die Einkommensteuer aufgrund der vom Kl\u00e4ger aus dem Schneeballsystem erzielten Kapitaleink\u00fcnfte im Jahr 2010 um &#8230;&nbsp;\u20ac auf 149.416&nbsp;\u20ac, im Jahr 2011 um &#8230;&nbsp;\u20ac auf 155.560&nbsp;\u20ac, im Jahr 2012 um &#8230;&nbsp;\u20ac auf 125.784&nbsp;\u20ac und im Jahr 2013 um &#8230;&nbsp;\u20ac auf 110.132&nbsp;\u20ac erh\u00f6ht wurde. Die von C einbehaltene Kapitalertragsteuer (zzgl. Solidarit\u00e4tszuschlag) wurde nicht auf die Steuerfestsetzung angerechnet.<\/li><li>Gegen diese Bescheide legte der Kl\u00e4ger Einspruch ein. W\u00e4hrend des Einspruchsverfahrens erlie\u00df das FA jeweils am 12.01.2018 ge\u00e4nderte Einkommensteuerbescheide f\u00fcr die Streitjahre, in denen es die Bemessungsgrundlage f\u00fcr die von dem Kl\u00e4ger aus dem Schneeballsystem erzielten Kapitaleink\u00fcnfte um die von C einbehaltene Kapitalertragsteuer zzgl. des Solidarit\u00e4tszuschlags minderte. Die Einkommensteuer wurde f\u00fcr 2010 auf 134.753&nbsp;\u20ac, f\u00fcr 2011 auf 142.834&nbsp;\u20ac, f\u00fcr 2012 auf 105.502&nbsp;\u20ac und f\u00fcr 2013 auf 103.453&nbsp;\u20ac herabgesetzt. Im \u00dcbrigen wurde der Einspruch mit Einspruchsentscheidung vom 15.08.2018 als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/li><li>Das Finanzgericht (FG) N\u00fcrnberg hat der Klage in seinem Urteil vom 11.12.2019&nbsp;&#8211; 5&nbsp;K&nbsp;1283\/18 (Entscheidungen der Finanzgerichte &#8211;EFG&#8211; 2020, 840) stattgegeben und die Einkommensteuer f\u00fcr die Streitjahre um die Betr\u00e4ge herabgesetzt, die auf die Besteuerung der Scheinrenditen nach \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) entfielen.<\/li><li>Zur Begr\u00fcndung seiner Revision macht das FA geltend, dass das Urteil des FG \u00a7&nbsp;43 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 EStG verletze. Die Abgeltungswirkung trete nur insoweit ein, als die Kapitalertr\u00e4ge tats\u00e4chlich dem Steuerabzug unterlegen h\u00e4tten und die Abzugsbetr\u00e4ge an das Finanzamt abgef\u00fchrt worden seien. Eine andere Auslegung des Gesetzes widerspreche dem Willen des Gesetzgebers, mit der Einf\u00fchrung der Abgeltungsteuer den Steueranspruch an der Quelle sicherzustellen. Es k\u00f6nne daher nicht auf die Anlegerperspektive abgestellt werden.<\/li><li>Das FA beantragt,<br \/>das Urteil des FG N\u00fcrnberg in EFG 2020, 840 aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger beantragt,<br \/>die Revision als unzul\u00e4ssig, hilfsweise als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/li><li>Die Revision sei unzul\u00e4ssig, da die Revisionsschrift des FA nicht den Anforderungen des \u00a7&nbsp;120 Abs.&nbsp;3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) gen\u00fcge. So fehle es an der Bezeichnung der tats\u00e4chlichen Umst\u00e4nde, aus denen sich die Verletzung des \u00a7&nbsp;43 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 EStG ergebe. Die Revision sei zudem unbegr\u00fcndet, da das FG N\u00fcrnberg die Abgeltungswirkung nach \u00a7&nbsp;43 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 EStG zutreffend bejaht habe.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision des FA ist nach \u00a7&nbsp;124 Abs.&nbsp;1 FGO zul\u00e4ssig. Entgegen der Auffassung des Kl\u00e4gers entspricht die Revisionsbegr\u00fcndung den Anforderungen des \u00a7&nbsp;120 Abs.&nbsp;3 FGO.<\/li><li>1. Nach \u00a7&nbsp;120 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a FGO muss die Revisionsbegr\u00fcndung die bestimmte Bezeichnung der Umst\u00e4nde enthalten, aus denen sich die Rechtsverletzung ergibt. Dies erfordert, dass erkennbar ist, welche Norm der Revisionskl\u00e4ger f\u00fcr verletzt h\u00e4lt. Der Revisionskl\u00e4ger muss sich mit den tragenden Gr\u00fcnden des finanzgerichtlichen Urteils auseinandersetzen und darlegen, weshalb er diese f\u00fcr unrichtig h\u00e4lt (z.B. Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 17.05.2017&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;1\/16, BFHE 258, 365, BStBl II 2017, 1073, m.w.N.).<\/li><li>2. Die Revisionsschrift gen\u00fcgt diesen Anforderungen. Das FA hat sich bei der Darlegung seiner von der Ansicht des FG N\u00fcrnberg abweichenden Rechtsansicht bez\u00fcglich der Voraussetzungen des Eintritts der Abgeltungswirkung nach \u00a7&nbsp;43 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;1 EStG in ausreichendem Umfang mit den tragenden Gr\u00fcnden des FG-Urteils auseinandergesetzt.<\/li><li>Die Revision des FA ist als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 FGO).<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Zwar sind dem Kl\u00e4ger die von C in den Streitjahren ausgewiesenen und ausgezahlten Scheinrenditen in voller H\u00f6he als Kapitaleink\u00fcnfte i.S. des \u00a7&nbsp;20 EStG gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;11 EStG zugeflossen (1.). Sie sind jedoch nach \u00a7&nbsp;2 Abs.&nbsp;5b EStG nicht der Einkommensbesteuerung zugrunde zu legen, da die Einkommensteuer f\u00fcr diese Kapitaleink\u00fcnfte nach \u00a7&nbsp;43 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;1 EStG durch die Einbehaltung der Kapitalertragsteuer abgegolten wurde (2.).<\/p>\n\n\n\n<p>1. Der Kl\u00e4ger hat in den Streitjahren mit den Geldanlagen bei C Eink\u00fcnfte aus Kapitalverm\u00f6gen i.S. des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG erzielt, die ihm gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;11 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG zugeflossen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>a) Bei der Entscheidung, ob einer der in \u00a7&nbsp;20 EStG aufgef\u00fchrten Tatbest\u00e4nde erf\u00fcllt ist, kommt es entscheidend darauf an, wie sich das jeweilige Rechtsgesch\u00e4ft aus der Sicht des Kapitalanlegers als Leistungsempf\u00e4nger bei objektiver Betrachtungsweise darstellt, da auf den nach au\u00dfen erkennbaren Willen des Betreibers des Schneeballsystems abzustellen ist. Da der Kl\u00e4ger den tats\u00e4chlichen Sachverhalt nicht durchschaut, sondern angenommen hat, C habe gem\u00e4\u00df der Best\u00e4tigung in seinem Auftrag und f\u00fcr seine Rechnung Aktiengesch\u00e4fte durchgef\u00fchrt, ist dieser Sachverhalt der Besteuerung zugrunde zu legen (vgl. Senatsurteil vom 14.12.2004&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;5\/02, BFHE 209, 423, BStBl II 2005, 739).<\/p>\n\n\n\n<p>b) Danach handelt es sich bei den vom Kl\u00e4ger erzielten Kapitalertr\u00e4gen aus den Anlagegesch\u00e4ften mit C um Eink\u00fcnfte aus Kapitalverm\u00f6gen i.S. des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG, obgleich es sich um sog. Scheinrenditen handelte. Die Kapitaleink\u00fcnfte bez\u00fcglich der vorget\u00e4uschten Aktiengesch\u00e4fte sind dem Kl\u00e4ger nach den Feststellungen des FG auch gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;11 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG durch Auszahlung zugeflossen. Dies ist zwischen den Beteiligten dem Grund und der H\u00f6he nach unstreitig, so dass auf weitere Ausf\u00fchrungen hierzu verzichtet wird.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Das FG ist zutreffend davon ausgegangen, dass die Einkommensteuer f\u00fcr die Eink\u00fcnfte des Kl\u00e4gers aus den Scheinrenditen aufgrund des Einbehalts der Kapitalertragsteuer durch C nach \u00a7&nbsp;43 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;1 EStG abgegolten wurde und die Kapitaleink\u00fcnfte nicht mehr der Einkommensteuerfestsetzung zugrunde zu legen sind (s.a. \u00a7&nbsp;2 Abs.&nbsp;5b, \u00a7&nbsp;25 Abs.&nbsp;1 EStG). Es liegt weder ein die Abgeltungswirkung des Steuerabzugs ausschlie\u00dfender Fall von \u00a7&nbsp;43 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;2 EStG noch ein Fall von \u00a7&nbsp;43 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 oder Satz&nbsp;3 EStG vor. Auf die Ausf\u00fchrungen hierzu in dem Senatsurteil vom 29.09.2020&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;17\/17 (zur amtlichen Ver\u00f6ffentlichung bestimmt) wird zur Begr\u00fcndung Bezug genommen.<\/p>\n\n\n\n<p>3. Die Kostenentscheidung folgt aus \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Urteil vom 27. Oktober 2020, VIII R 3\/20 ECLI:DE:BFH:2020:U.271020.VIIIR3.20.0 BFH VIII. 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