{"id":74143,"date":"2021-09-11T12:28:01","date_gmt":"2021-09-11T10:28:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=74143"},"modified":"2021-09-11T12:28:01","modified_gmt":"2021-09-11T10:28:01","slug":"beiladung-einer-personengesellschaft-zu-einem-gegen-einen-gesonderten-und-einheitlichen-feststellungsbescheid-gerichteten-verfahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/beiladung-einer-personengesellschaft-zu-einem-gegen-einen-gesonderten-und-einheitlichen-feststellungsbescheid-gerichteten-verfahren\/","title":{"rendered":"Beiladung einer Personengesellschaft zu einem gegen einen gesonderten und einheitlichen Feststellungsbescheid gerichteten Verfahren"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Beschluss vom 26. Juni 2021, VIII B 28\/21<\/h1>\n\n\n\n<p>ECLI:DE:BFH:2021:B.260621.VIIIB28.21.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH VIII. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>FGO \u00a7 48 Abs 1 Nr 1 , FGO \u00a7 60 Abs 3 , FGO \u00a7 135 Abs 2 , FGO \u00a7 48 Abs 1 Nr 4 , FGO \u00a7 48 Abs 1 Nr 5<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG M\u00fcnster, 22. Januar 2021, Az: 10 K 3338\/17 F<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Die Einschr\u00e4nkung, dass eine nach \u00a7 48 Abs. 1 Nr. 4 oder Nr. 5 FGO klagebefugte Person nicht zum Verfahren beizuladen ist, wenn sie vom Ausgang des Rechtsstreits unter keinem denkbaren Gesichtspunkt betroffen sein kann, gilt nicht f\u00fcr die Klagebefugnis nach \u00a7 48 Abs. 1 Nr. 1 FGO (vgl. BFH-Beschluss vom 14.11.2008 &#8211; IV B 136\/07, BFH\/NV 2009, 597).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Beschwerde des Kl\u00e4gers zu 1. gegen den Beschluss des Finanzgerichts M\u00fcnster vom 22.01.2021 &#8211; 10 K 3338\/17 F wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat der Kl\u00e4ger zu 1. zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Der Kl\u00e4ger zu 1. und Beschwerdef\u00fchrer (Kl\u00e4ger) ist als Treugeber \u00fcber einen von der A-GmbH gehaltenen Kommanditanteil mittelbar an der B-KG beteiligt. Pers\u00f6nlich haftende Gesellschafterin der B-KG ist die B-GmbH. Gegenstand des Unternehmens der B-KG ist u.a. der Erwerb und das Halten von Index-Zertifikaten sowie von US-Lebensversicherungspolicen.<\/li><li>Die B-KG und die B-GmbH wurden zwischenzeitlich aufgel\u00f6st. Zur Liquidatorin beider Gesellschaften wurde die C-KG bestellt. Die Liquidation beider Gesellschaften ist noch nicht beendet.<\/li><li>Mit Bescheid \u00fcber die gesonderte und einheitliche Feststellung von Besteuerungsgrundlagen vom 30.03.2017, der gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;164 Abs.&nbsp;1 der Abgabenordnung unter dem Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung erging, stellte der Beklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) f\u00fcr die B-KG u.a. Kapitalertr\u00e4ge, die nicht dem Steuerabzug unterlagen, in H\u00f6he von &#8230;&nbsp;\u20ac fest und rechnete diese dem Kl\u00e4ger in H\u00f6he von &#8230;&nbsp;\u20ac zu. Am 06.06.2017 erlie\u00df das FA einen \u00c4nderungsbescheid, in dem es u.a. Kapitalertr\u00e4ge, die nicht dem Steuerabzug unterlagen, in H\u00f6he von &#8230;&nbsp;\u20ac feststellte und diese dem Kl\u00e4ger in H\u00f6he von &#8230;&nbsp;\u20ac zurechnete. In beiden Bescheiden wurde der Kl\u00e4ger als Gesellschafter der B-KG gef\u00fchrt. Die Treuhandkommanditistin wurde in den Bescheiden nicht als Gesellschafterin aufgef\u00fchrt.<\/li><li>Mit seiner hiergegen erhobenen Klage wendet sich der Kl\u00e4ger u.a. dagegen, dass er in den angefochtenen Bescheiden als Kommanditist der B-KG gef\u00fchrt wird, obwohl er lediglich mittelbar \u00fcber die Treuhandkommanditistin an der B-KG beteiligt sei. Er tr\u00e4gt vor, das FA habe es unterlassen, ein zweistufiges Feststellungsverfahren durchzuf\u00fchren. Hilfsweise macht er die Ber\u00fccksichtigung zus\u00e4tzlicher Sonderbetriebsausgaben geltend.<\/li><li>Das Finanzgericht (FG) hat zun\u00e4chst die C-KG gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;60 Abs.&nbsp;3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zum Verfahren beigeladen. Auf die Beschwerde des Kl\u00e4gers hat der Senat mit Beschluss vom 12.10.2020&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;32\/20 (BFH\/NV 2021, 333) die Beiladung aufgehoben und zur Begr\u00fcndung ausgef\u00fchrt, das FG habe die B-KG selbst und nicht die C-KG als deren Liquidatorin beiladen m\u00fcssen.<\/li><li>Mit Beschluss vom 22.01.2021 hat das FG die B-KG gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;60 Abs.&nbsp;3 FGO zum Verfahren beigeladen. Dagegen wendet sich der Kl\u00e4ger erneut mit der Beschwerde. Er macht u.a. geltend, die B-KG sei unter keinem denkbaren Gesichtspunkt vom Ausgang des Klageverfahrens betroffen. Der Feststellungsbescheid sei bereits mangels ordnungsgem\u00e4\u00dfer Adressierung der Feststellungsbeteiligten unwirksam. Eine Beiladung sei jedenfalls im derzeitigen Stadium der Liquidation der B-KG ausgeschlossen.<\/li><li>Das FG hat der Beschwerde nicht abgeholfen.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger beantragt, den Beschluss des FG vom 22.01.2021 aufzuheben.<\/li><li>Das FA hat zu der Beschwerde des Kl\u00e4gers nicht Stellung genommen und auch keinen Antrag gestellt.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beschwerde ist unbegr\u00fcndet.<\/li><li>1. Die B-KG war im Streitfall gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;60 Abs.&nbsp;3 FGO notwendig beizuladen.<\/li><li>a) Nach \u00a7&nbsp;60 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 FGO sind Dritte, die an dem streitigen Rechtsverh\u00e4ltnis derart beteiligt sind, dass die Entscheidung auch ihnen gegen\u00fcber nur einheitlich ergehen kann, notwendig beizuladen. Dies gilt nach Satz&nbsp;2 der Vorschrift nicht f\u00fcr Mitberechtigte, die nach \u00a7&nbsp;48 FGO nicht klagebefugt sind.<\/li><li>b) Danach war die Beiladung der B-KG im Streitfall notwendig.<\/li><li>aa) Die B-KG ist nach \u00a7&nbsp;48 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 FGO befugt, Klage gegen den Feststellungsbescheid zu erheben, ist im Streitfall aber nicht selbst als Kl\u00e4gerin am Verfahren beteiligt (\u00a7&nbsp;60 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 FGO). Eine Einschr\u00e4nkung der Klagebefugnis der B-KG und damit der Beiladungspflicht ergibt sich nicht daraus, dass sie, wie der Kl\u00e4ger vortr\u00e4gt, unter keinem denkbaren rechtlichen Gesichtspunkt vom Ausgang des Verfahrens betroffen sein kann. Denn diese Einschr\u00e4nkung gilt nicht f\u00fcr die Klagebefugnis nach \u00a7&nbsp;48 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 FGO (vgl. Beschl\u00fcsse des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 31.01.1992&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;33\/90, BFHE 167, 5, BStBl II 1992, 559, und vom 14.11.2008&nbsp;&#8211; IV&nbsp;B&nbsp;136\/07, BFH\/NV 2009, 597). Die in \u00a7&nbsp;48 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 FGO geregelte gesetzliche Prozessstandschaft der Gesellschaft wird im Wesentlichen von prozess\u00f6konomischen Erw\u00e4gungen bestimmt, wie etwa der einheitlichen Behandlung von Streitfragen, dem mit der notwendigen Beiladung verfolgten Ziel der Vermeidung widerspr\u00fcchlicher Entscheidungen und der Sicherung einer einheitlichen Rechtskraftwirkung (vgl. hierzu: BFH-Beschluss in BFHE 167, 5, BStBl II 1992, 559, unter 2.c der Gr\u00fcnde).<\/li><li>bb) Der notwendigen Beiladung der B-KG steht auch nicht entgegen, dass sie aufgel\u00f6st wurde und sich im Stadium der Liquidation befindet. Denn die Liquidation einer Personengesellschaft l\u00e4sst ihre Klagebefugnis w\u00e4hrend der Liquidationsphase unber\u00fchrt (z.B. BFH-Beschluss vom 12.04.2007&nbsp;&#8211; IV&nbsp;B&nbsp;69\/05, BFH\/NV 2007, 1923). Von der Beiladung der nach \u00a7&nbsp;48 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 FGO klagebefugten Gesellschaft kann erst dann abgesehen werden, wenn die Gesellschaft nach den \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nden (tats\u00e4chliche Einstellung des Betriebs, v\u00f6llige Verm\u00f6genslosigkeit) als faktisch beendet anzusehen ist oder wenn \u00fcber den Fortbestand der Gesellschaft Ungewissheit besteht (vgl. z.B. BFH-Urteil vom 03.09.2009&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;17\/07, BFHE 227, 293, BStBl II 2010, 631; BFH-Beschluss in BFH\/NV 2021, 333). Daf\u00fcr bestehen nach dem vorliegenden Akteninhalt keine Anhaltspunkte.<\/li><li>2. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO. Von einer Kostenentscheidung im Beschwerdeverfahren gegen einen Beiladungsbeschluss ist nur abzusehen, wenn im Sinne des Rechtsmittelantrags entschieden wird (vgl. BFH-Beschluss vom 07.05.2009&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;B&nbsp;11\/09, BFH\/NV 2009, 1447; vgl. auch Gr\u00e4ber\/Ratschow, Finanzgerichtsordnung, 9.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;143 Rz&nbsp;10, m.w.N.).<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beschluss vom 26. Juni 2021, VIII B 28\/21 ECLI:DE:BFH:2021:B.260621.VIIIB28.21.0 BFH VIII. Senat FGO \u00a7 48 Abs 1 Nr 1 , FGO \u00a7 60 Abs 3 , FGO \u00a7 135 Abs 2 , FGO \u00a7 48 Abs 1 Nr 4 , FGO \u00a7 48 Abs 1 Nr 5 vorgehend FG M\u00fcnster, 22. 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