{"id":75405,"date":"2022-12-10T17:15:19","date_gmt":"2022-12-10T15:15:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=75405"},"modified":"2022-12-10T17:15:19","modified_gmt":"2022-12-10T15:15:19","slug":"nichtzulassungsbeschwerde-darlegung-der-grundsaetzlichen-bedeutung-und-eines-verfahrensmangels-verstoss-gegen-die-sachaufklaerungspflicht-bfh-beschluss-vom-17-november-2022-ix-b-82-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/nichtzulassungsbeschwerde-darlegung-der-grundsaetzlichen-bedeutung-und-eines-verfahrensmangels-verstoss-gegen-die-sachaufklaerungspflicht-bfh-beschluss-vom-17-november-2022-ix-b-82-21\/","title":{"rendered":"Nichtzulassungsbeschwerde: Darlegung der grunds\u00e4tzlichen Bedeutung und eines Verfahrensmangels; Versto\u00df gegen die Sachaufkl\u00e4rungspflicht &#8211; BFH-Beschluss vom 17. November 2022, IX B 82\/21"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2022:B.171122.IXB82.21.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH IX. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 1, FGO \u00a7 115 Abs 2 Nr 3, FGO \u00a7 116 Abs 3 S 3, FGO \u00a7 76 Abs 1 S 1, FGO \u00a7 155, ZPO \u00a7 295<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Finanzgericht Berlin-Brandenburg , 02. November 2021, Az: 14 K 14043\/20<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. NV: Die Darlegung des Zulassungsgrundes der grunds\u00e4tzlichen Bedeutung der Rechtssache (\u00a7 115 Abs. 2 Nr. 1 FGO) verlangt substantiierte Ausf\u00fchrungen zur Kl\u00e4rungsbed\u00fcrftigkeit einer hinreichend bestimmten \u2011\u2011abstrakt beantwortbaren\u2011\u2011 Rechtsfrage, die im konkreten Streitfall voraussichtlich kl\u00e4rbar\/kl\u00e4rungsf\u00e4hig (entscheidungserheblich) und deren Beurteilung zweifelhaft oder umstritten ist.<\/p>\n\n\n\n<p>2. NV: Nach \u00a7 76 Abs. 1 Satz 1 FGO ist das FG verpflichtet, von Amts wegen den Sachverhalt zu erforschen und ihn unter allen ernstlich in Betracht kommenden rechtlichen Gesichtspunkten zu pr\u00fcfen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Beschwerde des Kl\u00e4gers wegen Nichtzulassung der Revision gegen das Urteil des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg vom 02.11.2021 &#8211; 14 K 14043\/20 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Beschwerdeverfahrens hat der Kl\u00e4ger zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Beschwerde hat keinen Erfolg.<\/li><li>1. Der Kl\u00e4ger und Beschwerdef\u00fchrer (Kl\u00e4ger) hat die Voraussetzungen des \u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 und Nr.&nbsp;3 der Finanzgerichtsordnung (FGO) nicht entsprechend den gesetzlichen Anforderungen (\u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;3 Satz&nbsp;3 FGO) dargelegt.<\/li><li>a) Die Darlegung des Zulassungsgrundes der grunds\u00e4tzlichen Bedeutung der Rechtssache (\u00a7&nbsp;115 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;1 FGO) verlangt substantiierte Ausf\u00fchrungen zur Kl\u00e4rungsbed\u00fcrftigkeit einer hinreichend bestimmten \u2011\u2011abstrakt beantwortbaren\u2011\u2011 Rechtsfrage, die im konkreten Streitfall voraussichtlich kl\u00e4rbar\/kl\u00e4rungsf\u00e4hig (entscheidungserheblich) und deren Beurteilung zweifelhaft oder umstritten ist. Hierzu muss sich der Beschwerdef\u00fchrer mit der einschl\u00e4gigen Rechtsprechung, insbesondere des Bundesfinanzhofs (BFH), sowie den \u00c4u\u00dferungen im Schrifttum auseinandersetzen. Dabei sind Ausf\u00fchrungen erforderlich, aus denen sich ergibt, in welchem Umfang, von welcher Seite und aus welchen Gr\u00fcnden die Beantwortung der Rechtsfrage zweifelhaft und umstritten ist.<\/li><li>b) Diesen Anforderungen gen\u00fcgt die Beschwerdebegr\u00fcndung nicht. Vielmehr legt der Kl\u00e4ger in seiner Beschwerdebegr\u00fcndung nur seine abweichende rechtliche Wertung dar. Die Darlegung einer hinreichend bestimmten \u2011\u2011abstrakt beantwortbaren\u2011\u2011 Rechtsfrage fehlt ebenso wie eine Auseinandersetzung mit der einschl\u00e4gigen Rechtsprechung des BFH sowie den Ansichten im Schrifttum. Allein mit der Darlegung einer abweichenden Rechtsansicht kann die Zulassung der Revision wegen grunds\u00e4tzlicher Bedeutung nicht erreicht werden.<\/li><li>c) Erg\u00e4nzend ist anzuf\u00fchren, dass sich aus \u00a7&nbsp;36 Abs.&nbsp;2 Nr.&nbsp;2 Halbsatz&nbsp;1 des Einkommensteuergesetzes eindeutig ergibt, dass es f\u00fcr die Anrechnung der Lohnsteuer auf die Einkommensteuer auf die &#8222;durch Steuerabzug erhobene Einkommensteuer&#8220; ankommt. &#8222;Erhoben&#8220; ist die Einkommensteuer nur, wenn sie vom Abf\u00fchrungsverpflichteten ordnungsgem\u00e4\u00df einbehalten worden ist, d.h. beim Arbeitnehmer bei jeder Lohnzahlung vom Arbeitgeber vom Brutto-Arbeitslohn einbehalten worden ist (vgl. BFH-Urteil vom 01.04.1999&nbsp;&#8211; VII&nbsp;R&nbsp;51\/98, BFH\/NV 2000, 46, unter II.2.b; Gosch in Kirchhof\/Seer, EStG, 21.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;36 Rz&nbsp;7a; Schmidt\/Loschelder, EStG, 41.&nbsp;Aufl., \u00a7&nbsp;36 Rz&nbsp;9; BeckOK EStG\/F.&nbsp;Seelig, 13.&nbsp;Ed. [01.07.2022], EStG \u00a7&nbsp;36 Rz&nbsp;105). Nach den Feststellungen des Finanzgerichts (FG) ist hier Lohnsteuer in H\u00f6he von 11.535,00&nbsp;\u20ac zzgl. Solidarit\u00e4tszuschlag in H\u00f6he von 634,42&nbsp;\u20ac vom Arbeitgeber des Kl\u00e4gers einbehalten und beim Kl\u00e4ger im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung angerechnet worden. Eine \u00fcber diese Betr\u00e4ge hinausgehende Anrechnung ist daher nicht m\u00f6glich. Denn der Kl\u00e4ger ist nach den Feststellungen des FG nicht durch einen doppelten Einbehalt der Lohnsteuer belastet, sondern diese ist nur einmal abgef\u00fchrt worden.<\/li><li>2. Soweit der Kl\u00e4ger einen Versto\u00df gegen die Sachaufkl\u00e4rungspflicht (\u00a7&nbsp;76 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO) r\u00fcgt, liegt dieser nicht vor.<\/li><li>a) Nach \u00a7&nbsp;76 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO ist das FG verpflichtet, von Amts wegen den Sachverhalt zu erforschen und ihn unter allen ernstlich in Betracht kommenden rechtlichen Gesichtspunkten zu pr\u00fcfen. Diese Pflicht beinhaltet zwar nicht, jeder fernliegenden Erw\u00e4gung nachgehen zu m\u00fcssen. Wohl aber muss das FG die sich im Einzelfall aufdr\u00e4ngenden \u00dcberlegungen auch ohne entsprechenden Hinweis der Beteiligten anstellen und entsprechende Aufkl\u00e4rungsma\u00dfnahmen treffen.<\/li><li>b) Der Kl\u00e4ger bringt mit seiner Beschwerdebegr\u00fcndung vor, er habe Beweis auf Vernehmung des Amtsvorstehers des Betriebsst\u00e4ttenfinanzamts der Arbeitgeberin angeboten. In der m\u00fcndlichen Verhandlung vom 02.11.2021 hat der Kl\u00e4ger ausweislich des Sitzungsprotokolls einen Beweisantrag nicht gestellt. Er hat damit sein R\u00fcgerecht in Bezug auf die geltend gemachte Verletzung der Sachaufkl\u00e4rungspflicht verloren (\u00a7&nbsp;155 FGO i.V.m. \u00a7&nbsp;295 der Zivilprozessordnung; vgl. u.a. BFH-Beschluss vom 08.04.2022&nbsp;&#8211; IX&nbsp;B&nbsp;10\/21, BFH\/NV 2022, 733, Rz&nbsp;9, m.w.N.).<\/li><li>Soweit der Kl\u00e4ger r\u00fcgt, das FG habe den Beweiswert und den Inhalt der beiden Lohnsteuerbescheinigungen vom 24.08.2017 und vom 25.08.2017 verfahrensfehlerhaft \u00fcbergangen, greift sein Vorbringen nicht durch. Das FG hat im Tatbestand umfangreiche Feststellungen zum Inhalt der beiden Bescheinigungen getroffen. Diesen Inhalt hat es in seinen Entscheidungsgr\u00fcnden gew\u00fcrdigt. Das FG hat das von ihm gefundene Ergebnis zudem mit weiteren Feststellungen wie u.a. einer Mitteilung des Betriebsst\u00e4ttenfinanzamts der Arbeitgeberin begr\u00fcndet.<\/li><li>Soweit sich der Kl\u00e4ger gegen das Ergebnis der Beweisw\u00fcrdigung des FG wendet und eine andere W\u00fcrdigung vorbringt, richtet sich die Verfahrensr\u00fcge im Kern gegen die inhaltliche Richtigkeit der Entscheidung des FG. Mit der R\u00fcge materiell fehlerhafter Rechtsanwendung kann die Zulassung der Revision wegen eines Verfahrensmangels nicht erreicht werden.<\/li><li>3. Von einer Darstellung des Sachverhalts und einer weitergehenden Begr\u00fcndung wird gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;116 Abs.&nbsp;5 Satz&nbsp;2 FGO abgesehen. Die Kostenentscheidung beruht auf \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2022:B.171122.IXB82.21.0 BFH IX. 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