{"id":75146,"date":"2022-09-11T09:38:05","date_gmt":"2022-09-11T07:38:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=75146"},"modified":"2022-09-11T09:38:05","modified_gmt":"2022-09-11T07:38:05","slug":"kindergeldanspruch-fuer-ein-in-polen-lebendes-kind-aufgrund-eines-zweitwohnsitzes-des-kindsvaters-in-deutschland-bfh-urteil-vom-01-juni-2022-iii-r-45-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/kindergeldanspruch-fuer-ein-in-polen-lebendes-kind-aufgrund-eines-zweitwohnsitzes-des-kindsvaters-in-deutschland-bfh-urteil-vom-01-juni-2022-iii-r-45-20\/","title":{"rendered":"Kindergeldanspruch f\u00fcr ein in Polen lebendes Kind aufgrund eines Zweitwohnsitzes des Kindsvaters in Deutschland &#8211; BFH-Urteil vom 01. Juni 2022, III R 45\/20"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2022:U.010622.IIIR45.20.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH III. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>EStG \u00a7 1 Abs 3, EStG \u00a7 62, EStG \u00a7\u00a7 62ff, EGV 883\/2004 Art 11, EGV 883\/2004 Art 67, EGV 883\/2004 Art 68, EGV 987\/2009 Art 11, EStG VZ 2015 , EStG VZ 2016 , EStG VZ 2017 , EStG VZ 2018 , EStG \u00a7 62 Abs 1 Nr 1, EStG \u00a7 62 Abs 1 S 1 Nr 1, AO \u00a7 8<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG M\u00fcnster, 18. Juni 2020, Az: 10 K 2158\/19 Kg<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. NV: Hat ein Elternteil seinen Haupt- und Familienwohnsitz in einem anderen EU-Mitgliedstaat, aber einen weiteren Wohnsitz in Deutschland, kommt es f\u00fcr den deutschen Kindergeldanspruch nicht auf eine inl\u00e4ndische Erwerbst\u00e4tigkeit an.<\/p>\n\n\n\n<p>2. NV: Die Koordinierungsregel des Art. 68 Abs. 2 der VO Nr. 883\/2004 ist nur dann anwendbar und kann den Kindergeldanspruch somit nur dann ausschlie\u00dfen, wenn tats\u00e4chlich konkurrierende Anspr\u00fcche auf Familienleistungen in dem anderen Mitgliedstaat bestehen.<\/p>\n\n\n\n<p>3. NV: Die Frage, ob im EU-Ausland ein Anspruch auf Familienleistungen besteht, ist grunds\u00e4tzlich durch ein Auskunftsersuchen beim ausl\u00e4ndischen Tr\u00e4ger zu kl\u00e4ren, es sei denn, das Nichtbestehen oder Bestehen eines ausl\u00e4ndischen Anspruchs ist zweifelsfrei und unbestritten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision der Beklagten gegen das Urteil des Finanzgerichts M\u00fcnster vom 18.06.2020 &#8211; 10 K 2158\/19 Kg wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat die Beklagte zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Streitig ist, ob die Beklagte und Revisionskl\u00e4gerin (Familienkasse) die Festsetzung des Kindergelds f\u00fcr das &#8230;.. 2010 geborene Kind des Kl\u00e4gers und Revisionsbeklagten (Kl\u00e4ger) f\u00fcr die noch streitgegenst\u00e4ndlichen Monate Januar, Oktober bis Dezember 2015, Januar bis Dezember 2016, Januar, Februar und Oktober bis Dezember 2017, M\u00e4rz bis April sowie August bis Dezember 2018 zu Recht gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;70 Abs.&nbsp;2 des Einkommensteuergesetzes (\u2011\u2011EStG\u2011\u2011; hier und im Folgenden in der in den Streitjahren geltenden Fassung) aufgehoben und zu Recht gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;37 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO) 5.350&nbsp;\u20ac zur\u00fcckgefordert hat.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger ist polnischer Staatsangeh\u00f6riger und war (jedenfalls) seit dem Jahr 2014 in der Bundesrepublik Deutschland (Deutschland) gewerblich t\u00e4tig. Nach den Feststellungen des Finanzgerichts (FG) hatte er w\u00e4hrend des Streitzeitraums sowohl einen Wohnsitz in Deutschland als auch einen Wohnsitz in der Republik Polen (Polen). Dort lebte er in einem gemeinsamen Haushalt mit seiner Ehefrau und dem gemeinsamen Kind.<\/li><li>Auf Antrag vom 24.05.2016 setzte die Familienkasse mit Bescheid vom 27.06.2016 zugunsten des Kl\u00e4gers Kindergeld f\u00fcr das Kind ab dem Monat Oktober 2014 bis &#8230; 2028 fest. Bei einer sp\u00e4teren \u00dcberpr\u00fcfung der Anspruchsvoraussetzungen f\u00fcr den Bezug deutschen Kindergelds forderte die Familienkasse Nachweise f\u00fcr die Jahre 2015 bis 2018 an. Der Kl\u00e4ger legte dabei u.a. Bescheinigungen \u00fcber seine unbeschr\u00e4nkte Einkommensteuerpflicht nach \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 EStG f\u00fcr die Jahre 2015 bis 2018 vor. In der Folge ging die Familienkasse davon aus, dass der Kl\u00e4ger in Deutschland weder einen Wohnsitz noch seinen gew\u00f6hnlichen Aufenthalt gehabt habe. Die hierauf zum Nachweis seiner inl\u00e4ndischen Erwerbst\u00e4tigkeit angeforderten und \u00fcbersandten Unterlagen sah die Familienkasse nicht f\u00fcr alle Monate als ausreichend an.<\/li><li>Mit Bescheid vom 08.05.2019 hob die Familienkasse die Kindergeldfestsetzung vom 27.06.2016 f\u00fcr das Kind f\u00fcr bestimmte Monate auf und forderte einen Betrag in H\u00f6he von insgesamt 5.926&nbsp;\u20ac zur\u00fcck. Hiergegen legte der Kl\u00e4ger erfolglos Einspruch ein (Einspruchsentscheidung vom 24.06.2019) und erhob dann Klage.<\/li><li>W\u00e4hrend des Klageverfahrens setzte die Familienkasse mit \u00c4nderungsbescheid vom 30.01.2020 zun\u00e4chst vorl\u00e4ufig Kindergeld f\u00fcr einige Monate in H\u00f6he des Differenzkindergelds sowie mit weiterem \u00c4nderungsbescheid vom 02.03.2020 Kindergeld f\u00fcr drei Monate in voller H\u00f6he fest. Daraufhin erkl\u00e4rten die Beteiligten den Rechtsstreit insoweit \u00fcbereinstimmend in der Hauptsache f\u00fcr erledigt; dieser Teil des Verfahrens wurde abgetrennt und ist hier nicht mehr streitgegenst\u00e4ndlich.<\/li><li>Im \u00dcbrigen gab das FG der Klage statt und hob den Aufhebungs- und R\u00fcckforderungsbescheid der Familienkasse vom 08.05.2019 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 24.06.2019, ge\u00e4ndert durch Bescheide vom 30.01.2020 und vom 02.03.2020, bez\u00fcglich der verbleibenden Monate Januar sowie Oktober bis Dezember 2015, Januar bis Dezember 2016, Januar und Februar sowie Oktober bis Dezember 2017 und M\u00e4rz bis April sowie August bis Dezember 2018 auf. Das FG entschied, der Kl\u00e4ger habe im Streitzeitraum Anspruch auf Kindergeld gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG 2015 und \u00a7&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG 2016, 2017 und 2018 jeweils i.V.m. \u00a7&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 EStG. Der Anspruch werde weder durch einen vorrangigen Kindergeldanspruch der Ehefrau des Kl\u00e4gers gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;64 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 EStG noch durch die Konkurrenzregelungen nach Art.&nbsp;68 der Verordnung (EG) Nr.&nbsp;883\/2004 des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates vom 29.04.2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit (Amtsblatt der Europ\u00e4ischen Union \u2011\u2011ABlEU\u2011\u2011 2004 Nr.&nbsp;L&nbsp;166, S.&nbsp;1) in der f\u00fcr den Streitzeitraum ma\u00dfgeblichen Fassung (VO Nr.&nbsp;883\/2004) oder \u00a7&nbsp;65 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 EStG ausgeschlossen.<\/li><li>Gegen dieses Urteil wendet sich die Familienkasse mit der Revision.<\/li><li>Die Familienkasse beantragt,<br \/>das Urteil des FG M\u00fcnster vom 18.06.2020&nbsp;&#8211; 10&nbsp;K&nbsp;2158\/19&nbsp;Kg aufzuheben und die Klage abzuweisen.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger beantragt,<br \/>die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision der Familienkasse ist unbegr\u00fcndet und deshalb zur\u00fcckzuweisen (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011). Das FG hat zutreffend einen Anspruch des Kl\u00e4gers auf Kindergeld nach deutschem Recht f\u00fcr die streitgegenst\u00e4ndlichen Monate bejaht.<\/li><li>1. Der Kl\u00e4ger erf\u00fcllt die Anspruchsvoraussetzungen f\u00fcr den Bezug von Kindergeld gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG 2015 und \u00a7&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG 2016, 2017 und 2018, \u00a7&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 jeweils i.V.m.&nbsp;\u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 und Abs.&nbsp;3 EStG f\u00fcr sein in Polen lebendes minderj\u00e4hriges Kind.<\/li><li>a) Der Kl\u00e4ger hatte nach den Feststellungen des FG in den streitgegenst\u00e4ndlichen Monaten in Deutschland einen Wohnsitz (\u00a7&nbsp;8 AO).<\/li><li>Der Umstand, dass er vom Finanzamt (FA) nach \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 EStG als unbeschr\u00e4nkt einkommensteuerpflichtig behandelt wurde, steht der Annahme eines inl\u00e4ndischen Wohnsitzes nicht entgegen. Das FG hat zutreffend entschieden, dass die Behandlung durch das FA nach \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 EStG f\u00fcr die Familienkasse zwar dann bindend ist, wenn es um das Vorliegen der Voraussetzungen des \u00a7&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;b EStG geht, nicht aber, wenn das FA f\u00e4lschlich davon ausgegangen ist, dass der Anspruchsberechtigte im Inland keinen Wohnsitz oder gew\u00f6hnlichen Aufenthalt nach \u00a7&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG hat (vgl. z.B. Senatsurteile vom 08.05.2014&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;21\/12, BFHE 246, 389, BStBl II 2015, 135, Rz&nbsp;16, und vom 24.05.2012&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;14\/10, BFHE 237, 239, BStBl II 2012, 897).<\/li><li>Da der Kl\u00e4ger somit im Hinblick auf seinen Wohnsitz in Deutschland die Voraussetzungen des \u00a7&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG 2015 und \u00a7&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 EStG 2016, 2017 und 2018 erf\u00fcllt, der Anspruch also nicht auf die Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;b der Vorschrift (i.V.m. \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;3 EStG) gest\u00fctzt wird, hat der Kl\u00e4ger auch in den Monaten Anspruch auf Kindergeld, in denen er eine gewerbliche T\u00e4tigkeit in Deutschland nicht nachweisen konnte.<\/li><li>b) Das Kind war ein leibliches Kind des Kl\u00e4gers und lebte im Streitzeitraum im gemeinsamen Haushalt des Kl\u00e4gers und seiner Ehefrau in Polen, einem Mitgliedstaat der Europ\u00e4ischen Union \u2011\u2011EU\u2011\u2011 (\u00a7&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;3 EStG 2015 und \u00a7&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;6 EStG 2016, 2017 und 2018). Der Kl\u00e4ger war nach den Feststellungen des FG gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;64 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 EStG als Berechtigter bestimmt worden.<\/li><li>2. Der Anspruch des Kl\u00e4gers auf Gew\u00e4hrung von Kindergeld ist nicht nach Art.&nbsp;68 Abs.&nbsp;2 der VO Nr.&nbsp;883\/2004 ausgeschlossen.<\/li><li>a) Hierzu hat der Senat wiederholt entschieden, dass die Koordinierungsregel des Art.&nbsp;68 Abs.&nbsp;2 S\u00e4tze&nbsp;1 und&nbsp;3 der VO Nr.&nbsp;883\/2004 nur dann anwendbar ist und den Kindergeldanspruch in Deutschland auch nur dann ausschlie\u00dfen kann, wenn tats\u00e4chlich konkurrierende Anspr\u00fcche auf Familienleistungen bestehen (vgl. z.B. Senatsurteile vom 31.08.2021&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;10\/20, BFHE 273, 536, BStBl II 2022, 186; vom 18.02.2021&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;27\/19, BFHE 272, 60, BStBl II 2022, 183, und III&nbsp;R&nbsp;60\/19, BFH\/NV 2021, 942). Zur Vermeidung von Wiederholungen wird auf diese Entscheidungen verwiesen.<\/li><li>Die Frage, ob im EU-Ausland ein Anspruch auf Familienleistungen besteht, ist grunds\u00e4tzlich durch ein Auskunftsersuchen beim ausl\u00e4ndischen Tr\u00e4ger zu kl\u00e4ren (Senatsurteil vom 22.02.2018&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;10\/17, BFHE 261, 214, BStBl II 2018, 717, Rz&nbsp;25; Selder, juris PraxisReport Steuerrecht 35\/2018, Anm.&nbsp;2). Wenn jedoch das Nichtbestehen eines ausl\u00e4ndischen Anspruchs (nach Pr\u00fcfung durch das FG) zweifelsfrei und unbestritten ist, kommt eine Ausnahme in Betracht.<\/li><li>b) Im Streitfall hat nach Pr\u00fcfung durch das FG und dem \u00fcbereinstimmenden Vortrag der Beteiligten zweifelsfrei weder der Kl\u00e4ger noch die Kindsmutter einen Anspruch auf polnische Familienleistungen, sodass keine Anspr\u00fcche auf Familienleistungen in verschiedenen Mitgliedstaaten zu koordinieren sind. Art.&nbsp;68 Abs.&nbsp;2 S\u00e4tze 1 und&nbsp;3 der VO Nr.&nbsp;883\/2004 sind nicht anwendbar. Der Kl\u00e4ger ist nach \u00a7&nbsp;62 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1, \u00a7&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 i.V.m. \u00a7&nbsp;32 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 und Abs.&nbsp;3 EStG kindergeldberechtigt.<\/li><li>c) Dem Anspruch des Kl\u00e4gers steht nicht entgegen, dass gem\u00e4\u00df Art.&nbsp;11 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 der VO Nr.&nbsp;883\/2004 eine Person grunds\u00e4tzlich nur den Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaats unterliegt und der Kl\u00e4ger zumindest in den Monaten, in denen er eine Erwerbst\u00e4tigkeit in Deutschland nicht nachweisen konnte, seinen Lebensmittelpunkt wohl in der Familienwohnung in Polen hatte (vgl. Art.&nbsp;11 Abs.&nbsp;3 Buchst.&nbsp;e der VO Nr.&nbsp;883\/2004 und Art.&nbsp;11 Abs.&nbsp;1 Buchst.&nbsp;a und b der Verordnung (EG) Nr.&nbsp;987\/2009 des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates vom 16.09.2009 zur Festlegung der Modalit\u00e4ten f\u00fcr die Durchf\u00fchrung der Verordnung (EG) Nr.&nbsp;883\/2004 \u00fcber die Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit, ABlEU 2009 Nr.&nbsp;L&nbsp;284, S.&nbsp;1, in der f\u00fcr den Streitzeitraum ma\u00dfgeblichen Fassung). Vielmehr zeigt schon die Existenz der Koordinierungsregelungen der Art.&nbsp;67&nbsp;f. der VO Nr.&nbsp;883\/2004, dass Anspr\u00fcche auf Familienleistungen trotz Art.&nbsp;11 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 der VO Nr.&nbsp;883\/2004 in mehreren Mitgliedstaaten bestehen k\u00f6nnen. Erst recht schlie\u00dft Art.&nbsp;11 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 der VO Nr.&nbsp;883\/2004 einen Kindergeldanspruch nicht aus, wenn wie im Streitfall, von vornherein nur nach dem Recht eines Mitgliedstaats ein Kindergeldanspruch besteht.<\/li><li>3. Die Kostenentscheidung folgt aus \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2022:U.010622.IIIR45.20.0 BFH III. Senat EStG \u00a7 1 Abs 3, EStG \u00a7 62, EStG \u00a7\u00a7 62ff, EGV 883\/2004 Art 11, EGV 883\/2004 Art 67, EGV 883\/2004 Art 68, EGV 987\/2009 Art 11, EStG VZ 2015 , EStG VZ 2016 , EStG VZ 2017 , EStG VZ 2018 , EStG \u00a7 62 Abs 1 Nr 1, EStG &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/kindergeldanspruch-fuer-ein-in-polen-lebendes-kind-aufgrund-eines-zweitwohnsitzes-des-kindsvaters-in-deutschland-bfh-urteil-vom-01-juni-2022-iii-r-45-20\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Kindergeldanspruch f\u00fcr ein in Polen lebendes Kind aufgrund eines Zweitwohnsitzes des Kindsvaters in Deutschland &#8211; BFH-Urteil vom 01. Juni 2022, III R 45\/20<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[212],"tags":[],"class_list":["post-75146","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bfh-urteile-alle-urteile-des-bundesfinanzhofes-online"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/75146","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=75146"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/75146\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=75146"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=75146"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=75146"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}