{"id":74198,"date":"2021-10-12T16:33:02","date_gmt":"2021-10-12T14:33:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=74198"},"modified":"2021-10-12T16:33:02","modified_gmt":"2021-10-12T14:33:02","slug":"erstattung-der-aussergerichtlichen-kosten-des-beigeladenen-fuer-das-revisionsverfahren-bfh-beschluss-vom-20-juli-2021-viii-r-21-18","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/erstattung-der-aussergerichtlichen-kosten-des-beigeladenen-fuer-das-revisionsverfahren-bfh-beschluss-vom-20-juli-2021-viii-r-21-18\/","title":{"rendered":"Erstattung der au\u00dfergerichtlichen Kosten des Beigeladenen f\u00fcr das Revisionsverfahren. BFH-Beschluss vom 20. Juli 2021, VIII R 21\/18"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2021:B.200721.VIIIR21.18.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH VIII. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>FGO \u00a7 135 Abs 3 , FGO \u00a7 138 Abs 2 , FGO \u00a7 139 Abs 4<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG D\u00fcsseldorf, 26. April 2018, Az: 11 K 789\/14 F<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. NV: Die Erstattungsf\u00e4higkeit der Kosten des Beigeladenen f\u00fcr das Klage- und das Revisionsverfahren kann unterschiedlich zu beurteilen sein.<\/p>\n\n\n\n<p>2. NV: Die Erstattungsf\u00e4higkeit der Kosten des Beigeladenen f\u00fcr das Revisionsverfahren nach billigem Ermessen kommt auch in Betracht, wenn der Beigeladene das Revisionsverfahren bis zur Erledigung der Hauptsache wesentlich f\u00f6rdert, indem er zur Sache vortr\u00e4gt, gegen die ge\u00e4nderte Feststellung der streitigen Besteuerungsgrundlagen in den dem kl\u00e4gerischen Begehren abhelfenden Gewinnfeststellungsbescheiden &#8211;auch zu seinen Lasten&#8211; keine Einwendungen erhebt und zum Ausdruck bringt, sich an die zwischen den Hauptbeteiligten vereinbarte Einigung gebunden zu f\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Nach Erledigung des Rechtsstreits in der Hauptsache werden die bis zum 29.09.2016 entstandenen Kosten des Klageverfahrens dem Kl\u00e4ger zu 40 % und dem Beklagten zu 60 % und f\u00fcr die Zeit ab dem 30.09.2016 dem Beklagten allein auferlegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die au\u00dfergerichtlichen Kosten der Beigeladenen f\u00fcr das Klageverfahren sind nicht erstattungsf\u00e4hig.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens tr\u00e4gt der Beklagte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die au\u00dfergerichtlichen Kosten der Beigeladenen f\u00fcr das Revisionsverfahren sind erstattungsf\u00e4hig und vom Beklagten zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Urteil des Finanzgerichts D\u00fcsseldorf vom 26.04.2018 &#8211; 11 K 789\/14 F ist gegenstandslos.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) und der Beklagte und Revisionsbeklagte (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) haben im Nachgang zur Entscheidung des Senats \u00fcber die Aussetzung der Vollziehung (Beschluss des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 13.11.2019&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;S&nbsp;37\/18, BFH\/NV 2020, 196) das Verfahren \u00fcbereinstimmend f\u00fcr erledigt erkl\u00e4rt. Das FA hat zugesagt, die Gewinnfeststellungsbescheide f\u00fcr die Streitjahre in der zwischen dem Kl\u00e4ger und dem FA inhaltlich abgestimmten Weise zu \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>1. Hierdurch ist das Urteil des Finanzgerichts (FG) D\u00fcsseldorf vom 26.04.2018&nbsp;&#8211; 11&nbsp;K&nbsp;789\/14&nbsp;F (Entscheidungen der Finanzgerichte 2018, 1176) gegenstandslos geworden (st\u00e4ndige Rechtsprechung, vgl. BFH-Beschluss vom 11.04.2008&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;43\/07, juris).<\/p>\n\n\n\n<p>2. \u00dcber die Kostentragung f\u00fcr das Klage- und Revisionsverfahren ist nach folgender Ma\u00dfgabe zu entscheiden.<\/p>\n\n\n\n<p>a) Dem Umstand, dass sowohl w\u00e4hrend des Klageverfahrens als auch im Verh\u00e4ltnis vom Klage- zum Revisionsverfahren Streitwert\u00e4nderungen eingetreten sind, ist dadurch Rechnung zu tragen, dass getrennte Kostenentscheidungen f\u00fcr das Klage- und das Revisionsverfahren zu treffen sind (vgl. dazu BFH-Beschluss vom 11.05.2009&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;81\/05, BFH\/NV 2009, 1447, unter II.2.).<\/p>\n\n\n\n<p>b) Der Kl\u00e4ger obsiegt im Klageverfahren auf Grundlage der zwischen den Beteiligten abgestimmten und noch zu erlassenden abhelfenden Gewinnfeststellungsbescheide, soweit er eine Minderung des Gesamthandsgewinns in H\u00f6he seiner in der m\u00fcndlichen Verhandlung vor dem FG gestellten Klageantr\u00e4ge begehrt hat. Er unterliegt im Klageverfahren, soweit er bis zum Er\u00f6rterungstermin am 29.09.2016 beim FG eine weiter gehende Minderung des Gesamthandsgewinns begehrt hat. Bezogen auf sein bis zum 29.09.2016 verfolgtes umfangreicheres Klagebegehren obsiegt der Kl\u00e4ger im Klageverfahren nach Ma\u00dfgabe der angek\u00fcndigten \u00c4nderungsbescheide zu 60&nbsp;%. Er hat danach die Kosten des Klageverfahrens, soweit diese bis zum 29.09.2016 entstanden sind, zu 40&nbsp;% zu tragen. Im \u00dcbrigen (zu 60&nbsp;%) tr\u00e4gt das FA die bis zum 29.09.2016 entstandenen Kosten des Klageverfahrens (vgl. \u00a7&nbsp;138 Abs.&nbsp;2 i.V.m. \u00a7&nbsp;136 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Alternative&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kostentragung&nbsp;bis&nbsp;zur&nbsp;Einschr\u00e4nkung&nbsp;des&nbsp;Klagebegehrens&nbsp;am&nbsp;29.09.2016<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td>&nbsp;&nbsp;<\/td><td><strong>2000<\/strong><\/td><td><strong>2001<\/strong><\/td><td><strong>2002<\/strong><\/td><td><strong>2003<\/strong><\/td><td><strong>2004<\/strong><\/td><td><strong>2005<\/strong><\/td><td><strong>2006<\/strong><\/td><\/tr><tr><td>&nbsp;&nbsp;<\/td><td><strong>DM<\/strong>&nbsp;<\/td><td><strong>DM<\/strong>&nbsp;<\/td><td><strong>\u20ac<\/strong>&nbsp;<\/td><td><strong>\u20ac<\/strong>&nbsp;<\/td><td><strong>\u20ac<\/strong>&nbsp;<\/td><td><strong>\u20ac<\/strong>&nbsp;<\/td><td><strong>\u20ac<\/strong>&nbsp;<\/td><\/tr><tr><td>GbR-Gewinn laut angefochtenen Feststellungsbescheiden<\/td><td>&nbsp;&nbsp;&nbsp;702.997&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td><td>&nbsp;&nbsp;&nbsp;948.113&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td><td>&nbsp;&nbsp;&nbsp;558.767&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td><td>&nbsp;&nbsp;&nbsp;611.537&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td><td>&nbsp;&nbsp;&nbsp;610.612&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td><td>&nbsp;&nbsp;&nbsp;533.623&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td><td>&nbsp;&nbsp;&nbsp;121.959&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/td><\/tr><tr><td>GbR-Gewinn laut Begehren bis zum 29.09.2016<\/td><td>659.184<\/td><td>816.440<\/td><td>466.203<\/td><td>498.048<\/td><td>489.075<\/td><td>442.061<\/td><td>114.980<\/td><\/tr><tr><td>GbR-Gewinn laut Erledigung der Hauptsache<\/td><td>695.731<\/td><td>860.867<\/td><td>505.140<\/td><td>537.962<\/td><td>536.005<\/td><td>479.263<\/td><td>114.980<\/td><\/tr><tr><td>Unterliegen bezogen auf den Antrag bis zum 29.09.2016<\/td><td>36.547<\/td><td>44.427<\/td><td>38.937<\/td><td>39.914<\/td><td>46.930<\/td><td>37.202<\/td><td>0&nbsp;<\/td><\/tr><tr><td>Gesamtbegehren bezogen auf den Antrag vom 29.09.2016<\/td><td>43.813<\/td><td>131.673<\/td><td>92.564<\/td><td>113.489<\/td><td>121.537<\/td><td>91.562<\/td><td>6.979&nbsp;<\/td><\/tr><tr><td>Unterliegen des Kl\u00e4gers bis zum 29.09.2016<\/td><td><strong>Gerundet 40&nbsp;%&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/strong><\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p>Mit seinem nach dem 29.09.2016 verfolgten Klagebegehren obsiegt der Kl\u00e4ger hingegen vollst\u00e4ndig. Insoweit tr\u00e4gt das FA die Kosten des Klageverfahrens allein (vgl. \u00a7&nbsp;138 Abs.&nbsp;2 i.V.m. \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO).<\/p>\n\n\n\n<p>c) Der Beigeladenen sind f\u00fcr das Klageverfahren keine Kosten aufzuerlegen, weil sie keinen Antrag i.S. des \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;3 FGO gestellt, sondern wie das FA bis zum Er\u00f6rterungstermin am 29.09.2016 und danach die Abweisung der Klage beantragt hat. Die au\u00dfergerichtlichen Kosten der Beigeladenen f\u00fcr das Klageverfahren sind aus diesem Grund auch nicht gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;139 Abs.&nbsp;4 FGO erstattungsf\u00e4hig (vgl. BFH-Urteile vom 23.01.1985&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;2\/83, BFHE 143, 119, BStBl II 1985, 368 [Rz&nbsp;22&nbsp;f.]; vom 11.11.2010&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;17\/08, BFHE 232, 28, BStBl II 2011, 716, Rz&nbsp;26).<\/p>\n\n\n\n<p>d) Im Revisionsverfahren hat der Kl\u00e4ger sein in der m\u00fcndlichen Verhandlung vor dem FG konkretisiertes Begehren weiterverfolgt, soweit das FG die Klage abgewiesen hatte. Er obsiegt insoweit im Rahmen der Erledigung der Hauptsache vollst\u00e4ndig. Die Kosten des Revisionsverfahrens sind nach billigem Ermessen gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;138 Abs.&nbsp;2 i.V.m. \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO dem FA allein aufzuerlegen.<\/p>\n\n\n\n<p>e) Der Beigeladenen sind f\u00fcr das Revisionsverfahren keine Kosten aufzuerlegen, da sie keine Sachantr\u00e4ge gestellt hat (vgl. \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;3 FGO). Die au\u00dfergerichtlichen Kosten der Beigeladenen f\u00fcr das Revisionsverfahren sind gleichwohl gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;139 Abs.&nbsp;4 FGO erstattungsf\u00e4hig und nach billigem Ermessen dem FA aufzuerlegen (vgl. auch BFH-Urteil vom 18.05.2017&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;11\/15, BFHE 259, 78, BStBl II 2017, 1199, Rz&nbsp;15, zur unterschiedlichen Beurteilung der Erstattungsf\u00e4higkeit der au\u00dfergerichtlichen Kosten gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;139 Abs.&nbsp;4 FGO im Klage- und im Revisionsverfahren).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beigeladene, die im Revisionsverfahren zwar keinen Antrag i.S. des \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;3 FGO gestellt und damit kein Kostenrisiko getragen hat, hat das Revisionsverfahren bis zur Erledigung der Hauptsache wesentlich gef\u00f6rdert. Sie hat zur Sache vorgetragen und gegen die ge\u00e4nderte Feststellung der streitigen Besteuerungsgrundlagen in den angek\u00fcndigten Gewinnfeststellungsbescheiden, soweit diese f\u00fcr sie &#8211;auch zu ihren Lasten&#8211; festzustellen sind, keine Einwendungen erhoben. Sie hat zudem zum Ausdruck gebracht, sich trotz der au\u00dfergerichtlichen Erledigung des Rechtsstreits in der Hauptsache an die \u00c4nderung der Besteuerungsgrundlagen in den abhelfenden Gewinnfeststellungsbescheiden gebunden zu f\u00fchlen. Dies ist einer F\u00f6rderung des Verfahrens durch einen Beigeladenen vergleichbar, bei der dieser zur Sache vortr\u00e4gt und auf die Durchf\u00fchrung der m\u00fcndlichen Verhandlung verzichtet (vgl. zur Kostenerstattung in diesem Fall BFH-Urteil vom 15.06.2016&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;24\/15, BFHE 254, 60, BStBl II 2017, 128, Rz&nbsp;21).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2021:B.200721.VIIIR21.18.0 BFH VIII. 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