{"id":75108,"date":"2022-09-11T09:18:56","date_gmt":"2022-09-11T07:18:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=75108"},"modified":"2022-09-11T09:18:56","modified_gmt":"2022-09-11T07:18:56","slug":"zeitpunkt-des-eingangs-eines-ueber-das-bea-uebermittelten-schriftsatzes-bfh-beschluss-vom-25-mai-2022-x-b-158-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/zeitpunkt-des-eingangs-eines-ueber-das-bea-uebermittelten-schriftsatzes-bfh-beschluss-vom-25-mai-2022-x-b-158-21\/","title":{"rendered":"Zeitpunkt des Eingangs eines \u00fcber das beA \u00fcbermittelten Schriftsatzes &#8211; BFH-Beschluss vom 25. Mai 2022, X B 158\/21"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2022:B.250522.XB158.21.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH X. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>FGO \u00a7 52a Abs 2 S 1, FGO \u00a7 52a Abs 4 S 1 Nr 2, FGO \u00a7 52a Abs 5 S 1, FGO \u00a7 52d S 1, FGO \u00a7 56, FGO \u00a7 116 Abs 3 S 4, ZPO \u00a7 130a Abs 5 S 1, BRAO \u00a7 31a<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend S\u00e4chsisches Finanzgericht , 13. Oktober 2021, Az: 2 K 195\/21<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Der von einem Rechtsanwalt \u00fcber das besondere Anwaltspostfach (beA) gem\u00e4\u00df \u00a7 52d, \u00a7 52a Abs. 1, 2 und Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 FGO in elektronischer Form \u00fcbermittelte Schriftsatz \u2011\u2011vorliegend die Begr\u00fcndung einer Nichtzulassungsbeschwerde\u2011\u2011 geht dann bei Gericht ein, wenn er auf dem f\u00fcr das Gericht eingerichteten Server im Netzwerk f\u00fcr das elektronische Gerichts- und Verwaltungspostfach gespeichert ist (vgl. \u00a7 52a Abs. 5 Satz 1 FGO; Anschluss an BGH-Entscheidung vom 11.05.2021 &#8211; VIII ZB 9\/20, NJW 2021, 2201, Rz 18).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Beschwerde des Kl\u00e4gers wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des S\u00e4chsischen Finanzgerichts vom 13.10.2021 &#8211; 2 K 195\/21 wird als unzul\u00e4ssig verworfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat der Kl\u00e4ger zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Dem Kl\u00e4ger und Beschwerdef\u00fchrer (Kl\u00e4ger) war f\u00fcr die Begr\u00fcndung seiner Nichtzulassungsbeschwerde eine Fristverl\u00e4ngerung bis zum 10.02.2022 gew\u00e4hrt worden. Die auf jenen Tag datierte Beschwerdebegr\u00fcndung \u00fcbermittelten die Prozessbevollm\u00e4chtigten des Kl\u00e4gers als elektronisches Dokument \u00fcber das besondere elektronische Anwaltspostfach (beA). Der automatisiert erstellte Pr\u00fcf- und Transfervermerk vom 11.02.2022 weist aus, dass das Dokument am 11.02.2022 um &#8222;00:00:12&#8220; (Stunden:Minuten:Sekunden) auf dem Server des Bundesfinanzhofs (BFH) eingegangen ist.<\/li><li>Die Senatsgesch\u00e4ftsstelle wies die Prozessbevollm\u00e4chtigten des Kl\u00e4gers mit am 25.02.2022 zugestellten Schreiben vom 15.02.2022 auf den Zeitpunkt des Eingangs der Beschwerdebegr\u00fcndung hin. Eine Stellungnahme hierzu blieb aus.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Nichtzulassungsbeschwerde ist unzul\u00e4ssig.<\/li><li>1. Der Kl\u00e4ger hat seine Beschwerde nicht innerhalb der von der Senatsvorsitzenden gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;4 der Finanzgerichtsordnung (FGO) verl\u00e4ngerten Frist begr\u00fcndet. Die Begr\u00fcndung ging erst am 11.02.2022 und damit verfristet beim BFH ein.<\/li><li>a) Die Prozessbevollm\u00e4chtigten des Kl\u00e4gers waren als Rechtsanw\u00e4lte nach \u00a7&nbsp;121 Satz&nbsp;1, \u00a7&nbsp;52d Satz&nbsp;1 FGO verpflichtet, die Begr\u00fcndung der Nichtzulassungsbeschwerde und somit einen vorbereitenden Schriftsatz im Sinne der Norm als elektronisches Dokument zu \u00fcbersenden (vgl. zum zeitlichen Anwendungsbereich des \u00a7&nbsp;52d FGO Art.&nbsp;6 Nr.&nbsp;4 i.V.m. Art.&nbsp;26 Abs.&nbsp;7 des Gesetzes zur F\u00f6rderung des elektronischen Rechtsverkehrs mit den Gerichten vom 10.10.2013, BGBl I 2013, 3786). Dieser Pflicht sind die Prozessbevollm\u00e4chtigten nachgekommen, indem sie die Beschwerdebegr\u00fcndung als PDF-Dokument \u00fcber das f\u00fcr den sachbearbeitenden Sozius, Rechtsanwalt X, eingerichtete beA (\u00a7&nbsp;31a der Bundesrechtsanwaltsordnung \u2011\u2011BRAO\u2011\u2011) an die elektronische Poststelle des BFH \u00fcbermittelt haben (\u00a7&nbsp;52a Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 und Abs.&nbsp;4 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 FGO).<\/li><li>b) Die auf diese Weise \u00fcbermittelte Beschwerdebegr\u00fcndung ist au\u00dferhalb der gesetzlichen Frist eingegangen.<\/li><li>aa) \u00a7&nbsp;52a Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 FGO bestimmt, dass ein elektronisches Dokument eingegangen ist, sobald es auf der f\u00fcr den Empfang bestimmten Einrichtung des Gerichts gespeichert ist.<\/li><li>Nach der zur insoweit gleichlautenden Vorschrift des \u00a7&nbsp;130a Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 der Zivilprozessordnung (ZPO) ergangenen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) liegt ein Eingang vor, wenn das Dokument auf dem f\u00fcr das Gericht eingerichteten Empf\u00e4nger-Intermedi\u00e4r im Netzwerk f\u00fcr das elektronische Gerichts- und Verwaltungspostfach gespeichert worden ist (Beschluss vom 11.05.2021&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;ZB&nbsp;9\/20, Neue Juristische Wochenschrift \u2011\u2011NJW\u2011\u2011 2021, 2201, Rz&nbsp;18). Unerheblich ist, ob und zu welchem Zeitpunkt das Dokument von dort aus an Client-Rechner innerhalb des Gerichtsnetzes weitergeleitet oder von solchen Rechnern abgeholt bzw. ausgedruckt wird (BGH-Entscheidungen in NJW 2021, 2201, Rz&nbsp;18; vom 25.08.2020&nbsp;&#8211; VI&nbsp;ZB&nbsp;79\/19, Neue Juristische Wochenschrift-Rechtsprechungs-Report Zivilrecht 2020, 1519, Rz&nbsp;6&nbsp;ff., sowie vom 14.05.2020&nbsp;&#8211; X&nbsp;ZR&nbsp;119\/18, Monatsschrift f\u00fcr Deutsches Recht 2020, 1272, Rz&nbsp;12; ebenso Z\u00f6ller\/Greger, ZPO, 34.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;130a Rz&nbsp;14).<\/li><li>Diese Grunds\u00e4tze h\u00e4lt der erkennende Senat \u2011\u2011gerade wegen des identischen Gesetzeswortlauts\u2011\u2011 auch f\u00fcr die Auslegung des \u00a7&nbsp;52a Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 FGO f\u00fcr zutreffend (ebenso Brandis in Tipke\/Kruse, \u00a7&nbsp;52a FGO Rz&nbsp;14; gleiche Auffassung f\u00fcr Zwecke des ebenfalls wortlautidentischen \u00a7&nbsp;55a Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;1 der Verwaltungsgerichtsordnung Ulrich in Schoch\/Schneider, Verwaltungsrecht, \u00a7&nbsp;55a VwGO Rz&nbsp;94).<\/li><li>bb) Im Streitfall ist das von den Prozessbevollm\u00e4chtigten des Kl\u00e4gers \u00fcbermittelte elektronische Dokument ausweislich des Pr\u00fcfprotokolls erst am 11.02.2022 um 00&nbsp;Uhr&nbsp;00 und 12&nbsp;Sekunden auf dem Server des elektronischen Gerichts- und Verwaltungspostfachs des BFH eingegangen und abgespeichert worden. Zweifel an der Richtigkeit der dort ausgewiesenen Uhrzeit bestehen f\u00fcr den Senat nicht.<\/li><li>2. Eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand nach \u00a7&nbsp;56 FGO ist nicht zu gew\u00e4hren. Trotz Hinweises der Senatsgesch\u00e4ftsstelle sowohl auf den versp\u00e4teten Eingang der Beschwerdebegr\u00fcndung als auch auf die Vorschrift des \u00a7&nbsp;56&nbsp;FGO hat der Kl\u00e4ger keinen Wiedereinsetzungsantrag gestellt. Der Senat sieht trotz der zeitlich nur minimalen Frist\u00fcberschreitung von 13&nbsp;Sekunden auch keine Anhaltspunkte f\u00fcr die Annahme, dass die Prozessbevollm\u00e4chtigten des Kl\u00e4gers ohne \u2011\u2011einem diesem zuzurechnenden\u2011\u2011 Verschulden verhindert waren, die Beschwerdebegr\u00fcndungsfrist einzuhalten. Hierzu h\u00e4tte der Kl\u00e4ger die konkreten Abl\u00e4ufe der Daten\u00fcbermittlung im vorliegenden Einzelfall darlegen m\u00fcssen.<\/li><li>3. Auf die vom Kl\u00e4ger vorgebrachten Revisionszulassungsgr\u00fcnde kommt es daher nicht mehr an.<\/li><li>4. Von einer weitergehenden Darstellung des Sachverhalts und einer Begr\u00fcndung sieht der Senat gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;2 FGO ab.<\/li><li>5. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2022:B.250522.XB158.21.0 BFH X. 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