{"id":75377,"date":"2022-12-03T15:45:47","date_gmt":"2022-12-03T13:45:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=75377"},"modified":"2022-12-03T15:45:47","modified_gmt":"2022-12-03T13:45:47","slug":"bemessungsgrundlage-der-grunderwerbsteuer-bei-grundstueckskauf-von-erschliessungspflichtiger-gemeinde-bfh-urteil-vom-28-september-2022-ii-r-31-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bemessungsgrundlage-der-grunderwerbsteuer-bei-grundstueckskauf-von-erschliessungspflichtiger-gemeinde-bfh-urteil-vom-28-september-2022-ii-r-31-20\/","title":{"rendered":"Bemessungsgrundlage der Grunderwerbsteuer bei Grundst\u00fcckskauf von erschlie\u00dfungspflichtiger Gemeinde &#8211; BFH-Urteil vom 28. September 2022, II R 31\/20"},"content":{"rendered":"\n<p>Inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 28.09.2022 &#8211; II R 32\/20 <\/p>\n\n\n\n<p>ECLI:DE:BFH:2022:U.280922.IIR31.20.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH II. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>GrEStG \u00a7 1 Abs 1 Nr 1, GrEStG \u00a7 8 Abs 1, GrEStG \u00a7 9 Abs 1 Nr 1, BGB \u00a7 133, BGB \u00a7 134, BGB \u00a7 138, BGB \u00a7 157, AO \u00a7 40, AO \u00a7 42, FGO \u00a7 118 Abs 2, BauGB \u00a7 123 Abs 1, BauGB \u00a7 127 Abs 1, BauGB \u00a7 133 Abs 3 S 5, BauGB \u00a7 134, BauGB \u00a7 135 Abs 1<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Hessisches Finanzgericht , 24. August 2020, Az: 5 K 1394\/19<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>NV: Ver\u00e4u\u00dfert eine erschlie\u00dfungspflichtige Gemeinde ein Grundst\u00fcck und \u00fcbernimmt der Erwerber dabei die vertragliche Verpflichtung, f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Erschlie\u00dfung des Grundst\u00fccks einen bestimmten Betrag zu zahlen, ist Gegenstand des Erwerbsvorgangs regelm\u00e4\u00dfig nur das unerschlossene Grundst\u00fcck (Fortsetzung des BFH-Urteils vom 15.03.2001 &#8211; II R 39\/99).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Auf die Revision des Kl\u00e4gers wird das Urteil des Hessischen Finanzgerichts vom 24.08.2020 &#8211; 5 K 1394\/19 aufgehoben.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bescheid vom 18.02.2019 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 08.08.2019 wird dahin ge\u00e4ndert, dass die Grunderwerbsteuer auf 3.693 \u20ac herabgesetzt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des gesamten Verfahrens hat der Beklagte zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Mit notariell beurkundetem Kaufvertrag vom xx.09.2018 erwarben der Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) und seine Ehefrau von der erschlie\u00dfungspflichtigen Gemeinde ein unbebautes und nicht erschlossenes Grundst\u00fcck zu Miteigentum (60&nbsp;%\/40&nbsp;%). Der Vertrag nennt einen Gesamtpreis und splittet den Kaufpreis in einen Teilbetrag f\u00fcr den verkauften Grund und Boden (102.600&nbsp;\u20ac) und einen weiteren Teilbetrag f\u00fcr die Erschlie\u00dfungskosten auf. Zu Letzteren hei\u00dft es in dem Vertrag, enthalten seien darin s\u00e4mtliche bereits erbrachten und noch zu erbringenden Kosten der Ersterschlie\u00dfung.<\/li><li>Mit Bescheid vom 16.11.2018, hinsichtlich der Miteigentumsquote berichtigt durch \u00c4nderungsbescheid vom 18.02.2019, setzte der Beklagte und Revisionsbeklagte (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) Grunderwerbsteuer fest und legte als Bemessungsgrundlage den Gesamtpreis unter Einbeziehung der Erschlie\u00dfungskosten zugrunde. Den Einspruch wies das FA mit Einspruchsentscheidung vom 08.08.2019 zur\u00fcck.<\/li><li>Das Finanzgericht (FG) hat die Klage, mit der der Kl\u00e4ger die Minderung der Bemessungsgrundlage um die Erschlie\u00dfungskosten begehrte, abgewiesen. Der Kaufvertrag sei angesichts des einheitlichen Kaufpreises dahin auszulegen, dass die Gemeinde den K\u00e4ufern das Grundst\u00fcck in erschlossenem Zustand zu verschaffen habe. Das Verbot, zivilrechtliche Vereinbarungen \u00fcber die \u00f6ffentlich-rechtliche Erschlie\u00dfungslast zu treffen, rechtfertige nicht, in der Klausel betreffend die Erschlie\u00dfungskosten statt einer Gegenleistungsvereinbarung eine \u00f6ffentlich-rechtliche Abl\u00f6sungsvereinbarung nach \u00a7&nbsp;133 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;5 des Baugesetzbuchs (BauGB) zu sehen. Sollte der Kaufvertrag deshalb nach \u00a7&nbsp;134 des B\u00fcrgerlichen Gesetzbuchs (BGB) nichtig sein, w\u00e4re er gleichwohl nach \u00a7&nbsp;40 der Abgabenordnung (AO) der Besteuerung zu unterwerfen. Soweit die Erschlie\u00dfungskosten nicht zur Bemessungsgrundlage geh\u00f6rten, wenn die Gemeinde hoheitlich Erschlie\u00dfungsbeitr\u00e4ge erhebt, beruhe dies auf einer abweichenden rechtlichen Gestaltung. Die Parallelentscheidung des FG vom 24.08.2020&nbsp;&#8211; 5&nbsp;K&nbsp;1373\/19 (Revision II&nbsp;R&nbsp;32\/20) ist in Entscheidungen der Finanzgerichte 2021, 52 ver\u00f6ffentlicht.<\/li><li>Mit der Revision macht der Kl\u00e4ger die Verletzung materiellen Rechts durch Fehlerhaftigkeit der Vertragsauslegung geltend. Die Erschlie\u00dfungskosten seien nicht Teil der Bemessungsgrundlage. Das FG habe weder die Aufschl\u00fcsselung des Kaufpreises noch den Umstand bedacht, dass eine Vereinbarung mit der Gemeinde \u00fcber die Abl\u00f6sung der k\u00fcnftigen Erschlie\u00dfungsbeitr\u00e4ge zwingend ein \u00f6ffentlich-rechtlicher Vertrag sei. Die Parteien h\u00e4tten keinen nichtigen Kaufvertrag \u00fcber ein Grundst\u00fcck in erschlossenem Zustand abschlie\u00dfen wollen, sondern einen wirksamen Kaufvertrag mit einer zul\u00e4ssigen Abl\u00f6severeinbarung \u00fcber die Erschlie\u00dfungsbeitr\u00e4ge.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger beantragt sinngem\u00e4\u00df,<br \/>die Vorentscheidung aufzuheben und den Bescheid vom 18.02.2019 in Gestalt der Einspruchsentscheidung vom 08.08.2019 dahin zu \u00e4ndern, dass die Grunderwerbsteuer auf 3.693&nbsp;\u20ac herabgesetzt wird.<\/li><li>Das FA beantragt sinngem\u00e4\u00df,<br \/>die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/li><li>Das FA h\u00e4lt die Vertragsauslegung des FG einschlie\u00dflich ihrer Begr\u00fcndung f\u00fcr zutreffend. Jedenfalls sei bisher nicht festgestellt, dass der Vereinbarung hinsichtlich der Erschlie\u00dfungsbeitr\u00e4ge die \u00f6ffentlich-rechtlich erforderlichen Abl\u00f6sungsbestimmungen mit der notwendigen Aufschl\u00fcsselung und Verteilung der betreffenden Kosten zugrunde l\u00e4gen. Damit k\u00f6nnten Zustandekommen und Aufteilung des Gesamtkaufpreises nicht nachvollzogen werden.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision ist begr\u00fcndet. Der Bundesfinanzhof (BFH) kann in der Sache selbst entscheiden (\u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 der Finanzgerichtsordnung \u2011\u2011FGO\u2011\u2011). Das Urteil des FG ist aufzuheben. Die angefochtenen Bescheide sind dahin zu \u00e4ndern, dass die Erschlie\u00dfungskosten nicht in die Bemessungsgrundlage einzubeziehen sind.<\/li><li>1. Nach \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 des Grunderwerbsteuergesetzes (GrEStG) unterliegt der Grunderwerbsteuer u.a. ein sich auf ein inl\u00e4ndisches Grundst\u00fcck beziehender Kaufvertrag, der den Anspruch auf \u00dcbereignung begr\u00fcndet. Bemessungsgrundlage der Grunderwerbsteuer ist nach \u00a7&nbsp;8 Abs.&nbsp;1 GrEStG die Gegenleistung.<\/li><li>a) Bei einem Grundst\u00fcckskauf gilt nach \u00a7&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 GrEStG als Gegenleistung u.a. der Kaufpreis einschlie\u00dflich der vom K\u00e4ufer \u00fcbernommenen sonstigen Leistungen. Danach geh\u00f6ren zur grunderwerbsteuerrechtlichen Gegenleistung (Bemessungsgrundlage) alle Leistungen des Erwerbers, die dieser nach den vertraglichen Vereinbarungen gew\u00e4hrt, um das Grundst\u00fcck zu erwerben (BFH-Urteil vom 06.12.2017&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;55\/15, BFHE 261, 58, BStBl II 2018, 406, Rz&nbsp;10, m.w.N.).<\/li><li>b) Der Gegenstand des Erwerbsvorgangs, nach dem sich gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;8 Abs.&nbsp;1 i.V.m. \u00a7&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 GrEStG die als Bemessungsgrundlage der Grunderwerbsteuer anzusetzende Gegenleistung richtet, wird zun\u00e4chst durch das den Steuertatbestand des \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;1 GrEStG erf\u00fcllende zivilrechtliche Verpflichtungsgesch\u00e4ft bestimmt (BFH-Urteil vom 08.03.2017&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;38\/14, BFHE 257, 368, BStBl II 2017, 1005, Rz&nbsp;27). F\u00fcr den Umfang der Gegenleistung im grunderwerbsteuerrechtlichen Sinne ist entscheidend, in welchem Zustand die Vertragsbeteiligten das Grundst\u00fcck zum Gegenstand des Erwerbsvorgangs gemacht haben (st\u00e4ndige Rechtsprechung, u.a. BFH-Urteile vom 21.03.2007&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;67\/05, BFHE 215, 301, BStBl II 2007, 614, unter II.1.; vom 23.09.2009&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;20\/08, BFHE 227, 379, BStBl II 2010, 495, sowie II&nbsp;R&nbsp;21\/08, BFH\/NV 2010, 679, beide unter II.1.a).<\/li><li>c) Diese Grunds\u00e4tze gelten auch f\u00fcr den Erschlie\u00dfungszustand des Grundst\u00fccks (vgl. BFH-Urteil in BFHE 215, 301, BStBl II 2007, 614, unter II.1.a).<\/li><li>aa) Ist ein Grundst\u00fcck im Zeitpunkt des Abschlusses des Grundst\u00fcckskaufvertrags bereits tats\u00e4chlich erschlossen, kann Gegenstand eines solchen Vertrags nur das erschlossene Grundst\u00fcck sein. In diesem Fall geh\u00f6ren die im Kaufvertrag ausgewiesenen Kosten f\u00fcr die Erschlie\u00dfung grunds\u00e4tzlich auch dann zur Gegenleistung, wenn Ver\u00e4u\u00dferer eine Gemeinde ist (BFH-Urteile in BFHE 215, 301, BStBl II 2007, 614, unter II.1.b; in BFHE 227, 379, BStBl II 2010, 495, sowie in BFH\/NV 2010, 679, beide unter II.1.b).<\/li><li>bb) Ist ein Grundst\u00fcck im Zeitpunkt des Abschlusses des Grundst\u00fcckskaufvertrags noch nicht erschlossen, ist im Wege der Auslegung der getroffenen Vereinbarungen zu ermitteln, ob das erschlossene Grundst\u00fcck Gegenstand der \u00dcbereignungsverpflichtung ist, und zwar nach zivilrechtlichen Ma\u00dfst\u00e4ben (st\u00e4ndige Rechtsprechung, vgl. BFH-Urteile vom 09.05.1979&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;56\/74, BFHE 128, 92, BStBl II 1979, 577, dort auch zu den Auslegungskriterien; vom 15.03.2001&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;39\/99, BFHE 194, 452, BStBl II 2002, 93, unter II.1.b, sowie II&nbsp;R&nbsp;51\/00, BFH\/NV 2001, 1297, unter II.b; vom 11.02.2004&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;31\/02, BFHE 204, 489, BStBl II 2004, 521; in BFHE 215, 301, BStBl II 2007, 614, unter II.1.b; in BFH\/NV 2010, 679, unter II.1.a, und vom 01.10.2014&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;20\/13, BFH\/NV 2015, 349, Rz&nbsp;15).<\/li><li>2. Ist eine nach \u00f6ffentlichem Recht erschlie\u00dfungspflichtige Gemeinde selbst der Ver\u00e4u\u00dferer und \u00fcbernimmt der Erwerber die Verpflichtung, f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Erschlie\u00dfung des Grundst\u00fccks einen bestimmten Betrag zu zahlen, ist Gegenstand des Erwerbsvorgangs regelm\u00e4\u00dfig nur das unerschlossene Grundst\u00fcck. Das gilt nicht nur, wenn der Erwerber die Erschlie\u00dfungskosten mittels gesonderten Vertrags \u00fcbernimmt (dazu BFH-Urteil in BFHE 194, 452, BStBl II 2002, 93), sondern ebenso, wenn eine solche Vereinbarung in den Kaufvertrag \u00fcber das Grundst\u00fcck integriert ist. Sie enth\u00e4lt regelm\u00e4\u00dfig einen von dem Kaufvertrag \u00fcber den Erwerb des Grundst\u00fccks zu trennenden \u00f6ffentlich-rechtlichen Vertrag.<\/li><li>a) Privatrechtliche Vereinbarungen \u00fcber die der Gemeinde obliegende Erschlie\u00dfung sind nicht zul\u00e4ssig. Sie versto\u00dfen gegen ein gesetzliches Verbot und sind nach \u00a7&nbsp;134 BGB nichtig.<\/li><li>aa) Die Erschlie\u00dfung ist nach \u00a7&nbsp;123 Abs.&nbsp;1 BauGB Aufgabe der Gemeinden, soweit sie nicht nach anderen gesetzlichen Vorschriften oder \u00f6ffentlich-rechtlichen Verpflichtungen einem anderen obliegt. Die Gemeinden erheben unter den Voraussetzungen des \u00a7&nbsp;127 Abs.&nbsp;1 BauGB einen Erschlie\u00dfungsbeitrag, der nach \u00a7&nbsp;134 Abs.&nbsp;2 Alternative&nbsp;1 BauGB als \u00f6ffentliche Last auf dem Grundst\u00fcck ruht und, wie sich aus \u00a7&nbsp;134 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 BauGB sowie \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 BauGB ergibt, durch Beitragsbescheid erhoben wird.<\/li><li>bb) Auf Grundlage von \u00a7&nbsp;133 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;5 BauGB k\u00f6nnen die Gemeinden als Ausnahme von dem gesetzlichen Verbot vertraglicher Vereinbarungen \u00fcber Erschlie\u00dfungskosten mit den Eigent\u00fcmern oder Erbbauberechtigten eines Grundst\u00fccks vor Entstehung der Beitragspflicht einen \u00f6ffentlich-rechtlichen Vertrag \u00fcber die Abl\u00f6sung des gesamten Erschlie\u00dfungsbeitrags schlie\u00dfen. Das wirksame Zustandekommen eines solchen Vertrags setzt die vollst\u00e4ndige Abl\u00f6sung des Erschlie\u00dfungsbeitrags vor Entstehen der Beitragspflicht voraus. Die jeweiligen Abl\u00f6sungsbestimmungen der Gemeinde m\u00fcssen einen Ma\u00dfstab f\u00fcr die vorteilsgerechte Verteilung des mutma\u00dflichen Erschlie\u00dfungsaufwands schaffen, den die Vertragsparteien zugrunde legen k\u00f6nnen (vgl. im Einzelnen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts \u2011\u2011BVerwG\u2011\u2011 vom 21.01.2015&nbsp;&#8211; 9&nbsp;C&nbsp;1\/14, BVerwGE 151, 171, Rz&nbsp;10&nbsp;f., m.w.N.). Eine solche Abl\u00f6sungsabrede kann grunds\u00e4tzlich auch mit einem Kaufvertrag verbunden werden, sofern sich die privatrechtlichen und die \u00f6ffentlich-rechtlichen Elemente des Vertrags \u2011\u2011Kaufpreis und Abl\u00f6sungsbetrag\u2011\u2011 trennen lassen (BVerwG-Urteil vom 01.12.1989&nbsp;&#8211; 8&nbsp;C&nbsp;44\/88, BVerwGE 84, 183).<\/li><li>cc) Daraus ergibt sich im Gegenschluss, dass eine privatrechtliche Vereinbarung \u00fcber die Abl\u00f6sebetr\u00e4ge unzul\u00e4ssig ist. Andernfalls k\u00f6nnten durch Wahl der privatrechtlichen Handlungsform die Vorgaben des \u00f6ffentlichen Rechts umgangen werden. Ein wegen Missachtung dieser Vorgaben unwirksamer \u00f6ffentlich-rechtlicher Vertrag kann daher auch nicht als &#8222;hilfsweise&#8220; wirksamer privatrechtlicher Vertrag verstanden oder in einen solchen umgedeutet werden, sondern beh\u00e4lt seinen \u00f6ffentlich-rechtlichen Charakter.<\/li><li>b) Die Auslegung eines Kaufvertrags hat die vorgenannten Grunds\u00e4tze zu beachten.<\/li><li>aa) Die Auslegung von Vertr\u00e4gen geh\u00f6rt zum Bereich der tats\u00e4chlichen Feststellungen und bindet das Revisionsgericht gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;118 Abs.&nbsp;2 FGO, wenn sie den Grunds\u00e4tzen der \u00a7\u00a7&nbsp;133, 157 BGB entspricht und nicht gegen Denkgesetze und Erfahrungss\u00e4tze verst\u00f6\u00dft, d.h. jedenfalls m\u00f6glich ist. Der BFH hat jedoch zu pr\u00fcfen, ob die Auslegung durch das FG Auslegungsregeln, Denkgesetze oder Erfahrungss\u00e4tze verletzt. Ist das der Fall, entf\u00e4llt die Bindungswirkung (st\u00e4ndige Rechtsprechung, vgl. etwa BFH-Urteile vom 05.12.2019&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;37\/18, BFHE 267, 524, BStBl II 2020, 236, Rz&nbsp;15, und vom 10.11.2020&nbsp;&#8211; IX&nbsp;R&nbsp;32\/19, BFHE 271, 218, Rz&nbsp;18). Hat das FG eine Auslegung unterlassen oder ist diese fehlerhaft, kann der BFH die Auslegung selbst vornehmen, wenn alle f\u00fcr die Auslegung erforderlichen tats\u00e4chlichen Feststellungen getroffen sind und weitere tats\u00e4chliche Feststellungen nicht in Betracht kommen (vgl. BFH-Urteile vom 14.01.2004&nbsp;&#8211; X&nbsp;R&nbsp;37\/02, BFHE 205, 96, BStBl II 2004, 493, unter II.4. zur unterlassenen Auslegung, und vom 03.07.2019&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;6\/16, BFHE 265, 421, BStBl II 2020, 61, Rz&nbsp;29 zur fehlerhaften Auslegung).<\/li><li>bb) Zu den Auslegungsgrunds\u00e4tzen nach \u00a7\u00a7&nbsp;133, 157 BGB geh\u00f6rt der Grundsatz der gesetzeskonformen Auslegung, d.h. einer Auslegung, die nicht zur Unwirksamkeit einer Vereinbarung f\u00fchrt (M\u00fcKoBGB\/Busche, 8.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;133 Rz&nbsp;64; Gr\u00fcneberg\/Ellenberger, B\u00fcrgerliches Gesetzbuch, 81.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;133 Rz&nbsp;25). Zwar kommt es auf die Gesetzeskonformit\u00e4t eines Auslegungsergebnisses nicht an, wenn dieses nach Wortlaut sowie Sinn und Zweck eindeutig ist (vgl. Urteile des Bundesgerichtshofs \u2011\u2011BGH\u2011\u2011 vom 21.10.2014&nbsp;&#8211; II&nbsp;ZR&nbsp;84\/13, Neue Juristische Wochenschrift \u2011\u2011NJW\u2011\u2011 2015, 859, Rz&nbsp;15, und vom 15.02.2017&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;ZR&nbsp;59\/16, NJW 2017, 1660, Rz&nbsp;22). Ist das Auslegungsergebnis jedoch nicht eindeutig, ist nur die Auslegung interessengerecht, die die Nichtigkeit des angestrebten Vertrags nach \u00a7&nbsp;134 oder \u00a7&nbsp;138 BGB vermeidet (BGH-Urteile vom 03.03.1971&nbsp;&#8211; VIII&nbsp;ZR&nbsp;55\/70, NJW 1971, 1034, unter 2.a, und &#8222;Anwalts-Hotline&#8220; vom 26.09.2002&nbsp;&#8211; I&nbsp;ZR&nbsp;44\/00, BGHZ 152, 153, NJW 2003, 819, unter II.2.c).<\/li><li>cc) Dieser Auslegungsgrundsatz ist auch bei der Vertragsauslegung f\u00fcr steuerrechtliche Zwecke zu befolgen. \u00a7&nbsp;40 AO steht dem nicht entgegen. Die Vorschrift greift erst ein, wenn die Vereinbarung auch unter den vorgenannten Regeln so ausgelegt werden muss, dass ein Gesetzesversto\u00df vorliegt. Wie ein Vertrag auszulegen ist, wenn die Vereinbarung \u00fcber die Erschlie\u00dfungskosten nicht den \u00f6ffentlich-rechtlichen Anforderungen an deren Berechnung gen\u00fcgt und die Beteiligten den auf das Grundst\u00fcck entfallenden Kaufpreisanteil einvernehmlich bewusst zu niedrig ausweisen, ist eine davon abweichende, m\u00f6glicherweise unter Beachtung des \u00a7&nbsp;42 AO zu beantwortende Frage.<\/li><li>3. Das FG ist bei der Auslegung der streitgegenst\u00e4ndlichen Vereinbarung von abweichenden Grunds\u00e4tzen ausgegangen. Da sich die Entscheidung auch nicht aus anderen Gr\u00fcnden als richtig erweist, war sie aufzuheben. Der BFH kann den Vertrag selbst auslegen und abschlie\u00dfend entscheiden, da es keiner weiteren Feststellungen bedarf.<\/li><li>a) Der Vertrag vom xx.09.2018 ist in der Weise zu verstehen, dass die Vertragsparteien eine (zivilrechtliche) Vereinbarung \u00fcber den Kauf des unerschlossenen Grundst\u00fccks f\u00fcr 102.600&nbsp;\u20ac getroffen haben und dass sie daneben eine \u00f6ffentlich-rechtliche Vereinbarung i.S. des \u00a7&nbsp;133 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;5 BauGB \u00fcber die Abl\u00f6sung des Erschlie\u00dfungsbeitrags schlie\u00dfen wollten. Der Vertrag ist nicht eindeutig. Er benennt einerseits einen Gesamtkaufpreis, schl\u00fcsselt diesen andererseits in einen Teilbetrag f\u00fcr den verkauften Grund und Boden sowie einen Teilbetrag f\u00fcr die Erschlie\u00dfungskosten auf. Also ist der Vertrag so auszulegen, dass er insgesamt so weit wie m\u00f6glich wirksam ist.<\/li><li>Es bedarf keiner Entscheidung, ob die Abl\u00f6severeinbarung ihrerseits den \u00f6ffentlich-rechtlichen Anforderungen gen\u00fcgt und wirksam geworden ist. Sollte dies der Fall sein, besteht der Vertrag vom xx.09.2018 aus einem zivilrechtlichen und einem \u00f6ffentlich-rechtlichen Teil. Sollten die Anforderungen an die Wirksamkeit einer \u00f6ffentlich-rechtlichen Vereinbarung nicht erf\u00fcllt sein, k\u00f6nnte die Abl\u00f6severeinbarung nicht unter Umgehung zwingenden \u00f6ffentlichen Rechts als zivilrechtliche Vereinbarung verstanden werden. Sie w\u00e4re unwirksam. Es bliebe bei dem zivilrechtlichen Kaufvertrag \u00fcber das unerschlossene Grundst\u00fcck. Die Erschlie\u00dfungsbeitr\u00e4ge w\u00e4ren durch Beitragsbescheid festzusetzen.<\/li><li>Der Streitfall bietet keinen Anlass zu entscheiden, wie zu verfahren w\u00e4re, wenn sich die anteiligen Erschlie\u00dfungskosten dem Kaufvertrag selbst nicht entnehmen lie\u00dfen. Anhaltspunkte daf\u00fcr, dass die Gemeinde sowie der Kl\u00e4ger und dessen Ehefrau den Kaufpreisanteil sehenden Auges zu niedrig angesetzt h\u00e4tten, etwa um Grunderwerbsteuer zu sparen, hat das FG nicht festgestellt und sind auch weder vorgetragen noch ersichtlich.<\/li><li>b) Bei einer Bemessungsgrundlage von 61.560&nbsp;\u20ac (60&nbsp;% von 102.600&nbsp;\u20ac) und dem im Land Hessen nach \u00a7&nbsp;1 des Gesetzes \u00fcber die Festsetzung des Steuersatzes f\u00fcr die Grunderwerbsteuer vom 26.11.2012 (Gesetz- und Verordnungsblatt 2012, 457) zum Erwerbszeitpunkt ma\u00dfgebenden Steuersatz von 6&nbsp;% betr\u00e4gt die Steuer wie beantragt 3.693&nbsp;\u20ac (abgerundet nach \u00a7&nbsp;11 Abs.&nbsp;2 GrEStG).<\/li><li>4. Die Kostenentscheidung folgt aus \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;1 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inhaltsgleich mit BFH-Urteil vom 28.09.2022 &#8211; II R 32\/20 ECLI:DE:BFH:2022:U.280922.IIR31.20.0 BFH II. Senat GrEStG \u00a7 1 Abs 1 Nr 1, GrEStG \u00a7 8 Abs 1, GrEStG \u00a7 9 Abs 1 Nr 1, BGB \u00a7 133, BGB \u00a7 134, BGB \u00a7 138, BGB \u00a7 157, AO \u00a7 40, AO \u00a7 42, FGO \u00a7 118 Abs 2, &hellip; <a href=\"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/bemessungsgrundlage-der-grunderwerbsteuer-bei-grundstueckskauf-von-erschliessungspflichtiger-gemeinde-bfh-urteil-vom-28-september-2022-ii-r-31-20\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Bemessungsgrundlage der Grunderwerbsteuer bei Grundst\u00fcckskauf von erschlie\u00dfungspflichtiger Gemeinde &#8211; BFH-Urteil vom 28. 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