{"id":74655,"date":"2022-03-26T11:25:10","date_gmt":"2022-03-26T09:25:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=74655"},"modified":"2022-03-26T11:25:10","modified_gmt":"2022-03-26T09:25:10","slug":"%c2%a7-34-estg-bei-ueberstundenverguetungen-bfh-urteil-vom-02-dezember-2021-vi-r-23-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/%c2%a7-34-estg-bei-ueberstundenverguetungen-bfh-urteil-vom-02-dezember-2021-vi-r-23-19\/","title":{"rendered":"\u00a7 34 EStG bei \u00dcberstundenverg\u00fctungen &#8211; BFH-Urteil vom 02. Dezember 2021, VI R 23\/19"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2021:U.021221.VIR23.19.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH VI. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>EStG \u00a7 34 Abs 2 Nr 2 Halbs 2 , EStG VZ 2016<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG M\u00fcnster, 23. Mai 2019, Az: 3 K 1007\/18 E<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>Werden \u00dcberstundenverg\u00fctungen f\u00fcr einen Zeitraum von mehr als zw\u00f6lf Monaten veranlagungszeitraum\u00fcbergreifend geleistet, ist die Tariferm\u00e4\u00dfigung nach \u00a7 34 Abs. 2 Nr. 4&nbsp;&nbsp;2. Halbsatz EStG zu gew\u00e4hren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Finanzgerichts M\u00fcnster vom 23.05.2019 &#8211; 3 K 1007\/18 E wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beteiligten streiten \u00fcber die Gew\u00e4hrung der Tariferm\u00e4\u00dfigung nach \u00a7&nbsp;34 des Einkommensteuergesetzes (EStG) f\u00fcr die Verg\u00fctung von \u00dcberstunden.<\/li><li>Die Kl\u00e4ger und Revisionsbeklagten (Kl\u00e4ger) sind verheiratet und wurden f\u00fcr das Streitjahr 2016 zur Einkommensteuer zusammen veranlagt. Der Kl\u00e4ger war bei der &#8230; GmbH (GmbH) als Arbeitnehmer nichtselbst\u00e4ndig t\u00e4tig. In den Jahren 2013 bis 2015 hatte er rund 330&nbsp;\u00dcberstunden geleistet. Davon entfielen 115,75&nbsp;Stunden auf das Jahr 2013, 114,5&nbsp;Stunden auf das Jahr 2014 und 99,5&nbsp;Stunden auf das Jahr 2015.<\/li><li>Mit Vertrag von August 2016 vereinbarte der Kl\u00e4ger mit der GmbH die Aufhebung des Arbeitsvertrags zum 30.11.2016. Der Aufhebungsvertrag sah u.a. vor, dass die GmbH mit der Lohnabrechnung f\u00fcr August 2016 r\u00fcckwirkend f\u00fcr die Vorjahre die 330 geleisteten und bislang nicht ausgezahlten \u00dcberstunden mit einem Betrag von insgesamt &#8230;&nbsp;\u20ac brutto verg\u00fctet.<\/li><li>In ihrer Einkommensteuererkl\u00e4rung f\u00fcr das Streitjahr gaben die Kl\u00e4ger die f\u00fcr die \u00dcberstunden erhaltene Zahlung in der Anlage&nbsp;N unter &#8222;Entsch\u00e4digungen \/ Arbeitslohn f\u00fcr mehrere Jahre&#8220; an.<\/li><li>Der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (das Finanzamt &#8211;FA&#8211;) gew\u00e4hrte die Tariferm\u00e4\u00dfigung nach \u00a7&nbsp;34 Abs.&nbsp;1 EStG auch im Einspruchsverfahren nicht.<\/li><li>Das Finanzgericht (FG) gab der hiergegen erhobenen Klage mit in Entscheidungen der Finanzgerichte 2019, 1199 ver\u00f6ffentlichten Gr\u00fcnden statt.<\/li><li>Mit der Revision r\u00fcgt das FA die Verletzung materiellen Rechts.<\/li><li>Es beantragt,<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;das Urteil des FG M\u00fcnster vom 23.05.2019&nbsp;&#8211; 3&nbsp;K&nbsp;1007\/18&nbsp;E aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/li><li>Die Kl\u00e4ger beantragen,<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision des FA ist unbegr\u00fcndet. Sie ist deshalb zur\u00fcckzuweisen (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung &#8211;FGO&#8211;). Das FG hat zu Recht entschieden, dass die im Streitjahr ausgezahlten \u00dcberstundenverg\u00fctungen nach \u00a7&nbsp;34 EStG erm\u00e4\u00dfigt zu besteuern sind.<\/li><li>1. Als erm\u00e4\u00dfigt zu besteuernde au\u00dferordentliche Eink\u00fcnfte kommen insbesondere Verg\u00fctungen f\u00fcr mehrj\u00e4hrige T\u00e4tigkeiten in Betracht (\u00a7&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;4&nbsp;&nbsp;1.&nbsp;Halbsatz EStG).<\/li><li>a) Nach \u00a7&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;4&nbsp;&nbsp;2.&nbsp;Halbsatz EStG ist eine T\u00e4tigkeit mehrj\u00e4hrig, soweit sie sich \u00fcber mindestens zwei Veranlagungszeitr\u00e4ume erstreckt und einen Zeitraum von mehr als zw\u00f6lf Monaten umfasst. Allerdings reicht es nicht aus, dass der Arbeitslohn in einem anderen Veranlagungszeitraum als dem zuflie\u00dft, zu dem er wirtschaftlich geh\u00f6rt, und dort mit weiteren Eink\u00fcnften aus nichtselbst\u00e4ndiger Arbeit zusammentrifft. Die Entlohnung muss vielmehr f\u00fcr sich betrachtet zweckbestimmtes Entgelt f\u00fcr eine mehrj\u00e4hrige T\u00e4tigkeit sein, die Verg\u00fctung folglich f\u00fcr einen Zeitraum von mehr als zw\u00f6lf Monaten und veranlagungszeitraum\u00fcbergreifend geleistet werden (z.B. Senatsurteile vom 03.07.1987&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;43\/86, BFHE 150, 431, BStBl II 1987, 820; vom 07.08.2014&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;57\/12, und vom 07.05.2015&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;44\/13, BFHE 249, 523, BStBl II 2015, 890). Die mehrj\u00e4hrige Zweckbestimmung kann sich entweder aus dem Anlass der Zuwendung oder aus den \u00fcbrigen Umst\u00e4nden ergeben. Soweit andere Hinweise auf den Verwendungszweck fehlen, kommt der Berechnung des Entgelts ma\u00dfgebliche Bedeutung zu (Senatsurteile vom 16.12.1996&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;51\/96, BFHE 182, 161, BStBl II 1997, 222; in BFHE 249, 523, BStBl II 2015, 890, und vom 31.08.2016&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;53\/14, BFHE 255, 120, BStBl II 2017, 322).<\/li><li>b) Dar\u00fcber hinaus muss die Entlohnung f\u00fcr eine mehrj\u00e4hrige T\u00e4tigkeit aus wirtschaftlich vern\u00fcnftigen Gr\u00fcnden in zusammengeballter Form erfolgen (Senatsurteile in BFHE 249, 523, BStBl II 2015, 890, und in BFHE 255, 120, BStBl II 2017, 322).<\/li><li>c) Verg\u00fctung f\u00fcr eine mehrj\u00e4hrige T\u00e4tigkeit kann insbesondere auch eine Lohnnachzahlung f\u00fcr vorangegangene Veranlagungszeitr\u00e4ume sein (Senatsurteile vom 10.06.1983&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;106\/79, BFHE 138, 454, BStBl II 1983, 575; vom 28.09.1984&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;48\/82, BFHE 141, 532, BStBl II 1985, 117; vom 10.06.1983&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;176\/80, BFHE 138, 456, BStBl II 1983, 642; vom 22.07.1993&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;104\/92, BFHE 171, 555, BStBl II 1993, 795, und vom 14.10.2004&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;46\/99, BFHE 206, 573, BStBl II 2005, 289). Dabei steht der Umstand, dass sich die zugeflossene Verg\u00fctung aus mehreren Betr\u00e4gen zusammensetzt, die jeweils einem bestimmten Einzeljahr zugerechnet werden k\u00f6nnen, der Annahme einer Verg\u00fctung f\u00fcr eine mehrj\u00e4hrige T\u00e4tigkeit nicht entgegen (Senatsurteile vom 11.06.1970&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;338\/67, BFHE 99, 306, BStBl II 1970, 639, und in BFHE 206, 573, BStBl II 2005, 289). Voraussetzung ist nur, dass der Zufluss insgesamt mehrere Jahre betrifft (Senatsurteile vom 17.07.1970&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;66\/67, BFHE 99, 381, BStBl II 1970, 683, und in BFHE 206, 573, BStBl II 2005, 289).<\/li><li>2. Die genannten Grunds\u00e4tze gelten auch f\u00fcr den Fall der nachtr\u00e4glichen Auszahlung von \u00dcberstundenverg\u00fctungen, soweit die Verg\u00fctungen f\u00fcr einen Zeitraum von mehr als zw\u00f6lf Monaten veranlagungszeitraum\u00fcbergreifend geleistet werden (so auch Mellinghoff in Kirchhof\/Seer, EStG, 20.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;34 Rz&nbsp;33; Schiffers in Korn, \u00a7&nbsp;34 EStG Rz&nbsp;59). Umfasst der Zeitraum, f\u00fcr den \u00dcberstunden veranlagungszeitraum\u00fcbergreifend verg\u00fctet werden, mehr als zw\u00f6lf Monate, ist danach die Tariferm\u00e4\u00dfigung nach \u00a7&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;4&nbsp;&nbsp;2.&nbsp;Halbsatz EStG zu gew\u00e4hren.<\/li><li>3. Im Streitjahr hat die GmbH dem Kl\u00e4ger \u00dcberstundenverg\u00fctungen f\u00fcr die Jahre 2013 bis 2015 ausbezahlt. Mithin handelt es sich nach den angef\u00fchrten Rechtsgrunds\u00e4tzen um ein zweckbestimmtes Entgelt f\u00fcr eine mehrj\u00e4hrige T\u00e4tigkeit. F\u00fcr die veranlagungszeitraum\u00fcbergreifende Verg\u00fctung der \u00dcberstunden war daher die Tarifbeg\u00fcnstigung des \u00a7&nbsp;34 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;4 EStG zu gew\u00e4hren.<\/li><li>4. Schlie\u00dflich liegen im Streitfall auch wirtschaftlich vern\u00fcnftige Gr\u00fcnde f\u00fcr eine Zusammenballung vor. Denn die Abgeltung der \u00dcberstunden erfolgte aufgrund der Beendigung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses.<\/li><li>5. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2021:U.021221.VIR23.19.0 BFH VI. Senat EStG \u00a7 34 Abs 2 Nr 2 Halbs 2 , EStG VZ 2016 vorgehend FG M\u00fcnster, 23. Mai 2019, Az: 3 K 1007\/18 E Leits\u00e4tze Werden \u00dcberstundenverg\u00fctungen f\u00fcr einen Zeitraum von mehr als zw\u00f6lf Monaten veranlagungszeitraum\u00fcbergreifend geleistet, ist die Tariferm\u00e4\u00dfigung nach \u00a7 34 Abs. 2 Nr. 4&nbsp;&nbsp;2. 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