{"id":74766,"date":"2022-05-11T11:13:21","date_gmt":"2022-05-11T09:13:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=74766"},"modified":"2022-05-11T11:13:21","modified_gmt":"2022-05-11T09:13:21","slug":"aufwendungen-fuer-eine-kuenstliche-befruchtung-unter-verwendung-gespendeter-eizellen-bfh-urteil-vom-25-januar-2022-vi-r-35-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/aufwendungen-fuer-eine-kuenstliche-befruchtung-unter-verwendung-gespendeter-eizellen-bfh-urteil-vom-25-januar-2022-vi-r-35-19\/","title":{"rendered":"Aufwendungen f\u00fcr eine k\u00fcnstliche Befruchtung unter Verwendung gespendeter Eizellen- BFH-Urteil vom 25. Januar 2022, VI R 35\/19"},"content":{"rendered":"\n<p>Im Wesentlichen inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 25.01.2022 VI R 34\/19 <\/p>\n\n\n\n<p>ECLI:DE:BFH:2022:U.250122.VIR35.19.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH VI. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>EStG \u00a7 33, GG Art 3, AEUV Art 56, ESchG \u00a7 1, EStG VZ 2014<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG M\u00fcnchen, 08. Oktober 2019, Az: 6 K 1420\/17<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. NV: Aufwendungen f\u00fcr eine k\u00fcnstliche Befruchtung unter Verwendung von gespendeten Eizellen im Ausland k\u00f6nnen nicht als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen abgezogen werden, weil die Behandlung nicht mit dem deutschen ESchG vereinbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p>2. NV: Diese Beurteilung verst\u00f6\u00dft weder gegen verfassungsrechtliche noch gegen europarechtliche Vorgaben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision der Kl\u00e4gerin gegen das Urteil des Finanzgerichts M\u00fcnchen, Au\u00dfensenate Augsburg vom 08.10.2019 &#8211; 6 K 1420\/17 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Revision des Beklagten wird als unzul\u00e4ssig verworfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens haben die Kl\u00e4gerin zu 7 v.H. und der Beklagte zu 93 v.H. tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die 1974 geborene Kl\u00e4gerin, Revisionskl\u00e4gerin und Revisionsbeklagte (Kl\u00e4gerin) und ihr 1977 geborener Ehemann sind seit 2009 verheiratet.<\/li><li>In den Jahren 2011 bis 2013 erlitt die Kl\u00e4gerin insgesamt vier Fehlgeburten. Danach entschlossen sich die Eheleute, Hilfe in einem Zentrum f\u00fcr Reproduktionsmedizin im Inland in Anspruch zu nehmen.<\/li><li>Die Schwangerschaften der Kl\u00e4gerin wurden nach Ausf\u00fchrungen von Dr.&nbsp;X immer schnell und spontan generiert. Die genetische Untersuchung der letzten Aborte habe eine genetische Ursache gezeigt. Die einzig realistische Chance zur Erzielung einer fortlaufenden und genetisch unauff\u00e4lligen Schwangerschaft sah der Arzt in der Durchf\u00fchrung einer In-Vitro-Fertilisation mit Mikroinjektion und einer Trophektodermbiopsie zum Ausschluss genetischer St\u00f6rungen in der fr\u00fchen Embryonalentwicklung. Eine intrazytoplasmatische Spermieninjektion zur Vorbereitung einer Trophektodermbiopsie sei medizinisch indiziert. Es liege die Problematik des habituellen Abortes vor. Die Verursachung k\u00f6nne nicht einem Partner angelastet werden. Hier sei zumindest eine mindestens 50\/50%ige Verteilung der m\u00f6glichen Ursachen m\u00e4nnlich\/weiblich anzunehmen.<\/li><li>Die private Krankenkasse des Ehemannes der Kl\u00e4gerin lehnte eine Kosten\u00fcbernahme f\u00fcr eine k\u00fcnstliche Befruchtung im Wesentlichen mit der Begr\u00fcndung ab, anhand der vorliegenden Unterlagen k\u00f6nne keine m\u00e4nnliche Fertilit\u00e4tsst\u00f6rung festgestellt werden.<\/li><li>Die gesetzliche Krankenkasse der Kl\u00e4gerin lehnte eine Kosten\u00fcbernahme f\u00fcr eine k\u00fcnstliche Befruchtung ebenfalls ab, da es eindeutig an einer medizinischen Indikation fehle. Auch die Kosten der ebenfalls vorgesehenen Trophektodermbiopsie k\u00f6nnten nicht \u00fcbernommen werden, da sie nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung geh\u00f6rten.<\/li><li>In den Jahren 2014 und 2015 fanden mehrere Behandlungen zur Durchf\u00fchrung einer k\u00fcnstlichen Befruchtung statt. In einem Zentrum f\u00fcr Reproduktionsmedizin im Inland erfolgten letztendlich vier erfolglose Behandlungen mit nur einem transferierbaren Embryo. Eine weitere Behandlung wurde von dem Kinderwunschzentrum abgelehnt. Es folgten weitere Behandlungen im Ausland unter Verwendung einer von der Schwester der Kl\u00e4gerin gespendeten Eizelle, welche zu einer Schwangerschaft mit Zwillingen (Geburt im Dezember 2015) f\u00fchrten.<\/li><li>F\u00fcr das Streitjahr (2014) wurden die Ehegatten zur Einkommensteuer getrennt veranlagt. Insgesamt machten sie f\u00fcr dieses Jahr Aufwendungen f\u00fcr Ma\u00dfnahmen der k\u00fcnstlichen Befruchtung in H\u00f6he von 29.126,02&nbsp;\u20ac als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen geltend und beantragten die h\u00e4lftige Aufteilung auf jeden der Ehegatten. Die geltend gemachten Gesamtkosten verteilten sich wie folgt:-&nbsp;&nbsp;Behandlungskosten im Zusammenhang mit eigenen Eizellen der Ehefrau:&nbsp;&nbsp;&nbsp;26.998,76 \u20ac-&nbsp;&nbsp;Behandlungskosten im Zusammenhang mit Eizellenspende der Schwester der Kl\u00e4gerin:&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;2.127,26 \u20ac&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;29.126,02 \u20ac<\/li><li>Der Beklagte, Revisionsbeklagte und Revisionskl\u00e4ger (das Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) ber\u00fccksichtigte die Kosten f\u00fcr die k\u00fcnstliche Befruchtung nicht.<\/li><li>Die hiergegen gerichteten Einspr\u00fcche der Kl\u00e4gerin und des Ehemannes blieben erfolglos.<\/li><li>Den im Anschluss erhobenen Klagen gab das Finanzgericht (FG) hinsichtlich der Kinderwunschbehandlung unter Verwendung von eigenen Eizellen der Kl\u00e4gerin statt.<\/li><li>Die Vorentscheidung wurde dem FA am 14.10.2019 zugestellt. Die Revisionsbegr\u00fcndung des FA ging am 24.12.2019 beim Bundesfinanzhof (BFH) ein.<\/li><li>Mit der Revision r\u00fcgen die Kl\u00e4gerin und das FA die Verletzung materiellen Rechts.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin beantragt sinngem\u00e4\u00df,1.&nbsp;&nbsp;das Urteil des FG M\u00fcnchen vom 08.10.2019&nbsp;&#8211; 6&nbsp;K&nbsp;1420\/17 aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid 2014 vom 29.03.2016 in der Fassung der Einspruchsentscheidung vom 10.05.2017 dahingehend zu \u00e4ndern, dass weitere Aufwendungen in H\u00f6he von 14.563,01&nbsp;\u20ac als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen ber\u00fccksichtigt werden,2.die Revision des FA zur\u00fcckzuweisen.<\/li><li>Das FA beantragt,1.&nbsp;&nbsp;das Urteil des FG M\u00fcnchen vom 08.10.2019&nbsp;&#8211; 6&nbsp;K&nbsp;1420\/17 aufzuheben und die Klage abzuweisen,2.&nbsp;&nbsp;die Revision der Kl\u00e4gerin zur\u00fcckzuweisen.<\/li><li>Hinsichtlich der Revisionsbegr\u00fcndungsfrist hat das FA Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gestellt.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision der Kl\u00e4gerin ist unbegr\u00fcndet. Sie ist daher zur\u00fcckzuweisen (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011). Das FG hat die Aufwendungen f\u00fcr die k\u00fcnstliche Befruchtung unter Verwendung der von der Schwester der Kl\u00e4gerin gespendeten Eizelle zu Recht nicht als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen anerkannt (dazu unter 1.). Die Revision des FA ist unzul\u00e4ssig, weil sie nicht fristgem\u00e4\u00df begr\u00fcndet wurde (dazu unter 2.).<\/li><li>1. a) Nach \u00a7&nbsp;33 Abs.&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) wird die Einkommensteuer auf Antrag erm\u00e4\u00dfigt, wenn einem Steuerpflichtigen zwangsl\u00e4ufig gr\u00f6\u00dfere Aufwendungen als der \u00fcberwiegenden Mehrzahl der Steuerpflichtigen gleicher Einkommensverh\u00e4ltnisse, gleicher Verm\u00f6gensverh\u00e4ltnisse und gleichen Familienstands erwachsen. Aufwendungen entstehen einem Steuerpflichtigen zwangsl\u00e4ufig, wenn er sich ihnen aus rechtlichen, tats\u00e4chlichen oder sittlichen Gr\u00fcnden nicht entziehen kann, soweit die Aufwendungen den Umst\u00e4nden nach notwendig sind und einen angemessenen Betrag nicht \u00fcbersteigen (\u00a7&nbsp;33 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG).<\/li><li>aa) In st\u00e4ndiger Rechtsprechung geht der BFH davon aus, dass Krankheitskosten \u2011\u2011ohne R\u00fccksicht auf die Art und die Ursache der Erkrankung\u2011\u2011 dem Steuerpflichtigen aus tats\u00e4chlichen Gr\u00fcnden zwangsl\u00e4ufig erwachsen. Allerdings werden nur solche Aufwendungen als Krankheitskosten ber\u00fccksichtigt, die zum Zwecke der Heilung einer Krankheit oder mit dem Ziel erbracht werden, die Krankheit ertr\u00e4glich zu machen (Senatsurteile vom 17.07.1981&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;77\/78, BFHE 133, 545, BStBl II 1981, 711, und vom 02.09.2010&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;11\/09, BFHE 231, 69, BStBl II 2011, 119; BFH-Urteile vom 13.02.1987&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;208\/81, BFHE 149, 222, BStBl II 1987, 427, und vom 20.03.1987&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;150\/86, BFHE 149, 539, BStBl II 1987, 596).<\/li><li>bb) Im Hinblick auf die f\u00fcr den Abzug nach \u00a7&nbsp;33 EStG erforderliche Zwangsl\u00e4ufigkeit wird nicht danach unterschieden, ob \u00e4rztliche Behandlungsma\u00dfnahmen oder medizinisch erforderliche Hilfsmittel der Heilung dienen oder lediglich einen k\u00f6rperlichen Mangel ausgleichen sollen. Deshalb werden regelm\u00e4\u00dfig auch Aufwendungen als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastung ber\u00fccksichtigt, obwohl der k\u00f6rperliche Mangel durch die betreffende Ma\u00dfnahme nicht behoben, sondern nur &#8222;umgangen&#8220; oder kompensiert wird (Senatsurteil vom 16.12.2010&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;43\/10, BFHE 232, 179, BStBl II 2011, 414). Dementsprechend erkennt der BFH in st\u00e4ndiger Rechtsprechung Aufwendungen f\u00fcr die k\u00fcnstliche Befruchtung als Behandlung bei Sterilit\u00e4t an, wenn diese in \u00dcbereinstimmung mit den Richtlinien der Berufsordnungen f\u00fcr \u00c4rzte vorgenommen wird (BFH-Urteile vom 28.07.2005&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;30\/03, BFHE 210, 355, BStBl II 2006, 495; vom 10.05.2007&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;47\/05, BFHE 218, 141, BStBl II 2007, 871; vom 21.02.2008&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;30\/07, BFH\/NV 2008, 1309; Senatsurteile in BFHE 232, 179, BStBl II 2011, 414; vom 17.05.2017&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;34\/15, BFHE 258, 358, BStBl II 2018, 344, und vom 05.10.2017&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;2\/17).<\/li><li>cc) Voraussetzung ist weiter, dass die den Aufwendungen zugrunde liegende Behandlung mit der innerstaatlichen Rechtsordnung im Einklang steht. Denn eine nach nationalem Recht verbotene Behandlung kann keinen zwangsl\u00e4ufigen Aufwand i.S. des \u00a7&nbsp;33 Abs.&nbsp;1 EStG begr\u00fcnden. Vielmehr ist von den Steuerpflichtigen zu erwarten, dass sie gesetzliche Verbote beachten. Aufwendungen f\u00fcr nach objektiv-rechtlichen Ma\u00dfst\u00e4ben verbotene Behandlungsma\u00dfnahmen sind selbst dann nicht zwangsl\u00e4ufig, wenn sie nicht straf- oder bu\u00dfgeldbewehrt sind oder wegen eines Strafausschlie\u00dfungsgrunds nicht geahndet werden. Als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen sind daher Kosten f\u00fcr eine k\u00fcnstliche Befruchtung nur zu ber\u00fccksichtigen, wenn die aufwandsbegr\u00fcndende Behandlung insbesondere nicht gegen das Embryonenschutzgesetz (ESchG) verst\u00f6\u00dft (Senatsurteile in BFHE 258, 358, BStBl II 2018, 344, Rz&nbsp;15, und vom 05.10.2017&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;2\/17, Rz&nbsp;12).<\/li><li>b) Nach diesen Grunds\u00e4tzen ist das FG zu Recht zu dem Ergebnis gelangt, dass die Aufwendungen f\u00fcr die k\u00fcnstliche Befruchtung unter Verwendung einer Eizellenspende nicht als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen zu ber\u00fccksichtigen sind, da ein Abzug bereits aufgrund der Regelungen des deutschen ESchG ausscheidet.<\/li><li>aa) Nach deutschem Recht ist die k\u00fcnstliche Befruchtung mit Hilfe einer Eizellenspende, d.h. eine k\u00fcnstliche Befruchtung unter Verwendung einer Eizelle, die nicht von der Frau stammt, deren Schwangerschaft mit der k\u00fcnstlichen Befruchtung herbeigef\u00fchrt werden soll, unzul\u00e4ssig (\u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nrn.&nbsp;1 und 2 ESchG). Hierbei wird nicht danach differenziert, ob es sich \u2011\u2011wie die Kl\u00e4gerin ausf\u00fchrt\u2011\u2011 um eine &#8222;kommerzielle&#8220; Spende handelt oder ob \u2011\u2011wie im Streitfall\u2011\u2011 eine Verwandtschaftsbeziehung zwischen der Frau, deren Schwangerschaft herbeigef\u00fchrt werden soll, und der Spenderin der Eizelle besteht.<\/li><li>Aus diesem Grund kommt eine Ber\u00fccksichtigung der Aufwendungen f\u00fcr die k\u00fcnstliche Befruchtung unter Verwendung der gespendeten Eizelle nach den angef\u00fchrten Rechtsgrunds\u00e4tzen, an denen der Senat festh\u00e4lt, nicht in Betracht.<\/li><li>bb) Diese Beurteilung steht auch nicht im Widerspruch zu Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;2 und 3 des Grundgesetzes (GG). Mit der ungleichen Behandlung von Samen- und Eizellenspende kn\u00fcpft das Steuerrecht lediglich an die insoweit geltenden Regelungen des ESchG an, nach dessen Begr\u00fcndung (BTDrucks 11\/5460, 6) mit dem Verbot der Eizellenspende eine Aufspaltung der Mutterschaft in eine genetische Mutter (die Eizellenspenderin) und eine austragende Mutter verhindert werden soll. Diese Erw\u00e4gungen stellen aufgrund biologischer Gegebenheiten einen sachlichen Grund (vgl. Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 17.12.2014&nbsp;&#8211; 1&nbsp;BvL&nbsp;21\/12, BVerfGE 138, 136, BStBl II 2015, 50, Rz&nbsp;123) dar, der die unterschiedliche Behandlung der Eizellenspende gegen\u00fcber der grunds\u00e4tzlich zul\u00e4ssigen Samenspende rechtfertigt.<\/li><li>cc) Auch ein Widerspruch zu europarechtlichen Vorgaben liegt nicht vor. Insbesondere liegt keine Beschr\u00e4nkung des freien Dienstleistungsverkehrs innerhalb der Union (Art.&nbsp;56 des Vertrags \u00fcber die Arbeitsweise der Europ\u00e4ischen Union \u2011\u2011AEUV\u2011\u2011, ehemals Art.&nbsp;49 des Vertrags zur Gr\u00fcndung der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft) vor.<\/li><li>\u00a7&nbsp;33 EStG benachteiligt weder die Kl\u00e4gerin noch Dienstleister in anderen Mitgliedstaaten allein deswegen, weil sie von ihrer Freiheit, Dienstleistungen in einem anderen Mitgliedstaat nachzufragen bzw. einem Staatsb\u00fcrger eines anderen Mitgliedstaats anzubieten, Gebrauch gemacht haben (vgl. Urteil des Gerichtshofs der Europ\u00e4ischen Union Schwarz und Gootjes-Schwarz vom 11.09.2007&nbsp;&#8211; C-76\/05, EU:C:2007:492, Rz&nbsp;36 und 67, Slg. 2007, I-6849). Denn die streitigen Aufwendungen sind nicht deshalb von einem Abzug als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen ausgeschlossen, weil Leistungen im Ausland in Anspruch genommen wurden. Vielmehr sind Aufwendungen f\u00fcr eine k\u00fcnstliche Befruchtung unter Verwendung einer gespendeten Eizelle deshalb nicht als au\u00dfergew\u00f6hnliche Belastungen abziehbar, weil eine solche Behandlung gegen das ESchG verst\u00f6\u00dft, und zwar unabh\u00e4ngig davon, ob die Behandlung im In- oder im Ausland vorgenommen wird.<\/li><li>2. Die Revision des FA ist unzul\u00e4ssig.<\/li><li>a) Nach \u00a7&nbsp;120 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1&nbsp;&nbsp;1.&nbsp;Halbsatz FGO ist die Revision innerhalb von zwei Monaten nach Zustellung des vollst\u00e4ndigen Urteils zu begr\u00fcnden. Da dem FA die Vorentscheidung am 14.10.2019 zugestellt wurde und es sich beim 14.12.2019 um einen Samstag handelt, war die Frist zur Begr\u00fcndung der Revision am Montag, den 16.12.2019, abgelaufen (\u00a7&nbsp;54 Abs.&nbsp;2 FGO i.V.m. \u00a7&nbsp;222 Abs.&nbsp;2 der Zivilprozessordnung). Die Revisionsbegr\u00fcndung ist jedoch erst am 24.12.2019, also nach Ablauf der Revisionsbegr\u00fcndungsfrist, beim BFH eingegangen.<\/li><li>b) Wegen des Vers\u00e4umens dieser Frist kann Wiedereinsetzung in den vorigen Stand (\u00a7&nbsp;56 FGO) nicht gew\u00e4hrt werden.<\/li><li>aa) Wiedereinsetzung in den vorigen Stand ist auf Antrag zu gew\u00e4hren, wenn jemand ohne Verschulden an der Einhaltung einer gesetzlichen Frist verhindert war (\u00a7&nbsp;56 Abs.&nbsp;1 FGO). In formeller Hinsicht setzt die Gew\u00e4hrung der Wiedereinsetzung voraus, dass innerhalb einer Frist von einem Monat nach Wegfall des Hindernisses die vers\u00e4umte Rechtshandlung nachgeholt wird (\u00a7&nbsp;56 Abs.&nbsp;2 S\u00e4tze&nbsp;1 und 3 FGO) und diejenigen Tatsachen vorgetragen werden, aus denen sich die schuldlose Verhinderung ergeben soll (st\u00e4ndige Rechtsprechung, vgl. z.B. BFH-Urteil vom 27.03.1985&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;118\/83, BFHE 144, 1, BStBl II 1985, 586). Das erfordert eine in sich schl\u00fcssige Darstellung der f\u00fcr die Wiedereinsetzung wesentlichen Tatsachen innerhalb dieser Frist (BFH-Beschluss vom 19.01.1993&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;82\/92, BFH\/NV 1993, 611).<\/li><li>Wird im Zusammenhang mit einem Wiedereinsetzungsgesuch die fristgerechte Absendung eines Schriftst\u00fccks behauptet, so sind Tatsachen vorzutragen und glaubhaft zu machen, aus denen sich die rechtzeitige Aufgabe des fristwahrenden Schriftst\u00fccks zur Post ergibt (BFH-Beschluss vom 10.03.1994&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;43\/90, BFH\/NV 1994, 813, und Senatsbeschluss vom 09.03.1993&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;60\/90, BFH\/NV 1993, 616). Insbesondere ist darzulegen, wer den Schriftsatz zu welchem Zeitpunkt zur Post gegeben hat (BFH-Beschluss vom 12.04.1989&nbsp;&#8211; II&nbsp;B&nbsp;197\/88, BFH\/NV 1990, 298). Die Angaben sind durch Vorlage pr\u00e4senter Beweismittel glaubhaft zu machen (BFH-Beschluss vom 13.07.1989&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;64\/88, BFH\/NV 1990, 577, und Senatsbeschluss in BFH\/NV 1993, 616).<\/li><li>bb) Hieran fehlt es im Streitfall. Zur Begr\u00fcndung des Wiedereinsetzungsantrags f\u00fchrt das FA u.a. aus, die Sachgebietsleiterin habe das Revisionsbegr\u00fcndungsschreiben am Tag der R\u00fccksprache mit der Rechtsbehelfssachbearbeiterin, dem 12.12.2019, pers\u00f6nlich &#8222;der Poststelle&#8220; des FA \u00fcbergeben. Es fehlt indes an Ausf\u00fchrungen dazu, welchem Mitarbeiter sie das Schreiben \u00fcbergeben, an wen dieser das Schreiben, ggf. zusammen mit weiteren Schriftst\u00fccken, weitergegeben und wer die Ausgangspost ins hauseigene Fahrzeug geladen und letztlich zur \u00f6rtlichen Poststelle in Y verbracht und damit zur Post gegeben hat.<\/li><li>Entsprechend ergibt sich aus dem Vorbringen des FA nicht, dass das FA kein Verschulden an der Fristvers\u00e4umnis trifft.<\/li><li>3. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Wesentlichen inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 25.01.2022 VI R 34\/19 ECLI:DE:BFH:2022:U.250122.VIR35.19.0 BFH VI. Senat EStG \u00a7 33, GG Art 3, AEUV Art 56, ESchG \u00a7 1, EStG VZ 2014 vorgehend FG M\u00fcnchen, 08. Oktober 2019, Az: 6 K 1420\/17 Leits\u00e4tze 1. 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