{"id":74343,"date":"2021-11-26T16:46:14","date_gmt":"2021-11-26T14:46:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=74343"},"modified":"2021-11-26T16:46:14","modified_gmt":"2021-11-26T14:46:14","slug":"keine-grossraeumige-betriebsstaette-bei-nur-gelegentlichem-aufsuchen-von-forstflaechen-urteil-vom-12-juli-2021-vi-r-1-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/keine-grossraeumige-betriebsstaette-bei-nur-gelegentlichem-aufsuchen-von-forstflaechen-urteil-vom-12-juli-2021-vi-r-1-19\/","title":{"rendered":"Keine gro\u00dfr\u00e4umige Betriebsst\u00e4tte bei nur gelegentlichem Aufsuchen von Forstfl\u00e4chen &#8211; Urteil vom 12. Juli 2021, VI R 1\/19"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2021:U.120721.VIR1.19.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH VI. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>AO \u00a7 12 , EStG \u00a7 4 Abs 4 , EStG \u00a7 4 Abs 5 S 1 Nr 5 , EStG \u00a7 4 Abs 5 S 1 Nr 6 S 1 , EStG \u00a7 4 Abs 5 S 1 Nr 6 S 2 , EStG \u00a7 9 Abs 1 S 3 Nr 4 , EStG \u00a7 9 Abs 1 S 3 Nr 5 , EStG \u00a7 9 Abs 2 , EStG \u00a7 13 Abs 1 Nr 1 S 1 Alt 2 , EStR R 4.12 Abs 1 S 1 , LStR R 9.4 Abs 3 S 3 , EStG VZ 2011<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Finanzgericht des Landes Sachsen-Anhalt , 14. Juni 2018, Az: 6 K 1165\/15<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Forstfl\u00e4chen, die der Steuerpflichtige nicht mit einer gewissen Nachhaltigkeit, sondern nur gelegentlich aufsucht, sind keine gro\u00dfr\u00e4umige Betriebsst\u00e4tte i.S. von \u00a7 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 Satz 1 EStG in der vor der Neuordnung des steuerlichen Reisekostenrechts ab dem Veranlagungszeitraum 2014 durch das Gesetz zur \u00c4nderung und Vereinfachung der Unternehmensbesteuerung und des steuerlichen Reisekostenrechts vom 20.02.2013 (BStBl I 2013, 188) geltenden Fassung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Finanzgerichts des Landes Sachsen-Anhalt vom 14.06.2018 &#8211; 6 K 1165\/15 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Der Kl\u00e4ger und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4ger) ist als Arzt t\u00e4tig. Dar\u00fcber hinaus unterh\u00e4lt er mehrere Forstfl\u00e4chen in X, Y und Z. Die Eink\u00fcnfte aus der Forstwirtschaft ermittelt der Kl\u00e4ger gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;3 des Einkommensteuergesetzes (EStG) durch Einnahmen\u00fcberschussrechnung. Das Wirtschaftsjahr ist das Kalenderjahr (\u00a7&nbsp;4a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG i.V.m. \u00a7&nbsp;8c Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 der Einkommensteuer-Durchf\u00fchrungsverordnung).<\/li><li>Im Streitjahr (2011) unternahm der Kl\u00e4ger f\u00fcnf Fahrten von seiner Wohnung zu den Forstfl\u00e4chen in X, vier Fahrten zu den Forstfl\u00e4chen in Y sowie zwei Fahrten zu den Forstfl\u00e4chen in Z. F\u00fcr diese Fahrten machte er Fahrtkosten in H\u00f6he von 1.175,40&nbsp;\u20ac und Verpflegungsmehraufwendungen in H\u00f6he von 150&nbsp;\u20ac als Betriebsausgaben nach Reisekostengrunds\u00e4tzen geltend.<\/li><li>Der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) erkannte die Fahrtkosten bei der gesonderten Feststellung der Eink\u00fcnfte auch im Einspruchsverfahren nur in H\u00f6he der Entfernungspauschale von 587,70&nbsp;\u20ac als Betriebsausgaben an. Die Verpflegungsmehraufwendungen ber\u00fccksichtigte das FA nicht.<\/li><li>Das Finanzgericht (FG) gab der hiergegen erhobenen Klage mit den in Entscheidungen der Finanzgerichte 2019, 1265 ver\u00f6ffentlichten Gr\u00fcnden statt. Der Abzug der Fahrtkosten sei nicht auf die Entfernungspauschale beschr\u00e4nkt. Der Begriff der Betriebsst\u00e4tte sei ebenso wie der Begriff der regelm\u00e4\u00dfigen Arbeitsst\u00e4tte dadurch gekennzeichnet, dass er eine ortsfeste betriebliche Einrichtung voraussetze, die der Steuerpflichtige nicht nur gelegentlich, sondern mit einer gewissen Nachhaltigkeit fortlaufend immer wieder zur Aus\u00fcbung seiner betrieblichen T\u00e4tigkeit aufsuche. Hieran fehle es im Streitfall, da der Kl\u00e4ger die Forstfl\u00e4chen nur gelegentlich in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden aufgesucht habe. Die geltend gemachten Verpflegungsmehraufwendungen seien dementsprechend ebenfalls anzuerkennen.<\/li><li>Mit der Revision r\u00fcgt das FA die Verletzung materiellen Rechts.<\/li><li>Es beantragt,<br \/>das Urteil des FG aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger hat keinen Antrag gestellt.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision des FA ist unbegr\u00fcndet und zur\u00fcckzuweisen (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat zu Recht entschieden, dass der Kl\u00e4ger die Aufwendungen f\u00fcr die Fahrten zwischen seiner Wohnung und den Forstgebieten nicht nur in H\u00f6he der Entfernungspauschale als Betriebsausgaben geltend machen kann. Verpflegungsmehraufwendungen stehen ihm ebenfalls zu.<\/li><li>1. Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;4 EStG sind Betriebsausgaben die Aufwendungen, die durch den Betrieb veranlasst sind. Hiernach sind auch die Aufwendungen f\u00fcr betrieblich veranlasste Fahrten grunds\u00e4tzlich in tats\u00e4chlicher H\u00f6he als Betriebsausgaben abziehbar. Nach \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 Satz&nbsp;1 EStG in der im Streitjahr geltenden Fassung d\u00fcrfen die Aufwendungen f\u00fcr Fahrten zwischen der Wohnung des Steuerpflichtigen und der Betriebsst\u00e4tte allerdings nicht als Betriebsausgabe abgezogen werden, soweit sie \u00fcber die Entfernungspauschale nach Satz&nbsp;2 der Vorschrift i.V.m. \u00a7&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 Nrn.&nbsp;4 und 5 S\u00e4tze&nbsp;1 bis 6 sowie Abs.&nbsp;2 EStG hinausgehen.<\/li><li>a) Der Begriff der Betriebsst\u00e4tte i.S. des \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 Satz&nbsp;1 EStG ist dabei nicht deckungsgleich mit dem Betriebsst\u00e4ttenbegriff in \u00a7&nbsp;12 der Abgabenordnung (AO). Ma\u00dfgeblich ist insoweit der Ort, an dem oder von dem aus die betrieblichen Leistungen erbracht werden, die den steuerbaren Eink\u00fcnften zugrunde liegen. Eine abgrenzbare Fl\u00e4che oder R\u00e4umlichkeit und eine hierauf bezogene eigene Verf\u00fcgungsmacht des Steuerpflichtigen ist &#8211;im Unterschied zur Gesch\u00e4ftseinrichtung oder zur Anlage i.S. des \u00a7&nbsp;12 Satz&nbsp;1 AO&#8211; nicht erforderlich (Urteil des Bundesfinanzhofs &#8211;BFH&#8211; vom 29.04.2014&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;33\/10, BFHE 246, 53, BStBl II 2014, 777, Rz&nbsp;25, m.w.N.).<\/li><li>Nach der im Streitjahr noch geltenden Begriffsbestimmung &#8211;vor den \u00c4nderungen durch die Neuordnung des steuerlichen Reisekostenrechts ab dem Veranlagungszeitraum 2014 durch das Gesetz zur \u00c4nderung und Vereinfachung der Unternehmensbesteuerung und des steuerlichen Reisekostenrechts vom 20.02.2013 (BStBl I 2013, 188)&#8211; ist der Begriff der Betriebsst\u00e4tte schon wegen der Verweisung in \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 Satz&nbsp;2 EStG auf die Regelung in \u00a7&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 Nr.&nbsp;4 EStG gleicherma\u00dfen wie der dort f\u00fcr Arbeitnehmer verwendete Begriff der &#8222;Arbeitsst\u00e4tte&#8220; dadurch gekennzeichnet, dass er eine ortsfeste dauerhafte betriebliche Einrichtung voraussetzt, die der Steuerpflichtige nicht nur gelegentlich, sondern mit einer gewissen Nachhaltigkeit, d.h. fortdauernd und immer wieder zur Aus\u00fcbung seiner betrieblichen T\u00e4tigkeit aufsucht (BFH-Urteile in BFHE 246, 53, BStBl II 2014, 777, Rz&nbsp;27, und vom 12.06.2018&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;14\/15, BFHE 262, 66, BStBl II 2018, 755, Rz&nbsp;21).<\/li><li>Dies erfordert, jeweils den ortsgebundenen Mittelpunkt der dauerhaft angelegten T\u00e4tigkeit zu bestimmen (BFH-Urteil vom 23.10.2014&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;19\/13, BFHE 248, 1, BStBl II 2015, 323, Rz&nbsp;12, und Senatsurteil vom 04.10.2017&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;5\/16, Rz&nbsp;11, zur regelm\u00e4\u00dfigen Arbeitsst\u00e4tte, m.w.N.). Dabei kann auch ein gr\u00f6\u00dferes, r\u00e4umlich geschlossenes Gebiet eine Betriebsst\u00e4tte i.S. des \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 Satz&nbsp;1 EStG und ein T\u00e4tigkeitsmittelpunkt i.S. des \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 EStG sein, wenn-&nbsp;&nbsp;&nbsp;es sich um ein zusammenh\u00e4ngendes Gel\u00e4nde handelt, auf dem der Steuerpflichtige auf Dauer und mit einer gewissen Nachhaltigkeit t\u00e4tig wird (so Senatsurteil vom 18.06.2009&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;61\/06, BFHE 226, 59, BStBl II 2010, 564) und-&nbsp;&nbsp;&nbsp;sich in diesem Gel\u00e4nde jedenfalls eine ortsfeste betriebliche Einrichtung befindet, die nach ihren infrastrukturellen Gegebenheiten mit einem Betriebssitz oder mit einer sonstigen betrieblichen Einrichtung vergleichbar ist (Senatsurteil vom 17.06.2010&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;20\/09, BFHE 230, 533, BStBl II 2012, 32, Rz&nbsp;14, und BFH-Urteil in BFHE 246, 53, BStBl II 2014, 777, Rz&nbsp;29).<\/li><li>b) Diese Voraussetzungen erf\u00fcllen die vom Kl\u00e4ger aufgesuchten Forstfl\u00e4chen nicht.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger unterh\u00e4lt mit den Forstfl\u00e4chen zwar einen forstwirtschaftlichen Betrieb (zum forstwirtschaftlichen Betriebsbegriff s. Senatsurteil vom 09.03.2017&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;86\/14, BFHE 257, 561, BStBl II 2017, 981, Rz&nbsp;10&nbsp;ff.). Dieser Betrieb verf\u00fcgte im Streitjahr mit den vom Kl\u00e4ger aufgesuchten Forstgebieten jedoch nicht \u00fcber eine Betriebsst\u00e4tte i.S. des \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 Satz&nbsp;1 EStG nach der oben dargelegten normspezifischen Gesetzesauslegung (s. BFH-Urteil vom 22.10.2014&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;13\/13, BFHE 247, 555, BStBl II 2015, 273, Rz&nbsp;12), die im Hinblick auf den mit \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 EStG verfolgten Zweck, die Bezieher von Gewinneink\u00fcnften in Bezug auf regelm\u00e4\u00dfige Fahrten mit Arbeitnehmern gleichzustellen (s. hierzu Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 02.10.1969&nbsp;&#8211; 1&nbsp;BvL&nbsp;12\/68, BVerfGE 27, 58, unter C.II.3.c), geboten ist (BFH-Urteil vom 13.07.1989&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;55\/88, BFHE 157, 562, BStBl II 1990, 23).<\/li><li>aa) Das FA weist im Ausgangspunkt zu Recht darauf hin, dass die Forstfl\u00e4chen des Kl\u00e4gers den Ort darstellen, an dem die betrieblichen Leistungen des kl\u00e4gerischen Forstbetriebs erbracht werden, die den steuerbaren Eink\u00fcnften zugrunde liegen. Denn charakteristisch f\u00fcr einen forstwirtschaftlichen Betrieb i.S. von \u00a7&nbsp;13 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Alternative&nbsp;2 EStG ist die planm\u00e4\u00dfige Nutzung der nat\u00fcrlichen Kr\u00e4fte des Waldbodens zur Gewinnung von Nutzh\u00f6lzern und ihrer Verwertung im Wege der Holzernte (Senatsurteil in BFHE 257, 561, BStBl II 2017, 981, Rz&nbsp;9, m.w.N.). Der ortsgebundene Mittelpunkt der dauerhaft angelegten T\u00e4tigkeit des Forstwirts liegt damit im Forst.<\/li><li>Unter den oben dargelegten Voraussetzungen k\u00f6nnen daher auch Forstfl\u00e4chen eine (gro\u00dfr\u00e4umige) Betriebsst\u00e4tte des Forstwirts sein. Bei den Eink\u00fcnften aus nichtselbst\u00e4ndiger Arbeit hat es der erkennende Senat in Einklang damit ebenfalls f\u00fcr m\u00f6glich gehalten, dass ein Waldgebiet &#8211;bei Vorliegen der \u00fcbrigen Voraussetzungen&#8211; ein gro\u00dfr\u00e4umiges Arbeitsgebiet darstellt (s. Senatsurteil in BFHE 230, 533, BStBl II 2012, 32, dort im Ergebnis aber verneint wegen Fehlens einer dauerhaften, mit einem Betriebssitz vergleichbaren Einrichtung im Wald).<\/li><li>bb) Im Streitfall hat der Kl\u00e4ger die Forstfl\u00e4chen jedoch nicht in dem f\u00fcr das Vorliegen einer Betriebsst\u00e4tte i.S. des \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 Satz&nbsp;1 EStG erforderlichen Umfang aufgesucht. Nach den den Senat bindenden tats\u00e4chlichen Feststellungen des FG (\u00a7&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO) hat der Kl\u00e4ger im Streitjahr nur elf Fahrten zu den Forstfl\u00e4chen durchgef\u00fchrt. Der Senat teilt die Auffassung der Vorinstanz, dass es sich bei elf Fahrten nur um ein gelegentliches Aufsuchen des Forstes handelt. Es fehlt an der erforderlichen Nachhaltigkeit, mit der der Kl\u00e4ger den Wald fortdauernd und immer wieder zur Aus\u00fcbung seiner betrieblichen T\u00e4tigkeit h\u00e4tte aufsuchen m\u00fcssen, um das Vorliegen der betreffenden Voraussetzung einer (gro\u00dfr\u00e4umigen) Betriebsst\u00e4tte i.S. des \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 Satz&nbsp;1 EStG bejahen zu k\u00f6nnen.<\/li><li>Die Finanzverwaltung geht unter diesem Gesichtspunkt von einer Betriebsst\u00e4tte aus, wenn die betriebliche Einrichtung durchschnittlich im Kalenderjahr an einem Arbeitstag je Arbeitswoche aufgesucht wird oder aufzusuchen ist (R&nbsp;4.12 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 der Einkommensteuer-Richtlinien &#8211;EStR&#8211; 2011 i.V.m. R&nbsp;9.4 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 der Lohnsteuer-Richtlinien &#8211;LStR&#8211; 2011). Der Senat kann im Streitfall dahinstehen lassen, ob er sich dieser Auffassung (f\u00fcr das Streitjahr) anschlie\u00dfen k\u00f6nnte. Denn der Kl\u00e4ger ist sehr viel seltener als einmal je Arbeitswoche in seinen Forst gefahren, so dass auch nach den (die Gerichte nicht bindenden) Richtlinien im vorliegenden Fall keine Betriebsst\u00e4tte i.S. des \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 Satz&nbsp;1 EStG auf den Forstfl\u00e4chen des Kl\u00e4gers gegeben ist.<\/li><li>cc) Der Umstand, dass der forstwirtschaftliche Betrieb des Kl\u00e4gers &#8211;wie das FA vorgetragen hat&#8211; keine h\u00e4ufigeren Fahrten erforderte, f\u00fchrt zu keinem anderen Ergebnis. Er spricht vielmehr ebenfalls gegen das Vorliegen einer Betriebsst\u00e4tte. Denn unabh\u00e4ngig von der Anzahl der tats\u00e4chlich durchgef\u00fchrten Fahrten musste der Kl\u00e4ger die Forstfl\u00e4chen auf Grund der betrieblichen Erfordernisse hiernach von vornherein nicht nachhaltig aufsuchen (s. insoweit auch R&nbsp;4.12 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStR 2011 i.V.m. R&nbsp;9.4 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 Alternative&nbsp;2 LStR 2011).<\/li><li>c) Bei dieser Sachlage kann dahinstehen, ob der kl\u00e4gerische Forst auch wegen des Fehlens einer ortsfesten betrieblichen Einrichtung, die nach ihren infrastrukturellen Gegebenheiten mit einem Betriebssitz oder mit einer sonstigen betrieblichen Einrichtung vergleichbar ist (s. Senatsurteil in BFHE 230, 533, BStBl II 2012, 32, Rz&nbsp;14, und BFH-Urteil in BFHE 246, 53, BStBl II 2014, 777, Rz&nbsp;29), keine Betriebsst\u00e4tte i.S. von \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 Satz&nbsp;1 EStG darstellt. Hierzu hat das FG &#8211;von seinem Standpunkt aus zu Recht&#8211; keine Feststellungen getroffen. Die Fragen, ob sich auf den Forstfl\u00e4chen &#8211;wie das FA vorgetragen hat&#8211; im Streitjahr ein sog. Forstwagen befand und ob ein solcher Forstwagen eine betriebliche Einrichtung in dem vorgenannten Sinne darstellt, bed\u00fcrfen im Streitfall daher keiner Entscheidung.<\/li><li>d) Mangels Vorliegen einer Betriebsst\u00e4tte i.S. des \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 Satz&nbsp;1 EStG sind die Aufwendungen des Kl\u00e4gers f\u00fcr die Fahrten zwischen seiner Wohnung und den Forstfl\u00e4chen gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;4 EStG in H\u00f6he von insgesamt 1.175,40&nbsp;\u20ac als Betriebsausgaben anzuerkennen. Da das FA bereits 587,70&nbsp;\u20ac an Fahrtkosten ber\u00fccksichtigt hat, sind &#8211;wie vom FG zutreffend entschieden&#8211; weitere 587,70&nbsp;\u20ac anzusetzen. \u00dcber die H\u00f6he dieser Aufwendungen besteht zwischen den Beteiligten auch kein Streit. Der Senat sieht deshalb insoweit von weiteren Ausf\u00fchrungen ab.<\/li><li>2. Das FG hat dem Kl\u00e4ger auch die Verpflegungsmehraufwendungen zutreffend zuerkannt.<\/li><li>a) Nach \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;5 S\u00e4tze&nbsp;1, 2 EStG kann ein Steuerpflichtiger Mehraufwendungen f\u00fcr seine Verpflegung mit den dort genannten Pauschbetr\u00e4gen dann als Betriebsausgaben abziehen, wenn er vor\u00fcbergehend von seiner Wohnung und dem Mittelpunkt seiner dauerhaft angelegten betrieblichen T\u00e4tigkeit entfernt betrieblich t\u00e4tig wird oder wenn er bei seiner individuellen betrieblichen T\u00e4tigkeit typischerweise nur an st\u00e4ndig wechselnden T\u00e4tigkeitsst\u00e4tten oder auf einem Fahrzeug t\u00e4tig wird (\u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;5 Satz&nbsp;3 EStG). Da die Ber\u00fccksichtigung der Fahrtkosten und der Verpflegungsmehraufwendungen aus Gr\u00fcnden der Folgerichtigkeit und zu Vereinfachungszwecken gleichen Ma\u00dfst\u00e4ben folgt, entsprechen sich der Begriff des &#8222;T\u00e4tigkeitsmittelpunkts&#8220; i.S. des \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 EStG und der Begriff der &#8222;Betriebsst\u00e4tte&#8220; i.S. des \u00a7&nbsp;4 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;6 Satz&nbsp;1 EStG (ausf\u00fchrlich zur &#8222;regelm\u00e4\u00dfigen Arbeitsst\u00e4tte&#8220; Senatsurteil vom 11.05.2005&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;16\/04, BFHE 209, 518, BStBl II 2005, 789).<\/li><li>b) Damit war der Kl\u00e4ger im Streitfall w\u00e4hrend seiner Fahrten zu den Forstfl\u00e4chen und seiner dort unternommenen betrieblichen T\u00e4tigkeiten ausw\u00e4rts betrieblich t\u00e4tig, so dass er zum Abzug der Verpflegungsmehraufwendungen, \u00fcber deren H\u00f6he von 150&nbsp;\u20ac zwischen den Beteiligten ebenfalls kein Streit besteht, berechtigt war.<\/li><li>3. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2021:U.120721.VIR1.19.0 BFH VI. Senat AO \u00a7 12 , EStG \u00a7 4 Abs 4 , EStG \u00a7 4 Abs 5 S 1 Nr 5 , EStG \u00a7 4 Abs 5 S 1 Nr 6 S 1 , EStG \u00a7 4 Abs 5 S 1 Nr 6 S 2 , EStG \u00a7 9 Abs 1 S 3 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/keine-grossraeumige-betriebsstaette-bei-nur-gelegentlichem-aufsuchen-von-forstflaechen-urteil-vom-12-juli-2021-vi-r-1-19\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Keine gro\u00dfr\u00e4umige Betriebsst\u00e4tte bei nur gelegentlichem Aufsuchen von Forstfl\u00e4chen &#8211; Urteil vom 12. 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