{"id":74684,"date":"2022-04-10T17:55:56","date_gmt":"2022-04-10T15:55:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=74684"},"modified":"2022-04-10T17:55:56","modified_gmt":"2022-04-10T15:55:56","slug":"zur-auslegung-des-klagebegehrens-im-rahmen-eines-urteils-ohne-muendliche-verhandlung-bfh-beschluss-vom-14-dezember-2021-viii-b-50-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/zur-auslegung-des-klagebegehrens-im-rahmen-eines-urteils-ohne-muendliche-verhandlung-bfh-beschluss-vom-14-dezember-2021-viii-b-50-21\/","title":{"rendered":"Zur Auslegung des Klagebegehrens im Rahmen eines Urteils ohne m\u00fcndliche Verhandlung &#8211; BFH-Beschluss vom 14. Dezember 2021, VIII B 50\/21"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2021:B.141221.VIIIB50.21.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH VIII. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>FGO \u00a7 76 Abs 2, FGO \u00a7 96 Abs 1 S 2, FGO \u00a7 100 Abs 2 S 1, FGO \u00a7 101, FGO \u00a7 116 Abs 6, EStG \u00a7 20 Abs 4a S 5, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 3, EStG VZ 2010<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Finanzgericht Rheinland-Pfalz , 23. Februar 2021, Az: 3 K 1953\/19<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Ein Urteil ist verfahrensfehlerhaft ergangen, wenn das Gericht bei der Formulierung der Antr\u00e4ge f\u00fcr den nicht vertretenen Kl\u00e4ger dessen Klageziel im Sinne einer Ab\u00e4nderung des Bescheids mittels Anfechtungsklage erfasst, in den Gr\u00fcnden aber von einer Verpflichtungsklage ausgeht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Auf die Beschwerde des Beklagten wegen Nichtzulassung der Revision wird das Urteil des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz vom 23.02.2021 &#8211; 3 K 1953\/19 aufgehoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sache wird an das Finanzgericht Rheinland-Pfalz zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zur\u00fcckverwiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diesem wird die Entscheidung \u00fcber die Kosten des Beschwerdeverfahrens \u00fcbertragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beteiligten streiten in der Sache um die Anrechnung einbehaltener Kapitalertragsteuer.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger und Beschwerdegegner (Kl\u00e4ger) hielt in 2010 (Streitjahr) 686&nbsp;Aktien einer indischen Kapitalgesellschaft (I-Ltd.). Im Zuge einer Kapitalma\u00dfnahme wurden dem Kl\u00e4ger am 24.03.2010 pro vier gehaltener Aktien drei zus\u00e4tzliche Aktien der I-Ltd. und somit insgesamt 514,5&nbsp;Aktien zugeteilt. Die Depotbank des Kl\u00e4gers behandelte \u2011\u2011ausgehend von einem B\u00f6rsenkurs am 24.03.2010 in H\u00f6he von &#8230;&nbsp;\u20ac je Aktie\u2011\u2011 die neu zugeteilten Aktien als steuerpflichtige Sachaussch\u00fcttung in H\u00f6he von &#8230;&nbsp;\u20ac und behielt Kapitalertragsteuer in H\u00f6he von &#8230;&nbsp;\u20ac sowie Solidarit\u00e4tszuschlag in H\u00f6he von &#8230;&nbsp;\u20ac ein.<\/li><li>In seiner ohne Anlage KAP eingereichten Einkommensteuererkl\u00e4rung vertrat der Kl\u00e4ger \u2011\u2011unter Beif\u00fcgung einer mit &#8222;Antrag zu Kapitalertragsteuer&#8220; \u00fcberschriebenen Anlage\u2011\u2011 die Auffassung, dass es sich bei den neu zugeteilten Aktien der I-Ltd. um keine steuerpflichtige Sachaussch\u00fcttung, sondern um einen steuerneutralen &#8222;Aktiensplit&#8220; handele. Der Beklagte und Beschwerdef\u00fchrer (das Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) ber\u00fccksichtigte den Vorgang im Rahmen der Einkommensteuerfestsetzung durch Bescheid vom 03.04.2012 \u00fcberhaupt nicht, da kein Antrag auf G\u00fcnstigerpr\u00fcfung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;32d Abs.&nbsp;6 des Einkommensteuergesetzes in der f\u00fcr das Streitjahr anzuwendenden Fassung (EStG) gestellt sei und somit die Abgeltungswirkung f\u00fcr Kapitalertr\u00e4ge gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;43 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 EStG greife.<\/li><li>Daraufhin beantragte der Kl\u00e4ger mit Schreiben vom 21.04.2012 die &#8222;schlichte \u00c4nderung&#8220; des Einkommensteuerbescheids f\u00fcr 2010 vom 03.04.2012 u.a. dahingehend, dass die durch die Depotbank einbehaltenen Steuerbetr\u00e4ge zur\u00fcckerstattet werden. Das FA lehnte diesen Antrag durch \u2011\u2011mit &#8222;Abrechnungsbescheid nach \u00a7&nbsp;218 AO&#8220; \u00fcberschriebenen\u2011\u2011 Bescheid vom 15.11.2012 ab, da es sich bei den neu zugeteilten Aktien um eine steuerpflichtige Sachaussch\u00fcttung handele und auch die Voraussetzungen der \u00a7\u00a7&nbsp;1 und 7 des Gesetzes \u00fcber steuerrechtliche Ma\u00dfnahmen bei Erh\u00f6hung des Nennkapitals aus Gesellschaftsmitteln nicht nachgewiesen seien. Der Einspruch des Kl\u00e4gers gegen den &#8222;Abrechnungsbescheid nach \u00a7&nbsp;218 AO&#8220; hatte teilweise \u2011\u2011aus hier nicht streitigen Gr\u00fcnden\u2011\u2011 Erfolg; insoweit erging am 16.09.2019 ein ge\u00e4nderter Einkommensteuerbescheid. Im \u00dcbrigen wurde der Einspruch durch Einspruchsentscheidung vom 16.09.2019 zur\u00fcckgewiesen.<\/li><li>Das Finanzgericht (FG) Rheinland-Pfalz gab der Klage statt und entschied durch Urteil ohne m\u00fcndliche Verhandlung am 23.02.2021 nach &#8222;sinngem\u00e4\u00dfer&#8220; Auslegung des Klageantrags, dass der Einkommensteuerbescheid f\u00fcr 2010 vom 16.09.2019 \u2011\u2011unter Aufhebung des Abrechnungsbescheids vom 15.11.2012 und der Einspruchsentscheidung vom 16.09.2019\u2011\u2011 dahingehend ge\u00e4ndert wird, dass Eink\u00fcnfte aus Kapitalverm\u00f6gen im Zusammenhang der Kapitalma\u00dfnahme der I-Ltd. in H\u00f6he von 0&nbsp;\u20ac in Ansatz gebracht und auf die festgesetzten Betr\u00e4ge Kapitalertragsteuer in H\u00f6he von weiteren &#8230;&nbsp;\u20ac und Solidarit\u00e4tszuschlag in H\u00f6he von weiteren &#8230;&nbsp;\u20ac angerechnet werden. Seine Entscheidung st\u00fctzte das FG dabei ma\u00dfgeblich auf die Auslegung des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4a Satz&nbsp;5 EStG.<\/li><li>Hiergegen wendet sich das FA mit seiner Nichtzulassungsbeschwerde, mit der es im Wesentlichen r\u00fcgt, dass der Rechtsfrage, ob es im Falle der Zuteilung von Gratisaktien einer ausl\u00e4ndischen Aktiengesellschaft m\u00f6glich sei, die H\u00f6he des Kapitalertrags anhand des B\u00f6rsenkurses am Zuteilungstag zu bestimmen, so dass \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4a Satz&nbsp;5 EStG nicht anwendbar sei, grunds\u00e4tzliche Bedeutung i.S. des \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zukomme. Des Weiteren r\u00fcgt das FA eine Divergenz zu den Urteilen des FG Baden-W\u00fcrttemberg vom 30.11.2018&nbsp;&#8211; 13&nbsp;K&nbsp;3111\/18 (Entscheidungen der Finanzgerichte \u2011\u2011EFG\u2011\u2011 2019, 425) und des FG M\u00fcnster vom 28.02.2018&nbsp;&#8211; 9&nbsp;K&nbsp;2117\/16&nbsp;E (EFG 2018, 1265).<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die zul\u00e4ssige Beschwerde ist begr\u00fcndet. Sie f\u00fchrt unter Anwendung des \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO zur Aufhebung der Vorentscheidung und zur Zur\u00fcckverweisung der Sache an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung.<\/li><li>1. Das angefochtene Urteil beruht auf einem Verfahrensmangel i.S. des \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;3 FGO, denn das FG hat \u00a7&nbsp;76 Abs.&nbsp;2 und \u00a7&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 FGO verletzt. Dies stellt einen im Verfahren \u00fcber die Nichtzulassungsbeschwerde auch ohne R\u00fcge von Amts wegen zu ber\u00fccksichtigenden Versto\u00df gegen die Grundordnung des Verfahrens dar (vgl. Beschl\u00fcsse des Bundesfinanzhofs \u2011\u2011BFH\u2011\u2011 vom 21.10.2020&nbsp;&#8211; VII&nbsp;B&nbsp;121\/19, BFH\/NV 2021, 326, Rz&nbsp;23; vom 30.01.2020&nbsp;&#8211; IX&nbsp;B&nbsp;73\/19, BFH\/NV 2020, 562, Rz&nbsp;5; vom 10.06.2014&nbsp;&#8211; IX&nbsp;B&nbsp;157\/13, BFH\/NV 2014, 1559, Rz&nbsp;2, und vom 28.12.2010&nbsp;&#8211; X&nbsp;B&nbsp;18\/10, BFH\/NV 2011, 624; jeweils m.w.N.).<\/li><li>a) Nach \u00a7&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;2 FGO ist das Gericht an die Fassung des Klageantrags nicht gebunden, sondern hat im Wege der Auslegung den Willen der Partei anhand der erkennbaren Umst\u00e4nde zu ermitteln (BFH-Urteil vom 12.06.1997&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;70\/96, BFHE 183, 465, BStBl II 1998, 38, unter II.1., m.w.N.).<\/li><li>aa) Hierbei ist zu ber\u00fccksichtigen, dass im Zweifel das gewollt ist, was nach den Ma\u00dfst\u00e4ben der Rechtsordnung vern\u00fcnftig ist und der recht verstandenen Interessenlage entspricht (BFH-Urteil vom 29.04.2009&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;35\/08, BFH\/NV 2009, 1777, m.w.N.). Nur eine solche Auslegung tr\u00e4gt dem Grundsatz der Rechtsschutz gew\u00e4hrenden Auslegung nach Art.&nbsp;19 Abs.&nbsp;4 des Grundgesetzes Rechnung (BFH-Urteil vom 27.01.2011&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;65\/09, BFH\/NV 2011, 991, Rz&nbsp;10, m.w.N.). Dabei darf das FG nicht \u00fcber ein offenkundig nicht verfolgtes Rechtsschutzziel entscheiden (vgl. etwa BFH-Urteil vom 24.11.1998&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;61\/97, BFHE 187, 297, BStBl II 1999, 483, unter II.3.), nicht \u00fcber die Antr\u00e4ge hinausgehen (\u00a7&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 FGO), nicht hinter dem Klagebegehren zur\u00fcckbleiben, nicht nur \u00fcber einen Teil des Klagebegehrens entscheiden (vgl. etwa BFH-Beschluss in BFH\/NV 2011, 624, Rz&nbsp;22, m.w.N.) und auch nicht unklar tenorieren oder so entscheiden, dass das Urteil nicht in einem bestimmten Sinne zweifelsfrei ausgelegt werden kann (BFH-Urteil vom 27.07.1993&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;67\/91, BFHE 173, 480, BStBl II 1994, 469, unter II.1.).<\/li><li>bb) Insofern kann das Beschwerde- oder Revisionsgericht die Auslegung einer prozessualen Willenserkl\u00e4rung uneingeschr\u00e4nkt nachpr\u00fcfen; die Nachpr\u00fcfung von Prozesshandlungen und Prozesserkl\u00e4rungen sowie Antr\u00e4gen auf ihren Inhalt und ihre Bedeutung geh\u00f6rt zu den Aufgaben des BFH, bei der er nicht an die Tatsachenfeststellungen des FG gebunden ist (BFH-Urteile vom 18.08.2020&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;39\/19, BFH\/NV 2021, 329, und in BFHE 173, 480, BStBl II 1994, 469, unter II.1.; BFH-Beschluss in BFH\/NV 2011, 624, Rz&nbsp;22).<\/li><li>b) Nach diesen Grunds\u00e4tzen verst\u00f6\u00dft die Auslegung des vom Kl\u00e4ger schrifts\u00e4tzlich vorgebrachten Klagebegehrens durch das FG dahingehend, dass dieser mit einer Anfechtungsklage gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;40 Abs.&nbsp;1 Alternative&nbsp;1 FGO die Ab\u00e4nderung i.S. des \u00a7&nbsp;100 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 FGO des Einkommensteuerbescheids vom 16.09.2019 begehrt, gegen \u00a7&nbsp;76 Abs.&nbsp;2 i.V.m. \u00a7&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 FGO. Richtige Klageart w\u00e4re vielmehr die Verpflichtungsklage gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;40 Abs.&nbsp;1 Alternative&nbsp;2 FGO mit dem Ziel einer Neubescheidung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;101 FGO gewesen.<\/li><li>aa) Im Streitfall hatte der prozessual nicht vertretene Kl\u00e4ger in seiner Klagebegr\u00fcndung vom 17.10.2019 zun\u00e4chst (w\u00f6rtlich) beantragt, &#8222;dass das Gericht \u00fcberpr\u00fcft, ob bei der strittigen Kapitalma\u00dfnahme [der I-Ltd.] die Voraussetzungen vorliegen, dass \u00a7&nbsp;1 KapErhStG anwendbar ist oder Steuerneutralit\u00e4t vorliegt aus analogen Gr\u00fcnden, aus denen das Bundesfinanzministerium die Kapitalma\u00dfnahme von Google am 08.04.2014 als steuerneutral eingeordnet hat oder andere Gr\u00fcnde (z.B. Leistungsf\u00e4higkeitsprinzip bei der Besteuerung, Gleichm\u00e4\u00dfigkeit der Besteuerung) f\u00fcr eine Steuerneutralit\u00e4t vorliegen, so dass dem Klagebegehren (Anrechnung von Kapitalertragsteuer und Solidarit\u00e4tszuschlag &#8230;) stattgegeben werden kann&#8220;. Mit Schriftsatz vom 28.01.2020 beantragte der Kl\u00e4ger zudem, &#8222;der Klage stattzugeben&#8220;. Das FG hat den Antrag des Kl\u00e4gers sodann (&#8222;sinngem\u00e4\u00df&#8220;) so formuliert, dass dieser die Ab\u00e4nderung des Einkommensteuerbescheids vom 16.09.2019 begehrt und \u2011\u2011nach Klagestattgabe\u2011\u2011 auch entsprechend i.S. des \u00a7&nbsp;100 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 FGO tenoriert.<\/li><li>bb) Demgegen\u00fcber hat das FG in seinen Entscheidungsgr\u00fcnden das Schreiben des Kl\u00e4gers vom 21.04.2012 nicht als Einspruch gegen den Einkommensteuerbescheid vom 03.04.2012 ausgelegt, obwohl sich dieses Schreiben gegen einen noch nicht bestandskr\u00e4ftigen Verwaltungsakt richtete, sondern \u2011\u2011f\u00fcr den Senat bindend (\u00a7&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO)\u2011\u2011 festgestellt, dass es sich insoweit um einen Antrag auf &#8222;schlichte \u00c4nderung&#8220; i.S. des \u00a7&nbsp;172 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a der Abgabenordnung handelte. Nach den weiteren Feststellungen des FG handelte es sich bei dem &#8222;Abrechnungsbescheid nach \u00a7&nbsp;218 AO&#8220; vom 15.11.2012 folglich um die Ablehnung dieser &#8222;schlichten \u00c4nderung&#8220;. Gegen die \u2011\u2011nach erfolglosem Einspruch des Kl\u00e4gers\u2011\u2011 ergangene Einspruchsentscheidung vom 16.09.2019 w\u00e4re daher die Verpflichtungsklage gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;40 Abs.&nbsp;1 Alternative&nbsp;2 FGO die richtige Klageart gewesen (BFH-Urteile vom 11.11.2008&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;53\/07, BFH\/NV 2009, 364; vom 27.10.1993&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;17\/93, BFHE 172, 493, BStBl II 1994, 439; vom 13.12.1985&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;204\/81, BFHE 145, 545, BStBl II 1986, 245; vom 03.02.1983&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;153\/80, BFHE 137, 547, BStBl II 1983, 324).<\/li><li>cc) Richtigerweise h\u00e4tte das FG daher gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;76 Abs.&nbsp;2 i.V.m. \u00a7&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 FGO entsprechend dem vom Kl\u00e4ger im Klageverfahren vorgetragenen Rechtsschutzziel davon ausgehen m\u00fcssen, dass dieser eine Neubescheidung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;101 FGO entsprechend der Entscheidungsgr\u00fcnde des FG-Urteils begehrt. In diesem Sinne w\u00e4re der vom Kl\u00e4ger gestellte Klageantrag auszulegen gewesen. Eine Ab\u00e4nderung des Einkommensteuerbescheids vom 16.09.2019 i.S. des \u00a7&nbsp;100 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 FGO \u2011\u2011wie durch das FG tenoriert\u2011\u2011 kam hingegen nicht in Betracht, weil diese Vorschrift nur auf reine Anfechtungsbegehren beschr\u00e4nkt ist, die Verpflichtungsklage hingegen in den Anwendungsbereich des \u00a7&nbsp;101 FGO f\u00e4llt, der den Erlass eines begehrten Verwaltungsakts durch das Gericht aber nicht zul\u00e4sst (BFH-Urteile vom 20.07.2018&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;28\/17, BFH\/NV 2019, 110, Rz&nbsp;29; vom 29.03.2007&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;21\/05, BFH\/NV 2007, 2077; vom 11.07.1996&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;18\/95, BFHE 180, 524, BStBl II 1997, 259).<\/li><li>2. Der Senat h\u00e4lt es daher f\u00fcr sachgerecht, die Vorentscheidung aufzuheben und die Sache gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;6 FGO an das FG zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zur\u00fcckzuverweisen.<\/li><li>Das FG wird im zweiten Rechtsgang gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;76 Abs.&nbsp;2 FGO auf eine ordnungsgem\u00e4\u00dfe Antragstellung hinwirken und gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;96 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 FGO \u00fcber den gestellten Antrag entscheiden m\u00fcssen. F\u00fcr das weitere Verfahren weist der Senat zudem auf die zwischenzeitlich zu \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;4a Satz&nbsp;5 EStG ergangenen Entscheidungen hin (BFH-Urteile vom 04.05.2021&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;17\/18, BFHE 273, 197, und VIII&nbsp;R&nbsp;14\/20, BFHE 273, 206).<\/li><li>3. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2021:B.141221.VIIIB50.21.0 BFH VIII. Senat FGO \u00a7 76 Abs 2, FGO \u00a7 96 Abs 1 S 2, FGO \u00a7 100 Abs 2 S 1, FGO \u00a7 101, FGO \u00a7 116 Abs 6, EStG \u00a7 20 Abs 4a S 5, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 3, EStG VZ 2010 vorgehend Finanzgericht Rheinland-Pfalz , 23. Februar 2021, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/zur-auslegung-des-klagebegehrens-im-rahmen-eines-urteils-ohne-muendliche-verhandlung-bfh-beschluss-vom-14-dezember-2021-viii-b-50-21\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Zur Auslegung des Klagebegehrens im Rahmen eines Urteils ohne m\u00fcndliche Verhandlung &#8211; BFH-Beschluss vom 14. Dezember 2021, VIII B 50\/21<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-74684","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/74684","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=74684"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/74684\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=74684"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=74684"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=74684"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}