{"id":75530,"date":"2023-02-05T15:37:27","date_gmt":"2023-02-05T13:37:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/?p=75530"},"modified":"2023-02-05T15:37:27","modified_gmt":"2023-02-05T13:37:27","slug":"grunderwerbsteuer-im-flurbereinigungsverfahren-bfh-urteil-vom-12-oktober-2022-ii-r-7-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.steuerschroeder.de\/steuer\/grunderwerbsteuer-im-flurbereinigungsverfahren-bfh-urteil-vom-12-oktober-2022-ii-r-7-20\/","title":{"rendered":"Grunderwerbsteuer im Flurbereinigungsverfahren &#8211; BFH-Urteil vom 12. Oktober 2022, II R 7\/20"},"content":{"rendered":"\n<p>ECLI:DE:BFH:2022:U.121022.IIR7.20.0<\/p>\n\n\n\n<p>BFH II. Senat<\/p>\n\n\n\n<p>FlurbG \u00a7 9 Abs 1 S 1, FlurbG \u00a7 10 Nr 1, FlurbG \u00a7 44 Abs 3, FlurbG \u00a7 52, FlurbG \u00a7 54 Abs 2, FlurbG \u00a7 60 Abs 1 S 2, FlurbG \u00a7 61 S 2, FlurbG \u00a7 63 Abs 1, FlurbG \u00a7\u00a7 129ff, FlurbG \u00a7 129, GrEStG \u00a7 1 Abs 1 Nr 3 S 1, GrEStG \u00a7 1 Abs 1 Nr 3 S 2 Buchst a, GrEStG \u00a7 11 Abs 1, GrEStG \u00a7 14, GrEStG \u00a7 23, FGO \u00a7 118 Abs 1 S 1, AO \u00a7 38<\/p>\n\n\n\n<p>vorgehend Nieders\u00e4chsisches Finanzgericht , 20. M\u00e4rz 2019, Az: 7 K 92\/17<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Leits\u00e4tze<\/h2>\n\n\n\n<p>1. Eine Ausf\u00fchrungsanordnung zum Flurbereinigungsplan stellt auf den dort benannten Wirkungszeitpunkt einen steuerbaren Erwerbsvorgang nach \u00a7 1 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 GrEStG dar.<\/p>\n\n\n\n<p>2. Der ma\u00dfgebende Steuersatz richtet sich nach dem Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Ausf\u00fchrungsanordnung.<\/p>\n\n\n\n<p>3. Unerheblich ist, ob eine Bindung der Beteiligten vorgelagert ist, sei es durch eine wirksame Planvereinbarung, sei es durch eine etwaige Unwiderruflichkeit der Zustimmung zur \u00dcbernahme von Land.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tenor<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Revision des Kl\u00e4gers gegen das Urteil des Nieders\u00e4chsischen Finanzgerichts vom 20.03.2019 &#8211; 7 K 92\/17 wird als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kosten des Revisionsverfahrens hat der Kl\u00e4ger zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Tatbestand<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">I.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Der Kl\u00e4ger und Revisionskl\u00e4ger (Kl\u00e4ger) war Teilnehmer eines 2002 eingeleiteten Flurbereinigungsverfahrens. In der Verhandlung (\u00a7\u00a7&nbsp;129&nbsp;ff. des Flurbereinigungsgesetzes \u2011\u2011FlurbG\u2011\u2011) vom 22.04.2009 \u00fcber den Verkauf von Masseland wurde vereinbart, dass der Kl\u00e4ger Masseland gegen Mehrabfindung von 33.428&nbsp;\u20ac erwirbt, die er am 01.11.2009 zu zahlen hatte. Die entsprechende Besitzeinweisung hatte bereits 2008 stattgefunden. Am 29.07.2016 ordnete die Flurbereinigungsbeh\u00f6rde die vorzeitige Ausf\u00fchrung des Flurbereinigungsplans mit Wirkung zum 29.08.2016 an.<\/li><li>Der Beklagte und Revisionsbeklagte (Finanzamt \u2011\u2011FA\u2011\u2011) setzte mit Bescheid vom 23.12.2016 f\u00fcr den Erwerb vom 29.08.2016 Grunderwerbsteuer in H\u00f6he von 1.671&nbsp;\u20ac fest. Dem lag nach Abs.&nbsp;2 des Gesetzes \u00fcber die Festsetzung des Steuersatzes f\u00fcr die Grunderwerbsteuer in Niedersachsen vom 17.12.2010 \u2011\u2011GrEStFestG ND\u2011\u2011 (Nieders\u00e4chsisches Gesetz- und Verordnungsblatt \u2011\u2011GVBl ND\u2011\u2011 2010, 631) ein Steuersatz von 5&nbsp;% auf der Bemessungsgrundlage von 33.428&nbsp;\u20ac zugrunde.<\/li><li>Mit Einspruch und Klage begehrte der Kl\u00e4ger die Anwendung des im Jahr 2009 geltenden Steuersatzes von 3,5&nbsp;%. Das Finanzgericht (FG) hat die Klage abgewiesen. Der gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 des Grunderwerbsteuergesetzes (GrEStG) steuerbare Erwerbsvorgang (\u00dcbergang des Eigentums) sei durch die vorzeitige Ausf\u00fchrungsanordnung der Flurbereinigungsbeh\u00f6rde zum 29.08.2016 verwirklicht worden. An demselben Tag sei auch die Steuer entstanden. Das Urteil des FG ist in Entscheidungen der Finanzgerichte 2021, 472 ver\u00f6ffentlicht.<\/li><li>Mit der Revision r\u00fcgt der Kl\u00e4ger sinngem\u00e4\u00df die Verletzung von \u00a7&nbsp;23 GrEStG i.V.m. Art.&nbsp;3 Abs.&nbsp;1 des Haushaltsbegleitgesetzes 2011 f\u00fcr Niedersachsen (GVBl ND 2010, 631) sowie Art.&nbsp;9 Nr.&nbsp;2 des Haushaltsbegleitgesetzes 2014 f\u00fcr Niedersachsen (GVBl ND 2013, 310), wonach der Grunderwerbsteuersatz von 4,5&nbsp;% bzw. 5&nbsp;% f\u00fcr Rechtsvorg\u00e4nge gelte, die ab dem 01.01.2011 bzw. 01.01.2014 verwirklicht werden. Verwirklicht sei ein Erwerbsvorgang nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs (BFH) in dem Zeitpunkt, in dem die Vertragspartner im Verh\u00e4ltnis zueinander gebunden seien. Im Flurbereinigungsverfahren stehe aber der Eigentumserwerb mit der nach \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 FlurbG durch die Verhandlungsniederschrift eintretenden unwiderruflichen Bindung nicht mehr zur Disposition der Beteiligten. Das gelte auch dann, wenn die Steuer nach \u00a7&nbsp;14 GrEStG erst sp\u00e4ter entstehe, wie hier am 29.08.2016. Wenn der Gesetzgeber schon durch einen besonderen, vom Entstehungszeitpunkt abweichenden Verwirklichungstatbestand Vertrauensschutz schaffe, m\u00fcsse dieser f\u00fcr den verfahrensrechtlichen Eigentumserwerb im Flurbereinigungsverfahren ebenso gelten wie f\u00fcr den rechtsgesch\u00e4ftlichen Erwerb. Zum Zeitpunkt der Verhandlungsniederschriften im Jahr 2009 habe noch nicht einmal der Gesetzesentwurf zur ersten Anhebung des Grunderwerbsteuersatzes auf 4,5&nbsp;% vorgelegen.<\/li><li>Der Kl\u00e4ger beantragt sinngem\u00e4\u00df,<br \/>die Vorentscheidung und die Einspruchsentscheidung vom 04.04.2017 aufzuheben und den Bescheid vom 23.12.2016 dahin zu \u00e4ndern, dass die Grunderwerbsteuer mit einem Steuersatz von 3,5&nbsp;% berechnet wird.<\/li><li>Das FA beantragt,<br \/>die Revision zur\u00fcckzuweisen.<\/li><li>W\u00e4hrend die Besitzeinweisung nur ein Nutzungsrecht einger\u00e4umt habe und auch die Verhandlungsniederschrift keine unwiderrufliche Bindung geschaffen habe, sei die Grunderwerbsteuer mit dem in der Ausf\u00fchrungsanordnung nach \u00a7\u00a7&nbsp;61&nbsp;ff. FlurbG bestimmten Datum durch Eigentums\u00fcbergang entstanden.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Entscheidungsgr\u00fcnde<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">II.<\/h3>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Die Revision ist unbegr\u00fcndet und nach \u00a7&nbsp;126 Abs.&nbsp;2 der Finanzgerichtsordnung (FGO) zur\u00fcckzuweisen. Das FG hat zu Recht erkannt, dass sich der der Grunderwerbsteuer unterliegende Rechtsvorgang erst am 29.08.2016 verwirklicht hat und daher der zu jenem Zeitpunkt geltende Steuersatz anzuwenden ist.<\/li><li>1. Nach \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 GrEStG unterliegt der Grunderwerbsteuer der \u00dcbergang des Eigentums an einem inl\u00e4ndischen Grundst\u00fcck, wenn kein den Anspruch auf \u00dcbereignung begr\u00fcndendes Rechtsgesch\u00e4ft vorausgegangen ist und es auch keiner Auflassung bedarf. Eine Ausf\u00fchrungsanordnung zum Flurbereinigungsplan stellt auf den dort benannten Wirkungszeitpunkt einen steuerbaren Erwerbsvorgang i.S. des \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 GrEStG dar.<\/li><li>a) Eine Ausf\u00fchrungsanordnung im Flurbereinigungsverfahren bewirkt hinsichtlich des von ihr erfassten Landes einen Eigentumswechsel.<\/li><li>aa) Aufgrund des der Neugestaltung des Flurbereinigungsgebiets dienenden Flurbereinigungsverfahrens (vgl. \u00a7&nbsp;37 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FlurbG) werden die Eigent\u00fcmer der zum Flurbereinigungsgebiet geh\u00f6renden Grundst\u00fccke (Beteiligte am Verfahren nach \u00a7&nbsp;10 Nr.&nbsp;1 FlurbG) nach Ma\u00dfgabe der \u00a7\u00a7&nbsp;44&nbsp;ff. FlurbG grunds\u00e4tzlich mit gleichwertigem Land, mit Zustimmung auch in Geld abgefunden (\u00a7&nbsp;52 FlurbG). Vor Abschluss des Verfahrens k\u00f6nnen vorl\u00e4ufige Besitzeinweisungen vorgenommen werden (\u00a7\u00a7&nbsp;65&nbsp;ff. FlurbG). W\u00e4hrend des Verfahrens (dazu \u00a7\u00a7&nbsp;109&nbsp;ff. FlurbG) finden Verhandlungen statt, \u00fcber die Niederschriften aufzunehmen und von den Beteiligten zu genehmigen sind (\u00a7\u00a7&nbsp;129 bis 131 FlurbG). Der Flurbereinigungsplan fasst die Ergebnisse des Verfahrens zusammen (\u00a7\u00a7&nbsp;56&nbsp;ff. FlurbG). Wird aufgrund von Geldabfindungen oder werterh\u00f6henden Verbesserungsma\u00dfnahmen Land nicht mehr zur wertgleichen Abfindung ben\u00f6tigt, bestimmt der Flurbereinigungsplan \u00fcber die Zuteilung (\u00a7&nbsp;54 Abs.&nbsp;2 FlurbG).<\/li><li>bb) Die Flurbereinigungsbeh\u00f6rde ordnet die Ausf\u00fchrung des Flurbereinigungsplans entweder nach dessen Unanfechtbarkeit oder vorzeitig an (\u00a7\u00a7&nbsp;61&nbsp;ff. FlurbG). Zu dem in der Ausf\u00fchrungsanordnung zu bestimmenden Zeitpunkt tritt der im Flurbereinigungsplan vorgesehene neue Rechtszustand an die Stelle des bisherigen (\u00a7&nbsp;61 Satz&nbsp;2 FlurbG bzw. \u00a7&nbsp;63 Abs.&nbsp;1 i.V.m. \u00a7&nbsp;61 Satz&nbsp;2 FlurbG). Damit ist der Eigentumswechsel bewirkt. Das Grundbuch ist zu berichtigen (\u00a7\u00a7&nbsp;79, 80 FlurbG). Das Verfahren endet durch Schlussfeststellung (\u00a7\u00a7&nbsp;149&nbsp;ff. FlurbG).<\/li><li>b) Dem Eigentumswechsel geht kein einen \u00dcbereignungsanspruch begr\u00fcndendes Rechtsgesch\u00e4ft voraus.<\/li><li>aa) Der allgemeine Anspruch auf Abfindung in Land nach \u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FlurbG verwirklicht noch keinen steuerpflichtigen Erwerbstatbestand. Bis zum Abschluss des Flurbereinigungsverfahrens steht nicht fest, ob es \u00fcberhaupt und ggf. in welchem Umfang zu einer Zuteilung von Land kommen wird. Auch eine vorl\u00e4ufige Besitzeinweisung vermittelt keine gesicherte Rechtsposition. Nach \u00a7&nbsp;60 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;2 FlurbG kann der Flurbereinigungsplan ge\u00e4ndert werden, nach \u00a7&nbsp;9 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FlurbG das gesamte Verfahren durch Einstellung beendet werden (BFH-Urteil vom 17.05.2000&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;47\/99, BFHE 191, 426, BStBl II 2000, 627, unter II.2.a,&nbsp;b).<\/li><li>bb) Dasselbe gilt, soweit der bisherige Eigent\u00fcmer einer Abfindung in Geld zustimmt und seine Anspr\u00fcche auf Abfindung in Land auf den sp\u00e4teren Erwerber \u00fcbertr\u00e4gt (BFH-Urteile vom 23.08.2006&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;41\/05, BFHE 213, 406, BStBl II 2006, 919, unter II.2., und vom 22.10.2014&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;10\/14, BFHE 247, 340, BStBl II 2015, 401, Rz&nbsp;13 a.E., m.w.N.). Die in einer Verhandlungsniederschrift nach \u00a7\u00a7&nbsp;129&nbsp;ff. FlurbG erkl\u00e4rte Bereitschaft, Masseland gegen ein bestimmtes Entgelt zu \u00fcbernehmen, begr\u00fcndet deshalb f\u00fcr sich allein keinen Anspruch auf \u00dcbereignung dieses Landes.<\/li><li>cc) Selbst eine im Vorfeld des Flurbereinigungsplans abgeschlossene wirksame Planvereinbarung \u00fcber eine entsprechende Zuteilung stellt kein Rechtsgesch\u00e4ft i.S. des \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 GrEStG dar. Solche grunds\u00e4tzlich zul\u00e4ssigen \u00f6ffentlich-rechtlichen Vertr\u00e4ge (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts \u2011\u2011BVerwG\u2011\u2011 vom 29.04.1998&nbsp;&#8211; 11&nbsp;C&nbsp;6\/97, BVerwGE 106, 345, unter 2.b; Urteile des Oberverwaltungsgerichts \u2011\u2011OVG\u2011\u2011 Berlin-Brandenburg vom 04.06.2009&nbsp;&#8211; OVG&nbsp;70&nbsp;A&nbsp;2.07, und des OVG L\u00fcneburg vom 06.07.2010&nbsp;&#8211; 15&nbsp;KF&nbsp;25\/09) sind zwar Rechtsgesch\u00e4fte, die auch durch Verhandlungsniederschrift nach \u00a7\u00a7&nbsp;129&nbsp;ff. FlurbG geschlossen werden k\u00f6nnen (vgl. zu den Einzelheiten Urteil des OVG des Landes Sachsen-Anhalt vom 31.08.2021&nbsp;&#8211; 8&nbsp;K&nbsp;2\/20, juris, Rz&nbsp;26&nbsp;ff.). Sie f\u00fchren aber nicht zu einer \u2011\u2011unmittelbaren\u2011\u2011 Verpflichtung zur \u00dcbertragung oder zum Erwerb eines Grundst\u00fccks (vgl. Urteil des OVG des Landes Sachsen-Anhalt vom 31.08.2021&nbsp;&#8211; 8&nbsp;K&nbsp;2\/20, juris, Rz&nbsp;27, zum Bodenordnungsverfahren; ferner Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt vom 17.01.2019&nbsp;&#8211; 100&nbsp;U&nbsp;3\/16 (Baul), juris, Rz&nbsp;32, zum Umlegungsverfahren nach dem Baugesetzbuch). Planvereinbarungen geben nur den Ansto\u00df zu einem infolge eines mehraktigen Verwaltungsverfahrens sp\u00e4ter eintretenden gesetzlichen Eigentumswechsel.<\/li><li>dd) Der notwendig vor der Ausf\u00fchrungsanordnung erlassene Flurbereinigungsplan ist kein Rechtsgesch\u00e4ft i.S. von \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 GrEStG, sondern Verwaltungsakt (vgl. BVerwG-Urteile vom 20.05.1998&nbsp;&#8211; 11&nbsp;C&nbsp;7\/97, juris, unter 2., und vom 14.12.2005&nbsp;&#8211; 10&nbsp;C&nbsp;6\/04, BVerwGE 125, 9, juris, unter 2.b, sowie BVerwG-Beschluss vom 26.10.2016&nbsp;&#8211; 9&nbsp;B&nbsp;70\/15, juris, Rz&nbsp;5).<\/li><li>c) Nach \u00a7&nbsp;61 Satz&nbsp;2 FlurbG tritt der Eigentumswechsel kraft Anordnung ein. Einer Auflassung bedarf es nicht.<\/li><li>2. Die Zuteilung nach \u00a7&nbsp;54 Abs.&nbsp;2 FlurbG ist nicht von der Steuer befreit.<\/li><li>a) Nach \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a GrEStG in der am 29.08.2016 geltenden Fassung war \u2011\u2011soweit hier in Betracht kommend\u2011\u2011 der \u00dcbergang des Eigentums durch die Abfindung in Land von der Grunderwerbsteuer ausgenommen. Soweit gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;54 Abs.&nbsp;2 FlurbG nicht ben\u00f6tigtes Land zugeteilt wird, wird dieses Land nicht zur Abfindung verwendet, weil es zur Abfindung gerade nicht ben\u00f6tigt wird (so implizit BFH-Urteil in BFHE 213, 406, BStBl II 2006, 919, unter II.3.a; in diesem Sinne auch, sowohl f\u00fcr Mehrausweisungen nach \u00a7&nbsp;44 Abs.&nbsp;3 FlurbG als auch f\u00fcr Zuteilungen nach \u00a7&nbsp;54 Abs.&nbsp;2 FlurbG, BFH-Urteil in BFHE 247, 340, BStBl II 2015, 401, Rz&nbsp;13, m.w.N.; ebenso bereits Urteile des FG N\u00fcrnberg vom 19.07.2001&nbsp;&#8211; IV&nbsp;233\/2000, unter 1.b, und des FG Baden-W\u00fcrttemberg vom 01.02.2005&nbsp;&#8211; 1&nbsp;K&nbsp;241\/04).<\/li><li>b) Einer Entscheidung \u00fcber die Reichweite der mit Art.&nbsp;32 des Jahressteuergesetzes 2020 vom 21.12.2020 (BGBl I 2020, 3096) in \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a GrEStG eingef\u00fcgten Steuerbefreiung einer Mehrzuteilung bedarf es f\u00fcr den streitigen Erwerbsvorgang des Jahres 2016 nicht.<\/li><li>3. Die Steuer entsteht mit dem Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Ausf\u00fchrungsanordnung.<\/li><li>a) Die Steuer entsteht gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;38 der Abgabenordnung (AO) grunds\u00e4tzlich, sobald der Tatbestand verwirklicht ist, an den das Gesetz die Leistungspflicht kn\u00fcpft. Ist die Wirksamkeit eines Erwerbsvorgangs jedoch von dem Eintritt einer Bedingung abh\u00e4ngig oder bedarf er einer Genehmigung, entsteht die Steuer gem\u00e4\u00df \u00a7&nbsp;14 GrEStG erst mit Eintritt der Bedingung oder der Genehmigung.<\/li><li>b) Bei einem Erwerbstatbestand nach \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 GrEStG verwirklicht der \u00dcbergang des Eigentums den steuerbaren Tatbestand. Das ist im Fall der Landzuteilung im Flurbereinigungsverfahren der Zeitpunkt, in dem die Rechtswirkungen der Ausf\u00fchrungsanordnung eintreten (\u00e4hnlich f\u00fcr einen baurechtlichen Umlegungsbeschluss BFH-Urteil vom 25.11.1992&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;67\/89, BFHE 169, 533, BStBl II 1993, 308, unter II.1.). Die Ausf\u00fchrungsanordnung stand nicht unter einer Bedingung oder Genehmigung.<\/li><li>4. Der ma\u00dfgebende Steuersatz richtet sich nach dem Zeitpunkt des Wirksamwerdens der Ausf\u00fchrungsanordnung. Statt des in \u00a7&nbsp;11 Abs.&nbsp;1 GrEStG vorgesehenen Steuersatzes von 3,5&nbsp;% betr\u00e4gt gem\u00e4\u00df Abs.&nbsp;2 des durch Art.&nbsp;105 Abs.&nbsp;2a Satz&nbsp;2 des Grundgesetzes legitimierten GrEStFestG ND der Steuersatz f\u00fcr Rechtsvorg\u00e4nge betreffend in Niedersachsen belegene Grundst\u00fccke, die ab dem 01.01.2014 verwirklicht werden, 5&nbsp;%. Eine Ausf\u00fchrungsanordnung im Flurbereinigungsverfahren ist auch im Sinne dieser Vorschrift im Zeitpunkt ihres Wirksamwerdens und damit dem Zeitpunkt des Eigentumswechsels &#8222;verwirklicht&#8220;.<\/li><li>a) Der Senat ist nicht gehindert, \u00fcber die Auslegung des in dieser Vorschrift verwandten Tatbestandsmerkmals &#8222;verwirklicht&#8220; zu entscheiden. Es handelt sich zwar um grunds\u00e4tzlich nach \u00a7&nbsp;118 Abs.&nbsp;1 Satz&nbsp;1 FGO irrevisibles Landesrecht, w\u00e4hrend die intertemporale \u00dcbergangsvorschrift des \u2011\u2011revisiblen\u2011\u2011 Bundesrechts, \u00a7&nbsp;23 GrEStG, die ebenfalls darauf abstellt, wann Erwerbsvorg\u00e4nge &#8222;verwirklicht&#8220; werden, unmittelbar nicht anzuwenden ist. Zum einen jedoch wird revisibles Recht auch insoweit angewandt, als bei der Auslegung irrevisiblen Rechts eine Bindung an das revisible Recht stattfindet (vgl. BVerwG-Urteil vom 31.10.1975&nbsp;&#8211; IV&nbsp;C&nbsp;8.74 bis 11.74, BVerwGE 49, 301, Neue Juristische Wochenschrift 1976, 723, Leitsatz&nbsp;1). Es w\u00e4re nicht haltbar, die Definition des Merkmals &#8222;verwirklicht&#8220; im nieders\u00e4chsischen Landesrecht anders zu verstehen als in der korrespondierenden Norm des Bundesrechts. Zum anderen hat das Revisionsgericht in jedem Falle zu pr\u00fcfen, ob das Gericht der Vorinstanz bei der Auslegung von irrevisiblem Landesrecht das Gebot bundesrechtskonformer, insbesondere verfassungskonformer Auslegung beachtet hat (BVerwG-Urteil vom 18.12.1987&nbsp;&#8211; 4&nbsp;C&nbsp;9\/86, BVerwGE 78, 347, Leitsatz&nbsp;3). Dazu geh\u00f6rt auch die Frage, wie das Landesrecht unter Vertrauensschutzgesichtspunkten und damit in verfassungskonformer Weise auszulegen ist.<\/li><li>b) Das Merkmal &#8222;verwirklicht&#8220; entspricht im Rahmen des \u00a7&nbsp;23 GrEStG und damit auch des Abs.&nbsp;2 GrEStFestG ND grunds\u00e4tzlich der in \u00a7&nbsp;38 AO verwendeten Begrifflichkeit. Danach entstehen die Anspr\u00fcche aus dem Steuerschuldverh\u00e4ltnis, sobald der Tatbestand verwirklicht ist, an den das Gesetz die Leistungspflicht kn\u00fcpft. Dies ist der \u00dcbergang des Eigentums. Richtig ist allerdings \u2011\u2011worauf sich der Kl\u00e4ger beruft\u2011\u2011, dass nach st\u00e4ndiger Rechtsprechung des BFH ein Erwerbsvorgang i.S. des \u00a7&nbsp;23 GrEStG verwirklicht ist, wenn das auf ihn abzielende Wollen in rechtsgesch\u00e4ftliche Erkl\u00e4rungen umgesetzt worden ist, wenn also die Vertragspartner im Verh\u00e4ltnis zueinander gebunden sind, und zwar unabh\u00e4ngig davon, ob dieser Rechtsvorgang bereits die Entstehung der Steuer ausl\u00f6st oder nicht (vgl. BFH-Urteil vom 28.03.2007&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;57\/05, BFH\/NV 2007, 1537, unter II.1.). Diese Rechtsprechung beansprucht aber ausdr\u00fccklich keine Geltung f\u00fcr Erwerbsvorg\u00e4nge, die nicht in einer rechtsgesch\u00e4ftlichen Begr\u00fcndung von grunderwerbsteuerrechtlich relevanten (\u00dcbertragungs-)Anspr\u00fcchen bestehen, sondern am Ende eines durch Rechtsgesch\u00e4ft eingeleiteten Prozesses kraft Gesetzes eintreten. Bei Erwerbsvorg\u00e4ngen nach \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 GrEStG ber\u00fchren sowohl die dem Erwerb vorausgehenden Rechtsgesch\u00e4fte (dazu BFH-Urteil vom 29.09.2005&nbsp;&#8211; II&nbsp;R&nbsp;23\/04, BFHE 210, 531, BStBl II 2006, 137, unter II.1.b,&nbsp;c, zu einem Umwandlungsvorgang) als auch etwaige \u00f6ffentlich-rechtliche Rechtsakte gerade noch keinen Grunderwerbsteuertatbestand.<\/li><li>c) Unerheblich ist, ob der Verwirklichung eine Bindung der Beteiligten vorgelagert ist, sei es durch eine wirksame Planvereinbarung, sei es durch eine etwaige \u2011\u2011vorliegend nicht zu beurteilende\u2011\u2011 Unwiderruflichkeit der Zustimmung zur \u00dcbernahme von Land nach \u00a7&nbsp;54 Abs.&nbsp;2 FlurbG in entsprechender Anwendung von \u00a7&nbsp;52 Abs.&nbsp;2 Satz&nbsp;2 FlurbG.<\/li><li>aa) F\u00fcr den Fall der Umwandlung ist bereits ausdr\u00fccklich entschieden, dass der Verwirklichungszeitpunkt, die Eintragung im Handelsregister, davon unabh\u00e4ngig ist, ob sich die an der Umwandlung Beteiligten zuvor mittels ihrer privatrechtlichen rechtsgesch\u00e4ftlichen Erkl\u00e4rungen gebunden haben, und auch davon, dass sie auf den Verwirklichungszeitpunkt keinen Einfluss mehr haben (vgl. BFH-Urteil in BFHE 210, 531, BStBl II 2006, 137, unter II.1.c). Dies kann f\u00fcr eine im \u00f6ffentlich-rechtlichen Flurbereinigungsverfahren etwa eintretende Bindung der Beteiligten nicht anders betrachtet werden.<\/li><li>bb) Es besteht kein anderweitiger Anlass, aus Gr\u00fcnden des Vertrauensschutzes und damit im Wege der verfassungskonformen Auslegung den Verwirklichungszeitpunkt f\u00fcr das Flurbereinigungsverfahren nach vorn zu verlegen. Daher ist unerheblich, ob eine solche Vorverlegung noch mit dem Gesetzeswortlaut (&#8222;verwirklicht&#8220;) zu vereinbaren w\u00e4re. Insbesondere die h\u00e4ufig langen Verfahrensdauern im Flurbereinigungsverfahren \u2011\u2011dies ist anders als im Umwandlungsfall\u2011\u2011 rechtfertigen keine andere Betrachtung. Die Beteiligten eines Flurbereinigungsverfahrens wissen um dessen Dauer. Sie lassen sich deshalb bewusst darauf ein, dass ihre Erkl\u00e4rungen, auch wenn sie sich damit bereits binden, erst zu einem noch unbekannten k\u00fcnftigen Zeitpunkt Rechtswirkungen zeitigen. Dann nehmen sie auch in Kauf, dass der Besteuerungsmodus den k\u00fcnftigen Vorschriften entsprechen wird, die ihnen zum Zeitpunkt der Abgabe der Erkl\u00e4rung noch nicht bekannt sind.<\/li><li>5. Nach diesen Ma\u00dfst\u00e4ben hat das FG zu Recht erkannt, dass der Eigentumserwerb, den die zum 29.08.2016 wirksam gewordene Ausf\u00fchrungsanordnung bewirkt hat, im Umfang der Mehrabfindung auf diesen Zeitpunkt steuerbar nach \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;1 GrEStG und steuerpflichtig, insbesondere nicht steuerfrei nach \u00a7&nbsp;1 Abs.&nbsp;1 Nr.&nbsp;3 Satz&nbsp;2 Buchst.&nbsp;a GrEStG ist. Es handelte sich um einen gesetzlichen Eigentumswechsel, dem kein den Anspruch auf \u00dcbereignung begr\u00fcndendes Rechtsgesch\u00e4ft vorausgegangen war. Selbst wenn der Kl\u00e4ger sich durch die Verhandlungsniederschrift vom 22.04.2009 zur \u00dcbernahme der Mehrzuteilung verpflichtet haben sollte, h\u00e4tte darin kein solches Rechtsgesch\u00e4ft gelegen. Da erst in dem Wirksamwerden der Ausf\u00fchrungsanordnung auch die Verwirklichung des Steuertatbestands liegt, n\u00e4mlich der gesetzliche Eigentumserwerb, ist nach den ma\u00dfgebenden \u00dcbergangsvorschriften der f\u00fcr diesen Zeitpunkt geltende Steuersatz anzuwenden.<\/li><li>6. Die Kostenentscheidung folgt aus \u00a7&nbsp;135 Abs.&nbsp;2 FGO.<\/li><\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ECLI:DE:BFH:2022:U.121022.IIR7.20.0 BFH II. 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