{"id":75049,"date":"2022-08-11T12:21:11","date_gmt":"2022-08-11T10:21:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=75049"},"modified":"2022-08-11T12:21:11","modified_gmt":"2022-08-11T10:21:11","slug":"nacherhebung-der-kapitalertragsteuer-fuer-eine-offene-gewinnausschuettung-in-den-faellen-des-%c2%a7-27-abs-5-satz-2-kstg-bfh-urteil-vom-17-mai-2022-viii-r-14-18","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/nacherhebung-der-kapitalertragsteuer-fuer-eine-offene-gewinnausschuettung-in-den-faellen-des-%c2%a7-27-abs-5-satz-2-kstg-bfh-urteil-vom-17-mai-2022-viii-r-14-18\/","title":{"rendered":"Nacherhebung der Kapitalertragsteuer f\u00fcr eine offene Gewinnaussch\u00fcttung in den F\u00e4llen des \u00a7 27 Abs. 5 Satz 2 KStG &#8211; BFH-Urteil vom 17. Mai 2022, VIII R 14\/18"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2022:U.170522.VIIIR14.18.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH VIII. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>AO \u00a7 167 Abs 1 S 1, EStG \u00a7 20 Abs 1 Nr 1 S 1, EStG \u00a7 20 Abs 1 Nr 1 S 3, EStG \u00a7 43 Abs 1 S 1 Nr 1, EStG \u00a7 44 Abs 1 S 5, EStG \u00a7 44 Abs 2, EStG \u00a7 44 Abs 5 S 1, KStG \u00a7 27 Abs 1 S 3, KStG \u00a7 27 Abs 1 S 5, KStG \u00a7 27 Abs 3 S 1, KStG \u00a7 27 Abs 3 S 2, KStG \u00a7 27 Abs 5 S 1, KStG \u00a7 27 Abs 5 S 2, EStG VZ 2010 , KStG VZ 2010<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Finanzgericht Baden-W\u00fcrttemberg , 12. April 2016, Az: 6 K 2703\/15<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. Wird f\u00fcr eine offene Gewinnaussch\u00fcttung gem\u00e4\u00df \u00a7 27 Abs. 5 Satz 2 KStG eine bescheinigte Einlagenr\u00fcckgew\u00e4hr in H\u00f6he von 0 \u20ac fingiert, \u00fcberlagert die Fiktion bereits im Aussch\u00fcttungszeitpunkt den Umstand, dass nach der Verwendungsrechnung des \u00a7 27 Abs. 1 S\u00e4tze 3 bis 5 KStG kein aussch\u00fcttbarer Gewinn verwendet wird.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Greift die Fiktion des \u00a7 27 Abs. 5 Satz 2 KStG, entstehen die Kapitalertragsteuer und die damit verbundenen kapitalertragsteuerlichen Pflichten der steuerentrichtungspflichtigen Kapitalgesellschaft nicht erst mit der Bekanntgabe des gesonderten Feststellungsbescheids f\u00fcr das Einlagekonto als das die Fiktion ausl\u00f6sende Ereignis, sondern mit dem Zufluss der Aussch\u00fcttung.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision der Kl\u00e4gerin gegen das Urteil des Finanzgerichts Baden-W\u00fcrttemberg vom 12.04.2016 &#8211; 6 K 2703\/15 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat die Kl\u00e4gerin zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin) ist eine GmbH, deren Anteilseignerin die Stadt A ist. Gegenstand des Unternehmens sind Versorgungsbetriebe und B\u00e4der.<\/li><li>Am 27.07.2010 beschloss die Gesellschafterversammlung der Kl\u00e4gerin eine Aussch\u00fcttung aus der Kapitalr\u00fccklage in H\u00f6he von 5&nbsp;Mio.&nbsp;\u20ac und zahlte diesen Betrag am 28.07.2010 an A aus. Ein aussch\u00fcttbarer Gewinn der Kl\u00e4gerin im Sinne der Verwendungsrechnung nach \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;1 S\u00e4tze&nbsp;3 bis 5 des K\u00f6rperschaftsteuergesetzes in der im Streitjahr geltenden Fassung (KStG) zum 31.12.2009 war nicht vorhanden.<\/li><li>F\u00fcr die Aussch\u00fcttung wurde seitens der Kl\u00e4gerin wegen der aus ihrer Sicht vorliegenden Einlagenr\u00fcckgew\u00e4hr i.S. des \u00a7&nbsp;27 KStG i.V.m. \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 des Einkommensteuergesetzes in der im Streitjahr 2010 anzuwendenden Fassung (EStG) weder die Kapitalertragsteuer noch der Solidarit\u00e4tszuschlag einbehalten und abgef\u00fchrt. Die Kl\u00e4gerin reichte auch keine Kapitalertragsteueranmeldung f\u00fcr die Aussch\u00fcttung beim Beklagten und Revisionsbeklagten (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) ein.<\/li><li>Zwar ergab sich aus den mit der Feststellungserkl\u00e4rung zum Einlagekonto f\u00fcr das Jahr 2010 (Streitjahr) beim FA eingereichten Unterlagen, insbesondere den Bilanzerl\u00e4uterungen, dass eine Aussch\u00fcttung der Kl\u00e4gerin an A im Streitjahr erfolgt sein musste. Die am 12.12.2011 beim FA eingegangene Erkl\u00e4rung zur gesonderten Feststellung des steuerlichen Einlagekontos sowie die mit der K\u00f6rperschaftsteuererkl\u00e4rung f\u00fcr 2010 eingereichte Anlage&nbsp;WA enthielten aber keine Hinweise auf die Aussch\u00fcttung.<\/li><li>Der Bescheid \u00fcber die gesonderte Feststellung des steuerlichen Einlagekontos zum 31.12.2010 nach \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 KStG erging am 10.02.2012, ohne eine Aussch\u00fcttung der Kl\u00e4gerin im Streitjahr zu ber\u00fccksichtigen. Das Einlagekonto der Kl\u00e4gerin wurde im Vergleich zur gesonderten Feststellung auf den 31.12.2009 in unver\u00e4nderter H\u00f6he ausgewiesen. Eine Bescheinigung \u00fcber die Aussch\u00fcttung nach \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 KStG hatte die Kl\u00e4gerin der A bis zur Bekanntgabe des gesonderten Feststellungsbescheids \u00fcber das Einlagekonto f\u00fcr das Streitjahr nicht erteilt.<\/li><li>In einem Betriebspr\u00fcfungsbericht vom 10.04.2013 wurde zur Kapitalertragsteuer f\u00fcr das Streitjahr festgestellt, dass die Aussch\u00fcttung aus der Kapitalr\u00fccklage wie eine &#8222;Entnahme&#8220; zu betrachten sei, da ein aussch\u00fcttbarer Gewinn der Kl\u00e4gerin nicht vorhanden gewesen sei. Da bis zum Tag der Bekanntgabe des gesonderten Feststellungsbescheids zum 31.12.2010 die Bescheinigung nach \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;3 KStG nicht erteilt worden sei, gelte die Einlagenr\u00fcckgew\u00e4hr gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 KStG in H\u00f6he von 0&nbsp;\u20ac als bescheinigt. Das steuerliche Einlagekonto der Kl\u00e4gerin zum 31.12.2010 sei danach gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 KStG zu Recht ohne Ber\u00fccksichtigung einer Minderung durch die Aussch\u00fcttung gesondert festgestellt worden. F\u00fcr die Aussch\u00fcttung seien Kapitalertragsteuer und Solidarit\u00e4tszuschlag nachzuerheben.<\/li><li>Entsprechend erlie\u00df das FA am 15.11.2013 gegen\u00fcber der Kl\u00e4gerin nach \u00a7&nbsp;167 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 der Abgabenordnung (AO) i.V.m. \u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 EStG einen als &#8222;Nachforderungsbescheid&#8220; \u00fcber Kapitalertragsteuer und Solidarit\u00e4tszuschlag bezeichneten Bescheid (im Folgenden: Nacherhebungsbescheid), da die Kl\u00e4gerin f\u00fcr die Aussch\u00fcttung \u00fcber 5&nbsp;Mio.&nbsp;\u20ac vom 27.07.2010 weder der Verpflichtung nachgekommen sei, die Kapitalertragsteuer einzubehalten und abzuf\u00fchren noch die Kapitalertragsteuer angemeldet habe. Die Kapitalertragsteuer sei gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1, \u00a7&nbsp;43 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1, \u00a7&nbsp;43a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 i.V.m. \u00a7&nbsp;44a Abs.&nbsp;8 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG in H\u00f6he von drei F\u00fcnfteln des Steuerabzugs zu erheben. Das FA nahm die Kl\u00e4gerin \u00fcber 750.000&nbsp;\u20ac Kapitalertragsteuer und 41.250&nbsp;\u20ac Solidarit\u00e4tszuschlag in Anspruch.<\/li><li>Das Einspruchs- und Klageverfahren richtete sich gegen den Bescheid zur gesonderten Feststellung des Einlagekontos auf den 31.12.2010 und den Nacherhebungsbescheid vom 15.11.2013 zur Kapitalertragsteuer und zum Solidarit\u00e4tszuschlag. Einspruch und Klage blieben erfolglos. Die Entscheidung des Finanzgerichts (FG) Baden-W\u00fcrttemberg ist in Entscheidungen der Finanzgerichte 2016, 1944 mitgeteilt.<\/li><li>In dem zun\u00e4chst beim I.&nbsp;Senat des Bundesfinanzhofs (BFH) unter dem Aktenzeichen I&nbsp;R&nbsp;30\/16 gef\u00fchrten Revisionsverfahren verfolgte die Kl\u00e4gerin ihr Begehren hinsichtlich der Entscheidung des FG \u00fcber die gesonderte Feststellung des Einlagekontos auf den 31.12.2010 und hinsichtlich des Nacherhebungsbescheids weiter. Mit Beschluss vom 18.04.2018 hat der I.&nbsp;Senat des BFH das Verfahren wegen des Nacherhebungsbescheids abgetrennt und an den zust\u00e4ndigen erkennenden Senat verwiesen.<\/li><li>Mit Beschluss vom 11.07.2018&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;30\/16 (BFHE 262, 347, BStBl II 2019, 283) gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;126a der Finanzgerichtsordnung (FGO) wies der I.&nbsp;Senat des BFH die Revision wegen des Bescheids zur gesonderten Feststellung des Einlagekontos zum 31.12.2010 als unbegr\u00fcndet zur\u00fcck. Das FG habe die gesonderte Feststellung des Einlagekontos zum 31.12.2010 durch das FA zu Recht nicht beanstandet. Da die Kl\u00e4gerin der A bis zum Tag der Bekanntgabe des Bescheids \u00fcber die gesonderte Feststellung des Einlagekontos vom 10.02.2012 keine Bescheinigung i.S. des \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;3 KStG erteilt habe, sei f\u00fcr die Aussch\u00fcttung des Jahres 2010 nach \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 KStG von einer bescheinigten Minderung des Einlagekontos in H\u00f6he von 0&nbsp;\u20ac auszugehen und dies sei der gesonderten Feststellung des Einlagekontos zum 31.12.2010 gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 KStG zugrunde zu legen. Zur Vermeidung von Wiederholungen nimmt der Senat auf die Begr\u00fcndung des Beschlusses in BFHE 262, 347, BStBl II 2019, 283 Bezug.<\/li><li>Zu dem hier streitgegenst\u00e4ndlichen Nacherhebungsbescheid r\u00fcgt die Kl\u00e4gerin die Verletzung von Bundesrecht.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin beantragt,<br \/>das Urteil des FG Baden-W\u00fcrttemberg vom 12.04.2016&nbsp;&#8211; 6&nbsp;K&nbsp;2703\/15, den Nacherhebungsbescheid vom 15.11.2013 und die Einspruchsentscheidung vom 26.08.2015 aufzuheben, soweit sie den Nacherhebungsbescheid betrifft.<\/li><li>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision ist unbegr\u00fcndet und daher zur\u00fcckzuweisen (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 FGO).<\/li><li>Das FG hat es zu Recht nicht beanstandet, dass das FA die Kl\u00e4gerin im Wege des Nacherhebungsbescheids in Anspruch genommen hat. Die Kl\u00e4gerin war ab dem 28.07.2010 verpflichtet, f\u00fcr die Aussch\u00fcttung an A Kapitalertragsteuer und Solidarit\u00e4tszuschlag einzubehalten, abzuf\u00fchren und anzumelden. Dem ist sie nicht nachgekommen (s. unter II.1.). Sie kann sich nicht gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;2 EStG exkulpieren (s. unter II.2.).<\/li><li>1. Die Kl\u00e4gerin war nach \u00a7&nbsp;45a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1, \u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;1 S\u00e4tze&nbsp;3 und 5, Abs.&nbsp;2 und Abs.&nbsp;5 i.V.m. \u00a7&nbsp;43 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 und \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG verpflichtet, f\u00fcr die am 27.07.2010 beschlossene Aussch\u00fcttung am 28.07.2010 Kapitalertragsteuer und Solidarit\u00e4tszuschlag einzubehalten, abzuf\u00fchren und anzumelden.<\/li><li>a) Bei der Aussch\u00fcttung der Kl\u00e4gerin vom 27.07.2010 \u00fcber 5&nbsp;Mio.&nbsp;\u20ac handelt es sich um eine Gewinnaussch\u00fcttung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG, die gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;43 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG dem Kapitalertragsteuerabzug unterliegt.<\/li><li>aa) Die Aussch\u00fcttung vom 27.07.2010 ist nicht als Einlagenr\u00fcckgew\u00e4hr gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 EStG zu qualifizieren. Nach dieser Regelung geh\u00f6ren die Bez\u00fcge nicht zu den Einnahmen i.S. des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG, soweit sie aus Aussch\u00fcttungen einer K\u00f6rperschaft stammen, f\u00fcr die Betr\u00e4ge aus dem steuerlichen Einlagekonto i.S. des \u00a7&nbsp;27 KStG als verwendet gelten. \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 EStG kn\u00fcpft tatbestandlich an die im Bescheid nach \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;2 KStG ausgewiesenen Best\u00e4nde des steuerlichen Einlagekontos an. Die Verwendungsrechnung (\u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;1 S\u00e4tze&nbsp;1 bis 3 KStG), welche sich aus der gesonderten Feststellung des steuerlichen Einlagekontos f\u00fcr die Leistungen der K\u00f6rperschaft ergibt, ist auch auf der Ebene der Gesellschafter zu beachten. Die materiell-rechtliche Bindung des Gesellschafters (Anteilsinhabers) an die gesonderte Feststellung bewirkt, dass er sich nicht mit Erfolg darauf berufen kann, das Einlagekonto sei im Bescheid \u00fcber die gesonderte Feststellung des steuerlichen Einlagekontos unzutreffend ausgewiesen (BFH-Urteil vom 28.01.2015&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;70\/13, BFHE 249, 118, BStBl II 2017, 101, Rz&nbsp;11; BFH-Beschluss in BFHE 262, 347, BStBl II 2019, 283, Rz&nbsp;20&nbsp;ff.).<\/li><li>bb) Im gesonderten Feststellungsbescheid \u00fcber das Einlagekonto zum 31.12.2010 wurde festgestellt, dass das Einlagekonto f\u00fcr die Aussch\u00fcttung vom 27.07.2010 nicht verwendet wurde. Aufgrund des zwischen den Beteiligten gef\u00fchrten Verfahrens wegen der gesonderten Feststellung des Einlagekontos auf den 31.12.2010 steht nach dem BFH-Beschluss in BFHE 262, 347, BStBl II 2019, 283 f\u00fcr den Senat und die Beteiligten bindend fest (\u00a7&nbsp;110 FGO), dass der gesonderte Feststellungsbescheid \u00fcber das Einlagekonto zum 31.12.2010 mit diesem Inhalt rechtm\u00e4\u00dfig ist. Es kommt schon aus diesem Grund nicht darauf an, ob der Kl\u00e4gerin \u2011\u2011wie in der m\u00fcndlichen Verhandlung von ihr geltend gemacht\u2011\u2011 in Anlehnung an die BFH-Urteile vom 10.04.2019&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;15\/16 (BFHE 265, 56, BStBl II 2022, 266) und vom 04.05.2021&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;14\/20 (BFHE 273, 206) im vorliegenden Verfahren gegen den Nacherhebungsbescheid der individuelle Nachweis einer Einlagenr\u00fcckgew\u00e4hr zu gestatten sein k\u00f6nnte. Die Voraussetzungen des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 EStG sind nicht erf\u00fcllt. Die Aussch\u00fcttung an A ist danach ein (kapitalertrag)steuerpflichtiger Kapitalertrag gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 i.V.m. \u00a7&nbsp;43 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG.<\/li><li>b) Wegen der nicht erteilten Bescheinigung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 KStG galt die Einlagenr\u00fcckgew\u00e4hr f\u00fcr die Aussch\u00fcttung an A mit der Bekanntgabe des gesonderten Feststellungsbescheids zum Einlagekonto auf den 31.12.2010 gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 KStG in H\u00f6he von 0&nbsp;\u20ac als bescheinigt. Diese Fiktion wurde gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 KStG der gesonderten Feststellung des Einlagekontos zugrunde gelegt und das Einlagekonto zum 31.12.2010 danach zutreffend ohne eine Minderung wegen der Aussch\u00fcttung an A, zum Stand am 31.12.2009, in unver\u00e4nderter H\u00f6he festgestellt. Die Fiktion der Nichtverwendung des Einlagekontos f\u00fcr die Aussch\u00fcttung der Kl\u00e4gerin an A gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 KStG \u00fcberlagert die materiell-rechtliche Pr\u00fcfung der Einlagenr\u00fcckgew\u00e4hr anhand der Verwendungsrechnung i.S. des \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;1 S\u00e4tze&nbsp;3 bis 5 KStG (s. zu einer im Abflusszeitpunkt nicht erkannten verdeckten Gewinnaussch\u00fcttung BFH-Beschluss vom 19.01.2021&nbsp;&#8211; I&nbsp;B&nbsp;3\/20, BFH\/NV 2021, 648, Rz&nbsp;13). Damit ist der (kapitalertrag)steuerpflichtige Kapitalertrag gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 i.V.m. \u00a7&nbsp;43 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG \u2011\u2011entgegen der Auffassung der Kl\u00e4gerin\u2011\u2011 nicht erst bei Bekanntgabe des gesonderten Feststellungsbescheids zum Einlagekonto, sondern bereits im Zeitpunkt der Aussch\u00fcttung vorhanden.<\/li><li>Dem Gesetz ist kein Anhaltspunkt daf\u00fcr zu entnehmen, dass die Fiktion der Einlagenr\u00fcckgew\u00e4hr in H\u00f6he von 0&nbsp;\u20ac f\u00fcr eine Leistung der Kapitalgesellschaft gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 KStG und die damit einhergehende \u00dcberlagerung der Verwendungsrechnung in \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;1 S\u00e4tze&nbsp;3 bis 5 KStG erst ab der \u2011\u2011nach dem Aussch\u00fcttungszeitpunkt liegenden\u2011\u2011 Bekanntgabe des gesonderten Feststellungsbescheids Wirkung entfalten sollen. Anders als die Kl\u00e4gerin meint, spricht nichts f\u00fcr eine solche Auslegung des Gesetzes. Die von der Kl\u00e4gerin vertretene Auslegung h\u00e4tte vielmehr zur Folge, dass die den Kapitalertragsteuerabzug f\u00fcr offene Gewinnaussch\u00fcttungen bestimmenden Regelungen, die an den Zufluss ankn\u00fcpfen (vgl. \u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 und Abs.&nbsp;2 EStG zur Entstehung der Kapitalertragsteuer und \u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 EStG f\u00fcr die Einbehaltungs- und Abf\u00fchrungspflicht sowie \u00a7&nbsp;45a Abs.&nbsp;1 i.V.m. \u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;5 Halbsatz&nbsp;2 EStG f\u00fcr die Anmeldepflicht), ins Leere gingen. Denn in dem nach Meinung der Kl\u00e4gerin ma\u00dfgeblichen Zeitpunkt des Entstehens eines steuerpflichtigen Kapitalertrags (der Bekanntgabe des Feststellungsbescheids) findet kein Zufluss mehr statt. Aus der Gesamtkonzeption der Regelungen in \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2, Abs.&nbsp;1 KStG, \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1, \u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 und \u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 EStG ergibt sich vielmehr, dass bei Eingreifen der Fiktion bereits ab dem Zeitpunkt der Leistung von einem steuerpflichtigen Kapitalertrag i.S. des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 i.V.m. \u00a7&nbsp;43 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG auszugehen ist (vgl. auch Gosch\/Bauschatz KStG, 4.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;27 Rz&nbsp;102, 105; Brandis\/Heuermann\/Oellerich, \u00a7&nbsp;27 KStG Rz&nbsp;61, 63; Berninghaus in Herrmann\/Heuer\/Raupach, \u00a7&nbsp;27 KStG Rz&nbsp;119, 123; Kleinmanns, eKommentar, \u00a7&nbsp;27 KStG Rz&nbsp;66, 67, Aktualisierung vom 01.01.2022).<\/li><li>c) Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 EStG entsteht die Kapitalertragsteuer f\u00fcr Gewinnaussch\u00fcttungen i.S. des \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 i.V.m. \u00a7&nbsp;43 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG in dem Zeitpunkt, in dem der Kapitalertrag dem Gl\u00e4ubiger zuflie\u00dft. \u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;2 EStG enth\u00e4lt insoweit Sonderregelungen zum Zuflusszeitpunkt, die auch gelten, wenn Gewinnanteile \u2011\u2011wie im Streitfall\u2011\u2011 an einen beherrschenden Gesellschafter ausgesch\u00fcttet werden (BFH-Urteile vom 17.11.1998&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;24\/98, BFHE 187, 292, BStBl II 1999, 223, unter 1.b; vom 08.07.1998&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;57\/97, BFHE 186, 374, BStBl II 1998, 672, unter II.2.d). Die Kapitalertr\u00e4ge flie\u00dfen dem Gl\u00e4ubiger an dem Tag zu, der im Beschluss als Tag der Auszahlung bestimmt worden ist (\u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG). Ist die Aussch\u00fcttung nur festgesetzt, ohne dass \u00fcber den Zeitpunkt der Auszahlung ein Beschluss gefasst worden ist, so gilt als Zeitpunkt des Zuflie\u00dfens der Tag nach der Beschlussfassung (\u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;1 EStG). Im Streitfall sind die Beteiligten und das FG auf dieser Grundlage \u00fcbereinstimmend und zu Recht der Auffassung, dass die Aussch\u00fcttung A am 28.07.2010 zugeflossen ist. Mit dem Zufluss entstanden am 28.07.2010 die Kapitalertragsteuer (und der Solidarit\u00e4tszuschlag) f\u00fcr die Aussch\u00fcttung an A und damit auch die Pflichten, die Steuer einzubehalten, abzuf\u00fchren (\u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 EStG) und anzumelden (\u00a7&nbsp;45a Abs.&nbsp;1 i.V.m. \u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;5 Halbsatz&nbsp;2 EStG).<\/li><li>2. Das FG hat zu Recht entschieden, dass das FA die Kl\u00e4gerin f\u00fcr die Kapitalertragsteuer und den Solidarit\u00e4tszuschlag auf die Aussch\u00fcttung an A gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;167 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Alternative&nbsp;2 AO i.V.m. \u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;5 EStG im Wege des Nacherhebungsbescheids in Anspruch nehmen kann (s. unter II.2.a und b). Die Kl\u00e4gerin kann sich nicht damit exkulpieren, ihre Anmeldepflicht weder vors\u00e4tzlich noch grob fahrl\u00e4ssig verletzt zu haben (s. unter II.2.c).<\/li><li>a) \u00a7&nbsp;167 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Alternative&nbsp;2 AO begr\u00fcndet nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung des BFH ein Wahlrecht der Finanzbeh\u00f6rde, den Entrichtungsschuldner der Kapitalertragsteuer entweder durch Haftungsbescheid gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 EStG oder durch Steuerbescheid (Nacherhebungsbescheid) in Anspruch nehmen zu k\u00f6nnen, wenn er seine Anmeldepflicht nicht erf\u00fcllt; die Wahl des Verfahrens muss nicht begr\u00fcndet werden (st\u00e4ndige Rechtsprechung, vgl. BFH-Urteil vom 21.09.2017&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;59\/14, BFHE 259, 411, BStBl II 2018, 163, Rz&nbsp;36, m.w.N.). Der Erlass eines Nacherhebungsbescheids \u00fcber Kapitalertragsteuer und Solidarit\u00e4tszuschlag ist zwar eine Steuerfestsetzung. Dies \u00e4ndert aber nichts daran, dass es sich materiell-rechtlich um die Geltendmachung eines Haftungsanspruchs handelt. Die Steuerfestsetzung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;167 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Alternative&nbsp;2 AO erfasst denjenigen, der die Steuer als Entrichtungssteuerschuldner nicht angemeldet hat, gerade in seiner Funktion als Haftungsschuldner (st\u00e4ndige Rechtsprechung, vgl. BFH-Urteil vom 25.03.2021&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;R&nbsp;1\/18, BFHE 272, 469, BStBl II 2021, 655, Rz&nbsp;19, m.w.N.). Dies hat zur Folge, dass auch im Fall des Nacherhebungsbescheids die tatbestandlichen Erfordernisse des \u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;2 EStG zur Exkulpation zu beachten sind (st\u00e4ndige Rechtsprechung, BFH-Urteile in BFHE 259, 411, BStBl II 2018, 163, Rz&nbsp;38, m.w.N., und vom 13.09.2000&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;61\/99, BFHE 193, 286, BStBl II 2001, 67, unter II.3.c).<\/li><li>b) \u00a7&nbsp;167 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Alternative&nbsp;2 AO verlangt f\u00fcr die Nacherhebung, dass der Steuerentrichtungspflichtige seine Anmeldepflicht verletzt. Dies ist hier der Fall. Die Anmeldepflicht der Kl\u00e4gerin nach \u00a7&nbsp;45a Abs.&nbsp;1 EStG f\u00fcr die Aussch\u00fcttung an A entstand am 28.07.2010 (s. unter II.1.b.cc). Bis zum Erlass des Nacherhebungsbescheids am 15.11.2013 hat die Kl\u00e4gerin f\u00fcr die Aussch\u00fcttung an A jedoch keine Kapitalertragsteueranmeldung abgegeben.<\/li><li>c) Unterbleiben der Einbehalt, die Abf\u00fchrung und\/oder die Anmeldung der Kapitalertragsteuer f\u00fcr einen abzugspflichtigen Kapitalertrag, geht \u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;1 EStG von einem schuldhaften Verhalten mit der M\u00f6glichkeit zur Exkulpation (\u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;2 EStG) aus. Die Kl\u00e4gerin hat die gesetzliche Verschuldensvermutung jedoch nicht widerlegt. Sie hat nicht i.S. des \u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;2 EStG nachgewiesen, dass sie die Pflicht zur Anmeldung der Kapitalertragsteuer und des Solidarit\u00e4tszuschlags (sowie zu deren Einbehalt und Abf\u00fchrung) f\u00fcr die Aussch\u00fcttung an A weder vors\u00e4tzlich noch grob fahrl\u00e4ssig verletzt hat.<\/li><li>aa) Ob eine Aussch\u00fcttung als nicht steuerbare Einlagenr\u00fcckgew\u00e4hr gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;20 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 EStG i.V.m. \u00a7&nbsp;27 KStG qualifiziert werden darf, h\u00e4ngt neben dem Fehlen eines aussch\u00fcttbaren Gewinns (\u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;1 S\u00e4tze&nbsp;3 bis 5 KStG) davon ab, dass die Kapitalgesellschaft die ihr in \u00a7&nbsp;27 KStG auferlegten Pflichten erf\u00fcllt. Erforderlich ist, dass sie die erforderliche Bescheinigung der Verwendung des Einlagekontos gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 KStG rechtzeitig erteilt, um die Fiktion des \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 KStG zu vermeiden. Diese Pflicht ist ihrem Verantwortungsbereich zuzurechnen (BFH-Urteil vom 11.02.2015&nbsp;&#8211; I&nbsp;R&nbsp;3\/14, BFHE 249, 448, BStBl II 2015, 816, Rz&nbsp;21; BFH-Beschluss in BFHE 262, 347, BStBl II 2019, 283, Rz&nbsp;23 bis 25) und besteht \u2011\u2011wie sich unmittelbar aus dem Wortlaut des \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 KStG ergibt\u2011\u2011 ab dem Zeitpunkt der Leistung der Kapitalgesellschaft. Wird die Bescheinigung nicht erteilt, greift mit der Bekanntgabe des gesonderten Feststellungsbescheids die Fiktion der Verwendung des Einlagekontos f\u00fcr die Aussch\u00fcttung in H\u00f6he von 0&nbsp;\u20ac (\u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 KStG). Die Kapitalgesellschaft kann die Erteilung der Steuerbescheinigung i.S. des \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;3 KStG wegen der Pr\u00e4klusionswirkung aus \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;3 KStG dann auch nicht mehr nachholen (vgl. im Einzelnen BFH-Urteil in BFHE 249, 448, BStBl II 2015, 816, Rz&nbsp;17 bis 22; BFH-Beschluss in BFHE 262, 347, BStBl II 2019, 283, Rz&nbsp;18&nbsp;ff.).<\/li><li>bb) Die aussch\u00fcttende Kapitalgesellschaft als Steuerentrichtungspflichtige treffen ankn\u00fcpfend an diese gesetzliche Regelungslage im Zusammenhang mit einer Aussch\u00fcttung, die sie f\u00fcr Zwecke des Kapitalertragsteuerabzugs als nicht steuerbare Einlagenr\u00fcckgew\u00e4hr behandelt, nach dem Aussch\u00fcttungszeitpunkt liegende Pr\u00fcfungspflichten. Sie muss im Blick haben, dass ab dem Zufluss der Aussch\u00fcttung eine Einbehaltungs-, Abf\u00fchrungs- und Anmeldepflicht besteht, wenn sie die erforderliche Bescheinigung gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 KStG nicht rechtzeitig erteilt. Nach der Rechtsprechung des I.&nbsp;Senats des BFH, der sich der erkennende Senat anschlie\u00dft, muss sich die Kapitalgesellschaft daher sp\u00e4testens anl\u00e4sslich der Erstellung der Feststellungserkl\u00e4rung nach \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;4 KStG mit dem Umfang ihrer Bescheinigungspflicht nach \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;3 und 4 KStG befassen, zumal in der Anlage&nbsp;WA zur Feststellungserkl\u00e4rung nach den ausgestellten Steuerbescheinigungen gefragt wird; sie muss im Zuge der Erstellung der Erkl\u00e4rung pr\u00fcfen, ob sie ihren Anteilseignern eine notwendige Bescheinigung \u00fcber die Verwendung des Einlagekontos zu erteilen hat (BFH-Urteil in BFHE 249, 118, BStBl II 2017, 101, Rz&nbsp;13). Diese Pflichten der aussch\u00fcttenden Gesellschaft stehen auch nicht unter dem Vorbehalt, dass sie nur zu erf\u00fcllen sind, wenn der Kapitalgesellschaft dies im Einzelfall zumutbar oder erkennbar ist (BFH-Beschluss in BFH\/NV 2021, 648, Rz&nbsp;15). Bezogen auf ihre kapitalertragsteuerlichen Pflichten hat die Kapitalgesellschaft anl\u00e4sslich der Erstellung der Feststellungserkl\u00e4rung zum Einlagekonto daher zu pr\u00fcfen, ob alle von ihr verfahrensrechtlich zu erf\u00fcllenden Voraussetzungen f\u00fcr eine Behandlung der Aussch\u00fcttung als Einlagenr\u00fcckgew\u00e4hr geschaffen worden sind.<\/li><li>cc) Die Kl\u00e4gerin hat auf dieser Grundlage nicht nachgewiesen, dass sie die Nichtanmeldung der Kapitalertragsteuer und des Solidarit\u00e4tszuschlags f\u00fcr die Aussch\u00fcttung (sowie deren Abf\u00fchrung) weder vors\u00e4tzlich noch grob fahrl\u00e4ssig unterlassen hat.<\/li><li>So mag es im Aussch\u00fcttungszeitpunkt noch nicht schuldhaft gewesen sein, dass die Kl\u00e4gerin ihre Verpflichtungen zum Steuereinbehalt, zur Abf\u00fchrung und zur Anmeldung der Kapitalertragsteuer f\u00fcr die Aussch\u00fcttung an A verneint hat, weil zum 31.12.2009 kein aussch\u00fcttbarer Gewinn vorhanden war und die Leistung unter den weiteren (verfahrensrechtlichen) Voraussetzungen des \u00a7&nbsp;27 KStG als Einlagenr\u00fcckgew\u00e4hr und nicht steuerbarer Kapitalertrag h\u00e4tte qualifiziert werden k\u00f6nnen.<\/li><li>Es ist aber weder vorgetragen noch vom FG festgestellt noch anderweitig erkennbar, dass die Organe der Kl\u00e4gerin bei Abgabe der Feststellungserkl\u00e4rung zum Einlagekonto \u00fcberpr\u00fcft haben, ob ihre Beurteilung, es liege wegen einer Einlagenr\u00fcckgew\u00e4hr kein anmeldepflichtiger Kapitalertrag vor, noch Bestand haben konnte. Aufgrund der unterbliebenen Pr\u00fcfung ist der Kl\u00e4gerin ein grob fahrl\u00e4ssiges Verhalten vorzuwerfen. Auch sp\u00e4ter, als der Bescheid zur gesonderten Feststellung des Einlagekontos auf den 31.12.2010 nach \u00a7&nbsp;27 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 KStG am 10.02.2012 erging, in dem das Einlagekonto in derselben H\u00f6he wie zum 31.12.2009 festgestellt wurde, und als sie im Betriebspr\u00fcfungsbericht ausdr\u00fccklich auf die Verpflichtung zur Anmeldung der Kapitalertragsteuer hingewiesen worden war, h\u00e4tte sie ihre kapitalertragsteuerliche Beurteilung im Aussch\u00fcttungszeitpunkt \u00fcberpr\u00fcfen m\u00fcssen.<\/li><li>d) Auch im \u00dcbrigen ist der Nacherhebungsbescheid nicht zu beanstanden.<\/li><li>aa) Die Kapitalertragsteuer und der Solidarit\u00e4tszuschlag f\u00fcr die Aussch\u00fcttung an A sind unter Ber\u00fccksichtigung der gesetzlich vorgegebenen Reduzierung auf drei F\u00fcnftel des Kapitalertrags in der zutreffenden H\u00f6he nacherhoben worden (\u00a7&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;1 i.V.m. \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 KStG, \u00a7&nbsp;44a Abs.&nbsp;8 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG). Dies ist zwischen den Beteiligten auch nicht streitig.<\/li><li>bb) Weder die Kapitalertragsteuerschuld noch die Entrichtungsschuld der Kl\u00e4gerin waren im Zeitpunkt des Erlasses des Nacherhebungsbescheids infolge der Festsetzungsverj\u00e4hrung erloschen (\u00a7&nbsp;47 i.V.m. \u00a7&nbsp;169 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO). Die Kapitalertragsteuerschuld als der Nacherhebung zugrunde liegende Prim\u00e4rschuld (s. BFH-Urteil in BFHE 259, 411, BStBl II 2018, 163, Rz&nbsp;46, 47) entstand wie die Entrichtungsschuld der Kl\u00e4gerin mit der Aussch\u00fcttung am 28.07.2010 (s. unter II.1.b). Bis zum Erlass des Nacherhebungsbescheids war auf beiden Ebenen auch keine Festsetzungsverj\u00e4hrung eingetreten. Infolge der unterlassenen Kapitalertragsteueranmeldung (\u00a7&nbsp;45a Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG i.V.m. \u00a7&nbsp;150 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3, \u00a7&nbsp;168 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 AO) begann die Festsetzungsfrist zur Entrichtungsschuld und zur Kapitalertragsteuerschuld aufgrund der Anlaufhemmung des \u00a7&nbsp;170 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO erst mit Ablauf des 31.12.2013 (vgl. zur Anwendung des \u00a7&nbsp;170 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 AO BFH-Urteil in BFHE 259, 411, BStBl II 2018, 163, Rz&nbsp;49, 55). Der Nacherhebungsbescheid erging bereits am 15.11.2013.<\/li><li>3. Die Kostenentscheidung folgt aus \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2022:U.170522.VIIIR14.18.0 BFH VIII. 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