{"id":74107,"date":"2021-09-04T13:42:36","date_gmt":"2021-09-04T11:42:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=74107"},"modified":"2021-09-04T13:42:36","modified_gmt":"2021-09-04T11:42:36","slug":"im-wesentlichen-inhaltsgleich-mit-bfh-beschluss-vom-17-05-2021-viii-b-88-20-prozesszinsen-nach-%c2%a7-236-ao-als-kapitaleinkuenfte-gemaess-%c2%a7-20-abs-1-nr-7-estg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/im-wesentlichen-inhaltsgleich-mit-bfh-beschluss-vom-17-05-2021-viii-b-88-20-prozesszinsen-nach-%c2%a7-236-ao-als-kapitaleinkuenfte-gemaess-%c2%a7-20-abs-1-nr-7-estg\/","title":{"rendered":"Im Wesentlichen inhaltsgleich mit BFH-Beschluss vom 17.05.2021 VIII B 88\/20 &#8211; Prozesszinsen nach \u00a7 236 AO als Kapitaleink\u00fcnfte gem\u00e4\u00df \u00a7 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Beschluss vom 17. Mai 2021, VIII B 85\/20<\/h1>\n\n\n\n<p>ECLI:DE:BFH:2021:B.170521.VIIIB85.20.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH VIII. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>EStG \u00a7 20 Abs 1 Nr 7 , AO \u00a7 236 , FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 1 , EStG VZ 2016<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG M\u00fcnchen, 07. Juli 2020, Az: 5 K 633\/19<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Es ist nicht kl\u00e4rungsbed\u00fcrftig, dass Prozesszinsen auf erstattete Einkommensteuer zu den Ertr\u00e4gen aus sonstigen Kapitalforderungen jeder Art i.S. des \u00a7 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Beschwerde des Kl\u00e4gers wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts M\u00fcnchen vom 07.07.2020 &#8211; 5 K 633\/19 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat der Kl\u00e4ger zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Aufgrund eines gegen den Einkommensteuerbescheid f\u00fcr das Jahr 1999 erfolgreich gef\u00fchrten Klageverfahrens erhielt der Kl\u00e4ger und Beschwerdef\u00fchrer (Kl\u00e4ger) im Streitjahr 2016 neben zu viel gezahlter Einkommensteuer auch Erstattungszinsen in H\u00f6he von insgesamt &#8230;&nbsp;\u20ac ausgezahlt.<\/li><li>Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) setzte diese Zinsen im Einkommensteuerbescheid f\u00fcr das Streitjahr vom 12.07.2018 als steuerpflichtige Eink\u00fcnfte aus Kapitalverm\u00f6gen gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 des Einkommensteuergesetzes in der f\u00fcr das Streitjahr geltenden Fassung (EStG) an.<\/li><li>Mit dem dagegen erhobenen Einspruch machte der Kl\u00e4ger geltend, in dem ausgezahlten Betrag seien Prozesszinsen nach \u00a7&nbsp;236 der Abgabenordnung (AO) in H\u00f6he von &#8230;&nbsp;\u20ac enthalten, die nicht steuerbar und daher zu Unrecht als steuerpflichtige Kapitalertr\u00e4ge erfasst worden seien. Der Einspruch blieb ohne Erfolg, ebenso die nachfolgend erhobene Klage.<\/li><li>Mit der gegen das Urteil des Finanzgerichts (FG) erhobenen Beschwerde begehrt der Kl\u00e4ger die Zulassung der Revision wegen grunds\u00e4tzlicher Bedeutung der Rechtssache.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beschwerde ist unbegr\u00fcndet.<\/li><li>Der vom Kl\u00e4ger geltend gemachte Zulassungsgrund der grunds\u00e4tzlichen Bedeutung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) liegt nicht vor.<\/li><li>1. Grunds\u00e4tzliche Bedeutung i.S. des \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO kommt einer Rechtssache zu, wenn die f\u00fcr die Beurteilung des Streitfalles ma\u00dfgebliche Rechtsfrage das abstrakte Interesse der Allgemeinheit an der einheitlichen Entwicklung und Handhabung des Rechts ber\u00fchrt, d.h. wenn die Beantwortung der Rechtsfrage aus Gr\u00fcnden der Rechtssicherheit, der Rechtseinheitlichkeit und\/oder der Rechtsentwicklung dem allgemeinen Interesse dient (vgl. z.B. Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 21.04.1999&nbsp;&#8211; I&nbsp;B&nbsp;99\/98, BFHE 188, 372, BStBl II 2000, 254). Es muss sich um eine kl\u00e4rungsbed\u00fcrftige Rechtsfrage handeln, die im Revisionsverfahren auch gekl\u00e4rt werden k\u00f6nnte. Am Kl\u00e4rungsbedarf fehlt es, wenn die Rechtsfrage anhand der gesetzlichen Grundlagen und der bereits vorliegenden Rechtsprechung beantwortet werden kann und keine neuen Gesichtspunkte erkennbar sind, die eine erneute Pr\u00fcfung und Entscheidung dieser Frage durch den BFH geboten erscheinen lassen (vgl. z.B. BFH-Beschluss vom 12.05.2005&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;146\/03, BFHE 209, 105, BStBl II 2005, 714). Im \u00dcbrigen kommt eine Zulassung der Revision nicht schon deshalb in Betracht, weil es zu den konkret im Streitfall zu beurteilenden Leistungen noch keine BFH-Entscheidung gibt (vgl. z.B. BFH-Beschl\u00fcsse vom 20.04.2000&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;156\/99, BFH\/NV 2000, 1347; vom 23.01.2001&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;129\/00, BFH\/NV 2001, 940).<\/li><li>2. Danach liegen die Voraussetzungen f\u00fcr die Annahme einer grunds\u00e4tzlichen Bedeutung der Rechtssache i.S. des \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO nicht vor.<\/li><li>a) Der Kl\u00e4ger wirft als Rechtsfrage von grunds\u00e4tzlicher Bedeutung die Frage auf, &#8222;ob Prozesszinsen gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;236 AO &#8230; dem nichtsteuerbaren Bereich zuzuordnen sind oder wie Erstattungszinsen steuerpflichtige Ertr\u00e4ge aus sonstigen Kapitalforderungen sind (\u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG)&#8220;.<\/li><li>b) Diese Rechtsfrage ist nicht kl\u00e4rungsbed\u00fcrftig, weil sie bereits anhand des Gesetzes und der bisherigen Rechtsprechung des BFH eindeutig so zu beantworten ist, wie es das FG in der angefochtenen Entscheidung getan hat.<\/li><li>aa) Zu den nach \u00a7&nbsp;2 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;5 EStG zur Einkommensteuer heranzuziehenden Eink\u00fcnften aus Kapitalverm\u00f6gen geh\u00f6ren gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 Satz&nbsp;1 EStG auch Ertr\u00e4ge aus sonstigen Kapitalforderungen jeder Art, soweit sie nicht einer anderen Einkunftsart zuzurechnen sind (\u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;8 EStG). Sonstige Kapitalforderungen jeder Art im Sinne der Vorschrift sind alle auf einen Geldbetrag gerichteten Forderungen, die nicht schon nach einem anderen Tatbestand des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 EStG zu erfassen sind. Hierzu z\u00e4hlt nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung des BFH auch der \u00f6ffentlich-rechtliche Erstattungsanspruch, da hierauf geleistete Zinsen als Gegenleistung daf\u00fcr gezahlt werden, dass der Steuerpflichtige dem Fiskus &#8211;wenn auch gezwungenerma\u00dfen&#8211; Kapital zur Nutzung \u00fcberlassen hat, zu dessen Leistung er letztlich nicht verpflichtet war (vgl. BFH-Urteile vom 18.02.1975&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;104\/70, BFHE 115, 216, BStBl II 1975, 568; vom 08.04.1986&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;260\/82, BFHE 146, 408, BStBl II 1986, 557; vom 08.11.2005&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;105\/03, BFH\/NV 2006, 527, und vom 12.11.2013&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;36\/10, BFHE 243, 506, BStBl II 2014, 168). Auch Prozesszinsen i.S. des \u00a7&nbsp;236 AO werden wie andere Zinsen daf\u00fcr gezahlt, dass dem Gl\u00e4ubiger die M\u00f6glichkeit der Kapitalnutzung entzogen ist. F\u00fcr die einkommensteuerliche Einordnung unter \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 EStG macht es daher weder einen Unterschied, ob die Pflicht zur Abgeltung der Kapitalnutzung auf vertraglicher oder gesetzlicher Grundlage beruht, noch, ob es sich bei den Prozesszinsen der Sache nach um eine besondere Art des Schadensersatzes handelt. Jedenfalls ist wirtschaftlich und steuerrechtlich die nach \u00a7&nbsp;236 AO in Zinsform zu erbringende Leistung an den Steuerpflichtigen als Entgelt f\u00fcr die erzwungene Kapital\u00fcberlassung an das FA anzusehen (BFH-Urteil in BFHE 146, 408, BStBl II 1986, 557, unter 1.b).<\/li><li>bb) Aus dem vom Kl\u00e4ger in Bezug genommenen BFH-Urteil vom 15.06.2010&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;33\/07 (BFHE 230, 109, BStBl II 2011, 503) zur Steuerpflicht von Erstattungszinsen nach \u00a7&nbsp;233a AO folgt nichts anderes, weil der Gesetzgeber mit der Regelung in \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 Satz&nbsp;3 EStG i.d.F. des Jahressteuergesetzes 2010 vom 08.12.2010 &#8211;JStG 2010&#8211; (BGBl I 2010, 1768), die Erstattungszinsen i.S. des \u00a7&nbsp;233a AO ausdr\u00fccklich dem steuerbaren Bereich zuweist, dieser Rechtsprechung die Grundlage entzogen hat. Soweit der Kl\u00e4ger vortr\u00e4gt, die gesetzliche Klarstellung in \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 Satz&nbsp;3 EStG beziehe sich lediglich auf Erstattungszinsen i.S. des \u00a7&nbsp;233a AO, nicht aber auf Prozesszinsen i.S. des \u00a7&nbsp;236 AO, beruht dies darauf, dass der BFH mit seinem Urteil in BFHE 230, 109, BStBl II 2011, 503 lediglich die Steuerbarkeit von Erstattungszinsen nach \u00a7&nbsp;233a AO in Zweifel gezogen hatte und deshalb aus Sicht des Gesetzgebers auch nur insoweit eine klarstellende gesetzliche Regelung veranlasst war. Aus der Normierung (nur) der Erstattungszinsen i.S. des \u00a7&nbsp;233a AO als Kapitaleink\u00fcnfte in \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 Satz&nbsp;3 EStG i.d.F. des JStG 2010 kann deshalb nicht abgeleitet werden, dass die Frage der Steuerbarkeit von Prozesszinsen i.S. des \u00a7&nbsp;236 AO kl\u00e4rungsbed\u00fcrftig w\u00e4re. Wie der BFH bereits entschieden hat, ist vielmehr davon auszugehen, dass der Gesetzgeber mit der Regelung in \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;7 Satz&nbsp;3 EStG i.d.F. des JStG 2010 die Rechtslage mit Wirkung f\u00fcr die Vergangenheit so regeln wollte, wie sie bis zum Ergehen des BFH-Urteils in BFHE 230, 109, BStBl 2011, 503 der gefestigten h\u00f6chstrichterlichen Rechtsprechung entsprach (BFH-Urteile vom 15.04.2015&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;30\/13, juris, Rz&nbsp;35, sowie in BFHE 243, 506, BStBl II 2014, 168, Rz&nbsp;30; zur Steuerpflicht von Prozesszinsen gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;8 EStG a.F. vgl. BFH-Urteil in BFHE 146, 408, BStBl II 1986, 557).<\/li><li>3. Von einer weiteren Begr\u00fcndung sieht der Senat nach \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 FGO ab.<\/li><li>4. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beschluss vom 17. 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