{"id":74281,"date":"2021-11-05T17:10:54","date_gmt":"2021-11-05T15:10:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=74281"},"modified":"2021-11-05T17:11:07","modified_gmt":"2021-11-05T15:11:07","slug":"progressionsvorbehalt-beschluss-vom-12-september-2018-i-b-15-18","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/progressionsvorbehalt-beschluss-vom-12-september-2018-i-b-15-18\/","title":{"rendered":"Progressionsvorbehalt (Goldfinger-Modell). Beschluss vom 12. September 2018, I B 15\/18"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2018:B.120918.IB15.18.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH I. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>EStG \u00a7 4 Abs 3 , EStG \u00a7 32b Abs 1 Nr 3 , EStG VZ 2008 , FGO \u00a7 116 Abs 3 S 3 , FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 1 , FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 2<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG M\u00fcnster, 24. Januar 2018, Az: 7 K 2399\/15 E<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Zur Frage, ob ein &#8222;Wahlrecht&#8220; zur \u00dcberschussrechnung eines an einer bilanzierenden ausl\u00e4ndischen Kapitalgesellschaft atypisch still Beteiligten (sog. &#8222;Goldfinger-Modell&#8220;) besteht, liegt keine Divergenz der Rechtsprechung des I. Senats zur Rechtsprechung des IV. Senats des BFH vor.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Beschwerde des Kl\u00e4gers wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts M\u00fcnster vom 24. Januar 2018 &#8211; 7 K 2399\/15 E wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat der Kl\u00e4ger zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Streitig ist, ob im Rahmen der Anwendung des Progressionsvorbehalts (\u00a7&nbsp;32b Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 des Einkommensteuergesetzes in der im Streitjahr 2008 ma\u00dfgebenden Fassung &#8211;EStG&#8211;) Eink\u00fcnfte aus einer atypisch stillen Beteiligung an einer luxemburgischen Kapitalgesellschaft durch eine Einnahmen-\/\u00dcberschussrechnung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;3 EStG ermittelt werden k\u00f6nnen.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger und Beschwerdef\u00fchrer (Kl\u00e4ger) ist in der Bundesrepublik Deutschland unbeschr\u00e4nkt steuerpflichtig und war als atypisch stiller Gesellschafter an der &#8230; S.a.r.l. (VS) mit Sitz in Luxemburg beteiligt. Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der VS war wiederum eine S.a.r.l. mit Sitz in Luxemburg. Die VS betrieb ein Handelsgewerbe, dessen Unternehmensgegenstand u.a. der Handel mit Edelmetall war. Sie ist nach luxemburgischem Recht verpflichtet, B\u00fccher zu f\u00fchren und regelm\u00e4\u00dfig Abschl\u00fcsse zu machen. F\u00fcr das Jahr 2008 erstellte sie eine Bilanz und eine Gewinn- und Verlustrechnung; die erworbenen Edelmetallbest\u00e4nde erfasste sie (erfolgsneutral) als Umlaufverm\u00f6gen. Im Ergebnis wies die VS f\u00fcr den Kl\u00e4ger einen Verlustanteil in H\u00f6he von &#8230;&nbsp;\u20ac und ein Verrechnungskonto in H\u00f6he von &#8230;&nbsp;\u20ac aus.<\/li><li>In seiner Einkommensteuererkl\u00e4rung deklarierte der Kl\u00e4ger nach einem Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung steuerfreie Eink\u00fcnfte in H\u00f6he von .\/. &#8230;&nbsp;\u20ac aus seiner atypisch stillen Beteiligung an der VS. Sp\u00e4ter reichte der Kl\u00e4ger eine Feststellungserkl\u00e4rung f\u00fcr die atypisch stille Beteiligung an der VS ein (auf den Kl\u00e4ger entfallende steuerfreie Eink\u00fcnfte in H\u00f6he von .\/. &#8230;&nbsp;\u20ac). Der Erkl\u00e4rung war eine Einnahmen-\/\u00dcberschussrechnung f\u00fcr die atypisch stille Beteiligung an der VS beigef\u00fcgt; die Anschaffungskosten f\u00fcr die im Streitjahr get\u00e4tigten Edelmetalleink\u00e4ufe wurden als Betriebsausgaben angesetzt.<\/li><li>Der Beklagte und Beschwerdegegner (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) sah unter Hinweis auf \u00a7&nbsp;180 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Abgabenordnung von einer (Gewinn-)Feststellung ab. Bei der Steuerfestsetzung ber\u00fccksichtigte er Eink\u00fcnfte aus der atypisch stillen Beteiligung in H\u00f6he von .\/. &#8230;&nbsp;\u20ac (Verlustanteil in H\u00f6he von &#8230;&nbsp;\u20ac abzgl. Verrechnungskonto). Die dagegen erhobene Klage blieb erfolglos (Finanzgericht &#8211;FG&#8211; M\u00fcnster, Urteil vom 24.&nbsp;Januar 2018&nbsp;&nbsp;7&nbsp;K&nbsp;2399\/15&nbsp;E).<\/li><li>Der Kl\u00e4ger beantragt unter Hinweis auf \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 und Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO), die Revision gegen das angefochtene Urteil zuzulassen.<\/li><li>Das FA beantragt, die Beschwerde zur\u00fcckzuweisen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beschwerde ist jedenfalls unbegr\u00fcndet und daher zur\u00fcckzuweisen.<\/li><li>1. Soweit der Kl\u00e4ger geltend macht, die im angefochtenen Urteil herangezogene Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; (Senatsurteile vom 25.&nbsp;Juni 2014 I&nbsp;R&nbsp;24\/13, BFHE 246, 404, BStBl II 2015, 141, und vom 10.&nbsp;Dezember 2014 I&nbsp;R&nbsp;3\/13, BFH\/NV 2015, 667) sei mit R\u00fccksicht auf das Senatsurteil vom 16.&nbsp;Februar 1996 I&nbsp;R&nbsp;43\/95 (BFHE 180, 286, BStBl II 1997, 128) nicht eindeutig, wird damit kein Kl\u00e4rungsbedarf f\u00fcr ein Revisionsverfahren i.S. des \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 und Nr.&nbsp;2 FGO dargelegt. Das Senatsurteil in BFHE 246, 404, BStBl II 2015, 141 baut ausdr\u00fccklich auf dem im Senatsurteil in BFHE 180, 286, BStBl II 1997, 128 dargelegten Grundprinzip, dass die Abschl\u00fcsse der atypisch stillen Gesellschaft f\u00fcr die Zwecke der inl\u00e4ndischen Besteuerung prinzipiell nach deutschem Handels- und Steuerrecht und hierbei nach den allgemeinen innerstaatlichen Gewinnermittlungsvorschiften aufzustellen sind, auf (vgl. Senatsurteil in BFHE 246, 404, BStBl II 2015, 141, dort Rz&nbsp;13 a.E.).<\/li><li>2. Eine Divergenz zur Rechtsprechung des IV.&nbsp;Senats des BFH besteht nicht. Die Aussage, dass zwischen der Gesellschaftsebene und der Gesellschafterebene zu unterscheiden ist (BFH-Urteil vom 8.&nbsp;Dezember 2016 IV&nbsp;R&nbsp;8\/14, BFHE 256, 175, BStBl II 2017, 538, zu gewerbesteuerrechtlichen Folgen der atypisch stillen Beteiligung am Handelsgewerbe einer Personengesellschaft im Inlandsfall; s.a. BFH-Urteile vom 21.&nbsp;Oktober 2015 IV&nbsp;R&nbsp;43\/12, BFHE 252, 193, BStBl II 2016, 517, zur Zusammenfassung von Feststellungen f\u00fcr eine doppelst\u00f6ckige Personengesellschaft im Inlandsfall; vom 12.&nbsp;Februar 2015 IV&nbsp;R&nbsp;48\/11, BFH\/NV 2015, 1075, zur Eink\u00fcnftefeststellung f\u00fcr atypisch stille Gesellschaft als Grundlagenbescheid der beteiligten GmbH im Inlandsfall), bezieht sich auf die dortigen Streitumst\u00e4nde, die der Konstellation im hier ma\u00dfgebenden Streitfall (Beteiligung an einer bilanzierenden ausl\u00e4ndischen Kapitalgesellschaft) jedenfalls nicht entsprechen. Im \u00dcbrigen ist der Hinweis des Kl\u00e4gers, das angefochtene Urteil lasse die vom IV.&nbsp;Senat aufgestellten Rechtsgrunds\u00e4tze au\u00dfer Acht, nicht geeignet, eine Divergenz nach den formellen Ma\u00dfgaben des \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO darzulegen. Denn es fehlt an einer Gegen\u00fcberstellung einander widersprechender Rechtss\u00e4tze im angefochtenen Urteil einerseits und in der BFH-Rechtsprechung andererseits.<\/li><li>3. Soweit der Kl\u00e4ger geltend macht, dass das FG nicht ber\u00fccksichtigt habe, dass der Kl\u00e4ger auf die seiner Rechtsmeinung entsprechende Verwaltungsanweisung (Hinweis auf R&nbsp;4.1 Abs.&nbsp;4 der Einkommensteuer-Richtlinien) habe vertrauen k\u00f6nnen, wird auch damit ein Zulassungsgrund des \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 FGO nicht dargetan. Und dies folgt bereits aus der im angefochtenen Urteil vom FG ausgesprochenen (und zutreffenden) Deutung der Verwaltungsanweisung, nach der im Falle einer Beteiligung von unbeschr\u00e4nkt Steuerpflichtigen an einer ausl\u00e4ndischen Personengesellschaft, die im Inland weder eine Betriebsst\u00e4tte unterh\u00e4lt noch einen st\u00e4ndigen Vertreter bestellt hat, der Gewinn dieser Personengesellschaft zur Ermittlung der H\u00f6he der Gewinnanteile der unbeschr\u00e4nkt steuerpflichtigen Personen nach \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;1 oder Abs.&nbsp;3 EStG zu ermitteln ist (S.&nbsp;9 des Urteilsabdrucks). Dass der an der Gesellschaft Beteiligte ein unabh\u00e4ngiges (und eigenes) Wahlrecht der Gewinnermittlungsart habe, l\u00e4sst sich der Anweisung nicht entnehmen.<\/li><li>4. Die Kostenentscheidung folgt aus \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><li>5. Im \u00dcbrigen sieht der Senat von einer Begr\u00fcndung dieses Beschlusses ab (\u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 FGO).<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2018:B.120918.IB15.18.0 BFH I. Senat EStG \u00a7 4 Abs 3 , EStG \u00a7 32b Abs 1 Nr 3 , EStG VZ 2008 , FGO \u00a7 116 Abs 3 S 3 , FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 1 , FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 2 vorgehend FG M\u00fcnster, 24. Januar 2018, Az: 7 K 2399\/15 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/progressionsvorbehalt-beschluss-vom-12-september-2018-i-b-15-18\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Progressionsvorbehalt (Goldfinger-Modell). Beschluss vom 12. 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