{"id":75173,"date":"2022-09-23T12:38:17","date_gmt":"2022-09-23T10:38:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=75173"},"modified":"2022-09-23T12:38:17","modified_gmt":"2022-09-23T10:38:17","slug":"fristberechnung-bfh-beschluss-vom-01-september-2022-vi-r-8-22","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/fristberechnung-bfh-beschluss-vom-01-september-2022-vi-r-8-22\/","title":{"rendered":"Fristberechnung &#8211; BFH-Beschluss vom 01. September 2022, VI R 8\/22"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2022:B.010922.VIR8.22.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH VI. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>FGO \u00a7 54 Abs 2, FGO \u00a7 56, FGO \u00a7 120 Abs 2 S 1, ZPO \u00a7 222 Abs 1, BGB \u00a7 187 Abs 1, BGB \u00a7 188 Abs 2<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend FG M\u00fcnster, 24. Februar 2022, Az: 6 K 1946\/21 E<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. NV: Der Umstand, dass der f\u00fcr den Beginn einer Frist ma\u00dfgebliche Tag bei der Bemessung der Monatsfrist &#8222;nicht mitgerechnet&#8220; wird (\u00a7 187 Abs. 1 BGB), bedeutet nicht, dass sich die Frist entsprechend verl\u00e4ngert.<\/p>\n\n\n\n<p>2. NV: Ein Fehler bei der Fristberechnung durch einen rechtskundigen Prozessbevollm\u00e4chtigten ist regelm\u00e4\u00dfig als fahrl\u00e4ssig einzustufen und stellt ein die Wiedereinsetzung ausschlie\u00dfendes Verschulden dar.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision der Kl\u00e4gerin gegen das Urteil des Finanzgerichts M\u00fcnster vom 24.02.2022 &#8211; 6 K 1946\/21 E wird als unzul\u00e4ssig verworfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat die Kl\u00e4gerin zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Das Finanzgericht (FG) wies die Klage der Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin) wegen Einkommensteuer 2018 mit Urteil vom 24.02.2022 ab. Das Urteil wurde dem Prozessbevollm\u00e4chtigten der Kl\u00e4gerin am 28.02.2022 zugestellt. Mit am 21.03.2022 (Telefax) beim Bundesfinanzhof (BFH) eingegangenem Schreiben hat die Kl\u00e4gerin durch ihren Prozessbevollm\u00e4chtigten Revision eingelegt. In einer am 28.03.2022 nachgereichten Anlage f\u00fchrte der Prozessbevollm\u00e4chtigte der Kl\u00e4gerin aus, das Urteil beruhe ausschlie\u00dflich auf &#8222;dem Nachbeten bisheriger Rechtsprechung zugunsten des Fiskus&#8220;, eine Auseinandersetzung mit seinen Schrifts\u00e4tzen habe nicht stattgefunden. Am 30.04.2022 begr\u00fcndete er die Revision kurz und k\u00fcndigte eine weitere Stellungnahme an.<\/li><li>Mit Schreiben vom 03.05.2022 wies der Senatsvorsitzende den Prozessbevollm\u00e4chtigten der Kl\u00e4gerin darauf hin, dass die Revisionsbegr\u00fcndungsfrist nach \u00a7&nbsp;120 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) am 28.04.2022 abgelaufen und die Begr\u00fcndung der Revision somit versp\u00e4tet eingegangen sei.<\/li><li>Der Prozessbevollm\u00e4chtigte der Kl\u00e4gerin \u00e4u\u00dferte hierauf, der mitgeteilte Ablauf der Revisionsbegr\u00fcndungsfrist entspr\u00e4che nicht der Rechtslage. Der Fristenverlauf habe am Tag nach der Zustellung des FG-Urteils begonnen. Der Februar 2022 habe jedoch keinen Tag nach Zustellung gehabt, da der Monat am 28.02.2022 geendet habe. Somit habe der Lauf der Begr\u00fcndungsfrist am 01.03.2022 begonnen und demzufolge am 02.05.2022 (einem Montag) geendet.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin beantragt sinngem\u00e4\u00df,<br \/>das Urteil des FG aufzuheben und den Einkommensteuerbescheid vom 21.03.2020 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 02.07.2021 dahingehend zu \u00e4ndern, dass weitere haushaltsnahe Dienstleistungen in H\u00f6he von 262,98&nbsp;\u20ac ber\u00fccksichtigt werden.<\/li><li>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (Finanzamt) beantragt sinngem\u00e4\u00df,<br \/>die Revision als unzul\u00e4ssig zu verwerfen, hilfsweise als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision der Kl\u00e4gerin ist als unzul\u00e4ssig zu verwerfen (\u00a7&nbsp;124 Abs.&nbsp;1, \u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;1 FGO). Die Kl\u00e4gerin hat die Revision nicht rechtzeitig begr\u00fcndet. Wiedereinsetzung in den vorigen Stand (\u00a7&nbsp;56 FGO) kommt nicht in Betracht.<\/li><li>1. Die Revisionsbegr\u00fcndung ist versp\u00e4tet beim BFH eingegangen.<\/li><li>Nach \u00a7&nbsp;120 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 FGO ist die Revision innerhalb von zwei Monaten nach Zustellung des vollst\u00e4ndigen Urteils zu begr\u00fcnden.<\/li><li>Vorliegend wurde das angefochtene Urteil des FG dem Prozessbevollm\u00e4chtigten der Kl\u00e4gerin am 28.02.2022 zugestellt. Die Frist zur Begr\u00fcndung der Revision begann somit gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;54 Abs.&nbsp;2 FGO i.V.m. \u00a7&nbsp;222 Abs.&nbsp;1 der Zivilprozessordnung (ZPO), \u00a7&nbsp;187 Abs.&nbsp;1 des B\u00fcrgerlichen Gesetzesbuchs (BGB) mit Ablauf des 28.02.2022 (Montag) und endete nach \u00a7&nbsp;188 Abs.&nbsp;2 BGB mit Ablauf des 28.04.2022 (Donnerstag).<\/li><li>\u00a7&nbsp;188 Abs.&nbsp;2 BGB bestimmt, dass eine nach Monaten bestimmte Frist im Falle des \u00a7&nbsp;187 Abs.&nbsp;1 BGB mit dem Ablauf desjenigen Tages des letzten Monats endigt, der durch seine Zahl dem Tag entspricht, in den das Ereignis (hier die Zustellung) f\u00e4llt. Dass der f\u00fcr den Beginn einer Frist ma\u00dfgebliche Tag bei der Bemessung der Monatsfrist &#8222;nicht mitgerechnet&#8220; wird (\u00a7&nbsp;187 Abs.&nbsp;1 BGB), bedeutet nicht, dass sich die Frist entsprechend verl\u00e4ngert (BFH-Beschluss vom 18.12.1997&nbsp;&#8211; X&nbsp;S&nbsp;5\/97, BFH\/NV 1998, 725).<\/li><li>Die erst am 30.04.2022 beim BFH eingegangene Revisionsbegr\u00fcndung des Prozessbevollm\u00e4chtigen der Kl\u00e4gerin war mithin versp\u00e4tet. Insbesondere gen\u00fcgten die Ausf\u00fchrungen des Prozessbevollm\u00e4chtigten der Kl\u00e4gerin auf der noch innerhalb der Revisionsbegr\u00fcndungsfrist eingegangenen Anlage nicht den Anforderungen des \u00a7&nbsp;120 Abs.&nbsp;3 Nr.&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a FGO, wonach die Revisionsbegr\u00fcndung u.a. die Umst\u00e4nde bezeichnen muss, aus denen sich die Rechtsverletzung ergibt. Bei der Anmerkung des Prozessbevollm\u00e4chtigten der Kl\u00e4gerin handelt es sich indes nicht ansatzweise um eine Auseinandersetzung mit den Gr\u00fcnden des angefochtenen Urteils (hierzu s. z.B. BFH-Beschluss vom 05.05.2020&nbsp;&#8211; XI&nbsp;R&nbsp;33\/19, Rz&nbsp;17&nbsp;f.).<\/li><li>2. Wiedereinsetzung nach \u00a7&nbsp;56 FGO in die vers\u00e4umte Revisionsbegr\u00fcndungsfrist ist der Kl\u00e4gerin nicht zu gew\u00e4hren.<\/li><li>Wiedereinsetzung ist nach \u00a7&nbsp;56 Abs.&nbsp;1 FGO zu gew\u00e4hren, wenn jemand ohne Verschulden an der Einhaltung der gesetzlichen Frist gehindert war. Hiernach schlie\u00dft jedes Verschulden \u2011\u2011also auch einfache Fahrl\u00e4ssigkeit\u2011\u2011 die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand aus (BFH-Beschluss vom 26.02.2014&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;41\/13, Rz&nbsp;10). Der Beteiligte muss sich ein Verschulden seines Prozessbevollm\u00e4chtigten zurechnen lassen (\u00a7&nbsp;155 FGO i.V.m. \u00a7&nbsp;85 Abs.&nbsp;2 ZPO).<\/li><li>Ein Fehler bei der Fristberechnung durch einen rechtskundigen Prozessbevollm\u00e4chtigten \u2011\u2011wie im Streitfall\u2011\u2011 ist regelm\u00e4\u00dfig als fahrl\u00e4ssig einzustufen und stellt ein die Wiedereinsetzung ausschlie\u00dfendes Verschulden dar. Denn die Berechnung einer Rechtsmittelfrist geh\u00f6rt zu den Aufgaben eines Prozessbevollm\u00e4chtigten, die von ihm zuverl\u00e4ssig ausgef\u00fchrt werden muss und bei der er hohe Sorgfaltsanforderungen walten lassen muss (BFH-Beschluss vom 26.02.2014&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;41\/13, Rz&nbsp;11).<\/li><li>3. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2022:B.010922.VIR8.22.0 BFH VI. 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