{"id":75260,"date":"2022-10-22T12:37:49","date_gmt":"2022-10-22T10:37:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=75260"},"modified":"2022-10-22T12:37:49","modified_gmt":"2022-10-22T10:37:49","slug":"kein-erloeschen-des-kindergeldanspruchs-trotz-erhoehter-leistung-des-jobcenters-bei-rechtzeitiger-zahlung-durch-die-familienkasse-bfh-urteil-vom-14-juli-2022-iii-r-40-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/kein-erloeschen-des-kindergeldanspruchs-trotz-erhoehter-leistung-des-jobcenters-bei-rechtzeitiger-zahlung-durch-die-familienkasse-bfh-urteil-vom-14-juli-2022-iii-r-40-20\/","title":{"rendered":"Kein Erl\u00f6schen des Kindergeldanspruchs trotz erh\u00f6hter Leistung des Jobcenters bei rechtzeitiger Zahlung durch die Familienkasse &#8211; BFH-Urteil vom 14. Juli 2022, III R 40\/20"},"content":{"rendered":"\n<p>Teilweise inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 02.06.2022 III R 9\/21<\/p>\n\n\n\n<p>ECLI:DE:BFH:2022:U.140722.IIIR40.20.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH III. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>EStG \u00a7 62ff, EStG \u00a7 62, EStG \u00a7 74 Abs 2, SGB 2 \u00a7 19, SGB 10 \u00a7 102ff, SGB 10 \u00a7 102, SGB 10 \u00a7 104, SGB 10 \u00a7 107, FGO \u00a7 60 Abs 3, FGO \u00a7 118, FGO \u00a7 136, FGO \u00a7 139 Abs 4, AO \u00a7 37 Abs 2 S 1, AO \u00a7 47, EStG \u00a7 31 S 3, EStG VZ 2017<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Finanzgericht Baden-W\u00fcrttemberg , 28. Mai 2020, Az: 13 K 2747\/17<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. NV: Das Jobcenter hat keinen Erstattungsanspruch gem\u00e4\u00df \u00a7 74 Abs. 2 EStG i.V.m. \u00a7 104 Abs. 1 Satz 2 SGB X, wenn die Familienkasse das Kindergeld im jeweiligen Monat f\u00fcr den jeweiligen Monat fristgerecht ausgezahlt hat. Dies gilt auch dann, wenn das Jobcenter wegen Nichtanrechnung des Kindergelds erh\u00f6hte Leistungen erbracht hat.<\/p>\n\n\n\n<p>2. NV: Die Kindergeldanspr\u00fcche des Berechtigten gelten dann nicht gem\u00e4\u00df \u00a7 74 Abs. 2 EStG i.V.m. \u00a7 107 SGB X als erf\u00fcllt und gem\u00e4\u00df \u00a7 47 AO als erloschen, da \u00a7 107 SGB X an das Bestehen eines Erstattungsanspruchs gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a7 102 ff. SGB X ankn\u00fcpft.<\/p>\n\n\n\n<p>3. NV: Ob das Jobcenter von der Festsetzung und Zahlung des Kindergelds wusste oder sie h\u00e4tte verhindern k\u00f6nnen, ist von Rechts wegen unerheblich; \u00a7 104 Abs. 1 Satz 2 SGB X, an den \u00a7 107 SGB X ankn\u00fcpft, stellt allein auf die rechtzeitige Erf\u00fcllung der Leistungsverpflichtung ab.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Der Gerichtsbescheid des Finanzgerichts Baden-W\u00fcrttemberg vom 28.05.2020 &#8211; 13 K 2747\/17 und der Abrechnungsbescheid der Familienkasse vom 28.07.2017 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 25.09.2017 werden dahingehend ge\u00e4ndert, dass bei Auszahlung des Kindergelds f\u00fcr das am &#8230;08.2016 geborene Kind in den Monaten Januar bis Juni 2017 jeweils nicht erf\u00fcllte Kindergeldanspr\u00fcche in gleicher H\u00f6he bestanden haben und die R\u00fcckzahlungsverpflichtung gegen\u00fcber der Familienkasse somit um 1.152 \u20ac von 2.102 \u20ac auf 950 \u20ac vermindert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Klageverfahrens einschlie\u00dflich der au\u00dfergerichtlichen Kosten des Jobcenters tragen die Kl\u00e4gerin zu 45 % und die Familienkasse zu 55 %.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens tr\u00e4gt die Familienkasse.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>In der Sache ist noch streitig, ob die Kindergeldanspr\u00fcche der Kl\u00e4gerin und Revisionskl\u00e4gerin (Kl\u00e4gerin) f\u00fcr die Zeit von Januar bis Juni 2017 wegen der Leistungen des Beigeladenen (Jobcenter) und dessen Erstattungsanspr\u00fcchen gegen die Beklagte und Revisionskl\u00e4gerin (Familienkasse) gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;74 Abs.&nbsp;2 des Einkommensteuergesetzes (EStG) i.V.m. \u00a7&nbsp;107 des Zehnten Buchs Sozialgesetzbuch (SGB&nbsp;X) als erf\u00fcllt gelten und erloschen sind sowie ob die Kl\u00e4gerin das Kindergeld f\u00fcr diese Monate zur\u00fcckzahlen muss.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin bezog f\u00fcr sich und ihr mit ihr eine Bedarfsgemeinschaft bildendes erstes Kind Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts, d.h. Arbeitslosengeld&nbsp;II gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;19 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 des Zweites Buchs Sozialgesetzbuch (SGB&nbsp;II) und Sozialgeld gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;19 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 SGB&nbsp;II. Das Kindergeld f\u00fcr dieses (erste) Kind wurde bedarfs- und leistungsmindernd bei der Bemessung der Leistungen nach dem SGB&nbsp;II ber\u00fccksichtigt.<\/li><li>Am &#8230;08.2016 gebar die Kl\u00e4gerin ein zweites Kind.<\/li><li>Mit Bescheid vom 16.09.2016 erh\u00f6hte das Jobcenter deshalb die Leistungen nach dem SGB&nbsp;II r\u00fcckwirkend ab August 2016. Als einzusetzendes Einkommen der nun aus der Kl\u00e4gerin und zwei Kindern bestehenden Bedarfsgemeinschaft ber\u00fccksichtigte es bedarfs- und leistungsmindernd nur das tats\u00e4chlich gezahlte Kindergeld f\u00fcr das erste Kind, mangels Zuflusses aber nicht den Kindergeldanspruch f\u00fcr das zweite Kind.<\/li><li>Am 16.09.2016, also noch am selben Tag, teilte das Jobcenter der Familienkasse mit, dass es der Kl\u00e4gerin &#8222;seit dem 01.08.2016&#8220; Leistungen nach dem SGB&nbsp;II zahle, dass es davon ausgehe, dass diese f\u00fcr das am &#8230;08.2016 geborene Kind einen Kindergeldanspruch habe, und dass es einen Erstattungsanspruch gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;74 Abs.&nbsp;2 EStG i.V.m. \u00a7\u00a7&nbsp;102&nbsp;ff. SGB&nbsp;X geltend machen wolle.<\/li><li>Das Schreiben des Jobcenters, in dem der Name der Kl\u00e4gerin richtig geschrieben war, ging bei der Familienkasse zeitnah ein. Es wurde jedoch der f\u00fcr die Kl\u00e4gerin \u2011\u2011infolge eines Buchstabendrehers unter einem geringf\u00fcgig abweichenden Namen\u2011\u2011 gef\u00fchrten Akte nicht zugeordnet, sondern in einer unter dem richtigen Namen neu angelegten Akte abgelegt.<\/li><li>Auf Antrag der Kl\u00e4gerin vom 21.11.2016 setzte die Familienkasse durch Bescheid vom 25.11.2016 Kindergeld ab August 2016 (bis August 2034) f\u00fcr das am &#8230;08.2016 geborene Kind fest und zahlte das Kindergeld f\u00fcr die Zeit ab August 2016 aus. In den Monaten Januar bis Juni 2017 wurde das damals 192&nbsp;\u20ac je Monat und Kind betragende Kindergeld im jeweiligen Monat f\u00fcr den jeweiligen Monat gezahlt. Das Schreiben des Jobcenters vom 16.09.2016 wurde dabei \u00fcbersehen.<\/li><li>Das Jobcenter erfuhr von der Kindergeldfestsetzung und -auszahlung zun\u00e4chst nichts und zahlte deshalb weiterhin Leistungen nach dem SGB&nbsp;II ohne bedarfs- und leistungsmindernde Anrechnung des Kindergelds f\u00fcr das zweite Kind.<\/li><li>Erst Ende Juni 2017 erfuhr das Jobcenter von der Kindergeldfestsetzung und -zahlung f\u00fcr das zweite Kind. In der Folge bezifferte es seinen Erstattungsanspruch gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;74 Abs.&nbsp;2 EStG i.V.m. \u00a7\u00a7&nbsp;102&nbsp;ff. SGB&nbsp;X mit Schreiben vom 20.07.2017 auf 950&nbsp;\u20ac f\u00fcr den Zeitraum August bis Dezember 2016 sowie auf 1.152&nbsp;\u20ac f\u00fcr den Zeitraum Januar bis Juni 2017, also insgesamt auf 2.102&nbsp;\u20ac und setzte mit Bescheid vom 03.08.2017 seine Leistungen nach dem SGB&nbsp;II ab Juli 2017 neu fest, wobei es nun auch das Kindergeld f\u00fcr das zweite Kind einkommens- und leistungsmindernd ber\u00fccksichtigte.<\/li><li>Die Familienkasse erstattete dem Jobcenter diese Betr\u00e4ge und erlie\u00df am 28.07.2017 gegen\u00fcber der Kl\u00e4gerin einen Abrechnungsbescheid gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;218 Abs.&nbsp;2 der Abgabenordnung (AO), in dem sie entschied, die Kindergeldanspr\u00fcche der Kl\u00e4gerin f\u00fcr das am &#8230;08.2016 geborene zweite Kind f\u00fcr die Zeit von August 2016 bis Juni 2017 g\u00e4lten infolge der erh\u00f6hten Leistungen nach dem SGB&nbsp;II und die hieran ankn\u00fcpfenden Erstattungsanspr\u00fcche des Jobcenters gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;74 Abs.&nbsp;2 EStG i.V.m. \u00a7&nbsp;107 SGB&nbsp;X als erf\u00fcllt und seien damit gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;47 AO erloschen. Die Auszahlung des Kindergelds sei somit insoweit ohne Rechtsgrund erfolgt, weshalb die Kl\u00e4gerin gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;37 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 AO zur Erstattung verpflichtet sei.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin legte erfolglos Einspruch ein (Einspruchsentscheidung vom 25.09.2017) und erhob dann Klage.<\/li><li>Das Finanzgericht (FG) lud das Jobcenter gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;60 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung (FGO) mit Beschluss vom 03.06.2019 zum Verfahren bei, wies die Klage ab und lie\u00df die Revision hinsichtlich der &#8222;Erstattungszeitr\u00e4ume Januar 2017 bis Juni 2017&#8220; zu.<\/li><li>Die Vorentscheidung ist in Entscheidungen der Finanzgerichte (EFG) 2021, 614 ver\u00f6ffentlicht.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin wendet sich gegen dieses Urteil mit der Revision, soweit diese vom FG zugelassen worden ist, d.h. sinngem\u00e4\u00df beschr\u00e4nkt auf den Teil des Abrechnungsbescheids, der die Kindergeld- und R\u00fcckzahlungsanspr\u00fcche f\u00fcr die Monate Januar bis Juni 2017 betrifft.<\/li><li>Die Kl\u00e4gerin beantragt sinngem\u00e4\u00df,<br \/>die Vorentscheidung und den Abrechnungsbescheid der Familienkasse vom 28.07.2017 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 25.09.2017 dahingehend zu \u00e4ndern, dass bei Auszahlung des Kindergelds f\u00fcr das am &#8230;08.2016 geborene Kind in den Monaten Januar bis Juni 2017 jeweils nicht erf\u00fcllte Kindergeldanspr\u00fcche in gleicher H\u00f6he bestanden haben und die R\u00fcckzahlungsverpflichtung gegen\u00fcber der Familienkasse somit um 1.152&nbsp;\u20ac von 2.102&nbsp;\u20ac auf 950&nbsp;\u20ac vermindert wird.<\/li><li>Die Familienkasse beantragt,<br \/>die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/li><li>Das beigeladene Jobcenter hat keinen Sachantrag gestellt.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision ist begr\u00fcndet. Die Vorentscheidung verst\u00f6\u00dft gegen Bundesrecht (\u00a7&nbsp;118 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO), soweit das FG entschieden hat, dass der Abrechnungsbescheid (auch) hinsichtlich der Kindergeldzahlungen und R\u00fcckforderungsanspr\u00fcche f\u00fcr die Monate Januar bis Juni 2017 rechtm\u00e4\u00dfig war. Die an das Bestehen eines Erstattungsanspruchs ankn\u00fcpfende Erf\u00fcllungsfiktion des \u00a7&nbsp;74 Abs.&nbsp;2 EStG i.V.m. \u00a7&nbsp;107 SGB&nbsp;X greift in den Monaten, in denen das Kindergeld rechtzeitig gezahlt wurde, nicht. Die Zahlung in den Monaten Januar bis Juni 2017 erfolgte somit mit Rechtsgrund. Die R\u00fcckzahlungsverpflichtung der Kl\u00e4gerin (\u00a7&nbsp;37 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 AO) ist um 1.152&nbsp;\u20ac (192&nbsp;\u20ac\/Monat x 6&nbsp;Monate) von 2.102&nbsp;\u20ac auf 950&nbsp;\u20ac zu verringern.<\/li><li>1. Ein Abrechnungsbescheid gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;218 Abs.&nbsp;1 und Abs.&nbsp;2 S\u00e4tze&nbsp;1 und 2 AO, der von einem Erl\u00f6schen (vgl. Urteil des Bundesfinanzhofs \u2011\u2011BFH\u2011\u2011 vom 18.02.2020&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;39\/18, BFHE 268, 391, BFH\/NV 2020, 1183, Rz&nbsp;22) des Kindergeldanspruchs gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;47 AO i.V.m. \u00a7&nbsp;74 Abs.&nbsp;2 EStG, \u00a7&nbsp;107 Abs.&nbsp;1 SGB&nbsp;X, einem hieran ankn\u00fcpfenden Leistungsverweigerungsrecht der Familienkasse sowie \u2011\u2011bei dennoch erfolgter rechtsgrundloser Zahlung des Kindergelds\u2011\u2011 einem R\u00fcckzahlungsanspruch der Familienkasse (\u00a7&nbsp;37 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;1 AO) gegen den Kindergeldberechtigten ausgeht, ist nur dann rechtm\u00e4\u00dfig, wenn das Jobcenter wegen seiner Leistungen gegen\u00fcber der Familienkasse einen Erstattungsanspruch gem\u00e4\u00df \u00a7\u00a7&nbsp;102&nbsp;ff. SGB&nbsp;X hat.<\/li><li>a) Im Streitfall kommt als Ankn\u00fcpfungstatbestand f\u00fcr die Erf\u00fcllungsfiktion des \u00a7&nbsp;107 SGB&nbsp;X nur ein Erstattungsanspruch gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;74 Abs.&nbsp;2 EStG i.V.m. \u00a7&nbsp;104 Abs.&nbsp;1 und 2 SGB&nbsp;X in Betracht (vgl. z.B. Senatsurteil vom 14.04.2021&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;1\/20, BFHE 273, 41, BStBl II 2021, 700, Rz&nbsp;17&nbsp;f.; BFH-Beschluss vom 05.06.2014&nbsp;&#8211; VI&nbsp;R&nbsp;15\/12, BFHE 246, 298, BStBl II 2015, 145, Rz&nbsp;20; Helmke in Helmke\/Bauer, Familienleistungsausgleich, Kommentar, Fach&nbsp;A, I.&nbsp;Kommentierung, \u00a7&nbsp;74 EStG Rz&nbsp;39; Wendl in Herrmann\/Heuer\/Raupach \u2011\u2011HHR\u2011\u2011, \u00a7&nbsp;74 EStG Rz&nbsp;17).<\/li><li>b) Ein Erstattungsanspruch gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;74 Abs.&nbsp;2 EStG i.V.m. \u00a7&nbsp;104 Abs.&nbsp;1 S\u00e4tze&nbsp;1 und 2, Abs.&nbsp;2 SGB&nbsp;X setzt voraus, dass ein nachrangig verpflichteter Leistungstr\u00e4ger Leistungen erbracht hat, die er bei rechtzeitiger Leistung des vorrangig verpflichteten Leistungstr\u00e4gers nicht erbringen h\u00e4tte m\u00fcssen. Dabei darf der vorrangig verpflichtete Leistungstr\u00e4ger nicht bereits selbst geleistet haben, bevor er von der Leistung des anderen Leistungstr\u00e4gers Kenntnis erlangt hat (\u00a7&nbsp;104 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 Halbsatz&nbsp;2 SGB&nbsp;X).<\/li><li>aa) Das Gesetz zielt u.a. darauf ab, Doppelzahlungen zu verhindern und setzt deshalb die Kongruenz, also die Gleichartigkeit der Leistungen und die \u00dcbereinstimmung der Leistungszeitr\u00e4ume voraus (vgl. etwa HHR\/Wendl, \u00a7&nbsp;74 EStG Rz&nbsp;17, m.w.N.). \u00a7&nbsp;74 Abs.&nbsp;2 EStG i.V.m. \u00a7&nbsp;104 Abs.&nbsp;2 SGB&nbsp;X erweitert den Erstattungsanspruch auch auf F\u00e4lle, in denen von einem nachrangig verpflichteten Leistungstr\u00e4ger f\u00fcr einen Angeh\u00f6rigen Sozialleistungen erbracht worden sind, wenn ein anderer mit R\u00fccksicht auf diesen Angeh\u00f6rigen einen Kindergeldanspruch nach dem EStG hat oder hatte (vgl. Senatsurteil vom 26.07.2012&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;28\/10, BFHE 238, 315, BStBl II 2013, 26, Rz&nbsp;11).<\/li><li>bb) Au\u00dferdem ist der nachrangige Leistungstr\u00e4ger nur dann zur Leistung verpflichtet, wenn der vorrangig verpflichtete Leistungstr\u00e4ger die ihm obliegende Leistung nicht oder nicht rechtzeitig erbracht hat oder erbringt (vgl. z.B. Urteile des Bundessozialgerichts \u2011\u2011BSG\u2011\u2011 vom 28.08.1997&nbsp;&#8211; 14\/10&nbsp;RKg&nbsp;11\/96, BSGE 81, 30, Rz&nbsp;15; vom 30.06.1997&nbsp;&#8211; 8&nbsp;RKn&nbsp;28\/95, Sozialrecht 3-2600 \u00a7&nbsp;93 Nr&nbsp;4, Rz&nbsp;27 und 30; vom 25.01.1994&nbsp;&#8211; 7&nbsp;RAr&nbsp;42\/93, BSGE 74, 36, Leitsatz&nbsp;1 und unter II.6., und vom 19.03.1992&nbsp;&#8211; 7&nbsp;RAr&nbsp;26\/91, BSGE 70, 186, Rz&nbsp;37&nbsp;ff.; Landessozialgericht \u2011\u2011LSG\u2011\u2011 Mecklenburg-Vorpommern \u2011\u2011MV\u2011\u2011, Urteil vom 17.06.2021&nbsp;&#8211; L&nbsp;14&nbsp;AS&nbsp;255\/17, Neue Justiz \u2011\u2011NJ\u2011\u2011 2021, 421, Rz&nbsp;55; B\u00f6ttiger in Diering\/Timme\/St\u00e4hler, SGB&nbsp;X, 5.&nbsp;Aufl. 2019, Vor \u00a7&nbsp;102 Rz&nbsp;24&nbsp;f., und \u00a7&nbsp;104 Rz&nbsp;12; Roos in Sch\u00fctze, SGB&nbsp;X, 9.&nbsp;Aufl. 2020, \u00a7&nbsp;104 Rz&nbsp;6).<\/li><li>Eine rechtzeitige Erf\u00fcllung i.S. des \u00a7&nbsp;74 Abs.&nbsp;2 EStG i.V.m. \u00a7&nbsp;104 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 SGB&nbsp;X durch die Familienkasse liegt vor, wenn sie das Kindergeld im jeweiligen Monat f\u00fcr den jeweiligen Monat zahlt. Mangels eines in \u00a7&nbsp;66 Abs.&nbsp;2 EStG gesetzlich geregelten Auszahlungstermins im einzelnen Anspruchszeitraum ist es auch nicht erforderlich, dass die Familienkasse die nur durch eine Verwaltungsanweisung geregelten, nach Kindergeldendziffern gestaffelten kassenm\u00e4\u00dfigen Auszahlungstermine einh\u00e4lt (a.A. LSG MV in NJ 2021, 421, Rz&nbsp;55; vgl. auch BSG-Urteil in BSGE 81, 30, Rz&nbsp;16, m.w.N.; Roos, a.a.O., \u00a7&nbsp;104 Rz&nbsp;6). Gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;31 Satz&nbsp;3 EStG wird Kindergeld laufend monatlich als Steuerverg\u00fctung gezahlt; auch sonst wird das Kindergeldrecht vom Monatsprinzip gepr\u00e4gt (vgl. \u00a7&nbsp;66 Abs.&nbsp;2 EStG).<\/li><li>2. Nach diesen Grunds\u00e4tzen kann im Streitfall das Jobcenter wegen seiner Leistungen f\u00fcr die Monate Januar bis Juni 2017 keine Erstattung in H\u00f6he des Kindergelds verlangen. Kindergeld und Sozialgeld f\u00fcr das zweite Kind sind zwar gleichartige Leistungen, die f\u00fcr den selben Zeitraum gew\u00e4hrt wurden. Die Familienkasse hat aber in den noch streitgegenst\u00e4ndlichen Monaten jeweils rechtzeitig gezahlt. Ob das Jobcenter davon wusste oder die Doppelzahlung h\u00e4tte verhindern k\u00f6nnen, ist von Rechts wegen unerheblich; \u00a7&nbsp;104 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 SGB&nbsp;X, an den \u00a7&nbsp;107 SGB&nbsp;X ankn\u00fcpft, stellt allein auf die rechtzeitige Erf\u00fcllung der Leistungsverpflichtung ab.<\/li><li>3. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;143 Abs.&nbsp;1, \u00a7&nbsp;136 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO. F\u00fcr das Klageverfahren entspricht sie dem jeweiligen Anteil des Unterliegens oder Obsiegens. Die Kosten des Revisionsverfahrens sind von der insoweit vollst\u00e4ndig unterliegenden Familienkasse allein zu tragen.<\/li><li>Es entspricht der Billigkeit, der Kl\u00e4gerin die au\u00dfergerichtlichen Kosten des Jobcenters im Klageverfahren nach \u00a7&nbsp;139 Abs.&nbsp;4 FGO zu 45&nbsp;% aufzuerlegen, weil dieses die in diesem Umfang obsiegende Familienkasse im Klageverfahren unterst\u00fctzt hat (BFH-Urteil vom 04.05.2000&nbsp;&#8211; IV&nbsp;R&nbsp;10\/99, BFHE 191, 529, BStBl II 2002, 850; Senatsurteil vom 09.02.2009&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;36\/07, juris, unter II.5.).<\/li><li>Die Kosten des Revisionsverfahrens tr\u00e4gt die Familienkasse allein. Das Jobcenter hat sich im Revisionsverfahren in der Sache nicht ge\u00e4u\u00dfert und keine Antr\u00e4ge gestellt (vgl. BFH-Urteil vom 09.02.2009&nbsp;&#8211; III&nbsp;R&nbsp;39\/07, juris, unter II.4.). Der Umstand, dass es auf m\u00fcndliche Verhandlung verzichtet und damit dem Senat eine Entscheidung ohne m\u00fcndliche Verhandlung erm\u00f6glicht hat, rechtfertigt es nicht, es an den von der Familienkasse zu tragenden Kosten zu beteiligen.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Teilweise inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 02.06.2022 III R 9\/21 ECLI:DE:BFH:2022:U.140722.IIIR40.20.0 BFH III. Senat EStG \u00a7 62ff, EStG \u00a7 62, EStG \u00a7 74 Abs 2, SGB 2 \u00a7 19, SGB 10 \u00a7 102ff, SGB 10 \u00a7 102, SGB 10 \u00a7 104, SGB 10 \u00a7 107, FGO \u00a7 60 Abs 3, FGO \u00a7 118, FGO \u00a7 136, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/kein-erloeschen-des-kindergeldanspruchs-trotz-erhoehter-leistung-des-jobcenters-bei-rechtzeitiger-zahlung-durch-die-familienkasse-bfh-urteil-vom-14-juli-2022-iii-r-40-20\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Kein Erl\u00f6schen des Kindergeldanspruchs trotz erh\u00f6hter Leistung des Jobcenters bei rechtzeitiger Zahlung durch die Familienkasse &#8211; BFH-Urteil vom 14. 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