{"id":74860,"date":"2022-06-09T15:59:32","date_gmt":"2022-06-09T13:59:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=74860"},"modified":"2022-06-09T15:59:32","modified_gmt":"2022-06-09T13:59:32","slug":"steuerbefreiung-fuer-umsaetze-eines-gaestefuehrers-in-einem-museum-bfh-beschluss-vom-15-februar-2022-xi-r-30-21-xi-r-37-18","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/steuerbefreiung-fuer-umsaetze-eines-gaestefuehrers-in-einem-museum-bfh-beschluss-vom-15-februar-2022-xi-r-30-21-xi-r-37-18\/","title":{"rendered":"Steuerbefreiung f\u00fcr Ums\u00e4tze eines G\u00e4stef\u00fchrers in einem Museum &#8211; BFH-Beschluss vom 15. Februar 2022, XI R 30\/21 (XI R 37\/18)"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2022:B.150222.XIR30.21.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH XI. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>UStG \u00a7 4 Nr 20 Buchst a S 1, UStG \u00a7 4 Nr 20 Buchst a S 2, EGRL 112\/2006 Art 132 Abs 1 Buchst i, EGRL 112\/2006 Art 132 Abs 1 Buchst n, UStG VZ 2010 , UStG VZ 2011 , UStG VZ 2012 , UStG VZ 2013<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG M\u00fcnster, 08. Oktober 2018, Az: 5 K 1215\/16 U<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. Die Steuerbefreiung des \u00a7 4 Nr. 20 Buchst. a UStG f\u00fcr die Leistungen eines Museums oder einer gleichartigen Einrichtung umfasst sachlich nicht nur die Einr\u00e4umung von Eintrittsberechtigungen in das Museum, sondern z.B. auch andere typische Museumsleistungen mit Kulturbezug.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Das Museum, mit dem die gleichartige Einrichtung ihre Museumsleistung erbringt, kann auch das Museum einer dritten Person sein.<\/p>\n\n\n\n<p>3. Jedenfalls bei einem Museum, das nur in Begleitung eines G\u00e4stef\u00fchrers besucht werden darf, ist die F\u00fchrung der Museumsg\u00e4ste eine typische Museumsleistung.<\/p>\n\n\n\n<p>4. Ein spezialisierter Unterricht, der f\u00fcr sich allein nicht der f\u00fcr den Schul- und Hochschulunterricht kennzeichnenden Vermittlung, Vertiefung und Entwicklung von Kenntnissen und F\u00e4higkeiten in Bezug auf ein breites und vielf\u00e4ltiges Spektrum von Stoffen gleichkommt, ist kein Schul- oder Hochschulunterricht i.S. des Art. 132 Abs. 1 Buchst. i MwStSystRL in seiner neueren Auslegung durch den EuGH.<\/p>\n\n\n\n<p>5. Art. 132 Abs. 1 Buchst. n MwStSystRL ist grunds\u00e4tzlich nicht berufbar.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision des Beklagten gegen das Urteil des Finanzgerichts M\u00fcnster vom 08.10.2018 &#8211; 5 K 1215\/16 U wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beteiligten streiten dar\u00fcber, ob die Ums\u00e4tze des Kl\u00e4gers und Revisionsbeklagten (Kl\u00e4ger) aus seiner T\u00e4tigkeit als G\u00e4stef\u00fchrer umsatzsteuerfrei sind.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger ist seit dem Jahr 2002 u.a. als G\u00e4stef\u00fchrer des &#8230; (Museum&nbsp;A) t\u00e4tig. Das Museum&nbsp;A ist ausschlie\u00dflich \u00fcber Gruppenf\u00fchrungen begehbar. Auftraggeber des Kl\u00e4gers ist eine gemeinn\u00fctzige Stiftung (Stiftung&nbsp;A), die das Museum betreibt und dabei steuerfreie Ums\u00e4tze i.S. des \u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a des Umsatzsteuergesetzes (UStG) an die Museumsbesucher erbringt.<\/li><li>Die f\u00fcr den Kl\u00e4ger zust\u00e4ndige Bezirksregierung (B) hat ihm f\u00fcr die Jahre 2010 bis 2013 (Streitjahre) gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;2 UStG bescheinigt, dass er, der Kl\u00e4ger, als Museumsf\u00fchrer die gleichen kulturellen Aufgaben erf\u00fclle wie vergleichbare Einrichtungen in \u00f6ffentlich-rechtlicher Tr\u00e4gerschaft. In den Bescheinigungen weist B au\u00dferdem darauf hin, dass die Entscheidung dar\u00fcber, ob es sich beim Kl\u00e4ger auch sonst um eine &#8222;gleichartige Einrichtung&#8220; i.S. des \u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;2 UStG handele, der Finanzverwaltung obliege.<\/li><li>Dem Antrag des Kl\u00e4gers, seine Ums\u00e4tze als G\u00e4stef\u00fchrer im Museum&nbsp;A umsatzsteuerfrei zu belassen, folgte der Beklagte und Revisionskl\u00e4ger (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) in den Umsatzsteuer-Jahresbescheiden f\u00fcr die Streitjahre vom 02.02.2015, 10.02.2015 und 01.04.2015 nicht, weil es sich bei seiner T\u00e4tigkeit als G\u00e4stef\u00fchrer nicht um eine umsatzsteuerfreie T\u00e4tigkeit i.S. des \u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a UStG handele, und setzte in der Annahme, diese Ums\u00e4tze seien umsatzsteuerpflichtig, Umsatzsteuer fest. Die Einspr\u00fcche blieben erfolglos.<\/li><li>Im Klageverfahren berief sich der Kl\u00e4ger erg\u00e4nzend auf unionsrechtliche Steuerbefreiungen (Art.&nbsp;132 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;i und n der Richtlinie 2006\/112\/EG des Rates vom 28.11.2006 \u00fcber das gemeinsame Mehrwertsteuersystem \u2011\u2011MwStSystRL\u2011\u2011).<\/li><li>Das Finanzgericht (FG) M\u00fcnster gab der Klage mit Urteil vom 08.10.2018&nbsp;&#8211; 5&nbsp;K&nbsp;1215\/16&nbsp;U (Entscheidungen der Finanzgerichte \u2011\u2011EFG\u2011\u2011 2018, 2072) statt. Es nahm an, die vorliegend zu beurteilenden Ums\u00e4tze als G\u00e4stef\u00fchrer im Museum&nbsp;A seien umsatzsteuerfrei. Es begr\u00fcndete dies dreifach: Die Ums\u00e4tze seien sowohl nach \u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a UStG als auch nach Art.&nbsp;132 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;n MwStSystRL steuerfrei, ebenfalls nach Art.&nbsp;132 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;i MwStSystRL; die Leistungen stellten dar\u00fcber hinaus Schulunterricht i.S. von Art.&nbsp;132 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;i MwStSystRL dar.<\/li><li>Mit der Revision r\u00fcgt das FA die Verletzung materiellen Rechts. Es macht geltend, die Ums\u00e4tze des Kl\u00e4gers seien weder nach \u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a UStG noch nach den Art.&nbsp;132 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;i oder n MwStSystRL umsatzsteuerfrei.<\/li><li>Das FA beantragt, die Vorentscheidung aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger beantragt, die Revision als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/li><li>Der Senat hat durch Beschluss vom 28.08.2019&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;37\/18 das Verfahren bis zu einer Entscheidung des Gerichtshofs der Europ\u00e4ischen Union (EuGH) im Verfahren C-373\/19 ausgesetzt und nach Ergehen einer Entscheidung im dortigen Verfahren unter dem Aktenzeichen XI&nbsp;R&nbsp;30\/21 (XI&nbsp;R&nbsp;37\/18) wieder aufgenommen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Entscheidung ergeht gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;126a der Finanzgerichtsordnung (FGO). Der Senat h\u00e4lt einstimmig die Revision f\u00fcr unbegr\u00fcndet und eine m\u00fcndliche Verhandlung nicht f\u00fcr erforderlich. Die Beteiligten sind davon unterrichtet worden und hatten Gelegenheit zur Stellungnahme.<\/li><li>1. Das FG hat zwar unzutreffend angenommen, dass sich eine Steuerbefreiung der Ums\u00e4tze des Kl\u00e4gers aus seiner erfolgreichen Berufung auf Art.&nbsp;132 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;i und n MwStSystRL ergebe. Dies ist nicht der Fall.<\/li><li>a) Die T\u00e4tigkeiten des Kl\u00e4gers sind kein Schul- oder Hochschulunterricht i.S. des Art.&nbsp;132 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;i MwStSystRL in seiner neueren Auslegung durch den EuGH (vgl. dazu EuGH-Urteile A&amp;G Fahrschul-Akademie vom 14.03.2019&nbsp;&#8211; C-449\/17, EU:C:2019:202; Dubrovin &amp; Tr\u00f6ger&nbsp;&#8211; Aquatics vom 21.10.2021&nbsp;&#8211; C-373\/19, EU:C:2021:873; EuGH-Beschluss Finanzamt Hamburg-Barmbek-Uhlenhorst vom 07.10.2019&nbsp;&#8211; C-47\/19, EU:C:2019:840), weil der &#8222;Unterricht&#8220; des Kl\u00e4gers allenfalls ein spezialisierter Unterricht w\u00e4re, der f\u00fcr sich allein nicht der f\u00fcr den Schul- und Hochschulunterricht kennzeichnenden Vermittlung, Vertiefung und Entwicklung von Kenntnissen und F\u00e4higkeiten in Bezug auf ein breites und vielf\u00e4ltiges Spektrum von Stoffen gleichk\u00e4me, auf die der EuGH insoweit neuerdings abstellt.<\/li><li>b) Art.&nbsp;132 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;n MwStSystRL ist \u2011\u2011entgegen der Auffassung des FG\u2011\u2011 grunds\u00e4tzlich nicht berufbar (vgl. Urteile des Bundesfinanzhofs \u2011\u2011BFH\u2011\u2011 vom 22.08.2019&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;14\/17, BFHE 266, 401, BStBl II 2020, 720, Rz&nbsp;16; vom 10.12.2020&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;39\/18, BFH\/NV 2021, 947, Rz&nbsp;24; EuGH-Urteil British Film Institute vom 15.02.2017&nbsp;&#8211; C-592\/15, EU:C:2017:117, Leitsatz und Rz&nbsp;24&nbsp;ff.).<\/li><li>2. Allerdings hat das FG in revisionsrechtlich nicht zu beanstandender Weise eine Steuerbefreiung nach \u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;2 UStG bejaht und den Kl\u00e4ger als eine dem Museum&nbsp;A gleichartige Einrichtung angesehen.<\/li><li>a) Nach \u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;1 UStG sind von den unter \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 fallenden Ums\u00e4tzen steuerfrei die Ums\u00e4tze folgender Einrichtungen des Bundes, der L\u00e4nder, der Gemeinden oder der Gemeindeverb\u00e4nde: Theater, Orchester, Kammermusikensembles, Ch\u00f6re, Museen, botanische G\u00e4rten, zoologische G\u00e4rten, Tierparks, Archive, B\u00fcchereien sowie Denkm\u00e4ler der Bau- und Gartenbaukunst. Das Gleiche gilt gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;2 UStG f\u00fcr die Ums\u00e4tze gleichartiger Einrichtungen anderer Unternehmer, wenn die zust\u00e4ndige Landesbeh\u00f6rde \u2011\u2011wie im Streitfall\u2011\u2011 bescheinigt, dass sie die gleichen kulturellen Aufgaben wie die in Satz&nbsp;1 bezeichneten Einrichtungen erf\u00fcllen.<\/li><li>aa) Museen im Sinne dieser Vorschrift sind wissenschaftliche Sammlungen und Kunstsammlungen (\u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;3 UStG, ab 01.07.2013: \u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;4 UStG). Die Steuerbefreiung in \u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a S\u00e4tze&nbsp;1 und 2 UStG ist auf alle Ums\u00e4tze mit Kulturbezug anzuwenden; steuerfrei ist nicht nur die Einr\u00e4umung von Eintrittsberechtigungen, sondern sind z.B. auch andere typische Museumsleistungen (vgl. BFH-Urteil vom 22.11.2018&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;29\/17, BFHE 263, 85, BStBl II 2021, 495, Rz&nbsp;13), wobei es sich bei den in \u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;3 bzw. 4 UStG genannten Sammlungen auch um die einer anderen Person handeln kann (vgl. BFH-Urteil in BFHE 263, 85, BStBl II 2021, 495, Rz&nbsp;15).<\/li><li>bb) Der Begriff &#8222;Einrichtung&#8220; ist weit genug, um auch nat\u00fcrliche Personen (vgl. EuGH-Urteile Gregg vom 07.09.1999&nbsp;&#8211; C-216\/97, EU:C:1999:390, Umsatzsteuer-Rundschau \u2011\u2011UR\u2011\u2011 1999, 419, Rz&nbsp;21; Administration de l&#8217;Enregistrement, des Domaines und de la TVA, EQ vom 15.04.2021&nbsp;&#8211; C-846\/19, EU:C:2021:277, Rz&nbsp;73; BFH-Urteil vom 28.06.2017&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;23\/14, BFHE 258, 517) und private Einheiten mit Gewinnerzielungsabsicht (vgl. dazu EuGH-Urteile Kingscrest Associates und Montecello vom 26.05.2005&nbsp;&#8211; C-498\/03, EU:C:2005:322, UR 2005, 453, Rz&nbsp;35 und 40; MDDP vom 28.11.2013&nbsp;&#8211; C-319\/12, EU:C:2013:778, Rz&nbsp;28 und 31) zu erfassen (vgl. allgemein auch BFH-Urteile vom 18.03.2015&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;15\/11, BFHE 249, 359, BStBl II 2015, 1058, Rz&nbsp;31; in BFHE 258, 517, Rz&nbsp;38; vom 24.02.2021&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;30\/20 (XI&nbsp;R&nbsp;11\/17), BFHE 272, 259, Rz&nbsp;34).<\/li><li>cc) Die Pr\u00fcfung, ob die nat\u00fcrliche Person oder die private Einrichtung mit Gewinnerzielungsabsicht eine Einrichtung betreibt, die einer Einrichtung i.S. des \u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;1 UStG gleichartig ist (Gleichartigkeit der kulturellen Einrichtung), obliegt zwar den Finanzbeh\u00f6rden und Finanzgerichten (vgl. BFH-Urteil vom 19.10.2011&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;40\/09, BFH\/NV 2012, 798). Indes ist der Inhalt der Bescheinigung auch f\u00fcr den Begriff der Gleichartigkeit in \u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;1 UStG mit heranzuziehen; wenn sich aus der Bescheinigung ergibt, dass der Inhaber der Bescheinigung die gleichen kulturellen Aufgaben wie eine Einrichtung i.S. des \u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;1 UStG erf\u00fcllt, beide bei der Erbringung der befreiten Leistung zusammenwirken und sie ihre kulturelle Aufgabe gemeinsam erf\u00fcllen, ist die Leistung des Inhabers der Bescheinigung gleichartig (vgl. BFH-Urteil in BFHE 266, 401, BStBl II 2020, 720, Rz&nbsp;15; s.a. bereits Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 18.06.2003&nbsp;&#8211; 5&nbsp;StR&nbsp;169\/00, UR 2003, 545). Soweit der BFH fr\u00fcher (so noch BFH-Urteil vom 18.02.2010&nbsp;&#8211; V&nbsp;R&nbsp;28\/08, BFHE 228, 474, BStBl II 2010, 876, Rz&nbsp;20) in Bezug auf den Begriff des Orchesters eine richtlinienkonforme Auslegung des \u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;2 UStG nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten hat, hat er, was das FG zwar noch nicht ber\u00fccksichtigen konnte, aber zutreffend vorweggenommen hat, diese Beurteilung nach Ergehen des Urteils des FG aufgegeben (vgl. BFH-Urteil in BFHE 266, 401, BStBl II 2020, 720). F\u00fcr den Begriff des &#8222;Theaters&#8220; ist der BFH seit jeher davon ausgegangen, dass dies auch eine Auff\u00fchrung durch nur eine Person sein kann (vgl. BFH-Urteil vom 04.05.2011&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;44\/08, BFHE 233, 367, BStBl II 2014, 200, Rz&nbsp;18). Ebenso k\u00f6nnen Leistungen eines Museums von einer Person erbracht werden.<\/li><li>b) Gemessen daran h\u00e4lt die Auffassung des FG, dass die streitigen Leistungen des Kl\u00e4gers gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a Satz&nbsp;2 UStG steuerfrei seien, den Angriffen der Revision stand.<\/li><li>aa) Das FG hat mit beiden Beteiligten angenommen, dass die Stiftung&nbsp;A ein Museum i.S. des \u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a UStG betreibt, so dass das Museum&nbsp;A den Museumsbegriff erf\u00fcllt. Dies wird in Bezug auf die Stiftung&nbsp;A mit der Revision auch nicht angegriffen.<\/li><li>bb) Das FG hat auch die Gleichartigkeit der Leistungen bejaht, weil das Museum&nbsp;A ausschlie\u00dflich im Rahmen der vom Kl\u00e4ger und den anderen G\u00e4stef\u00fchrern durchgef\u00fchrten F\u00fchrungen zug\u00e4nglich sei. Der Kl\u00e4ger sei unmittelbarer und unverzichtbarer Bestandteil der kulturellen Leistung des Museums&nbsp;A. Ohne G\u00e4stef\u00fchrer gebe es im Streitfall keine Museumsbesichtigung.<\/li><li>cc) Diese W\u00fcrdigung ist aufgrund der vom FG getroffenen tats\u00e4chlichen Feststellungen sowie des Inhalts der Bescheinigung der B m\u00f6glich und verst\u00f6\u00dft nicht gegen die unter II.2.a genannten Rechtsgrunds\u00e4tze, gegen Denkgesetze oder gegen Erfahrungss\u00e4tze; sie bindet daher den Senat (\u00a7&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO).<\/li><li>dd) Der Einwand des FA, dass die Auslegung des FG zu weit gehe, weil dann auch ein selbst\u00e4ndiger Unternehmer, der selbst nicht Inhaber eines Museums sei, eine Museumsleistung erbringen k\u00f6nne, greift schon deshalb nicht durch, weil das vom FA geschilderte Ergebnis der bereits vorhandenen Rechtsprechung des BFH entspricht (vgl. BFH-Urteil in BFHE 263, 85, BStBl II 2021, 495, Rz&nbsp;15): Das Museum (die Sammlung), mit dem der Leistende seine Museumsleistung erbringt, kann auch das Museum (die Sammlung) einer dritten Person sein.<\/li><li>ee) Soweit das FA zu Recht darauf hinweist, dass der Kl\u00e4ger die pers\u00f6nlichen Voraussetzungen der Steuerbefreiung selbst erf\u00fcllen muss, weil sonst z.B. auch die Leistungen eines Hausmeister- oder Sicherheitsdienstes f\u00fcr das Museum steuerfrei sein m\u00fcssten, trifft dies zwar zu (s. oben unter II.2.a&nbsp;cc). Indes erf\u00fcllt der Kl\u00e4ger im Streitfall die personellen Voraussetzungen in eigener Person. Nach den tats\u00e4chlichen Feststellungen des FG, u.a. dem Inhalt der Bescheinigung der B, erf\u00fcllt er selbst kulturelle Aufgaben, indem er selbst eine kulturelle Leistung (in Form der G\u00e4stef\u00fchrung) erbringt. Die Leistungen des Kl\u00e4gers sind daher mit den vom FA erw\u00e4hnten, nicht nach \u00a7&nbsp;4 Nr.&nbsp;20 Buchst.&nbsp;a UStG befreiten Leistungen eines selbst nicht kulturell t\u00e4tigen Subunternehmers (wie z.B. eines Hausmeister- oder Sicherheitsdienstes) nicht vergleichbar.<\/li><li>ff) Der Vortrag des FA, dass nur das Vorhandensein des Museums oder der Sammlung und nicht das Handeln von Personen (im Museum) steuerfrei sei, f\u00fchrt ebenfalls zu keiner anderen Beurteilung, da nach der unter II.2.a&nbsp;aa genannten Rechtsprechung nicht nur die Eintrittsberechtigung zum Museum steuerfrei ist, sondern die typischen Museumsleistungen, zu denen zumindest bei einem Museum wie dem Museum&nbsp;A, das nur in Begleitung eines G\u00e4stef\u00fchrers besucht werden darf, die F\u00fchrung der Museumsg\u00e4ste geh\u00f6rt.<\/li><li>gg) Mit dem Vortrag, dass eine Steuerpflicht der Ums\u00e4tze des Kl\u00e4gers dem Zweck der Steuerbefreiung nicht widerspreche, setzt das FA nur seine eigene W\u00fcrdigung an die Stelle der anders lautenden, m\u00f6glichen W\u00fcrdigung des FG (EFG 2018, 2072, Rz&nbsp;34).<\/li><li>3. Die Kostenentscheidung folgt aus \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2022:B.150222.XIR30.21.0 BFH XI. Senat UStG \u00a7 4 Nr 20 Buchst a S 1, UStG \u00a7 4 Nr 20 Buchst a S 2, EGRL 112\/2006 Art 132 Abs 1 Buchst i, EGRL 112\/2006 Art 132 Abs 1 Buchst n, UStG VZ 2010 , UStG VZ 2011 , UStG VZ 2012 , UStG VZ 2013 vorgehend FG &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/steuerbefreiung-fuer-umsaetze-eines-gaestefuehrers-in-einem-museum-bfh-beschluss-vom-15-februar-2022-xi-r-30-21-xi-r-37-18\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Steuerbefreiung f\u00fcr Ums\u00e4tze eines G\u00e4stef\u00fchrers in einem Museum &#8211; BFH-Beschluss vom 15. 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