{"id":74111,"date":"2021-09-04T13:43:33","date_gmt":"2021-09-04T11:43:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=74111"},"modified":"2021-09-04T13:43:33","modified_gmt":"2021-09-04T11:43:33","slug":"aufhebung-einer-zustaendigkeitsvereinbarung-nach-%c2%a7-27-ao","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/aufhebung-einer-zustaendigkeitsvereinbarung-nach-%c2%a7-27-ao\/","title":{"rendered":"Aufhebung einer Zust\u00e4ndigkeitsvereinbarung nach \u00a7 27 AO"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Urteil vom 12. Juli 2021, VI R 13\/19<\/h1>\n\n\n\n<p>ECLI:DE:BFH:2021:U.120721.VIR13.19.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH VI. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>AO \u00a7 27 , AO \u00a7 150 Abs 8 S 1 , AO \u00a7 150 Abs 8 S 2 , AO \u00a7 152 Abs 1 S 1 , AO \u00a7 152 Abs 1 S 2 , AO \u00a7 152 Abs 2 , EStG \u00a7 41a Abs 1 S 1 Nr 1 , EStG \u00a7 41a Abs 1 S 2 , EStG \u00a7 41a Abs 1 S 3 Halbs 1 , EStG \u00a7 41a Abs 2 S 1 , EStG VZ 2015<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG M\u00fcnchen, 15. Februar 2019, Az: 8 K 142\/17<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Aufhebung einer Zust\u00e4ndigkeitsvereinbarung durch die Finanzbeh\u00f6rden bedarf keiner Zustimmung des Steuerpflichtigen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision des Kl\u00e4gers gegen das Urteil des Finanzgerichts M\u00fcnchen vom 15.02.2019 &#8211; 8 K 142\/17 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Kl\u00e4ger zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Der Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) ist mit seiner Betriebsst\u00e4tte Arbeitgeber im Bezirk des Beklagten und Revisionsbeklagten (Finanzamt &#8211;FA&#8211;). Bis zum 31.12.2001 war die Ehefrau (E) des Kl\u00e4gers beim FA besch\u00e4ftigt.<\/li><li>Aufgrund dieser Besch\u00e4ftigung der E hatten das FA und das FA \u2026 (FA&nbsp;B) auf Anregung der Eheleute am 26.\/31.05.1994 eine Zust\u00e4ndigkeitsvereinbarung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;27 der Abgabenordnung (AO) abgeschlossen, wonach das FA&nbsp;B ab sofort f\u00fcr die Personen- und Betriebssteuern der Eheleute zust\u00e4ndig war.<\/li><li>Mit Schreiben vom 25.11.2013 teilte das FA&nbsp;B dem Kl\u00e4ger und der E mit, wegen der Beendigung des Angestelltenverh\u00e4ltnisses der E beim FA und des zwischenzeitlich eingetretenen Wechsels der mit dem Besteuerungsverfahren betrauten Amtstr\u00e4ger sei der Grund f\u00fcr die im Jahre 1994 getroffene Zust\u00e4ndigkeitsvereinbarung entfallen und nicht mehr anwendbar.<\/li><li>Demgem\u00e4\u00df teilte das FA dem Kl\u00e4ger u.a. f\u00fcr Zwecke der Anmeldung der Lohnsteuer eine auf das FA lautende Steuernummer zu.<\/li><li>Mit Schreiben vom 04.11.2014 forderte das FA den Kl\u00e4ger auf, die Lohnsteuer-Anmeldungen nunmehr dem FA zu \u00fcbermitteln. Am 23.02.2015 forderte es den Kl\u00e4ger nochmals schriftlich auf, die sein Unternehmen betreffenden Lohnsteuer-Anmeldungen elektronisch beim FA einzureichen. Der Kl\u00e4ger gab die monatlichen Lohnsteuer-Anmeldungen gleichwohl weiterhin ausschlie\u00dflich beim FA&nbsp;B ab (bis Mai 2014 gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;41a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 des Einkommensteuergesetzes &#8211;EStG&#8211; nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz durch Datenfern\u00fcbertragung nach Ma\u00dfgabe der Steuerdaten\u00fcbermittlungsverordnung, ab Juni 2014 durch Einreichung von Aufstellungen \u00fcber die Gesamtsumme der abzuf\u00fchrenden Lohnsteuern und sonstigen Lohnabzugsbetr\u00e4ge auf aus dem Computersystem des Kl\u00e4gers erstellten Formularen). Die eingereichten Unterlagen leitete das FA&nbsp;B an das FA weiter. Dieses sch\u00e4tzte auf dieser Grundlage die Lohnsteuern insbesondere f\u00fcr die Anmeldezeitr\u00e4ume Februar 2015 bis Juni 2015 und setzte Versp\u00e4tungszuschl\u00e4ge wie folgt fest:&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Lohnsteuer&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Versp\u00e4tungszuschlag&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Februar 2015&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;921,62&nbsp;\u20ac20 \u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;M\u00e4rz 2015242,66 \u20ac20 \u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;April 2015345,50 \u20ac25 \u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;Mai 2015586,39 \u20ac30 \u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;Juni 2015376,06 \u20ac30 \u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/li><li>Die gegen die Festsetzung der Versp\u00e4tungszuschl\u00e4ge eingelegten Einspr\u00fcche wies das FA als unbegr\u00fcndet zur\u00fcck.<\/li><li>Die im Anschluss erhobene Klage blieb aus den in Entscheidungen der Finanzgerichte 2019, 587 ver\u00f6ffentlichten Gr\u00fcnden ebenfalls ohne Erfolg.<\/li><li>Mit seiner Revision r\u00fcgt der Kl\u00e4ger die Verletzung materiellen Rechts.<\/li><li>Er beantragt sinngem\u00e4\u00df,<br \/>das Urteil des Finanzgerichts (FG), die Einspruchsentscheidung vom 04.09.2015 sowie die Bescheide \u00fcber die Festsetzung der Versp\u00e4tungszuschl\u00e4ge zur Lohnsteuer vom 30.04.2015 (Februar 2015)\u201a vom 04.05.2015 (M\u00e4rz 2015), vom 03.06.2015 (April 2015), vom 03.07.2015 (Mai 2015) und vom 04.08.2015 (Juni 2015) aufzuheben.<\/li><li>Das FA beantragt,<br \/>die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision ist unbegr\u00fcndet und zur\u00fcckzuweisen (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/li><li>1. Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;152 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO kann gegen denjenigen, der seiner Verpflichtung zur Abgabe einer Steuererkl\u00e4rung nicht oder nicht fristgem\u00e4\u00df nachkommt, ein Versp\u00e4tungszuschlag festgesetzt werden. Von einer solchen Festsetzung ist abzusehen, wenn die Vers\u00e4umnis entschuldbar erscheint (\u00a7&nbsp;152 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 AO). Sind diese Voraussetzungen erf\u00fcllt, was von den Gerichten uneingeschr\u00e4nkt nachpr\u00fcfbar ist (Senatsurteil vom 15.03.2007&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;29\/05, BFH\/NV 2007, 1076, m.w.N.), hat die zust\u00e4ndige Finanzbeh\u00f6rde nach pflichtgem\u00e4\u00dfem Ermessen zu entscheiden, ob sie einen Versp\u00e4tungszuschlag festsetzt (sog. Entschlie\u00dfungsermessen) und wie hoch sie ihn unter Beachtung der gesetzlichen Grenzen des \u00a7&nbsp;152 Abs.&nbsp;2 AO festsetzt (sog. Auswahlermessen). Dieser Teil der Entscheidung unterliegt gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;102 FGO nur der eingeschr\u00e4nkten gerichtlichen Nachpr\u00fcfung (Senatsurteil in BFH\/NV 2007, 1076).<\/li><li>2. Nach \u00a7&nbsp;41a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG hat der Arbeitgeber sp\u00e4testens am zehnten Tag nach Ablauf eines jeden Lohnsteuer-Anmeldungszeitraums dem FA, in dessen Bezirk sich die Betriebsst\u00e4tte (\u00a7&nbsp;41 Abs.&nbsp;2 EStG) befindet (Betriebsst\u00e4ttenfinanzamt), eine Steuererkl\u00e4rung einzureichen, in der er die Summen der im Lohnsteuer-Anmeldungszeitraum einzubehaltenden und zu \u00fcbernehmenden Lohnsteuer, getrennt nach den Kalenderjahren in denen der Arbeitslohn bezogen wird oder als bezogen gilt, angibt (Lohnsteuer-Anmeldung). Lohnsteuer-Anmeldungszeitraum ist dabei grunds\u00e4tzlich der Kalendermonat (\u00a7&nbsp;41a Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG).<\/li><li>Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;41a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG ist die Lohnsteuer-Anmeldung nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz durch Datenfern\u00fcbertragung zu \u00fcbermitteln. Auf Antrag kann das FA zur Vermeidung unbilliger H\u00e4rten auf eine elektronische \u00dcbermittlung verzichten (\u00a7&nbsp;41a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 Halbsatz&nbsp;1 EStG). Dies setzt gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;150 Abs.&nbsp;8 Satz&nbsp;1 AO voraus, dass eine Erkl\u00e4rungsabgabe nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz durch Datenfern\u00fcbertragung f\u00fcr den Steuerpflichtigen wirtschaftlich oder pers\u00f6nlich unzumutbar ist. Nach \u00a7&nbsp;150 Abs.&nbsp;8 Satz&nbsp;2 AO ist dies insbesondere der Fall, wenn die Schaffung der technischen M\u00f6glichkeiten f\u00fcr eine Datenfern\u00fcbertragung des amtlich vorgeschriebenen Datensatzes nur mit einem nicht unerheblichen finanziellen Aufwand m\u00f6glich w\u00e4re oder wenn der Steuerpflichtige nach seinen individuellen Kenntnissen und F\u00e4higkeiten nicht oder nur eingeschr\u00e4nkt in der Lage ist, die M\u00f6glichkeiten der Datenfern\u00fcbertragung zu nutzen.<\/li><li>3. Bei Heranziehung dieser Rechtsgrunds\u00e4tze ist die Festsetzung der Versp\u00e4tungszuschl\u00e4ge durch das FA nicht zu beanstanden.<\/li><li>a) Entgegen der Ansicht des Kl\u00e4gers war das FA &#8211;wie das FG zutreffend ausgef\u00fchrt hat&#8211; f\u00fcr die Festsetzung der Versp\u00e4tungszuschl\u00e4ge \u00f6rtlich zust\u00e4ndig, da die Zust\u00e4ndigkeitsvereinbarung aus dem Jahr 1994 vom FA&nbsp;B und dem FA aufgehoben wurde und das FA gem\u00e4\u00df der gesetzlichen Regelung in \u00a7&nbsp;41a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG als Betriebsst\u00e4ttenfinanzamt des Arbeitgebers (Kl\u00e4gers) f\u00fcr die Anmeldung und Abf\u00fchrung der Lohnsteuer \u00f6rtlich zust\u00e4ndig ist.<\/li><li>aa) Nach \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO kann &#8211;wie zwischen dem FA und dem FA&nbsp;B mit Zustimmung des Kl\u00e4gers im Jahr 1994 erfolgt&#8211; eine andere Finanzbeh\u00f6rde im Einvernehmen mit der Finanzbeh\u00f6rde, die nach den Vorschriften der Steuergesetze \u00f6rtlich zust\u00e4ndig ist, die Besteuerung \u00fcbernehmen, wenn der Betroffene zustimmt.<\/li><li>bb) Die Aufhebung einer gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;27 AO begr\u00fcndeten Zust\u00e4ndigkeitsvereinbarung ist dagegen gesetzlich nicht geregelt. Das FG hat aber zurecht entschieden, dass eine vorhandene Zust\u00e4ndigkeitsvereinbarung von den beteiligten Finanzbeh\u00f6rden einvernehmlich (unter aaa) und ohne Zustimmung des Steuerpflichtigen (unter bbb) aufgehoben werden kann, wenn &#8211;wie vorliegend&#8211; der rechtliche Grund f\u00fcr die abweichende Zust\u00e4ndigkeitsregelung wieder entfallen ist (unter ccc).<\/li><li>aaa) Da zwischen den beteiligten Finanz\u00e4mtern &#8211;hier dem FA und dem FA&nbsp;B&#8211; ein Einvernehmen hinsichtlich der \u00dcbernahme der Besteuerung vorliegen muss, ist auch f\u00fcr die Aufhebung einer Zust\u00e4ndigkeitsvereinbarung ein Konsens zwischen diesen Beh\u00f6rden erforderlich (s. Schmieszek in Gosch, AO \u00a7&nbsp;27 Rz&nbsp;14.1), der vorliegend gegeben ist.<\/li><li>bbb) Die einvernehmliche Aufhebung einer Zust\u00e4ndigkeitsvereinbarung durch die Finanzbeh\u00f6rden bedarf aber nicht auch der (erneuten) Zustimmung des Steuerpflichtigen (ebenso BeckOK&nbsp;AO\/Steinke, 16.&nbsp;Ed. [01.04.2021], AO \u00a7&nbsp;27 Rz&nbsp;35).<\/li><li>(1) Das in \u00a7&nbsp;27 AO f\u00fcr den Abschluss einer Zust\u00e4ndigkeitsvereinbarung verankerte Zustimmungserfordernis wurde eingef\u00fcgt, um den Steuerpflichtigen vor willk\u00fcrlichen Vereinbarungen zu sch\u00fctzen und um dem in Art.&nbsp;101 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 des Grundgesetzes verankerten Grundsatz, wonach niemand seinem gesetzlichen Richter entzogen werden darf, zu gen\u00fcgen, weil die Zust\u00e4ndigkeit des FG an die Zust\u00e4ndigkeit der Finanzbeh\u00f6rde ankn\u00fcpft (BTDrucks VI\/1982, 108; BTDrucks 7\/4292, 17; Tz&nbsp;1 des Anwendungserlasses zur Abgabenordnung zu \u00a7&nbsp;27 AO; BeckOK&nbsp;AO\/Steinke, 16.&nbsp;Ed. [01.04.2021], AO \u00a7&nbsp;27 Rz&nbsp;35).<\/li><li>(2) \u00a7&nbsp;27 AO dient auch nicht den Interessen des Steuerpflichtigen, sondern den Interessen der Verwaltung an einer Verwaltungsvereinfachung (Wackerbeck in H\u00fcbschmann\/Hepp\/Spitaler &#8211;HHSp&#8211;, \u00a7&nbsp;27 AO Rz&nbsp;20).<\/li><li>(3) Die Zust\u00e4ndigkeitsvereinbarung stellt zudem keinen \u00f6ffentlich-rechtlichen Vertrag zwischen den Finanz\u00e4mtern und dem Steuerpflichtigen dar, da nach \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO nur ein Einvernehmen zwischen den beiden Finanz\u00e4mtern herzustellen ist (Klein\/R\u00e4tke, AO, 15.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;27 Rz&nbsp;2; Dr\u00fcen in Tipke\/Kruse, \u00a7&nbsp;27 AO Rz&nbsp;10; Wackerbeck in HHSp, \u00a7&nbsp;27 AO Rz&nbsp;7; Schmieszek in Gosch, AO \u00a7&nbsp;27 Rz&nbsp;9).<\/li><li>(4) Das FG hat des Weiteren zu Recht ausgef\u00fchrt, dass durch die Aufhebung einer bestehenden Zust\u00e4ndigkeitsvereinbarung keine neue Zust\u00e4ndigkeit geschaffen wird, sondern lediglich die R\u00fcckkehr zur gesetzlich vorgesehenen \u00f6rtlichen Zust\u00e4ndigkeit erfolgt (ebenso BeckOK&nbsp;AO\/Steinke, 16.&nbsp;Ed. [01.04.2021], AO \u00a7&nbsp;27 Rz&nbsp;35).<\/li><li>ccc) Die mit der Aufhebung der Zust\u00e4ndigkeitsvereinbarung verbundene R\u00fcckkehr zur gesetzlichen Zust\u00e4ndigkeitsregelung ist entgegen der Ansicht des Kl\u00e4gers im Streitfall auch nicht grundlos erfolgt. Denn nach den Feststellungen des FG, gegen die der Kl\u00e4ger keine durchgreifenden Verfahrensr\u00fcgen erhoben hat und die den Senat daher binden (\u00a7&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO), sind die Voraussetzungen, die f\u00fcr den Abschluss der Vereinbarung im Jahr 1994 ma\u00dfgebend waren, entfallen. So ist E zum einen nicht mehr beim FA besch\u00e4ftigt. Zum anderen ist es in der Zwischenzeit zu einem Wechsel der mit dem Besteuerungsverfahren des Kl\u00e4gers betrauten Amtstr\u00e4ger gekommen. Mit dem Wegfall der f\u00fcr den Abschluss der Zust\u00e4ndigkeitsvereinbarung ma\u00dfgeblichen Gr\u00fcnde konnte der Kl\u00e4ger nicht darauf vertrauen, die Vereinbarung werde gleichwohl &#8222;f\u00fcr immer&#8220; Bestand haben (zur Zustimmungserkl\u00e4rung des Steuerpflichtigen als Vertrauensschutz begr\u00fcndenden Beitrag bei unver\u00e4ndertem Sachverhalt s. Schmieszek in Gosch, AO \u00a7&nbsp;27 Rz&nbsp;14.1, und Wackerbeck in HHSp, \u00a7&nbsp;27 AO Rz&nbsp;22). Auch kann sich der Kl\u00e4ger bei dieser Sachlage nicht darauf berufen, das FA verhalte sich widerspr\u00fcchlich.<\/li><li>b) Die Festsetzung der Versp\u00e4tungszuschl\u00e4ge durch das FA ist auch materiell-rechtlich nicht zu beanstanden.<\/li><li>aa) Das FG hat nach \u00a7&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO bindend festgestellt, dass der Kl\u00e4ger die Lohnsteuer-Anmeldungen Februar 2015 bis Juni 2015 nicht in der nach \u00a7&nbsp;41a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG gebotenen Form beim FA abgegeben hat, ohne dass ein Verzicht hierauf gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;41a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 Halbsatz&nbsp;1 EStG vorlag. Damit ist der Kl\u00e4ger seiner Verpflichtung zur Abgabe der Lohnsteuer-Anmeldungen f\u00fcr Februar 2015 bis Juni 2015 nicht nachgekommen. Das FA war daher nach \u00a7&nbsp;152 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO zur Festsetzung von Versp\u00e4tungszuschl\u00e4gen berechtigt.<\/li><li>\u00dcber die Gr\u00fcnde, die der Kl\u00e4ger gegen seine Verpflichtung zur Abgabe entsprechend \u00a7&nbsp;41a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG vorbringt, kann im Verfahren \u00fcber die Festsetzung eines Versp\u00e4tungszuschlags nicht entschieden werden; entscheidungserheblich ist dies nur im Verfahren \u00fcber einen Verzicht nach \u00a7&nbsp;41a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 EStG (s. Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 15.12.2015&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;102\/15, Rz&nbsp;18, betreffend Umsatzsteuer-Voranmeldungen). Ohne Verzicht nach \u00a7&nbsp;41a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 EStG ist f\u00fcr Zwecke des \u00a7&nbsp;152 AO von einer Nichtabgabe auszugehen, wobei der Vorrang einer Entscheidung im Verzichtsverfahren auch dazu dient, widersprechende Entscheidungen zu vermeiden (BFH-Beschluss vom 15.12.2015&nbsp;&#8211; V&nbsp;B&nbsp;102\/15, Rz&nbsp;18).<\/li><li>bb) Wie das FG in nicht zu beanstandender Weise festgestellt hat, ist die Nichtabgabe der Lohnsteuer-Anmeldungen auch nicht entschuldbar. Denn nach den Feststellungen des FG hatte das FA dem Kl\u00e4ger f\u00fcr Zwecke der Anmeldung der Lohnsteuer eine auf das FA lautende Steuernummer erteilt und ihn mit Schreiben vom 04.11.2014 sowie vom 23.02.2015 aufgefordert, die Lohnsteuer-Anmeldungen nunmehr beim FA abzugeben. Das FG hat zudem festgestellt, dass der Kl\u00e4ger bis Mai 2014 auch sehr wohl in der Lage war, die monatlichen Lohnsteuer-Anmeldungen bis zum Wechsel der \u00f6rtlichen Zust\u00e4ndigkeit beim FA&nbsp;B gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;41a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG nach amtlich vorgeschriebenem Datensatz durch Datenfern\u00fcbertragung abzugeben. Auf eine ordnungsgem\u00e4\u00dfe Abgabe beim FA&nbsp;B f\u00fcr die Monate Februar 2015 bis Juni 2015 kann sich der Kl\u00e4ger schon deshalb nicht berufen, weil er die Lohnsteuer-Anmeldungen f\u00fcr die streitgegenst\u00e4ndlichen Monate auch dort nicht in der nach \u00a7&nbsp;41a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG vorgeschriebenen Form abgegeben hat und nach den vorstehenden Ausf\u00fchrungen daher eine Nichtabgabe vorliegt.<\/li><li>cc) Das FG hat weiter zu Recht entschieden, dass dem FA bei Festsetzung der Versp\u00e4tungszuschl\u00e4ge kein Ermessensfehler unterlaufen ist. Dies macht der Kl\u00e4ger auch nicht geltend, weshalb der erkennende Senat von einer weiteren Begr\u00fcndung absieht.<\/li><li>4. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Urteil vom 12. Juli 2021, VI R 13\/19 ECLI:DE:BFH:2021:U.120721.VIR13.19.0 BFH VI. 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