{"id":74721,"date":"2022-04-21T16:49:36","date_gmt":"2022-04-21T14:49:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=74721"},"modified":"2022-04-21T16:49:36","modified_gmt":"2022-04-21T14:49:36","slug":"unentgeltlichkeit-der-waermeabgabe-bfh-urteil-vom-25-november-2021-v-r-46-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/unentgeltlichkeit-der-waermeabgabe-bfh-urteil-vom-25-november-2021-v-r-46-20\/","title":{"rendered":"Unentgeltlichkeit der W\u00e4rmeabgabe &#8211; BFH-Urteil vom 25. November 2021, V R 46\/20"},"content":{"rendered":"\n<p>Im Wesentlichen inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 25.11.2021 V R 45\/20 <\/p>\n\n\n\n<p>ECLI:DE:BFH:2021:U.251121.VR46.20.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH V. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>UStG \u00a7 3 Abs 1b S 1 Nr 3, UStG \u00a7 3 Abs 1b S 2, EGRL 112\/2006 Art 16, UStG VZ 2012 , UStG VZ 2013 , UStG VZ 2014 , UStG VZ 2015 , UStG \u00a7 10 Abs 4 S 1 Nr 1, UStG \u00a7 15 Abs 4 S 2, UStG \u00a7 15 Abs 1 S 1 Nr 1<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Nieders\u00e4chsisches Finanzgericht , 29. Oktober 2020, Az: 11 K 22\/20<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Liefert ein Unternehmer mit einer von ihm hergestellten Biogasanlage vorsteuerabzugsberechtigt Strom gegen Entgelt, w\u00e4hrend er die mit der Anlage erzeugte W\u00e4rme unentgeltlich auf andere Personen \u00fcbertr\u00e4gt, handelt es sich bei der W\u00e4rmelieferung um eine Zuwendung i.S. von \u00a7 3 Abs. 1b Satz 1 Nr. 3 und Satz 2 UStG (Parallelentscheidung zum BFH-Urteil vom 25.11.2021 &#8211; V R 45\/20).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Auf die Revision des Beklagten wird das Urteil des Nieders\u00e4chsischen Finanzgerichts vom 29.10.2020 &#8211; 11 K 22\/20 aufgehoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sache wird an das Nieders\u00e4chsische Finanzgericht zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zur\u00fcckverwiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diesem wird die Entscheidung \u00fcber die Kosten des Verfahrens \u00fcbertragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Kl\u00e4gerin und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4gerin), eine KG, errichtete in den Jahren 2005 und 2006 eine Biogasanlage, die sie im Jahr 2006 in Betrieb nahm. Den mit der Anlage erzeugten Strom lieferte sie gegen Entgelt und machte aus den Errichtungskosten den Vorsteuerabzug geltend. Der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (das Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) folgte den Umsatzsteuerjahreserkl\u00e4rungen der Kl\u00e4gerin, die Steuerfestsetzungen unter Vorbehalt der Nachpr\u00fcfung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;164 der Abgabenordnung gleichstanden.<\/li><li>Mit zwei im M\u00e4rz 2006 und Oktober 2008 abgeschlossenen Vertr\u00e4gen verpflichtete sich die Kl\u00e4gerin zur unentgeltlichen Lieferung von W\u00e4rme an zwei GbRs.<\/li><li>In den Jahren 2009 und 2010 erweiterte die Kl\u00e4gerin ihre Anlage und machte auch insoweit den Vorsteuerabzug geltend.<\/li><li>Im Anschluss an eine Au\u00dfenpr\u00fcfung ging das FA f\u00fcr die Jahre 2012 bis 2015 (Streitjahre) davon aus, dass die unentgeltlichen W\u00e4rmelieferungen zu einer unentgeltlichen Wertabgabe nach \u00a7&nbsp;3 Abs.&nbsp;1b Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 des Umsatzsteuergesetzes (UStG) gef\u00fchrt haben. Diese sei nach den Selbstkosten zu bemessen. Eine nachtr\u00e4gliche Preisvereinbarung f\u00fcr die W\u00e4rmelieferungen erkannte das FA nicht an und sah vier hier\u00fcber am 23.08.2011 gegen\u00fcber den GbRs erteilte Rechnungen als unbeachtlich an.<\/li><li>Der Einspruch gegen die am 20.12.2018 erlassenen Umsatzsteuerbescheide hatte keinen Erfolg.<\/li><li>Demgegen\u00fcber gab das Finanzgericht (FG) der Klage mit dem in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2021, 599 ver\u00f6ffentlichten Urteil \u00fcberwiegend statt. Zwar verneinte das FG die Entgeltlichkeit der W\u00e4rmelieferungen an die beiden GbRs. Aus den Gesamtumst\u00e4nden ergebe sich, dass der vereinbarte Preis von 0,05&nbsp;Cent\/kWh kein Leistungsentgelt f\u00fcr die W\u00e4rmelieferung darstelle. Die Annahme einer unentgeltlichen Zuwendung nach \u00a7&nbsp;3 Abs.&nbsp;1b Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 UStG scheitere daran, dass die Kl\u00e4gerin entgegen Satz&nbsp;2 dieser Vorschrift f\u00fcr die Lieferung der W\u00e4rme nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt gewesen sei, wie sich aus der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) ergebe, an der unter Ber\u00fccksichtigung von Rechtsprechung des Gerichtshofs der Europ\u00e4ischen Union zur Richtlinie 2006\/112\/EG des Rates vom 28.11.2006 \u00fcber das gemeinsame Mehrwertsteuersystem (MwStSystRL) weiter festzuhalten sei. Daher sei entsprechend \u00a7&nbsp;15 Abs.&nbsp;4 UStG eine Vorsteueraufteilung vorzunehmen, bei der von einem Marktwert f\u00fcr gelieferte W\u00e4rme von 0,04&nbsp;\u20ac\/kWh auszugehen sei.<\/li><li>Hiergegen wendet sich das FA mit der Revision, mit der es die Verletzung materiellen Rechts r\u00fcgt. Zwar werde am Ansatz einer unentgeltlichen Wertabgabe nicht mehr festgehalten. Zu Lasten der Kl\u00e4gerin sei aber \u00a7&nbsp;15a UStG anzuwenden.<\/li><li>Das FA beantragt,<br \/>das Urteil des FG &#8222;insoweit aufzuheben, als das FG eine Vorsteuerberichtigung nach \u00a7&nbsp;15a UStG f\u00fcr die Vorjahre abgelehnt und die in den Streitjahren ber\u00fccksichtigten Vorsteuerbetr\u00e4ge nach der Marktwertmethode aufgeteilt hat&#8220; und die Sache an das FG zur\u00fcckzuverweisen.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin beantragt,<br \/>die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/li><li>Sie macht im Wege der &#8222;Gegenr\u00fcge&#8220; geltend, dass das FG die Entgeltlichkeit der W\u00e4rmelieferungen zu Unrecht verneint habe, sodass die Revision bereits deshalb unbegr\u00fcndet sei. Auf die Betriebskosten komme es nicht an, da die W\u00e4rme &#8222;Abfallprodukt&#8220; des Anlagenbetriebs sei. Soweit demgegen\u00fcber hilfsweise mit dem FG von einer Unentgeltlichkeit auszugehen sei, habe das FG jedenfalls die Entnahmebesteuerung zutreffend verneint. \u00a7&nbsp;15a UStG sei nicht anzuwenden.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision des FA ist aus anderen als den geltend gemachten Gr\u00fcnden begr\u00fcndet. Das Urteil des FG ist aufzuheben und die Sache an das FG zur\u00fcckzuverweisen (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011). Zwar hat das FG im Ergebnis zutreffend die Unentgeltlichkeit der W\u00e4rmelieferungen bejaht. Demgegen\u00fcber hat es rechtsfehlerhaft die Besteuerung nach \u00a7&nbsp;3 Abs.&nbsp;1b Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 UStG verneint.<\/li><li>1. Liefert der Unternehmer mit einer von ihm hergestellten Biogasanlage Strom gegen Entgelt, w\u00e4hrend er die mit der Anlage erzeugte W\u00e4rme unentgeltlich abgibt, handelt es sich bei der W\u00e4rmelieferung um eine Zuwendung i.S. von \u00a7&nbsp;3 Abs.&nbsp;1b Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 und Satz&nbsp;2 UStG.<\/li><li>Der erkennende Senat verweist hierzu ebenso wie zur Frage der Entgeltlichkeit insoweit zur Vermeidung von Wiederholungen auf sein zwischen den gleichen Beteiligten ergangenes Urteil vom 25.11.2021&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;45\/20.<\/li><li>2. Die Sache ist nicht spruchreif. Der erkennende Senat verweist auch insoweit zur Vermeidung von Wiederholungen auf sein zwischen den gleichen Beteiligten ergangenes Urteil vom 25.11.2021&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;45\/20.<\/li><li>3. Die \u00dcbertragung der Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;143 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Wesentlichen inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 25.11.2021 V R 45\/20 ECLI:DE:BFH:2021:U.251121.VR46.20.0 BFH V. Senat UStG \u00a7 3 Abs 1b S 1 Nr 3, UStG \u00a7 3 Abs 1b S 2, EGRL 112\/2006 Art 16, UStG VZ 2012 , UStG VZ 2013 , UStG VZ 2014 , UStG VZ 2015 , UStG \u00a7 10 Abs 4 &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/unentgeltlichkeit-der-waermeabgabe-bfh-urteil-vom-25-november-2021-v-r-46-20\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Unentgeltlichkeit der W\u00e4rmeabgabe &#8211; BFH-Urteil vom 25. 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